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Lunar
Luciano Nacho






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Wolfsträumer (+)

Melodien der Berge - 3. Forum
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Melodien der Berge




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Charakterbogen


Kyro, Lijenna, Joshua



25.11.2010 16:51
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Lunar
Luciano Nacho






Art
Wolfsträumer (+)

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Melodien der Berge

(Frühling)

Rollenspielzeitraum: 19.10.2008-16.11.2008

Inplayzeitpunkt: 22.05.2007


Der erste richtig warme Tag des Jahres neigte sich dem Ende zu. Die Sonne war
bereits im Begriff unter zu gehen und malte den Himmel in den schönsten Farben.
Der Wind frischte auf und brachte angenehme Kühle mit sich. In den vergangenen
Tagen war das Rudel mehrfach ausgezogen, um auf Jagd zu gehen, ohne große
Erfolge zu verzeichnen. Sie hatten weit laufen müssen, um Beute zu schlagen. Der
vorübergehende Aufenthaltsort würde sie bald zwingen, weiter zu ziehen. Noch
waren die Mägen der Wölfe einigermaßen gefüllt und man beschäftigte sich mit der
Kleintierjagd.

Es ist der 22. Mai 2007, 980 Rollenspieltage sind seit der Rudelgründung ins
Land gezogen. Seit dem letzten Plot sind 15 Tage vergangen.


Die Welpen sind 2 Monate alt.


Gelangweilt lag Yukí Árashi auf dem Rücken, den Blick zum Himmel gerichtet. Es
war Mal wieder langweilig. Tierisch langweilig. Und sie lag nur da, beobachtete
den Himmel und die untergehende Sonne. Sie hätte zu Nanou gehen können, oder Kej
oder sonst wem.. aber dazu war sie für den Moment zu faul. Lieber lag sie noch
ein wenig treu doof in der Gegend herum, versuchte nicht vorhandene Wolken zu
zählen. Alana war bestimmt bei Aszira, und Aszira war bestimmt mit ihrem
Spielzeug beschäftigt. Und selbst, irgendwen zu provozieren schien ihr nicht
spaßig genug. Also blieb die Beige einfach liegen und starrte in den Himmel.
Wenn jemand etwas von ihr wollte, würde er schon zu ihr kommen. So brauchte sie
sich nicht erheben und konnte dem Nichtstun nachgehen. War doch auch Mal
entspannend. Obwohl.. in ihrem Kopf war noch die Frage, warum sie noch hier war.
Sie hatte etwas zu tun, etwas wichtiges. Sie durfte eigentlich nicht hier dumm
rum liegen und faulenzen. Für einige Momente schloß die zierliche Fähe die
Augen, atmete die frische Abendluft ein. Es war warm, zu warm für Schnee. Also
würde es noch lange dauern, bis es wieder schneite. Und bis dahin würde sie
Faite gefunden haben. Ganz sicher. Und wenn sie halt wieder alleine durch die
Gegend wandern musste. Irgendwo musste dieses dumme Tierchen ja sein. Ruhig
drehte sich die Beige auf die Seite, den Kopf jedoch noch immer zum Himmel
gerichtet. Das musste nun wieder wirklich dumm aussehen.. Naja, musste sie mit
leben. Mal wieder. Die Ohren der Fähe spielten mit dem Wind, drehten sich in
alle möglichen Richtungen. Ein bisschen Aktion hätte jetzt geschadet. Es war
wirklich öde. Vielleicht sollte sie sich doch mit irgendwem anlegen? Aramis
hatte sich so toll aufgeregt, oder Lunar. Aber auf beide hatte sie keine Lust.
Da war es selbst kein Lob, wenn die sich ein Loch in den Bauch ärgerten. Und so
lange sie hier war, musste sie aufpassen. Es brachte ihr nichts, Faite zu finden
wenn sie selbst ohne Kopf durch die Gegend rannte. Außerdem war das sicher sehr
schmerzhaft. Yukí schüttelte den Kopf. Egal wie sie es drehte und wendete, immer
wieder kam zu der Erkenntnis, das es am besten war, wenn sie hier liegen blieb
und so tat, als würde sie etwas tun. Ihr Kopf sank zurück auf den Boden, dann
drehte sie sich auf den Bauch, den Kopf zwischen den Läufen bettend. Aber auch
in dieser Lage fiel ihr nichts ein, was sie hätte anstellen können. Wäre Faite
da gewesen, wäre ihnen sicher schnell etwas eingefallen. Und wenn sie nur
irgendwen in die Weißglut trieben. Wahlweise auch den jeweils anderen. Aber
nein.. die musste ja irgendwo in der Pampa rum rennen und sich verlaufen. Anders
konnte sich die Beige das Ganze nicht vorstellen. Yukí seufzte. Es war zum
wahnsinnig werden. Nichts zu tun, und keine Idee etwas dagegen zu tun. So lag
sie nun da, starrte vor sich hin und erkannte niemanden, den sie hätte nerven
können. Sie konnte ja Mal..

Hey Yukí! Wie geht’s dir Yukí?
- Halt die Fresse, Yukí..“


Nein, mit sich selbst reden war auch nicht gerade das Wahre. Noch einen tiefen
Atemzug nehmend ließ sich die Fähe wieder auf die andere Seite sinken, den Kopf
nun auf den Boden legend. Nun hatte sie alle vier Positionen zu liegen durch und
war noch immer nicht zu einem Ergebnis gekommen. So ein Dreck. Und wieder
seufzte die zierliche Fähe. Eine Maus wäre nun das richtige. Irgend etwas zum
jagen und vielleicht lieb haben. Aber selbst das schien man ihr nicht zu gönnen.
Ja.. das Leben war hart zu ihr. Ganz böse. Genervt schnaubend drehte sich Yukí
schließlich wieder auf den Rücken. Anfangsposition. Und die Langeweile war noch
immer da.


Der junge Rüde war
wieder um einiges gewachsen. Sein Welpenkörper hatte sich ein wenig gestreckt
und doch schienen die Proportionen noch nicht ganz zu passen. Das Fell verlieh
ihm ein etwas pummeligeres Aussehen als es der Wahrheit entsprach und die Läufe
waren für den Körper viel zu schlacksig. Dazu kam, dass die Pfoten viel zu groß
waren.
Doch im Großen und Ganzen war das Kyraine vollkommen egal. Hauptsache er hatte
Spaß am Leben.
Er hatte sich nahe seinen Eltern aufgehalten, bis ihm schließlich langweilig
geworden war. Er wollte etwas erleben, etwas neues entdecken! Und vielleicht
fand er ja Aakalliko, dann konnte er ihn wieder ärgern.
Insgeheim war das sowieso zu seiner größten Leidenschaft geworden. Aakalliko
ärgern konnte ein neuer Wolfssport werden, dass war zumindest seine Ansicht.
Doch nirgendwo war der andere kleine Rüde zu sehen.
Enttäuscht klappten die kleinen Ohren nach unten und er trottete, den Blick zu
Boden gerichtet einige Meter vor sich hin. Hm...wenn kein Aakalliko da war,
vielleicht fand sich etwas anderes?
Und da er nicht wirklich darauf achtete wohin er lief stieß er plötzlich mit
etwas weichem zusammen, jaulte erschrocken auf und plumste zu Boden, da seine
Pfoten ihren Dienst aufgaben.

Vollkommen baff blickte er auf und starrte den Fellhaufen an, gegen den er
gelaufen war. Eine Wölfin. Aber nicht seine Mama. Seltsam. Wieso lag die denn da
so rum?

"Du liegst im Weg!"

, jammerte er anklagend.


Niagara hatte sich
ein ruhiges Plätzchen ausgesucht, wo sie ungestört ihren Gedanken nachhangen
konnte. Ihre Gedanken kreisten um die Situation, die vor einigen Tagen so
aufsehen erregt hatte. Sie fühlte sich unwohl, wenn sie nahe an Kyro vorbei
ging, mied es deshalb, so oft wie möglich. Ihre Blicke glitten immer wieder zu
dem Rüden ab. Misstrauisch beobachtete sie ihn dann. Nun lag sie aber auf einem
schönen Stück Wiese. Sie mochte das grün, das beinahe endlos erschien. Schon
seit einiger Zeit versuchte die Wölfin wieder einmal Schlaf zu finden. Doch sie
war zu aufgekratzt, dass sie nicht mal ans Schlafen denken konnte. Schnell war
sie auf ihren Pfoten und blickte um sich. Sie entdeckte einen der Welpen und
eine andere Wölfin, deren Namen sie noch nicht kannte. Sehnsüchtig blickte sie
sich nach ihrer Freundin um. Sie hasste es, wenn sie getrennt von ihr war. Wenn
es nach Niagara gehen würde, würde sie die ganze Zeit, Tag und Nacht neben
Lajila sein. Doch sie wusste, Lajila hatte Familie, um die sie sich auch kümmern
musste, außerdem wollte sie sicher auch mal alleine sein. Leicht geknickt
entschied Niagara dann, zu den beiden ebenfalls aktiven zu gehen. Als sie bei
den beiden angekommen war, grüsste sie Freundlich:

„Hallo ihr beiden. Mein Name ist Niagara, wie lauten den eure Namen?“

Freundlich setzte sich Niagara zu den beiden hin. Ihre Rute fegte den Boden
unter ihr glatt. Ihre Augen waren voller Freude und Neugier. Die Wölfin leckte
sich kurz über die Lefzen, ehe sie ihre Ohren nach vorne klappte und geduldig
wartete.


Gespannt schaute er
zum Himmel. Dieser Sonnenuntergang brachte einfach wunderbare Farben mit sich!
Blau, gelb und rot Töne verschmolzen miteinander. Die Farben hatten die Wirkung,
dass es so aussah, als stände die Sonne in Flammen! Aakalliko betrachtete das
Farbenspiel mit großer Neugier. Er legte sich auf den Rücken und streckte die
Pfoten ein wenig von sich. Nun konnte er aus dieser Perspektive viel besser den
Himmel mit den vielen bunten Farben beobachten. Es dauerte immer lange Zeit, bis
sie sich auch nur ein kleines bisschen veränderten. Die Farben wurden immer
dunkler und energischer. Auch die Wolken schienen die rötlichen Farben
anzunehmen. Wunderschön und interessant! Auch, wenn es leider nur sehr langsam
voran ging. Aber…warum verschwand die Sonne überhaupt? Wo ging sie jeden Abend
hin? Und auch der Mond war nur für eine bestimmte Zeit zu sehen. Auch er schien
täglich irgendwann ganz zu verschwinden und später wieder aufzutauchen. War das
vielleicht so etwas ähnliches, wie verstecken spielen?

.oO(Ich habe ja noch sooo viele Fragen! Das Leben ist voller Geheimnisse und
neuen Dingen, die man jeden Tag entdecken kann!)


Aakalliko würde noch sehr vieles dazulernen, das wusste er. Doch er fand es
nicht schlimm, denn er wollte sehr gerne noch vieles dazulernen und ein großer
Abenteurer werden. Er wollte später einmal genau so schlau wie die anderen
Erwachsenen Wölfe sein. Dann könnte er auch vielen anderen helfen, die eine
Frage hatten. Aakalliko würde es echt super finden, wenn auch er einmal helfen
könnte, indem er jemanden etwas erklärt oder erzählt. Aber er wusste genau, dass
man leider nicht alles von jetzt auf gleich lernen konnte. Es brauchte Zeit.
Sehr viel Zeit. Später würde er aber ganz viel wissen, ganz bestimmt! Die kühle
Abendluft tat wirklich sehr gut. Denn heute war es ziemlich warm gewesen und da
brauchte man auch einmal eine Abkühlung! Die nächsten Tage würden wohl auch
nicht sehr viel anders werden, als der Heutige. Doch da gab es etwas, was
Aakalliko ein wenig bedrückte: Er hatte mitbekommen, dass die Jagden immer ohne
große Beute ausgingen. Das hörte sich gar nicht gut an und könnte auch noch zu
einem riesigen Problem werden! Das Rudel war groß, also musste auch sehr viel
Nahrung her. Viele Kleintiere zu jagen, war sicherlich wirklich sehr mühsam, um
einen großen Wolfsmagen voll zubekommen. Er hoffte so sehr, dass sich bald alles
bessern würde und die Wölfe wieder mehr Beute bekommen würden.


Die Sonne neigte sich
allmählich dem Horizont entgegen, aber es würde noch eine Weile dauern, bis die
Dunkelheit ihre Herrschaft über das Land antreten würde. Aber selbst, wenn es
soweit war, würde an Schlaf nicht zu denken sein. Nicht für sie, dafür war sie
aufgrund von Übermüdung viel zu aufgekratzt. Seit zwei Wochen schlief sie nur
noch wenig, und wenn, dass unruhig. Obwohl Kyro abseits schlafen musste, glaubte
sie dennoch immer, ihn nah in ihrem Rücken zu haben. Die Schwarze legte sich
seither stets in der Nähe der anderen Wölfe zum Schlafen nieder. Falls Kyro auf
dumme Gedanken kommen sollte - und Aszira zweifelte nicht daran, dass eslängst
so war - würden Kampfgeräusche die restlichen Rudelmitglieder wecken. Sie wollte
Zeugen für Kyros Übergriff haben, wenn sie ihn töten musste. Falls sie dazu kam,
hieß das. Bisher war jedoch noch nichts passiert, aber davon würde sie sich
nicht in Sicherheit wiegen lassen. Oft genug schreckte sie aus Träumen hoch, die
ihr einen blutigen Tod versprachen, und dann lag sie meist noch stundenlang wach
und beobachtete die Schatten. Manchmal schien es ihr, dass sie eine wölfische
Gestalt formten, die jedoch nicht Kyro gehörte, sondern jemand anderes - IHM,
der am Ende immer gewann...
Aszira schüttelte kurz den Kopf, um die Gedanken zu vertreiben. Sie saß auf
einer kleinen Anhöhe und witterte aufmerksam im Wind nach Beute. Bald schon
würden sie wieder einen größeren Erfolg brauchen, aber der Wind verriet ihr
nichts über Beutetiere, die größer als eine Maus waren. Nur Kyros Geruch drang
ihr ab und an in die Nase, und den durfte sie ja nicht fressen...
Kyro, Kyro, Kyro! Ihr wurde schon übel, wenn sie seinen Namen nur dachte,
wissend, dass er immer ganz in ihrer Nähe war. Innerlich zuckte sie jedesmal
zusammen, wenn jemand ihn aussprach, und am liebsten hätte sie jedem einzelnen
verboten, diesen Namen je wieder zu erwähnen. Aber über sie konnte die Schwarze
nicht befehlen, nur über ihn. Und an ihn wollte sie nicht denken müssen, nein,
nicht an Kyro...
Sie musste anders von ihm denken. Ihm einen anderen Namen geben, der sie nicht
mit soviel Ekel erfüllte... Moment! Was für eine Idee! Sie konnte ihm einen
neuen Namen geben - und sie konnte den Rest des Rudels bis zu einem gewissen
Grad dazu zwingen, es ihr gleich zu tun. Aber, welcher Name kam für einen
elenden Köter wie ihn in Frage...?
Ihre Lefzen verzogen sich kurz zu einem Grinsen, dann wurde sie wieder ernst,
als sie den Kopf zu Kyro umwandte.

"Du! Ab sofort wirst du nurnoch auf den Namen 'Hund' hören! Auf deinen alten
Namen wirst du nicht mehr reagieren, bei niemandem! Und nun geh und such nach
Spuren von Großwild. Sei bei Sonnenuntergang spätestens zurück."


Am liebsten hätte sie ihn nicht zurück beordert, denn vielleicht blieb er dann
für immer fort. Das war ihr jedoch zu riskant, denn für den Fall, dass er
irgendwann wieder auftauchte, hätte man die Situation so interpretieren können,
dass sie ihn frei gegeben hätte. Sollte er aber andererseits türmen, obwohl sie
ihn zurück befohlen hatte, konnte sie ihn vielleicht töten, wenn sie ihm
nocheinmal begegnen sollten...

Der silbergraue Wolf
stand abseits auf einer kleinen Anhöhe und sah in den Sonnenuntergang. Sein Fell
schimmerte fast golden durch das rote Licht der Sonne. Leicht spielten seine
Ohren und der Wind fuhr angenehm warm durch seinen dichten Pelz. Der erste
richtig warme Tag war vorüber und der silbergraue Rüde dachte daran das es Zeit
wurde wieder aufzubrechen.
Das Wild war knapp geworden und immer weiter mussten sie laufen um genug Beute
für alle zu erbeuten. Das Rudel war nicht kleiner geworden und so waren es
einige Mäuler die es zu stopfen galt. Man konnte beinahe froh sein, dass einige
der Wölfe sich auch mit der Kleintierjagd über Wasser hielten.

Langsam drehte er den Kopf und sah dorthin wo das Rudel rastete. Ein so großes
Rudel und doch waren sie nicht immer ein Ganzes. Viele neue Wölfe und die Welpen
machten es nicht unbedingt einfach die Kontakte untereinander aufzubauen und zu
festigen. Er seufzte leise und wieder schweifte sein Blick umher.

Hoffentlich war diese Wanderung irgendwann vorbei. Er wollte seinen Welpen mehr
bieten als ein Leben auf Wanderschaft. Er wollte das sie wussten was es hieß ein
Zuhause zu haben, ein Revier, etwas das sich zu schützen lohnte. Er hob den
Kopf, sah hinauf zum Himmel, zu den Wolken und zur Sonne.

Seine Gedanken huschte in vergangene Tage und blieben dann an einer Wölfin
hängen. Schwarz wie die Nacht, golden wie die untergehende Sonne und so
erwärmend wie die Hitze des Sommers. Er, der so selten Gefühle zeigte und eher
distanziert wirkte war seit sie seine Gefährtin geworden war, aufgetaut. Immer
öfters erschien ein Lächeln auf seinen Lefzen, immer wieder reagierte er viel
entspannter auf angespannte Momente.

Er legte den Kopf in den Nacken und leicht öffnete sich seine Schnauze. Er
wusste sie würde ihn hören, jeder würde ihn hören und doch war es nur für Die
Eine bestimmt.

"Endlich bist du da, mein Glück
mein Herz bricht vor Freude
du gabst mir mein Lachen zurück

Wenn du mich berührst und zärtlich küßt
bricht mein Herz vor Liebe

ich habe dich so unendlich vermißt"
,

leise und doch weit reichend ertönte das Heulen des Alphawolfes. Es schwoll
langsam an, voller Inbrunst, voller Leidenschaft und voller Glück. Er heulte
nicht oft, aber diesmal überkamen ihn seine Gefühle spürbar. Eine Melodie die
weit ins Land getragen wurde

"Bist du manchmal nicht bei mir
dann bricht mein Herz vor Sehnsucht
ich habe Angst, daß ich dich verlier

und wenn Du sagst, " Ich liebe dich "
springt mein Herz vor Glück

verzaubert hast du die Welt für mich"
,

sein Heulen verklang, langsam und doch auf mehr hoffen lassend. Er lächelte
verträumt und sah wieder gen Sonnenuntergang. Noch nie war er so berührt gewesen
von einem Moment wie diesem, aber er genoss es.


Abermals war einige
Zeit ins Land gezogen. Tage gingen vorüber und Nächte brachen herein. Und jeden
Tag aufs Neue wurde Lajila daran erinnert, wie glücklich sie war. Ihre Freunde,
die sie unterstützten und ihr nicht von der Seite wichen, das Rudel, das die
schützenden Pfoten über ihre Familie hielt, ihre Welpen, die jede Nacht mit
ihrem Strahlen zum Tag machten und natürlich Aramis. Jener Wolf, dem ihr Herz
gehörte.
Immer, wenn sie ihren Gefährten mit sanften Augen betrachtete erschien es ihr
wie ein Traum, dass er hier bei ihr war. Solange war sie einsam umher geirrt,
hatte dann zwar ihre Freunde und Begleiter gefunden doch wirklich vollkommen war
es nie gewesen. Und jetzt, seit einiger Zeit, da war ihr Leben perfekt.
Natürlich, sie könnten in einem Revier sein, dann wäre es um einiges einfacher
und sicherer. Doch Lajila wusste, dass ihr und den Kleinen nichts geschehen
konnte, solange Aramis an ihrer Seite war.
Denn nur jenem Wolf war es zu verdanken, dass sie sich wieder Mutter nennen
konnte. Mutter und Gefährtin. Und sie fühlte sich so wohl wie lange nicht mehr.

Die Zeit, die seit der Geburt der Welpen ins Land gegangen war, hatte ihr
geholfen wieder all ihre Kräfte zu sammeln. Auch wenn nicht viel Futter da war
reichte es doch, um sie alle halbwegs satt zu bekomen und die Jungen kräftiger
werden zu lassen.

Die dunkle Wölfin hatte sich unten in der Nähe der Höhle ausgestreckt und lies
ihren Blick über die Welt vor sich schweifen. Und mochte die Welt auch noch so
groß sein, sie war hier in ihrer kleineren Welt glücklich. Denn sie beinhaltete
alles, was sie brauchte.
Als die Stimme ihres Geliebten erklang hob sie den Kopf und wandte ihn in die
Richtung aus der es erklang. Ihr Blick suchte nach Aramis und sie entdeckte
seine Konturen auf dem Hügel.
Mit jedem seiner Worte strahlten ihre Augen mehr, ein angenehmes Kribbeln
wanderte über ihre Läufe und weitete sich auf ihren gesamten Körper auf. Wohlige
Wärme erfüllte sich und mit halbgeschlossenen Augen lauschte sie den Worten, die
ihr galten.
Als er sein Lied beendete zierte ein sanftes Lächeln ihre Lefzen. Sie setzte
sich auf und hob ebenso den Fang.

"Sitze hier und lausche still,
weil ich dir gehören will.
Niemals mehr der Einsamkeit,
sich mein Herz hat einverleibt.

Nur nach dir dem Sonnenstrahl,
würd ich ewig streben.
Ich für dich den Himmel mal,
mein Leben würd ich geben.

Nur mit dir da kann ich siegen,
ohne dich ich ganz verlor`n.
Keine Ängste mehr gemieden,
haben Ziele auerkor`n."


Erst leise, dann immer kraftvoller ertönte ihre Antwort. Ihre Stimme glitt über
den Rudelplatz hinweg und breitete sich aus, erreichte Pfade, die sie vielleicht
irgendwann ein Mal beschreiten würden.
Geschmeidig erhob sich die dunkle Wölfin und lenkte ihre Pfoten hinauf, zu ihrem
Liebsten. Je näher sie ihm kam, desto beschwingter wurde ihr Schritt und bei ihm
angekommen hielt sie vor ihm an, Schnauze an Schnauze.

"Nur für dich will ich sein,
Einzig was ich bin..."


Ihre letzten Worte waren leise gesprochen, nur an den Rüden vor ihr gerichtet.
Liebevoll betrachtete sie ihn, jenen Wolf den sie über alles liebte.


Die hellen Augen
inzwischen geschlossen verharrte die Beige auf dem Rücken, machte keine
Anstalten sich zu bewegen oder überhaupt Mal auf zu stehen. Sie würde diesen
Abend einfach Mal daliegen und nichtstun. Langweilen konnte man das nennen. Sich
diesem ewigen Kreis hingeben. Und morgen würde es weitergehen, ganz sicher. Kurz
drehte Yukí Árashi den Kopf zur Seite, um vielleicht jemanden zu entdecken, der
sie etwas unterhalten konnte. Aber.. natürlich! Da war niemand interessantes.
Seufzend drehte Yukí den Kopf wieder nach oben, öffnete die Augen nun ganz und
betrachtete weiter die Farben. Vielleicht würde sie einfach einschlafen? Das
wäre das beste, was ihr passiren konnte! Aber ehe sie überhaupt wieder die Augen
schließen konnte, spürte sie etwas in ihrer Seite und kurz darauf eine junge,
jammernde Stimme. Nun doch ein wenig.. perplex lunste die Fähe erneut zur Seite.
Was war das?! Blinzelnd betrachtete sie den Welpen, der sie als Hindernis
empfand. Hätte er nicht um sie herum gehen können? Ohne sich weiter zu drehen
neigte sie den Kopf zu dem kleinen Wolf.

"Wie wärs, wenn du einfach wonaders lang gehst, Kleiner?"

In ihrer Stimme lag ein etwas belustigter Ton, es war keines Falles böse
gemeint. So viel Anstand hatte sie noch, dass sie kleinen Welpen nichts tat.
Liecht gähnte die Beige auf, als schon die nächste Wölfin da war. Noch immer den
Kopf bei dem kleinen Welpen schaute sie zu der Neuen hinauf. Niagara also.
Irgendwie kam diese Fähe ihr bekannt vor. Aber.. woher? Nicht weiter darüber
nachdenkend bemühte sich Yukí nun doch aufzustehen, darauf achtend, nicht den
kleinen Welpen zur Seite zu schieben. Sanft stubste sie ihn mit der Pfote an,
lächelte ihm zu.

"Stell dich vor, kleines Monster!"

Kaum hatte sie geendet hob sie den Kopf zu Niagara, schenkte auch dieser Fähe
ein Lächeln.

"Hey Niagara! Ich bin Yukí Árashi. Aber Yukí reicht. Wie gehts dir?"

Noch mehr Wölfe, die etwas im Kopf hatten und nicht gleich wie irre drauf los
knurrten! Herrlich!


Kyro lag friedlich
und mit sich selbst im Einklang in Asziras Nähe und genoss den Blick auf die
untergehende Sonne. Es war faszinierend, welch beruhigende Wirkung ihre ewige
Unruhe auf ihn hatte. Er war zufrieden mit sich in der Welt. Es war eine Art
Glück, auf düstere, bittere Weise. Sein Leben war ganz einfach geworden,
überhaupt war es so leicht zu existieren. Er brauchte niemandem mehr etwas zu
beweisen und war keinem Wolf etwas schuldig. Nur Aszira musste er dienen und
solange sie ihr Spiel liebte, brauchte er nichts zu tun, als sich wie ihre
Marionette zu verhalten. Er sah zu ihr, als sie den Kopf zu ihm wandte und er
musterte ihr böses Grinsen, um es mit einem heiteren, freundlichen Lächeln zu
erwidern.

„Mein Name ist Hund. In Ordnung, Herrin, ich bin bald zurück.“

Er erhob sich in einer gelassenen Bewegung und streckte seine Glieder aus, um
ihrem Befehl nachzukommen. Da die Sonne bereits am Untergehen war, konnte sein
Streifzug nicht lange andauern, er rannte einfach los, um ihren Wunsch zu
erfüllen. Er achtete darauf, keinem Wolf des Rudels zu begegnen und sich von
ihnen fortzubewegen. Ihnen gegenüber zutreten war nach wie vor schwierig für
ihn. Es weckte den Teil in ihm, wegen dem man ihn hatte verbannen wollen. Sie
hätten es tun sollen, er traute sich selbst nicht. Aszira würde es eines Tages
zu weit treiben, sie würde einen empfindlichen Punkt treffen und dann würde sich
sein Verstand ausschalten. Es war also weiterhin von Vorteil, keinesfalls
Sympathie in den Reihen der Gemeinschaft zu ernten. Er musste sie hassen und das
tat er. Wenn er herum lag und seinen Gedanken nachhing, dann stellte er sich
vor, wie sie starben. Wie sie unter ihrem größten Ängsten litten. Und dann trat
er aus dem Schatten und in der Sekunde ihres Todes wussten sie, wer er war und
wie es war, er zu sein.
Sein Lauf wurde begleitet vom Heulen zweier Wölfe, die von Liebe, von Glück und
Zährtlichkeit sangen, ohne zu wissen, dass es nichts dergleichen gab.


Der Himmel bat zwar
einen wunderschönen Anblick, doch langsam wurde es für Aakalliko ein wenig zu
langweilig. Es geschah dort einfach zu wenig. Er wollte spielen oder etwas
aufregende unternehmen! Doch da viel ihm erst gerade ein, dass es doch schon
ziemlich spät sei! Bald wäre Schlafenszeit! Außerdem merkte Aakalliko, dass er
auch schon bald den Schlaf brauchen würde. Er war schon ziemlich müde und musste
auch schon öfters gähnen. Aber immerhin blieb ihm bis zum schlafen gehen noch
ein bisschen Zeit! Was wollte er denn bloß noch machen? Er dachte nach.

“Hm…ich glaube die Anderen zu stören, ist nicht so toll! Vielleicht möchten
manche von ihnen auch schon langsam ihre Ruhe haben, damit sie ganz langsam
einschlafen können!“


Sprach er leise und nachdenklich mit sich selbst. Er lag noch immer auf dem
Rücken, sah aber nicht zum Himmel, sondern ins Leere. Er drehte sich auf den
Bauch um. Um sich rum befand sich das ganze Rudel. Seine Augen wanderten von
Wolf zu Wolf. Die meisten kannte er schon, aber zwischendrin gab es noch
einzelne, die für ihn noch unbekannt waren. Sollte er es sich wagen, zu ihnen
gehen und sie vielleicht auch noch ansprechen? Nein…lieber nicht! Nicht mehr
heute. Dafür war es schon zu spät. Also sah sich Aakalliko nach einem bekannten
Gesicht um. Er konnte in ein wenig Entfernung den Welpen Kyrraine ausmachen, der
ihn immer so gerne ärgerte. Er musste schmunzeln. Vielleicht könnte Aakalliko
ihn heute auch noch ärgern. Er stand auf und tapste langsam auf ihn zu. Da
erkannte er im Gehen, dass Kyrraine mit einer anderen Fähe Kontakt aufgenommen
hatte. So ging Aakalliko auf die Beiden zu. Er ging ganz leise, sodass er schon
fast wie eine Katze schlich.

“Buuh!...Hahaha…jetzt hast du dich doch ganz bestimmt erschrocken!“

Er grinste zufrieden. Aber er vermutete schon, dass Kyrraine so tun würde, als
wäre nichts geschehen. Doch wenn er schreckhaft zusammenzucken würde, hätte
Aakalliko den Beweis, dass sich sein Freund doch erschreckt hatte. Dann sah er
zu der Fähe.

“ Hallo du! Wie heißt du?“

Fragte er ganz vorwitzig. Auch Niagara war bei dieser kleinen „Versammlung“
dabei. Aakalliko wuffte ihr freundlich zur Begrüßung zu.


Still lag der
schwarze Wolf am Rande des Welpenplatzes. Nur seine hin und wieder zuckenden
Ohren und der sich hebende Brustkorb verrieten das er noch lebte. Er lauschte
den Gesprächen, den Geräuschen und allem was er sonst noch wahrnahm. Wie immer
eigentlich. Und doch drehte sich seine Gedanken seit einigen Tagen nicht mehr
nur um dunklere Themen. Es gab neben dem Licht von Niana ein weiteres Funkeln in
seiner Seele. Ein Funkeln das seine Zunge löste und ihn etwas neues, warmes
fühlen ließ.

Er öffnete die silbernen Augen und ließ den Blick schweifen. War das Funkeln in
seiner Nähe? Seine Ohren zuckten. Wieso sollte er eigentlich nicht selbst dem
Funkeln entgegen gehen? Langsam erhob er sich, streckte seine Glieder und
trottete dann in Richtung des Funkelns. Ob sie überhaupt wusste das sie gemeint
war?

Er war auf der Suche und seine Gedanken überschlugen sich beinahe.

.oO(Auf der Suche
nach jemandem
der mein Schweigen bricht

Auf dem Weg

zu jemandem
der mir aus der Seele spricht

Ich bin auf der Suche
nach Geborgenheit
in einer kalten Winternacht

Ich bin auf der Suche
nach Hoffnung
Hoffnung, das es in dieser Welt

noch Gefühle gibt

Ich bin auf der Suche
nach einem Wolf
der mein Schweigen bricht )


Ob er ihr jemals seine Gedanken so offen präsentieren konnte? Ob er ihr jemals
sagen konnte, dass sie für ihn ein Funkeln in der Dunkelheit war? So hell und
strahlend das sie Niana nahe kam? Er wusste es nicht, aber er suchte sie.
Geduldig und voller Ruhe.


Noir beobachtete das
Geschehen abseits. Sie beobachtete die Welpen und die Wölfe, die sie zu ihrem
Rudel zählte. Sie beobachtete all' das Glück und all' die Liebe. Sie beobachtete
Katan dem sie alle Liebe, die sie aufbringen konnte, entgegenbrachte. Ihr Herz
schlug wie wild gegen ihren Brustkorb und ein Lächeln zeichnete sich auf ihren
Lefzen ab. Das Leben war schön. Da war die Liebe und das Glück. Welche Lust zu
leben, welche Lust. Sie wollte schreien, wollte lachen, wollte herum rennen und
jedem sagen wie sehr sie den Weißen liebte. Was er ihr bedeutete. Aber sie blieb
ganz ruhig sitzten, behielt das Gefühl für sich allein. Ganz tief in sich drin.
Und da machte es sie glücklich. Hielt sie warm, egal wie kalt es war.

You are the best one, of the best ones
We all look like we feel
You have stolen my,
You have stolen my heart


Sie konnte den Blick nicht von ihrem Gefährten nehmen. Spürte all die Zuneigung,
all die Liebe und all das Glück, das er ihr gab. Sie schloss die Augen, hielt
sein Bild fest vor ihren Augen, dämmerte vor sich hin und war in diesem Moment
wunschlos glücklich. Er war da, in Reichweite. Und nicht weit entfernt war Kyro.
Und dann war da noch Aramis. Mit dem sie sich gestritten hatte. Langsam erhob
sich die Schwarze, folgte seinem Gesang, der sie tief berührte, obwohl es nicht
an sie gerichtet war. Sie lauschte auch Lajilas Lied und blieb kurz stehen.
Vielleicht sollte sie die Beiden nicht stören. Aber sie lief weiter. Weil es
sein musste. Es war der richtige Moment. Oder auch nicht. Es gab keinen falschen
Moment um einem Freund zu sagen, dass es einem Leid tat. Sie sah die Beiden
schon von Weiten und ihren Moment. Es tat ihr Leid dass sie die Zwei unterbrach,
störte in ihrer Zweisamkeit. Aber sie würden noch so viel Zeit haben, da war
sich die Schwarze sicher. Aber wie lange konnte sie noch diese unnötige Distanz
zwischen sich und Aramis halten. Wie viel Zeit sollte sie damit verschwenden.
Keine mehr. Sie trat näher an ihren großen, grauen Freund und dessen Gefährtin.
Sie senkte entschuldigend den Kopf. Blickte dem Silbernen in die Augen, offen.
Zeigte ihm alle ihre Gefühle. Die Freundschaft zu ihm, die Liebe zu Katan und
das Glück, dass sie zur Zeit bewohnte. Und zu dem nur noch ein kleines Stück
fehlte, damit es vollkommen war.

„Es tut mir Leid, Aramis. Ich hätte dich vorher fragen müssen. Es ist alles
aus dem Ruder gelaufen und ich hatte Angst. Um Kyro und um mich. Es tut mir so
Leid."


Ihre Stimme war leise und warm gewesen. Sie hatte so lange an diesen Moment
gedacht, wenn sie Distanz brechen würde. Wieder an seiner Seite stehen konnte
ohne sich meilenweit entfernt zu fühlen. Ihn wieder anzusehen, ohne Fragen, ohne
Angst. Und jetzt war der Moment gekommen. Sie hätte nicht noch länger warten
dürfen. Sie sah zu Lajila.

„Tut mir Leid das ich es so übertrieben habe. Aber wie gesagt, ich hatte
Angst um einen Freund. Auch wenn er in euren Augen nichts weiter ist als ein
Vergewaltiger. Ich hatte einfach Angst."


Sie lächelte gequält und sah zurück zu ihrem Freund und dann in den
Sonnenuntergang. Sie war hier mit ihrem alten Freund. Und sie spürte wie sehr
sie ihn vermisst hatte. Seine Nähe, seine Worte. Wie oft hatte er sie ermutigt,
wie oft hatte er sie unterstützt. Und sie hatte fast alles weggeworfen, weil sie
zu stur gewesen war. Jetzt stand sie bei ihm und seiner Gefährtin. Blickte in
den Sonnenuntergang und hoffte um Vergebung. Und sie war sich fast sicher dass
sie sie bekommen würde. Weil sie den Grauen ja kannte.

Our dreams assured and we all, will sleep well


Verträumt blickte
Katan in den Sonnenuntergang. Ein Schimmer rötlichen Lichtes hatte sich auf die
dunkler werdenden Baumkronen gelegt, sie bildeten einen scharfen Kontrast vor
dem aufflammenden Himmel. Glühend schien ihm die Sonne entgegen, ein Feuer, dass
in weiter Ferne brannte und dennoch spürte er sie noch, ihre Wärme. Lächelnd sah
er Noir hinterher, die sich eindeutig dazu aufgemacht hatte um mit Aramis und
Lajila zu sprechen. Er würde ihr nicht folgen, damit hatte er nichts zu
schaffen, auch wenn er gerne an ihrer Seite gestanden hätte, um ihr Mut zu
geben. Vielleicht würde Aramis milder gestimmt sein, wenn sie allein kam. Katan
hatte nicht das Gefühl, dass der Rüde ihn besonders mochte, obwohl sie nie
Auseinandersetzungen gehabt hatten, nur kleine Unstimmigkeiten. Es war gut, dass
seine Gefährtin den Mut gefasst hatte, um die Sache zwischen sich und ihrem
alten Freund wieder ins Reine zu bringen. Der Weiße blickte den Hang hinauf, wo
die drei Wölfe standen und hoffte inständig, dass der Alpha ihr verzeihen würde.
Es würde ihr Glück vervollkommnen und so auch seines. Lange Schatten warfen sie
auf den grasbewachsenen Grund.
Er stand auf und sah sich um. Es wurde Zeit, die Welpen näher kennenzulernen und
die milde Stimmung war sicher förderlich für den Beginn guter Beziehungen.
Langsam trabte er zu einer kleinen Gruppe von Wölfen hinüber, die sich unweit
entfernt gebildet hatte. Yukí war abermals unter ihnen, ihr hatte er sich ja
bereits vorgestellt, außerdem zwei Welpen und auch Niagara war dort. Er glaubte
mit dieser Fähe noch niemals auch nur ein einziges Wort gewechselt zu haben. Er
stellte sich fröhlich beschwingt dazu und lächelte in die Runde.

"Hallo zusammen"

Er senkte den Kopf, sodass er mit Kyrraine und Aakalliko auf Augenhöhe war. Ein
breites Grinsen zog sich über sein helles Gesicht.

"Hey ihr zwei, ich bin Katan. Wie sind eure Namen?"

Freudig begann er mit seiner langen, weißen Rute zu wedeln, während er die
winzigen Wölfe vor sich anstrahlte. Lange hatte er keine Welpen mehr zu Gesicht
bekommen, sie erinnerten ihn an sich selbst. Er wusste, dass er nie richtig
erwachsen geworden war, in all den Jahren nicht. Über diese Formulierung, die in
seinem eigenen Kopf widerhallte, musste er ein wenig kichern. Er war ja auch
erst drei Jahre alt, das war gar nicht so lange, wenn man mal richtig darüber
nachdachte, doch es war die Zeit seines Lebens. Seine kleine Ewigkeit.


Daina saß in der
Mitte der Ansammlung von Wölfen, welche die Gruppe der Welpen und deren
Aufpasser bildete. Staunend starrte sie in den rotgefärbten Himmel, beobachtete
mit offenem Mund, wie die leuchtenden Farben miteinander verschmolzen. So etwas
wunderschönes hatte sie noch nie zuvor gesehen in ihrem jungen Leben. Es gab
viele erstaunliche Dinge, vieles, was zu hinterfragen war und sehr viele Sachen,
die es zu entdecken galt, doch die Schönheit dieses Moments raubte ihr allen
Willen, sich von der Stelle zu rühren. Einige Wölfe hoben sich entfernt von der
Gruppe vom flimmernden Farbenspiel ab, weil sie auf einer anhöhe standen. Eine
kleine Gruppe von Wölfen. Worüber sprachen sie? Warum waren sie nicht hier, wo
auch alle anderen waren? Sie ließ ihren Blick schweifen. Ein Stück weiter befand
sich auf einer anderen Anhöhe ein einzelner Wolf, kurz war auch ein zweiter zu
sehen, doch er verschwand, ehe sie auch nur ansatzweise erkennen konnte, wer es
war. Sie seufzte. Zu gern würde sie diese Geheimnistuerei der Erwachsenen
durchschauen, zu gern würde sie hingehen und zuhören, was sie fernab der Gruppe
besprachen, doch man würde sie ja eh nicht lassen.
Schließlich riss sie sich doch davon los, wie gebannt den Himmel anzustarren und
stand auf. Kurz sah sie sich um, überlegte ob sie zu der entstandenen Gruppe
gehen sollte, doch das reizte sie wenig. Zu viel Trubel. Stattdessen fasste sie
jemand anderes ins Auge. Zwar kannte sie den großen schwarzen Rüden nicht, aber
das störte sie eher wenig. Beschwingt trabte sie an den Rand des Platzes, auf
dem sie rasteten, wo der dunkle Fellberg ruhte. Demon schien in Gedanken zu
sein, doch sie war zuversichtlich, dass er sich über ihr Erscheinen freute.
Jeder mochte doch Gesellschaft oder nicht? Sie stellte sich direkt vor ihn, den
Anflug eines Lächelns auf den Leftzen.

"He Großer, warum bist du so allein?"


Schritt für Schritt,
einfach nur weiter. Ohne zu denken, ohne nach vorn zu blicken, einfach weiter.
Der Körper der Wölfin bewegte sich schwankend und ruckartig, der Bewegungsablauf
sah unnatürlich aus, abgehackt und eigenartig. Der Kopf der Fähe pendelte
kraftlos im Takt der Bewegung, sie hob den Kopf noch nichtmal um nach vorn zu
schauen, um zu wissen, wohin sie überhaupt lief. Einfach immer nur weiter. Ein
Schaudern durchlief ihren Körper, und sie blieb ruckartig stehen, ein Husten,
der sie schüttelte, brach aus ihr heraus, und es brannte in ihr, so höllisch,
als ob der Teufel in ihr wütete. Erschöpft blieb sieeine Weile so stehen, den
Kopf hängend, Luft holend, und den linken Vorderlauf entlastend. Dort, an ihrer
Schulter, klaffte eine große Bisswunde. Halb verkrustet in dem versuch zu
heilen, halb aufgeplatzt durch den Husten der immer wieder so stark über sie
hereinbrach, ohne ihn aufhalten zu können. Die Dunkle hatte es mittlerweile
aufgegeben mit der Zunge über die Wunde zu lecken, es brachte ihr nichts, und in
ihr schlummerte das ungute Gefühl, dass sich die Verletzung entzündet hatte, sie
wollte einfach nicht anfangen zu heilen. Müde hob sie ihren schweren und
fiebrigen Kopf an, als sie Schritte zu hören glaubte. Glaubte. Sie konnte es
nichtmehr mit Sicherheit sagen, ihre Sinne spielten ihr immer wieder Streiche,
konnten nicht mehr unterscheiden was Wirklichkeit und was Fiktion war. Ihre
Ohren zuckten, als sie Stimmen im Wind hörte, schwache Worte von Liebe, die
jedoch kaum zu ihr durchdrangen. Sie bildete sich wieder alles ein, wer sang den
von Liebe, obwohl der Abend wohl recht schön sein musste, wenn man ihn den
richtig erleben konnte. Sie setzte sich wieder schwankend in Bewegung, verzog
dabei die Miene in einer schmerzverzerrten Geste.
Sie sah ihn erst, als er nur noch wenige Meter von ihr entfernt war. Ruckartig
hob sich der Kopf der Fähe, die müden, orangenen Augen flackerten auf,als sie
den Grauen Rüden erkannte und ein langezogener Schmerz zog sich durch ihre
Schulter. Ihr war,als ob ein erneuter Hustenanfall sie erschüttern wollte, doch
noch kam es nicht zu einem Ausbruch. Der Teufel wollte noch nicht heraus. Ihr
Atem ging nicht regelmäßg, das Fieber tat seinen Dienst und schwächte ihren
ausgemerrgelten Körper. Die Fähe öffnete zwar ihren Fang, doch brachte sie kein
Wort heraus. Es war zuviel verlangt. Sie konnte nichtmehr, war am Ende, und
hatten die Schatten sie am Ende doch eingeholt? Als sie nichts herausbrachte,
nur ein keuchendes Atmen, huschte ein schwaches Lächeln über ihre Lefzen. Zu
mehr war sie nicht im Stande.


Glücklich lag Attaché
am Rand der Gruppe, welche sich zum Schutz der Welpen gebildet hatte. Lächelnd
verfolgte er jeden noch so kleinen Schritt seiner Kinder, jede Geste, jede
Handlung. Sie wuchsen so schnell, er bildete sich ein ihnen dabei zusehen zu
können. War Ilja nicht noch gestern ein Stück kleiner gewesen? War Kyrraine
nicht heute kräftiger als am Tag zuvor? Und hatte Daina nicht schon wieder eine
Eigenart mehr dazuentwickelt? Sie war zu Demon hinübergetappt, der abseits lag.
Kurz ließ er seine Augen wachend auf ihr ruhen, dann sah er zurück zu Kyrraine,
der schon viele neue Bekanntschaften geschlossen hatte. Es war gut, dass die
Welpen nun unter dem Schutz des gesamten Rudels standen und es gab so viel zu
lernen für die kleinen Entdecker.
Seine Augen suchten die Gruppe nach seiner Gefährtin ab und als sie fündig
wurden, erleuchtete sein Lächeln das ganze Gesicht, strahlte aus seinen
Seelenfenstern in die kühle Abendluft hinein. Mit leicht hin und her
schwingender Rute erhob er sich und schritt zu Darkjania hinüber. Sanft stupste
er sie mit der Nase in die Seite, grinste sie an.

"Es ist schön, dich zu sehen"

Sagte er, während er ihr verliebt in die Augen sah. Es würde nie
selbstverständlich für ihn sein, dass sie zusammen waren. Viel zu oft waren sie
getrennt gewesen. Der Schmerz der langen Trennung war verflogen, doch die
Erinnerung daran war immernoch greifbar. Er war so dankbar dafür, sie
wiedergefunden zu haben. Das war ein bleibendes Gefühl. Er sah zum Himmel, auf
dem lodernde Farben tanzten.

"Selbst die Pracht der Sonne verblasst neben deiner Schönheit"

Ein schelmisches Lächeln verzerrte seine Züge. Er war so frohen Mutes, wie lange
nicht mehr. Sogar zu Scherzen wäre er aufgelegt, obwohl er noch immer so viele
Wölfe im Rudel nicht kannte und ihre Gegenwart ihn verunsicherte. Daran würde er
sich wohl niemals gewöhnen.


Kyro lief, so allein
wie er war, war er wenigstens keine Gefahr. Es gab nichts um ihn herum, er hätte
genauso gut tot sein können. Alles war egal, auf befreiend schöne Art, spielte
nichts eine Rolle. Freiheit, in ihrer intensivsten Form und das, wo er dem Wort
einer schwarzen Wölfin zu gehorchen hatte. Freiheit. Ein Begriff, den jedes
Wesen anders interpretieren durfte. Für ihn war Freiheit genau das. In Ketten
leben, ohne Gefühle, ohne Freunde, ohne Liebe, ohne Schmerzen, ohne Leid, ohne
Verantwortung. Nur dienen. Es war schön, aber für die Empfindungen von Kyro gab
es nicht die richtigen Worte. Er assoziierte sein Leben, wie es sich entwickelt
hatte, als schön. Aber es war kalt und leer, verlogen und falsch.
In seinem Blickfeld tauchte eine Wölfin auf, die auf ihn zusteuerte, ohne ihn
bemerkt zu haben. Er sah sie, sein Blick war klar, frei und distanziert. Er war
unbesiegbar und nicht einzuschätzen. Er war der Hund. Kyro, der Hund. Aber ihm
kroch schon bald der Geruch von Blut in die Nase, so dass er seine Schritte
beschleunigte. Es war nicht Sorge, sondern Neugierde. Er trat auf die Fähe zu,
blieb vor ihr stehen und legte den Kopf schief. Seine Haltung hatte nichts von
ihrer Unterwürfigkeit verloren. Er war ein Vollzeitsklave. Keine Sekunde vergaß
er, wie er sein musste, um beim Rudel bleiben zu können. Mit jedem Tag fühlte er
sich wohler in seiner Rolle. Er sah das schwache Lächeln, starrte es eine ganze
Zeit lang an. Ob sie sterben würde? Sie sah so kaputt aus, so am Ende, aber sie
lächelte. Unverständlich. Kyro lächelte nicht zurück, nicht einmal ein böses,
fieses Grinsen hätte er für soviel Tapferkeit übrig gehabt. Welch armes Geschöpf
hatte sich da in seine Fänge verirrt?

„Ich bin Ky… Ich bin Hund. Man nennt mich Hund. Du bist in der Nähe eines
Rudels… kann ich dir irgendwie helfen?“


Fragte er, wie ein unschuldiger Welpe. Der Teufel, den er in sich trug, sah
anders aus, als der, der Faite plagte. Unschlüssig betrachtete er sie, nicht
wissend, was er nun zu tun hatte. Er war ein Sklave, der Befehle ausführte. Er
wollte nicht selbst denken.


Mit einem Murren
hiefte sich der kleine Welpe wieder in die Höhe und beäugte misstrauisch seine
vier Pfoten und die Rute. Alles noch dran? Nichts abgebrochen? - Prima!
Dann konnte er sich endlich dem eigentlichem `Problem` zuwenden. Beinahe
anklagend richtete sich der Blick aus den graublauen Augen auf die Wölfin,
welche da so frech im Weg herum lag. Dass er die Schuld trug, da er nicht darauf
geachtet hatte wo er hinsah, daran dachte er natürlich nicht. Die Gedanken eines
Welpen waren dafür noch ein wenig zu Ich-Bezogen.

"Wo anders lang?",

wiederholte der Kleine entrüstet und schüttelte seinen Kopf so heftig, dass es
seinen gesamten Körper rüttelte.

"Aber das ist mein Weg!"

Dabei sprach aus seinen Worten soviel Überzeugung, dass es schon beinahe naiv
klang. Aber für ihn klang es durchaus logisch. Yuki war nur rumgelegen und zwar
auf dem Weg den er gehen wollte. Also war es sein Weg.
Freundlich wedelnd wandte er sich an Niagara. Immerhin war sie nicht einfach so
bvor ihm rumgelegen und hatte ihn in sich reinlaufen lassen.

"Ich bin Karraine...aber die meisten nennen mich Kyrrrr"

Dabei wiederholte er den Spitznamen, den Ilja ihm gegeben hatte stolz.
Spitznamen seiner Schwester konnten nur toll sein.
Als dann mit einem Mal auch noch Aakalliko dazustieß tat er einen empörten Satz
zurück und sträubte sämtliches Fell, das er besaß.

"Heeeey!°"

Entrüstet hob er die kleine Rute und ztänzelte um den anderen Welpen herum. Er
hatte ihn nicht erschreckt, er war nur etwas...überrascht gewesen, das war
alles. Ganz bestimmt!Dann unterbrach er seine Umrundung und warf einen
skeptischen Blick zu dem Rüden, der dazutrat.

"Ich bin Kyrraine, oder eben Kyr. Und ihr solltet eine Nummer ziehen..."

Aber war doch wahr. Wie sollte man denn bei soviele Wolfsköpfen die Übersicht
bewahren? Noch dazu als Welpe, wie er es war. Da hatte man doch überhaupt keinen
Durchblick mehr.


Ruhig lag die junge
Fähe im Schatten einiger Bäume. Die Dunkelheit senkte sich langsam über das Land
und tauchte die Landschaft in bezauberndes Licht. Es war angenehm kühl und es
fühlte sich gut an, im Dunkeln zu liegen, sehen, ohne gesehen zu werden. Es war
ein wunderbares Gefühl, einfach so.
Shanayas bernsteinfarbenen Augen huschten über die Rudelgemeinschaft und
beobachtete deren reges Treiben, Seit der Geburt der Welpen, seit dem fühlte sie
sich irgendwie mehr in die Gemeinschaft gebunden als zuvor. Hielt die jüngere
Generation die Älteren zusammen? War es wirklich so? Oder bildete sie es sich
nur ein? War vielleicht wirklich so.

Die Schwarze hob ihr wohlgeformtes Haupt leicht an und suchte mit ihren Augen
die Wölfe nach einem schwarzen Jungwolf mit silbernen Augen ab. Es war, als
würde sie sich freier fühlen, wenn sie bei dem Rüden war und unmerklich hatte
sie sich an seine ständige Gegenwart gewöhnt, so dass seine mangelnde
Anwesenheit beinahe ein Gefühl der Sehnsucht hervorrief. Eifrig fegte ihr Blick
über die Gemeinschaft und sie erblickte einige schwarze Wölfe, von denen sie zum
Teil den Namen nicht einmal kannte. Da waren Lysanias und Veyrán, Shien und
Noir, doch Demon schien nicht unter ihnen zu sein. Der stumme Beobachter, er war
einfach so, so … unscheinbar. Wie schaffte er es nur immer, die Aufmerksamkeit
von sich abzulenken?
Noch eine Weile stierte Shanaya Richtung Rudel und die Fähe hatte sich
inzwischen aufgesetzt. Da endlich entdeckte sie Demon, aber dies lag vielleicht
sogar mehr daran, dass die schwarze Welpin Daina sich ihm näherte und somit die
Aufmerksamkeit auf sich zog. Die schwarze Fähe musste lächeln. Anscheinend
musste sie sich noch darin üben, Demon zu suchen und zu finden. Langsam erhob
sie sich auf alle Viere und trabte mit der Schönheit und Anmut einer jungen
Wölfin, auf den Schwarzen zu. Seine Befürchtungen schienen mit der Welpin Daina
wahr geworden zu sein. Tatsächlich wurde er als Opfer gewählt. Und bei diesem
Gedanken schlich sich wieder ein amüsiertes Lächeln auf Shanayas Lefzen.
Die junge Fähe kam gerade noch rechtzeitig, um die Frage der Welpin an Demon
mitzubekommen und grinste. Aber die Kleine hatte recht, ihr schwarzer Freund war
wirklich oft alleine, bis auf die letzte Zeit, die sie öfters mit ihm verbracht
hatte. Aber für Gesellschaft war im Moment wohl gesorgt.
Shanaya stellte sich neben dem stummen Beobachter und stupste ihn sachte an. Ihr
Blick hatte wieder das Funkeln in sich, das ihre Freude und Zuneigung kund gab.

“Deine Befürchtungen werden wahr …“

Neckte sie ihn leise und konnte ein erneutes Grinsen nicht unterdrücken. Dann
beugte die Fähe ihren Kopf zu der Welpin hinunter, schnupperte kurz an ihr und
stupste sie freundschaftlich an.

“Nun, jetzt ist „der Große“ nicht mehr allein.“

Sie lächelte und blickte kurz zu Demon, ehe sie ihre Aufmerksamkeit wieder der
Kleinen zuwandte.

“Mein Name ist übrigens Shanaya. Wie heißt du denn, Kleine?“

Wirklichkeit, Realität, oder Traum und
Wunschdenken. Ihr Lächeln verblasste zusehends, mit jedem Wort, dass der Graue
sprach. Sie hätte genickt, würde das keine Schmerzen auslösen, und so ließ sie
es lieber bleiben. Ein Rudel... sie wusste nicht ob sie in Freundentränen
ausbrechen sollte, oder versuchen sollte so schnell wie Möglich das Weite zu
suchen, wobei die zweite Variante weitaus schwieriger zu bewerkständigen wäre.
Die Dunkle schluckte hart, holte tief Luft und nahm all ihre Kraft zusammen.

"Hund...? ... Komischer Name..."

Sie blinzelte mehrmals und musterte den Rüden, ihre Stimme war nur ein leises
Hauchen gewesen, doch sie wusste dass er sie verstanden hatte. Sie überlegte
kurz, bevor sie sich entschloss das Angebot, dass der Rüde wahrscheinlich
gemacht hatte, ohne über die Konequenzen nachzudenken,anzunehmen, es war ihre
einzige Chance. Die Chance das hier irgendwie zu überstehen. Außer Atem
schwankte sie einen Schritt zur Seite.

"...Hilfe? Is gut... danke ... Ja, das is gut."

Sie drehte ihren Kopf leicht, und blinzelte hinter den Wolf mit namen Hund, über
den sie sich jetzt nicht soviele Gedanken machen konnte, wie sie es sonst tat.
Man konnte fast denken, sie sei irre, so wie sie sprach. Doch waren allein die
Erschöpfung und der Teufel in ihr Schuld.

"Is da das Rudel...?"

Langsam setzte sie sich wieder in Bewegung, der Ablauf war mittlerweile zur
Gewohnheit geworden, sie schleppte sich vorwärts, direkt auf Hund zu. Sie hatte
keine Kraft um noch einen Umweg um ihn herum zu schlagen. Als sie sich an ihm
vorbeidrücken wollte, um zum Rudel zu gelangen, und sich vielleicht für einen
Moment ausruhen zu können, war die Versuchung einfach zu groß, viel zu groß. Die
Nähe zu dem Rüden, der stützende Körper, und sie hatte für einen -kurzen- Moment
keine Kontrolle über ihren Körper, der in sich zusammensackte, und gegen Hund
prallte. Ein abgehackter Schrei zwang sich aus ihrer Kehle, als sie mit der
verletzten Schulter gegen den Grauen stieß, und dabei etwas von ihrem Blut an
seinem, nun nicht mehr reinen Fell, haften blieb. Dann sank sie in die Knie, als
plötzlich der Teufel aus ihr herausbrach und ihren Körper mit den Hustattacken
zum erbeben brachte. Als sie sich beinahe die Seele aus dem Leib gehustet hatte,
entspannte der Körper sich, und seit langem spürte sie wieder das süßliche
Gefühl von Rast. Jetzt wo sie am Boden war, war es viel angenehmer, als stehend,
anstrengend zu laufen. Sie drehte ihren Kopf leicht um Hund wieder im Blick zu
haben, und hauchte ihm einige Silben entgegen.

" 'tschudligung..."

Wie gern hätte sie jetzt ihren Kopf niedergelegt und geschlafen, oh die
Versuchung war so unwahrscheinlich groß. Und sie hätte es auf der Stelle getan,
wenn in ihr nicht die Angst aufgeflammt wäre, vielleicht nichtmehr aufzuwachen.


Kyro nickte einfach.
Er hieß Hund. Jedenfalls seit diesem Abend und für jeden Wolf, der ihn ab heute
kennenlernen würde. Er empfand das Wort nicht als Beleidigung, obwohl es
vielleicht demütigend sein sollte, wenn er so darüber nachdachte. Die Wölfin
empfand den Namen als komisch. Erneut nickte er.

„Ja, da ist das Rudel, ich bring dich zu ihnen.“

Er wollte sich gerade umdrehen, als die Wölfin gegen ihn stieß und er nicht
wagte, sich noch weiter zu bewegen. Sie fiel dennoch und ging zu Boden. Es
erschreckte ihn irgendwie, dass die Möglichkeit bestand, dass sie nun einfach
unter ihm starb und er daneben stand und nichts tun konnte. Bewegungsunfähig
stand er neben ihr und sah zu ihr hinunter, ihren Körper an seinem Bein spürend.

„Äh… das macht doch nichts…“

Reagierte er mechanisch auf ihre Höflichkeitsfloskel. Dann sah er sich um. Das
Rudel war etwas entfernt, er musste nach ihnen heulen. Aber wozu? Sie konnten
doch genauso wenig tun, wie er selbst. Oder hatte er etwas vergessen. Nach dem
er eine Weile nachgedacht hatte, entschied er sich, wenigstens eine zweite, oder
dritte Meinung einzuholen.

„Ich habe eine verletzte Wölfin gefunden und bräuchte Hilfe.“

Er musterte sie, sah sie an. Ungefähr so musste er selbst ausgesehen haben, vor
eineinhalb Monaten, als er zurückkam. Mehr tot als lebendig. Nur dass sie mehr
Recht auf Hilfe hatte, weil sie kein Verbrechen begangen hatte. Jedenfalls
keines, um das irgendjemand wusste.

„Das wird schon wieder… halt durch. Erzähl mir was über dich. Wie heißt du
zum Beispiel?“


Er hatte geruht.
Schlicht unter einem Baum gelegen und den Sonnenuntergang betrachtet. Seine
Augen waren ruhig auf den Geschenissen um ihn herum gerichtet. INzwischen hatte
er sich nicht mehr wirklich zurück zu nehmen bracuhen. Er war nun schon eine
Weile beim Rudel, jenen, die sich etwas mit ihm beschäftigt hatten, war
sicherlich klar, dass er hier noch länger verweilen würde. Er war zum ersten Mal
seit langem wieder etwas zufriedener mit der Situation. Er bruchte sich nicht
mehr verstecken oder irgendwo im Schatten, abseits zu liegen, zumindest von ihm
aus nicht. Seine Ruhe und Beherrschtheit galt nicht jedem Wolf, doch er bemühte
sich trotz allem, nicht wieder über zu reagieren, oder gar sich verletzen zu
lassen. Es war so, dieses Leben und es würde es wahrscheinlich immer sein. Riaz
Asharyn war kein schlechter Wolf, doch so mancher mochte vielleicht noch einen
solchen in ihm sehen, weil er trotz allem noch immer anders war. Seine
verschiedenen Arten sein Leben zu leben überschrieben sich nicht gänzlich, sein
unbeständiger Charakter machte ihn nicht einfach. Und doch dankte er einfach den
Wölfen, die mit ihm auskamen. Er hatte nicht vor ärger zu machen, doch ebenso
nicht, sich untegraben zu lassen. Es war schwer eine Harmonie in seinem Wesen zu
finden. Vorsichtig richtete er sich auf, suchte einige Schritte in die Nähe der
Wölfe, ehe er sich besinnte und stehen blieb. Wo wollte er nun eigentlich hin?
Seine Ohren richteten sich zur Seite, als er dumpf die Worte Aszira's hörte. Hm,
sie sprach also wieder mit Kyro, gab ihm wieder aufgaben - auf den genauen
Wortlaut achtete er nicht.
Er fand diese schwarze Wölfin immer noch unausstehlich, doch wirkliche Lust auf
weiteren Ärger mit ihr hatte er auch nicht. Sie mochte ihn nicht, und er sie
nicht, vielleicht hätte er es darauf belassen sollen, doch in diesem Moment
zogen ihn seine Bewegungen etwas Näher an die Schwarze heran. Er wollte sie
nicht provozieren, doch irgend etwas sagte ihm, dass er vielleicht ein wenig
hier bleiben sollte, einfach ein wenig ruhen sollte. Er lauschte den Gesängen
zweier Wölfe in Wind, doch konzentrierte er sich in diesem Moment auf Aszira.
Ihre Bewegungen, ihre Art und Weise zu wahen, ja sie war anders, als diese Wölfe
hier. Der Sandfarbene schlug in seiner Laune etwas um. Vielleicht sollte er doch
ein wenig zu ihr gehen. Ihre angespannte Situation... vielleicht etwas glätten.
Oder unter gehen. Was hatte er zu verlieren? Was hatte er besseres zutun?

Mit einem leichten Grinsen auf den Lefzen trabte er also auf die Schwarze zu.
Und nickte ihr etwas grüßend zu. Mit seinem Blick suchte er kurzweilig Alana,
die sich oft bei Aszira rumtrieb, doch in diesem Moment sah er sie nicht.

"Hast du deinen Zwangsgefährten auf Kundschaft geschickt Aszira?"

Er verwendete keine Worte des Grußes, er sprach einfach aus, was er gerade
beobachtet hatte. Er wollte ihr daraus keinen Strick drehen, schließlich war es
ihr gutes Recht über diesen Rüden zu urteilen. Riat war ein aufmerksamer Wolf,
dies war ihm schon immer zu Gute gekommen. Und so lehnte er den Kopf etwas zur
Seite, blickte die Fähe an. Er würde sich von ihr nicht verunsichern lassen.
Jedoch erinnerte er sich daran, dass sie ihm das letzte Mal, als sie sich so nah
waren, mal eben so fast skalpiert hätte. Nunja.
Kurz bevor er geendet hatte jedoch, durchbrach ein heulen die Luft. Nanu. das
war ja der eben genannte. Und eine verletzte Fähe? Sein Blick fixierte Aszira.

"Nanu, war das nicht dein Anhängsel?"


Langsam ließ sich
Yukí auf die Hinterläufe sinken, schaute zwischen Niagara und dem Welpen hin und
her. Hach war das toll, in so einer Gesellschaft zu sein. Und dieser kleine
Welpe schien nicht so ganz verstanden zu haben, was sie gemeint hatte.

"Ja, woanders. Um mich herum, oder so.."

Sie seufzte. Oh, sie hatte in seinem Weg gelegen? Na dann. Wenn das so war.
Leicht drehte sie den Kopf zur Seite, als nun auch Katan dazu kam. Jetzt wurden
es schon wieder mehr. Ob hier bald genau so ein Auflauf war, wie einige Tage
zuvor? Yukí nickte dem Weißen zu, sagte jedoch nichts, da schon wieder jemand zu
ihnen stieß. Noch ein Welpe. Wie viele gab es den davon? Wenn man daran dachte,
dass sie vor einigen Tagen sich diesen Plüsch Monstern nicht Mal hatte nähern
dürfen.. Und während die Wölfe sich so miteinander beschäftigten, drhete sie den
Kopf zur Seite. Ein.. mieses Gefühl beschlich sie. Ein ganz widerliches. Aber
geübt wie sie war, ignorierte sie es. Grinsend wandte sie sich nun dem kleinen
Rüden zu, der sie nach ihrem Namen fragte. Sanft neigte sie den Kopf zu ihm,
pustete ihm ins Gesicht.

"Nenn mich Yukí."

Eine schlichte Antwort. Grinsend stubste sie nun auch diesen Welpen an. Da
würden sicher noch mehrere kommen.. Ein merkwürdiger Geruch stieg ihr dann
jedoch in die Nase und ließ sie den Kopf heben. Sie schmunzelte. Entweder
täuschten ihre Sinne sie, oder das war der Geruch von.. Blut. Eindeutig. Ohne es
wirklich zu registrieren stand die Beige auf, die Ohren nun aufgestellt. Das
Grinsen war verblasst, ihr ganzer Körper angespannt. Da waren noch andere
Gerüche. Yukí biß die Fänge aufeinander. Leider waren beide Gerüche bekannt.
Ruhig drehte sich die Fähe um, blickte ein Mal jeden der Anwesenden an.

"Ich bin gleich wieder da."

Sie Welpen brauchten nichts von ihrer Unruhe spüren. Und ganz langsam setzte
sich die Beige in Bewegung. Fast wie in Trance versetzt starrte sie nur
geradeaus, und ohne es wirklich zu registrieren, trabte sie los. Erst in einem
noch ruhigen Tempo, ehe sie dann los sprintete. Diese Gerüche. Blut.. Faite..
Kyro. Kurz kniff sie die hellen Augen zusammen. Das durfte nicht sein.

Sie lief, lief ohne anzuhalten, ohne Luft zu holen. Ihr Zeitgefühl war verloren
gegangen, es kam ihr wie Stunden vor, als ihre Augen etwas erkannten. Zusammen
mit ihrem Körper stoppte ihr Atem, alles stand still. Nur ihr Herz raste.
Erschöpfung und Aufregung ließen es schneller schlagen. Da.. lag die Schwarze.
Sie lag auf dem Boden. Und neben ihr.. neben ihr dieser.. Yukí biß die Fänge
aufeinander. Hass flammte erneut in ihr auf, als sie das Blut entdeckte, das an
dem Fell des Grauen klebte. Sofort, ohne darüber nach zu denken, spielte sich
die ganze Szene vor ihrem geistigen Auge ab. Er hatte sie angegriffen. Er hatte
erneut eine hilflos Fähe angegriffen. Er hatte einen schweren Fehler begangen.
Er hatte ihre beste Freundin angegriffen, und diese lag nun vor ihm im Dreck, wo
eigentlich er hingehörte.

"Geh weg von ihr.."

Die Fähe ging einen Schitt vor. Ihre Stimme hatte nichts mehr mit einem netten
Ton zu tun. Ihr Puls raste und in ihr kochte ein Feuer, kochendes Gift.

"GEH WEG VON IHR!"

Nun schrie die Beige, ihre Worte würden nicht zu überhören sein. Und während sie
ganz langsam auf die Beiden zuging, zog sie die Lefzen hoch, zu einem Knurren,
das sogleich ihre Kehle verließ. Der Ausdruck in ihren Augen nahm etwas
wahnsinniges an, als sie den Blick in die Augen Kyros richtete.

"Du dreckiger Bastard! WAS hast du mir ihr gemacht?!"

Sie stand nun fast vor ihm, ließ dem Grauen jedoch keine Zeit zu reagieren. Das
letzte Stück überwund sie mit einigen großen Sätzen. Den Fang nun weit
aufgerissen stürzte sie auf den Rüden los. Er hatte ihr wehgetan, ihr Blut
klebte in seinem Fell. Und er würde dafür bezahlen, jeden einzelnen Blutstropfen
würde er bitter bereuen. Und wenn er dabei in seinem eigenen blut ertrank, war
das sein Problem.


Stumpf starrten die
grün-braunen Augen in den Himmel, betrachteten die Farben, die langsam
verblassten und sich in ein blau der Nacht hüllten. Taub hingen die Ohren des
Rüden zur Seite hinab, starr war sein gesamter Körper. Wie lange rührte er sich
schon nicht mehr? Er hatte nicht mit gezählt, das einzige was er wusste war,
dass er seit dem letzten Albtraum nicht mehr geschlafen hatte – also jenem Tag,
als er hier im Rudel angekommen war. Erstaunlich, dass man ihn noch immer hier
duldete. Für den Schwarzen keine Selbstverständlichkeit. Seit sich Kiba nebenher
noch um die Welpen kümmerte, war Shien ganz selbstverständlich immer stiller
geworden, hielt zu niemandem den Kontakt, wagte es nicht Aufsehen zu erregen und
blieb allgemein im Hintergrund. Das Leben der Wölfe hier zog nur so an ihm
vorbei, er konnte es sehen, es beobachten und seine eigene Veränderung spüren.
Seine Sinne ließen nach, war er wie in Watte gepackt, durch die nichts mehr zu
ihm durchdrang. Er hörte die Stimmen wie aus einer weiten, endlosen Ferne nur
leise und undeutlich, sein Blickfeld verschwamm immer öfter und überhaupt taugte
er längst nicht mehr zur Jagd, zu der er nur mit aufgebrochen war, um dem Rudel
kein Klotz am Bein zu sein. Wenn sie ihn schon hier hielten, würde er auf diese
Art und Weise wenigstens einen kleinen Gegenwert leisten. Viel gebracht hatte es
nichts, nur Kleintiere hatte er erlegen können, die er dann nicht für sich
behalten sondern weiter gegeben hatte. Er konnte es nicht mit Bestimmtheit
sagen, aber irgendwas war da gewesen, was die alten Bilder aus seinem Traum
hatte aufleben lassen, so dass ihm der Appetit vergangen und sein Hungergefühl
unterdrückt wurde. Er wollte nichts und bei dem Gedanken an frisches Blut wurde
ihm schlecht. Also saß Shien tagaus tagein nur schweigend da, die Rute an seinen
Hinterläufen und betrachtete das Schauspiel von Sonnenauf- und Untergang, von
der Wanderung des Mondes und dem hellen leuchten der Sterne.

.oO(Ob ihr auch dort oben seid?)

Trüb blinzelte der junge Rüde, seine Augen waren verklebt, sein Gesicht
eingefallen und seine Mine teilnahmslos und abwesend, wie er sich fühlte. Wie
lange hatte er auf seiner Wanderung die Maskerade aufrecht erhalten können? So
lange, bis ihn der Schlaf nieder gestreckt hatte. Also auch bis zu dem
Zeitpunkt, zu dem er hier aufkreuzte. Weshalb er sich noch so quälte, war ihm
ein Rätsel. Manche Geheimnisse sollten wohl ungelüftet bleiben, die
Vollständigkeit seiner Psycho wohl mit einbegriffen. Tonlos seufzte er, achtete
nicht auf ziehende Gefühl in seiner Magengegend, der sich beschwerte außer den
letzten Fleischbrocken nur Luft zu verarbeiten, ignorierte die Müdigkeit, die
ihn immer weiter forderte und blickte sich einen Augenblick in den Reihen der
Wölfe um, sah aber schnell wieder weg. Auf seltsame Weise war es für ihn
unerträglich ihnen so lange zuzusehen, weswegen er lieber seinen Blick wieder in
den Himmel richtete. Die blassen Farben des Tages zogen sich immer weiter zurück
und die Nacht übernahm wieder.

.oO(Solange der Schlaf nicht mich übernimmt...)


Auch Aszira lauschte
dem Gesang des Alphas und seiner Gefährtin, und am liebsten hätte sie sogleich
ihr Gehör abgeschaltet. Liebe. Lüge. Die Schwarze gestattete sich den Gedanken
nicht, dass es da vielleicht doch etwas gab, dass sie nie kennen gelernt hatte.
Schlimm genug, dass jedesmal dieses unbeständige Gefühl in ihr auftauchte, wenn
sie die Liebespaare erblickte oder, wie in diesem Fall, hörte. Die Schwarze
rollte mit den Augen und verzog angewidert die Lefzen. Für sie waren diese Verse
immernoch die Lüge Liebe, nur in schwulstige Worte verpackt.
Asziras Ohren schnippten nach hinten, als sie jemanden kommen hörte, dann wandte
sie den Kopf um. Riaz. Kurz verengten sich ihre Augen ein Stück weit, bevor der
für sie typische, verärgerte Gesichtsausdruck zurück kehrte. Sie blickte wieder
nach vorn, aber kurz zuckten ihre lefzen, als er das Wort 'Zwangsgefährte'
aussprech. 'Gefährte'... auch einer der Begriffe, die sie nicht im Zusammenhang
mit Kyro - Hund - hören wollte.

"Er soll Wild suchen..",

antwortete sie knapp, nur um die Stille auszufüllen. Eigentlich hatte seine
Frage keiner Antwort bedurft, immerhin war es offensichtlich, dass sie ihn
fortgeschickt hatte und daher vermutlich eher rhetorisch gemeint gewesen. Aber
sie musste sich eingestehen, dass es gut tat, mit jemandem zu reden, auch, wenn
dieser jemand Riaz war. Die meisten hier mieden sie - auch, oder besonders, wel
sie Kyro meiden wollten. Alana war auch in diesem Falle eine Ausnahme, so wie
immer. Aber Alana war gerade nicht hier...

Asziras Ohren stellte sich steil auf, als das Heulen erklang. Ja, das war Hund,
und seine Botschaft entlockte ihr ein tiefes Grollen. Eine verletzte Fähe
gefunden? Ha, sie glaubte nicht daran!

"Du verdammter...",

murmelte sie noch, dann katapultierten ihre Pfoten sie schon vorwärts. Im
Eiltempo rannte sie in die Richtung, aus der das Heulen erklungen war. Etwas
vorraus konnte sie eine andere, laufende Gestalt ausmachen, und als jene stehen
blieb und Aszira sich dem Geschehen näherte, erkannte sie Yuki. Die Schwarze kam
gerade hinzu, als Yuki drohend auf Hund zuschritt und ihn einen 'Bastard'
schimpfte. Noch im Laufen bemerkte sie die geschundene Gestalt am Boden, sah
Blut in Kyros Fell und urteilte genauso, wie Yuki. Nur, dass sie sich im
Gegensatz zu der Beigen nicht mit Drohungen aufhielt.

"Diesmal zahlst du!",

fauchte sie, während ihre Läufe sie schon im Sprung auf den Rüden zutrugen...


Und es war ein Donnerwetter unter dem die Schwarze ihn stehen ließ. Noch klangen
ihm ihre Worte in den Ohren, selbst wenn er keine direkte Antwort verlangt
hatte. Und nun, kehrte die Welt zu jenem Sturm zurück, der schon lang in seinem
Inneren wütete. Riaz sah der Fähe einen Moment nach, während sie mit einem
bissigen Ausdruck und ebensolchen Worten, in die Richtung wetzte, aus der der
Ruf erklungen war. Der Sandfarbene wartete nicht lange, dachte nicht lange nach,
sondern setzte ihr einfach nach. Es war seltsam. Er suchte irgendwie immerzu den
Ärger und doch, versuchte er immerzu zu schützen. Seine eigene Gefahr, war dabei
nach wie vor immerzu egal. Er hatte diese Umstände wohl niemals ablegen können
und so jagten sie ihn auch hier und trieben ihn in die Enge. Seine Bewegungen
waren schnell und atlethisch und war er auch nicht der kräftigste Wolf, so war
er schnell und geschickt. Es fiel ihm nicht schwer mit Aszira mitzuhalten, auch
wenn er einen gewissen Sicherheitsabstand zu ihr einhielt. Man konnte ja nicht
wissen und diese Schwarze war - wie er genau wusste - schwer einchätzbar und
eine Furie wenn sie wütend war. Die Orchidaugen verengten sich, als vor ihnen
die Gestalten der Wölfe auftauchten. Er zuckte zusammen als er eine Dunkle
Verletzte sah. Und da war Kyro, mit blutigem Fell, jedoch nicht in Kampfhaltung.
Und dann noch eine Fähe, Yukí, die sonderbare Fähe, die er nicht wirklich leiden
konnte. Seine Ohren legten sich zurück, als er die Wut auf hrem Gesicht sah,
Wut, Verzweiflung, Angst, Hass? Es spiegelte sich so vieles in ihrer Haltung
wieder, dass er ihre nächsten Züge nicht genau vorausahnen konnte.
Bei Aszira war das schon klarer und Riaz hatte wenig Gelegenheit lange zu
überlegen, wie er handeln sollte. Bei ihren Worten, hatte er sich entschieden.
Und wenn es nun das Ende war, so hatte er sich dafür entschieden. Sein BLick
striff Kyro, er dachte an ihr Gespräch, doch nur flüchtig. Vielleicht waren es
die Umstände, dass er Niemanden abgrundtief hassen konnte, erstrecht nicht einen
Wolf, den er nicht einmal genau kannte. Vielleicht war es die Art und Weise wie
Kyro war, vielleicht auch etwas ganz anderes, doch diesmal wollte Riaz ihn
schützen, ohne ihn wirklich weiter zu kennen. Es war auch ein Grund, dass er
wollte, das Aszira keine weiteren Morde beging, es war falsch zu morden und auch
diese Fähe würde dies irgendwann begreifen, er wollte ihr das Erwachen
vielleicht schmerzfreier machen? Es trieb ihn wohl vieles und noch mehr, was er
gar nicht einmal selbst realisierte. Denn im nächsten Moment war er selbst im
Sprung, doch nicht um Kyro zu attackieren. Er riss ihn lediglich um. Er schmiss
ihn aus Aszira's Sprungfeld, so dass ihr Angriff diesen Wolf kaum möglich
treffen konnte. Riaz duckte sich, die Ohren in seinen Nackenpelz vergrabne,
dieser wachsam aufgestellt.

"Vielleicht sollten wir ersteinmal die Lage überdenken bevor wir uns
gegenseitig an die Gurgel gehn!"


fauchte er grimmig und in seinen Augen glitzerte Wut. Er richtete sich wieder
auf, behielt Aszira jedoch wachsam im Blickfeld.

"Du hast nicht gesehen das er sie angegriffen hat, somit hast du auch kein
Recht ihn zu töten."


Grollte er, ehe er den Blick auf Yukí richtete, auch sie war wütend. So wütend,
wie er sie noch nie erlebt hatte, nicht einmal ihm gegenüber und er hatte sie
wirklich schlecht behandelt. Noch immer war er angespannt, er vertraute nicht
darauf das sie einfach so Ruhe gaben, Aszira war uneinschätzbar und Yukí hatte
er so auch nie erlebt.

"Und du auch nicht."

Sagte er, in die Richtung der Beigen, ehe er den schlussendlichen Blick von
Kyro, zu der Verletzten wandte. Was war hier nur los? Etwas verwirrt, schüttelte
der Sandfarbene den Kopf. Verdammt, das war wirklich nicht seine Geschichte
hier, er hatte sich hier nicht einzumischen, er hatte niemanden zu beschützen
und überhaupt. Verdammter Dreck. Er hatte eigentlich keine Lust auf Ärger
gehabt. Und nun war er schon wieder mitten drin.

"Also, was ist hier eigentlich los? Warum läuft schon wieder jeder Amok?"

Er wusste das er kein Recht dazu hatte hier groß rumzutönen. Er war weder lange
hier, noch irgend ein besonderer Wolf. Doch er wollte sie einfach nur irgendwie
ruhig halten. Wollte Aszira abhalten Kyro zu töten, Yukí davor noch weiter
auszuflippen, Kyro zu sterben und die Fremde ebenso. Und er selbst, nun, er
wollte verstehen, warum er dies schlussendlich tat. Denn das war ihm vollkommen
schleierhaft.


Ohne auf ihre Umwelt
zu achten rannte Yukí Árashi auf den Rüden zu. Er sollte leiden. Elendig
verrecken. Hauptsache er ging von Faite weg. Ihr gesamter Körper war angespannt,
während ihr Herz in ihrer Brust zu explodieren schien. Warum hatte dieser
Vollidiot sie angegriffen?! Was wollte er damit bezwecken?! Ehe Yukí bei ihm
angekommen war, tauchte plötzlich Aszira neben ihr auf. Ohne überhaupt nach zu
denken, schnappte die Beige zur Seite, ein grollendes Knurren verließ ihre
Kehle.

“VERSCHWINDE!“

Wieder schrie sie, dieses mal galt ihr Hass der Schwarzen. Sie sollten alle
verschwinden, sie würde das alleine mit Kyro regeln. Sie brauchte keine Hilfe
von irgendwem, der nicht ein mal wusste worum es ging. Und als sie den Blick
nach vorne wandte, um Kyro den Kopf ab zu reißen, stand plötzlich das nächste
Mistvieh im Weg.

“Halt dein verdammtes, dreckiges Maul!“

Nun allen Hass auf Riaz richtend sprang sie auf den Sandfarbenen zu, riß erneut
den Fang auf. Sie hatte das Recht, ihn zu töten. Jedes Recht dieser Welt. Mit
einem gezielten Sprung setzte sie an Riaz vorbei, umging ihn ganz einfach.

“Haltet euch daraus! Ich werde ihm schon zeigen, was er angerichtet hat!“

Ohne auf die anderen zu achten, setzte sie wieder auf den Grauen zu. Wieder war
ihr Fang aufgerissen, während ein tiefes Grollen ihre Kehle verließ. Seine
letzte Stunde hatte geschlagen. Ein für alle Mal.


Seine Gefährtin kam
zu ihm und er wedelte mehr als freudig. Bewegung kam in ihn und er stubste sie
zärtlich an. Er schmiegte den Kopf an den ihren und genoss für einige Momente
still schweigend die Situation. Ein wohliges Brummen ertönte aus seiner Kehle,
ein Ausdruck seiner Freude, seiner Zuneigung. Sicher, ein wenig wurde all das
gemindert, denn noch immer hing er immer wieder den Gedanken an Noir nach. Nicht
als Gefährtin sondern als Freundin.

Wulf schien es gut mit ihm zu meinen, denn die Witterung der Alpha stieg ihm in
die Nase. Er löste sich von Lajila und sah Noir entgegen. Ein wenig angespannt
und doch hoffnungsvoll. Vielleicht würde wieder alles gut werden? Vielleicht
meinte es Wulf wirklich auf Dauer gut mit ihm? Leicht schwang seine Rute hin und
her.
Der Alpha erwiderte ihren Blick ebenso offen und ohne Scheu. Er erinnerte sich
zu gut daran, wie er auf Noir geachtet hatte und es heimlich noch immer tat.
Nicht als Gefährte, sondern als Freund oder Bruder. Egal wie tief die Distanz
gewesen war, seine Augen hatten immer wieder nach ihr gesehen. Heimlich zwar,
aber das zählte kaum.

Er sah kurz zu Lajila, dann trat der große Rüde dicht an Noirs Seite und sah mit
ihr gen Sonnenuntergang. Sein Fell berührte leicht das Ihre, dann hob er die
Schnauze nahe an ihr Ohr.

“ Noir… egal was gewesen ist…ich verzeihe es dir…”,

leise waren seine Worte, aber dennoch auch für Lajila vernehmlich. Es war kein
Geheimnis, nichts was er verbergen musste. Lajila wusste oder ahnte zumindest
von seinen tiefen, freundschaftlichen Gefühlen zu Noir und er war sich sicher
sie würde es verstehen.

“ Kyro war nie nur der Vergewaltiger für mich….sonst hätte er sein
Wiederauftauchen nicht überstanden… “
,

noch immer war seine Stimme leise und gedämpft. Nein, Kyro war eine Art Freund
gewesen, nicht so tief wie die Freundschaft zwischen Noir und Kyro, aber Aramis
hatte ihm vertraut. Und Aramis vertraute wenigen Wölfen. Seine Ohren zuckten als
das Heulen von Kyro erklang. Wenn man vom Teufel sprach. Sein Blick wurde
fester, dann sah er Noir an.

“Komm…Noir….Alpha dieses Rudels… vielleicht sollten wir zeigen, gemeinsam,
dass wir wieder eins sind…”
,

er lächelte und stubste Noir dann sanft gegen die Schnauze. Er hegte keinen
Groll gegen sie, er verstand ihre Reaktion und hoffte das sie auch seine etwas
verstand. Seine Rute schwang hin und her, während er zu Lajila sah. Nein, er
schloss sie nicht aus, wenn sie wollte sollte sie ebenfalls folgen. Der Alpha
streckte sich und sah Noir dann abwartend an. Ein wenig Unruhe stand in seinem
Blick geschrieben, Kyro und eine verletzte Wölfin und ein ganzes Rudel das jenes
Heulen vernommen hatte. Das würde sicher wieder amüsant werden.

Die Haltung des Alphas straffte sich und er setzte sich geschmeidig in Bewegung.
Vielleicht wollten die Wölfinnen noch etwas zueinander sagen, aber ihn zog es
nun mit aller Macht zu dem Heulen hin. Seine Pfoten trappelten über den Boden,
erst langsam dann schneller. Der Tumult drang eine seine Ohren und kurz
verdrehte er die Augen. Wieso eigentlich immer er. Achso, er war der Alpha. Aber
mit zwei wildgewordenen Fähen wollte er sich dann doch nur ungern anlegen.
Er kam erst hinzu, als Yuki die Sklavenchefin anfuhr und dann wieder auf Riaz
lossprang. Der Alpha verengte die Augen, starrte kurz die verletzte Fremde an,
dann wieder die anderen Wölfinnen. Ah, da war noch ein Rüde, Riaz, wenn er sich
richtig erinnerte. Das Rudel war eindeutig zu groß, oder er zu sehr auf andere
Dinge fixiert. Das würde sich ändern, beschloss er just in diesem Moment.

Ein Grollen stieg aus seiner Kehle hervor, warnend, drohend. Was das immer
sollte diese unnötige Kraftverschwendung. Ohne lange zu fackeln schob er sich
vor Kyro, anscheinend war er ja das “Opfer” in dieser Runde. Er entblößte die
Zähne und knurrte nur scharf. Das er es nicht einfach ohne Erklärung hinnehmen
würde das Kyro getötet wurde, war mehr als deutlich. Sein Fell war gesträubt,
was ihn noch etwas größer wirken ließ, angespannt starrte er Yuki und Aszira an.
Sein Blick fiel nur kurz zu der Fremden.

“Was ist hier los?”,

knurrte er düster. Manchmal kam er sich wahrlich vor wie in im Welpengarten.
Gut, wenn Kyro die Wölfin verletzt haben sollte, würde er sich dezent
zurückziehen. Der Diener wusste schließlich was er durfte und was nicht. Er sah
kurz hinter sich zu Kyro.

“ Hast du die Wölfin so zugerichtet? “,

seine Frage war kurz und doch schwang eine Drohung darin ihn nicht anzulügen.
Der letzte Funke Vertrauen zu Kyro stand auf der Kippe, was wohl nur Aramis
selbst wusste.


Kyro blickte zum Rudel, in der Erwartung auf Hilfe. Er musste der grenzenlosen
Naivität eines Welpen erlegen sein, als er dachte, damit das Richtige zu tun.
Yukí stürzte heran und schien die Kämpferin für Gerechtigkeit persönlich zu
sein, wie ein scharfer Polizeihund wies sie ihn an, von der Fähe zurückzutreten.
Vorsichtig zog er seine Pfote zurück und machte dann schnell ein paar Schritte
rückwärts. Er schüttelte unschuldig den Kopf.

“Ich hab ihr nichts getan.“

Gegen die geschrienen Worte der Fähe musste er sich anhören, wie eine
eingeschüchterte kleine Maus, die sich vor der Katze rechtfertigte, warum sie
vor ihr davon lief. Je näher die Wölfin kam, desto hastiger trat er zurück,
geduckt und devot, wie er sich zu verhalten hatte. Dennoch sprang sie auf ihn zu
und er spürte bald die Zähne in seinem Fleisch. Mal wieder. Ob er sich wehren
durfte? Unschlüssig stand er da, fast unbeteiligt, als ginge der Kampf ihn
nichts an. Er ging schließlich davon aus, einfach keine Rechte zu haben und riss
sich in einer selbstzerstörerischen Bewegung los und spielte dann Fangen mit
Yukí. Er wich einige Schritte zurück, da er aber ein wenig aus dem Gleichgewicht
geraten war, konnte er ihrem nächsten Angriff nicht rechtzeitig ausweichen. Aber
dass musste er auch nicht, denn Riaz riss ihn von den Pfoten, was Kyro nicht
sonderlich gelegen kam, da er auf das Weglaufen angewiesen war. Auch Asziras
herrische Stimme klang noch in seinen Ohren und er machte ein paar hastige,
unkoordinierte Bewegungen, um sich zu erheben und Distanz zwischen ihn und die
Anderen zu bringen.
Kyro stand ein ganzes Stück hinter Riaz, den Wölfinnen gegenüber, deren Blutgier
keine Grenze zu kennen schien. Er hatte nicht vor, auf seine Unschuld zu
beharren, wer einen Fehltritt machte, der war immer der Schuldige. Egal was noch
passieren würde, jedem würde als erstes sein Name durch den Kopf gehen. Tief
durchatmend stand er da, zum Sprung oder zur Flucht bereit. Riaz redete zuviel.
Ihm schien nicht bewusst zu sein, dass er im Eifer des Gefechts genauso zum
Opfer werden konnte, wie der Hund, der beinahe Gefallen an dem Hass fand, der um
ihn herumwirbelte. Mit schnellen Schritten entfernte er sich, dann rannte er,
flüchtete und blieb wieder stehen, so, dass Riaz nicht mehr zwischen ihm und den
Wölfinnen stand. Er brauchte keinen Verteidiger, er war der Täter. Wenn nicht
jetzt, dann zu einem anderen Zeitpunkt. Es schien endlos viel Zeit zu vergehen,
bis Aramis auftauchte. Wie ein schutzsuchender Welpe verkroch sich Kyro zu
dessen Seite. Bei all dem Hass wollte er doch lieber nur für seine eigenen
Verbrechen gerade stehen und dennoch erschien es so verlockend, einfach zu
nicken.

“Nein.“

Er sah Aramis an, mit dem Wunsch nach Hass in den Augen. Wieso wurde er gefragt?
Das musste damit zutun haben, dass der Leitwolf verpflichtet war, das Richtige
zu tun. Bestimmt hätte er sonst gerne am Spiel „Kill Kyro“ teilgenommen.


Noir betrachtete noch
immer den Sonnenuntergang. Sie spürte Aramis an ihrer Seite. Spürte seine
Berührung und sie fühlte sich wie befreit, mehr hatte es nicht gebraucht. Sie
sah ihren großen Freund an. Voller Freude. Sie waren also wieder zusammen. Einen
Moment lehnte sie sich leicht an ihn und starrte in die atemberaubende Schönheit
der Sonne. Sie seufzte leicht als er sprach, nickte langsam.

„Ich weiß Aramis, ich weiß."

Einen Moment war die Harmonie perfekt. Sie beide im stillen Einverständnis. Der
Sonnenuntergang. Und das Glück das durch den ganzen Körper der Schwarzen gepumpt
wurde. Aber es blieb ein Moment und er verging genau so schnell, wie er gekommen
war. Kyros Heulen versetzte ihr einen Stoß. Sie sah zu Aramis der sie ansprach
und nickte schwach, regte sich aber noch nicht. Wieso ahnte sie schon, dass das
nicht gut ausgehen konnte? Intuition? Vielleicht... Sie sah Lajila an, hoffte
fast das die Schwarze sie zurück halten würde. Aber sie tat es nicht. Und
eigentlich wollte Noir ihren alten, armen Freund auch nicht alleine lassen. Sie
hatte schon so lange nicht mehr mit ihm gesprochen und es ging ihm so schlecht.
Also nickte sie Lajila nur entschuldigend zu. Sie warf noch einen letzten Blick
auf den Sonnenuntergang. Auf diese unendliche Schönheit und Harmonie. Sie
seufzte, wand sich ab und folgte Aramis, mit geschmeidigen, schnellen Schritten.
Umso näher sie der Gruppe kam, umso mehr beschleunigte sie ihre Schritte. Sie
erfasste die Situation nicht sofort. Konnte sie gar nicht. Sie sah nur wie Yukí
sich wie besessen versuchte auf Kyro zu stürzen. Und auch Aszira war schon in
Angriffsposition. Sie lauschte Aramis antworten und den Antworten ihres
Freundes. Und das reichte ihr. Sie glaubte ihm. Also stellte sie sich der
durchgeknallten Fähe in den Weg, die eindeutig nicht mehr ganz bei Verstand war.

„Reiß dich zusammen."


Meinte sie mit ruhiger Stimme. Sie meinte es ernst. Es war langsam genug.
Dauernd dieser Ärger um Kyro. Er war genug bestraft. Wann sahen dass die anderen
Wölfe endlich ein? Sie warf dem Grauen einen kurzen Blick zu. Er war etwas
traurig. Was war nur aus ihm geworden. Sie wollte zu ihm gehen, wollte ihn
trösten, aber sie konnte nicht denn sie wusste das Yukí sich noch nicht beruhigt
hatte. Also blieb sie vor ihr stehen, wandte den Blick zurück zu ihr,
konzentriert, auf jede Bewegung bedacht. Sie musste die Fremde wohl kennen, denn
sonst würde es keinen Grund für sie geben, so durchzudrehen. Und wenn doch, war
Yukí wohl noch verrückter als sie dachte.


Ruhig getan waren die
schrittes des nahe zu hünenhaften, braun-weißen Rüden, der sich seinen Weg über
die Landschaft bahnte. Er roch... Wölfe? Fremde Wölfe? Na endlich! Viel zu lange
war der Rüde schon alleine unterwegs, auch wenn er eigentlich ein Leben als
Einzelgänger gewöhnt war, so zog es ihn doch immer mal wieder zu fremden Rudeln,
da das Alleinesein schon an einem nagen konnte.
Vor allem Rakás hatte manchmal schon ziemlich damit zu kämpfen. Manchmal fragte
er sich ernsthaft, warum er eigentlich seine einstige Gefährtin Enya el Kya'n
verlassen hatte, aber er konnte sich nie eine Antwort darauf geben. Die wärmende
Nähe ihres Pelzes würde er wohl nie wieder spüren können. Eigentlich traurig die
Vorstellung, denn die Erinnerungen an die schönen Tage, schienen seine
Einsamkeit nur noch schlimmer werden zu lassen. Aber auch seine Söhne und seine
Tochter vermisste er. Ja, er vermisste ihre unbeschwerte und so fröhliche Art.
Er vermisste es, ihre Namen zu rufen, wenn es etws zu fressen gab. Er vermisste
ihr tobendes Spielen auf den grünen Wiesen. Es war eine wunderbare Zeit
gewesen.. Doch nun war sie vorbei und sie würde nicht wieder kommen. Nur seine
Erinnerungen, die würde ihm keiner nehmen können!

Die Schritte des großen Rüden wurden stetig schneller. Rudelgrenzen schien es
keine zu geben. Ein Rudel auf Wanderschaft? Der Wind bließ ihm eine starke Brise
entgegen, die seine Läufe nur noch schneller laufen ließ, bei dem Geruch der
Fremden. Dann aber blieb er plötzlich ruckartig stehen. Sie schienen sich
unmittelbar vor ihm zu befinden, obwohl er sie nicht sehen konnte. Es würde
nicht mehr lange dauernd, bis er sie erreichte. Doch Rakás wollte nicht
unhöflich sein. Das war nicht seine Art, zu mal er diese Wölfe nicht kannte, und
nicht wusste, wie sie waren. Wären sie selbst unhöflich, so würde sich seine
Ansicht was Höflichkeit ihnen gegenüber betraf schnell ändern, aber noch sollte
er sich zurück halten und seine temperamentvolle Ader vielleicht eher
verstecken. So hob der Braune den großen Kopf und ließ ein lautes Heulen
erklingen.

"Seid mir gegrüßt, Fremde. Ich bin ein einsamer Wanderer und sehne mich schon
seit geraumer Zeit nach Gesellschaft. Ich würde gerne einige Zeit in eurem Rudel
verweilen, wenn das der Möglichkeit entspricht!"


rief er ihnen zu, ehe er auf einen kleinen Felsvorsprung sprang und sich darauf
nieder ließ. Sein Blick wanderte über die Taiga, seine Ohren gespitzt, bereit
die Antwort der Fremden zu empfangen. Vermutlich des fremden Alphas. Seine
Stimme war tief, leicht rau, hallte Kilometer weit. Ausgeschlossen, dass ihn
niemand gehört hatte. Also legte Rakás seinen Kopf auf die Pfoten vor ihm, ließ
seinen Blick allerdings weiter gerade aus gerichtet und legte die Ohren leicht
an, doch lauschte er weiterhin gespannt dem Rauschen des Windes, der vielleicht
schon bald eine Antwort bringen würde...


Die Welt dreht sich.
So furchtbar schnell, dass man manchmal nicht mehr hinterherkommt. Die Dunkle
blinzelte mehrmals, als sie hörte, dass der Graue neben ihr nach Hilfe rief. Sie
hätte gelacht und ironisch erwidert „Tjah, wenn ich nicht zum Rudel kann, muss
das Rudel eben zu mir!“ Und sie hätte breit gegrinst, beim sprechen. Sie hätte
es so getan, wenn sie sich nicht so schlecht fühlen würde, und irgendwie fand
selbst sie diese Worte als unpassend in dieser Situation. Ein schwaches, nur
angedeutetes Lächeln schlich sich über ihr Gesicht, und sie dankte in Gedanken
dem Rüden, dass dieser mit, zwar nicht ganz überzeugenden Worten, versuchte ihr
Mut zu machen, und sie zum weitermachen zu animieren. Doch sie hatte nicht vor
gehabt aufzugeben. Noch nicht. Nein, noch nicht. Noch steckte etwas, wenn auch
wenig, Kraft in ihrem angeschlagenen Körper, und solange sie konnte würde sie
kämpfen. Sie hob ihren Kopf leicht an, um den Rüden – Hund – im Blick zu haben.

„… … Faite. Ich heiße Faite…“

Anschließend senkte sie ihren Kopf wieder, sie musste nur kurz ausruhen, Luft
holen, und vielleicht etwas zwischen die Zähne bekommen, dann wäre alles wieder
in Ordnung. Ganz bestimmt. Die Augen hatte sie geschlossen, ruhte, abwartend.
Sie wusste auch nicht genau, was es bringen sollte, Mitglieder des Rudels zu
rufen, sie war ohnehin nutzlos und sie hätte beinahe gelacht bei dem Gedanken
getragen zu werden.
Dann geschah alles ganz schnell, sie glaubte kaum Luftgeholt zu haben. Sie hörte
diese Stimme, die sie kannte, und die sie so unendlich lang, wie es ihr schien,
nicht gehört hatte. Doch die Wortwahl, Klang, und selbst das Knurren war kaum
verwechselbar. Sie öffnete die müden Augen und sah nur noch wie die Wölfin, die
sie als beste Freundin betitelte, mit einem Knurren und mit einem Ausdruck in
den Augen, der nichts Gutes verhieß aus sie zuraste. Das hieß fast auf sie zu.
Anscheinend steuerte sie den Rüden neben ihr an, doch… was hatte er getan? War
ihr etwas entgangen, oder warum hatte die Helle einen so starken Hass auf den
Grauen, dass sie blind vor Wut auf ihn losging? Sie zuckte zusammen, als die
Beige den Grauen anfiel, als dann eine andere Fähe hinzukam, ein Wolf Hund
wegstieß, die Beige wieder angreifen wollte, und auf einmal noch ein Wolf da
war, der sich vor Hund platzierte. Eine schwarze Fähe stellte sich vor Yukí. Es
war viel zu viel, sie verstand nicht, was zum Teufel war das für ein Rudel?
Jeder griff jeden grundlos an? Ihre Orangenen Augen flackerten zu Yukí.

„Yukí.“

Ein ruck ging durch ihren Körper und mühsam erhob sie sich. Ihr Blick ging
einmal über die stattliche Runde die sich innerhalb einiger weniger Minuten
gebildet hatte. Also eins musste sie feststellen: Wenn jemand rief, waren sofort
genug Wölfe zur Stelle um eine Jagd starten zu können. Gequält straffte sie
ihren Körper, bis sie vollkommen aufrecht stand.

„Er hat doch gar nicht getan… er wollte nur helfen.“

Aus den Anschuldigungen, die mit bösen Worten durch die Luft gezischt waren,
hatte sie entnommen, dass der Graue, auf den sie als erstes gestoßen war,
beschuldigt wurde. Warum man so einen hilfsbereiten Wolf nur so etwas anhängen
konnte und sofort zähnefletschend auf einander losging verstand sie nicht,
obwohl sie wohl ein mindestens ebensogrosses Temperament besaß, was sich leider
im Moment nicht zeigte. Sie wusste nur, dass Hund falsch beschuldigt wurde.

„… er hat nichts getan…“

Sie war so schrecklich müde, und dann musste so etwas passieren. Warum stolperte
sie immer wieder in solche Abenteuer, die nie besonders gut für sie ausgingen?
Ihr Blick huschte wieder zu der Hellen. Wenigstens hatte sie etwas gefunden, was
sie vor langer Zeit verloren hatte.


Etwas lag in der Luft. Erst umgab es nur Faite, denn sie trug es in sich, doch
mit ihrem Husten hatte auch Kyro die Viren angenommen. Und von ihnen beiden,
übertrug es sich weiter. Noch war die Krankheit nur bei Faite ausgebrochen,
dennoch war gewiss, dass sie von diesem Zeitpunkt an nicht mehr zu stoppen war,
vor allem, weil niemand um sie wusste.


Lunar lag gelangweilt im Wald und döste vor sich hin. Er lauschte dem
Liebesgeflüster der Leitwölfe und empfand es als Lärmbelästigung, sie hatten ihn
nämlich geweckt. Da er den Tag aber sowieso nur faul herumgekrochen war, nahm er
es ihnen nur ein bisschen übel. Wenig später heulte dann Kyro von einer fremden
Fähe, die er gefunden hatte. Ab diesem Zeitpunkt war der weiße Jungwolf
hellwach, so wenig ihn das ganze interessierte. Er zählte eins und eins zusammen
und kam zu dem Schluss, dass Kyro nicht geheult hätte, wenn er selbst der Täter
gewesen wäre. Lunar wusste auch nicht, woher die Assoziation kam, Kyro und eine
verletzte Fähe mit einem neuerlichen Verbrechen zu verbinden. Es war geradezu
lächerlich, wenn man rational dachte.
Dennoch erhob auch er sich, gemächlich, eigentlich nicht an den Scherereien
interessiert, die sich um die fremde Fähe abspielten. Als dann der Ruf eines
weiteren Wanderers erklang, wusste er, was er zu tun hatte. Ohne zu zögern
änderte sich sein Kurs und er lief dem Rüden entgegen, der in dem Chaos gut und
gerne untergehen konnte. Nun wurde ihm die Aufmerksam des Jungwolfs zuteil, der
sich selbst für etwas Besseres hielt. Arrogant wie eh und je trat er auf den
Fremdling zu.

„Mein Name ist Lunar’choo, ich bin das Beste, was der Welt je passiert ist
und Teil der Gemeinschaft, die im Moment hier rastet.“


Würdevoll hob er den Kopf, um seine Größe zudemonstrieren. Ungeachtet dessen,
dass sein Gegenüber nicht kleiner war. Mit seinem kräftigeren Körperbau wirkte
er beinahe größer. Lunar war zierlich, ein hagerer Jungwolf, der seinen dicken
Winterpelz verloren hatte. Trotzdem war er gut genähert.

„Welche Gründe hattest du, dich der Wanderschaft zu verschreiben?“

Er schien nicht interessiert und doch aufmerksam. Sein durchdringender Blick
musterte den Wolf aufdringlich, ohne Scheu. Er prägte sich dessen Geruch ein und
spielte sein ewiges Spiel, dass dem sammeln von Informationen diente.

Sie hätte sie alle in
der Luft zerreißen können. Jeden einzelnen. Sie sollten ihr aus dem Weg gehen
und nicht noch andere zur Hilfe holen. Es war zu spät für den Grauen. Er hatte
den größten Fehler seines Lebens begangen. Und nun würde er dafür bezahlen. Noch
immer war ein tiefes Grollen von der Beigen zu vernehmen, der Hass in ihr
erlosch nicht, er fing immer wieder neu Flammen. Und gerade als sie zum letzten
Sprung ansetzte, musste sie wieder anhalten. Ruckartig blieb sie stehen, mit dem
Gesicht genau vor dem von Aramis.

“Verschwinde. Geh mir aus dem Weg. Dieses Mistvieh gehört mir!“

Sie keuchte. Sie kannte all diesen Hass, aber nie hatte sie damit umgehen
können. Und nun überrannte er sie, zog an ihren Kräften. Aber.. die Fähe wusste
was zu tun war. Ihre Lefzen waren noch immer zu einem Knurren verzogen, als nun
auch Noir dazu trat.

“REIß DICH ZUSAMMEN?!“

Yukí grinste finster.

“Du hast von gar nichts eine Ahnung, also halt dein dummes Maul! Geht aus dem
Weg! Macht das ihr wegkommt! Dieser Bastard hat es nicht verdient zu leben!“


Die Beige schrie den beiden Wölfen, die nun vor ihr standen entgegen. Er hatte
es nicht verdient, noch einen weiteren Atemzug zu tun. Nicht einen. Grollend sah
sie von Aramis zu der schwarzen Fähe. Sollten sie sie doch verbannen, aus dem
Rudel werfen oder umbringen. Es war ihr egal.
Gerade, als sie an den Beiden vorbei springen wollte, um endlich diesem
verdammten Hund, der sich hinter ihnen verkroch, die Kehle aufzureißen, als ihr
Bewegung erstarrte. Sie zuckte zusammen. Und im Bruchteil einer Sekunde
verschwand das Knurren von ihren Lefzen, sie schien wie ausgewechselt. Ganz
langsam drehte Yukí den Kopf zurück, die hellen augen nun auf Faite gerichtet.
Nun schlug das Herz in ihrer Brust nicht mehr vor Hass, vor Aufregung, sondern
vor Angst. Während sie zu ihrer Freundin ah, wie diese sich abquälte, wurde ihr
erst bewusst, was sie gerade getan hatte. Anstatt ihrem hass Luft zu machen,
hätte sie zu ihr gehen sollen. Das zweite Mal war ihr nun dieser Fehler
unterlaufen. Ohne noch einen der anderen anzusehen, drehte sie sich weg. Die
konnten sie Mal. Ihretwegen hätten alle Anwesenden sie nun auch von hinten
angreifen können. Egal.

“Faiti..“

Ihre Stimme war leise, sie flüsterte. Ganz langsam näherte sie sich der
Schwarzen, ihre Haltung konnte man fast schon als unterwürfig bezeichnen. Um
Verzeihung bittend.

“Es.. es tut mir Leid. Ich habe dich allein gelassen. Ich hätte auf dich
warten sollen.. Aber.. ich habe dich gesucht. Jeden tag habe ich nach dir
gesucht.. Es tut mir so Leid..“


Kaum war sie bei der Fähe angekommen, stellte sich Yukí neben sie, stützte sie.
Sie hatte liegen bleiben sollen, sich ausruhen. Aber irgendwie war ihr klar,
dass ihre Freundin dies nicht tun würde.

Es wird alles wieder gut..“

Noch immer flüsternd stubste sie die Fähe an, in der Hoffnung, sie würde ihren
Worten glauben.

“Kann ich.. etwas für dich tun.. Faiti?“


Ihr Sprung trug sie
ins Leere, denn Riaz kam ihr zuvor und riss Hund aus ihrer Bahn. Wütend knurrte
sie auf, landete und drehte sich sogleich herum, um einer eventuellen
Gegenattacke zu entgehen. Mit gesträubtem Fell fixierte sie abwechselnd Riaz und
Hund und achtete gleichzeitig darauf, Yuki im Blickfeld zu haben. Die Beige
hatte nach ihr geschnappt, aber Aszira nahm ihr das gar nicht mal übel – gerade
SIE verstand Yuki in dieser Angelegenheit besser als jeder andere hier. Für
Riaz' Worte hatte sie dagegen nicht viel übrig. Sie konnte sich gar keinen
anderen Hergang vorstellen, als einen, in dem Kyro auf eine geschwächte Fähe
stieß und diese Gelegenheit nutzte, um seinen Hass an ihr auszulassen. Dass er
nach dem Rudel gerufen hatte, konnte auch eine Methode sein, sich bei den
Ranghöheren einzuschmeicheln. Zwar entdeckte sie kein Blut an Kyros Schnauze,
aber das bewies nichts. Genauso wenig wie sein Verhalten nicht unbedingt Zeichen
seiner Unschuld sein musste.
Aszira sah an Riaz und Hund vorbei und entdeckte Aramis und Noir, die sich dem
Geschehen schnell näherten. Als die Alphas heran waren, trat sie instinktiv
einen Schritt zurück. Das hier konnte auch für sie Ärger bedeuten. Ihr Blick
hing an Hund, als Aramis sich an diesen wandte. Was sollte das? Wieviel Wert
hatten seine Worte schon? Aber sie schluckte jegliche Kommentare herunter, denn
diesmal war stand nicht einmal sie selbst im Mittelpunkt der Aggression, sondern
Yuki, und die Schwarze hatte nicht vor, daran etwas zu ändern.
Dann sprach die geschundene Fähe, mühevoll, aber deutlich. Aszira beobachtete
Yukis Wandlung und sah dann zurück zu der fremden Fähe. Nun, die unbändige Wut
der Beigen erklärte sich hiermit von selbst. Was die Verletzte allerdings zu
sagen hatte, entsprach nun so gar nicht den Vorstellungen der Schwarzen. Sie
zweifelte jedoch nicht daran, dass man ihr Glauben schenken würde. Wwarum auch
hätte sie in Anwesenheit zweier Wölfe, die Kyros Tod wünschten, ihn entlasten
sollen, wenn er wirklich der Täter wäre?
Aszira hatte genug. Die Alphas waren hier, für Selbstjustiz war nun kein Platz
mehr. Ihre Haltung entspannte sich auf ein für sie normales Maß, dann wandte sie
sich demonstrativ ab. Ihr Blick glitt zu Hund, der ihr wiedereinmal entkommen
war – nur diesmal zu Recht, wie es schien. Der Gedanke gefiel ihr nicht
besonders.

„Du hast noch einer Aufgabe nachzugehen. Hier hast du genug... getan.“



Das Zögern war kaum merklich, aber eigentlich hatte sie 'angerichtet' sagen
wollen. Nur, dass dieser Ausdruck angesichts der restlichen Zuhörer vermutlich
etwas unangebracht war. Sie setzte sich in Bewegung, zurück in die Richtung, aus
der sie gekommen war. Als sie an Riaz vorbei kam, verlangsamte sie kurz ihren
Schritt.

„Du hast dich schon wieder eingemischt, Rüde. Was geht er dich eigentlich
an?!“
,

zischte sie ihm leise zu, lief jedoch weiter, nun wieder in normalem Tempo...


Alles was er wissen
wollte lag in Kyros Antwort und in den Worten der fremden Fähe. Er zog die
Lefzen weiter zurück und machte ernsthaft Anstalten Yuki mit mehr als nur Worten
zurechtzuweisen. Doch sie hatte Glück, pures Glück als sie sich abwand und sich
der fremden Wölfin zu wand. Langsam entspannte der silbergraue Rüde sich wieder
und er nickte Kyro zu.
Das Spiel “Kill Kyro” war noch nicht einmal zu ihm durchgedrungen. Es
interessierte ihn nicht. Er legte den Kopf schief. Soviel Wind um nichts. Er
hätte gemeinsam mit Lajila und Noir dem Sonnenuntergang zusehen können,
stattdessen mussten sich die Unberechenbaren unter ihnen wieder zoffen. Aszira
ging, Yuki war bei der fremden Wölfin. Er brummte mürrisch, wenigstens hatten
sich die Gemüter wieder gefasst. Er sah zu Kyro, erwartete schlicht das er
Asziras Aufforderung nachging was immer sie auch zu bedeuten hatte.

Langsam näherte er sich der Fremden und Yuki, fast ein wenig zögerlich nachdem
er den Hass in Yuki verspürt hatte. Er hielt Abstand, betrachtete die beiden in
aller Ruhe.

“ Ihr scheint euch zu kennen… “,

stellte er ruhig fest und wartete beinahe lauernd darauf das Yuki wieder in die
Luft ging. Er hatte keine Angst vor ihr, je mehr ein Wolf tobte umso weniger
Argumente hatte er wirklich. Er wollte so gleich vorschlagen, sie zum Rudel zu
bringen aber etwas hielt ihn zurück. Vielleicht war es besser, wenn Noir das
entschied. Es war eine Fähe und Noir die Alphafähe. Langsam zog er sich zurück
und nickte der Alpha zu. Es war ihre Entscheidung.


Dijaron sprang auf
die Pfoten und wirbelte einmal im Kreis. Ausgeschlafen, frisch und munter und er
fühlte sich wunderbar. Er fühlte sich stark und merkte, wie er jeden Tag mehr
Kraft gewann. Er war ganz aufgeregt darüber. Noch war er nicht, wie seine
Geschwister, aber inzwischen war er sich so sicher, dass er gewinnen würde, dass
die dunklen Gedanken an die merkwürdige Schwäche, die in ihm gewütet hatte,
vergessen war. Mit strahlendem Lächeln folgte er einer Spur, die sich vom
Sammelplatz wegbewegte. Nicht weit, in der Nähe bleibend, aber sie gehörte einer
Welpin. Nicht aber seiner Schwester. Daina war ihr Name und sie war hübsch. Aber
Dijaron fand eigentlich alle Wölfe schön.

„Hallo ihr! Es freut mich total, euch alle kennenzulernen. Aber ihr wisst
sicher, dass mein Name Dijaron lautet und ich glaube auch euch zu kennen. Ein
bisschen. Also nicht kennen, aber eben doch. Shanaya, Demon und Daina, da hab
ich doch Recht, oder?“


Mit wedelnder Rute und bester Laune strahlte er die drei an. Vor allem aber die
beiden großen.

„Seit ihr nett? Ich hab nämlich gehört, dass der böse Wolf geheult hat. Aber
ich durfte noch nie mit dem reden. Dabei wollte ich ihm eigentlich erklären,
dass er ein bisschen tapferer sein muss, wenn er glücklich sein will, im Leben.“


Als hätte man ihn zu diesem Gespräch eingeladen, setzte er sich vor die beiden
großen Wölfe und neben Daina, der er charmant zulächelte. Dass gehörte sich so,
für einen heranwachsenden Gentleman.


Oh nein. Seine
schlimmsten Befürchtungen wurden wahr. Er war für Welpen doch nicht unsichtbar.
Blinzelnd sah er zu der Kleinen hinunter unschlüssig was er jetzt tun sollte.
Der schwarze Jungwolf wollte schon zurückweichen, als die Neugierde ihn
übermannte und er witternd den Fang senkte. Vorsichtig schnuffelte er an dem
schwarzen Welpenfell. Seine Ohren zuckten leicht während seine silbernen Augen
sie fixierten.

“ Ähm….naja… ich bin ja nicht alleine.. Das ganze Rudel ist hier..” ,

antwortete er doch ziemlich verdattert. Da hatte man sich wochenlang aus der
Affäre gezogen und urplötzlich wurde man von einer kleinen schwarzen Wölfin
entdeckt. Das Leben konnte so grausam sein.

Aber Rettung nahte, beinahe erleichtert stubste er Shanaya ebenfalls an. Seine
Rute schwang hin und her, doch dann spielte ein Grinsen um seine Lefzen. Da war
er ertappt worden. Seine Befürchtungen waren wirklich wahr geworden, aber
zumindest war er nicht alleine dem schrecklichen Wolfskind ausgeliefert. Gut,
wenn Shanaya da war musste er ja nicht zwingend vor Freude auf die Vorderläufe
sinken weil da ein Welpe vor ihm saß. Zugegebenermaßen war die Kleine aber recht
niedlich.

Vollkommen unbemerkt schob er die Nase nach vorne und witterte wieder an der
Kleinen. Was diese natürlich ganz sicher niemals nicht bemerken würde. Sie war
ja blind, taub und stumm. In diesem Moment sah man nicht unbedingt das Demon
eigentlich ein ernster, schweigsamer und doch stattlicher Jungwolf war, eher
konnte man annehmen das er ein zu groß geratener Welpe war.
Er zuckte zusammen, da war ja noch ein Welpe. Gut, tief Luft holen und nicht
wegrennen. Er erstarrte regelrecht und sah hilfesuchend zu Shanaya. Denn er
wusste nicht was er nun tun sollte.


Müde und verschlafen
blinzelte der Held aller Helden und hob mühsam den Kopf. Er gähnte und zeigte
dabei die kleinen scharfen Zähnchen. Der kleine Rüde streckte sich ausgiebig und
sah sich dann schwanzwedelnd nach seinem Brüderchen Aron um. Blitzschnell
erstarrte er zur Salzsäule. Entsetzt weiteten sich die hellen Augen. Er war weg.
Einfach nicht mehr da wo er gewesen war als sie eingeschlafen waren. Jaris
winselte kurz entsetzt auf, wo war er bloss? Aron konnte doch nicht weg sein,
das ging doch gar nicht. Und Mummy und Paps waren auch nicht da, die hätte man
ja fragen können.
Das Näschen wackelte und mit dem Wackeln kam Jaris die Idee eben jenes Organ an
der Schnauze einzusetzen. Ja, da war Arons Witterung. Das war er. Seine Pfoten
trugen ihn der Witterung nach, immer schneller und hektischer. Er hob den Kopf
und sah zwei der Großen und einen der anderen Welpen. Und, er seufzte
erleichtert, da war Aron. Halt, da waren ganz Fremde bei ihm! Jaris hatte noch
lange nicht alle Wölfe des Rudels als Rudelwölfe hingenommen, jeder den er traf
war erstmal potentiell Böse und Gemein.

Ganz schlimm knurrend tauchte er neben Aron auf, plusterte sich auf und machte
erstmal deutlich wer hier der Chef war. Kurz sah er fast tadelnd zu Aron, von
wegen ohne Bescheid zu sagen spazieren gehen. Man konnte doch niemals nicht
wissen was da alles passieren konnte! Gut, genug den Obermacker gespielt. Er
setzte sich nun ganz artig neben seinen Bruder, nicht ohne vor allem den beiden
Großen fast warnende Blicke zuzuwerfen. Daina war für ihn schon fast ein
Geschwisterchen geworden, also wurde sie gleich mal mitbeschützt.

“Also ich bin Jaris.. Ich bin Arons großer Bruder und bester Freund.. Wenn
ihr ihm ein Haar krümmt, dann beiße ich euch ganz doll..”
,

erklärte er mit stolzgeschwellter Brust. Er war der Held der Helden und keiner
konnte ihm das Wasser reichen. Einfache Sache, nicht wahr?

Genüsslich räkelte sich der braune
Jungwolf im weichen Gras, hatte mal wieder nichts Besseres zu tun, als sich auf
den Rücken zu drehen und in den Himmel zu schauen. Es gab so viel Wunderbares in
der Natur, dazu zählte vor allem der Himmel. Jeden Abend sah er anders aus, er
war einfach nie gleich. Staunend beobachtete er die roten Wolken, das leichte
Glimmen dort, wo die Sonne ihre Spuren zog. Es sah einfach toll aus.

Mit einem Ruck war Krümel Löwenherz aufgesprungen. Das war doch blöd, hier
alleine alles zu bewundern. Das musste er mit jemandem teilen! Lunar war nur mal
wieder nicht zu sehen. Kheiji hatte aufgehört, darüber traurig zu sein, es
brachte eh nichts. Tief in seinem Herzen, da würde der große Bruder immer sein.
Sein Regentänzer. Er würde ihn immer lieben und Lu würde ihn ganz sicher auch
immer lieb haben.
Mit wachen, leuchtenden Augen erblickte Kheiji eine kleine Gruppe am Rand des
Ruheplatzes. Dort war sein Bruder Demon bei einer anderen Jungwölfin und
außerdem tummelten sich dort drei Welpen. Denen würde er einfach mal einen
Besuch abstatten. Mit ruhig schwenkender Rute trat er zu Demon und Shanaya
herüber, wie die Kleinen hießen wusste er nicht, aber das ließ sich heraus
finden.

Hallo ihr! Ist der Abendhimmel nicht wunderbar? Mein Name ist übrigens
Kheiji. Mein Bruder Lunar nennt mich auch Krümel Löwenherz! Und ihr drei Helden
seid?“


Freundlich blieb er stehen und senkte den Kopf. Wie er jetzt so bei Demon stand,
konnte man sehr gut sehen, dass Kheiji im Gegensatz zu anderen Rüden sehr klein
war. Vor allem Lunar überragte ihn schon fast im Kopfhöhe.


Sharila blickte sich
um, sah den sorglosen Welpen zu, hatte aber merkwürdigerweise nicht die Laune,
zu ihnen hinüberzugehen und mit ihnen zu sprechen. Obwohl sie sonst die
Gesellschaft der Kleinen genoss, die sie von all ihren Sorgen befreiten und eine
Gewisse Freude brachten, verspürte sie dennoch nicht diese „Anziehungskraft“ wie
sonst.

Langsam und mit ihren wunderschönen fließenden Bewegungen trabte sie von Rudel
weg, versuchte herauszufinden, was mit ihr nicht stimmte. Konnte es daran
liegen, dass der Fluss ihrer Grausamkeit unterbrochen wurde? Konnte das Böse in
ihr sie wirklich nicht verlassen? Die Eisprinzessin wusste es nicht und die ja,
übernatürliche Aura, die eine Weile erloschen war, schien wieder um sie herum
aufzuflackern. Ihr Auftreten war wieder das der Eisprinzessin, stolz, grausam
und eiskalt. Sie verstand sich selbst nicht mehr? Wieso hatte sie sich so sehr
verändert, seitdem sie dem Rudel beigetreten war? Wieso sträubte sich ihr
Inneres nun dagegen? War es denn richtig oder nicht? Fragen über Fragen häuften
sich in ihrem jungen Geist und die Fähe hatte das Gefühl, als würden sie ihren
Kopf zerbrechen. Gequält beschleunigte sie ihre Schritte, die dennoch voller
Eleganz und Anmut waren und wusste kaum, wo sie hinging. Sie war so sehr in
ihren Gedanken versunken, dass sie kaum merkte, wie ein pechschwarzer Rüde vor
ihr auftauchte. Mit immer heftiger aufbrausender Wut lief sie weiter und bremste
erst im letzten Moment vor dem Rüden ab. Selbstverachtung war ihr ins Gesicht
geschrieben, als sie den Schwarzen mit kühlem Blick musterte.

.oO(Wie konnten mich meine Sinne täuschen?)

Fragte sich die weiße Schönheit, als sie versuchte, ihr Temperament zu zügeln.
Wie war es möglich, dass sie sich wieder in die Eisprinzessin zurückverwandelte,
nachdem sie es so lange geschafft hatte, ihren Charakter umzudrehen?
Sharila schüttelte verärgert ihr fein geformtes Haupt, als sie bemerkte, dass
der Rüde, dessen Name sie als Shien Dewéyn in Erinnerung hatte, noch immer vor
ihr lag. Nach einem weiteren langen Blick konnte die Schneeweiße feststellen,
dass auch er nicht besonders gut gelaunt war. Aus eigener Wut sträubte sich ihr
Nackenfell und ihre nahezu übernatürliche Vollkommenheit und Schönheit flackerte
im krassen Gegensatz zu ihrem Auftreten auf.

.oO(Eisprinzessin … Ja, die bin ich! Sollte ich nicht jetzt nach meinen
Instinkten Reagieren? Als Unglückbringerin, Verbannte, Verräterin …)

Ein leises Grollen entfloh ihrer Kehle, doch schon im nächsten Augenblick wusste
sie nicht mehr, was sie tun sollte. So niedergeschlagen, wie Shien aussah, so
schlecht gelaunt, wie sie es selber war, verspürte sie überhaupt keine Lust,
sich mit dem Schwarzen anzulegen. Sie wollte nicht mehr so sein, wie sie es
gewesen war, sie wollte so sein wie alle, auch wenn sie im Winter geboren war …
Eisprinzessin. Den Begriff konnte sie einfach nicht aus ihrem Bewusstsein
verbannen. Erst nach einer Ewigkeit, so schien es ihr, konnte sich Sharila
fassen, sah ihr Gegenüber dennoch mit funkelnden Augen an.

“Tut mir Leid … Mein plötzliches Erscheinen meine ich …“

Brachte sie dann schließlich hervor, während ihre Stimme aus Wut zitterte. Sie
verstand sich selber nicht mehr und die Aura, die sie umgab, schien nicht mehr
unter ihrer Kontrolle zu sein. Sie konnte ihr stolzes arrogantes Auftreten nicht
weiter zurückhalten, doch ihr Blick beruhigte sich, während sie sich zur
Vernunft zwang. Nach einer weiteren langen Pause fuhr sie fort.

“Mein Name ist Sharila … Wir haben uns glaube ich noch nicht kennen gelernt
…“


Die Eisprinzessin sah den schwarzen Rüden noch immer mit dem selben skeptischen
Blick an, den sie nicht verbergen konnte, doch langsam schaffte sie es, sich zu
fassen und gewann wieder die Oberhand über ihren Körper. Ihre Schönheit schien
nun langsam wieder mit ihrem Temperament zu verschmelzen, während sich ihr
gesträubtes Nackenfell wieder zu einer dichten Fläch an ihren Körper legte.


Aakalliko kicherte
vergnügt. War ja mal wieder klar, dass Kyrraine so tat, als hätte er sich gar
nicht erschrocken! Doch Aaka hatte doch gesehen, wie empört der Welpe
zurücksprang. Hatte er sich denn nicht etwa damit verraten? Er musste
schmunzeln. Nie gab er etwas zu, wenn etwas war, nie! Er tat immer so, als wäre
er furchtlos. Immerhin hatte er schon einige Male Aakalliko geärgert. Kyrraine
hat manchmal einfach nur angegeben oder hatte versucht, ihm Angst zu machen.

“Ach…erzähl doch nicht! Jeder weiß doch, dass du Angst hast!“

Sprach er zu Kyrraine und kicherte leise in sich hinein. Kyrraine ärgerte gerne
Aakalliko, ja, dass war wahr. Doch anders rum war es genau so: Auch Aakalliko
ärgerte Kyrraine sehr gerne. Irgendwie war es ein lustiges Gegen- aber auch
Miteinander. Bösartig ärgerten sie sich natürlich nie. Immer hatte es einen
spaßigen und verspielten Hintergrund, der aber immer den Anderen dazu brauchte,
noch einen draufzusetzen. Manchmal konnte es aber auch wirklich dumm oder
peinlich werden, dass man schon gar nichts dazu sagte. Dann beäugte er schon
wieder einen neuen Wolf. Er hatte glänzend weißes Fell und war groß…so wie Mama
und Papa! Er stellte sich als Katan vor. Es schien so, als würde ihm der Anblick
der beiden Welpen wirklich gefallen.

“Hallo Katan! Ich bin Aakalliko!“

Stellte er sich höflich vor und wedelte aufgeregt mit der Rute. Kurz danach
musterte er auch schon wieder einen anderen Wolf. Sie war eine Fähe, die sich
als Yukí vorgestellt hatte. Ihr Fell war ziemlich bunt: Viele verschiedene
Braun- und Beigetöne trug es mit sich. Aakalliko hätte auch gerne sie begrüßt.
Nur leider musste sie weg. Warum auch immer! Doch er wusste, dass er die
Begrüßung noch nachholen würde.


Lajila hatte die Nähe
ihre Gefährten genossen. SO gerne hätte sie Stunden damit verbracht in
Zweisamkeit hier auf diesem Hügel zu verharren, in das einzigartige Licht des
endenden Tages getaucht. Doch als Noir auftauchte, empfand sie keinen Groll
gegen sie. Ihre ganze Haltung, ihre Blicke sprachen für sich und in jenem Moment
verstand Lajila deutlicher als je zuvor, was genau die Alpha zu ihren Handlungen
getrieben hatte.

"Ich hege keinen Groll gegen dich. Wenn man nicht mehr an Freunden festhalten
kann, dann hat man nichts mehr auf der Welt..."


, waren ihre leisen Worte. Kurz lächelte sie und betrachtete Aramis und die
Alpha, wie sie nebeneinander da standen. EIn Herz und eine Seele. Freunde, wie
die Welt mehr von ihnen brauchte, wie das Rudel mehr von ihnen brauchte.
Bei dem Heulen von Kyro zuckte sie mit den Ohren. Doch ansonsten blieb ihre
Haltung deutlich neutral.

"Geht nur..."

Sie vertraute ihnen. Allen beiden und wusste sie würden richtig handeln. LAjila
jedoch wollte hier bleiben und den Moment noch etwas auf sich wirken lassen. Mit
einem Lächeln blickte sie den beiden nach. Sie waren Freunde und Verbündete, so
wie Kiba und sie Freunde und Verbündete waren. Vertraute ohne die es einem
schwer fiel weiter zu machen.
Suchend glitt ihr Blick über den Platz unter ihr, der gut zu sehen war. Sie
versuchte das weiße Fell ihres besten Freundes zu erhaschen. Für den Moment
jedoch schien er nicht in Reichweite zu sein und so behielt sie lieber ihre
Welpen im Blick. Vielleicht würde sie nachher ein Mal mit Darkjania reden.


"Aber...aber..."

,stammelte Kyrraine vollkommen baff, als sein Fellhaufen, denn so würde er Yuki
fortan nennen, aufsprang und davon eilte.

"Aber...hey!"

Das konnte sie doch nicht tun! EInfach so davonlaufen. Bestimmt war das
unhöflich und nicht freundlich und überhaupt!
Dem Jungspund stand die Empörung im Blick geschrieben. Einen Moment überlegte er
ernsthaft, ob er ihr nicht nachlaufen sollte um ihr zu erklären, dass man
soetwas einfach nicht tat! Dann jedoch wurde er von diesem Gedanken abgebracht.
Erstens wäre er selbst unhöflich und einer musste ja Vorbild sein, und zweitens
war da immer noch dieser vorlaute Aakalliko.
Blinzelnd musterte er seinen Altersgenossen und grinste mit einem Mal.

"Ich habe keine Angst! Aber ich wette...wenn ich dir etwas zeige, dann
bekommst du viel Angst!"


,behauptete Kyrraine mal so ins Blaue hinein und grinste den anderen Welpen
ehrausfordernd an. Oh, er hatte überhaupt nichts gegen ihn. In seiner Welpenwelt
gab es keinen Hass, keine Wut und keine Feindschaft. Zumindest noch nicht. Das
waren Gefühle, die ihm fremd waren und so Wulf wollte, würde das hoffentlich
auch noch eine Weile so bleiben.
Vorerst wollte er nur eines. Das Leben genießen, spielen, toben und gaaaaanz
viel neues entdecken.


Noir starrt Yukí an
als diese sie anfuhr. Sie reagierte im ersten Moment nicht, war zu überrascht
von der Situation. Was war denn jetzt los? Überrascht sah sie der Fähe entgegen,
rührte sich jedoch nicht vom Fleck. Sie fasste sich wieder, sah die ihr Fremde
mit tiefer Abneigung. Sie durfte also entscheiden wer es wert war geliebt zu
werden und wer nicht? Ihr Blick traf hart auf den der Beigen. Sie durchbohrte
die Braune praktisch, sagte aber erst mal nichts. Beobachtete nur wie sich Yukí
von einer Sekunde auf die andere wandelte und zu der Fremden, die sie Faiti
nannte, hinüber lief. Sie beobachtete das Schauspiel und sah dann zu Aramis.
Erst jetzt nahm sie die Neue in Augenschein. Sie sah nicht gut aus, sehr krank.
Sie trat näher zu der Fremden, wahrte aber einen sicheren Abstand, denn ein
bisschen Angst hatte sie vor ihrer Freundin schon. Sie beobachtete die Fähe
lange und prüfend, sie fragte sich warum es ihr wohl so schlecht ging. Sie
schien keine Verletzungen zu haben. Und allein der Hunger war es nicht. Sie sah
zu Aramis, etwas fragend. Was hatte die Fähe? Aber für Fragen waren jetzt keine
Zeit. Die Fähe sah miserabel aus, so schwach.

„Du brauchst unbedingt etwas Futter."

Sie sah zu Yukí. Immer noch hegte sie einen gewissen Groll gegen die Fähe. Sie
hatte nicht das Recht zu entscheiden wer es Wert war zu leben und wer nicht. Und
erst Recht nicht, wenn es um Kyro ging. Ihr Blick war neutral, wandte sich
wieder zu Aramis. Sie wusste nicht, was sie tun sollte. Sie hatten kein Essen.
Nicht einmal für sich selbst, wie sollten sie etwas für die Fremde auftreiben?
Ihr Blick wanderte zurück zu der dunklen Fähe, die so schwach neben der Beigen
stand.

„Mein Name ist Noir. Wir werden alles tun, was in unserer Macht steht. Halt
nur noch ein bisschen durch, okay?"


Sie sah zurück zu Aramis. Sie würde Futter suchen gehen, sie hatte gar keine
andere Wahl. Die schwache Fähe brauchte Hilfe und nur sie konnten ihr welche
geben. Sie sah zu Aszira, dann zu Kyro. Was für einen Auftrag?

„Was musst du tun, Kyro?"

Sanft sah sie ihren Freund an. Am liebsten wäre sie zu ihm gegangen, hätte ihn
gestützt, so wie Yukí es gerade bei Fait tat, hätte ihm ins Ohr geflüstert das
alles gut werden würde. Aber sie wusste es nicht. Deswegen sah sie ihn einfach
nur an. Sie war seine Freundin. Auch wenn er nicht mehr ihr Freund sein konnte.


Mit unterwürfig
wedelnder Rute trat Kyro geduckt hinter Aramis hervor, als Yukí sich abwandte.
Der Blick, der der Wölfin hinterher glitt, sprach Bände. Er hasste sie ohnehin
schon, jetzt hatte sie ihm aber auch noch Grund dazu gegeben. Während er ihr
noch nachstarrte erklang die Stimme seiner Herrin und er lief freudestrahlend zu
ihr hinüber. Es war erbärmlich und es war eine offensichtliche Lüge, aber er
genoss es. Aus welchen Gründen auch immer.

„Soll ich einen Hasen für Faite bringen, wenn mir eine Fährte unterkommt? Es
wird bald dunkel, ich werde nicht mehr weit kommen, Herrin.“

Sein Kopf wandte sich zu Noir, die er ansah, als wäre sie eine Wildfremde.
Trotzdem galt auch ihr einer dieser falschen, verlogenen Rutenschwenker und ein
devoter Blick. Zu Aszira hinüber sehend, wusste er nicht so genau, ob er
reagieren sollte und durfte.

„Mein Name ist Hund.“

Erklärte er, wie ein braver Schüler. Auf den Rest der Wölfe musste es wirken,
als hätte er nun vollends den Verstand verloren. Unschlüssig, wohin mit sich,
stand er zwischen Noir und Aszira, setzte eine Pfote vor sich, zog sie zurück.
Er hatte seine Befehle, nur an diese musste er sich halten. Aus Neugierde sah er
zu Yukí und Faite hinüber und zu Aramis. Sie alle kümmerten sich um die Wölfin,
von einer Sekunde auf die Andere war die Stimmung umgeschlagen. Von Mordgier zu
Fürsorge. Ihn interessierte dass alles reichlich wenig. An seiner Schulter
klaffte einmal mehr eine Fleischwunde. Blut rann durch sein Fell und verklebte
es. Es nervte, ständig durch Kampfwunden behindert zu werden. Abgesehen davon
war sein Körper inzwischen zwar wieder in einem lebensfähigen Zustand, aber er
hatte noch immer zu wenig auf den Rippen und das Fell, dass so struppig und
ungepflegt in alle Richtungen stand, war zerlöchert von all den Narben. Er war
hässlich. Er fühlte sich hässlich. Und schon freute er sich wieder.

„Ich begebe mich auf die Suche nach Großwild.“

Diese Erklärung gab er an beide schwarzen Wölfinnen. Danach ging er einfach,
sich wieder der Einsamkeit widmend, die ihn sein Leben lang begleiten sollte.


Er wollte schlafen,
er wollte nicht schlafen. Er durfte es nicht. Das wusste er, es war ihm klar und
deutlich bewusst. Es wohl dieses Wissen, an welches sich sein Bewusstsein
klammerte, ansonsten wäre er in der Tat womöglich einfach umgekippt und wäre weg
gewesen. Fort gerissen in einen Traum, von solch bestialischer Grausamkeit, das
er es nicht hätte ertragen können. Es hätte sein Herz zerrissen, in tausende von
Splittern zerfetzt und von hier fort getrieben. Weg gejagt, es hätte ihn in die
Weite gezogen, deren Ruf er nicht hätte widerstehen können. Er wäre fort
gerannt, irgendwo hin, bis seine Läufe ihn nicht mehr hätten tragen können oder
die Müdigkeit ihn von den Beinen geholt hätte. Die trüben Augen hingen am
Horizont, an dem er sich fest krallte. Die Fähe, die sich ihm mittlerweile
annäherte, bemerkte er gar nicht. Seine Sinne waren zu abgestumpft, seine Ohren
wie in Watte gepackt, von einem unsichtbaren Nebel umhüllt, durch das kaum ein
Geräusch erklang. Seine Nase hielt nur den kühlen Wind, wirklich etwas riechen
tat er nicht, zu viele Gerüche, die in seinem Gehirn zu einem einzigen
verschmolzen und er machte sich nicht die Mühe ihn auseinander zu pflücken. Es
kostete ihn schon Mühe einfach nur wach und halbwegs ansprechbar zu bleiben, da
konnte er seine Kraft nicht auch noch an solche Dinge verschwenden. So zuckte
der Schwarze ein wenig zusammen, als die Weiße auf einmal bei ihm stand und ihn
ansprach. Es schien für ihn lange Zeit zu dauern, bis er reagierte. Zuerst
drehte sich ein Ohr in ihre Richtung, ganz langsam, dann wandte sich ein Stück
weit das eingefallene Gesicht des Rüden. Nachdem er sie nun einen Augenblick
lang schweigend angestarrt hatte, versuchte er die Worte, die so leichtfertig
aus ihrem Fang gewichen waren, in seinem Gedächtnis aufzufangen, zu
entschlüsseln und zu verstehen. Normalerweise war er überhaupt nicht schwer von
Begriff, die Müdigkeit aber lähmte ihn und machte ihn langsam. Für ihn war viel
Zeit vergangen, bis er es endlich schaffte, sich zu einer Antwort zu bewegen.

Schon... in Ordnung.

, murmelte er schwach, die Ohren noch immer seitlich gestellt und den Blick aus
den trüben Augen auf Sharlia gerichtet. Ein wenig hoffte Shien, dass sie sich
damit zu frieden gab und wieder verschwand, auf der anderen Seite konnte sie ihn
vielleicht auch besser wach halten, als wenn er es alleine versuchen würde. Er
blinzelte angestrengt, in dem Versuch einen klareren, wacheren Kopf zu bekommen.
Wäre er ein Mensch hätte er sich wohl Literweise Koffein reingeschüttet, so aber
musste er sich irgendwie ablenken.

Ich bin Shien... Stimmt. Und das willst du jetzt nach...

Sein Satz blieb unvollständig, als seine Läufe nachgaben und der dunkle Körper
plötzlich seitwärts kippte. Schnell riss er die Augen auf, die zugefallen waren
und fing sich gerade noch mit einem Schritt zur Seite.

Entschuldige.


Dainas Blick wanderte
von Demon zu Shanaya und gerade als sie hatte antworten wollen, kam ein weiterer
Welpe zu ihnen, der sich als Dijaron vorstellte. Er machte einen sehr netten
Eindruck auf sie und dass er sich ungefragt hinzugesellte, störte sie kein
bisschen. Sie hatte Demon ja auch nicht gefragt, ob sie sich zu ihm setzten
durfte. Ein weiterer Rüde, deutlich kleiner als Demon, aber dennoch viel größer
als sie und die anderen Welpen kam zu ihnen. Auch er schien sehr freundlich zu
sein. Kheiji hieß er und er war der Bruder von Lunar. Sehr Interessant. Munter
lächelte sie erst Dijaron und dann Kheiji an, bevor ein weiterer Welpe hinzukam
und sich ebenfalls vorstellte. Jaris schien seinem Bruder gegenüber einen sehr
ausgeprägten Beschützerinstinkt zu haben, jedenfalls war er wohl sehr besorgt um
den herzlichen Dijaron. Ein wenig überwältigt von so vielen neuen Gesichtern sah
die Schwarze zu Kheiji und musterte sein jugendhaftes Gesicht, danach sah sie zu
Shanaya.

"Ich bin Daina. Schön euch kennenzulernen."

Gab sie als Antwort auf die Frage, welche sowohl die schwarze Fähe, als auch der
Welpe und auch der zierliche Braune ihr gestellt hatten. Sie legte ihren Kopf
schief und starrte Jaris an. Warum fürchtete er so um seinen Bruder? All die
großen Wölfe waren doch zu seinem und ihrer aller Schutz da, warum sollten sie
ihn dann wohl beißen wollen? Das ergab keinen Sinn. Sie beschloss aber, keine
Kritik zu üben, sondern schenkte Jaris ein fröhliches Lächeln und sprach dann
mit überzeugter Stimme.

"Mach dir keine Sorgen, Jaris. Du passt so gut auf deinen Bruder auf, dass
ihm kein Leid geschehen wird. Keiner würde es wagen, ihm Unrecht zu tun."


Anschließend drehte sie sich zu Demon um, seine Verunsicherung durch die Welpen
fiel ihr gar nicht auf. Ihr war nichteinmal klar, dass auch die ganz großen
Wölfe ratlos sein konnten, was zu tun war. Sie war sicher, dass es nur Welpen so
ging. Ohne weiter darüber nachzudenken, ging sie zu Demon hinüber und setzte
sich ohne zu fragen zwischen seine langen schwarzen Vorderbeine. Sie mochte
seine Farbe, sie war wie die ihrer Mutter. Dass sie selbst auch einen schwarzen
Pelz trug, war dabei nicht von Bedeutung.



Der Nebel der Melancholie und Führsorge, hatte sich nur schleichend über den
Platz und die Wölfe gelegt. Er hatte die Verletzte erfasst, Yukí, die
dazugekommenen Alphas, ja vielleicht sogar Kyro. Selbst er selbst schien ein
wenig besorgt um diese Wölfin der er doch garnicht kannte, einzig Aszira schien
verschont. Sein Blick galt ihr, während sie sich im wohl im Begriff war davon zu
machen. Sonderbar, eben noch hatte er gedacht, dieses Mal würde sie ihn in
Stücke reißen. Und seine Ohren zuckten, als sie plötzlich ihre Worte an ihn
wandte und ein ungewolltes Lächeln schlich sich auf seine Züge. Es war eine
Frage, die er ihr nicht beantworten konnte.

Als sie weiter lief, folgte der Sandfarbene. In etwas Abstand lief er versetzt
neben der Schwarzen her. Ließ sich selbst einen Moment der Besinnung, ehe er auf
eine Frage antwortete, von der er sich nicht einmal sicher war, ob sie wirklich
eine Antwort wollte.

"Es liegt nicht an ihm. Eher an mir. Kyro bedeutet mir nichts, nicht mehr,
als jeder andere Wolf auf dieser Welt. Es ist meine Art. Ich möchte niemanden
vor meinen Augen sterben sehen, geschweige denn, vielleicht Mitschuld daran
tragen..."


Er zögerte einen Moment, etwas von sich selbst überrascht diese Worte so wieder
zu geben.

"... mein Leben ist dabei egal. Es ist mehr eh nichts wert."

schloss er schließlich ab. Dummkopf, wieso erzählte er dies alles eigentlich
dieser Furie? Er mochte sie nicht, noch immer nicht, doch er wollte ihr einfach
antworten, er schuldete ihr wahrscheinlich eine, sonst würden sie noch zich Male
aneinander geraten.

"Es tut mir jedenfalls nicht Leid dur andauernd den Spaß zu verderben."

Das Lächeln verebbte endgültig und ließ wieder die grobe Hülle zurück, ließ sich
wieder vom Aschensturm einfangen und zurück tragen und verweilte. Er sah Aszira
nicht an. Wusste jedoch auch nicht wohin mit seinem Blick. Die Situation kotzte
ihn an. Alles war sonderbar gelaufen. Das auftauchen der Alphas, Yukí, die
Fremde. Alles war sonderbar. Und Kyro... Hund. Es war ein bescheuertes Spiel das
hier getrieben wurde, doch es war die Strafe für dieses Verbrechen, dennoch
würde es Riaz nicht in den Sinn kommen, den Grauen 'Hund' zu nennen. Er dachte
zurück, wie die Stimmung gekippt war, wie der knisternde Zorn verschwand und der
Nebel sich ausgebreitet hatte. Sein Blick schlich sich schließlich zum
Dämmerungshimmel empor. Genoss den Sonnenuntergang eine weitere Zeit lang. Und
für einen Moment verschwand Aszira aus seiner Nähe und er träumte sich zurück zu
seiner Mutter und seinen kleinen Geschwistern, sah sie in der Dämmerung tanzen
und konnte ihnen doch nicht beiwohnen. Er war hier... und sie alle waren, so
unsagbar weit fort. Der Sandfarbene ließ den Kopf wieder sinken und trabte
weiter, sein Tempo etwas beschleunigend. Was Aszira tat, war ihm egal.


Katan lachte über den
kecken Kommentar von Kyrraine, dass die Wölfe vielleicht Nummern ziehen sollten,
weil sie alle die Namen der Welpen erfahren wollten. Ein frecher Kerl war er,
wie es schien. Grinsend schüttelte der Weiße den Kopf über den Gedanken, ob es
wohl das Erbe von Attaché oder von Darkjania war, aber wahrscheinlich war der
kleine Kerl einfach eine gute Mischung aus beiden. Kaum hörbar seufzte er, als
er mitbekam, dass es scheinbar abermals Komplikationen gab mit Kyro. Eine sehr
geschwächt aussehende Fähe hatte er mitgebracht, welche sich als Faite
vorstellte und er war froh, dass die Wölfin sofort beteuerte, dass Kyro ihr
nichts getan habe. Das war nur gut und recht, auch wenn ihr nicht klar sein
konnte, wie wichtig es für das Leben des Rüdens war, dass er seine Pfoten in
Unschuld waschen konnte. Katan war froh, dass Aramis und Noir sich bereits um
die Sache kümmerten, er wusste ohnehin nicht, wie er damit hätte umgehen sollen.
Erhitzte Gemüter erforderten meist so schnelle Entscheidungen, dabei war es ihm
viel lieber die Dinge sorgfältig zu überdenken.
Er riss seinen Blick von der Gruppe los, die sich um die Neue gebildet hatte und
sah zu Aakalliko. Er stellte das altbekannte Lächeln wieder her und senkte
abermals seinen Kopf zu dem Welpen.

"Hey, Aakalliko. Wollen wir vielleicht ein bisschen verstecken spielen?"

Grinsend und rasch mit seiner Rute hin und her wedelnd stand er vor dem kleinen
Geschöpf und sah es erwartungsvoll an. Er spielte gern, auch wenn er kein Welpe
mehr war. Das Kind, welches in seiner Seele wohnte, liebte diese alte
Ausgelassenheit, welche ein Spiel mit sich zog, wenn es die Sorgen des Alltags
verblassen ließ. Er blickte zu Kyrraine, der sich ein wenig mit dem anderen
Welpen zu sticheln schien.

"Du kannst natürlich auch mitspielen, wenn du möchtest."

Sagte er fröhlich und grinste die beiden Welpen abwechselnd breit an, während
ein begeistertes Funkeln seine goldenen Augen einnahm.


Rakás cel Fortún lag
weiterhin abwartend auf dem Felsvorsprung und ließ seinen Blick über die
Landschaft streichen. Zwei Vögel, die munternd zwitschernd in seiner Nähe vorbei
flogen, zauberten dem großen Rüden ein kaum sehbares Lächeln auf die Lefzen.
Seine Ohren spitzten sich und schnellten in die Höhe, von ihrer Position aus,
bei der sie an einem Nackenfell gelegen hatte. Interessant. Er konnte Pfoten
hören. Vier Stück? Ein Wolf oder doch vielleicht mehrere? Nein, wenn seine Ohren
ihn nicht täuschten, war es nur einer. Vielleicht ein Bote, war ja auch schlauer
einen jenen zu senden, um einen Fremden genauer ins Vesir zu nehmen.

Als ein weißer, scheinbar noch junger Rüde durch die Büsche kam, musterte er ihn
ausgiebig. Zunächst blieb er liegen. Bei den Worten des Jüngeren erschien ein
winziges Grinsen auf seinen Lefzen. Soso, das Beste, was dieser Welt je passiert
war, war er also. Schien ja zum Glück gar nicht arrogant zu sein, der Gute.
Rakás setzte sich auf, erhob sich allerdings nicht, um vom Felsen zu springen,
denn hatte er jenes nicht vor. Lunar'choo. Mondschmetterling... Aha.
Noch einmal musterte er den Jungwolf. Er war groß, sehr groß, wohl so groß, wie
Rakás selbst, nur dass er jenen in Alter wohl doch noch übertrumpfte. Rakás cel
Fortún wirkte jedoch trotz Größe und Statur ein wenig größer, als der weiße
Jungpelz. Ein Teil der Gemeinschaft, die hier rastete. Gut, dann hatten sie wohl
doch jemanden gesendet, oder der Weiße war von selbst auf die Idee gekommen, war
Rakás auch egal.

"Sei mir gegrüßt, Lunar'choo. Mich nennt man Rakás cel Fortún."

stellte er nun auch sich vor. Ein kleines Schmunzeln erschien auf seinem Fang,
als sich der Jungwolf nahe zu vor ihm aufbaute. Scheinbar um seine besondere
Größe zu demonstrieren. Naja, sollte er das tun, wenn er das wollte. Welche
Gründe er hatte? Nun, eine Frage, die er sich schon selbst so oft gestellt
hatte.

"Eine gute Frage, die ihr mir stellt, Schneepelz. Eine Antwort darauf werde
ich euch allerdings nicht geben.. können!"


meinte er noch.


Darkjania hatte sich
inmitten der Welpen niedergelegt, eine lebendige Spielburg darstellend, auf der
es sich wunderbar herumkrabbeln lies. Ihre Blicke waren Daine gefolgt und
Kyrraine, und lächelnd beobachtete sie das Treiben ihrer Kleinen.
Die Sonne umrahmte all die Wölfe mit orange-goldenem Glanz, und eine jener
leuchtenden Gestalten trat auf sie zu.
Darkjania erhob sich sogleich, und erwiederte sein Stubsen mit einer liebevollen
Berührung an seinem Kopf.
Es gab keinen Sonnenmstrahl der heller in ihr geschienen hätte, keine Sonne die
sie mehr zu wärmen vermochte als Attaché es tat. Es gab nichts, was sie mehr von
ihrer unsichtbaren Wunde abgelenkt hätte als er.

Tropf, tropf

Ein sanftes Lächeln hatte sich auf ihr Gesicht gelegt, dass zu einem fröhlichen
Lachen wurde als sie seine Worte hörte. Es waren glühende, brennende Worte, die
ihr Herz erfreuten, und es vor Leid zu schützen schienen. Sanft biss sie in das
Ohr des Braunen, zog daran und sah ihn schliesslich wieder an, mit Augen voller
Sehnsucht.

Tropf

"Aber welche Sonne könnte sich neben deinen leuchtenden Augen behaupten"

sprach sie, und lies die Ohren spielen, während sie zart mit der Pfote nach
Attachés Brust hieb.
Der Rüde war ihr durch tausend Träume und durch schlaflose Nächte gefolgt, und
nun da sie einander wiederhatten - und mehr als das - schien es ihr manchmal
unwirklich, wie glücklich sie war.

Ein Ruf erreichte sie, ein zweiter folgte - sie kannte die Stimmen, die einander
Liebestrunken zusangen, und sie lächelte nur umso mehr. Die schwindende Sonne
lies nich nur ihr Herz höher schlagen, wenn sie bei ihrem Liebsten war...

Ein paar Momente stand sie ungestört bei Attaché, als ein weiteres Heulen zu ihr
durchdrang - ein Hilferuf, von - aausgerechnet - Kyro. Ihr Interesse nachzusehen
war gering, und erleichtert seuftze sie aauf als sie sah dass sich Lajila,
Aramis und Noir bereits auf den Weg gemacht hatten.

Attaché nocheinmal pfotend wand sie sich um, sprang davon, und blieb stehen, sah
zurück.

'Fang mich!'

leuchtete dem Braunen da aus ihren Augen entgegen...
Sharila beobachtete
den Rüden aus ihrem inzwischen ruhigen Blick. Er war wirklich ein seltsamer
Rüde, mindestens benahm er sich so. Es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis er
die Worte aufgenommen hatte, die die Weiße gesprochen hatte und eine weitere
Ewigkeit schien nötig zu sein, bis er auf diese reagierte. Er wirkte einfach
müde und niedergeschlagen. Hatte sie ihn etwa in seinem Schlaf gestört? Sie
wusste es nicht, doch es interessierte sie auch nicht weiter, da nun die Worte
des Schwarzen ihre Aufmerksamkeit bezogen. Seine Stimme klang genauso erschöpft,
wie er aussah und seine Antwort war knapp. Ein versucht freundliches Nicken
ihrerseits sollte Shien zeigen, dass sie seine Worte vernommen hatte. Sharila
war es von früher gewohnt, dass man Gespräche mit ihr vermied, dass man ihr am
liebsten aus dem Weg ging und genau diese Erinnerung keimte nun in ihr wieder
auf und loderte in ihr wie eine unlöschbare Flamme. Sie war schließlich die
Eisprinzessin … Von allen gehasst …

Mit einem Kopfschütteln sagte sie sich von diesen Gedanken los. Eine Augenblick
lang spielte die Tochter der Winterstürme mit dem Gedanken, einfach wieder zu
gehen, Dennoch hielt irgendetwas sie an dem Ort und mit ungerührte Miene blieb
sie vor dem Rüden stehen. Geduldig wartete sie auf eine weitere Reaktion ihres
Gegenübers und sah in seine betrübten Augen. Schließlich öffnete er erneut den
Fang und sprach. Seine Worte verwirrten Sharila ein wenig, denn er brach schon
ab, bevor er seinen Satz beendet hatte. Die Fähe hatte nicht die leiseste Ahnung
davon, was Shien sagen wollte, während sein schwankender Körper ihm das Sprechen
verbot. Für den Bruchteil einer Sekunde dachte die Weiße, dass er umkippen
würde, doch im letzten Augenblick rettete er sich mit einem Schritt zur Seite.
Verwundert blickte Sharila ihn an und hatte beinahe vergessen, dass er gerade
dabei war, mit ihr zu sprechen. Sie hatte schon viele Wölfe gesehen, doch noch
nie war sie einem begegnet, der so sehr übermüdet war wie dieser Schwarze. Auf
seine Entschuldige nickte sie ihm freundlich zu, bevor sie wieder ihrerseits den
Fang öffnete.

“Was ist mit dir …?“

Fragte Sharila mit nahezu fürsorglicher Stimme und bereute es beinahe. Es ging
sie doch gar nichts an, was mit ihm war! Und außerdem wollte sie doch nicht mehr
so freundlich sein … oder doch? Aus verzweifelten Augen sah Sharila den
schwarzen Rüden an, wusste nicht, ob sie nun das Richtige getan hatte oder
nicht. Was wenn er es ihr gar nicht sagen wollte? Sie war schließlich eine
Fremde und Shien war es sicherlich auch nicht angenehm, vor ihr so aufgetreten
zu sein. Dennoch sagte sie nichts weiter und wartete stumm auf seine Antwort,
während ihre selbstverachtenden Gedanken wieder heraufbeschwört wurden.


Shanaya beobachtete
die kleine Daina vor sich und ihr war, als spürte sie ein Stechen in ihrem
Herzen. Lag es an ihre eigene Welpenzeit? Die Jungwölfin schüttelte ihr
schwarzes Haupt, als könne sie so alle überflüssigen Gedanken loswerden. Beinahe
amüsiert huschte ihr Blick zu Demon, der sie ratlos anschaute, als ein weiterer
Welpe sich näherte … und sie? Schwanz wedelnd trat sie auf ihn zu, ein
wölfisches auf den Lefzen und leckte ihm sachte über die dunkle Schnauze. Ihr
bernsteinfarbenen Augen funkelten vor Freude.

“Das sind doch nur Welpen!“

Raunte sie ihm ins Ohr und grinste ihn verspielt an. Es sah ja beinahe so aus,
als hätte der stumme Beobachter angst vor den Kleinen! Verschmitzt drehte sich
die junge Fähe zu Dijaron und beugte ihren Kopf hinunter, um ihn zu
beschnüffeln.

“Ob wir nett sind, fragst du? Finde es doch am besten selber heraus! Und der
böse Wolf, rede am besten nicht mit ihm, vielleicht greift er ja gerne kleine
Welpen an, die ihm was sagen wollen?“


Sie lachte, doch ein wenig Besorgnis schwang mit. Was war, wenn der kleine
wirklich mit dem „bösen Wolf“ sprach? Das wäre nicht ungefährlich.

.oO(Ach was, es werden schon welche aufpassen, dass es nicht passiert!)

Anschließend blickte sie Jaris an, der sich auch hier eingefunden hatte und des
Bruders Wohl ihm wohl sehr am Herzen lag. Sie schmunzelte über die gewagten
Worte des Welpen und über seinen Stolz und seine Ernsthaftigkeit. Da hatte
Dijaron aber einen guten Bruder erwischt!

“Oh, wenn das so ist, Jaris, dann werden wir ganz doll darauf achten, dass
deinem Aron nichts passiert, kleiner Beschützer.“


Sie grinste und wartete eine Reaktion der Welpen ab, als Daina sich wieder zu
Wort meldete. Das war ja schrecklich, man konnte überhaupt nicht schnell genug
reagieren, mit den ganzen Welpen um einen herum!

“Ja, es freut mich ebenfalls sehr, dich kennenzulernen, Daina.“

.oO(Hilfe, jetzt komme ich total durcheinander!)

Shanaya blickte wieder zu Demon und nun war sie es, die einen hilfesuchenden
Blick aufsetzte. Bei diesem durcheinander hatte sie Kheiji fast überhaupt nicht
bemerkt und schenkte ihm ein entschuldigendes Lächeln. Hier war sie wirklich
überfordert.

“Sag doch auch mal was! Schau nur, wie niedlich die Kleinen sind!“

Wieder stupste sie Demon freundschaftlich an und musste schmunzeln, als Daina
sich zwischen seine Pfoten setzte.


Da war sie wieder,
die alte Unbeschwertheit. Alle Sorgen waren verschwunden, nichts umgab Attaché,
außer der Schönheit dieser abendlichen Welt und das Lachen seiner wunderschönen
Gefährtin. Ihre Welpen waren in guten Pfoten, wohl behütet und gut unterhalten.
Endlich hatten sie mal wieder Zeit nur für sich, die zwei Wölfe, die eine
glückliche Einheit bildeten, wenn sie beisammen waren. Ein heiteres Grinsen
legte sich auf das Gesicht des Braunen, als Darkjania ihn zum Spiel aufforderte.
Wie oft hatten sie einander schon nachgejagd? Welche Wälder waren ihre
Spielwiese gewesen? Selbst in der Zeit der Trennung, hätte man die alten Muster
dieses Spiels erkennen können, wenn nicht der Ernst das Gemüt des Rüden
verhangen hätte.
Fröhlich machte er einen Satz in die Luft und rannte der Schwarzen hinterher,
ganz im Moment gefangen. Das Glück pulsierte in seinem Körper, fuhr ihm in die
Glieder und ließ ihn immer scheller werden. Doch als er Darkjania erreicht
hatte, hielt er nicht an um sie bloß zu fangen. Er schnappte vorsichtig nach
ihr, erwischte ein paar Haare von ihrem Nackenfell, hörte aber nicht auf zu
laufen. Er liebte es einfach, Seite an Seite mit ihr den Wind zu jagen. Es war,
als flogen sie über den grasbewachsenen Grund.

"Ich hab dich!"

Rief er freudig, ohne inne zu halten. Sein Blick bohrte sich sehnsüchtig in das
vertraute Gesicht neben dem seinen, ohne dass seine Sprünge langsamer wurden. Er
wünschte, er könnte ewig so weiterlaufen, doch ihm war klar, dass weder die Zeit
noch seine Ausdauer ihm je genügen würden. Grinsend stoppte er, federnd trafen
seine Pfoten auf den Boden.

"Ich liebe dich, weißt du das?"

Er lachte leise, die Sonne schien ihm ins Gesicht und ließ seine Züge
aufleuchten, in denen sich all die Liebe und das Glück spiegelte, das er
empfand. Würde dieser Moment doch niemals enden.


Darkjania floh, lief
mit weitausgreifenden Schritten vor Attaché davon und kam ihm doch mit jedem
Satz näher.
Jeder Schritt wurde von gleißendem Gold umspielt, und sie lief den kleinen hang
hinauf, auf dem vorhin noch Aramis gestanden hatte. Der Sonne entgegen, der
Sonne hinterher!
Attaché hatte aufgeholt, fing sie und setzte doch gleich weiter, den Hügel auf
der anderen Seite wieder hinab. Der Sonne nach.
Die gelben augen der Schwarzen wollten überlaufen vor Glück, was sich wie
flüssiges Gold darin sammelte, und das darin aufblitzte wie die Sonne zwischen
einer dichten Wolkendecke.

Sie stürmten lachend nebeneinanderher, zwei Wesen und ein Herz, aneinander
gebunden und ineinander vereint. Dieser Lauf war ihrer, ein Siegel, ein Schwur
auf sie beide, ein geheimes Zeichen und ein liebevoller Tanz. Schon in ihren
ersten Tagen waren sie so miteinander gelaufen, lachend und springend. So war es
richtig. So musste es sein.
Attaché kam zum Stehen, und direkt neben ihm warf auch Darkjania ihre Pfoten dem
Boden entgegen, und stand schon neben ihm, ein zufriedenes, breites Lächeln auf
den Leftzen.

"Das weiß ich, und das werde ich niemals vergessen"

hauchte sie ihm ins Ohr, machte einen Satz zurück und strahlte ihn aus
verspielten Augen an.

"Ich liebe dich genauso"

erwiederte sie, und sprang ihm schon wieder entgegen, lachend und voller Liebe.


Noir betrachtete
Kyro. Alle Worte, alle Beschimpfungen konnten nicht so weh tun wie dieser Blick.
Fast so, als wüsste er gar nicht, wer sie war. Sie senkte den Kopf, spürte wie
ihr Herz ganz schwer wurde. Wieso war die Welt so ungerecht? Sie sah zu Aramis,
mit einer stummen Entschuldigung. Sie wäre gerne hier geblieben, hätte sich mit
ihm um die Fremde gekümmert, aber sie konnte nicht. Vielleicht dachte Kyro er
konnte sie mit seinem Verhalten dazu bringen, sie zu hassen, aber er bewirkte
das genaue Gegenteil. Sie wollte ihm nur noch mehr helfen, nur noch mehr für ihn
da sein. Mein Name ist Hund. Sie sah erneut zu Boden. Sie wollte
schreien. Wollte ihm sagen:'Nein, ist er nicht. Du bist Kyro. Du bist kein Hund.
Aber sie wusste, wem sie das zu verdanken hatte. Sie hob den Blick und richtete
ihn in die Richtung in die Aszira verschwunden war. Da lag etwas sehr Trauriges
in ihren Augen, vielleicht auch etwas Enttäuschung. Aber was hatte sie von der
Schwarzen erwartet? Nichts, überhaupt nichts. Hund. Niemals, niemals würde sie
diesen Namen über die Lippen bringen. Sie presste die Fänge aufeinander, wollte
die Anwesenden anschreien, wollte ihnen sagen wie absurd das war, wie ekelhaft.
Aber sie schwieg. Nichts was sie sagen konnte würde irgendetwas ändern. Also sah
sie ihren Freund nur an, schweigend. Er ging also auf die Suche nach etwas zu
fressen. Ihr Blick schweifte zu Aramis.

„Ich werde ihn begleiten."

Ihre Stimme war nicht besonders laut, nicht besonders stark, nicht besonders
wach. Denn sie war es nicht. Sie fühlte sich schwach und müde. Sie hatte das
Gefühl das Kyro ihr entglitt, sie konnte ihn nicht festhalten. Er wollte nicht
mehr ihr Freund sein. Er wollte sie aufgeben. Sie konnte ihn nicht loslassen und
sie spürte wie ihr Herz daran zerbrach. Sie stupste den Alpha sanft an, war sich
sicher dass er es auch alleine schaffen würde, jetzt wo die Situation sich
entschärft hatte. Dann lief sie hinter Kyro her, schloss mit schnellen Schritten
zu ihm auf und lief eine Weile einfach nur neben ihm her. Wenn sie ihn nicht
ansah konnte sie sich wenigstens einbilden das ihr alter Freund neben ihr lief.
Kyro. Es war eine Illusion, aber es war so verlockend ihr einfach zu verfallen,
einfach neben ihm her zu gehen ohne irgendwas zu sagen. Und sich einfach weiter
einzureden das nichts passiert war. Aber es war etwas passiert, die Welt hatte
sich weiter gedreht ohne das einer von ihnen groß etwas dagegen hatte
unternehmen können. Und jetzt liefen sie hier nebeneinander. Und sie wusste
nicht einmal ob er es überhaupt wollte.

„Kyro, warum willst du nicht mehr mein Freund sein?"

Ihre Stimme klang sehr, sehr traurig. Sie war seine Freundin. Aber sie konnte es
nur sein, wenn er es auch wollte. Und er wollte weder ein Freund für sie sein,
noch sie als Freundin haben und was konnte die Schwarze schon dagegen tun?
Nichts. Und deswegen versuchte sie ihn bei sich zu halten. Wollte ihn nicht
loslassen. Wollte nicht das er einfach aus ihrem Leben verschwand und nur ein
Hund zurück blieb. Sie war der ganzen Streitereien so müde.


Es war anstrengend zu
stehen, und tief in ihrem Inneren fragte sich die Dunkle auch, wie sie es
überhaupt so weit geschafft hatte. Ihr fiel nur ein Gedanken dazu sein – es war
vorherbestimmt. Eigentlich glaubte sie nicht an alte Legenden und das Schicksal,
doch besondere Situationen erfordern besondere Verhaltens-, Glaubens- und
Sichtweisen. Es war geplant, dass sie genau auf das Rudel stieß, in dem sich
Yukí aufgehalten hatte, die Freundin die sie vergeblich gesucht, und beinahe
schon aufgegeben hatte zu finden. Ein weiteres schwaches Lächeln umspielte ihre
Lefzen, und sie hob ihren Kopf leicht an, um nicht ganz so erbärmlich vor ihrer
Freundin zu wirken. Noch nie hatte sie jemandem ihre schwache, verletzte Seite
so heftig gezeigt, schon gar nicht Yukí. Als diese auf sie zukam, schien sich
die ganze Situation zu entspannen, die Aggressivität wich aus der Luft und
schien gleich viel leichter. Sie verzog die Miene leicht, als sie hörte wie
helle Fähe sie wieder einmal nannte. Doch konnte sie es ihr im Moment nicht übel
nehmen. Zu sehr überwog die Freude, sie endlich wieder gefunden zu haben.
Trotzdem konnte sie das nicht auf sich sitzen lassen – auch nicht jetzt, wo
sprechen Anstrengung bedeutete.

„…Du sollst mich doch nicht so nennen…“

Sie bewegte ihren Kopf leicht, ein Andeuten eines Kopfschüttelns.

„…erzähl doch nicht… du kannst da nichts für. Du hast niemanden alleine
gelassen… Aber jetzt ist ja alles okay…


Sie spürte wie die Helle an ihre Seite kam und sie stützte, und es tat gut. So
wunderbar gut. Es war nicht nur eine Körperliche Stütze, die Yukí darstellte,
sondern sie half ihr ebenso geistig. Sie war völlig auf sich allein gestellt
gewesen, die ganzen Tage, und auch wenn sie es niemals zugegeben hätte, hatte
sie sich doch furchtbar allein und verlassen gefühlt. Sie musterte die
aufbrausende Fähe leicht.

„…schon gut… alles okay. Mir geht’s gut.“

Sie verzog die Miene zu einem schiefen Grinsen, und glaubte selbst nicht an ihre
Worte. Auch ihre Freundin würde nicht daran glauben, doch wer war sie, würde sie
zugeben, dass es ihr schlecht ging? Sie gab nie eine Schwäche zu, war sie auch
noch so offensichtlich.
Ihr Blick schweifte wieder zu den anderen Wölfen, die sie für einen kurzen
Augenblick um sich herum vollkommen vergessen hatte – und dennoch verstand sie
nicht. Ein Wolf trat in ihr Sichtfeld. Es war der Graue, der sich schützend vor
Hund platziert hatte, und sie fand ihn sofort sympathisch. Eine Dunkle Fähe, die
zuvor Yukí davon abgehalten hatte den armen Hund anzugreifen, der irgendwie
jeden Groll auf sich zog, kam auf sie zu. Sie hob ihren Blick zu der Fähe und
nickte dankbar.

„…danke, aber macht euch bitte keine Umstände…
Mein Name ist Faite…“


Sie spitzte die Ohren, und spürte das unangenehme Ziepen in ihrer Schulter, als
sie sich versuchte selbst auf den Beinen zu halten. Noir sprach den Rüden, der
sich als Hund vorgestellt hatte, als Kyro an… Die Dunkle, hatte ihm einen Befehl
erteilt, und Kyro… oder Hund? befolgte die Aufgabe sofort. Sie verstand nicht.
Sie verstand in diesem komischen Rudel gar nichts. Ihre orangenen Augen huschten
zu dem Grauen, der doch anscheinend verletzt war… doch niemanden kümmerte es.
Niemanden. Außer sie? Als dieser verschwand wandte sie sich empört an Noir. Und
auch wenn ihre Stimme etwas heiser vom Husten war, und sie nicht sehr laut
sprach, da dies nur weitere Anstrengung bedeuten würde

„… er muss nicht für mich jagen, er ist verletzt…“

Ihr Blick huschte zu Yukí, dann wieder zurück zu Noir. Die Fähe, die den Befehl
gegeben hatte, war einfach wieder verschwunden.

„… und warum wird er Hund genannt? Er heißt Kyro, oder?“

Sie verstand dieses Verhalten nicht. Er war der Rüde, der ihr versucht hatte zu
helfen, hilfsbereit und nett, und sie hatten alle eine unbändige Wut auf ihn…
was hatte der Rüde verbrochen, dass er so gestraft wurde? Nach ihren Worten
senkte sie ihren Kopf etwas und ein erneuter Husten erschütterte sie. Es war ein
hartes, und schmerzhaftes Husten, dass Tief aus ihren Innerem kam, und es
brannte in ihr. Ihre Augen fingen an zu Tränen, sie bekam keine Luft mehr, und
erst als sich der Teufel in ihr wieder beruhigt hatte, schnappte sie atemlos
nach Sauerstoff, und lehnte sich wieder leicht an Yukí. Was war das nur für eine
komische Situation.


Aakalliko sah
Kyrraine gespannt an. Seine Augen weiteten sich ganz neugierig und seine Ohren
schnippten nach vorne. Was würde er ihm denn bloß zeigen wollen? Was sollte
Aakalliko schon erschrecken? Schließlich konnte es bestimmt auch nichts
schlimmes sein. Wenn es ein Tier wäre, würde es doch bestimmt nicht schlimm
werden. Außerdem hatte er schon Tiere wie Frösche kennen gelernt. Mit so etwas
zum Beispiel könnte man ihn gar nicht mehr erschrecken, auch wenn so ein Tier
recht komisch aussah. Oder gab es denn etwa so komische Tiere, dass man vor
ihren Aussehen so sehr erschrocken war?

“Was möchtest du mir denn zeigen, Kyrr?“

Fragte er ganz neugierig, die Ohren ganz gespitzt. Aber Aakalliko glaubte nicht
wirklich, dass Kyrraine ihm irgendetwas so gruseliges zeigen konnte, dass er
Angst bekam. Gab es überhaupt so etwas wie gruselige Tiere? Wenn es noch ganz
andere Arten außer Säugetieren und Amphibien gab, dann…! Natürlich würde es noch
andere Unterarten geben! Aber welche war wohl so zum erschrecken? Dann sah er zu
Katan. Bestimmt wusste er noch mehr von Tieren, genau wie Kiba! Doch dieses Mal
dachte er nicht ans Fragen, sondern ans Spielen.

“Ja, Katan! Lass uns verstecken spielen!“

Fröhlich wedelte er mit der Rute. Spielen war immer etwas Tolles. Frech
zwinkerte er Kyrraine zu. Aakalliko konnte sich vorstellten, dass auch Kyrr
mitspielen wollte.

Kyro lief leichter Pfote los, nicht
wirklich auf die Worte von Noir reagierend, dass sie vorhatte, ihn zu begleiten.
Er ließ sie gewähren, hatte kein Recht abzulehnen. Er hatte keine Rechte. Keine.
Aber damit war das Leben sehr viel einfacher geworden. Freier. Besser. Natürlich
nicht für die schwarze Leitwölfin, nur für ihn. Dennoch musste sie lernen, damit
zu leben. Er sah hin und wieder zu ihr hinüber, während sie schwieg. Eigentlich
hätte er alles machen können, wenn er gewollt hätte. Aufrecht laufen, reden,
wann er wollte oder Fragen stellen. Er hätte auch auf seinen alten Namen
reagieren können, oder sie knurrend davon jagend. Aber nichts. Als sie ihn Kyro
nannte, sah er wieder auf den Weg vor sich.

„Mein Name ist Hund.“

Erklärte er und leierte es runter, als hätte er den Spruch auswendig gelernt und
schon tausendmal zum Besten gegeben.

„Ich werde nicht mehr auf meinen anderen Namen reagieren. Es ist ihr Befehl
und es ist ihr Recht, so wurde es entschieden. Auch du hast zugestimmt, Noir und
auch du musst dich daran halten. Es ist nicht schlimm. Es ist nur ein Name und
ich empfinde ihn nicht als Beleidigung. Hunde dienen den Menschen, ich diene
Aszira. Wo ist der Unterschied? Ich habe nichts gegen Hunde. Meine Söhne leben
bei Menschen, als Hunde. Weil sie es wollten, weil es sie glücklich gemacht hat.
Hunde sind zwar keine Wölfe mehr, aber sie sind auch nicht so anders. Ich finde,
sie hätte sich schlimmere Namen einfallen lassen können. Aber auch die hätte ich
angenommen. Das spielt keine Rolle.“


Seine Stimme klang, als wäre er der vernünftigste Wolf der Welt und dennoch
total gleichgültig. Er meinte, was er sagte. Aber es hatte einfach keinerlei
Bedeutung und während er die Worte auf Noir wirken ließ, dachte er über ihre
Frage nach. Er würde nicht lügen und er ließ sich kein bisschen aus der Ruhe
bringen. Ihm war bewusst, wie sehr er sie verletzte und dass es aus diesem Grund
eigentlich falsch war. Aber er dachte nur an sich. Als Freund an ihrer Seite
konnte er nicht leben. Er konnte gar nicht leben und er wollte nicht mehr. Für
die Schwarze existierte er einfach noch. Gestorben war er nicht.

„Ich will keine Freunde mehr. Nie wieder. Ich könnte es nicht ertragen und
ich will dass du aufhörst, an mir festzuhalten. Ich werde dich nur wieder und
wieder enttäuschen und verletzen. Und wenn du mich nicht los lassen willst, muss
ich noch deutlicher werden und dann tue ich dir noch mehr weh. Leb einfach Noir,
du bist noch so jung und kannst alles Glück der Welt haben. Du bist mutig und
stark, du hast einen Gefährten und wirst vielleicht irgendwann eine Familie
haben. Du wirst sie lieben und lachen. Und der Schatten, den ich über dein Leben
geworfen habe, der ist schon groß genug. Lass nicht zu, dass ich dich zerstörte.
Gib mich jetzt auf, mir zuliebe. Geh zu ihnen zurück. Sie sind das Leben.“


Mit einem Grinsen
nahm Kyrraine die Neugierde in Aakalliko`s Blick wahr. Ha! Jetzt würde sein
Spielgefährte bestimmt auch mitkommen wollen, um...
Katan unterbrach seinen Gedankengang und kurz schnippte er verwirrt mit den
Ohren. Spielen? Automatisch begann seine Rute von einer Seite auf die andere zu
pendeln und seine Vorderläufe knickten ein. Spielen!
Wenn es ein Wort gab, auf dass Welpen wie er noch besser reagierten als Futter,
dann war es eindeutig dieses hier. Mit funkelnden Augen hopste er näher zu
Aakalliko.

"Ich zeig es dir nachher, versprochen!"

,wisperte er ihm ijns Ohr. Immerhin mussten auch so kleine Wölfe ihre
Geheimnisse haben, die die Älteren nicht hören durften.
Dann tat er einen Satz nach vorne und grinste Katan freudig an.

"Aber duhu musst uns suchen!"

Genau. Weil sie waren klein und es war ganz toll sich zu verstecken. Später
würde Kyrraine bestimmt auch gerne ein mal selber suchen. Doch für den Moment
stand ihm der Sinn nach einem wunderbarem Versteck, dass keiner finden konnte.
Bestimmt gab es soetwas.
Aufmerksam beobachtete er Katan. Mal sehen ob er einverstanden war.


Lunar sah den Fremden
an, nickte zu seinen Worten. Was für ein langweiliger Zeitgenosse. Er wurde
Rakás cel Fortún genannt. War das nun sein Name, oder nannten ihn nur alle so?
Wahrscheinlich hatte der Rüde einfach nicht darüber nachgedacht, was er sagte.
Dem weißen Jungwolf war es relativ egal. Der Wanderer hatte nichts Interessantes
an sich und so wollte er das Gespräch eigentlich einfach nur schnell hinter sich
bringen. Das zögern am Ende des letzten Satzes ließ ihn jedoch misstrauisch
werden. Feindselig sah er den älteren Rüden an. Seufzend setzte er sich. Jetzt
würden sie wohl doch noch eine ganze Weile brauchen, bis sie fertig waren.

„Also gut, Rakás. Es ist doch in Ordnung, wenn ich dich nur so nenne, oder?
Dein voller Name ist mir zu lang, abgesehen davon gefällt er mir nicht. Er
klingt hart und lieblos. Da dir wohl entfallen ist, aus welchen Gründen du auf
Wanderschaft gingst, formuliere ich meine Frage anders: Du sprachst von
Sehnsucht nach Gesellschaft, als du dich dem Rudel angekündigt hast. Waren das
hohle Worte, die du einfach benutzt hast, weil du dachtest, dass sie gut
ankommen würden, oder steckt etwas dahinter? Ob Wahrheit oder Lüge ist mir
einerlei. Denkst du über dass nach, was du von dir gibst?“


Er sah den Rüden durchdringend an, seelenruhig und knallhart.

„Lass dich nicht von mir abschrecken, alter Wolf. Die meisten Wölfe des
Rudels sind harmlos, treudoof, höflich und freundlich. Aber wir haben Welpen und
du wirst mich nun davon überzeugen, dass man dir trauen kann, sonst führe ich
dich nicht zur Gemeinschaft. Vielleicht erzählst du mir einfach etwas mehr über
dein Leben und deine Absichten. Du brauchst es mir nicht erzählen, als wäre ich
dein Freund, aber du wirst mir davon berichten, weil es besser für dich ist,
wenn du mein Vertrauen gewinnen willst und mein Wohlwollen.“


Damit hatte er die Fronten geklärt und wartete auf die Reaktion des Rüden. Es
war ein neues Spiel. Eine neue Runde. Bisher war er noch sehr freundlich gewesen
und es war ein Test, um für sich selbst herauszufinden, wie er Wölfe
einzuschätzen lernen konnte, wenn er sie nicht beleidigte.


Noir sah die Fähe an,
die sich als Faite vorstellte, war schon im weggehen, doch sie drehte sich noch
einmal um. Ihr Blick lag traurig auf der Fremden und sie wollte ihr Recht geben,
wollte sagen, dass er nicht jagen gehen musste, aber sie hatte in dieser Sache
kein Recht dazu. Es lag in Asziras Macht und sie wollte es so. Also seufzte sie
nur und senkte betroffen den Blick. Sie war viel zu schwach, dieses ganze Rudel
war viel zu schwach. Nicht stark genug zu verzeihen, nicht stark genug Fehler
einzusehen. Sie waren alle nur kleine Wölfe.

„Doch, er muss es. Er ist Aszira's Diener. Und er wird es sein, bis sie ihn
nicht mehr will, weil er ihr etwas Schreckliches angetan hat. Tut mir Leid dass
du das sehen musst."


Ihre Stimme war immer noch leise, nicht so stark und kräftig wie sonst. Auf die
nächste Frage reagierte sie kurz nicht. Ihre Ohren hingen schlaff an ihrem Kopf
herunter und ihr Kopf hing beinahe schlaff zwischen ihren Schultern. Nichts
konnte sie momentan so traurig und schwach machen wie Kyro und alles was um ihn
herum geschah, sie versuchte gar nicht erst die Trauer zu verstecken, die dunkle
Fähe ihr gegenüber zeigte sich ebenso schwach wie sie.

„Weil Aszira es so will... Eigentlich hieß... heiß er Kyro."  

Noir warf einen Blick zu Aramis, er sollte alle weiteren Fragen beantworten.
Sie lief neben dem Wolf her, der sie seit Jahren begleitete und den sie nicht
wieder erkannte. In all den Jahren hatte er sich so verändert, es war
erschreckend. Doch musste sie nicht von sich selbst das Selbe behaupten?
Traurig sah sie zu ihm auf, als er sprach. Dein Name ist nicht Hund, wollte sie
schreien. Aber sie ließ es. Kyro war längst taub. Und sie war sowieso stumm. Bei
ihm konnte sie sagen was sie wollte, alle Worte würden nicht reichen und wenn,
würde er sie nicht verstehen. Sie lauschte seinen Worten ohne etwas zu sagen,
blieb wieder lange stumm. Zu erst überlegte sie, ob sie gar nichts sagen sollte.
Vielleicht war sie tatsächlich nicht stark genug. Ihr Mund war ausgetrocknet und
ihr Herz war so schwer das sie das Gefühl hatte keinen Schritt mehr gehen zu
können.

„Ich habe nichts gegen Hunde. Aber du bist kein Hund. Und du heißt auch nicht
so und ich werde dich niemals, niemals so nennen. Und wenn du mich dann nie
wieder hörst, irgendwas in dir wird wissen das ich dich meine. Und genau den
Teil meine ich auch."
 

Sie sah ihn nicht an, war viel zu konzentriert auf den Weg. Es viel ihr schwer
nicht zu stolpern, es viel ihr schwer nicht stehen zu bleiben und sie tat es nur
nicht, weil sie wusste das der Graue nicht auf sie warten würde. Er würde
einfach weitergehen. Auf seine nächsten Worte schüttelte sie fast trotzig den
Kopf. Nein, nein, nein. Sie sah ihn an. Mit all der Liebe die sie ihm gegenüber
aufbrachte.

„Ich kann nicht, selbst wenn ich wollte. Aber ich will nicht mal."

Sie sah ihn immer noch an, richtete sich jetzt sogar ein bisschen auf. Der Graue
würde nicht gewinnen. Er würde nicht so allein sein, wie er es gerne wäre nur
damit er der festen Überzeugung sein konnte, es gäbe tatsächlich keinen Grund zu
leben. Sie trat näher zu ihm und stupste ihn an.

„Ich hab dich lieb, Kyro."

Auch wenn es ihr hätte leicht fallen müssen diese Worte zu sagen, tat es das
nicht. Weil sie wusste, dass ihr Freund es nicht erwidern würde.


Ohne ihn anzusehen
hatte sie Hund noch mit einem "Tu das" geantwortet und sich dabei gefragt, ob
die verletzte Fähe das Fleisch annehmen würde, wenn sie über den Rüden bescheid
wüsste. Aszira bekam jedoch nicht mehr mit, dass sich Faite nach Kyro erkundigte
und nun wohl tatsächlich erfahren würde, was für ein Teufel Hund war.
Kurz warf sie einen Blick zurück, als sie ihres Verfolgers gewahr wurde.
Eigentlich hatte sie nicht gedacht, dass Riaz ihr wirklich antworten würde, aber
da lief der Rüde bei ihr - in gebührendem Abstand, und das war auch gut für ihn
so - und ging auf ihre Frage ein. Die Schwarze sah wieder nach vorne, während
sie lief, und hörte zu. Dann blieb sie stehen und wandte den Kopf erneut zu ihm.
Sah ihn an. Er meinte das ernst?

"Da hast du offensichtlich nichts anderes als dein eigenes Leben, und dann
bist du so sehr bereit, es zu opfern? Bist du so erpicht auf den Tod?"


Aszira grinste. Sie wussten beide, dass er nun schon zum zweiten Male drauf und
dran gewesen war, das ganze Ausmaß ihrer Wut am eigenen Leib zu erfahren. Mit
möglicherweise tödlichen Konsequenzen.
Etwas ließ sie den Kopf umwenden, eine Gräusch so fern und leise, dass sie gar
nicht recht wusste, ob sie es überhaupt gehört hatte. Ziemlich weit entfernt
jagten zwei Gestalten einander, die eine dunkel, die andere heller, bräunlich.
Aus etwa dieser Richtung waren Noir und Aramis gekommen, wenn sie das richtig in
Erinnerung hatte. Sie wusste nur von einem Paar, dass immer mal wieder
welpengleich spielte.

Die Schwarze wandte sich ab und trottete weiter. Nach einer Weile wandte sie
sich erneut an Riaz, diesmal jedoch ohne ihn anzusehen.

"Sag mit, Rüde... wer erschreckt dich mehr? Er, oder ich?"

Sie schmunzelte vor sich hin.


Niagara hatte komplett die Übersicht verloren. Alle waren verschwunden, mit
denen sie sich gerade noch unterhalten hatte. Suchend blickte sie um sich, ehe
ihr Blick an Lajila hängen blieb. Sie war alleine und deshalb trabte sie zu ihr
hin. Grüssend leckte die Wölfin der schwarzen Fähe über den Kopf. Ihre Rute
wedelte wie ein Wirbelwind. Freundlich fragte Niagara:

„Es passiert so viel in letzter Zeit, dass ist richtig beunruhigend, findest
du nicht?“


Niagara´s stimme hatte einen Nachdenklichen Ton angenommen. Mit einem Seufzer
legte sie sich neben Lajila:

„Ich darf mich doch zu dir setzten? Oder möchtest du lieber alleine sein?“


Fragte Niagara vorsichtig. Man wusste ja nie, ob jemand die Ruhe um sich
genießen wollte. Nachdenklich legte sie ihren kopf auf ihre Vorderpfoten. So
vieles hatte sich verändert so das Niagara schon nicht mehr wusste, was wann
passiert war. Schon wieder muss etwas passiert sein, da viele Wölfe den platz
verlassen haben. Leise winselte Niagara vor sich hin. Manchmal verstand sie die
Welt um sich nicht mehr. Sie hob ihren kopf und drückte ihn in das weiche Fell
ihrer Freundin. Niagara war froh, jemanden zu haben, dem sie alles erzählen
kann, ihr konnte sie vertrauen und niemals würde Lajila sie im Stich lassen.
Glücklich, ein solches Glück zu haben, leckte sie Lajila ein zweites Mal über
den kopf.


Einen Augenblick
lagen die Seelentore des Albtraumtänzers auf der hellen Fähe, ehe er sich
abwandte. Ein kleiner Teil von ihm schrie sie an, verfluchte sie für ihr Hier
sein. Sie hatte bei ihm nichts, absolut nichts verloren, wenn sie nicht einen
baldigen Tod sterben wollte. Er konnte es schon fast vor Augen sehen. Ihm wurde
übel, feste biss er den Fang aufeinander. Den Kopf gesenkt war Shien so stehen
geblieben, wie er nach dem Ausfallschritt zum Stehen gekommen war. Wenigstens
hatte er sich nicht die Blöße geben müssen umzukippen. Eine Weile blieb er so
stehen, eine Weile, in der die besorgte Stimme Sharlias zu ihm durchdrang, noch
immer so verdammt schwer. Der Nebel in seinem Kopf wollte sich nicht lichten,
erst wenn er sich ausgeschlafen hatte. Doch würde er jetzt die Augen für eine
längere Zeit schließen, würden sie wiederkommen. Seine körperlosen Peiniger,
seine Albträume, die ihn immer und immer wieder heimsuchten.

Geh...

, murmelte er leise, den gebrochenen Blick nur halb zu Boden, halb auf der Fähe.

Geh, solange du für mich noch ein unbeschriebenes Blatt bist. Wenn es sich
ändert, dann...


Seine kehlige Stimme versagte ihm, nur schwer hielt er sich auf den Pfoten,
hatte die ganze Welt um ihn begonnen sich zu drehen. Ihm war Schwindelig und das
Gefühl des Ekels war noch immer da. Es brannte in seiner Kehlgegend und nur
schwer konnte er ein Würgen und Husten unterdrücken.

.oO(Du verdammter, schwacher Hund! Was bist du für ein missratenes Wesen?!)

Energisch schüttelte der Schwarze den Kopf. Es war ihm völlig unklar, warum man
plötzlich auf ihn zu trat, wo er doch sonst immer untergegangen war.

Verzeih, aber... wenn... wenn du nicht sterben willst...

Nun hatte er seine Stimme kaum mehr unter Kotrolle, zitterte diese nun so stark,
dass es unübersehbar war, das der Rüde sich innerlich quälte.

... dann sorge dafür, dass es so bleibt. Ich will nicht... ich will nicht
schon wieder...schon wieder Blut sehen.


Kaum hatte er zu Ende gesprochen, sackten ihm seine Läufe doch noch weg und er
landete unsanft auf dem Boden. Ein tauber Schmerz breitete sich in seinem Kopf
aus, der von dem übermüdeten Körper kaum mehr wahr genommen wurde. Es hatte den
Schwarzen immens Kraft gekostet, die Worte zu formulieren und auszusprechen und
dies forderte nun seinen Tribut.


Ganz ruhig und eins
mit sich selbst war die dunkle WÖlfin dagestanden, den Blick über jenes Rudel
gelegt, das ihr soviel bedeutete. Auch wenn hier viel Zwiespalt und manch große
Verwirrung herrschte war es doch ihre Heimat. Auch ohne Revier. Und Wölfe wie
Aramis, ihre Freunde und ihre Kleinsten zeigten ihr immer wieder, dass es kein
Fehler war sich hier wohl zu fühlen.
Mit einem Rutenschwenkerer begrüßte sie ihren Schützling und ein sanftes Lächeln
erhellte ihre Züge. Kurz schloss sie vertrauensvoll die Augen, als Niagara`s
Zunge über ihren Kopf glitt. Sanft stupste sie die Jüngere an und freute sich
über ihre Gesellschaft.
Bei den ersten Worten und der daraus entstehenden Frage von Niagara zuckte sie
kurz mit den Ohren.

"Es geschieht wirklich viel in letzter Zeit, da hast du vollkommen Recht. Man
hat kaum mehr einen Durchblick. Man wird förmlich überrannt von all den neuen
Eindrücken und Handlungen und den vielen Neulingen hier.."


Für einen Moment sprach Sorge aus den Worten der Dunklen. In jenem Moment glitt
ihr Blick wieder über die Umgebung, die von Dämmerung bedeckt war und meist nur
Konturen erahnen lies. Es war wahrlich viel geschehen und es würde noch mehr
geschehen. Lajila machte sich gar keine Hoffnung, dass es anders wäre. Aber sie
wollte es auch gar nicht. Immerhin sprach mindestens ebensoviel für
Veränderungen wie dagegen.
Liebevoll rieb sie ihren Kopf an Niagara.

"Du darfst dich immer zu mir setzen, meine Liebe. Das weißt du doch.
Vielleicht gibt es Augenblicke, in denen ich für mich sein will, doch jene
Augenblicke sind selten und überschattet von Sorgen, für die man sowieso nur
gemeinsam eine Lösung finden kann."


Sie neigte den Kopf aufmerksam zur Seite.

"Irgendetwas seltsames liegt in der Luft. Eine Unruhe...ich weiß auch nicht.
Was auch immer dort hinten los ist oder war...ich will, dass du vorsichtig bist,
Niagara. Du und all die anderen, die mir so lieb sind."


Abermals trat Sorge in ihren Blick, als sie ihre Freundin dieses Mal direkt
anblickte. Verantwortung lastete auf ihren Schultern. Die Verantwortung für ihre
Welpen, ihre Familie, ihre Freunde und auch gegenüber des Rudels. Und es war
nicht immer einfach...


Kyro sah zu Noir
hinüber, ohne Scheu. Man hätte erwarten können, dass es ihm weh tat, sie so
zusehen, aber dem war nicht so. Er wollte nicht, dass sie litt, aber er würde
nichts dagegen unternehmen. Er hatte es ihr nun erklärt und das würde er nie
wieder tun. Nicht solange er in Asziras Diensten stand und zumindest er
zweifelte nicht daran, dass er erst nach ihrem Ableben wieder frei sein würde.
Er konnte nur hoffen, vor ihr zu sterben.
Zögernd blick er stehen, richtete sich auf. Niemand konnte ihn sehen und Noir
würde ihn nicht verraten. Er wuchs zu einem Wolf.

„Wenn ich mich nicht an die Regeln halte, muss ich gehen. Ich will bleiben.“

Er sah ihr direkt in die Augen. Das letzte mal, für lange, lange Zeit. Neben der
Leitwölfin schien sich ein Wolf zum Hund zu entwickeln und in sich
zusammenzuschrumpfen. Er stand vor ihr, aber er war nicht mehr der, der er war.
Er war schon lange nicht mehr, wer er war. Gleichgültig sah er sich um, empfing
ihre letzten Worte und verfluchte sie mit samt der Wölfin, die sie ausgesprochen
hatte.


„Das ist nicht gesund für dich, Noir. Mein Name ist Hund. Vergiss, wen du
kanntest. Er ist weit fort gegangen und kommt nicht zurück. Hund kann man nicht
lieb haben.“


Mit diesen Worten lief er weiter, ungeachtet der Alphafähe. Sein Geist
konzentrierte sich auf die Suche nach Großwild. Zu seinem Glück hatte Aszira ihn
gebeten, nach Hornträgern zu suchen, nicht, welche zu finden. Die Sonne stand
schon tief und er würde bald kehrt machen müssen. Trotzdem hoffte er, Beute zu
finden.
Seine Schritte beschleunigend, rannte er los. In seiner Nähe gab es kein Wild,
er musste sich entfernen.


Die Ohren des Rüden
waren in die Richtung des weißen geschnippt. Leise lauschte er seinen Worten.
Als er fragte, ob es in Ordnung sei, dass er ihn nur Rakás nannte, nickte der
Hünenhafte leicht. Ja, ihm war es gleich. Nun er mochte den Namen nicht, wie er
meinte, das war Gewiss nicht das Problem des Braunen. Hart und lieblos? Naja,
wenn er das meinte. Fortún kam von Fortuna, der Göttin des Glücks, aber wenn
Lunar'choo das als hart und lieblos empfand, sollte er denken, was er wollte,
dafür war Rakás zu ruhig und ließ sich zu wenig reizen.
Entfallen der Gründe. So konnte man es natürlich auch nennen. Es klang zwar so,
als ob Rakás bereits senil war, doch das war keines Falls so. Er wusste einfach
nicht, warum er damals losgezogen war. Er wusste es einfach nicht.
Hohle Worte, war er jemals ganz alleine gewandert, dieser Weiße? Rakás wollte
nicht behaupten, dass es nicht so war, nur wenn es so war, dann sollte der Weiße
eigentlich wissen, wie es war immer alleine zu wandern. un, Rakás war alleine,
allerdings nicht einsam, wenn man darüber nachdachte. Seine Erinnerungen
begleiteten ihn, doch zerrten sie auch an dem Herzen des Braunen, als ob sie ihn
von Innen heraus auffressen wollte. Doch der Rüde ließ es nicht zu. Nein, er
hatte Lebensmut, nur nicht mehr soviel, wie er noch gehabt hatte, als er noch
bei seinen Welpen und seiner Gefährtin war. Eines seiner Ohren schnippte leicht
nach hinten, allerdings blieb das andere starr in die Richtung des Schneepelz
gerichtet, ehe er leicht nickte. Nun, er sollte seine Antwort bekommen. Das
alter in seinen Worten gefiel Rakás nicht richtig, aber er konnte ja nicht
leugnen, dass er nicht mehr der Jüngste war.

"Ja, ich bin durchaus auf der Suche nach Gesellschaft. Ich wandere schon eine
ganze Weile alleine umher. Es ist nicht schön, niemanden zu haben, mit dem man
sich unterhalten kann und immer schweigen zu müssen. Um eure Welpen braucht ihr
euch gewiss keine Sorgen zu machen, ich besitze selbst welche und würde mich
wohl eher der Menschenhand ausliefern, bevor ich solch hilflosen Geschöpfen
etwas antun würde."


Rakás hielt dem Blick Lunars Stand, ohne Mühe und sein Blick sagte eindeutig,
dass er ernst meinte, was er sagte. Rakás war niemand der einfach drauf los
plapperte, dafür war er zu lange alleine gewesen und die seltenen Male, die er
hatte gesprochen, mit wem auch immer es war, hatte er gut über seine Worte
nachgedacht, um nicht bereits mit diesen wenigen Worten Schaden anzurichten.

"Och, hab keine Angst, Lunar'choo, so schnell lasse ich mich bestimmt nicht
abschrecken."


stellte Rakás klar. Aha, es waren teilweise wirklich harte Geschütze, die der
Jungwolf da aufstellte, aber sollte er das tun. Dass er diesem Lunar allerdings
von seiner Vergangenheit erzählen sollte, missfiel dem Rüden durchaus.
Erinnerungen schmerzten manches mal, seine nicht sonderlich, aber es gab auch
Wölfe, die auf solche Dinge durchaus aggressiv reagieren würden. Nun, von ihm
allerdings sollte der Schneepelz, auch mit Missfallen, erfahren was ihm im
Groben und Ganzen in seinem Leben wiederfahren war.

"Ich verließ mit knapp zwei Jahren mein Geburtsrudel und lernte kurz darauf
meine ehemalige Gefährtin kennen, die im Frühjahr darauf drei Welpen gebar. Nach
ein, zwei Jahren zog es mich allerdings wieder von dort fort und ich ging meiner
Wege erneut alleine. Reicht dir das, Lunar?"


Lunar bemitleidete
sich einen Augenblick selbst. Rakás war so unspektakulär, brav und eintönig,
dass er sich fragte, wie der Rüde sein Leben lang mit sich ausgekommen war. Aber
vielleicht lernte er das noch, wenn er selbst älter wurde. Immerhin wusste er,
dass er im Vergleich zu seiner Welpenzeit ein sehr höflicher, freundlicher und
doch ein bisschen ernstzunehmender Wolf geworden war. Und sein Charakter
wandelte sich, unaufhörlich.

„Du brauchst vor mir auch keine Angst zu haben, solange du dich benimmst, wie
sich ein Wolf zu benehmen hat, der als Gast zu einem Rudel kommt.“


Der weiße Jungwolf wollte damit nicht andeuten, dass er körperlich überlegen
war. Aber er hatte zu viele Wölfe hinter sich stehen, vor allem dann, wenn dem
Rudel oder den Welpen Gefahr drohte. Und um nicht gleich im Kampf zu sterben,
war er inzwischen doch gut genug. Bis jemand ihm zur Hilfe kam, hielt er schon
durch. Bei diesen Gedanken erinnerte er sich daran, sich um seine
Kampffertigkeiten kümmern zu wollen, doch vorher musste er das Gespräch mit
Rakás zu einem Ende bringen.

„Du willst sagen, du hast deine Gefährtin einfach so verlassen?“

Fragte er ziemlich direkt, nach dem der Rüde geendet hatte. Aus der
Geschwindigkeit seiner Frage konnte man schließen, dass er die Worte nicht so
genau durchdacht hatte. Und so nahm er sie zurück:

„Egal. Das geht mich nichts an. Ich erkläre dir jetzt etwas über das Rudel,
in dem du rasten möchtest und dem du dich vielleicht anzuschließen gedenkst?
Zumindest für eine Weile. Der Leitwolf hat mit seiner Gefährtin Welpen geboren.
Er heißt Aramis und früher oder später wirst du dich ihm heute sowieso
vorstellen müssen. Am besten führe ich dich direkt zu ihm. Er ist mit der
Leitwölfin bei einer weiteren Fremden, die verletzt ist und von einem Wolf des
Rudels gefunden wurde. Die Alpha heißt Noir und der Wolf Kyro. Seinen Namen
merkst du dir. Er steht unter jedem Geschöpf dieser Welt. Er hat kein Recht,
dich schlecht zu behandeln, dir zu drohen, oder dich zu beleidigen, wenn er das
tut, erstatte den Leitwölfen bericht. Er ist ein Verbrecher und wurde von uns
verurteilt. Kyro hat eine Wölfin des Rudels vergewaltigt und steht nun in ihren
Diensten. Er muss alles tun, was sie sagt. Sei gewarnt vor ihm. Außer diesen
drei Wölfen gibt es noch Darkjania und Attaché, dass sind die Eltern des zweiten
Wurfs, der dieses Frühjahr geboren wurde. Du hast dich als Gast von den Welpen
fernzuhalten. Über alles weitere entscheiden die Alphas selbst.“


Er erhob sich und wandte sich zum Gehen um, in der Gewissheit, dass der Wanderer
ihm folgen würde. Lunar führte ihn zu Aramis.


Aufmerksam
beobachtete Sharila den pechschwarzen Rüden, sah jedes Muskelspiel seines
Körpers und hörte jeden seiner Atemzüge. Schließlich wandte er sich ab und die
Schneeweiße blickte ihm ungerührt hinterher. Sollte er ruhig gehen, wenn er
wollte, sie würde ihm nicht hinterher laufen. Dennoch sah sie ihm nach, konnte
erkennen, wie er sich zu verkrampfen schien, seinen Kopf senkte und dann inne
hielt. Wie eine Ewigkeit kam es der Fähe vor, bis er ihr antwortete. Ein
einzelnes Wort, ein Befehl, ein Anforderung an sie … Augenblicklich flackerte
wieder die Flamme des Unmuts und der Wut in ihr auf. Denn obwohl seine Stimme so
schwach war, obwohl er so leise sprach, war es dennoch ein Befehl an sie
gewesen. Wie sie es doch hasste, etwas vorgeschrieben zu bekommen! Ihr
Nackenfell sträubte sie wieder und ein leises Grollen formte sich in ihrer
Kehle. Schon wollte Sharila ihm entgegnen, ihm ihre Unfreundlichkeit zeigen,
doch Shien kam ihr zuvor. Seine Worte waren merkwürdig, die Eisprinzessin
vermochte sie nicht zu deuten, sie wusste nicht, was er ihr damit sagen wollte.
Sollte sie Angst vor ihm haben? Er brach ab und schüttelte sein schwarzes Haupt,
bevor er mit zitternder und erregter Stimme fortfuhr. Die Worte des schwarzen
Rüden ließen Sharila erstarren, sie konnte nicht fassen was er sagte, sie konnte
nicht fassen, dass es jemand gab der genauso war … Diese Worte, sie kamen ihr so
bekannt und doch so fremd vor, wo sie zuvor doch schon so oft ihren eigenen Fang
verlassen hatten. Sie schüttelte sich, dass es ihren ganzen Körper erschütterte
und konnte noch immer nicht glauben, dass der Rüde diese Worte gesagt hatte. Als
er geendet hatte, wusste die Eisprinzessin nicht mehr, was sie sagen sollte, die
anfängliche Wut war in unbeschreibliche Verwunderung umgeschlagen, sein
befehlerisches Wort war vergessen.

“Was hast du gesagt …?“

Wollte die Tochter der Winterstürme wissen, wobei sie kaum merkte, dass ihre
Stimme zu einem Flüstern geworden war. Sie musste sich einfach vergewissern,
dass sie sich nicht verhört hatte. Doch auf ihre Antwort würde sie wohl lange
warten müssen, denn plötzlich sackte Shien in sich zusammen und fiel unsanft auf
den harten Untergrund. Sharila wusste nicht, was sie tun sollte, sollte sie
Hilfe holen? Sollte sie ihn einfach dort liegen lassen? Mit unsicheren Schritten
bewegte sie sich auf den Schwarzen zu und blieb dicht neben ihm stehen. Langsam
senkte sie schließlich ihr schönes Haupt und stieß den matten Körper sachte an.
Ob er wohl ohnmächtig war?


Ilja hatte sich von
ihren Geschwistern abgesetzt und streifte allein umher, allerdings nich weit von
den restlichen Wölfen des Rudels entfernt. Nunja, das ließ ihr immernoch ein
ziemlich großes Gebiet zum Erkunden übrig, da das Rudel recht weit verstreut
war. Für ihre Begriffe zumindest.
Die kleine Welpin beschäftigte sich mit alle, was sie gerade so fand. Die Sonne
ging bald unter und dann würde sie zu ihren Eltern zurück müssen um schlafen zu
gehen. Aber sie war noch gar nicht müde, und so wollte sie noch die restliche
Zeit nutzen. Kurz spielte sie mit einem Stock, der viel zu lang für sie war und
den sie trotzdem begeistert durch die Gegend zerrte. Dann lenkte sie ein kleiner
Vogel ab, der auf dem Boden herumhüpfte. Ilja versuchte vergeblich, den
Gefiederten ein zu fangen und schaffte es auch nicht, den Baum zu erklimmen, auf
den sich das Federtier vor Ilja rettete und mit schiefgelegtem Köpfchen auf die
Welpen herab sah.

"Komm runter! Komm runter und spiel mit mir!",

rief sie zu dem Vogel herauf, aber der guckte nur und flog schliesslich davon.
Ilja setzte sich enttäuscht. Schade, das wäre bestimmt lustig geworden. Die
kleine Fähe sah sich um, auf der Suche nach eutwas anderesm Interessanten. Da
schimmerte zwischen den Bäumen etwas Helles hindurch, und Ilja sprang neugierig
darauf zu. Ah, das war die farblo-..äh.. weiße Fähe Sharila! Sie hatte ihr von
Schnee erzählt, und darum mochte Ilja sie.

In weiten, welpischen Sätzen kam die Kleine angelaufen.

"Hallo!",

rief sie freudig und stoppte dann, als sie die schwarze Gestalt auf dem Boden
erblickte. Ilja legte den Kopf schief - eine Angewohnheit, die sie von ihrer
Freundin Ayura übernommen hatte - und runzelte die Stirn.

"Warum schläft der denn jetzt schon? Es ist doch noch gar nicht dunkel!",

fragte sie Sharila und wedelte mit der Rute. Ihr kam nicht annähernd in den
Sinn, dass sie hier vielleicht stören könnte...


Nachher erst? Wann
war überhaupt nachher? Nachher war doch schließlich ein relativer Ausdruck.
Jeder definierte ihn doch ganz anders. Mancher meinte doch einige Zeit, der
nächste nur einen kurzen Moment. Was sollte man also von diesem Wort denken? Da
konnte man einfach nur ganz geduldig warten oder irgendwie die Zeit rum
bekommen. Etwas anderes blieb da gar nicht mehr über. Außerdem wurde es schon
langsam spät. Da würde es vielleicht gar kein nachher mehr geben. Jedoch war
Aakalliko so neugierig, dass er länger wach bleiben würde, um zu erfahren, was
Kyrraine ihm denn so gruseliges zeigen wollte. Schließlich musste es etwas
besonderes sein, wenn Kyrr meinte, dass man wen damit erschrecken konnte.

.oO(Aber vielleicht sagt er auch nachher, weil er mir doch gar nichts zu
zeigen hat! Vielleicht versucht er, sich da irgendwie rauszureden, damit er mir
nichts zeigen muss! Das würde ich blöd finden! Ich bin ja schon so gespannt…was
wird es wohl sein? Aber ich glaube nicht, dass er mir einen Frosch zeigen wird.
Kyrr weiß doch schon, dass ich Frösche kenne! Mal sehen, was er sich da
einfallen lässt! Ich werde aber ganz bestimmt keine Angst haben! Kiba hat doch
gesagt, dass ich ein Abenteurer sei! Abenteurer sind doch mutig und müssen alles
erforschen!)


Aakalliko hatte keine Angst. Noch nicht. Schließlich hatte er ja noch keine
Vorstellung davon, was es alles für unterschiedliche Tiere gab. Es waren so
viele, dass ein Wolfsleben nicht ausreichte, um sie alle zu entdecken,
beobachten und erforschen! Der Kleine musste wirklich noch sehr viel von
Lebewesen und allen anderen Bereichen lernen. Am Meisten freute er sich schon
auf den Ausflug mit Kiba. Dann konzentrierte er sich wieder mehr auf das
Geschehen vor seinen Augen, als auf seine abenteuerlichen Gedanken. Sein Blick
wanderte zu Katan rüber.

“Ja, genau! Du, Katan, sollst uns suchen! Aber nicht schummeln! Wenn wir uns
verstecken, dann darfst du nicht gucken! In Ordnung?“


Er würde noch die Antwort des großen Weißen abwarten. Dann würde es wohl
losgehen. Aakalliko sah sich schon unauffällig um. Wo war bloß ein gutes
Versteck? Hinter einem anderen Wolf! Na das wäre ja mal lustig! Doch Aakalliko
schüttelte den Kopf. Nein, er wollte jetzt niemanden stören. Also sah er sich
weiter um.


Rakás sprang nun von
dem Felsen und kam einige Schritte auf Lunar zu, ehe er dann stehen blieb und
ihn ansah. Nun, er wusste nicht recht, was er von diesem Jungwolf halten sollte,
aber sicherlich würde sich das noch heraus stellen. Zumindest wusste er schon
mal eine Sache über den Schneepelz: Jener war durchaus loyal seinem Rudel
gegenüner. so kam er zumindest rüber, in seinen Worten, mit seiner Haltung. Er
brauchte vor Lunar keine Angst zu haben? Oh, wie großzügig, nun das wäre eh
nicht der Fall gewesen. Es gab nur wenig Dinge, vor denen sich der Hüne wirklich
Angst hatte. Aber vor den meisten Wölfen hatte er einfach nur Respekt, keine
Furcht. Ebenso war es mit dem Weißpelz Lunar'choo. Rakás wusste durchaus, wie er
sich als Fremder bei einem Rudel zu verhalten hatte, das musste ihm der Weiße
nicht erläutern.

Kurz schnippten die Ohren des Braun-Weißen nach hinten, bei der Frage, die ihm
Lunar stellte, eines schmiegte er eng an seinen Kopf, jedoch entspannte sich
diese Haltung schon bald wieder, nachdem Rakás leicht nickte. Nein, da hatte er
Recht, es ging ihn wirklich nichts an und er konnte sich kaum vorstellen, dass
er für den Jungrüden so interessant war, als dass er ihm alles erzählen musste.

Wieder nickte er leicht, lauschte dann schweigend den Worten Lunars, der ihm
einige Dinge über das Rudel erklärte. Aramis hieß also der Leitwolf. Gut.. Er
und seine Gefährtin hatten also Welpen bekommen. Nun ja, das würde er wohl tun
müssen, sich dem Alpha vorstellen, wenn er hier für eine Weile bleiben wollte.
Ja, soweit hatte er alles verstanden.
Die Alphas hießen also Noir und Aramis. Schon ein wenig seltsam, dass sie kein
Paar bildetetn, als Alphas dieses Rudels. Nun ja, es sollte ihn nichts angehen.
Darkjania und Attaché waren also die Eltern des zweiten Wurfes. Gut, noch kannte
er sie nicht, vielleicht hatte er ja Zeit sie mal zu beobachten und zu rätseln,
wer in diesem Rudel wer war. Er ließ sich von keinem Wolf beleidigen, drohen
ebenfalls nicht. Gut, dann von diesem Kyro eben erst Recht nicht.

Wieder ein Nicken. Sicher, Eltern mochten es bestimmt nicht, wenn sich Fremde
ihren Welpen näherten, wer hätte das besser nachvollziehen können, als Rakás?
Wohl nur wenige. Er wusste es.

"Gut, ich werde mich an eure Regeln halten."

meinte er nur knapp, obwohl er sich sicher war, dass das eigentlich überflüssig
gewesen wäre, hätte er sonst ja gleich Kehrt machen können. Jemand, der sich
nicht an die Regeln hielt, wurde schneller verbannt, als er sehen konnte.

Dann setzte sich Rakás cel Fortún in Bewegung, um dem weißen Lunar'choo zu dem
Alpha Aramis zu folgen.


Kiba ging gemächlich
ausserhalb des Rudels zwischen den Bäumen hindurch. Als er das Durcheinander
gesichtet hatte, an dem auch Aramis und Noir - endlich wieder vereint - daran
teilnahmen, schlich der Weisse hinten durch weg. Er hatte keine Lust auf
Diskussionen und alle schienen prächtig miteinander klar zu kommen. Kibas Blick
glitt zu einem Hasen, der horchend die Ohren senkrecht in die Höhe hielt. Der
Rüde hielt inne und sah das Tierchen an und fragte sich, warum es hier war, so
alleine. Warum war er es? Ja, weshalb? Er hätte mit seinem Patenkind spielen
können, oder ihm ganz einfach mehr von der grossen Welt zeigen. Kiba hätte mit
Lajila sprechen können, über dies und das oder auch hätte er wieder einmal mit
Shien sprechen können. Als der Weisse seinen Blick wieder auf das braune Tier
richten wollte, war es weg. Kiba lächelte. Sollte es laufen, so lange es noch
konnte, so lange es noch atmete und Blut durch seine Adern pulsierte. Sollte es
laufen, bevor ein Wolf es tötete, es zeriss, in einzelne kleine Stücke, die dann
genussvoll verschlungen werden. Stück für Stück. Kiba starrte seinen Bauch an
und verspürte ein leichtes Hungergefühl. Es ignorierend schritt der Rüde weiter
und sah einigen Vögeln zu, erspähte ein Eichhörnchen und spürte das saftig,
grüne Gras unter den Pfoten. Wie schön es war in dieser wundervollen Welt.
Langsam kehrte Kiba wieder um zurück zu den Rudelmitglieder zu kommen, wo er
sich als erstes nach Akalliko und Lajila umsah. Dass beide nicht beisammen
sassen, erstaunte ihn leicht. Akalliko, der wild umherturnte und Lajila, die bei
Niagara war. Kiba lächelte, schritt auf Lajila zu, sah sich kurz nach Shien um.
Etwas verwirrt sah er Sharila bei ihm und ihn am Boden, als hätte er seit Tagen
keine Minute geschlafen. Etwas verunsichert setzte sich der Weisse neben Lajila.

"Etwas, das mir nicht gefällt, liegt in der Luft."

Kiba sah sich nach dem Nachwuchs um und hoffte, das alle in Blickweite waren.
Die Nackenhaare kräuselten sich leicht und Kiba wurde es etwas unwohl. Wie ein
Stein liess sich der Rüde auf den Bodenfallen und legte seinen Kopf an Lajilas
Schulter.

"Wie geht’s euch, meine Lieben?"

Kiba sah zu Shien und Sharila und wartete erst einmal ab, was weiteres
geschah...


Dijarons Rute
pendelte unaufhörlich hin und her. Er hatte das Bedürfnis, sein Leben voll
auszukosten, jetzt, da er dies endlich konnte. Lächelnd sah er zu seinem großen
Bruder, der kam, um ihn zu beschützen. Selig lehnte er sich an ihn und blickte
dann zu Kheiji, als dieser zu ihnen stieß.

“Hallo Krümel Löwenherz! Da hast du aber einen tollen Namen von deinem Bruder
bekommen. Ich hab auch so einen tollen Bruder! Hast du Lunar auch einen solchen
Namen gegeben? Ich bin Dijaron, Jaris nennt mich Aron.“


Fragte er neugierig und sah angestrengt nachdenkend zu Jaris hinüber. Wozu gab
man jemandem einen anderen Namen, wenn der schon einen hatte? Aber irgendwie
klang es liebevoll und vielleicht hätte er da auch nach einem Wort suchen
sollen, dass sich nach Held und Beschützer anhörte. Ihm wollte nur nicht gleich
etwas einfallen, außerdem wurde er von Daina abgelenkt, die wohl Jaris zu
beruhigen versuchte und Dijaron war so stolz, dass er jetzt auch ein bisschen
stark war. Danach blickte er zu Shanaya. Sie war seine Patin, er wusste nur
nicht, was das war. Aber es würde schon irgendwann jemand erklären, was es damit
auf sich hatte.

“Weißt du, Shanaya, ich hab gelernt, dass man das Herz von bösen Wölfen
retten muss, indem man lieb zu ihnen ist.“


Erklärte er, als sie so gemein sagte, dass er nicht mit bösen Wölfen reden
sollte. Irgendjemand musste ihnen immerhin sagen, dass sie auch geliebt wurden.
Und dann war da auch noch Jaris, der ihn beschütze. Immer. Der schweigende,
schwarze Wolf zog seine Aufmerksamkeit auf sich.

“Warum sagst du nix?“

Fragte er mit der unverhohlenen Naivität eines Welpen und blickte den Rüden
dabei interessiert an.


Felice hatte sich die
Zeit mit diesem und jenem vertrieben, hatte sich um Kontakte bemüht und war
weder erfolgreich noch unerfolgreich gewesen - immerhin hatte nun jedes Gesicht
einen Namen, und fast alle auch schon ein Stückchen Charakter dahinter
bekommen...
Ein Hase kreuzte den Weg der Fähe, überraschend hüpfte er ihr vor die Pfoten und
ohne zu zögern schoß die Braune vor, erlegte das Tier mit einem gezielten Biss
und warf es spielerisch in die Luft, wedelnd und glücklich über ihre zufällige
Beute.
Tänzelnd lief sie durch den Sonnenuntergang, der ihr Fell in ein glimmendes
Flammenmeer verwandelte, und näherte sich wie von selbst Sharila, Shien und Ilja
an. Sharila hatte sie zuletzt bei ihrem Streit mit Lunar gesehen, und es war
wohl an der Zeit mehr über sie heruaszufinden...ausserdem lag da der schwarze
Rüde ziemlich geplättet am Boden, und die Welpin war anscheinend gerade erst
dazugestoßen...noch immer tänzelnd trat sie näher, sah mit dem blutigen Hasen im
Maul zu Sharila und ilja und nickte ihnen zu. Ohne das Tier abzulegen sprach
sie.

"Waff hafft iff wiff fimm fefafft? Ifft alleff in Ordfung?"

Den Kopf schieflegend sah sie zu Shien herunter, lief um Sharila herum und stieß
mit der Schnauze gegen den dunklen Kopf des Rüden, und legte nun doch ihre Beute ab.

"Hey, du - was ist los mit dir?"

fragend sah sie wieder zu Sharila auf, die ihr wohl am ehesten erklären konnte
was mit ihm passiert war...


In vollen Zügen
genoss Attaché diesen Moment, in dem sie beide vollkommen ungestört auf dem
schrägen, grasbewachsenen Hang standen und einander ansahen, wie sie sich schon
tausende Male angesehen hatten. Er konnte die Liebe sehen, welche Darkjania
empfand und spürte parallel dazu sein eigenes Herz ebenso für sie schlagen, wie
es schon immer für sie geschlagen hatte, seit dem ersten Tag, an dem sie sich
nahe kamen. Abermals verschmolzen ihre Empfindungen zu einem gemeinsamen,
berauschenden Gefühl, welches ihrer beider Sellen erfüllte, sie verband und im
farbigen Licht des glanzvollen Abends Eins werden ließ. Was konnte es größeres
geben, als diese eine Liebe?

Ein schelmisches Grinsen legte sich auf das Gesicht des Rüden. Das Spiel war
noch nicht vorüber, nie würde es wirklich enden, nichteinmal im Tod. Sicher
würden die beiden, wenn der Tag der letzten Entscheidung ins Land gezogen war,
gemeinsam durch die Wolken im Himmel laufen, so wie sie jetzt über die grüne
Erde dieser Welt jagten. Niemals würde es enden.

"Kannst du mich auch fangen?"

Rief er ihr mit funkelnden Augen zu. Augenblicklich drehte er ab und ließ sich
von den unermüdlichen Läufen weiter den Hang hinab tragen, nur kurz blickte er
über die Schulter, um zu sehen, ob sie ihm folgte, dann widmete er sich ganz dem
Wind, der in seinen Ohren rauschte und dem berauschenden Gefühl der
Verbundenheit, welches sein Herz wie in früheren Tagen schneller schlagen ließ.

Lächelnd blickte Katan auf die beiden
Welpen herab, die anscheinend an seinem Vorschlag Gefallen finden konnten. Eine
verblasste Erinnerung durchfuhr seine Gedanken, ein Bild von seinem eigenen
kindlichen Anblick. Schiriki hatte auch immer mit ihm Verstecken gespielt. Für
einen winzigen Moment konnte ein aufmerksamer Beobachter vielleicht die
Traurigkeit sehen, welche sich in seinen hellen Augen niedergelassen hatte, doch
alsbald er sie bemerkte, wischte er sie hinfort. Es war sinnlos zu betrauern,
dass er seinem Ziehvater Schiriki nie gedankt hatte, dass er sich nicht richtig
verabschiedet hatte und auch, dass er nicht mehr hier war. Wahrscheinlich hatte
ihn nach Liokus Tod nichts mehr im Rudel halten können, der Schmerz über den
Verlust seines besten Freundes musste zu groß gewesen sein, um sich weiter bei
dem Rudel aufzuhalten, dass ihn noch heute verkörperte. Er wusste, dass seine
Reue sinnlos war, denn ändern konnte er nun nichts mehr an seinem törichten
Handeln und er konnte nur hoffen, dass es Schiriki gut ging, dass er glücklich
war.
Rasch schüttelte er die beschwerenden Gedanken ab, widmete seine Aufmerksamkeit
wieder den Welpen, welche ihn erwartungsvoll anblickten. Er grinste ihnen zu.

"In Ordnung, ihr versteckt euch und ich suche. Ich zähle bis 30, dann komme
ich euch suchen"


Er legte sich auf den Boden und schlug sich die großen Pfoten über die Augen.
Das musste ein ziemlich putziges Bild abgeben, wie er so da lag und sich selbst
die Sicht versperrte. Grinsend begann er zu zählen, laut und langsam.

"Eins, zwei, drei, vier..."


Niagara hatte sich neben Lajila niedergelegen. Aufmerksam hatte sie gelauscht,
was die ältere Wölfin ihr erzählte. Leicht geschmeichelt, über die Worte von
ihr, schloss sie die Augen um das zu genießen was sie hatte. Langsam öffnete sie
die Augen wieder, blickte direkt zu lajila rüber. Nachdenklich betrachtete sie
die schwarze Fähe:

„Stimmt. Man verliert total die Übersicht. Dauernd kommen Neulinge hierher,
dauernd passiert irgendetwas, was wieder für Aufregung sorgt. Immer alles auf
einmal, dann ist wieder eine Weile Ruhe und dann wieder alles auf einmal.“


Seufzend blickte niagara ins Leere. Was kann man schon ändern. Natürlich ist es
schön, Neulinge zu gewinnen, ihnen ein neues Zuhause geben. Irgendwann werden
sie aber so groß sein, das man die Übersicht total verliert. Aufrecht stellten
sich ihre Ohren auf, als sie beobachtete wie die Welpen verstecken spielten mit
ein par erwachsenen Wölfen. Die Wölfin musste schmunzeln. Erst jetzt bemerkte
sie, dass sie noch Gesellschaft von Kiba gekriegt haben. Ein lautes Wuffen galt
als Begrüssung. Kurz musstere sie ihn, ehe sie wieder denn Welpen beim spielen
zu schaute. Sie war Froh, dass wenigstens die Welpen nichts von dem
Durcheinander mitbekamen und sich getrost dem Spielen widmen können. Ein Lächeln
zierte sich auf ihren Lefzen. Neugierig schaute sie der kleinen Gruppe zu.


Schwärze. Endlose
Schwärze schien ihn zu umgeben. Das wohlige Gefühl des Hinabsinkens, in eine
Welt, aus der er nicht auftauchen würde. Hinab, hinab, hinab...
Tiefer und tiefer fiel er, sein Körper erschlaffte. Es hatte den Rüden
überfordert. Wie lange hatte er kein Auge zu gemacht? Dafür sich bei den
Jagenden meist als Hetzer verausgabt. Er war lieber gelaufen, hatte seinen
Körper gefordert, hatte dabei nichts beachten, nichts denken müssen. Er hatte
dabei unaufmerksam sein können und brauchte sich bloß auf seine Instinkte,
seinen Geruch und Sehsinn zu verlassen. Das es an seinen Kräften zehrte und
diese unweigerlich verbraucht wurden, hatte er ignoriert. Nun forderte sein
Körper was ihm zustand.
Das Bild der Schwärze verschwand, dafür lag er nun irgendwo in weichem Gras. Er
spürte es an seinen Seiten, seinen Flanken, seinem Bauch. Er genoss den klaren
Duft der Luft, erfüllt von vergangenem Frühlingsregen, lauschte dem Rauschen der
Bäume. Er fühle sich gut, unglaublich gut. Kraft strömte in ihn zurück, es tat
gut hier zu liegen und nichts denken, nichts fühlen zu müssen. Es war, als wäre
er nach einem langen, erholsamen Schlaf aufgewacht, früher, war nun aber zu
träge, um die Augen zu öffnen und aufzustehen. Die Wärme krabbelte zart über
seinen Körper, tropfte seine Schnauze hinab...tropfte? Blinzelnd öffneten sich
die grün-braunen Augen starrten vor ihm ins Gras. Blut. Er sah nach oben,
starrte den weißen Wolf an, der über ihm stand. Wäre er ein Mensch wäre Shien
wohl aschfahl geworden. Die Augen vor Schreck aufgerissen, die Pupille vor
Entsetzten geweitet starrte er auf die reglose Gestalt.

.oO(„Sharlia...?“)

, murmelte er leise, sprang dann mit einem Satz auf und stupste die Fähe an. Sie
war doch eben noch...?! Die Weiße kippte bei seiner Berührung zur Seite und
blieb reglos auf dem Boden liegen, die leeren Augen starrten ihn seelenlos an.
Einzig der Tod lachte ihn höhnisch aus.

NEIN!

Mit einem Mal hatte er die Augen tatsächlich aufgerissen, sich irgendwie
befreit. Schwer atmend stand der Rüde wacklig auf den Läufen, schnappte nach
Luft und blickte sich verstört um, sah allerdings doch nicht wirklich was, die
Ohren eng an den Kopf angelegt. Als seine Augen schnell die echte, lebendige
Sharlia erblickten, seufzte er innerlich erleichtert auf. Nur ein Traum... Dann
folgte die Betrübtheit darüber, dass sie seiner Bitte nicht nachgegangen und ihn
verlassen hatte. Doch Shien war zu sehr aufgebracht, um sich daran zu stören
oder sonst etwas zu sagen. Die beiden Gesichter an seiner Seite nahm er nur im
Unterbewusstsein wahr. Seine Gedanken rasten, sein Herz schlug so schnell und
pulsierend wurde Adrenalin durch seinen Körper geschickt. Mit zitternden Flanken
wich er ein paar kleine Schritte zurück, die Ohren an den Kopf gepresst. Was war
nur los?
Wieder schien es lange Zeit zu dauern, bis der Schwarze etwas unverständliche
Worte dahin murmelte.

Was..wie..wer..ich...mnh?

Fragend wandte er den Blick an die braune Wölfin, blickte erst diese verwirrt
an, dann wanderte sein verstörter Blick in der Runde, kam kurz beim Welpen
vorbei ehe er wieder auf Sharlia landete.

Wieso... seid ihr alle hier? Und... was macht dieser Welpe...?

Mit heftigem Schlackern seiner Flanken – sein gesamter Körper bebte nun so
stark, dass er sich fast wieder auf die Nase gelegt hätte – ließ er sich auf die
Hinterläufe sinken, nur um in der nächsten Sekunde wieder aufzustehen, als hätte
er sich auf einen Haufen heißer Asche gesetzt.

Ich... ich versteh gar nichts mehr...


Der kleine Rüde bebte förmlich vor innerer Anspannung. Katan sollte endlich den
Startschuss geben, sozusagen. Kyrraine wollte spiiiiiiieeeeeeelen. Genau.
Und als Katan die ersehnten Worte sprach funkelten die blaugrauen Augen voller
Freude auf. Juhu!
Ein Grinsen galt Aakalliko.

"Wetten, ich verstecke mich besser als du?"

, flüsterte er ihm verschwörerisch zu und stob dann in weiten Sätzen davon. Sein
Blick glitt über alle erdenklichen Sträucher und Büsche und seine Ohren zuckten
um ja keine Zahl des großen Rüden zu überhören und womöglich zu spät das
passende Versteck zu finden. Sein Blick fiel auf einen hohlen Baumstamm und er
grinste. Doch er war ja nicht doof. Erst einmal lief er einige Male im Kreis,
nur um sich dann gegen die Windrichtung an den Baumstamm anzuschleichen und sich
darin zu verkriechen.


Schon zwei Monate
sind nun vergangen, seit dem die kleine Ayura auf die Welt gepurzelt war und die
Zeit, sie verging so unglaublich schnell, als wäre da nichts gewesen. Doch für
die Welpin war jede Sekunde ein neues Erlebnis gewesen und jede hatte sie
ausnutzen wollen. Das Leben war ja so unglaublich interessant, fast noch
interessanter, als sie es sich vorgestellt hatte. Nur das ewige Wandern, das
zwar manchmal ganz schön sein konnte, jedoch meistens lästig war, das hätte
ruhig wegbleiben können.
Die Sandfarbene trottete munter umher, den Kopf stets auf den Boden gerichtet,
um die fremden Gerüche der hiesigen Erde zu erkunden. Sie war allein, also, das
Rudel war ja noch da, aber sie war ihren eigenen Beschäftigungen nachgegangen,
doch fühlte sie nun wieder das Verlangen nach Gesellschaft. So erhob sie ihr
kleines Köpfchen und fegte mir ihren seegrünen Augen über die Körper die
zahlreichen Wölfe ihres Rudels. Dort, bei Kheiji, Demon und Shanaya, so waren
doch die Namen, konnte sie zwei ihrer Brüder ausmachen, doch waren es so viele
schon und es reizte sie kein bisschen, den Weg dorthin anzutreten. Also blickte
sie wieder herum und erhaschte einen Blick auf ihre Eltern, doch zu denen wollte
sie im Moment auch nicht, war sie doch schon so oft bei ihnen und wollte nun
etwas Neues erkunden, beziehungsweise jemand anderes kennenlernen. Sie dachte an
ihre Freundin Ilja und suchte nun zielstrebig nach der Welpin, die sie kurz
darauf mit Sharila und Felice - und wie hieß der andere noch? Shien? – fand.
Kurzerhand lief sie in diese Richtung, denn ihre Scheu zu den meisten
Rudelmitgliedern hatte sie bereits verloren. Nur Shien, den kannte sie noch
nicht wirklich, aber wenn Ilja schon da war, dann wird es sicher nicht so
schlimm sein.

“Hallo Ilja, Sharila, Felice und …“

Erschrocken blickte die Kleine auf den schwarzen Rüden, der sich mühsam erhob
und irgendetwas vor sich hin murmelte. Er schien sie noch nicht bemerkt zu
haben, denn sie war soeben erst hinzu gekommen, doch er machte er Angst. Leise
fiepte sie, legte aber ihren Kopf schräg, weil sie nicht verstand. Sie blickte
abwechselnd Ilja und dann Sharila an und versteckte sich ungemerkt hinter der
schneeweißen Fähe. Wusste sie, was es mit diesem unheimlichen Rüden auf sich
hatte?


Demon sah fast
entsetzt drein als die kleine schwarze Wölfin sich zwischen seine Vorderläufe
setzte. Gut, erstmal tief Luft holen. Es passierte ja nichts. Nur die Welpen
vermehrten sich rapide. Erst Daina, dann Dijaron und dann auch noch Jaris. Er
legte die schwarzen Ohren an und sah fast erleichtert zu seinem Bruder.
Vielleicht konnte der ihn ja retten? Nur irgendwie hatte Kheiji keine Probleme
mit den Welpen. Jaris ließ ihn lächeln, dieser Mut, diese Tapferkeit. Er grinste
schief und kurz wirkte er entspannter- bis Daina sich zwischen seine Pfoten
setzte.
Der schwarze Jungwolf blinzelte nervös, dann senkte er den Kopf und
beschnupperte Dainas Köpfchen. Was solls, wenn sie schon einmal so nah bei ihm
saß.

“Ja….ähm…..total niedlich die Drei.. “,

stammelte er und hob den Kopf wieder. Okay, Shanaya und Kheiji hatten keine
Bedenken gegenüber der Welpen, also konnten sie gar nicht so schlimm sein. Kurz
wischte seine Rute über den Boden, einfach mal abwarten. Er drehte den Kopf zu
Dijaron. Wieso er nichts sagte? Das war ja mal eine pfiffige Frage. Ein wenig
unschlüssig spielten die Ohren des Jungwolfes.

"Weil es nicht immer etwas zu sagen gibt.. manchmal reichen schon Blicke und
Gesten um mehr zu sagen als es tausend Worte könnten.."
,

erwiderte er leise und doch mit einer Bestimmtheit die man von ihm vielleicht
gar nicht erwartete.


Sharila seufze, als
sie Shien, der reglos am Boden lag ansah. Ihr schöner Kopf war noch immer zu ihm
hinuntergebeugt, als sie eine weitere Anwesenheit spürte, welche sie gleich
zuordnen konnte. Hinter sich hatte die kleine Ilja, die sie so ins Herz
geschlossen hatte, den Weg zu ihnen gefunden. Als Bestätigung für ihre scharfen
Sinne, ertönte auch schon kurz danach ihre welpenhafte Stimme. Langsam drehte
sie sich zu der kleine Fähe um und stupste sie sachte an.

“Hallo Ilja“

Versuchte sie so unbesorgt wie möglich zu sagen, doch ihre Gedanken hingen noch
immer bei dem schwarzen Rüden. Sollte sie Hilfe holen? Und dann kam auch schon
das, was sie befürchtet hatte. Die neugierige Welpin wollte doch tatsächlich
wissen, was mit Shien los war. Ihr junger Welpengeist hatte mit solchen
Problemen noch nie zu tun gehabt und so war es auch klar, dass sie nicht
verstehen würde. Sharila zögerte einen Moment, bevor sie eine Antwort gab.

“Er ist müde, Ilja. Und nicht nur das, ihm geht es einfach nicht so gut“

Versuchte die Eisprinzessin die Situation vereinfacht zu erklären, während sie
ein wenig ungeduldig bemerkte, dass sich auch Felice der Gruppe näherte.
Eigentllich mochte Sharila die braune Fähe, doch es war eben nicht der richtige
Augenblick für eine gemütliche Unterhaltung und außerdem hatte sie keine Lust,
alles doppelt und dreifach zu erklären. Dennoch begrüße sie die Fähe, die ein
Kaninchen im Fang trug mit einem freundlichen Nicken, doch ihre Aufmerksamkeit
galt weiterhin Shien, der noch immer regungslos vor ihr lag. Nur nebenbei
bemerkte sie, dass sich auch Ayura näherte. Denn nun hatte auch Felice den Fang
geöffnet und mit dem Kaninchen im Maul hörten sich ihre Worte wirklich amüsant
an. Mit einem vielsagenden Blick auf den schwarzen Rüden sah sie schließlich
wieder die Braune an und schüttelte nur kurz das Haupt, dies war wohl schon
Antwort genug. Doch zu ihrer Enttäuschung hakte sie noch weiter nach. Gezwungen,
die Situation zu beschreiben öffnete Sharila ihren Fang.

“Ehrlich gesagt weiß ich es auch nicht wirklich … Ich bin auf meinem Weg
hierher beinahe über ihn gestolpert und bei näherem Hinsehen bemerkte ich, dass
es ihm nicht allzu gut ging. Schließlich begann er noch wirre Worte zu sprechen
wie ‚Geh, wenn du nicht sterben willst’ oder ‚ich will nicht noch mehr Blut
sehen’. Dann ist er auf den Boden gesackt und …“


Plötzlich hörte sie den Schwarzen vor sich aufschreien. Verwirrt blickte die
Eisprinzessin zu ihm hinunter und stellte erleichtert fest, dass er aufgewacht
war. Vielleicht hatte er einfach schlecht geträumt. Sie wollte gerade zu ihm
sprechen, als die kleine Ayura bei ihnen ankam und freundlich grüßte. Und erst
jetzt registrierte sie, dass auch Ilja noch neben ihnen war.

“Hallo Ayura … Möchtest du ein wenig mit Ilja spielen? Wenn ich Shien
versorgt haben, werde ich zu euch kommten!“


Sagte sie mit einem Lächeln auf den Lefzen, obwohl ich momentan gar nicht zum
Lächeln zumute war. Mit den Worten stupste sie beide sachte an und wandte sich
schließlich wieder zu dem Schwarzen und stieß ihn ebenfalls an.

“Ist alles in Ordnung, Shien? Brauchst du Hilfe …?“

Fragte sie besorgt und fügte dann an Felice gewandt hinzu

“Meinst du wir sollten Hilfe holen? Er scheint nicht ganz klar im Kopf zu
sein …“


Niana hatte einen
Spaziergang gemacht, hatte sich etwas vom Rudel entfernt und Zeit mit sich
selbst verbracht. Sie hatte die Welt neu entdeckt, hatte sich überlegt was sie
mochte und was nicht. Sie mochte Dijaron, sie mochte Demon, sie mochte Lunar.
Sie mochte die Sonne und sie mochte das Lachen von anderen Wölfen. Sie mochte
es, wenn die ganze Welt am frühen morgen von Tau überzogen war und sie mochte es
wenn sie in die Höhle kam, wenn es draußen kalt war. Sie mochte das Gefühl von
Geborgenheit und das Wissen, von Freunden umgeben zu sein.
Sie mochte keinen Streit und sie mochte keine Angst.
Und ihr war klar geworden das sie mehr mochte, als nicht mochte. Sie wirbelte
herum, jagte sich selbst, schmiss sich auf den Boden und wälzte sich. Und in
diesem Moment war sie einfach grenzenlos glücklich. Und sie wollte ihr Glück
teilen, denn für sie alleine brachte es ihr zwar was, aber sonst keinem. Also
näherte sie sich dem Rudel aufgekratzt. Sie erblickte Aszira und Riaz von
weitem. Guter Laune sprang sie auf die zwei Wölfe zu und setzte sich zu ihnen,
aber anscheinend stritten sie sich gerade. Die Gesichtszüge der Braunen wurden
etwas ernster, aber das Leuchten verschwand nicht aus ihren Augen. Sie sah gut
aus, wie sie da so saß.

„Na Aszira, stiftest du schon wieder ärger?"

Sie lächelte scherzhaft. Sie mochte die Schwarze, kannte sie nicht gut, aber sie
war ein bekanntes Gesicht, jemand, mit dem sie geredet hatte, die ihr in einem
Moment sehr nahe gestanden hatte, sie in einem Moment gesehen hatte wo es ihr
nicht gut gegangen war. Auch wenn es absurd klang, Aszira genoss ihr vertrauen.
Ihr Blick wanderte zu Riaz dem sie leicht zu nickte.

„Hallo Riaz, wie geht's?"


"Warum geht's ihm
denn nicht gut?"
,

kam sofort die Frage hinterher, eine typische Welpen-Warum-Frage. Mit großen
Augen sah sie Sharila an und blickte dann an ihr vorbei, als sie eine weitere
Fähe näherte. Shien war sofort vergessen.

"Uuuhhh, Felice, was hast du da?!"

Ilja wuselte um die Herbstbunte herum, die Augen auf das tote Kaninchen
gerichtet. Immer wieder stellte sie sich kurz auf die Hinterläufe, um besser zu
sehen, und hüpfte immer dann kurz, wenn sie das Gleichgewicht verlor und nach
vorn zu kippen drohte. Zwischendurch musste sie sich natürlich wieder auf alle
Viere fallen lassen, aber sie begann immer wieder mit diesem komischen gehopsten
Tanz. Instinktiv schnappte sie spielerisch nach der Beute, versuchte sie zu
fangen um daran zu zerren. Schliesslich blieb sie wieder auf allen vier Pfoten
stehen, als sie Ayuras Stimme vernahm.

"Hallo Ayura..!",

grüßte sie ihre Freundin und lief schwanzwedelnd zu ihr. Gerade wollte sie
spielerisch nach ihr Pfoten, als Shien hinter ihr aufschrie. Ilja schrie
ebenfalls vor Schreck auf, machte einen Satz an Ayura vorbei und versteckte sich
hinter Sharila. Mit klopfendem Herzen spähte sie an der Weißen vorbei. Ihre
Miene zeigte zunächst Angst, wandelte sich dann aber schnell in Verärgerung.

"Du hast mich erschreckt!",

rief sie erbost zu dem schwarzen Rüden herüber, und es war auch nicht
sehrstimmungshebend, dass er nur sinnlos vor sich her brabbelte. Ilja kam wieder
hinter Sharila hervor, hielt aber Abstand zu Shien. Grimmig sah sie ihn an, ihre
gute Laune war vorerst dahin...


Zufrieden saß Daina
zwischen den Vorderbeinen des riesigen Schwarzen, der sie überragte wie ein
mächtiger dunkler Berg, auf dessen Hängen Fell gewachsen war. Sie verspürte eine
ungewohnte Geborgenheit, während sie so dasaß und aufmerksam ihre Umgebung
beobachtete. Bei Demon fühlte sie sich beinahe so sicher wie bei ihren Eltern,
aber es war dennoch ein anderes Gefühl bei ihm zu sein. Es lag der Kleinen
allerdings fern, darüber nachzudenken warum es ihr so ging, es reichte ihr, dass
es so war. Als er zaghaft an ihrem Kopf schnupperte, sah die Welpin zu ihm hoch.
Lustig sah er aus von hier unten und so groß! Ob sie seinen Kopf berühren
konnte, wenn sie hochsprang? Einen Versuch wäre es wert, aber sie wollte den
Rüden nicht verärgern. Sie hatte erst wenige Grenzen beim Umgang mit Erwachsenen
ertasten können und sie wollte auch gar nicht wissen, wie es sich anfühlte, zu
weit gegangen zu sein. Lieber wollte sie lieb und brav die Erwartungen erfüllen,
welche an sie gestellt wurden. Außer vielleicht wenn es um diesen mysteriösen
Rüden ging, der in aller Munde war. Wirklich gesehen hatte sie ihn noch nicht,
aber sie war sicher, dass eine von den Silhouetten auf den Hügeln vor dem
Sonnenuntergang ihm gehört hatte. Sie würde zu gerne wissen, was er getan hatte,
um so viel Verachtung auf sich zu ziehen, wie ihm offensichtlich entgegen
gebracht wurde. Es musste etwas sehr schlimmes gewesen sein, sicher war dieser
Wolf unglaublich mutig und verwegen. Ihr Blick glitt in die Ferne und suchte
erneut den Horizont nach seiner Gestalt ab, aber ihre erwartungsvollen Augen
fanden ihn nicht. Enttäuscht sah sie Shanaya an. Vielleicht würde sie von ihr ja
Auskunft erhalten.

"Duuu, Shanaya-"

Setzte sie an und legte den Kopf schief. Ihr Herz begann ein wenig zu klopfen.
Durfte sie einfach so über den ihr fremden Rüden reden? Na ja, es war ihr
jedenfalls noch nicht ausdrücklich untersagt worden.

"Wer ist dieser graue Rüde, der sich immer von uns Welpen fernhält und dabei
stets in der Nähe von dieser Aszira ist? Warum kommt er nicht zu uns und stellt
sich vor, so wie alle anderen es auch tun? Und warum ist er immer bei Aszira,
mag er sie als einzige und uns alle nicht?"


Erwartungsvoll blinzelte die Welpin die schwarze Fähe vor sich an. Nachdem sie
den Gedanken doch noch zu Demon hochzuspringen vollends verworfen hatte, ließ
sie sich einfach rücklings in das Brustfell des Rüdens fallen um auf Shanayas
Antwort zu warten. Sie genoss es einfach, ihm nahe zu sein, ganz unbewusst


Eine Weile
beobachtete die schwarze Jungwölfin die drei Welpen, ehe sie wieder Dijaron
anblickte, zu dessen Patin sie vor einiger Zeit bestimmt wurde. Dafür, dass er
ein Welpe war, redete er sehr erwachsen und ein kleiner Stich machte sich in
Shanayas Herzen bemerkbar. Der Kleine hatte so ein gutes Herz, vielleicht zu
gut. Aus eigener bitterer Erfahrung wusste die junge Fähe, dass man es nie
übertreiben sollte, selbst nicht mit Warmherzigkeit und Sanftmut. Gut, sie
kannte Kyro nicht wirklich, sie hatte lediglich seinen Namen gehört und
vielleicht auch ab und zu in seiner Nähe gestanden, aber mehr auch nicht. Sie
wusste nicht, in wie weit er wirklich bösartig war oder eben nicht, doch wusste
die Schwarze, was er Aszira angetan hatte und konnte dies beim besten Willen
nicht tolerieren. Kurz huschte eine nachdenkliche Miene über das Gesicht der
Jungwölfin, ehe wieder das entspannte Lächeln auf den Lefzen auftauchte. Shanaya
beugte ihren Kopf zu dem Welpen hinunter und stupste in sanft an.

“Du hast Recht, Dijaron, man muss die Herzen der bösen Wölfe mit Liebe
retten, aber dies solltest du vielleicht erst dann tun, wenn du etwas mehr über
den „bösen Wolf“ weißt und auch, wenn du … etwas älter bist. Gedulde dich noch
ein bisschen, damit der Wolf Zeit hat sich zu besinnen und über seine Fehler
nachdenken kann. Erst dann wird er dir vielleicht richtig zuhören und
akzeptieren, was du ihm mitzuteilen versuchst. Und merke dir: Geduld ist eine
Tugend, Dijaron, du wirst in deinem späteren Leben noch sehen, was die Zeit
alles bewirkt.“


Leicht runzelte Shanaya die Stirn. War es richtig, was sie dem Kleinen da
erzählt hatte? Jedenfalls war es eine Weise, ihn von Kyro fernzuhalten. Ein
wenig unsicher blickte sie zu Demon und konnte ein Grinsen wieder nicht sein
lassen. Wie tollpatschig er doch aussah, wenn er ratlos war! Shanayas buschige,
schwarze Rute wedelte ein wenig und leise kicherte sie, als ihr Name mit einer
weiblichen Welpenstimme ertönte. Sie ordnete diese Stimme Daina zu und behielt
Recht, als sie sich umdrehte und die schwarze Welpin vor sich sah. Niedlich sah
sie aus, wie sie ihr kleines Köpfchen schief legte und Shanaya beugte ihren Kopf
zu ihr hinunter, damit sie mit der Kleinen auf gleicher Höhe war.

“Was gibt es denn, Daina?“

Aufmerksam lauschte die schwarze Fähe der Frage der Kleinen und führte einen
innerlichen Kampf mit sich, ob sie so reinen, unschuldigen Wesen die Bosheiten,
die Kyro getan hatte, erzählen sollte. Schließlich beschloss sie, einen Teil zu
erzählen, den Teil, der weniger schlimm war.

“Nun Daina, das mit dem Rüden ist eine lange Geschichte, die bis noch vor
eurer Geburt zurück geht.“


Die junge Fähe zögerte. Sollte sie wirklich …?

“Ja, es ist schwer zu erklären, also, ihr wisst ja sicher, dass, wenn man von
dem Wolf spricht, oft „der böse Wolf“ sagt. Dies hat sich deshalb so herum
gesprochen, weil er etwas getan hat, was nicht so gut ist, aber was genau es
ist, dass kann ich dir nicht genau erklären …“


Weichte Shanaya schnell aus, wissend, dass dies sicher die nächste Frage gewesen
wäre.

“Und deshalb hat man ihn nicht in eure Nähe gelassen, das ist nur zu eurem
Schutz gedacht. Man behandelt ihn halt wie … wie ein Anwärter, weißt du? Die
Anwärter durften Anfangs ja auch nicht zu euch und genau so ist es eben bei ihm,
dass man nicht will, dass er in eurer Nähe ist.“


Einen Moment wartete die schwarze Jungwölfin, um Daina die Zeit zu geben, ihre
Worte aufzunehmen und darüber nachzudenken, ehe sie weiter fortfuhr:

“Nun das mit Aszira ist wieder eine andere Sache. Du erinnerst dich doch
sicher, als deine beiden Eltern einmal nicht da waren. Da waren sie bei einer
Versammlung und die hat entschieden, dass Kyro bei Aszira verweilen soll, das
war ein einfacher Beschluss.“


Ein wenig gequält lächelte Shanaya, da sie wusste, dass es so nicht stimmte.
Zwar war sie nicht genau über die Strafe Kyros informiert, doch wusste sie im
Allgemeinen, was der Rüde seit jener Versammlung zu tun hatte. Aber wie sollte
sie es einer Welpin beibringen? Gar nicht!

“So, nun aber Schluss, Daina. Wir wollen nicht mehr über ihn reden, denn es
ist unhöflich hinter dem Rücken über andere zu reden, weißt du? Deshalb müssen
wir jetzt damit aufhören.“


Sie schenkte Daina ein warmherziges Lächeln und stupste sie sanft an.


Die Braune hörte mit
besorgtem Blick Sharilas Erklärung zu. Was war nur dem Schwarzen passiert, dass
er so wirres Zeug brabbelte?
Aber die kleine Fähe die an dem Hasen zerrte brachte Felice trotz dieser
unruhigen Gedanken zum Lächeln, und spielerisch gab sie nach, und zog wieder
darn, bevor sie das Tier entdgültig fallen lies.

"Das ist ein Hase Ilja, man kann ihn essen"

erklärte sie kurz, und sah dann auch schon den zweiten Welpen auf sie zu hüpfen.
Ayura, eine von Lajilas Töchtern...Situationen, die nicht für Welpen geeignet
waren, schienen diese umso stärker anzuziehen...

"Hallo Ayura"

grüßte sie auch diese Kleine, und nickte bekräftigend zu Sharilas Vorschlag die
zwei spielen zu schicken.

"Wollt ihr zwei nicht schonmal spielen? Wir spielen auch gleich mit, wenn wir
fertig sind"


versprach sie, und wand sich dann an Shien, im selben Moment schrie der Rüde
auf, stand schon auf den Pfoten, zitterte, sprach wirr. Er setzte sich, stand
wieder auf - Felice trat näher an ihn heran, ihre Stimme war leise aber
verständlich, ruhig und beruhigend.

"Es ist alles in Ordnung. Wir sind hier, wir sind bei dir. Die Welpen wollten
wissen warum du so müde bist...ganz ruhig, dir passiert nichts"


ihre Stimme war zum Schluss beinahe ein Flüstern geworden, leise, leise und
sanft, so wie man einen Welpen beruhigte der zum ersten Mal den Tod gesehen
hatte.
'Oder eine Schwester, deren Vater seine eigene Tochter getötet hat' klang
es stechend in ihr, und sie blinzelte, eine Sekunde zu lang. Eine Sekunde zu
früh.

Die Braune hob den Blick wieder zu Sharila, hinter der nun eine beleidigte Ilja
hervortrat - Ayura hatte sich auch hinter der Weißen versteckt...

"Aber wen? Wir wissen nicht woran er leidet, wie können wir wissen wer ihm
helfen kann?"


ihr Blick war zweifelnd, sorgenvoll, und ihre Stimme war nun auch Sharila
gegenüber leise gewesen als normal. Zaghafter.

Felice wand sich wieder an Shien, schob ihm mit der Nase den Hasen hin.

"Willst du essen, Shien? Können wir dir helfen?"

Ihre Augen lagen unruhig auf den seinen, versuchten seinen Blick aufzufangen und
zu fokussieren. Er musste ruhig werden...


Seine Augen weiteten
sich wieder als die kleine Wölfin sich nun auch noch so gegen ihn lehnte. Doch
er blieb ruhig, ganz langsam gewöhnte er sich an die Nähe der Welpen und solange
alles ruhig blieb und nichts unerwartetes passierte würde er seine altbekannte
Ruhe finden.
Als Daina Shanaya wegen Kyro fragte, verengte er kurz die Augen. Hoffentlich
machte sich die kleine Wölfin nicht demnächst auf dem Weg zu ihm. Das musste
wirklich nicht sein. Er persönlich empfand Kyro nicht als den bösen Teufel, aber
eine ganz spezielle Abneigung konnte er nicht verleugnen. Was hatte den Wolf nur
dazu gebracht so zu werden? War es die Einsamkeit gewesen? Oder war es das
Gefühl der Hilflosigkeit gewesen? Angeborener Wahnsinn gar? Das er es nicht
wusste, machte Demon immer wieder nachdenklich. Was konnte einen Wolf so werden
lassen? Ein gebrochenes Herz vielleicht, purer Hass- aber auf was?

Er zuckte mit den Ohren und stubste Daina sanft an.

"Wisst ihr, es gibt immer Wölfe die nicht so nett sind.. jeder Wolf ist
anders... und so müssen die Alphas manchmal zum Wohle der anderen entscheiden
und einen Wolf vom Rudel fernhalten..."
,

erklärte er noch zusätzlich. Auch wenn die Welpen noch jung waren, fand es der
schwarze Rüde wichtig das sie von Anfang an mit einbezogen wurden.
Leicht wischte die Rute des Wolfes über den Boden, abwartend und doch endlich
entspannt.


Ruhig lag der große
Rüde im Schatten einen Baumes, dessen Äste und Zweige sich mit dem Winde
bewegten. Er hatte sich die Seite seiner Gefährtin als Ausruhstätte gesucht und
genoss ihre Wärme, sowie ihre Anwesenheit in vollen Zügen. Seit jenem Tag des
Geständnisses, der gegenseitigen Liebe, die sie füreinander empfanden, hatten
sich seine Gefühle zu ihr nicht verändert. Noch immer fühlte er den wohligen
Schauer, wenn sie ihn berührte und noch immer klopfte sein Herz schneller, wenn
er an ihr hübsches Gesicht dachte. Doch die Zeit verging schnell und all dies
schien nur ein unwirklicher Traum gewesen zu sein, einfach so, als wäre es nicht
passiert. Die Neugeborenen waren bereits zwei Monate alt und tollten umher wie
die Wilden.
Ruhig legte Kalayro sein wohlgeformtes Haupt zurück und betrachtete Narunyá
liebevoll aus seinen tiefen, bernsteinfarbenen Augen. Sachte stupste er sie an
und schleckte ihr leidenschaftlich über die Schnauze. Er rieb seinen Kopf an den
ihren und schien immer aufs Neue einen Weg finden zu wollen, wie er seine
Zuneigung ihr gegenüber am Besten ausdrücken sollte. Sein Fell vermischte sich
mit ihrem, wurden eins, wie sie es auch im Herzen waren. In diesen Momenten
konnte sich der Grauwolf wohl nichts Schöneres vorstellen, als mit dieser Fähe
an seiner Seite zu sein und seinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Wie sehr
hatte er diesen Frieden vermisst, es war nicht nur der Frieden zwischen Wolf und
Wolf, oder Wolf und Mensch, nein es war der seelische Frieden, der hier gemeint
sein sollte. Eine Art Frieden, der schwerer zu erlangen ist, als alles Andere.

Beinahe verträumt schwieg Kalayro eine Weile und ließ seinen Blick in Richtung
des Rudels schweifen. Seine Augen blieben auf den Welpen haften und verdrossen
beobachtete er sie. Es war amüsant, ihnen zuzuschauen, doch auch ein kleiner
Stich machte sich im Herzen des Rüden breit, als die Erinnerungen an das
Vergangene drohten, wieder aufzukochen. Schnell wandte der Rüde den Blick von
den Kleinen ab, schüttelte das Haupt und drehte sich zu Narunyá.

“Sie sind niedlich, die Kleinen, nicht wahr?“

Er lächelte seine Geliebte an und vergrub seine Schnauze für einen Moment in
seinem Fell. Der angenehme Duft der Grauen umhüllte ihn und er schloss entspannt
die Augen, ehe er sie wieder aufschlug und seinen Kopf wieder erhob. Aufmerksam
spielten seine Ohren und er vernahm das muntere Zwitschern der Vögel, wie auch
das Rauschen der Blätter im Wind. Keine Gefahr schien es hier zu geben.

“Weißt du noch wie es war, ein Welpe zu sein?“

Wollte er plötzlich wissen, als der Große sich an seine Welpenzeit erinnerte.
Nicht schön war es, wirklich nicht. Er wurde damals von aktischen Wölfen
adoptiert und erinnerte sich nur zu gut daran, wie er aufgrund seines
verschiedenen Aussehens gehänselt wurde. Die Welpen hier hatten es sicher
besser, auch wenn ihnen lange Wanderungen bevorstehen werden. Immerhin hatten
sie hier den Schutz und die Liebe, die sie brauchten.

Wieder glitt Kalayros Blick zu Narunyá und sanft nahm er ihr weiches Ohr ins
Maul uns zog sachte daran.


Die Stimmen um ihn
und in ihm ergaben keinen Sinn, redeten sie alle durcheinander und alle
unterschiedliche Dinge.

Wir sind hier – Du bist nutzlos! - Kann man dir helfen? – Stirb doch einfach!
– Ist alles in Ordnung? – Lauf weg! – Geht es dir gut? – Ich will weg... –
Brauchst du Hilfe? – Erschreck mich nicht, Monster! – Lasst mich... – Er ist
verrückt!


Es ergab alles keinen Sinn, war durcheinander und brachte seinen Kopf zum
Dröhnen und Tosen, als würde er inmitten eines Sturms stehen. Der starre Blick
lag wieder auf dem Boden, den er doch nicht wahr nahm. Seine Atmung ging nach
wie vor hektisch, wie die eines gehetzten Wildes, sein Herz überschlug sich
fast, so sehr raste es in seiner Brust. Die Ohren an den Hinterkopf gepresst
stierte der Schwarze einfach nur vor sich hin. Es war zum verrückt werden.
Spannung baute sich in seinen Läufen auf, jeder Muskel war bis zum Zerreißen
gespannt, als wollte er aus dem Kreis, der ihn umringte mit einem Sprung
ausbrechen und einfach weg stürmen. Aber die Ohnmacht lähmte ihn, still stand er
da wie angewurzelt.
Was um ihn besprochen wurde verstand er nicht, nahm die Worte wahr, seine Ohren
zuckten ein wenig hin und her, ein Zeichen das er reagierte, aber er hörte den
Wortlaut nicht, sein Gehirn nahm die Information nicht mehr auf. In ihm
herrschte nur ein Gedanke – weg, weit, weit weg!
Ein wenig lockerte sich seine gespannte Haltung, als leise Worte, beruhigende
Worte durch sein Bewusstsein sickerten, ihm klar machten, dass er sich nicht zu
fürchten brauchte. Endlich eine Reaktion zeigend suchte er den Blick des
Sprechers, blickte mit verschrecktem, starrem Blick zu der Brauen. Er konnte
ihre Umrisse erkennen, konnte klar sehen, jedoch nicht verstehen, nicht
registrieren. Als hätte man den Ton und den Sinn dieser Welt verschlungen. Alles
was er hörte waren Laute von unterschiedlichen Klängen, unterschiedliche
Informationen, die sich von der Lage unterschieden, dann sah er Wölfe, Welpen,
den Himmel und die Erde, alles was dazwischen lag, konnte aber nichts zuordnen.
Seine ganze Welt hatte sich gekippt, verwirrte ihn nur noch mehr. Hilfe suchend
blickte er in die Richtung, aus der die ruhige Stimme gekommen war und erst
jetzt erblickten seine Seelentore den Hasenkadaver. Mit einem Satz sprang er
rückwärts, stolperte über seine eigenen Läufe, die noch immer angespannt gewesen
waren, zugleich aber so stark zitterten, dass es fast wie ein Wunder wirkte,
dass er sich auf den Pfoten hatte halten können. So stürzte der Schwarze zum
zweiten Mal auf den Boden, fiel auf seine linke Seite und blieb dann so liegen,
die Ohren an den Hinterkopf gepresst und die Augen zusammen gekniffen.

Nein... nein... nein. Ich wollte das nicht...Es tut mir leid. Ich... ich
wollte das nicht. Bitte... Bitte, glaubt mir doch. Ich.. nein, nicht!


Zusammengekrümmt blieb er liegen, zitternd, als würden unsichtbare Fänge sich
über ihm erheben und jeden Augenblick zubeißen.


Mit angelegten Ohren und eingezogener Rute kauerte die kleine Ayura am Boden,
als sie Sharilas sanftes Stupsen spürte und die Aufforderung, mit Ilja spielen
zu gehen. Ängstlich blickte sie zu dem schwarzen Rüden, der wieder komische
Worte sprach, ehe ihr Blick zu Felice glitt. Der Hase in ihrem Maul wäre
eigentlich von Interesse gewesen, doch nun war die Kleine wie gelähmt vor Angst.
Ein leises Fiepen verließ ihre Kehle, ehe sie sich Mühsam aufrappelte und
geknickt zu Ilja tappte und sich an der Rute ihrer Freundin festbiss. Sie wollte
die Anwesenheit von jemand anderen ganz nah bei sich spüren und am liebsten nie,
nie wieder loslassen.

“Ass us vo ihr weggen …“

Murmelte die Kleine ängstlich mit vollem Mund und zerrte leicht an Iljas
buschiger Rute. Es sollte so viel heißen wie „Lass uns von hier weggehen“, doch
wer weiß, ob es verstanden wurde? Ayuras kleiner Leib zitterte vor Angst und
Panik und sie wünschte sich plötzlich an die Seite ihrer Eltern. Ihre seegrünen
Augen rollten verstört umher, um die anderen zu mustern, und entblößten dabei
das Weiße in ihren Augen. Die Seelenspiegel waren vor Schreck weit geöffnet und
nur die besänftigenden Worte und die Anwesenheit von Felice und Sharila
verhinderten, dass die Kleine völlig die Fassung verlor. Noch einmal zog sie
sachte an Iljas Rute und trat vorsichtig einen Schritt rückwärts, testend, ob
ihre Freundin bereit war, mitzukommen.


Ilja sah Shien noch
immer grimmig an, als Felice beruhigend auf den Rüden ein redete. Sie fand es
gemein, dass er sie so erschreckt hatte und wollte nun eine Entschuldigung von
ihm hören. Aber da kam nichts, der Schwarze saß nur bedeppert da und sah
verwirrt in die Runde.
Ilja duckte sich unwillkürlich, als Shien plötzlich aufsprang und zurück
taumelte. Ihr Ärger war schlagartig Furcht gewichen, und mit ängstlichem Blick
verfolgte sie, wie er wieder unsinnig vor sich hin redete und anschliessend
wieder zu Boden ging. Die kleine Welpin spürte, wie Ayura sich nah an sie
drängte und in ihre Rute biss. Ilja winselte leise, allerdings eher aus Furcht
als aus Schmerz. es tat ohnehin nicht wirlich weh, ziepte bloß ein wenig. Sie
hörte die genuschelten Worte ihrer Freundin und verstand sie ganz instinktiv.

"Ich hab Angst, der si gruselig...",

wimmerte sie und biss Sharila leicht in die Flanke, um daran zu zupfen.

"Mach, dass er damit aufhört...?",

bat sie die Weiße leise und wich dann zurück. Sie wollte nicht in der Nähe des
schwarzen Rüden sein. Sie würde sich bei ihrer Mama über ihn beschweren, jawohl!

"Komm",

flüsterte sie Ayura zu als sie sich umdrehte und davon lief. Sie wollte jetzt
irgendwas tun, dass Spaß machte, irgendwo anders. Zum Beispiel mit Ayura
spielen.

Sharila sah zu Ilja, als diese erschrocken
hinter sie flüchtete, wo Ayura sich schon befand. Kurz blickte sie zu ihr und
merkte, dass die Kleine eher Wut als Angst empfand, als sie Shien beschimpfte.

Schließlich sah sie Felice an, die auch wieder ihren Fang geöffnet hatte und
musste ihr innerlich zustimmen. Ja, sie hatte Recht, niemand würde ihm helfen
können, sie wussten nicht, was ihr quälte und sie wussten nicht, wie ihm zu
helfen war. Etwas ungeduldig und angenervt blickte sie sich um. Hätte sie sich
doch nicht zu diesem schwarzen Rüden hier begeben, dann hätte sie auch nicht all
diese Probleme! Doch dann erblickte sie Kiba, dessen Blick sie schon zuvor in
ihrem Nacken gespürt hatte. Nur kurz war es gewesen, doch sie die Eisprinzessin
konnte sich daran erinnern, dass er vor einiger Zeit sich mit Shien befasst
hatte. Mit ruhigem Blick wandte sich die Weiße wieder an die Braune Fähe und
erzählte ihr von ihrem Vorschlag.

“Ich habe Kiba vor einiger Zeit gesehen, wie er sich mit Shien beschäftigt
hat, vielleicht weiß er was? Wir könnten es wenigsten versuchen.“


Meinte sie ein wenig hoffnungsvoll. Sie wollte sich gerade wie an die beiden
Welpen wenden, die sich noch immer hinter ihr versteckten, als der schwarzen
Rüde mit einem mal aufsprang und wirre Worte sagte. Ihr Schnauze berührte sachte
seinen zitternden Körper und versuchte ihn wieder zu beruhigen, doch genau in
diesem Moment ließ er sich auch schon wieder fallen, scheinbar verwirrt und
überrumpelt.

“Shien, alles ist in Ordnung“

Sagte Sharila nun ebenfalls mit sachter Stimme, denn sie hatte bemerkt, dass
diese Art ein wenig Erfolg bei ihm brachte, indem sie Felice beobachtet hatte.
Mit einem stillen Blick zu den Braunen sah sie noch einmal zu Kiba und nickte.
Ja, sie sollten wirklich Hilfe holen. Doch genau in diesem Moment spürte sie ein
winziges Ziepen an der Flanke und als sie sich umsah, erkannte sie die kleine
Ilja, die an ihr zupfte. Hinter ihr Ayura, die wiederum an Iljas Rute zog. Mit
ihrer warmen Zunge schleckte sie ihr und Ayura über das kleine Köpfchen und
lauschte der leisen Welpenstimme.

“Ja, ich werde versuchen, ihn zum Aufhören zu verleiten, mach dir keine
Sorgen, Ilja und du auch nicht, Ayura. Geht spielen und vergesst Shien, er wird
sich erholen.“


Sagte sie und versuchte so gelassen zu wirken, wie möglich. Schließlich
gehorchten die beiden und verließen den Platz, sodass Sharila und Felice nun mit
Shien alleine waren.

“Ich gehe Kiba holen, du wartest hier und passt am besten darauf auf, dass er
keine Dummheiten macht“


Bestimmte sie kurzerhand und wandte sich zum gehen. Ihre Augen fanden Kiba und
langsam bewegte sie sich zum den Rüden.


Aufgeregt sah Daina
die schwarze Fähe an, welche sie gnadenlos mit Fragen eingedeckt hatte. Und wie
sehr sie auch auf aufschlussreiche Antworten gehofft hatte, bekam sie doch nicht
wirklich zu hören, was sie wissen wollte. Das erwartungsvolle Funkeln in ihren
Augen erlosch, während sie Shanaya zuhörte, ein Ausdruck von Enttäuschung nahm
dessen Platz ein. Warum sagte ihr die Fähe nicht einfach das, was sie wissen
wollte? Warum versuchte sie so vehement sich herauszureden? Ein wenig wuchs der
Trotz in der Brust der Welpin, obwohl sie keinen Unfrieden stiften wollte. Sie
war sicher, dass Shanaya ihr sagen könnte, was Kyro getan hatte, sie wollte es
nur nicht und das verschaffte ihr ein Gefühl, dass ihr bislang fremd gewesen
war: Wut. Es war einfach total ungerecht, dass ihr etwas vorenthalten wurde, was
offenbar fast alle anderen wussten. Was redete die Schwarze denn? Sie sagt, es
sei unhöflich, hinter dem Rücken anderer über sie zu reden, aber das war doch
Gang und Gebe wie es schien. Beleidigt blinzelte sie zu Shanaya hoch.

"Du hast gerade total viel geredet, aber gesagt hast du trotzdem überhaupt
nichts."


Gab sie altklug zum besten. Shanaya hatte so wirr geredet, sie hatte kaum
verstanden, was sie gemeint hat, sie wusste nur, dass sie jedenfalls nicht
wirklich geantwortet hatte, auf ihre Fragen. Sie wollte ja gar keinen Streit,
die schwarze Fähe war ja auch eigentlich total nett zu ihr. Sie lächelte so
freundlich und sie schien warmherzig zu sein. Aber es war doch so furchtbar
ungerecht! Was war denn falsch daran, über den geheimnisvollen Rüden, den
angeblich "bösen" Wolf so viel wie möglich wissen zu wollen? Das wollte ihr
einfach nicht in den Kopf. Ihre trotzige Miene löste sich in einem Seufzen auf.
Es tat ihr Leid, dass sie Shanaya so böse angesehen hatte und sie schwor sich
insgeheim, in Zukunft darauf zu achten, sich nicht von unterschwelligem Zorn
leiten zu lassen. Überhaupt wollte sie nicht, dass Gefühle sie zu Missetaten
verführten. Sie blickte zu Demon hoch und fühlte sich augenblicklich besser. Er
war noch immer da, ihr großer Freund. Schüchtern lächelte sie Shanaya zu, die
Entschuldigung lag auf ihrem Gesicht, sodass sie es nicht aussprechen musste.
Zufriedenheit machte sich erneut in ihrem Körper breit, als Demon sprach. Was er
sagte, das verstand sie. Es war viel einfacher strukturiert, als das, was
Shanaya geredet hatte.

"Wenn ein Wolf vom Rudel ferngehalten wird, hat er dann gar kein Zuhause mehr
und keine Freunde?"


Erneut suchte sie den Horizont nach Kyros Silhouette ab und fand nichts als den
dunkler werdenden Himmel, der hinter Bäumen und Sträuchern verblasste. Wenn es
wirklich so war, wie sie glaubte, dann musste der Rüde schrecklich einsam sein.
Das fühlte sich sehr falsch an für sie. Kein Wolf sollte allein sein müssen.


Sie hörte es. Ganz
deutlich. Regelmässig ertönte es, regelmässig schlug es. Das Herz des grauen
Rüden, das Literweise Blut durch den starken Körper des Rüden pulsierte, ihn am
leben liess. Sanft lehnte sich Narunyá an den Körper ihres Gefährten und ruhte
mit ihm. Seit jenem Tage, an dem die Worte über die Lefzen glitten und so viele
Fesseln lösten, dass jetzt nichts mehr zwischen ihr und Kalayro war. Und mit
jeder Berührung strömte eine Hitzewelle durch den schlanken Körper der Fähe,
liess sie immer wieder aufs Neue erzittern und die Liebe mit jeder Faser spüren.
Auch jetzt glitt eine kleine Welle durch Narunyá, als sie sachte und voller
Liebe angestupst und nur einen Atemzug später mit einer rauen Zunge zurück ins
Leben gerufen wurde. Noch mit geschlossenen Augen gähnte die graue Fähe, rieb
ihren Kopf genau so an seinem und zog ihn lieb an seinem Ohr. Lieb lächelte sie
ihren Gefährten an und hätte ihm am liebsten all ihre Gefühle mit Worten gesagt,
sie am liebsten beschrieben. Doch sie fand nicht die passenden Worte, es gab sie
nicht. Nichts beschrieb das Hier und Jetzt, nichts war gut genug. Es gab zu
wenig Worte, um alles bis ins detail zu beschreiben und Narunyá selbst fehlte
die Kraft, so lange zu sprechen, um auch wirklich alles gesagt zu haben.
Mit verträumten blick sah auch Narunyá auf die Welpen und nickte sachte.

"Sie sind einfach wunderschön."

Narunyá dachte an ihre Welpen, die inzwischen keine Welpen mehr waren, sondern
bereits Jährig und langsam aber sicher erwachsen. Gross und stark mussten sie
jetzt schon sein. Ob sie immer noch bei jenem Rudel waren, dem sie sich dazumal
angeschlossen hatten? Vermutlich schon. Die Frage von Kalayro brachte sie etwas
zum nachdenken und mit glitzernden Augen beobachtete Narunyá das Spielen der
kleinen Wölfe. Wie war ihre Welpenzeit? So weit sie wusste schön, aber wie
genau?

"Ich kann mich ehrlich gesagt kaum daran erinnern. Ich weiss nur, dass meine
Eltern immer für mich da waren und ich ein sehr gutes Verhältnis hatte. Und
später übernahm ich die Jagdführung im selben Rudel."


Narunyá seufzte, als sie sich an die erfolgreichen Zeiten zurückdachte, wie sie
zusammen mit mehreren Wölfen ihres Geburtsrudels durch das Gebüsch schlich und
wie sie zusammen Beute für das Rudel erlegten. Es waren beinahe die schönsten
Augenblicken in ihrem gesamten Leben, abgesehen von denen jetzt mit Kalayro.

"Mit zwei bin ich dann gegangen und wanderte alleine über Stock und Stein.
Aber an die Tage als Welpen kann ich mich kaum erinnern. Wie stehts mit dir,
Liebster?"


Sanft leckte Narunyá Kalayro über das gesamte Gesicht und liebkoste ihn, wo es
nur ging.


Aakalliko hatte sich
bereits ein gutes Versteck ausfindig gemacht. Natürlich schon im Voraus. Ganz
heimlich hatte er die Umgebung sehr genau betrachtet, sodass ihm auch nichts
entgangen war. Schließlich wollte er gewinnen, um wieder stolz auf sich sein zu
können, wie neulich bei seinem guten Fang. Die Worte von Kyrraine konnten ihm
den Spielspaß nicht verbieten. Ganz im Gegenteil: Es war ein Ansporn für ihn,
besser zu sein! Also strengte er sich auch ganz besonders an. Ganz leise tapste
er einige Schritt rückwärts. Natürlich wollte er sicher sein, dass Katan auch
nicht schummelte und den Welpen nach sah. Es sah wirklich sehr lustig aus, wie
der so große Wolf sich auf den Boden legte und sich die Pfoten vor die Augen
hielt. So musste Aakalliko leise kichern. Es war schwer, es zu unterdrücken. Es
war einfach witzig. So etwas hatte er noch nie gesehen. Die Erwachsenen taten ja
eigentlich immer so, als ob sie das Spielen nicht wirklich brauchten. So machten
sie es auch nur sehr selten und auch nur dann, wenn es wirklich sein musste. Zum
Beispiel wie in diesem Moment, wo die beiden Welpen mit Katan verstecken spielen
wollten. Ein wirklich seltenes Bild und es sah gar nicht gespielt aus! Aber
Aakalliko wusste, dass man beim Verstecken sehr leise sein musste. Also wurde
sein kichern immer und immer leiser, bis es dann schon nach sehr kurzer Zeit
ganz verstummte. Sonst konnte man aufgrund der Geräusche, die man von sich gab,
sehr schnell von den anderen gefunden werden und hatte das Spiel somit verloren!
Als er sich vergewissert hatte, dass Katan auch wirklich nicht schaute, wo die
beiden Welpen hingingen, lief er normal weiter auf sein Ziel zu: Ein recht
großer Stein, wo sich ein Welpe noch gut hinter verstecken konnte. So setzte er
sich hinter diesem Stein hin. Jedoch war er schon bereit, wieder ganz schnell
aufzustehen. Falls Katan auf den Stein zugehen würde, hätte Aakalliko noch immer
die Möglichkeit, sich ganz leise um ihn herumzuschleichen. Also wenn Katan vor
dem Stein und Aakalliko hinter dem Stein stand, konnten sich beide nicht sehen.
Somit konnte Katan ihn wohl auch nicht so schnell entdecken. Es war bestimmt nur
eine Frage der Zeit, wann er denn diesen kleinen Trick durchschaut hatte.
Schließlich war er ja nicht dumm und würde es schon bald merken! Wenn es dann so
weit war, müsste sich Aakalliko dann wirklich ganz schnell etwas Neues einfallen
lassen. Falls ihm dann die Ideen ausgehen würden, dann hätte er wohl wirklich
leider verloren! Natürlich wollte er das auf keinen Fall und dachte deshalb
schon mal nach, was er tun würde, wenn das und das passieren würde.

.oO(Ich muss wirklich aufpassen, dass ich nicht dabei erwischt werde! Wenn
ich nämlich um den Stein herumgehe und Katan mir folgt, kann ich natürlich nicht
davonlaufen! Das würde man ja sofort erkennen! Aber ich kann doch nicht einfach
die ganze Zeit um diesen Stein hier herumschleichen…das ist doch wirklich dumm
und Katan würde es doch irgendwann bemerken! Hm…was soll ich denn machen? Wenn
ich hier in das Gebüsch springe, dann raschelt es so sehr, dass Katan sofort
darauf aufmerksam werden würde! Das ist keine gute Idee…nein! Aber ich möchte
doch nicht verlieren! Ach warum gehen mir denn jetzt die Ideen aus?...Moment
mal! Wenn ich schnell vor gehe und dann sofort in dieses Gebüsch schleiche…dann
könnte es vielleicht gehen! Mal sehen…vielleicht klappt es ja!)


Während Katan sich
mit den großen, weißen Pranken die Augen verdeckte, versuchte er ebenfalls so
wenig wie möglich hinzuhören, denn sonst würde er womöglich bereits die Richtung
und die Entfernung der Welpen schätzen können, ohne überhaupt die Augen zu
öffnen. Also summte er eine Melodie vor sich hin, die ihre Schritte übertönte.
Trotzdem konnte er einen der Welpen kichern hören, doch ehe er mit zählen fertig
war, war auch das Kichern verstummt. Grinsend hockte er da und zählte.

"Zwanzig, einundzwanzig, zweiundzwanzig"

Hoffentlich hatten beide Welpen ein gutes Versteck gefunden, schließlich wollte
er nicht, dass sein kleines Spiel zu schnell vorüber war und noch weniger wollte
er allzu enttäuschte Gesichter sehen. Beide Welpen sollten das Gefühl haben,
dass sie sich gut versteckt haben, egal welchen er zu erst finden würde.

"Dreiundzwanzig, vierundzwanzig, fünfundzwanzig, sechsundzwangzig,
siebenundzwanzig"


Sein Grinsen wurde breiter, nun war er fast fertig mit zählen. Er war schonmal
gespannt darauf, was für clevere Verstecke die beiden gefunden hatten. Er selbst
hatte sich als Welpe immer für einen sehr guten Verstecker gehalten und wenn
Welpen eines konnten, dann sich verstecken.

"Achtundzwanzig, neunundzwanzig, dreißig!"

Die letzte Zahl rief er freudig etwas lauter aus als die anderen, dann nahm er
fröhlich die Pfoten von den Augen und richtete sich auf. Bewusst versuchte er
nicht die Witterung der Welpen aufzunehmen, das wäre zu einfach. Stattdessen
versuchte er nur seine Augen zu benutzen um sie zu finden. Ausgiebig musterte er
die Umgebung von seinem Standpunkt aus, bevor er langsam den Platz abschritt. Es
gab lauter Büsche, Steine, Stümpfe, hohes Gras und Baumstämme in oder hinter
denen man sich gut verstecken konnte, wenn man klein war. Gelassen und sich gut
umsehend schritt er die Umgebung ab, seine visuelle Wahrnehmung auf Bewegungen
geschärft. Niemand konnte ewig lange stillsitzen. Bei seiner ersten Runde kam er
dicht an den beiden Welpen vorbei, doch er sah sich nicht zu gründlich um, er
wollte, dass sie sahen, dass er Zeit brauchte sie zu finden.

"Komisch, wo können die beiden nur sein? Die haben sich aber gut versteckt."

Murmelte er vor sich hin, während er das zweite Mal den hohlen Baumstamm
passierte, in dem Kyrraine saß. Er sah nicht hinein, denn falls der Welpe darin
war, so dachte er sich, wollte er ihn dennoch noch nicht finden.


.oO(Na komm
schon…lass dir doch endlich etwas einfallen! Er zählt…und ist fast am Ende
angelangt! Das heißt, dass er auch schon gleich mit der Suche beginnen wird! Mir
bleibt nicht viel Zeit! Ich werde mich wohl ganz, ganz heimlich
davonschleichen…ohne, dass er es bemerken wird! Ja…das ist eine gute Idee!
Hoffentlich merkt er nichts davon…ich muss schnell aber auch ganz leise sein,
sonst verrate ich mein Vorhaben noch…!)


Aakalliko grinste. Den Sieg hatte er zwar noch nicht vor Augen, wollte aber
schließlich daraufhin arbeiten. Vorsichtig und leise erhob er sich dann wieder,
um kein auffälliges Geräusch zu erzeugen. Er wollte „Startbereit“ sein. Das
musste er schließlich auch bei seiner Idee. Rumsitzen würde ihm da nicht
weiterhelfen, ihm zu viel zeit kosten und ihm wohl zum Verlieren bringen. Das
wollte er ja auf keinen Fall damit erreichen! Also war er schon ganz aufmerksam
und bereit für seine kleine Schummel Aktion. Der Sieg war ihm doch bestimmt
sicher! Nur hoffentlich würde Kyrraine nichts davon mitbekommen und es
ausplappern! Bis jetzt hatte Aakalliko noch nicht an so etwas gedacht oder es
gar mit in seinen Plan einbezogen. Eigentlich hatte er Kyrraine und sein
Versteck noch nicht erblickt, aber er könnte ja schließlich ganz in der Nähe
sein. Hoffentlich hatte er Aakalliko noch nicht entdeckt! Würde schon klappen!
Wenn Kyrraine etwas verraten würde, wäre er ja selber kein guter
Versteck-Spieler! Außerdem wäre das ja unfair, da immer nur einer suchen durfte!
Vorsagen war da ja schließlich nicht erlaubt! Vorsichtig und neugierig lehnte
sich Aakalliko vor, sodass er gerade Mal so eben hinter dem Stein hervorsehen
konnte. Katan war bereits bei den letzten Zahlen angekommen. Also postierte
Aakalliko sich schnell wieder genau so startklar hinter dem großen Stein, wie
vorher. Als Katan mit dem Zählen geendet hatte, begann er auch schon mit der
Suche nach den Welpen. Er kam bereits sehr nah an Aakallikos Versteck vorbei,
hatte ihn aber wohl noch nicht entdeckt. Aber es war ja klar, dass er ihn noch
nicht entdeckt hatte. Schließlich hätte er dann etwas gesagt und wäre nicht
einfach so weiter gegangen. In dem Moment, als der weiße Rüde an dem Stein
vorbei kam, hatte sich Aakalliko ein wenig geduckt. Vielleicht konnte der Große
ja über den Stein hinüber schauen? Wer weiß! Er war ja ziemlich groß und konnte
das bestimmt, wenn er sich so umsah! Aakalliko konnte es sich nicht wirklich
vorstellen, auch einmal so groß zu sein. Außerdem konnte er diese Perspektive
noch nicht einschätzen und überschätzte sie deshalb sehr. Jedenfalls sah Katan
sich ziemlich aufmerksam um, hatte aber wohl noch keinen von den beiden Welpen
entdecken können. Gut so! Das klappte ja schon prima! Beide hatten also wohl ein
gutes Versteck gefunden, was Katan nicht einfach so leicht ausfindig machen
konnte. Vielleicht müsste Aakalliko dann noch nicht versuchen, irgendwie zu
schummeln. Aber bei der nächsten Runde würde sich Katan wohl alles noch genauer
ansehen. Vor allem da, wo er noch nicht nachgeschaut hatte. Hinter dem Stein zum
Beispiel, wo jetzt Aakalliko saß! Er war ein wenig aufgeregt, entdeckt zu
werden. Seine Muskeln waren schon ein wenig angespannt. Die Aufregung war
beinahe so groß, dass er sie kaum noch halten konnte und er kurz davor war,
loszulaufen. Natürlich war das jetzt noch völlig überflüssig. Außerdem würde er
dann sofort entdeckt werden und das Spiel wäre für ihn vorbei.


Die dunkle Wölfin
lächelte sanft, als sich Kiba zu ihnen gesellte. Seine Nähe genoss sie umso
mehr, da sie in ihm einen so guten Freund sah. Liebevoll zupfte sie ihn kurz am
Ohr und lauschte seinen Worten genauso, wie denen von Niagara.

"Ja...die Luft ist voller Veränderungen..."

,wiederholte sie etwas leiser als zuvor und ihr Blick glitt kurz über den Platz
vor ihnen. Mit einem Lächeln beobachtete sie das Versteckspiel von Katan mit
einem ihrer Welpen und einem Welpen von Darkjania. Es tat gut zu sehen, dass sie
das Leben genossen. Es waren Welpen, Welpen hatten Spaß zu haben. Der Ernst des
lebens würde sie noch früh genug ereilen.
Sanft stupste sie Niagara an und nickte leicht zu ihren Worten. Die Zeit brachte
Neues, immer schneller und mit immer weniger Ruhepausen dazwischen. Auf Kiba`s
Frage zuckte sie kurz mit den Ohren und legte ihren Kopf gleichermaßen an seine
Seite.

"Ich bin umgeben von Freunden und meinen Liebsten...mein Leben ist wunderbar,
so wie es ist..."


Ihre Stimme war sanft und die Worte aufrichtig. Was auch immer kommen mochte, es
würde kommen. Ob man den Augenblick jetzt nun genießen mochte oder nicht. Wieso
also sollte man diese kurzen Momente der Ruhe und Freundschaft, der Nähe und
Wärme ausfallen lassen?
Abermals zupfte sie mit ihren Zähnen sacht an Kiba`s Ohr, kaute ein wenig darauf
herum und hob erst den Kopf, als sich Sharila auf sie zubewegte.
Fragend musterte sie die Wölfin.


Der kleine Rüde war
mit der ganzen Situation vollkommen ausgelastet. WÄhrend er in seinem Versteck
gelegen war und auf die Zahlen von Katan gelauscht hatte, hatte er Aakalliko
beobachtet, wie er sich ebenso ein Versteck gesucht hate. Doch der braune Kopf
war sofort im Schatten des Baumstammes verschwunden, als sich Katan`s Zählung
dem Ende zuneigte und als er schließlich die finale Zahl aussprach kauerte
Kyrraine, der ultimative Versteckungskünstler - wie er sich selbst bezeichnete-
etwa in der Mitte des hohlen Baumstammes, den Kopf auf den Pfoten abgelegt und
beobachtete angespannt die Pfoten Katan`s, die bereits das zweite Mal sein
Blickfeld passierten um nur gleich darauf erneut zu verschwinden. Einen Moment
noch lauschte der junge Rüde den verhallenden Schritten, dann war es wieder
ruhig geworden, da draußen. Aufmerksam drehten sich seine Ohren. Immerhin wollte
er es vermeiden überrascht zu werden. Dann fiel sein Blick auf eine Stelle im
inneren des Baumstammes und er zog irritiert die Nase kraus. Hatte sich da
gerade etwas bewegt?
Ganz langsam zog er sich ein paar Zentimeter nach vorne, darauf bedacht kein
Geräusch zu verursachen und schnupperte leise. Eigenartig. Zu riechen war da
nichts. Aber da! Schon wieder!
Die Nase des Kleinen zuckte, als seine Augen im Dunkeln eine eigenartige Gestalt
ausmachten, erst sah sie aus wie ein Ast, dann jedoch bewegte sie sich wieder.
Ganz langsam und bedächtig. Hatte dieses Ding da tatsächlich 8 Beine?
Kyrraine war so fasziniert, dass er für den Moment sogar vergaß, dass er da
draußen gesucht wurde.


Yukí hielt inne,
bemühte sich darum, still zu stehen, damit Faite festen Stand hatte. Das war das
wichtigste für sie. Was interessierten sie die anderen? Ihre Freundin war
wichtig. Und die anderen sollten sich fernhalten. Aszira verschwand und machte
irgend etwas, was sie ebenso wenig interessierte. Sollten sie doch alle machen,
was sie wollten. Ihre Ohren stellten sich ruckartig auf, als sie sah, wie Aramis
sich näherte. Sie zog die Lefzen hoch. Sie sollten alle Abstand halten, auch
Noir. Yukí würde nicht davor zurück schrecken, sie anzugreifen. Seine Worte
ließen ihre Lefzen zurück sinken, aber ihr Körper blieb trotzdem angespannt.
Jeden Moment war sie bereit, anzugreifen. Kurz wandten sich die hellen Augen an
Noir. Sie hatte recht. Faite brauchte Ruhe und etwas Essbares. Aber erst ein mal
mussten sie einen ruhigen Platz finden, wo nicht gleich das ganze Rudel um sie
herum wuselte. Als Faite etwas sagte, drehte die beige den Kopf zu ihrer
Freundin, ein mattes Lächeln zierte die dunklen Lefzen.

Du weißt doch, das ich dich immer so nennen werde. Du hast keine Chance. Und
ich bin schuld. Red mir das nicht aus. Da hast du sowieso keine Chance, das
weißt du genau so gut.“


Yukí seufzte. Es war wie es war. Und niemand würde der Schwarzen zu nah kommen.
Bei den weiteren Worten der Fähe hob Yukí Árashi skeptisch eine Augenbraue.

“Erzähl was du willst, ich glaub dir eh nicht.“

Dann schaute sie wieder zu Aramis. Noir war gegangen und nun standen sie da,
alleine mit dem Alpha. Als Faite Kyro ansprach, stellten sich die Ohren der Fähe
auf und sie sah zu Aramis. Die Beige wartete nicht, sie wusste was zu tun war.
Aramis hätte ihr nun vielleicht alles erklärt, die ganze Geschichte. Sie konnte
sie womöglich nicht ganz erzählen, aber trotzdem.. Aber Noir kam ihr zuvor.

“Ich erklär dir später alles, Faiti. Du solltest dich jetzt ausruhen. Ich
kenn dich gut genug. Also los..“


Kurz sah sie zu Aramis und Noir. Sie hatten ihre Aufgabe als Alpha übernommen,
aber hier wurde ihre Hilfe erst ein mal nicht mehr gebraucht. Sie würde sich
schon um Faite kümmern. Und wenn sie Hilfe brauchte.. wusste sie ja, zu wem sie
gehen konnte. Dafür war der Alpha immerhin da. Abwartend sah sie wieder zu ihrer
Freundin. Jetzt.. konnte eigentlich alles nur besser werden. So hoffte Yukí
zumindest.


Aramis wartete
einfach. Ruhe drang durch ihn hindurch und auch seine Haltung sprach von nichts
anderem. Sein Blick lag auf Yuki und sie konnte sehen das er keineswegs
nachtragend war. Ihre erste Begegnung mochte keine Glanzleistung gewesen sein,
aber Aramis war kein Wolf der noch Wochen danach wütend war. Eines hatte er in
diesem Rudel gelernt, jeder Wolf war anders und jeder Wolf verdiente es
akzeptiert zu werden. Er hatte keine Angst vor Yuki und so trat er noch einen
Schritt an sie und die fremde Fähe die wohl Faite hieß heran.

“Ich bin Aramis…” ,

stellte er sich kurz vor, jeder verdiente es zu wissen mit wem er es zu tun
hatte. Und doch ließ er das Alpha außen vor. Nicht immer war es wichtig auf
seinen Rang zu pochen und jetzt war einer dieser Momente

“Yuki? Wenn du Hilfe brauchst… ruf mich..” ,

sagte der Alpha ruhig zu der besorgten Fähe. Sein Blick war ernst, aber nicht
herausfordernd. Es war ein kein wirkliches Angebot, eher ein Hinweis der
wahrgenommen werden sollte. Kurz sah er sich um, dort hinten war ein
abgeschirmtes Plätzchen was er Tage zuvor entdeckt hatte. Dort würde de Fähe
sicher Ruhe finden

“Dort hinten… “,

Er deutete mit der Schnauze etwas tiefer in den Wald.

“… gibt es ein ruhiges Plätzchen… eine alte Dachshöhle und genug Büsche drum
herum… nur als Vorschlag…”
,

er wedelte leicht und nickte dann Yuki zu. Es war ihre Entscheidung. Langsam
trottete er wieder zurück zum Rudel, als er Lunar auf sich zukommen sah. Mit
einem Fremden. Das Rudel blieb auch nie bei einer Größe. Wenigstens konnte er
sich auf viele Wölfe verlassen und ein wenig bezog er in diese kleine Gruppe
auch Lunar ein. Schließlich schleppte dieser immer öfters die neuen an.
Er blieb stehen und sah den fremden Wolf an, abschätzend und doch freundlich.

“Meine Grüße, Fremder… ich bin Aramis…”,

stellte er sich zum zweiten Mal in kurzer Zeit vor. Das Lunar dem Fremden
verraten hatte das er der Alpha war, setzte er scheinbar voraus.


Die Braune sah
erschrocken die Reaktion des Rüden, der im ersten Moment ein klein wenig ruhiger
zu werden schien, und beim Anblick des toten Hasen schliesslich umkippte. Die
Welpen wurden ebenso unruhig, versteckten sich ängstlich und flüchteten
schliesslich - vielleicht war es besser so...Felice nahm nun den Hasen, schob
ihn weit von Shien weg und legte sich schliesslich neben den Rüden, Sichtschutz
und Schutzschild in einem. Sharilas Worte liessen sie wieder aufblicken, und sie
nickte, während sie begann, dem Rüden leise zuzumurmeln, ohne Sinn, ohne
Bedeutung, nur ein sanftes, ruhiges auf und ab ihrer Stimme.

"Geh nur...ich tue was ich kann"

klang es nicht viel lauter als schon zuvor zu der Weißen, und wieder versuchte
sie es mit leisen, ruhigen Worten, denen sie zudem einen sanften Klang mit auf
den Weg gab.

"Ist schon gut, Shien. Du hast nichts getan, es ist alles in Ordnung. Ganz
ruhig, es passiert nichts. Alles ist in Odnung, verstehst du? Niemand tut dir
etwas, und du tust auch niemandem etwas. Es ist alles gut...schhh..."


die gelben Augen lagen noch immer sorgenschwer auf denen des Rüden, und langsam
schob sie sich etwas näher zu ihm hin, legte den Kopf auf seine Schulter und
säuselte in einem fort.

"Ruhig, ganz ruhig...bleib, es ist alles gut, es ist alles gut, ruh dich
aus...du brauchst nicht weglaufen, dir passiert nichts, ganz ruhig...ruhig
Großer, ist schon gut..."


Ihre Augen hatte sie geschlossen, um sich selbst noch mehr zu beruhigen, ihren
eigenen Herzschlag gleichmäßig werden zu lassen. Nun sah sie wieder auf, suchte
Sharila mit den Augen, konnte sie aber nicht mehr sogleich ausmachen und senkte
die Lider wieder.
Leise, ganz leise, lies sie neue Worte auf den Rüden einregnen, sanft und
vorsichtig formte ihre Stimme ein Lied, viel zu zart für jene groteske Situation
und vielleicht doch dass einzig Richtige.

"Es gibt kein Dunkel in der Welt,
die Sonne durchdringt selbst die Nacht,

solange du mich sicher hälst,
solange du über mich wachst.

Es gibt keine Schatten mehr,
das Licht ist gleißend - immerdar,
bei dir fällt alles von mir ab, was schwer
mir auf den Schultern lag.

Es gibt nur uns und niemand' sonst,
die Welt gehört uns ganz allein,

wir steh’n im Auge des Orkans,
und werden doch unsterblich sein..."


Es schien eine Ewigkeit zu vergehen in der die Braune das Lied Noris sang, der
letzte Gruß an ihre verlorene Schwester, der nun das Herz des Schwarzen
beschwichtigen sollte. Welche Worte könnten zu diesem Zweck besser sein als jene
von reiner Geschwisterliebe?


Eine ganze Weile
verbrachte Katan nun schon damit, umherzulaufen ohne wirklich seine Sinne zur
Suche zu benutzen und so langsam wurde es ihm, dem verspielten Weißen, zu
langweilig, nicht richtig zu spielen. Er beschloss, dass nun genug Zeit
verstrichen war, sodass beide Welpen sich gut versteckt fühlten, also würde er
nun schauen, wie gut ihre Verstecke wirklich waren. Zunächst schlenderte er
hinüber zu dem Gebüsch, das Aakalliko von seinem Stein aus sehen konnte. Langsam
pirschte er sich daran an, beobachtete mit gerecktem Hals und lauerte darauf,
dass eine kleine Bewegung einen der Welpen in seinem Versteck verriet, doch die
Blätter des Gesträuchs blieben reglos. Vorsichtig steckte Katan seinen hellen
Kopf hinein, doch nichts als Blattwerk erreichte seine Augen und auch seine
Nase, denn atmen, dass musste er schließlich trotzdem noch. Heiter zog er sein
Haupt wieder heraus und blickte sich um. Wo könnten die Welpen noch sein? Er
hatte noch nicht in die Richtung des Steins gesehen, hinter dem Aakalliko saß,
doch sollte er es tun, würde der Welpe ihm sofort ins Auge fallen, falls er
nicht um den Stein herumlief. Doch noch bevor es dazu kommen konnte, sah Katan
ein weiteres potentielles Versteck: einen alten Baumstumpf. Fröhlich trabte er
hinüber und besah das gute Stück. Der morsche Stumpf war zwar innen hohl, doch
kein Welpe saß darin und auch dahinter war nichts zu sehen.

"Wo sind die bloß?"

Murmelte er, dann trabte er weiter in Richtung des hohlen Baumstammes. Er hatte
eigentlich erst gar nicht hineinsehen wollen, doch was war das? Eine winzige
Pfote guckte am einen Ende des Stammes heraus und tapste nach einem Krabbeltier.
Ja, die Neugier konnte eine Last sein, dachte er grinsend bei sich und in
wenigen großen Sätzen war er dort. Vorsichtig patschte er mit seiner großen
Tatze auf die kleine Welpenpfote.

"Hab dich!"

Lachte er und linste in den Baumstamm hinein. Es war Kyrraines Gesicht, welches
ihm entgegenkam. Damit hatte er wohl nicht gerechnet.


Im Taumel drehte sich
alles nur um ihn, um die eigene Achse und der Auslöschung seines Seins. Wie der
Reigen, der sich munter immer weitere Bahnen drehte und den Rüden aus seinem Sog
nicht heraus lassen wollte. Als wäre er zur Salzsäule erstarrt lag Shien so
zusammen gekrümmt, wie er gestürzt war, jeden Augenblick damit rechnend,
schikaniert und gezüchtigt zu werden. Die Ohren waren so hart es ging angelegt,
der Körper geduckt und auch die Rute so feste es ging an den eigenen schmalen
Körper gepresst. Die Augen, schreckensstarr und ängstlich, hatten sich nicht ehr
geöffnet, blieben zusammengekniffen in der Überzeugung, wenn er nicht hin sah,
würde es vielleicht aufhören. Als die sanfte Stimme Sharlias an seine Ohren
drang, zuckte kurz die Spitze, dennoch blieb der Rüde so liegen.

.oO(Du verdammtes Weichei! Scheiß Köter!)

Die Stimme in seinem Kopf rollte tobend heran wie ein Gewitter und explodierte
wie Donnerkrachen. Sofort schreckte der Schwarze noch mehr zusammen, machte sich
noch kleiner als er in diesem Augenblick war, wie ein verängstigter Welpe. Ein
Welpe ohne Bezug.
Was um ihn herum geschah, das Welpen vor ihm flohen – wo er doch ein
aufrichtiges Herz am rechten Fleck besaß – wusste er nicht, er sah es nicht, er
hörte es nicht. Da war nur dieses Grollen und Tosen, die Stimmen, die wirr auf
ihn einredeten.
Ein leiser Kehllaut, ein klägliches, jämmerliches Winseln entfloh ihm. Er hatte
dies doch gar nicht so gewollt. Nie, nie. Niemals hätte er so was zu gelassen,
es war seine eigene Schwäche, sein Fehler.

.oO(Verdammtes Mistvieh! Sieh zu, dass du mal etwas auf die Reihe kriegst! Na
los, beweg deinen Hintern!
)

Gerade als der Schmerz in seinem Innern wieder zu Höchstformen auflaufen wollte,
der Rüde in der Tat drauf und dran war blindlings los zu preschen, erklang
wieder eine zarte Stimme an seiner Seite. Überrascht blieb Shien liegen,
lauschte dem Klang der Worte, nicht ihrem Inhalt. Der Klang war schön, als wäre
er verzaubert. Zitternd richteten sich die Ohren ein Stück weit auf, lauschend,
um keine Sekunde zu verpassen. Selbstverständlich immer darauf bedacht nicht zu
aufmerksam zu wirken, die Befürchtung war zu groß, dass man ihm in die Ohren
beißen würde. Wieder jammerte der Albtraumtänzer leise, wie ein verschreckter
Jungwolf, als ein Lied die Dunkelheit zerriss.
Ein einfaches Lied, so schön und einmalig, wie er es noch nie zuvor gehört
hatte. Er erinnerte sich daran, dass seine Mutter, als er selber noch ganz klein
war, ab und an Melodien gesummt hatte. Aber nie gesungen. Diese Stimme sang aber
und es hatte einen solch schönen Klang, voller Ruhe, aber irgendwo auch voller
Melancholie, die dennoch hinzu gehörte und einen Teil dieser Ruhe ausmachte.

Als würde er nach einer langen Wanderung seines Geistes wieder zurück kehren,
bemerkte er erst jetzt das etwas warmes an seiner Schulter lehnte. Unsicher
blinzelten die grün-braunen Augen und er erkannte nach mehrmaligem
hinüberlinsen, dass es die Braune war. Sie sang noch immer und es gefiel ihm. Es
gefiel ihm sogar sehr. Viel entspannter lehnte er die Ohren zurück und seinen
Kopf gegen das braune, herbstlich wirkende Fell. Ein klein wenig... er wollte
ein klein wenig Wärme spüren, bevor er aus diesem schönen Traum aufwachte.


Der Blick aus den
Himmelsaugen war noch immer vollkommen eingenommen auf das seltsame Wesen
gerichtet. Die Nase befand sich kaum 10cm vor dem Tierchen und immer, wenn er
die Luft prüfend einzog, erzitterte das Tierchen sacht. Dabei zuckte es einmal
mit dem einen Bein und ein andermal mit einem anderen. Beine schien es ja genug
zu haben. Es war schon verrückt, was der Himmel alles ausgespuckt zu haben
schien. Tiere mit vier Pfoten, so wie er es war, Tierchen mit Spingbeinen,
Tierchen mit Flügeln und Tierchen ohne Flügel wie dieses Wassertiere. Und nun
Tiere mit 8 Beinen!
In diesem Moment stellte Kyrraine, der kleine zweimonatige Welpe, fest, dass die
Welt noch großartriger war, als er es sich vorgestellt hatte.
Ganz langsam hob er eine Pfote und verharrte so einen kleinen Moment. Das
Köpfchen schräg gelegt, den Blick auf das kleine Tier gerichtet und die Pfote
kurz davor in der Luft hängend. Dann streckte er den Hals näher und senkte die
Stimme.

"Du bist ein Himmelstier, genauso wie ich. Und du bist toll...pass gut auf
dich auf!"


Seine Stimme war nur ein Hauch und beinhaltete einen verschwörerischen Unterton.
Für ihn war klar, dass egal wie klein das Tierchen auch sein mochte, für ihn war
es etwas besonderes. Ein jedes Leben war etwas besonderes.

Mit funkelnden Augen blickte Kyrraine auf, als mit einem Mal eine große Pfote
auf der Seinen landete. Doch er war nicht wirklich erschrocken, beinahe hatte er
das Spiel schon vergessen. Die leuchtenden Augen richteten sich auf den großen
Rüden.

"Sieh nur! Ich habe ein Achtbein gefunden. Es ist toll!"

Es sprach soviel welpische Begeißterung aus seinen Worten, dass sich seine
Stimme vor Ehrfurcht beinahe überschlug. Tänzelnd trippelte er einen Moment auf
der Stelle. Sein Blick schwankte zwischen Katan und dem Achtbein hin und her.

Das war alles so aufregend!
Nach einer Weile sprang der kleine aus dem ehemaligem Versteck und achtete dabei
darauf, dass er das Achtbein nicht berührte um es nicht zu verletzen.
Neben Katan kam er zum stehen und blickte zu dem großem Rüden vertrauensvoll
auf. Sein Fell war zerzaust und mit Erde, Staub und Spinnweben verklebt. Doch
der Blick war klar wie eh und je.

"Sag Katan...ist die ganze Welt so großartig? Der Himmel muss sehr mächtig
sein, wenn er solches Leben hervorbringt. Und dann noch so viele Arten von
Leben! In der Luft, im Wasser, in der Erde, im Dunkeln, im Licht..."


Kurz ging ein Beben durch den kleinen Körper und er blickte hinauf zum Himmel.
Und als er mit seinen blaugrauen Augen den Himmel bestaunte wusste er, dass da
draußen bestimmt noch viel mehr Leben war. Leben, dass vielleicht nur wenige
gesehehn hatten . Und er hatte keine Angst davor, nein niemals. Denn er würde
derjenige sein, der all dieses Leben besuchen würde. Er würde es suchen und
finden und dann würde er es kennenlernen. Und er würde den anderen davon
erzählen. Alle mussten wissen, wie großartig die Welt war.
Zufrieden schloss der kleine Wolf kurz die Augen und blickte sich dann entspannt
um.

"Aakalliko hat gewonnen"

Es lag kein Unmut in diesen Worten, denn jedes Leben war eben in etwas anderem
gut. Aakalliko war der bessere Verstecker, doch er, Kyraine, würde derjenige
sein, der die Welt entdeckte.


Einen Moment hatte er
Kyrraine entdecken können. Er saß in einem sehr alten Baumstamm, der schon
ziemlich marode war, sodass in den Holz schon einige kleine Löcher waren – die
man zumindest von Aakallikos Sicht aus sehen konnte - und man dort hinein
schauen konnte. Aber Aakalliko wollte sich nicht wirklich mit der
Versteck-Technik seines Freundes beschäftigen. Lieber hörte er den schritten
Katans zu. Er suchte noch immer die Gegend genauestens ab und hielt nach den
Welpen Ausschau. Noch immer schien er ganz planlos zu sein und noch keinen von
den Beiden entdeckt zu haben. Doch schon kurz danach kam Katan Aakallikos
Versteck sehr nah. So blieb er ganz still, atmete ganz leise und bewegte sich
keinen Millimeter, um auch kein Geräusch zu verursachen. Na das hatte wohl
geklappt! Schließlich sah Katan im Gebüsch nach, was er eigentlich zum Schummeln
eingeplant hatte. Ganz leise und Vorsichtig ging er einige kleine Schritte
zurück, um nicht in Katans Blickfeld zu gelangen. Er kam zu dem Entschluss, dass
sich da doch kein Welpe in dem Gebüsch aufhielt. Vielleicht waren da nur wieder
Frösche und andere von diesen komischen Tieren! Aber auch egal! So etwas
interessierte Aakalliko jetzt gar nicht. Sein Ziel war es, diese Versteck Runde
zu gewinnen, um fröhlich und stolz auf sich zu sein können. Als Katan sich
erneut fragte, wo denn die Welpen seinen, musste Aakalliko kichern. Es war
wirklich sehr lustig für ihn, dass der große Wolf ihn gar nicht fand. Ziemlich
stolz war er deshalb auch noch auf sich, denn er hielt es für eine besondere
Leistung! Als Kyrraine dann auch schon nach nur kurzer Zeit entdeckt wurde,
wusste er, dass er gewonnen hatte! Aakalliko konnte sich am längsten versteckt
halten und wurde kein einziges Mal entdeckt! So hatte er also gewonnen. Fröhlich
kam er aus seinem Versteck heraus und musste sich erst einmal umsehen, um Katan
und Kyrraine zu finden. Da waren sie ja! In kaum einigen Metern Entfernung waren
sie zu sehen. Irgendetwas schien Katan entdeckt oder gefunden haben. Das wollte
Aakalliko sich auf keinen Fall entgehen lassen! So tapste er auf die Beiden zu
und grinste sie fröhlich an.

“Juhu! Ich habe gewonnen!“

Jubelte er für sich selbst. Immer zu gewinnen war einfach super für ihn! Doch
bald musste er auch noch lernen, dass auch Verlieren zum Leben dazugehörte. Man
konnte einfach nicht immer bei allem der Sieger sein. So gut konnte wirklich
niemand sein. Es war wichtig für ihn, es zu lernen. Sonst würde er irgendwann
einmal sehr enttäuscht sein, wenn er dann das erste Mal verlieren würde. Das
würde Aakalliko dann nicht verstehen können.

“Kyrraine…! Aber ich finde, dass du auch gut warst!“

Freundlich zwinkerte er dem anderen Welpen zu. Er sollte nicht traurig oder
wütend sein, dass er dieses Mal verloren hatte. Vielleicht würde er ja beim
nächsten Spiel mehr Glück haben! Dann wanderte Aakallikos Blick zu Kyrraines
Fund. Es war ein komisches Tier! Acht! Acht Beine konnte Aakalliko zählen! Wie
interessant! Außerdem war es von einer ganz anderen Art. Genau wie dieser
Frosch, der vor gar nicht so langer Zeit Aakallikos Fund gewesen war. Es sah
ziemlich komisch aus, wie sich das achtbeinige Tier fort bewegte. Komisch, dass
sich diese vielen Beine beim Fortbewegen nicht verhedderten!

“Du hast ja etwas interessantes gefunden! Das ist bestimmt wieder so ein
komisches Tier, was ganz anders ist, wie wir! …So wie der Frosch meine ich!“


Wie viele verschiedene Wesen würde es denn wohl noch geben? Jeder Tag war
einfach wie ein Abenteuer. Man konnte andauernd andere Formen von Leben kennen
lernen und sie auch noch beobachten! Außerdem lernte man somit auch immer dazu
und kannte auch immer mehr. Wenn man dann diesem Tier erneut begegnen würde,
würde man sofort wissen, worum es sich denn da handele!


Niagara hatte
aufmerksam zugehört. Jedes Wort genaustens studiert. Immer noch lag ihr Kopf auf
ihren Vorderpfoten. Lange hatte sie den Welpen und Katan zugeschaut beim
spielen. Jetzt hatte Katan einer der Welpen entdeckt. Ein wirklich süßes Spiel,
fand die Wölfin. Langsam nahm sie den Blick von der kleinen Gruppe und blickte
die neben ihr stehende Fähe. Ein leiser Seufzer entkam aus ihrem Munde, ehe sie
antwortete:

„Wie ist es eigentlich eine Familie zu haben? Ist es toll, die Welpen
anzuschauen und zu denken, das die von einem selber sind. Das du die Welpen
geschaffen hast? Ist das ein schönes Gefühl?“


Leicht verträumt blickte Niagara in den Himmel. Irgendwann wollte sie auch
selber Welpen haben. Mit ihrem Traum Wolf. Der für sie da ist und dem sie
vertrauen konnte. Leicht in Gedanken malte sie sich schon aus, wie sie aussehen
könnten. Vielleicht weiß, wie ihre Mutter es war, oder ganz dunkel wie ihr
Vater. Zurück in der Realität fragte sie dann:

„Hast du nicht Angst, wenn die Welpen ständig unterwegs sind, also nicht
immer in Sichtweite? Ich würde meine Welpen immer bei mir behalten, so dass sie
geschützt sind? Oder währe dass keine so gute Idee?“


Leicht irritiert blickte sie Lajila an. Es war schon verdammt schwer, die
Erziehung seiner eigenen Welpen richtig auf die Pfoten zu kriegen. Schließlich
wollte sie nichts Falsches machen, so dass ihre Welpen später irgendein Leiden
hätten. Interessiert blickte sie ihre Freundin an.


Katan war sehr froh,
dass es für Kyrraine nicht ärgerlich war, gefunden worden zu sein. Auch
Aakalliko schon damit gut umgehen zu können, den er sprach seinem Mitspieler
Respekt aus und wirkte überaus fröhlich über seinen Sieg. Gemeinsam mit den
beiden Welpen sah er auf das Krabbeltier hinab, welches Kyrraine im Baumstamm
aufgelesen hatte. Es war zu amüsant, dass die beiden Welpen so erstaunt waren
über das kleine Geschöpf. Hatte er die Welt auch als so wundersam empfunden, als
er klein war? Ihm kam es eher so vor, als wenn er als Welpe sehr auf seine
Bedürfnisse und auch eher auf andere Wölfe fixiert gewesen war, als auf seine
Umwelt. Erst im Laufe der Zeit hatte der Rüde die Schönheit der Natur schätzen
gelernt, in all ihren Farben und Formen. Er belächelte die Frage Kyrraines und
dachte darüber nach, wie er diese Frage am besten beantworten sollte. Zu
erklären, wie großartig die Welt war, das war ein gutes Stück. Er sah von dem
achtbeinigen Tier auf und blickte die beiden Welpen an.

"Ich kann dir gar nicht sagen, wie groß und großartig diese Welt ist, Kyrraine,
denn obwohl ich viel herumgekommen bin, alles habe ich nicht gesehen und das
werde ich auch nicht. Dafür ist ein Wolfsleben zu kurz und ein Wolfsauge nicht
gut genug."

Er blickte hinauf zum dunkler werdenden Himmel. Langsam wanderten seine Augen
den Horizont entlang, wo ein letzter Streifen orangefarbenen Lichtes erglühte.

"Diese Welt, in der wir leben, ist so voller Wunder, dass keiner von uns sie
je ganz erfassen kann und genau das macht das Leben so aufregend - man lernt
niemals aus und an keine zwei Tage verlaufen jemals gleich. Egal wie lange du
lebst, es wird immer wieder Neues für dich geben. Dinge, die dir fremd sind,
aufregende und unspektakulärere Dinge, offensichtliche und versteckte
Begebenheiten."


Lächelnd sah Katan zwischen den beiden Welpengesichtern hin und her. Sie waren
so niedlich und schon bald würden sie erwachsen sein, denn die Zeit flog nur so
dahin. Niemand konnte sie je aufhalten und nichts, was getan ist, könnte je
ungeschehen gemacht werden.

"Betrachtet all die guten und schönen Dinge im Leben, dann wird euer Leben
von Freude und Glück durchzogen sein. Tragt die Sonne im Herzen und ein Lächeln
auf dem Gesicht, dann wird jede Dunkelheit an euch vorüberziehen, ohne, dass ihr
davon berührt werdet. Ihr werdet Dinge sehen, zu schön für eure irdischen Augen,
werdet Melodien hören und Düfte wahrnehmen, welche euch den Kopf verdrehen.
Diese Welt ist vollkommen und wunderschön."


Seine Augen wanderten langsam zu dem Tier zurück, welches Kyrraine aufgespürt
hatte. Es hockte noch immer zwischen ihnen auf dem Boden. Wahrscheinlich hatte
es keine Ahnung, wie ihm geschah. Katan deutete mit der Pfote auf das Wesen und
grinste.

"Das da ist übrigens eine Spinne und ich kann von mir behaupten, dass ich
schon Tiere mit mehr Beinen gesehen habe. Könnt ihr euch das vorstellen?"


Als Aakalliko dazukam
erhellte ein Lächeln die Züge des Jünglings. Oh, er war nicht wütend oder sauer.
Spielerisch pfotete er kurz nach seinem Altersgenossen, wie um ihm zu zeigen,
dass er keinen Groll empfand. Es war ein Spiel und da gab es meist einen
Gewinner und einen Verlierer. Aber auch der Letzte konnte dabei gewinnen, und
wenn es nur Erfahrung und Wissen war.
Der Blick Kyrraine`s huschte zu Katan und er lauschte seinen Worten andächtig.
Seine Erzählung über die große Welt lies den kleinen Welpenkörper erzittern.

"Wieso geht kein Rudel hinaus, um die ganze Welt zu entdecken? Und wenn sie
es nicht schaffen könnten ihre Welpen die Reise fortsetzen und das Wissen
weitergeben!"


Die Himmelsaugen funkelten in stiller Überzeugung seiner Worte. Wenn man die
ganze Welt kannte, dass würde man auch alle Gefahren kennen und könnte ihnen
doch viel besser ausweichen oder etwas dagegen tun! Die Gedanken formten sich in
dem kleinen Köpfchen zu einem noch etwas unreifem Plan. Wenn er groß war, dann
würde er ein Rudel durch die gesamte Welt führen. Bestimmt. Seine Schwestern
würden ihn bestimmt begleiten. Vielleicht auch Aakalliko. Und sie alle würden
sehen, was noch nie jemand gesehen hatte.
Während der Plan in dem kleinen Welpen, einem Samenkorn gleich, Fuß fasste
richtete sich der Blick des Kleinen wieder auf das Achtbein. Eine Spinne also.
Was es nicht alles gab.

Die Rute des kleinen glitt von einer Seite auf die andere und die Augen
strahlten voller Begeißterung, als er mit kleinen Sprüngen um Aakalliko
herumtanzte.

"Wir werden immer Lächeln, nicht wahr Aakalliko? Und wir werden auf alle
aufpassen und schauen, dass es niiieeeemals dunkel wird. Und solange wir da sind
wird auch nichts passieren können! Nicht wahr, Aakalliko?"


Nun sprach wieder der Welpe aus Kyrraine. Und wenn er einmal gehen würde, dann
würde seine Erinnerung dableiben und das Dunkle verjagen. Ganz bestimmt.
Immerhin hatte Katan ja gesagt, dass die Welt vollkommen war. Und auch der
kleine Himmelswelpe wollte daran glauben. Die Welt war vollkommen, also
interpretierte er das ganze etwas falsch und legte es welpentechnisch als - Es
konnte ja nichts schlimmes geschehen, wenn die Welt so toll war - aus.

"Noch mehr Beine?"

Ohne in seinem trippelndem Tanz inne zu halten hob Kyrraine den Kopf und blickte
hinauf zum Himmel. Noch mehr Beine...wenn es schon soviele Beine gab, wieviel
Leben musste es dann erst geben...


Aakallikos Vermutung
hatte sich bestätigt. Auch Katan hatte gesagt, dass man immer etwas Neues
dazulernte. Jeder einzelne Tag würde irgendwie anders sein, als all die anderen
davor. Das Leben war Tag für Tag ein großes Abenteuer. Nur er fand es wirklich
sehr schade, dass ein Leben nicht ausreichte, um alles zu sehen und zu erfahren.
Er war so neugierig, dass er wirklich alles wissen wollte. Nichts sollte ihm
entgehen. Doch über das Ende hatte er eigentlich noch gar nicht nachgedacht.
Einen Welpen interessierte dieses Thema wohl kaum. Schließlich befand er sich
doch gerade erst ganz am Anfang seines Lebens. Es würde noch soviel geschehen
und so lange Zeit vergehen, in der man viele Abenteuer erleben konnte. Das Ende
lag in ferner Zukunft, an die jetzt noch niemand dachte. Außerdem würde man ja
auch nicht wissen, was dort alles geschehen würde. Jeder neue Tag war wie eine
Überraschung. Irgendetwas würde immer passieren, doch man wusste einfach nie,
was es denn sein würde. So gab es einen Grund für Aakalliko sich auch auf jeden
neuen Tag zu freuen.

Interessiert sah er Katan an. Dieses Tier nannte sich also „Spinne“. Und was
hatte er da noch zu gesagt? Ein Tier mit noch mehr Beinen, als das da direkt vor
ihren Nasen? Wie ungewöhnlich und kaum vorstellbar! Dieses Tier sah mit den
vielen Beinen schon so komisch aus…und dann noch eines mit mehr Beinen? Wie
funktionierte das? Aakalliko konnte sich das mit den vielen Beinen gar nicht
vorstellen. Er würde damit ganz durcheinander kommen und sie andauernd
verheddern. Es war also wohl nicht so einfach für diese kleinen Krabbler,
vorwärts zu kommen.

“Ein Tier mit noch mehr Beinen? Aber…aber…das geht doch gar nicht! Das Tier
kommt doch dann ganz durcheinander und die vielen Beine verheddern sich dann!
Guck doch mal wie diese Spinne läuft! Das sieht doch schon verdammt kompliziert
aus! Und nein, ich kann mir das nicht vorstellen! Das ist doch wirklich sehr
komisch! Wie viele Beine hatte das Tier denn, was du gesehen hast?“


Plapperte er wild drauf los. Fragend legte er das kleine Köpfchen schief. Dann
sah er Kyrraine an, der um Aakalliko herumhopste. Auch dieser konnte nicht
wirklich verstehen, dass es Tiere mit mehr als acht Beinen gab. Verständlich.
Das, was er sagte, war vielleicht ein wenig übertrieben. Die beiden kleinen
Welpen würden wohl nicht auf alle aufpassen können, was ihnen aber natürlich gar
nicht bewusst war.

“Ja, das werden wir, Kyrraine!“

Stimmte er ihm freundlich zu und wedelte mit der Rute. Eine tolle Vorstellung
für einen kleinen Welpen. Helfen und auf andere aufpassen war immer eine sehr
gute Tat.


Kiba lächelte und
zuckte mit dem Ohr, an dem Lajila eben gezupft hatte, wild umher. Kurz warf er
den Blick erneut zu Shien und den anderen und bemerkte eine gewisse Anspannung.
Sofort aber glitt der Blick zu Lajila, als sie seine Vermutung, seine Angst
bestätigte. Es war etwas hier, nur was? War es gefährlich? Laut dem Pochen des
kräftigen Herzen des Rüden war es gefährlich, allerdings nicht einteilbar. Kiba
wusste ja nicht einmal, was es war. Leicht seufzend lehnte sich Kiba an Lajila
und genoss ihre Wärme und ihr Dasein. Er sah auf Aakalliko, der mit Katan und
Kyrraine Verstecken spielte. So ohne Sorgen und nur mit purer Freude am Leben,
der Welt, an allem. Kiba schmunzelte, als Katan dann Kyr fand und dieser
aufgeregt auf etwas zeigte. Sofort erinnerte sich Kiba an die versprochene
Abenteuerreise mit Lajila und ihren Kleinen. Das Versprechen war noch nicht
eingelöst, aber Kiba wollte es unbedingt noch tun, denn obwohl der Weisse sich
vorgenommen hatte, alle Welpen gleich zu lieben, so hatte der Rüde besonders
Aakalliko ins Herz geschlossen. Sein schwarzes Fell und dessen Augen waren genau
so hübsch wie jenes von Lajila, und Kiba hatte es bestimmt schon einige Male
erwähnt. Lächelnd sah Kiba zu Lajila, die wieder begonnen hatte, an seinem Ohr
zu knabbern, stupste die schöne Schwarze leicht an und lächelte sie herzlich an.

"Mein Leben ist auch schön, so, wie es ist. Mit dir, und dir auch, Niagara.
Mit unserer Familie."


Kiba leckte Lajila über den Nacken und brummte vor Zufriedenheit, lauschte ihrem
Herzschlag, der regelmässig ertönte und hätte gerne noch lange weiter zu
dagesessen. Kiba blickte auf und sah Sharila, die eben noch bei Shien war. Ihr
Blick lag auf ihm und etwas sagte dem Rüden, das etwas nicht stimmte. Sofort
stand Kiba auf und ging auf die Weisse zu, sah aber noch kurz zu seiner
schwarzen Schönheit zurück und nickte ihr lächelnd zu. Dann wandte er sich
endgültig an die Weisse, wartete etwas angespannt darauf, was los war und
schielte dabei auf Shien und Felice.

Während Sharila auf Kiba zuging, merkte
sie, dass sie bereits seine und auch die Aufmerksamkeit von Lajila auf sich
gelenkt hatte. Mit ihrem noch ruhigen Blick sah sie den beiden Wölfen entgegen,
wobei ihr jedoch nicht entging, dass auch Niagara bei ihnen stand. Der kurze Weg
gab ihr noch ein wenig Zeit zum nachdenken, wie sie ihre Bitte formulieren
konnte und wie sie Shiens Probleme mit Worten verdeutlichen konnte. Dabei wandte
sich ihr schönes Haupt noch einmal kurz zu dem Schwarzen, die neben Felice ab
Boden lag, bevor sich ihre Augen wieder auf jene Wölfe richteten, in dessen
Richtung sie nun lief. Mit federnden und eleganten Schritten überwand sie die
letzten Schritte, die sie von der kleinen Gruppe trennte und trat mit
entspannter und freundlicher Haltung, so wie man es nur selten von ihr sah, auf
die Drei zu. Mit einem Kopfnicken öffnete die Schneeweiße ihren Fang, um ihre
Begrüßung zu sprechen.

“Seit gegrüßt ihr drei“

Sprach Sharila den knappen Gruß, der jedoch weder unfreundlich, noch abweisend
klang. Nur war sie gerade nicht in der Stimmung, über andere wirre Sachen zu
sprechen, sondern wollte gleich auf das Thema Shien kommen. Ein ruhiger Blick
wurde noch allen geschenkt, bevor sie wieder zum Sprechen ansetzte.

“Ich bin gekommen, um Hilfe von dir, Kiba zu holen. Es ist Shien, ich fürchte
er leidet an irgendetwas, aber was es ist, vermag ich nicht zu sagen. Auch kann
ich nicht sagen, ob seine Situation schlimm ist, das Einzige, was ich weiß ist,
dass sein Verhalten eigenartig ist. Da ich gesehen habe, dass du dich vor
einiger Zeit noch mir ihm befasst hast, wollte ich deinen Rat erbitten und
hoffe, dass du ihm helfen kannst … Und ich hoffe, dass ich dich nicht zu einem
falschen Zeitpunkt erwischt habe.“


Versuchte die Eisprinzessin das Geschehen so kurz zu schildern wie sie nur
konnte. Abwartend sah sie den weißen Rüden an, der ein wenig kleiner war als sie
selber und ertappte sich dabei, wieder zu Ilja und Ayura geschielt zu haben,
bevor ihr Blick auf Shien und dann schließlich wieder auf Kiba traf. Ihre Augen
glänzten metallisch und beinahe gefühllos, doch daran konnte Sharila nichts
ändern. Sie wollte die Angelegenheit so schnell wie möglich regeln, denn mit dem
schwarzen Rüden hatte sie schon genug Zeit verschwendet. Ihre einzige Hoffnung
würde jetzt wohl Kiba sein.


Was auch immer in der
Luft lag, für den Moment vernahm Lajila nur innere Ruhe. Eine Art Frieden, den
sie nur in der Nähe ihrer engsten Freunde verspüren konnte. Wohlig streckte sie
sich und eriwederte auf das zufriedene Brummen des weißen Rüden mit einem
Lächeln. Es war schön so wie es war. Und was auch geschehen würde, es würde
diesen Moment hier nicht zerstören können.
Aufmerksam lauschte sie ihrem Schützling, der wohl bald alt genug war um ihren
Schutz nicht mehr zu benötigen. Doch auch wenn Niagara ihren eigenen Weg ging,
würde Lajila immer da sein um ihr weiter zu helfen. Solange es ihr möglich war
dies zu tun.
Mit einem Lächeln folgte sie dem Blick ihrer Freunde und beobachtete das Spiel
der Welpen und Katan`s. Genau das sollten Welpen tun. Spielen und mit Freude das
Leben entdecken. Die Frage der hellen Wölfin hallte in ihren Ohren nach und für
einen Moment erinnerte sie sich an ihren ersten Wurf.

"Es ist gut, Welpen zu haben..."

, fing sie leise an und wandte sich wieder zu ihrer Freundin, um sie sanft zu
mustern.

"Ich bin glücklich, Welpen zu haben, doch braucht es nicht Welpen um
glücklich zu sein. Sie sind nur eben...ein zusätzliches Glück zu allem anderen.
Mein erster Wurf war wunderschön. Ich denke jeder Wurf einer Mutter ist
wunderschön..."


, sie lächelte sacht und streckte sich wieder aus. Ihr Blick glitt in die Ferne,
ihre Gedanken in die Vergangenheit.

"Aylina, Nuke und Caruso...drei gesunde Welpen. Meine ersen Welpen. Und so
wie jede meiner Welpen werde ich keinen von ihnen je vergessen. Wenn man Welpen
hat und weiß, dass es die eigenen sind ist es..unbeschreiblich. Beim ersten Mal
hat man Angst. Sie sind so zart, so verletzlich und schutzbedürftig. Man hat
wenig Erfahrung, weiß nicht ob man etwas gut macht oder nicht. Aber wenn sie
heranwachsen, dann merkt man, dass man nichts falsch gemacht hat. Man muss
Welpen lieben, jeden einzelnen davon und doch jeden auf eine andere Art und
weise, denn alle sind sie unterschiedlich.
Man sieht sie aufwachsen und merkt, dass sie etwas von sich selbst haben und
doch soviel eigenen Charakter. Und das ist gut so. Kein Welpe gleivcht dem
anderen, ein jeder muss später seinen eigenen Weg gehen und wären sie gleich,
dann wären sie sich im Weg...
Jedes Mal aufs Neue, wenn ich sie ansehe, dann sehe ich die Zukunft und ich
weiß, dass sie gar nicht schlecht werden kann. Denn mit ihnen und meinen
Freunden, meiner Familie, wird jedes Unglück wieder zum Guten gewendet... "


Mit einem Ohrenzucken fand sie wieder zurück, ins Hier und Jetzt. Ihr Blick
glitt über die Umgebung, über die einzelnen Wölfe und dann über ihre Welpen.
Zumindest über jene, die sie sehen konnte. Es war jedes Mal aufs Neue ein
eigenartiges Gefühl solche kleine Wesen neben sich zu wissen, die den Schutz und
jegliche Energie benötigten. Und trotzdem hatte sie noch nie etwas bereut, dass
mit ihren Kleinen zu tun gehabt hatte.

"Kein Wolf wird als Mutter oder Vater geboren, er ist es immer erst dann,
wenn er selbst Welpen hat und erst dann, kann er beweisen, dass er es gut kann.
Ich glaube nicht, dass es schlechte Mütter gibt...nur Mütter, die damit
vielleicht nicht klar kommen, weil sie auf sich alleine gestellt sind."


Ihre Gedanken wichen kurz ab, zu Aszira und ihren Welpen, die nicht hatten
aufwachsen dürfen. Sie spürte kurz Schmerz in sich aufflackern, doch keine Wut.
Die Wölfin war alleine gewesen und hatte ihren Wurf aus Hass getötet, der nicht
den Kleinen persönlich galt. Wahrscheinlich wäre das Leben der Welpen nie
wirklich ein leben gewesen...

"Man muss sie laufen und spielen lassen...irgendwann ein Mal, gehen sie
sowieso ihren eigenen Weg. Nur in der ersten zeit sind sie immer bei dir, bei
der Mutter. Danach hält sie kaudm mehr etwas ab die unmöglichsten Orte
aufzusuchen. Sie brauchen diese Freiheit, um sich auf das Leben vorzubereiten
und ihre Wege zu finden.
Natürlich bin ich besorgt. Jeden Moment, indem sie nicht an meiner Seite sind
und umhertoben. Sovieles kann passieren. Aber ihre Herzen sind jung und voller
Übermut und Energie. Wenn man sie festhält verkümmern sie und binden ihr Leben
an das Deine. Sie brauchen aber ihr eigenes. Denn ohne eigenes Leben ist es kein
wirkliches Leben. Sie müssen ihre Erfahrungen sammeln, lernen, Freunde finden
und aufwachsen."


Kurz blickte Lajila dem weißen Rüden nach, erwiederte seinen Blick und nickte
sacht. Falls es notwendig war, würde sie ihm folgen um vielleicht auch zu
helfen. Vorerst jedoch blieb sie hier bei ihrer Freundin. Sacht lächelnd blickte
sie wieder zu ihr.

"Es ist nicht leicht, so wie wenig im Leben leicht ist. Aber irgendwie...man
bekommt ein Gefühl dafür, was gut ist und was nicht."


Noch immer lag er
dort, der Rüde, der im Glück schwebte und mit jeder Faser spürte, dass er nicht
allein war. Er liebte und er wurde geliebt, von einer Wölfin, die es kein
zweites Mal gab. Er könnte nicht genau sagen, was er fühlte, während er der
angenehmen Stimme seiner Gefährtin lauschte. Eine Mischung aus Glückseeligkeit,
Liebe und vielen anderen Empfindungen, denen man keine Worte zuschreiben könnte.

Während Kalayro der hübschen Narunyá lauschte, merkte er erst, wie
unterschiedlich die beiden doch waren. Im Gegensatz zu ihr, erinnerte er sich
sehr wohl an seine Welpenzeit, die von ihrer schlechten Seite mehr zu
präsentieren gehabt hatte, als von der guten. Er konnte es nicht vergessen, all
jene Dinge, die er damals erleben musste und obwohl er inzwischen Weltmeister im
Verdrängen war, hatte er dennoch gewisse Schwierigkeiten beim Vergessen. Was
sich damals ein Welpe in ihm eingebrannt hatte, dass hatte ihn seit jeher nicht
mehr verlassen. Noch einen gewaltigen Unterschied hatten der Rüde und die Fähe,
und zwar einen sehr offensichtlichen Unterschied, den Kalayro schon bei der
ersten Begegnung mit der Grau-Braunen bemerkt hatte. Während er die Ruhe selbst
war, war seine Liebste eher arroganter gewesen, wovon er merkwürdigerweise
nichts mehr spürte. Er liebte sie, die war wohl der beste Grund dafür.
Ruhig blickte der Große die schlanke Fähe an, als sie geendet hatte. Er genoss
ihre Nähe und ihren Körperkontakt in vollen Zügen und ihre warme Zunge, die über
sein Fell hinweg glitt, ihn liebkoste, ließ sein Herz höher, schneller schlagen.
Wieder war da diese innere Erregung, die er kaum zu zügeln vermochte und schien
er nach außen hin wie der stolze, starke Rüde, den niemand aus der Ruhe bringen
konnte, so war er von innen weich wie Wasser und schien vor Emotionen zu
bersten. Sanft drückte er sich noch mehr in Narunyás Seite und pfotete mit den
Vorderläufen behutsam nach ihrer Flanke. Er spürte deutlich das Anheben und
Absenken des Brustkorbs und die Wärme, die die Fähe spendete. Mit seiner Antwort
ließ er sich Zeit, war er doch beinahe blind vor Liebe, die obendrein auch sein
Fang zu verbieten schien. Er seufzte und sanft knabberte er mit seinen Zähnen an
ihren weichen Ohren, leckte ihr über den Hals, ehe er wieder in der Lage war,
klare Gedanken zu fassen.

“Kaum z glauben, wie sehr sich unsere Vergangenheiten unterscheiden, Narunyá.
Du, die du freiwillig von deinem Rudel gegangen bist und ich, der ich mein Rudel
fluchtartig verlassen hatte …“


Kurz ordnete Kalayro die Ereignisse und stellte sie in die richtige Reihenfolge,
ehe er fortfuhr.

“Ich kann mich noch sehr gut an meine Welpenzeit erinnern, Liebste, war sie
doch so schrecklich, dass jeder sie hätte vergessen wollen. Ich kenne meine
Eltern nicht, denn ich wurde adoptiert. Adoptiert von einem Rudel arktischer
Wölfe, die keinen Grauwolf bei sich dulden mochten. Nur meine Ziehmutter, die
mir einen neuen Namen gab – Kalayro – die liebte mich wie ihr eigener Welpe.“


Der Rüde seufzte resigniert, als er an Damals dachte und fragte sich, ob es
nicht doch Wölfe gab, die eine weit schlimmere Vergangenheit hatten.

“Ich kenne meinen richtigen Namen nicht mehr, nur um dies vorweg zu nehmen –“

Er lächelte

“Nun so ziemlich keiner mochte mich halt, nur meine Ziehmutter Akalay und
mein Halbbruder Kuran. Er war jünger als ich und ich erzählte ihm immer
Geschichten, die ich von meiner Wanderung damals erinnerte. Er hing an mir, bis
es beinahe nervte, doch ich wusste, dass er mich liebte und ebenso liebte ich
ihn. Aber der Druck, den ich auf mir spürte in dem Rudel, der war unerträglich
und wissend, dass ich die beiden einzigen Wölfe, die ich dort wirklich liebte
nicht mehr verlassen könnte, wenn ich so etwas unerträgliches tat, wie Abschied
nehmen, verließ ich das Tal eines Tages – ohne Vorwarnung, ohne ein Wort.“


Kalayros bernsteinfarbenen Augen flackerten kurz auf, als er an seinen Bruder
dachte, doch jäh erlosch der Funken an Freude in ihm und eine Art Trauer blieb
zurück. Er blickte Narunyá an und spürte wieder, wie unterschiedlich sie doch
waren. Doch was machte dies aus? Gleiche stießen sich ab, nur Gegensätze zogen
sich an.


Ein Ziehen in ihrem
Fang, dann sah spürte Ayura, wie Ilja davon lief. Kurz versuchte sie sich das
Fell von Iljas buschiger Rute zu entledigen, als sie eilends hinterher lief um
nicht von ihrer Freundin allein gelassen zu werden. Noch immer war Schiens
Stimme im Hintergrund zu hören, die der Sandfarbenen allmählich unheimlich
wurde. Sie beschleunigte ihre tapsigen Schritte und schloss schließlich zu der
anderen Welpin auf. Noch immer spürte sie ein Zittern durch ihren kleinen Körper
fahren, als sie an den schwarzen Rüden dachte und suchte sich schnell mit
anderen Gedanken abzulenken. Ein wenig unsicher schaute sie Ilja an, ehe sie
ihren Blick schweifen ließ. Zu ihrem Vater, ihrer Mutter. An ihre neuen Paten
Niagara und Alana hatte sie sich noch nicht wirklich gewöhnen können, war sie
doch noch zu schüchtern um sich ihnen wirklich anzuvertrauen. Wie sehr wollte
die Welpin zu ihnen laufen, doch sie war ja nicht feige, nein das war sie nicht!
Damit schüttelte die kleine Ayura ihr Köpfchen und schaute wieder zu ihrer
Freundin.

“Wollen wir … wollen wir was spielen?“

Fragte sie, unsicher, ob Ilja spielen wollte. Doch schließlich besann sie sich
und wurde sicherer. Warum sollte ihre Freundin nicht mir ihr spielen wollen? In
welpischer Verspieltheit beugte Ayura ihren Oberkörper nach unten und wedelte
leicht mit ihrer kleinen Rute.

“Komm schon, Ilja komm schon!!“


Die Welt stand still
in dem Moment, und doch drehte sich alles. Ihr Blick folgte noch Noir, die schon
beinahe gegangen wäre, doch noch innegehalten hatte um ihr zu antworten. Die
Schwarze musternd lauschte sie ganz genau ihren Worten, und schloss dann für
einen kurzen Moment die Augen, um das was sie gehört hatte zu verarbeiten.
Dieses Rudel war echt… auf seine Art und Weise besonders. Einen Diener, der dazu
verdammt war den Launen eines anderen Wolfes ausgesetzt zu sein… Ein
merkwürdiger Gedanke, den sie jedoch vorerst nicht im Stande war weiterzudenken,
denn jemand sprach direkt neben ihr, in ihr Ohr. Und als sie die sanfte
Sprechweise vernahm, wurde ihr wieder bewusst, dass es eigentlich schwer zu
glauben, war, dass sie sich noch auf den Beinen halten konnte. Ihre Augenlider
waren schwer, und doch hatte sie Angst sich zum schlafen nieder zu legen. Angst
vor dem nie wieder wach werden, vor dem ewigen Schlaf, der jeden von ihnen
irgendwann einmal einholen würde. Doch nicht jetzt… bitte noch nicht jetzt. Sie
hatte nur einen leichten Ansatz eines Lächelns in ihrem Gesicht, als Antwort auf
die Worte Yukís, sie würde verstehen. Sie hob, angestrengt ruhig und regelmäßig
zu atmen, den Kopf als sich ihr jemand als Aramis vorstellte. Langsam nickte sie
dem Grauen zu – es war der, der sich schützend vor Kyro aufgebaut hatte, und den
sie als sympathisch eingestuft hatte, und diese Einschätzung basierte
anscheinend auf der Wahrheit. Sie schluckte und blickte dann langsam, und sich
möglichst wenig anstrengend in die Richtung in die Aramis gedeutet hatte.

“ …Danke.“

Sie hatte wirklichen Grund dankbar zu sein. Nicht jedes Rudel nahm eine kranke,
schlimm aussehende und verletzte Fähe auf, von der man nicht einmal wusste ob
sie überleben würde. Naja. Sie war erbärmlich und sie hasste sich dafür, dass
sie sich so vielen Gesichtern, so entblößt und von ihrer schwächsten Seite
gezeigt hatte. Vielleicht wäre es besser geblieben, alleine, und in dem wissen,
dass keiner wusste, wie schwach sie wirklich war im Wald zu sterben… doch… mit
einem Seitenblick wusste sie es besser. Dann hätte sie Yukí nicht getroffen,
doch wenn sie jetzt … sie holte Luft und ihre Gedanken gingen in einem erneuten
Hustenanfall unter. Es schien als ob ihre Lunge bersten würde, ihr Inneres
brannte und schmerzte, wie sie es noch nie zuvor gespürt hatte. Mit zitternden
Beinen, holte sie nochmals raschelnd Luft, als sie wieder normal atmen konnte.
Es verätzte sie von Innen…Mit schwachem Blick musterte sie Yukí von der Seite,
immer noch an die helle Fähe gelehnt. Sie hätte sich jetzt so gerne
niedergelegt, und einfach… ja was? Wollte sie sterben? Sie konnte Yukí das nicht
antun. Und vielleicht wäre es doch besser gewesen, doch nicht hierher zu finden,
um Yukí nicht das Herz zu brechen und sie hier allein zu lassen. Doch Faite
hatte die Hoffnung beinahe aufgegeben. Sie sah für sich keine Chance mehr, ihr
Körper schmerzte mit jeder Faser ihrer Muskeln und sie war kurz davor einfach
aufzugeben und sich ihrem Schicksal zu ergeben. Doch eigentlich wollte sie doch
gar nicht sterben…
Sie drehte leicht ihren Kopf, der mittlerweile wieder schwächlich herabhing, und
blinzelte in die Richtung in die Aramis noch vorhin gedeutet hatte. Sie wusste
nicht, ob sie es noch soweit schaffte. Sie wusste es nicht. Und sie Verlockung
einfach zu…schlafen war groß. So groß.


Dijaron musterte alle
Wölfe, die sich in der Runde versammelt hatten. Nachdenklich bedachte er Demons
Worte und ließ sie sich durch den Kopf gehen. Er sah nicht aus, als wolle er
noch etwas dazu sagen, aber man sah ihm an, dass seine Gedanken noch eine ganze
Weile darum kreisten. Blicke und Gesten. Neugierig wanderte sein Blick zu
Shanaya, zu der er hintappte um keines ihrer Worte zu verpassen. Er legte den
Kopf schief.

„Man darf nicht warten, sonst kann es irgendwann zu spät sein, weißt du?“

Er sah zu Boden. Shanaya hatte Recht, man musste Geduld haben und viele Dinge
brauchten ihre Zeit. Aber manchmal konnte es auch sein, dass einem diese Zeit
nicht vergönnt war und Dijaron hatte noch immer Angst davor, einfach in ein
neues Leben aufzubrechen, bevor er sein jetziges Leben abgeschlossen hatte. Im
Moment fühlte er sich jeden Tag stärker, aber wenn er an seine Schwäche von
seiner Geburt und den Wochen danach dachte, legten sich kalte Schlingen um sein
Herz.

Schließlich wurde er von Daina abgelenkt und blickte zu ihr hinüber. Sie sprach
vom bösen Wolf, den Dijaron kennenlernen wollte, um ihm zu sagen, dass er tapfer
sein musste, um im Leben zu bestehen. Wie alle Erwachsenen redete Shanaya viel,
ohne dabei auf den Punkt zu kommen. Als sie fertig war, viel zu sagen, ohne
Inhalt, sah er zu Demon.

„Aber man kann sie sicher wieder lieb machen, oder? Egal wie böse sie sind…
das glaube ich ganz sicher. Dazu muss man es versuchen.“


Sein Blick huschte zu Daina, die sich genauso wenig abspeisen lassen wollte, wie
er. Es galt, die Welt zu verändern und zu verbessern. Die Aufgabe jeder neuen
Generation und die Welpen, die dieses Frühjahr das Licht der Welt erblickt
hatten, schienen besonders viel Motivation dafür mitzubringen.
Dijaron versank wieder in seinen Gedanken und saß dabei friedlich vor Shanaya,
immer wieder in die Runde blickend. Letztlich hafteten seine Augen wieder an
Demon.

„Gesten und Blicke reichen nicht. Das geht nur, wenn dir jemand blind
vertraut, wenn er sein Herz ganz und gar für dich öffnet und das machen die
Wölfe nicht. Sie behalten immer etwas für sich zurück. Deshalb muss man ihnen
sagen, was man denkt und fühlt, weil sie sonst immer ein bisschen unsicher
bleiben. Wenn sie stark sind, ertragen sie es, aber wenn sie schwach sind, dann
können sie von ihren Zweifeln vergiftet werden.“


Noir war so traurig,
so, so traurig. Ihr Herz war so schwer und sie war so müde der ganzen
Anstrengung. Sie wollte ihn einfach haben, den Freund an ihrer Seite, der er
immer gewesen war. Sie wollte nicht so mit ihm streiten müssen, sie wollte ihn
nicht dazu zwingen das er sie lieb hatte. Aber sie wollte auch nicht einfach
aufgeben. Sie war die ganze Zeit neben ihm her gelaufen, weil sie gewusst hatte,
dass er ihr nicht folgen würde. Aber dann blieb sie stehen. Sie sank etwas in
sich zusammen, machte sich klein weil sie nicht wusste was sie tun sollte. Sie
wusste nicht ob sie ihm nachlaufen sollte oder ob sie warten sollte. Sie wusste
nicht ob sie noch etwas sagen sollte oder ob sie schweigen sollte. Sie stand da
und betrachtete Kyro. Wieso hatten sie so etwas aus ihm gemacht? Wie hatte die
Schwarze dieser Bedingung nur zustimmen können? Sie wimmerte leise und schlich
zwei Schritte hinter dem Grauen her. Es war so erbärmlich. Sie liebte diesen
Rüden so abgrundtief, so ehrlich. Sie zog vorsichtig an seinem Fell, sah ihren
Freund hilflos an.

„Ich kann das nicht, Kyro. Ich kann dich nicht hassen, ich muss dich lieb
haben. Du kannst machen was du willst. Du kannst Hund sein und ich werde dich
trotzdem noch lieben, auch wenn das sonst keiner kann. Ich kann nicht anders."


Verzweifelt waren die Augen auf den Braunen gerichtet. Er musste es doch
verstehen. Sie konnte ihn nicht hassen, was immer er tun würde. Er beschleunigte
das Tempo, Noir blieb stehen. Er entglitt ihr, lief einfach davon. Immer noch
leicht in sich zusammengesunken blieb sie stehen, ihr Herz tat weh. So unendlich
weh. Aber es war nicht schlimm. Es war der Beweis und den konnte ihr niemand
nehmen, nicht einmal Kyro. Sie liebte ihn. Liebte ihn wie einen Bruder, einen
Freund. Sie liebte ihn auf eine unbeschreiblich tiefe Art. Ein Lächeln schlich
sich auf ihre Lefzen. Ihr Herz war stark und die Liebe zu dem Grauen auch. Und
er musste viel und lange durchhalten um daran etwas zu ändern. Sie würde ihn
nicht verlieren. Das machte sie ein wenig glücklich. Aber sie war müde. So müde.


Kyro sah zu Noir, als
sie an seinem Fell zupfte. Er drehte den Kopf zu ihr und sah sie an, ohne
Erkennen in den Augen. Sie hätte jeder Wolf sein können, er sah sie an, als
würde es keine Rolle spielen, wer sie war. Und das schrecklichste daran war,
dass er dazu nicht schauspielern musste. Sein Blick war kühl, wenn auch nicht
unfreundlich. Er musste freundlich sein. Höflich. Nett. Und es war ihm
vollkommen egal, ob man ihm damit die Entscheidung abnahm, wie er sich zu
verhalten hatte und was er dabei fühlen sollte.

„Das will ich aber nicht.“

Sagte er trotzig wie ein Welpe, nur das in seiner Stimme eisige Kälte mitschwang
und der Ton deutlich machte, dass nicht der kleinste Teil in ihm das Verlangen
nach einer Freundin hatte. Er wollte sie nicht, er brauchte sie nicht. Er
reagierte nicht auf ihre Verzweiflung, ihren Schmerz. Es war ihm völlig egal,
wie sehr er sie verletzte. Und dann lief er ihr davon, um nach einer Weile
soweit fort zu sein, dass sie ihn nicht mehr erreichen könnte. Egal wie schnell
sie lief. Und so war es. Sein Körper würde zu ihr zurückkehren, aber nicht sein
Herz.
Die untergehende Sonne hinter sich lassend, wandelte er auf den Pfaden der ihm
nicht mehr vergönnten Freiheit, ohne genießen, ohne die Schönheit der Welt zur
Kenntnis zu nehmen. Für ihn blieb alles grau und schwarz, eine Albtraumwelt die
für ihn Realität geworden war. Es machte ihm keine Angst, es bedrückte ihn
nicht. Es war ihm gleichgültig, so wie alles Andere.


Abwartend beobachtete
die Beige ihre Freundin, sah jedoch auch immer wieder abschätzend zu Aramis.
Selbst wenn er der Alpha war, würde sie ihn auf Abstand halten. Faite brauchte
Ruhe, damit sie schnell wieder gesund wurde. Das Huster der Schwarzen ließ Yukí
einen Schauer über den Rücken laufen. Verdammt! Faite litt und sie konnte nichts
tun. Aber was hätte sie denn machen können? Erneut stubste die die Schwarze an,
machte ihr so klar, dass sie bleiben würde. Sie würde bei ihr bleiben und auf
sie aufpassen. So viel stand fest. Bei den Worten des Grauen wandte sie den Kopf
zu dem Alpha, nickte ruhig. Sie wollte keine Hilfe brauchen, sie wollte sich
allein um ihre Freundin kümmern. Aber.. vielleicht schaffte sie es nicht und
dann war jede Hilfe bitter nötig. Und als er ihnen dann einen ruhigen Platz
deutlich machte, drehte die helle Fähe den Kopf in eben diese Richtung. Es war
wirklich das beste, wenn sie dem Rat des Grauen folgten. Dort konnte sich Faite
ausruhen, sodass niemand aus dem Rudel herüber kam und den besorgten spielte.

"Es wird alles gut.."

Flüsterte sie leise in das Ohr der Schwarzen, als Aramis sich abwandte. Allein
würde die Fähe es wohl nicht schaffen, weswegen Yukí einen sicheren Stand
suchte, damit Faite nicht wegknicken konnte. Als ihre Freundin wieder hustete,
zuckte die Beige zusammen, ihr Körper verkrampfte sich ruckartig. Es musste
alles wieder gut werden. Kräftig schüttelte Yukí den zierlichen Kopf, sah mit
einem matten Lächeln in die Augen Faites. Sie würden nun zu diesem Ort gehen,
den Aramis ihnen gezeigt hatte. Und dort würden sich beide ausruhen. Eine Pfote
ganz langsam nach vorn setzend behielt Yukí Faite immer im Auge, bot ihr mit
ihrem Körper jedoch immer weiter den Halt, den sie wahrscheinlich benötigte.

"Und wenn alles wieder Ok ist, zeigst du mir das Mistvieh, das dir das
angetan hat.."


.. sie würde dieses Ding eigenhändig auseinander nehmen, das war sicher. Und
selbst, wenn es jemand aus dem Rudel gewesen wäre, hätte dieser ein riesiges
Problem. Yukí seufzte, so viel Stress.. Noch eine Pfote vorsetzend wandte sie
den Kopf nach vorn, um noch ein mal die Richtung zu überprüfen.

"Meinst du, du schaffst das, Faiti?"


Und mit einem Schlag
waren sie alleine. Alles war so unglaublich schnell geschehen, so unerwartet,
plötzlich und überraschend. Erst war sie alleine - dann waren Massen von Wölfen
da, sie sie nie im Leben erwartet hatte anzutreffen, und dann war sie abermals
allein - zusammen mit Yukí allein. Sie zuckte mit den Ohren als sie ihre Stimme
vernahm, sie versprach, dass alles Gut werde, doch Faite glaubte beinahe nicht
mehr daran. Warum sollte es gut werden, was hatte sich geändert? Sie war immer
noch krank, glaubte nicht mehr aufstehen zu können, würde sie sich niederlegen,
nur, dass sie Yukí jetzt an ihrer Seite hatte. Wer weiß, vielelicht war es ein
Wink des Schicksals. Sie sollte nicht aufgeben. Sondern weiterleben - wenn nicht
für sich selbst, dann wenigstens für ihre beste Freundin, für Yukí, damit diese
nicht alleine war. Vielleicht sollte es so sein, sie sollte es wenigstens
versuchen zu leben, zu kämpfen, und nicht schwach und kraftlos aufzugeben.
Innerlich nahm der Plan des Schicksal gestalt an, obwohl sie eingeltich nicht an
das Schicksal glaubte - nicht wirklich jedenfalls. Doch eine schwere Verletzung,
eine Krankheit, eine verloren geglaubte Freundin, die für ewig verloren schien,
waren anscheinend in der ihre Meinung, wenigstens für den Moment zu ändern...

Faite nahm den Weg den sie vorhatte in Augenschein, und sie hoffte, betete schon
fast, dass der Weg nicht so lang sein würde, dass sie es schaffen würde. Sie
blickte zu Yukí.

"Klar, schaff ich das ..."

Sie machte sich mit ihren eigenen Worten Mut und wollte die Hoffung Yukí's nicht
zerstören - denn ihre Muskeln schrien verzweifelt nach Ruhe, ihre Lunge brannte
wie die Hölle und schien bersten zu wollen, das atmen fiel schwer, und sie
wollte sich einfach nur niederlegen. Doch sie musste stark sein ... wenigstens
für Yukí. So fing sie schnwanken an zu gehen, dabei immernoch halb an Yukí
gelehnt, um wenigstens etwas entlastung zu erfahren und sie kam sich dabei
richtig egoistisch vor, einfach die Kraft von Yukí in anspruch zu nehmen... dich
sie konnte nicht anders, würde sie Yukí nicht zur Stütze haben, war sie sich
sicher, würde sie es nicht mehr sehr weit schaffen. Sie atmete raschelnd aus.

"Du hast ein wirklich ... tolles Rudel gefunden. Eigenartig, aber toll."


Inzwischen hatte die
Beige den Blick von dem Plätzchen ganz in der Nähe abgewandt und sah wieder
besorgt zu der Fähe neben sich. Selbst wenn sie versuchen würde, zu verstecken,
dass es ihr schlecht ging.. hätte es wahrscheinlich ein Blinder gesehen.. oder
eher gehört, wie auch immer. Und aus diesem Grund würde Yukí nicht von der Seite
ihrer Freundin weichen, die ja so gerne das "Alles ok" mimte. Aber das kannte
sie selbst ja auch leider zu gut. Schmunzelnd lauschte die Fähe den Worten der
Schwarzen. Sicher war sie sich da nicht, aber sie konnte nichts tun, außer Faite
Halt zu geben und sie nicht allein hier stehen zu lassen.

"Sag, wenns nich' mehr geht."

Auch wenn sie selbst dann wahrscheinlich nicht wußte, was zu tun war. Schnaubend
atmete Yukí aus, nahm sofort wieder einen tiefen Atemzug. Wer hatte ihr das bloß
angetan? Sie unterdrückte die Wut, die sich gegen diesen jemand in ihr
aufbäumte. Das musste warten. Erst ein mal musste sie für Faite dasein, und das
brauchte ihre volle Konzentration. Es war nur gut, das es hier in der Nähe
passiert sein musste. Sonst hätte sie ihre beste Freundin vielleicht nie wieder
gesehen. Ganz langsam schritt sie nun neben der Schwarzen her, achtete darauf,
das sie nicht zu schnell wurde. Ganz vorsichtig tappte sie Pfote nach Pfote
vorwärts.

"Oh, das eben war noch harmlos. Das geht auch noch viel, viel schlimmer. Da
kommt man hierhin, will niemandem etwas böses und wird halb.. vernichtet. Sei
froh, dass du das nicht erlebt hast."


Als wäre das alles richtig nickte die Beige. Aber eigentlich.. war das alles
doch auch so gewesen. Leicht schüttelte Yukí den Kopf, verwarf diesen Gedanken
wieder.

"Pass am besten auf, was du zu wem sagst. Oder ruf mich, ich hab sie alle im
Griff."


Grinsend wandte sie den Kopf nach vorn.

Es verging einige Zeit, bis die beiden den Ort erreichten, den Aramis
vorgeschlagen hatte. Kaum dort angekommen, blieb Yukí stehen, blinzelte zu
Faite. Nun würde sie ihre Ruhe haben. Vor dem Rudel und all dem Stress. Leicht
neigte die Beige den Kopf zur Seite und betrachtete das kleine Örtchen.


Ein sanftes Zittern
drang zu ihr durch, eine kleine Bewegung, vorschtig, scheu, so als wolle der
Schwarze nicht dass sie wahrgenommen würde. Ihr Lied verklang, es wurde leise um
sie herum, und trotzdem da noch das ganze Leben war, die ganzen Wölfe
ringsherum, schlich sich ein Gefühl von Stille bis zu ihr durch, so als schirme
etwas sie von all den anderen ab, und dämpfe die Geräusche der Umgebung.
Ganz sanft schob sich etwas näher an sie, und ein ebenso sanftes Lächeln schlich
sich auf Felice Leftzen, während sie den Kopf dichter an den seinen schob, die
Augen zu einem Blinzeln öffnete und sogleich wieder schloß.
Nichts sollte ihr jenen vertrauten Moment rauben, der aus zwei völlig Fremden
gute Bekannte schuf - selbst wenn sie es danach vielleicht nicht mehr wären...

Die Zeit floß atmend, pulsierend an ihnen vorbei, hinterlies Wellen und blieb
doch so gleichmäßig wie Felice Herzschlag, der in beruhigendem Takt ihr Blut
voran trieb, das sonst sicher vergessen hätte zu fließen, so wie sie vergas wo
sie war, und sich noch ein Stück enger an Shien schob, den restlichen Körper nah
an seinen legend, ohne jedoch den Kopf von seiner Schulter zu nehmen, der dort
lag wie ein kleiner Schuztschild.
Es blieb bei diesem Moment, der sich ungestört ausdehnen konnte, denn Sharila
war noch nicht wieder hern...sie war sich dessen sicher ohne aufzublicken, sie
glaubte es zu spüren wie die Wärme des Schwarzen unter und neben ihr.

Sie öffnete abermals den Fang, und so leise wie schon zuvor erhob sie in sanftem
Klang die Stimme zu einem Lied, das zwar in fremder Zunge, doch in beruhigend
warmer Tonart gesungen wurde...

"Uich gwennen na 'wanath ah na dhín.
An uich gwennen na ringyrn ambar hen.
Boe naid bain gwannathar,
Boe cuil ban firitha.
Boe naer gwannathach"


Vermutlich vielen jene seltsamen Worte nicht einmal auf, in dem leisen Singsang,
der genausogut eine Murmeln hätte sein können...ein kleiner Zauber, der sich
klingend über sie beide legte, und der Felice Augen nur umso fester verschloss.


Gespannt lauschte der
Rüde den letzten Tönen, rannte ihnen im Geiste nach und versuchte sie
aufzufangen. Mit seiner ganzen Seele folgte er der Melodie, die ihn so sehr
verzauberte, dass er alles um ihn herum vergaß. Die zum zerreißen angespannten
Glieder entkrampften sich, die Augen waren entspannt geschlossen. Die ganze
Spannung und auch die Furcht fiel von dem Schwarzen ab, der sich einfach von
diesem bezaubernden Moment tragen ließ. Tief atmete Shien durch und mit der
Luft, die aus seinen Lungen wich, verschwand auch der letzte Rest seines
verkrampften Wesens.
Er spürte die Wärme des Körpers an seiner Seite, fühlte wie sie ihn empfing und
zart in die Arme nahm, lauschte der sanften Stimme, die nachdem der letzte Ton
verklungen war, ein neues Lied begann. Genauso schön und vollkommen. Die
Wortlaute verstand er nicht, doch achtete der Rüde in diesem Augenblick mehr auf
den Klang und nicht auf die Worte selber, die in dieser Situation eher
zweitrangig waren. Vergessen war die Schuld, vergangen der Schmerz, für diesen
Moment ausgeblendet und zurück gestellt. Er fühlte sich herrlich befreit, frei
von der Last, die ihn sonst so sehr plagte, das Gewissen entlastet und die
schreckliche Tatsache seines Fehlers von seinen schmalen Schultern genommen, die
ihn runter drückte und Shien dazu veranlasste, stets nur gebeugt zu laufen. Es
schien, als würde er an ihrer Seite wachsen, den Teil, der verloren schien,
kehrte ein wenig zu ihm zurück. Jetzt, wo sich seine Muskeln entspannt hatten,
bot der schmale Rüde ein fast völlig anderes Bild, als bis eben noch. Eben noch
war er klein, untersetzt, mager und über alle Maßen verängstigt gewesen. Nun
wirkte er eher wie ein ruhiger Schatten, der lange ein Auge auf seine Liebsten
geworfen hatte, sie behütet und beschützt hatte, der freundlich war, mit allen
Pfoten feste im Leben stand und nach einem langen Weg, den er nur für die
besonderen Wölfe auf sich genommen hatte, ein wenig ausruhte. Friedlich und
eigentlich recht hübsch. Das schwarze Fell war ordentlich und sauber, an seinen
Wangen recht lang und weich, genau wie der Pelz an Hals und Nacken. Die Ohren
waren nun schlicht nach hinten geneigt, als wollte er die empfindlichen
Ohrmuscheln vor dem Wind schützen, die Vorderläufe hatten sich unbemerkt ein
wenig überkreuzt, was sich nahtlos in das Bild eines Wanderers einfügte, der
nach langer Zeit wieder nach Hause zurück gekehrt war.
Sein Aussehen spiegelte wie oft sein Innenleben wieder, welches sich ein wenig
von dem Schock aus dem Traum erholte und auch sein Körper ruhte, ebenso seine
Gedanken, welche sonst unablässig wie ein Falke um seine Beute kreisten.
Tief und gleichmäßig waren seine Atemzüge geworden, erst als auch diese
gemurmelten Worte verklangen und sich die Stille um sie legte, holte Shien ein
wenig mehr Luft.

Das... war schön. So schön...

, murmelte er leise, kaum verständlich, befand er sich nach langer Zeit auf dem
schmalen Pfad zwischen Wachen und Schlafen und er hoffte, dass ihre Anwesenheit
die Schatten vergangener Tage zurück halten würde.


Lunar tauchte, mit
Rakás im Schlepptau, bei Aramis auf und trat auf den Leitwolf zu. Inzwischen
verhielt er sich beinahe wie ein normales Mitglied. Auf seine typische Art kühl
und distanziert, ein bisschen arrogant und stolz, aber nicht mehr provokant. Er
brachte den Neuen, um die stets beschäftigten Alphas zu entlasten und, um sich
die Langeweile etwas zu vertreiben. Ganz uneigennützig würde er nie sein.
Grüßend nickte er Aramis zu.

„Das hier ist Rakás cel Fortún, ein Wanderer, der sich nach Gesellschaft
sehnt. Ich habe ihn darüber aufgeklärt, wie er sich zu verhalten hat und
erklärt, dass er sich den Welpen nicht nähern darf. Abgesehen davon habe ich ihn
über Kyro in Kenntnis gesetzt.“


Erklärte er kurz, dabei etwas schief grinsend, weil er sich wie ein Angeber
anhörte, der damit prahlte, an was er alles gedacht hatte, ohne eigentlich dafür
autorisiert zu sein. Er erkannte auch, dass sich die Situation um Kyro und Yukí
zwischenzeitlich entspannt hatte. Da die neue Wölfin aber schwer verletzt war,
entschied er, sich erst in einigen Tagen oder Wochen mit ihr bekannt zu machen.

„Ich überlasse ihn dir…“

Er entfernte sich von den beiden Rüden und machte sich auf den Weg zurück zum
Rudel. Vielleicht boten die Welpen eine bessere Unterhaltungsmöglichkeit, als
der langweilige, neue Wanderer. Die Ansichten der Kleinen waren sicherlich
interessanter.


Kiba stand abwartend
da und beobachtete die weisse Fähe, wie sie die anderen begrüsste. Kiba sah
nochmals zu seiner schwarzen Freundin und lächelte sie lieb an. Dann musterten
die bernsteinfarbenen Augen das Handeln der Fähe und bemerkte die gelassene
Haltung und auch als sie sprach, war kaum zu bemerken, dass sie wirklich Hilfe
brauchte, so locker sie es erzählte. Freundlich lächelte der Rüde Sharila an.

"Nein, du störst nicht, Sharila. Ich werde gerne Helfen, sofern ich das
kann."


Ja, Kiba war schon früher das seltsame Verhalten des schwarzen, eher ängstlichen
und verwirrten Rüden aufgefallen. Sehr schweigsam und meistens eher schwach,
sprach nicht viel, doch in jener Zeit hatte Kiba die Stille genossen. Eben ein
Freund, so in Kibas Augen. Der weisse Rüde setzte eine Pfote vor die andere und
wiederholte das Ganze immer und immer wieder, bewegte sich in Richtung aus der
Sharila gekommen war, zur Stelle, an der Shien war, zusammen mit Felice. Aus der
Ferne musterte Kiba die beiden.

"Ich habe bereits früher bemerkt, das Shien ein eigenartiges Verhalten hat.
Er ist eher einer der Art, die gerne alleine sind. So kenne ich ihn."


Kiba sagte es mehr zu sich, als zu Sharila, dennoch sah er sie an, ob auch ihr
so etwas aufgefallen war? Immerhin war ihr auch bekannt, dass Kiba sich mit dem
Schwarzen abgegeben hatte. Kiba schüttelte den Kopf und versuchte sich noch an
mehr Vergangenes mit dem Rüden zu erinnern. Er hatte wenig geschlafen, wenig
gesprochen und war immer etwas im Hintergrund, lag meist herum? Ja, mehr wusste
auch der Weisse nicht. Auch das Wissen über dessen Vergangenheit war sehr klein.
Vertrieben, verjagt, das wurde Shien doch, oder? Mit einem fragenden Blick trat
Kiba zu Felice und Shien.

"Seid gegrüsst. Felice",

Kiba nickte der Fähe freundlich zu.

"und Shien."

Etwas sorgevoll sah Kiba zu dem Schwarzen, doch was er sah, war ein Rüde mit
einem sorgelosen Welpengesicht. Was Kiba sah, war ein kleiner Welpe, der sich an
die Seite der Mutter geflohen hatte und dort alle Ängste ablegte, sich dort
entspannen konnte. Regelmässig atmete der Schwarze an der Seite von Felice, sah
nicht aus, als wäre etwas Seltsames passiert. Kiba legte den Kopf schräg und sah
zu Felice, lächelte sie an und sah dann zu Sharila. Kiba wollte hier nicht
stören, ging einige Schritte zurück und setzte sich neben Sjarila auf den Boden.

"Es scheint wieder alles gut zu sein...",

flüsterte Kiba.


Ein Vogel, war er
doch so klein und zerbrechlich, konnte etwas, das niemand sonst konnte. Fliegen.
Fliegen, wohin er wollte, so weiter konnte. Frei war er, an nichts gebunden,
konnte die Erde aus allen Perspektiven sehen, sie erleben, wie sie niemand sonst
erleben konnte. Doch an dieser Theorie zweifelte nun die graue, verliebte Fähe.
Dann all ihre Gefühle, die in ihr hin und her wallten, gaben ihr das Gefühl
schwerelos zu sein. Gaben ihr das Gefühl zu fliegen und mit keiner Sorge an die
Erde gebunden zu sein. Regelmässig atmete die Fähe ein und aus, doch ihr Herz
raste, raste, so schnell es nur konnte, schlug höher für den grauen Rüden.
Narunyá drückte sich so nahe an Kalayro, um ihn mit in den Himmel nehmen zu
können, wollte, dass er sie in die Freiheit begleitete, wollte, dass auch er es
fühlte, dieses unbeschreibliche Freiheitsgefühl, das nur ein Vogel wahrnehmen
konnte. Ein tiefer Seufzer entwich der Kehle der Fähe, locker lagen die
Augenlieder über den Augenäpfeln und mit einer Erregung, die so stark, so neu
für Narunyá war, spürte sie das Knabbern und Ziehen an ihren Ohren, die raue
Zunge an ihrem Hals, spürte den sachte Atemzug des Rüden. Narunyá konnte sich
kaum auf die Worte konzentrieren und doch mahnte sie sich selber, zog ihren Kopf
etwas von Kalayro weg und lauschte seinen Worten, die wie eine Melodie in den
Himmel stiegen und die gesamte Welt verzauberten. Verträumt sah die Graue, wie
sich der Fang öffnete und schloss und hörte, wie Worte zu einem Sinn
zusammengesetzt wurden. Es machte Narunyá traurig, das ihr Liebster eine solche
Vergangenheit hatte, wollte nicht die Trübe in seinen Augen sehen. Sachte
stupste sie ihren Gefährten an.

"Es muss schrecklich sein, eine solche Geschichte auf dem Rücken zu tragen,
mein Liebster. Doch es ist vorbei, das ewige gehasst zu werden. Es ist nicht
mehr, es ist vorbei. Du bist hier, hast eine Familie, wir haben uns. Nur das
zählt. Und auch wenn die Gedanken an Ziehmutter und Bruder schmerzen, so habe
ich eines von dir gelernt; das Leben geht weiter, man darf nicht an der
Vergangenheit hängen, denn niemand, kein Wolf ist fähig, Geschehenes ungeschehen
zu machen. Schau nach Vorn, mein Liebster."


Lieb hatte es Narunyá zärtlich in das Ohr ihres Rüden geflüstert, knabberte nun
leicht daran, zog etwas und liess es los. Sanft glitt ihre Zunge das schmale und
schöne Gesicht des Rüden hinunter. Sachte legte sie ihren Kopf auf die starke
Brust und bewunderte in Gedanken die innere Stärke von Kalayro, seine äussere
Schönheit und seine Gefühle zu ihr. Sie hatte sich verändert, war wieder die
Narunyá, die sie einst war, das liebe Muttertier. Die Graue spürte das Pochen
des Herzens, liess ihren Kopf auf der Brust. Sie Liebte ihn, mit jeder Faser
ihres Körpers, mit allem, was sie war und hatte. Nur Kalayro, niemanden sonst,
nur ihn.
Erst einige Atemzüge später nahm sie den Kopf wieder von der grauen Brust des
Rüden und lächelte Kalayro zärtlich an.

"Als ich mich von meinem Rudel getrennt hatte, war ich erst einige Zeit
alleine unterwegs. Erst später stiess ich auf ein Rudel, das ich nicht kannte
und wurde da aufgenommen. Ich hatte nicht viele Feunde. Nur eine Fähe hielt zu
mir. Ihr Name war Seyrën. Ich mischte in den Jagten oft ziemlich mit und ich gab
Anweisungen, wie ich immer getan hatte. Doch Diego, ein Betarüde, fand das ganze
nicht sehr toll. Wir stritten uns viel, ich knurrte jedes Mal, als unsere Wege
sich kreuzten. Es gab in unseren Konversationen kein einziges freundliches
Wort."


Narunyá grinste, als sie sich an die Anfangszeiten in diesem Rudel erinnerte.
Kurz zog sie erneut am Ohr ihres Geliebten, ehe sie wieder die Worte ordnete.

"Viele Wochen später sagte Diego einen Satz zu mir, der mein ganzes Verhalten
änderte. Nein, mein ganzes Leben.
was gezielt angreift und dabei aber trotzdem keinen Schaden anfügt, der tut es,
weil in ihm unerwiderte Liebe steckt.
Ich hatte ihn erst sehr verwirrt angestarrt und bin mit hochgezogener Schnauze
verschwunden. Aber es stimmt natürlich. Ich hatte Gefühle für ihn. Aber wirklich
gut kamen wir immer noch nicht miteinander aus. Es war zwar nicht mehr in jedem
Satz ein Fluchwort und kein Satz wurde mehr mit einem Knurren beendet, aber mehr
hatte sich nicht geändert."


Narunyá lachte auf und knurrte spielerisch ihren Liebsten an. Sie war davon
überzeugt, dass es gut war, Kalayro alles zu erzählen. Sanft biss sie Kalayro in
den Nacken und knurrte weiter. Sie drückte sich dabei so sehr an den Gauen. Dann
sprach sie weiter.

"Erst als die Ranz einsetzte, übertrumpften die Gefühle den Verstand und im
Frühling wurde ich Mutter von Vier Welpen. In mir entflammte die sorgsame Mutter
und ich liebte jeden Welpen so sehr, als würde ich ohne sie nicht leben können,
als wären sie mein Lebenselixier. Und sie waren es auf eine gewisse Art auch.
Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich mit Diego sprach, wie ich meine
Welpen an einem sehr heissen Sommertag zum spielen schickte, damit ich nur mit
meinem Liebsten alleine sein konnte. Ich erinnere mich daran, wie ich das
Alphapaar hörte und erinnere mich an die Flammen, die in den blauen Augen meines
Gefährten schimmerten. Ich hatte alles nicht ernst genommen, hatte mich
umgedreht und dem Schauspiel zu sehen. Meine Tochter, Somaija, drückte sich an
meinen Lauf. Erst als Diego schreiend losrannte, um nach den übrigen Dreien zu
suchen, verstand ich, was geschah. Meine beste Freundin Seyrën kam mit meinem
Sohn Lukka zu mir und ich packte meine Tochter im Nacken und rannte ihr nach,
floh mit ihr vor der Naturgewalt. Ich blieb erst stehen, als ich Diegos Ruf
hörte. Ängstlich drehte ich mich um und sah, wie er und meine anderen beiden
Welpen im Flammenmeer untergingen."


Narunyá wandte den Blick ab und sah in die Weite, um kurz de Bilder wieder zu
vergessen, ehe sie, nicht mehr ganz so lächelnd, ihren Rüden ansah.

"Zu Viert zogen wir weiter, das Rudel war völlig aufgelöst. Meine Freundin
verliess uns und meine Welpen, einige Zeit später schlossen sich einem Rudel an.
Ich zog weiter. Alleine, ewig lange, zu lange. Meine Läufe trugen mich zu einer
kleinen Gruppe, in der ich einen Rüden kennen lernte, dessen Name Kalayro war.
Ich mochte ihn nicht, ich mochte niemanden von dier Gruppe, am wenigsten
Sharila. Ich war eher arrogant und nicht unbedingt freundlich. Und es war
absurd, was die Truppe vorhatte. Sie wollte tatsächlich über das Eis gehen.
Eingebildet stellte ich mich an die Spitze und führte die Truppe an, egal, ob es
die anderen auch so sahen. Jetzt ist viel Zeit vergangen. Ich habe die
Vergangenheit hinter mir gelassen, weil ein Rüde mir lernte, dass man nicht ewig
in der Vergangenheit leben kann. Diesen Rüden liebe ich wie mein eigen Fleisch
und Blut. Sein Name ist Kalayro."


Lieb lächelte Narunyá Kalayro an. Ja, sie liebte ihn. Mehr, als sie Diego
geliebt hatte, anders eben. Und wieder durchdonnerte eine Welle voller Gefühle
den schlanken Körper der Gauen. Lieb lehnte sie sich an den Körper von Kalayro,
vergrub sich wie ein Welpe in dessen Fell.

"Oh mein Liebster, ich liebe dich so..."


Aszira schritt
weiter, in gebührendem Abstand wusste sie Riaz bei sich. Am Horizont sank die
Sonne immer tiefer und tiefer, färbte den Himmel rot und ließ ihre Schatten
langezogen neben den Wölfen herziehen. Die Schwarze sah zur Seite und
beobachtete, wie sich ihr schattiges Abbild neben ihr bewegte, verzerrt und nur
entfernt an einen Wolf erinnernd. Wie ein langgliedriger Dämon, unangreifbar und
allgegenwärtig, umrahmt vom flammenden Rot des Sonnenuntergangs, das das Monster
noch Dunkler werden ließ.
Riaz antwortete ihr nicht - oder noch nicht. Aszira würde ihn kein zweites Mal
fragen, obwohl sie seine Erwiderung interessiert hätte. Sollte er ihr eben
später antworten, wenn er sich über seine Ansichten im Klaren geworden war -
oder eben nie...
Aszira wandte den Kopf um, als sich ihnen eine Gestalt näherte. Niana wirkte
unbeschwert, obwohl ihre Worte verrieten, dass sie um die kürzlichen Ereignisse
wusste oder sie zumindest erahnte. Sie klang amüsiert, und Aszira argwöhnte,
dass die junge Fähe es fast bedauerte 'die Show' verpasst zu haben.

"'Ärger stiften'? Mittlerweile solltest du doch wissen, junge Fähe, dass der
Ärger stets zu mir kommt und nicht umgekehrt"
,

antwortete sie und grinste, ohne jedoch stehen zu bleiben. Sollte sich Niana
ihnen anschließen, wenn sie es denn wollte, oder ihren Weg sonstwohin
fortsetzen. Die Schwarze würde ihre Suche jetzt nicht für einen Plausch mit
Niana unterbrechen - ihre Suche nach dem einzigen Rudelmitglied, dessen Nähe
Aszira immer öfter suchte. Sie wusste, dass sie auf einem schmalen Grad zweier
extremer Launen balancierte, und nur Alana war dazu imstande, ihre Stimmung für
einen längeren Zeitraum ins nicht-aggressive zu kippen...


Genaustes hatte
Niagara den Worten von ihrer schwarzen Freundin gelauscht. Es gab ihr neuen Mut,
doch eines Tages mal selber Welpen zu haben. Sie wollte die beste Mutter sein,
die es gab. Leicht grinsend lies sie diesen Gedanken ein par Mal im Kopf
kreisen, ehe sie wieder auf dem Boden der Realität war. Mit einem bittenden
Blick sah sie Lajila an:

„Wirst du mir dann helfen, wenn ich eines Tages mal Welpen haben werde? Wirst
du mich unterstützen? Mir Tipps geben und mir Ratschläge erteilen? Mir Fehler
zeigen, damit ich sie vermeiden kann? Ich möchte das meine Welpen so glücklich
aufwachsen wie deine es tun.“


Niagara zeigte deutlich durch ihre Haltung, dass es ihr sehr am Herzen lag, auf
ihre Freundin zurück zugreifen, wenn sie mal nicht mehr weiter weis. Ihre Ohren
klappten nach vorne, versuchten, schon die Gedanken ihrer Freundin zu hören. Sie
hatte Angst, dass sie eines Tages alleine dastehen wird, wenn sie mal Hilfe
braucht. Kurz drückte sie ihren Kopf in das warme Fell von Lajila. Hielt dort
eine Weile inne, ehe sie ihn wieder weg nahm. Langsam legte sie ihren kopf auf
die Vorderpfoten, die von ihrem Körper weg gestreckt sind. Verträumt blickte sie
den Welpen zu, wartete aber dennoch gespannt, was die schwarze Wölfin antworten
wird.


Nur langsam kamen sie
vorwärts, Stück für Stück. Der Dunklen war es beinahe schon peinlich, wie
langsam sie wirklich war, und sie sehr sie das anstrengte – sie war erbärmlich.

„Klar… aber es geht schon.“

.oO( Es geht gar nichts.)

Doch sie biss die Zähne zusammen und lief weiter, lief einfach ohne zu denken,
immer nur die Angst einfach wegzuknicken und eine besorgte Yukí zurück zu
lassen. Wie gerne hätte sie mit jemandem gesprochen, mit jemandem über ihre
Angst geredet zu sterben – doch selbst das so enge Verhältnis zu Yukí, ließ sie
die Worte nicht aussprechen, oder vor allem dieses enge Verhältnis. Yukí hätte
sowieso versucht ihr diesen Gedanken auszureden, obwohl er der Dunklen
allgegenwärtig über dem Kopfe schwang. Diese tiefsten Gefühle der Verzweiflung
behielt sie für sich, schließlich wollte sie sich auch nicht noch mehr vor ihrer
Freundin entblößen und ihr noch mehr schwache Punkte zeigen, obwohl sie es doch
so verstehen würde. Sie konnte nicht, sie war zu stolz, und zu störrisch, um
ihre Schwächen auch noch offen darzulegen. Sie nickte nur, wenn Yukí etwas
sagte, als Zeichen, dass sie verstanden hatte, vielleicht würde sie darauf
eingehen, wenn es ihr besser ging. Wenn.
Als sie da waren, war es fast wie eine Erlösung für sie. Hier würde sie sich
einfach fallen lassen können, vielleicht schlafen. Sie seufzte, und wusste nicht
genau wie sie es soweit geschafft hatte, dann mit einem Blick auf Yukí wusste
sie es – für Yukí hatte sie es geschafft, um ihrer Freundin eine Freude zu
bereiten, auch wenn es in dieser Situation vielleicht makaber klang. Sie löste
sich von der Hellen, lief taumelnd noch ein paar Schritte, bevor sie sich
vorsichtig hinlegte, dorthin wo es geschützt war. Hinter ihnen waren zwei
Felsen, die mit Moos überwuchert waren, zwischen den beiden hatte sich eine Art
Höhle gebildet, in der ein, oder zwei Wölfe hinein passten. Sie ließ sich dort
fallen, mit dem Rücken an der Felswand, damit niemand von Hinten an sie ran
konnte, denn auch jetzt noch hatte sie einen Überlebensinstinkt, der sie vor
möglichen Gefahren zu schützen versuchte. Sträucher umgaben dieses Versteck und
schützten es so, vor unliebsamen Augen. Es war perfekt um sich auszuruhen. Sie
ließ ihren Kopf auf die Vorderläufe sinken, und war glücklich, wenn man es so
nennen konnte, dass ihre Lunge, trotz des Wanderung und der Anstrengung nicht
mit lautstarken Husten protestierte … Ihre Augen, müde, blickten zu Yukí.

„Tut mir leid…“


Erfreut über die noch
netten Worte Asziras marschierte die Niana neben der Schwarzen her. Auch wenn es
irgendwie komisch klang, nicht ganz glaubwürdig, aber die Braune mochte Aszira,
auf irgendeine komische, abstruse Art. Sie lauschte und lächelte in sich hinein,
antwortete noch nicht, genoss die ruhigen Minuten. Mit schwungvollen Schritten
lief sie neben ihrer fast Freundin her.

„So kann man es auch sehen."

Sie lächelte immer noch und ihre Augen leuchteten so sehr. So glücklich. Das war
das Leben. Dijaron hatte sie herausgeholt, hier her. Davor war sie nur umher
gewandelt, blind für die Schönheit der Welt, blind für die Wölfe in ihrer
Umgebung. Aber jetzt sah sie alles und sie war so überwältigt, so zufrieden. Und
das strahlte sie aus. Zufriedenheit. Mit dem was sie war, mit dem was sie hatte.
Mit dem, was sie nicht hatte. Sie wedelte immer noch leicht mit der Rute, sah
sich um.

„Aszira, warum bist du auf manche Wölfe so wütend, gleich von Anfang an?"

Unschuldig sah sie zu der Schwarzen, ihre Stimme war fragend gewesen. Nicht
provozierend, nicht stichelnd. Sie wollte es einfach wissen. War Asziras Herz
auch schon ein bisschen vergiftet. War ihr viel Schlimmes widerfahren. War sie
traurig, oder nur wütend? Niana wusste, sie konnte nicht alle ihre Fragen
stellen, aber ein paar. Und vielleicht würde sie ja Antworten bekommen. Mit
ehrlichem Interesse sah sie Aszira an. Und nun?

Mit einem liebevollem Lächeln beobachtete
Lajila ihre jüngere Freundin und lauschte ihren Worten. Sie las die Sorge in
ihrem Blick und konnte sie nur zu gut nachvollziehen. Solche Sorgen hatten auch
sie geplagt, nicht nur beim ersten Wurf, auch bei ihrem Jetzigen. Wahrscheinlich
würde sich das nie ändern, denn Sorgen gehörten einfach dazu, wenn man jemanden
liebte. Für einen Moment wanderte ihr Blick wieder zu Kiba und den anderen
hinüber, dann zu ihren Welpen und schließlich in jene Richtung, in die Noir und
Aramis verschwunden waren. Sie sorgte sich. Sorgte sich um die Zukunft und auch
ein wenig um die Gegenwart, denn das ungute Gefühl wollte einfach nicht
verschwinden. Und doch vertraute sie. Denn ohne Vertrauen würde sie
wahrscheinlich schon längst die Nerven verlieren.
Ihre sanften braunen Augen richteten sich wieder auf Niagara.

"Ich werde immer für dich da sein, meine Liebe. Und so wie ich für dich da
sein werde und dich liebe, werde ich auch auf deine Welpen achten und sie
lieben. Du wirst eine gute Mutter, denn du sorgst dich jetzt schon um den Wurf.
Und das ist gut so..."


Kurz huschte ein Lächeln über ihre Lefzen.
Als sich die helle Wölfin neben der Dunklen nieder lies wachte Lajila über ihren
Schützling und sie wusste einfach, dass sie alles tun würde, um Niagara in allen
Lebenslagen beizustehen, so sie es vermochte.

"Keiner von uns mag sagen, wie die Zukunft aussehen wird. Zuviel
Veränderungen liegen in der Luft. Doch jeder einzelne von uns wird zu seinen
Freunden stehen, wenn es darauf ankommt. Darauf vertraue ich..."


Die Stimme der Rudelratswölfin war mit einem Hauch Melancholie versehen und doch
voller Zuversicht. Sie waren nicht alleine...


Prüfend musterte die
Beige den Ort, an dem sie nun stand, mit ihrer besten Freundin an der Seite. Der
einzige Grund, warum sie beim Rudel geblieben war, stand nun neben ihr. Hah! Es
hatte seinen Zweck also perfekt erfüllt. Das war diesen ganzen anfänglichen
Stress auf jeden Fall wert gewesen. Langsam drehte sie den Kopf zur Seite,
während ein leises Seufzen ihre Kehle verließ. Sie glaubte Faite nicht ein Wort.
Wie sollte es ihr in diesem Zustand gut gehen? Immerhin sah sie aus, als wäre
ein ganzes Rudel Bären über sie hergefallen. Aber sie kannte die Schwarze ja nun
gut genug, sodass sie sich fast denken konnte, was dahinter steckte. Und als
sich die Dunkle von ihrer Seite zuckte und taumelnd etwas weiter schritt, wollte
sie neben sie springen, um sie zu stützen. Da hatte sie doch glatt vergessen,
dass hier der Ort war, an dem sich ihre Freundin ausruhen sollte. Einsichtig
setzte sie die Pfote zurück auf die Erde, musterte Faite die nun dalag. Es war
merkwürdig sie hier zu haben. Aber keines Falles unangenehm. Yukí atmete tief
durch, ließ den Blick lange auf der Fähe ruhen, die vor ihr lag. Hier war sie
geschützt. Von hinten konnte niemand zu ihr vordringen, und von vorne sollte es
auch nur einer wagen. Der würde nicht mehr glücklich werden, wenn er versuchte
an der Beigen vorbei zu kommen. Und doch war es nicht dies, was die Fähe
verunsicherte. Es war die Tatsache, dass Faite sehr schwer verletzt war. Zu
schwer. Was ihr Sorgen bereitete waren die Wunden ihrer Freundin, das Husten.
Sie brauchte Ruhe, sie musste sich schnell erholen um nicht.. ihren Wunden zu
erliegen.
Langsam ließ sich die Fähe sinken, wandte den Blick nur von Faite ab, um zu
überprüfen, ob sich jemand unerwünschtes näherte. Aber noch schien alles ruhig,
niemand wollte sich nähern. So war es am besten für alle beteiligten. Als Faite
dann etwas sagte, hob Yukí eine Augenbraue. Es tat ihr Leid? Yukí lachte leise
auf, schüttelte den Kopf sanft hin und her.

“Was den? Das ich mich um dich kümmern muss? Oh das tut mir auch Leid. Für
den, der dir das angetan hat. Keine Sorge, ich pass doch gerne auf Schwächere
auf.“


Yukí erhob sich, ging einen Schritt auf die Schwarze zu und stubste sie mit der
Pfote an. Ein Aufmunterungsversuch.

“Das wird schon wieder, glaub mir. Ich pass auf dich auf.“

Sie bemühte sich, ihre Stimme in Selbstverständlichkeit zu tauchen. Aber im
Hinterkopf stellte sie sich diese eine Frage. Würde wirklich alles wieder gut
werden?


Sharila sah den
weißen Rüden abwartend an, bis dieser schließlich seinen Fang öffnete. Beruhigt,
dass er ihr helfen würde, sah sie Kiba an und auch ein wenig Dankbarkeit schien
in ihren Augen zu glänzen. Mit einem kurzen Nicken zeigte sie ihm, dass sie
seine Worte aufgenommen hatte, sie wollte Shien endlich los sein …
Als sich Kiba in Bewegung setzte, folgte die Eisprinzessin ihm mit geschmeidigen
und eleganten Schritten. Während sie zu dem Rüden aufholte, hörte sie diesen
sprechen. Ja, es stimmt, was er sagte, denn hatte Anstalten gemacht, sie
fortzuschicken. Mit skeptischem Blick blickte sie zu Shien und Felice hinüber
und wandte ihren schönen Kopf dann seitlich zu Kiba.

“Ja, das habe ich auch gemerkt, denn er wollte mich wegschicken. Er meinte …
Ich sollte weggehen, wenn ich nicht sterben wollte …“


Gab Sharila mit etwas verwirrter Stimme preis, sie verstand den schwarzen Rüden
nicht.

Schließlich erreichten sie die beiden und die Schneeweiße sah, dass Shien ruhig
am Boden lag. Sie war verwundert, hatte Felice es geschafft, ihn zu beruhigen?
Eine Weile musterte sie die beiden noch, während Kiba sie freundlich begrüßte.
Dann trat sie ein wenig zurück, um Shien und Felice nicht zu stören. Nun hatte
sie wohl umsonst Hilfe geholt … Doch es war nicht schlimm, solange es dem
Schwarzen nun gut ging. Der weiße Rüde, der sich nun neben sie auf den Boden
setzte, bekräftigte mit seinen Worten die Gedanken der Eisprinzessin. Nach einer
Weile des Schweigens ließ sie sich auch auf ihre Hinterläufe nieder und
beobachtete weiterhin den Schwarzen und die Braune.

“Ja, Felice scheint alles im Griff zu haben, wir sollten sie lieber nicht
stören“


Gab sie schließlich zurück und ihre Stimme war ebenfalls ein Flüstern. Dann sah
wieder zu Kiba. Mit freundlicher Stimme fügte sie hinzu

“Es sieht wohl so aus, dass ich dich umsonst deiner Zeit beraubt habe … Ich
hoffe es macht dir nichts aus“


Mit einem entschuldigenden Blick musterte sie den Weißen und wunderte sich, wie
schon so oft über ihre Höflichkeit. Sie hatte sich wohl sehr verändert, seitdem
sie auf die Freiheitswölfe gestoßen war, doch es war eine positive Veränderung.
Sie war froh darüber, dass sie hier offen mit ihres Gleichen sprechen konnte,
dass sie nicht gefürchtet war und dass sie niemals verachtet wurde.


Sie liefein Stück mit
Ayura fort und sah sich nochmal um, als sie schließlich stehen blieben. Shien,
Sharila und Felice waren nicht mehr zu sehen. Kurz überlegte Ilja, ob sie nicht
doch zurück laufen sollte, grade so in Sichtweite - sie war schon neugierig, was
da jetzt mit dem gruseligen Wolf geschah, andererseits widerstrebte es ihr
zutiefst, sich ihm jetzt zu nähern. Also wandte sie sich wieder Ayura zu.
Spielen klang nach einer verdat guten Idee.
Die kleine Fähe grinste und duckte sich ebenfalls, den Hintern genau wie Ayura
in die Höhe gestreckt.

"Lass uns Fangen spielen!"

Ilja grinste noch breiter und sprang dann vor, pfotete nach Ayura und berührte
sie ganz sachte am Ohr, eher zufällig als ernsthaft gezielt. Sofort wich sie
zurück.

"Du bist!",

rief sie, drehte sich u und wetzte davon, ab und an einen Blick über die
Schulter zu Ayura werfend. Fangen war toll! Ilja war schnell und wendig, und mit
Kyrr lieferte sie sich bisweilen fast schon Duelle, in denen es darum ging, wer
wen am schnellsten fangen konnte. Die kleine Welpin war gespannt, wie gut wohl
Ayura war...


Katan lächelte nur
über den großen Traum, den er scheinbar in dem jungen Kyrraine geweckt hatte,
auch er selbst war immer ein solcher Träumer gewesen. Auch er hatte einst dieses
Rudel verlassen, weil er die weite Welt entdecken wollte und was hatte er damit
erreicht? Er hatte sich selbst ins Unglück gestürzt. Er würde den Welpen
aufklären müssen, so schön der Traum von dem Reisen durch die endlosen Weiten
dieser wundersamen Erde auch sein mochte.
Er setzte sich aufrecht hin und sah Kyrraine an. Einen Moment überlegte er,
welche Worte dem Welpen wohl am besten vermitteln konnten, was er zu sagen
hatte. Er war ja noch ein Kind, da konnte man sehr verquere Ansichten haben -
wieder dachte Katan an sich selbst. Hatte er auf sie hören wollen, die großen
Wölfe? Was wussten die schon, hatte er sich gedacht. Doch er wollte auf keinen
Fall verschulden, dass ein weiteres junges Leben seine Familie verlassen würde,
nur um letztenendes festzustellen, dass es nirgendwo so schön war, wie es an der
Seite geliebter Wölfe ist.

"Hör mir zu, Kyrraine. Genau wie du jetzt, habe ich mir als Welpe gewünscht,
die ganze Welt zu entdecken. Und weißt du, was ich dann gemacht habe? Ich war
nichteinmal ein Jahr alt, da bin ich einfach gegangen. Ich wollte größeres
erleben, ich wollte mehr sehen und begriff nicht, was die anderen Wölfe
zusammenhielt. Heute weiß ich, dass es mein größter Fehler war, denn ich habe
viel Zeit verloren."


Seine Augen wanderten zu Boden, seine Miene wurde ernst. Langsam huschten seine
Seelenfenster den Horizont entlang, dessen Glühen bald erloschen sein würde. Die
Nacht kam mit langen Schritten auf sie zugeeilt. Sanft sah er dem Welpen ins
Gesicht.

"Vollkommenheit, das bedeutet, dass es viele gute Dinge in der Welt gibt,
doch nichts, was ist, hat nur eine Seite. Wo Gutes ist, da ist immer auch
Schlechtes. Es kann keinen Tag geben, ohne die Nacht und keinen Regen ohne die
Sonne. Wenn wir niemals Kälte spüren müssten, dann wüssten wir nicht, was Wärme
bedeutet und so ist es mit allen Dingen in der Welt. Ich habe viel Schönes
gesehen und viel Schlimmes, doch mir wurde schon sehr bald nach meiner Abreise
klar, dass es nicht die Gefahren der großen weiten Welt waren, die mir das Herz
so schwer machten. Ich hatte ja nicht nur irgendein Rudel verlassen, sie waren
doch meine erste richtige Familie und meine wahren Freunde. Nirgendwo hatte ich
mich je so geschützt gefühlt und so verstanden. Ich habe einen hohen Preis
bezahlt um das Weite zu suchen: Ich habe jenen einen Wolf zurückgelassen, den
ich von ganzem Herzen liebe und es ist ein riesiges Glück, dass es mir gelang,
sie und das Rudel wiederzufinden. Der Preis den ich letztenendes gezahlt habe
sind zwei Jahre meines Lebens, fernab von all dem, was mir lieb und teuer ist."


Er seufzte und blickte verträumt in die Richtung der Gruppe, in der sich Noir
befinden musste. Er konnte ihre Silhouette erahnen und sein Herz begann
schneller zu schlagen.

"Du darfst nicht jene verlassen, die du liebst, Kyrraine, denn sie sind all
dein Glück. Das merkst du spätestens dann, wenn sie eines Tages fortgehen oder
wenn du sie bereits zurückgelassen hast. Eine Stunde ohne einen Wolf, der dir
etwas bedeutet, ist eine verlorene Stunde. Wo deine Familie ist, da wird auch
immer dein Zuhause sein."


Ein Lächeln löste die Spannung auf, unter welcher der Rüde gestanden hatte und
er erhob sich. Er suchte kurz den Boden ab, dann fand er einen größeren Stein,
den er mit einer kurzen Bewegung der Pfote herumdrehte. Einiges Getier kam
darunter zum vorschein, viele Kellerasseln und zwei Tausendfüßler, die sich
eilig davon machten. Er deutete auf eines der vielbeinigen Tiere.

"Seht ihr, dieses Tier hier nennt man Tausendfüßler, obwohl er natürlich
keine tausend Beine hat, aber viele sind es schon."


Fröhlich beobachtete er die wellenartigen Bewegungen, mit welchen das Tier seine
Beine bewegte. Diese Beine verhedderten sich nicht, dafür hatte Mutter Natur
gesorgt. Wundersam, dachte er bei sich und lächelte breiter.


Als der große Wolf
mit einem mal so ernst wurde legte Kyraine irritiert den Kopf schräg und blickte
ihn aus seinen Welpenaugen unschuldig an. Hatte er irgendetwas falsch gemacht?
Mama setzte sich immer so hin und sah ihn mit einem ähnlichen Blick an, wenn er
etwas getan hatte, dass ihr nicht so ganz passte. Doch Katan`s Stimme klang
nicht wütend oder zurechtweisend. Erleichtert entspannte sich das Fellknäuel
wieder und die braunen Ohren klappten nach vorne um seinen Worten aufmerksam zu
lauschen. Erstens war das höflich, so hatte Mama es ihn gelehrt, und zweitens
wollte er kein Wort von dem verpassen, was ihm dabei weiterhelfen konnte die
Welt besser zu verstehen.
Mit klarem Blick, der doch etwas in die Ferne gerückt schien, nahm er jedes Wort
auf und versuchte sich selbst in Katan`s damalige Situation zu versetzten. Jung
und stark und voller Energie. Wölfe die hinter ihm standen und die Welt die vor
ihm lag. Kurz blinzelte er und verschloss für einen Moment die Himmelsaugen. Es
war ihm, als rief irgendwo jemand nach ihm. Aber es war nicht jemand. Es war
etwas. Etwas, dass ihn bereits jetzt soweit in seinen Bann zog, dass er ahnte,
wo sein Weg ihn ein Mal hinführen würde. Noch war die Bindung zu seiner Familie
viel zu groß, als dass der Ruf etwas anderes auslöste als Neugierde. Doch
irgendwann ein Mal würde das bestimmt anders sein. Da war sich der Kleine ganz
sicher.

"Ich hab meine Mama, meinen Papa und meine tollen Schwestern lieb!"

, meinte er, wie auf eine ungestellte Frage hin. Seine Familie lieben, das war
für den Kleinen etwas selbstverständliches. Hätte man ihm gesagt, dass es Wölfe
ohne Familie gab, er hätte es nicht verstehen können. Er war ein Welpe. Er
liebte es mit seinen beiden Geschwistern herum zu tollen und mit seinen Eltern
zu schmusen.

Mit aufmerksamen Augen setzte er sich vor Katan und streckte den Hals um zu ihm
aufzublicken.

"Wenn ich gehe, dann werde ich nicht alleine sein."

, meinte er mit einer inneren Sicherheit, die ihn beinahe selbst überraschte. Er
glaubte nicht daran, dass seine Eltern ihn begleitehn würden. Aber vieleicht
seine Schwestern. Vielleicht Aakalliko. Oder einer jener Wölfe, den er jetzt
noch kaum kannte. Und sollte es so sein, dass er alleine das Rudel verlassen
würde, dann würde er seine Familie und die Freunde nie vergessen und eines
Tages...

"Und ich werde zurückkommen!"

, versprach der kleine Wolf dann mit funkelnden Augen. Für einen Moment trat
Verwirrung in seinen Blick und er sprang wieder auf um ein paar Schritte zu
Aakalliko zu gehen und ihn aufmerksam zu mustern.

"Ich werde auf jeden Fall zurück kommen, und wer auch immer mit kommt, auf
den werde ich aufpassen. Wir passen gegenseitig auf uns auf. Und wenn ich
alleine gehe, dann ist es nicht so schlimm, weil ich weiß, dass ich wieder
zurück komme."


Mit schräg geneigtem Kopf musterte er Aakalliko, als wollte er abschätzen, ob er
vielleicht ein Mal mitkommen würde.
Dann wandte er das Köpfchen wieder zu Katan, als jener sich erhob und
beobachtete voller Neugierde, was er da tat. Trippelnd tanzte er näher und
schielte an dem weißem Rüden vorbei. Mit Strahlenden Augen beobachtete er die
seltsamen Tierchen, die da versuchten zu entkommen.

"Boah!"

,staunte er und neigte den Kopf näher um sie aus allen Winkeln zu betrachten.
Taußendfüßler, wie ulkig!


Obwohl Katans Worte
nicht an Aakalliko, sondern an Kyrraine gerichtet waren, hörte er trotzdem
aufmerksam zu. Es konnte ja wohl nicht schaden, da zuzuhören. Es könnte ja auch
schließlich Aakalliko etwas angehen…mehr oder weniger. Wenn vielleicht auch nur
Indirekt. Aber vielleicht würde man daraus wieder lernen können. Für die Zukunft
wieder einiges mehr wissen. Er setzte sich und sah bei Katans Worten ihn
aufmerksam an. Lernen konnte man ja schließlich immer. Auch wenn jemand nur
seine persönlichen Erfahrungen erzählte. Spannend war es immer. Außerdem regte
es auch zum Nachdenken und Überlegen an. Die Ohren waren aufmerksam nach vorne
gerichtet, um auch wirklich alles zu hören.

.oO(Ich verstehe seine Wort nicht! Fehler…warum war das ein Fehler? Er wollte
doch bloß Abenteuer erleben und die Welt erkunden…und so…! Also ich finde so
etwas doch toll! Man kann so viele neue tolle Sachen sehen und entdecken! Das
ist doch einfach super und bestimmt ein schönes Erlebnis! Außerdem hat man doch
dann auch eine gute Erinnerung. Vielleicht kann man dann auch den Anderen von
dem Erlebnis mitteilen! Ich wollte eigentlich auch einmal eines Tages auf
Abenteuer Jagd gehen! Doch wo er es jetzt so sagt…lieber nicht! Schade! Was ist
ihm da wohl passiert? Oder hat er einfach nur eine schlechte Erfahrung gemacht,
während er beim Erkunden war?

Seine Geschichte ist traurig! Für die Abenteuer hatte er seine ganze Familie und
alle Freunde zurückgelassen! Darüber habe ich bis jetzt noch gar nicht
nachgedacht! Aber…können sie denn nicht alle mitkommen? Würde das Probleme
geben? Und so lange Zeit musste er das Rudel wieder suchen! Zwei Jahre…das muss
eine sehr lange Zeit sein! So lange hat er seine Zeit verschwendet…das ist
traurig! In der Zeit hätte er schon tolle Sachen mit den Wölfen im Rudel machen
können! Es ist wirklich eine verlorene Zeit! Vor allem hat er in ihr kaum etwas
erreichen können! Er war fast die ganze Zeit auf der Suche gewesen…!)


Die Ganze Zeit in Gedanken vertieft. Man hatte Aakalliko die ganze Zeit bestimmt
angesehen, wie nachdenklich er doch gewesen war. Außerdem war er nicht wirklich
ansprechbar gewesen. Die Geschichte Katans machte wirklich sehr nachdenklich.
Traurig war sie. So wollte man doch selber nicht, dass so etwas noch einmal
passierte. So etwas war wirklich für niemanden schön. Weder für die Anderen,
noch für einen selbst. Die Anderen, würden einen selbst vermissen und anders rum
war es doch genau so! Er beschloss, da jetzt nichts zu zu sagen. Schließlich war
das Alles mehr an Kyrraine gerichtet. Aakalliko konnte sich noch nicht wirklich
vorstellen, wie sich Sehnsucht anfühlte und was das genau war. Bis jetzt hatte
er so etwas noch nicht spüren müssen. Es ist auch wirklich gut, wenn einem
jungen Wolf so etwas ersparen bleibt! Seine Gedanken lösten sich langsam in Luft
auf und er nahm die Umgebung auch wieder richtig war. Die ganze Zeit war er in
eine Art Traumwelt mit vielen Gedanken versunken. Sein Blick viel zu Boden, auf
das Tier, woraus Katan aufmerksam gemacht hatte. Aakalliko erkannte den kleinen
Tausendfüßler, wie er eilig davon krabbelte. Wirklich sehr komisch sah das aus!
Genau, wie er bereits schon vorher vermutet hatte. Aber irgendwie ähnelte das
Tier auch einem Wurm. Der einzige Unterschied war, dass sich bei diesem Exemplar
Beine an der Unterseite des Körpers befanden.


Lunar stiefelte davon
und steuerte schließlich auf Lajila zu. Auf dem Weg zu den Welpen war ihm etwas
eingefallen, in das er die Mutterwölfin nun einweihen wollte. Suchend sah er
sich kurz nach Darkjania um, die er gerade nicht erspähen konnte. Die Kleinen
schienen das Rudel jedenfalls auf Trapp zu halten. Überall beschäftigten sich
die Großen mit den Zwergen. Schmunzelnd trat er auf Lajila zu und nickte ihr
ebenso grüßend zu, wie Niagara.

„Was haltet ihr von einem kleinen Abenteuerausflug in die Berge? Ein Stück
die Anhöhe hoch? Nachdem du mit Aramis bereits ein Liedchen geträllert hast,
willst du vielleicht deine Welpen die Kunst des Heulens lehren?“


Er grinste und sah sich kurz um.

„Es wäre eine nette Abwechslung, das Rudel zusammen heulen zu hören. Findet
ihr nicht?“


Ohne lange zu warten, trat er ein paar Schritte von den beiden Wölfinnen fort,
um sich neuerlich einen Überblick zu verschaffen. Nach dem er alle
Rudelmitglieder, die sich in seinem Sichtfeld befanden, gemustert hatte, wuffte
er ihnen zu:

„Kommt, ihr großen und kleinen Abenteuer. Unsere Stimmen sollen sich zum
Gesang vereinen, auf dass die Lieder der Freiheit über den Bergen erklingen.“


Es klang weder nach einem Befehl, noch nach einer Bitte. Lunar forderte sie alle
auf, sich in Bewegung zusetzen und überließ es dennoch jedem selbst, ob er sich
an dieser Gruppenaktivität beteiligen wollte, oder nicht. Er übernahm die
Führung, ohne zu wollen, dass es dabei blieb und lief mit langsamen Schritten in
Richtung der Anhöhe, von der aus sie die letzten Strahlen der Sonne erhaschen
konnten und mit ihrem Geheul die Nacht herbei rufen würden.


Noir's Herz brach.
Ein Herz konnte brechen. Man konnte es spüren, das Ziehen, das Reißen. Sie
presste die Kiefer aufeinander um nicht laut los zu winseln. Sie stemmte ihre
Füße in den Boden, um nicht zu stürzen, sie spannte alle ihre Muskeln, um nicht
auseinander zufallen. Sie presste ihre Lieder aufeinander um nicht sehen zu
müssen wie er ging. Sie krallte ihre Pfoten in die Erde um den Halt nicht zu
verlieren. Sie versuchte ihren Atem ruhig zu halten um nicht seinen Namen zu
sagen. Er wollte nicht. Er wollte gehen. Sie durfte ihm nicht folgen, sie durfte
ihn jetzt nicht mehr zurückhalten. Sie musste seine Bitte respektieren. Sie
zwang sich einen Schritt zurück zu gehen, sie zwang sich, nicht zu schreien,
nach ihm. Sie presste ihre Kiefer noch fester aufeinander, ihre Zähne
knirschten, im Mund hatte sie einen Geschmack von Verbranntem.

.o0(Lass mich nicht allein. Bitte lass mich nicht allein. Bitte komm zurück.
Kyro, bitte dreh dich um. Nur einmal. Bitte schau mich an. Kyro,)


Er ging. Er schaute nicht zurück. Er hatte sie vergessen. Wie konnte er sie
vergessen? Wie konnte sie ihm egal sein? Wieso konnte er das tun? Wieso konnte
sie es nicht tun? Langsam, ganz vorsichtig ließ sie sich zu Boden fallen, es war
fast sanft. Ihr Herz tat weh. Ihr Hals tat weh. Alles tat weh. Jeder Muskel. Sie
wollte aufstehen und zu Katan gehen, seine Liebe spüren, spüren dass sie es Wert
war, aber sie konnte nicht aufstehen, sie konnte nicht sprechen. Wieso tat Kyro
ihr das an? Wieso ließ er es zu? Sie lag völlig reglos da, starrte auf einen
Baum, ihre Augen verloren. Ihr Herz hämmerte weiter, schmerzhaft gegen ihre
Brust. Sie wollte jetzt jemanden neben sich, der ihr aufhalf, der sie ermutigte.
Sie wollte nicht von jemandem abhängig sein, aber sie wollte, dass der Schmerz
aufhörte. Er zuckte durch ihren Körper, in Wellen, immer wieder wenn sie an ihn
dachte.

Sie hörte Lunars Ruf. Heulen, ihr war nicht nach Heulen. Sie quälte sich auf die
Pfoten presste erneut ihren Fang zusammen und versuchte den Schmerz des
Gebrochenen Herzens zu verdrängen. Langsam setzte sie sich in Bewegung,
verschwand zwischen den Bäumen, verschwand weiter von Kyro, spürte wie ihr Herz
langsamer schlug. Wie konnte er das nur tun? Wie konnte er sie alleine lassen?
Wie konnte er, ohne Trauer, ohne jegliches Erkennen. Sie versteifte sich, ihre
Schritte waren nicht mehr so elegant, ihre Augen glänzten nicht mehr ganz so
sehr. Sie trat zwischen ihre Familie, zwischen ihr Rudel. Sie sah sich um,
erblickte Katan mit den Welpen, ihr Blick richtete sich kurz auf ihn. Es tat so
weh. Sie wollte zu ihm gehen. Aber sie konnte nicht immer bei ihm sein. Sie
wandte den Blick ab und lief weiter. Weiter zu Lunar, neben ihm her, sagte
nichts. Sie konnte immer noch nichts sagen. Jedes Wort hätte die Wunde weiter
aufgerissen. Sie sah nur gerade aus. Nicht zurück, nicht zu Lunar. Sie konnte es
nicht mehr sehen. Diese schöne, glückliche Welt. Sie wollte nur einen sehen,
jetzt, aber er wollte sie nicht sehen.

.o0(Bitte komm und sag, dass es dir Leid tut.)  

Kyro würde es nicht dazu bringen, dass sie ihn hasste. Mit jedem Wort das er
sagte, dass sie verletzte, brachte er sie nur dazu, ihn noch mehr zu lieben.


Niana schloss sich
ihr an und die Schwarze hatte nichts dagegen. Sie konnte Alana nicht ersetzen,
aber ihre Gegenwart war ihr dennoch lieber als die so manch anderen Wolfes. Die
Schwarze warf der jungen Fähe einen Blick zu, der aufgrund der Frage einen
leicht genervten Ausdruck annahm. Aszira hatte eigentlich keine Lust zu
antworten. Sie glaubte nicht, dass es die Mühe wert war - Niana würde sie
ohnehin nicht verstehen. In letzter Zeit wirkte sie dieser Welt fast so seltsam
entrückt wie der welpenhafte Kheiji. Wahrscheinlich würde Niana ihr also die
gleichen 'Gegenargumente' auftischen wie der junge Rüde.

'Ach, was soll's...',

dachte sie schliesslich und sah wieder nach vorn.

"Weil die alle Wölfe, auf die ich jemals getroffen bin, nicht anders zu mir
waren und ich ziemlich früh gelernt habe, dass man sich andere Wölfe und damit
Ärger vom Hals halten kann, indem man zuerst zuschlägt."


In diesem Rudel gab es vielleicht ein paar Ausnahmen, was aber im Grunde für
Aszira nur die Regel bestätigte.
Die Schwarze hob den Kopf, als sie Lunars Heulen vernahm. Sie runzelte die
Stirn, blieb jedoch nicht stehen.

"Hmm. Dein Bruder hat eine neue, hirnrissige Idee...",

sagte sie an Niana gewandt. Sie hatte eigentlich nicht vor, diesem Ruf zu folgen
- andererseits würde Alana das vermutlich tun, ergo bestand eine gute Chance,
die junge Fähe bei Lunar anzutreffen. Aszira seufzte und änderte dann ihren Kurs
geringfügig, um zu der Anhöhe zu gelangen...


Lächelnd seufzte
Katan bei den unbesorgten Worten Kyrraines und hoffte, dass er, sobald er groß
genug dazu war, bereit sein würde um die richtige Entscheidung zu fällen - für
sich selbst. Vielleicht war der Welpe ja der geborene Abenteurer, den Katan als
Kind auch in sich selbst gefunden zu haben glaubte und erst später merkte er
dann, dass er ein fröhlicher Träumer war, der viel zu sehr an seinen Liebsten
hing um jemals unabhängig und unbekümmert zu sein. Er freute sich über die
erstaunten Gesichter der Welpen beim Anblick des Tausendfüßlers und streckte
ihnen frech die Zunge heraus.

"Ich hab's euch ja gesagt. Das Viech hat eindeutig mehr als acht Beine."

Als er Lunars erhobene Stimme vernahm, horchte er auf. Er hob den Kopf und sah
zu dem hühnenhaften Weißen hinüber, der sie einlud, ihm zu folgen. Das war eine
gute Idee, welche der Rüde ihnen vorschlug. Sehr gut.

"Hört mal, meine Kleinen. Lunar läd uns ein auf ein richtiges kleines
Abenteuer und das auch noch mit eurer ganzen Familie und all euren Freunden.
Denn Zuhause ist zwar dort, wo das Rudel ist, doch jedes Rudel erlebt seine
eigenen Abenteuer und wir, wir schreiben gemeinsam Geschichte."


Er sprang auf und sah die beiden auffordernd an. Fröhlich schlug seine Rute hin
und her, ein Kribbeln durchzog seine großen Pfoten. Der kleine Abenteurer in
ihm, der Entdecker, der kühne Draufgänger meldete sich, doch er würde nie den
Platz des großen Träumers einnehmen, der in der weißen Brust schlummerte.

"Na was meint ihr, kommt ihr mit?"

Er ging einige Schritte in Richtung Lunar und der Anhöhe, auf die er zusteuerte,
dann blieb er stehen und drehte sich zu den Welpen um. Ein warmes Lächeln zierte
sein Gesicht und eine beständige Sanftheit lag in seinen Zügen. Er würde schon
auf die beiden aufpassen, sie gehörten nun ebenso zu seinem engeren
Freundeskreis. Sie gehörten zu seiner Familie, denn das war dieses Rudel für
ihn.


Nun lag sie also da,
schwächlich, wie ein Neugeborener, halb eingerollt, mit den Kopf auf den Pfoten,
weil sie sich kaum mehr aufrecht halten konnte, noch den Kopf zu heben
vermochte. Es war ein schreckliches Gefühl, der Machtlosigkkeit, es war genau
das Gefühl, das sie am Meisten hasste ... hilflos, schwach, erbärmlich. Sie
blinzelte, und lächelte dann nur müde, auf die Worte von Yukí.

"Wer ist hier die Schwächere...?"

Sie hob ihren Kopf um einige Zentimeter an und grinste schief, bevor sie wieder
in ihre vorherige Position fiel, die so viel entspannter war. Sie spürte ihr
Blut in den Adern rauschen und war sich ziemlich sicher, dass sie Fieber hatte.

Sie war noch nie krank gewesen ... noch nie. Mit Außnahme von kleinen
Unwohlsamkeiten, sie aber jeder mal hatte, und die kaum als Krankheit bezeichnet
werden konnten. Und nun traf es sie mit solch unbarmherziger Wucht, als ob der
Blitz in sie eingeschlagen hätte. Es war unfair, sie fühlte sich hereingelegt,
vom Schicksal verarscht. unddoch konnte sie nichts machen, nichts. Außer liegen,
ruhen und warten ... auf das gute Ende, oder aber auch das Schlechte. Sie
schloss die Augen, weil sie so müde war, aber wollte nicht einschlafen... obwohl
sie es musste. Doch da war noch immer diese Angst, die sie mit niemandem teilen
konnte. Sie spürte Yukí an ihrer Seite, sonder öffnete nur ein Auge und
blinzelte hoch.

"Hmm... es wird ... irgendwie."

Sie wusste nicht darauf zu antworten, glaube nicht unbedingt an die Worte, doch
als sie nochmals in die Augen ihrer Freundin blickte, wusste sie was sie zu tun
hatte. Sie wusste es, sah es aus den Augen der Fähe... diese Hoffnung. Wenn
nicht für sich selbst, dann für Yukí. Langsam schloss sie wieder die Augen.

"Yukí? ... ich hab dich lieb."

Wann sie das das letzte Mal gesagt hatte? Sie wusste es nicht. Wahrscheinlich
noch nie... noch nie so direkt.


Still hielt Yukí die
Pfote noch etwas über dem Boden, mit der sie eben die Schwarze angestupst hatte.
In ihren Augen lag etwas besorgtes. Wann hatte sie Faite mal so gesehen? Noch
nie, das war sicher. Und es verunsicherte sie immer mehr. Also stand sie da, sah
von ihrer Freundin zum Rudel, sofern sie es sehen konnte und hielt auch die
restliche Umgebung im Auge. Es konnte natürlich passieren, dass es jemand
schaffte, sich unerwünscht zu nähern. Aber.. sie wollte nicht daran denken, ihre
Gedanken waren viel zu aufgewühlt. Als die am Boden liegende den Fang öffnete,
wandte die Beige den Blick nach unten, lächelte ihr schräg entgegen.

“Das klären wir, wenn du wieder fit bist.“

Sie ließ keinen Platz für Zweifel an ihren eigenen Worten, lieber hätte sie
irgendetwas in ihrem Kopf gesummt, als so etwas zu zu lassen. Sie musste
ausnahmsweise mal optimistisch sein. Ganz einfach. Stumm beobachtete sie, wie
Faite die Augen schloß. Sie sollte schlafen, sich ausruhen, damit sie möglichst
schnell wieder gesund wurde.

“Nicht irgendwie. Lass dieses Wort einfach weg, okay? Du lässt dich doch
sonst auch nicht unterkriegen.“


Innerlich seufzte die Helle, lächelte Faite erneut aufmunternd zu. Das wurde
schon wieder. Kurz drehte Yukí den Kopf zur Seite, um schon wieder die Umgebung
zu überprüfen. Sie war nervös, und dabei wusste sie nicht einmal, wieso. Es war
ein unterbewußtes Gefühl, das sich irgendwie nicht verbannen ließ und sie immer
wieder umher schauen ließ. Erst als Faites Stimme erneut an ihre Ohren drang,
wandte sie den Blick ab. Und wieder lächelte Yukí. Langsam machte sie einen
Schritt auf ihre Freundin zu, legte sich vorsichtig neben sie und rückte etwas
an sie heran, um ihr schützende Nähe zu geben. Über vorsichtig begann sie, das
Blut aus dem Fell der Schwarzen zu lecken. Wie sollte sie ihr ihre Sorge zeigen?
Das war wohl der beste Weg. Dann neigte sie den Kopf naxh vorn, stubste der Fähe
gegen die Schnauze.

“Ich hab dich viel lieber, wie du weißt.“

Und wieder säuberte die Beige das Fell ihrer Freundin. Nun wurden sie schon so
sentimental. Das passte irgendwie gar nicht. Weder zu Faite, noch zu ihr. Aber
so war das nun mal..


Auch ihr zweites Lied
verklang, und Felice spürte abermals eine sanfte Regung an ihrer Seite,
unmerklich und doch stetig. Es war bloß sein Atem, der ihr nun, da er völlig
ruhig war, besonders auffiel, aber jene immer widerkehrende Bewegung hatte
dennoch etwas plötzlich besonderes. Seine Worte fanden, so leise und
unverständlich, doch zielsicher in Felice Verstand, und ein sanftes Lächeln
zeichnete ihre Leftzen im nächsten Moment.

'Klirr'

Nur eine Ahnung, und doch - die Welt ringsum zersplitterte, wie in einer Welle
drangen alle Geräusche der Umwelt wieder laut zu ihnen hindurch, und Felice sah
auf und in Kibas Augen. Ihr kleines Utopia war von Kiba und Sharila
durchschritten und zerbrochen worden, unbemerkt und unbeabsichtigt. Es machte
nichts.

"Hallo Kiba"

antwortete sie leise, und nickte auch Sharila beruhigend zu, bevor sich die
beiden wieder zurückzogen. Felice war sich nicht sicher was von Kiba zu halten
sei, hatten sie beide doch alles andere als einen guten Anfang gehabt...nun war
er ihr in der Zwischenzeit nicht sonderlich negativ aufgefallen, und sie hatte
sich noch kein schlüssiges Urteil über ihn gebildet.

Ihr Blick fand zurück zu Shien, auf dessen Schulter ihr Kopf nach wie vor lag,
und die Blücke der zwei Besucher noch immer auf sich spürend schob sie ihre
Schnauze zu seinem Ohr und begann leise zu flüstern.

"Ruh dich nur aus...ich passe auf dich auf"

Das Heulen von Lunar lies sie aufhorchen, aber sie schüttelte nur innerlich den
Kopf. Ihr gefiel dieser Jungwolf ebensowenig wie die Leitwölfe es taten, und
somit waren auch seine Vorhaben stets negativ belastet. Und solange Shien hier
lag würde sie auch hier liegen...


Es war eine
Situation, in der sie noch nie zuvor gewesen war, ungewohnt, und so wusste sich
die Schwarze nicht zu helfen. Wie sollte sie sich verhalten, was war zu tun, was
könnte sie sagen? Sie hatte soeben ihr Innerstes offenbart, und wenn sie länger
darüber nachdachte, wartete sie darauf, dass ihre Hoffnungen zerstört wurden,
niedergetrampelt und auf einen elendigen Haufen zerbrochener Erinnerungen
geworfen wurden. Doch nichts in diese Richtung geschah, und es ließ sie sich
unterbewusst anspannen, sie wartete darauf. Warum kam nicht der Widerspruch, das
falsche Wort, die falsche Geste? Weil sie die Augen nicht geöffnet hatte,
sondern verschlossen, vor der Wirklichkeit. Und wahrlich, sie meinte Yukí
nichtmehr zu hören. War sie jetzt gegangen, hatte sie zuviel von sich
presigegeben?
Dann unerwartet spürte sie sie neben sich, Wärme, die sie umhüllte, an ihrer
Seite, Schutz, den sie so gebraucht hatte. Sie zucke erst zusammen, erschrocken,
über den plötzlichen Körperkontakt, dann ... eine wohlige Wärme durchströmte sie
- sie war nicht enttäuscht worden. Ein Lächeln schlich sich über ihre
Gesichtszüge, und sie beließ es bei den geschlossenen Augen, denn jetzt wusste
sie mit Sicherheit, dass sie der Beigen vertrauen konnte, sie war ihre beste
Freundin. Faite zuckte zusammen, als sie die Zunge spürte, die sanft über ihre
Wunde fuhr, bis sie sich daran gewöhnt hatte. Dunkle Fetzen von zerbrochener
Hoffnung tauchten vor ihrem geistigen Auge auf, bevor Yukí auftauchte...

"Gar nicht."

Und selbst in den unmöglichsten Situationen musste sie wiedersprechen, aber so
war sie nunmal oder?

"Danke, Yukí. Ich danke dir so sehr...dafür, dass du mir hilfst, dass du auf
meiner Seite bist... einfach, dass du da bist.
Und dafür ich hab dich so unendlich lieb...


Ihre Stimme klang müde und war so leise, dass es kaum von einem Wispern zu
unterscheiden war. Sie kuschelte sich enger an Yukí, bevor ihre Kraftlosigkeit
sie übermannte, und sie langsam in einen Schlaf fiel. In den Schlaf, vor dem sie
sich so gefürchtet hatte, doch den sie nicht verhindern konnte. Aber wenigstens
war jemand an ihrer Seite, der ihr Beistand, und für den es sich zu kämpfen
lohnte. Sie durfte Yukí jetzt einfach nicht alleine lassen, nicht jetzt, wo sie
ihr alles gab, was sie brauchte, sich für sie aufopferte und ihr die verlorene
Hoffnung gab. Noch war keine Zeit zu sterben...


Ganz vorsichtig
bemühte sich Yukí darum, ihrer Freundin nicht weh zu tun. Sie hatte wohl so
schon genug Schmerzen, als das sie nun diese noch zusätzlich brauchte. Sie hatte
nicht die Zeit gezählt, in der sie nun schon neben der Schwarzen lag, aber war
ja eigentlich auch egal. Irgendwann hörte sie schließlich auf, die Wunden Faites
zu säubern und blinzelte ihr entgegen. Sie war doch tatsächlich zusammen
gezuckt! Tz, tz, tz.. So etwas böses. Yukí lächelte. Irgendwie war das ja schon
lustig. Da machten sie sich gegenseitig halbe Liebesgeständnise und Faite zuckte
zusammen! Aber sie nahm es ihrer Freundin nicht übel, dank der Situation. Und
dann widersprach sie ganz dreist. Anders kannte sie Faite aber auch nicht. Sie
hatte damit gerechnet, das sie so eine Antwort bekommen würde. Und was sollte
sie groß erwidern? Es konnte lange so weitergehen, bis Faite so erschöpft war,
das sie einfach wegkippte. Gerade wollte sie etwas erwidern, hatte schon den
Fang geöffnet, als Faite doch nich etwas sagte. Mit leicht zur Seite geneigtem
Kopf musterte sie die Schwarze, als hätte sie etwas im Gesicht. Ihr Kopd neigte
sich noch etwas weiter zur Seite, bis die Schwarze geendet hatte. Und wieder
musste sie lächeln. Holla, was hatte Faite den gebissen? So kannte sie ihre
beste Freundin ja mal gar nicht. Während sich die Schwarze enger an sie
kuschelte, stupste sie sie ein letztes Mal an, um sie nun in Ruhe zu lassen. Sie
seufzte. Sie würde nicht antworten, zumindets nicht jetzt. Faite sollte
schlafen. Das war wichtig.. sehr wichtig. Yukí gähnte. Sie würde wach bleiben,
nur um auf Nummer sicher zu gehen. Sie legte auch nicht den Kopf nieder, achtet
enun wieder auf die Umgebung, ehe sie sich noch einmal Faite zuwandte. Sie
flüsterte nur, um die schlafende nicht zu wecken.

"Du musst mir nicht danken, Dummerchen."


Aufmerksam und mit bebendem Körper hatte Kyrraine beobachtet, was vor sich ging.
Er hatte gesehen, wie nachdenklich Aakalliko wurde und auch wie Katan ihn ansah.
Und er hatte überlegt, ob sie verstanden, was genau ihn bewegte diese Worte
gesagt zu haben. Kyraine wusste nicht, ob sie diese leisen Stimmen kannten, die
er hören konnte und die ihn hinaus lockten. Stimmen, denen er irgendwann ein MAl
folgen würde. Katan hatte von seiner Liebe gesprochen, die er zurückgelassen
hatte. Kyrraine jedoch kannte nur die Liebe zu seinen Eltern und Geschwistern
und die, die er gegenüber dem Rudel empfand.
Als er die Stimme des Weißen Wolfes vernahm zuckte er kurz zusammen, so tief war
er in Gedanken versunken gewesen. Etwas irritiert wandte er den kleinen Kopf und
versuchte zu verstehen, was genau Lunar damit sagen wollte.
Als jedoch Katan sie aufforderte mit zu kommen pendelte seine Rute freudig hin
und her.

"Au ja!"

, freute er sich und strahlte aus seinen himmelsaugen zu dem Rüden auf. Dann
tänzelte er mit kleinen Schritten näher und trippelte an dem Älteren vorbei um
den Hals zu strecken und in die Richtung zu blicken, wo sich nun einige
hinbewegten. Er hatte diese beiden anderen Wölfe vorhin gehört, einer war wohl
das Alphading da gewesen. Und soetwas sollte er auch können? Er hatte es noch
nie versucht solche Töne von sich zu geben, aber es musste aufregend sein wenn
man so laut war, dass alle einem zuhören mussten.

"Kommt, kommt!"

, forderte er die Beiden auf und blickte sich wieder um. Wo waren eigentlich
Mama und Papa? Und seine Schwestern?


Er hatte gelegen und
geruht. Hier, zwischen all den Wölfen, die sich versammelt hatten. Die schwarzen
Ohren waren aufgerichtet, nahmen sie doch jede Regung wahr und doch hatte sich
der Rüde in einer absoluten Ruhe gefunden. Er hatte sich erholt, hatte
geschlafen und gedöst oder einfach nur vor sich hin geträumt. Sachte schnippten
seine Ohren, während er den Kinderstimmen lauschte, die immer mal wieder
erklangen. Die Welpen waren ein schöner Anblick gewesen. Und dennoch konnte sich
Lysanias nicht dazu durchringen, aufzustehen und zu ihnen zu gehen. Ein wenig
Zeit für sich selber und die Ruhe eines ausklingenden Tages waren zu verlockend,
als dass er sich in Gesellschaft solch quirliger Seelen hätte begeben wollen.

So verbrachte Lysanias die meiste Zeit damit, einfach nur faul herum zu liegen
und den Lauf von Sonne und den Wächtern der Nacht zu beobachten, die sich auf
den Weg machten, um die Nacht bald zu erhellen.
Erst als Lunars Stimme über dem Platz erklang, blinzelten die blauen Augen
schläfrig, wenn auch wach und aufmerksam. Ein Lied? Sofort schossen ihm die
unterschiedlichsten Melodien durch den Kopf, die ihm bekannt waren. Hatte das
Rudel ein eigenes Lied? Ein wenig neugierig geworden, stand der Schwarze auf und
schüttelte sich den Pelz aus. Seinen Freund Kalayro konnte er im Augenblick
nicht erspähen, machte er sich um diesen allerdings keine Gedanken. Er war mit
Sicherheit bei seiner Gefährtin. Ein sanftes Lächeln glitt über sein Gesicht,
dann schritt der Rüde langsam über das Gras. Sachte berührten die Spitzen seine
Läufe und im Gehen selber streckte er seine Muskeln aus, die vom langen Liegen
lahm geworden waren. Sonst war er nicht so der Charakter, der viel herum lag.
Heute hatte es ihn allerdings nicht dazu gebracht aufzustehen und sich dem Rudel
anzuschließen. Erst jetzt, wo ihn die Neugierde gepackt hatte, kehrte Bewegung
in ihn zurück. Locker trabte er auf seinen anderen, hellen Freund Katan zu und
lächelte diesen an. Er war gerade in ein Spiel mit Welpen vertieft und einen
Augenblick betrachtete er den Rüden, wie er mit den Kleinen umging. Faszinierend
und schön zugleich.

.oO(Ob ich eines Tages auch seine Welpen zu Gesicht bekommen werde?)

Amüsiert lachte der Dunkle in sich hinein, während er zu Katan aufschloss, sich
kurz nach den Welpen umblickte und sich dann an seinen Freund wandte.

Na, Papa in spe? Fleißig bei der Arbeit? Übst du schon Mal für deine?

Kurz deutete er auf die Welpen, denen dann seine Aufmerksamkeit galt.

Wenn ihr Abenteurer nichts dagegen habt, werde ich euch begleiten.

Die lapislazuliblauen Augen funkelten freudig in die Runde und die lange
schwarze Rute wippte einladend.

.oO(Ja, ich denke hier gehöre ich hin.)


Niana folgte Aszira
gelassen, es war ihr egal wo die Schwarze sie hin führte denn im Moment war
nichts wirklich wichtig. Das Leben war wichtig, Dijaron war wichtig, Demon war
wichtig, Lunar war wichtig. Aber wo sie hin ging, mit wem sie irgendwo hin ging
war so egal so lange sie sich wohl fühlte, gut fühlte. Und das tat sie. Mit
einer Mörderin an ihrer Seite die doch viel mehr war als das. Aufmerksam
lauschte sie den Worten der älteren Fähe und nickte dann langsam.

„Es ist mir egal das du so bist, Hauptsache du bist es nicht weil du sehr
traurig bist. Ich will nämlich nicht das Wölfe die ich mag, traurig sind."


Sie lächelte immer noch, nicht mehr ganz so breit, aber immer noch genauso
zufrieden. Das Leben war sehr schön und man hatte nicht genug Zeit um Traurig zu
sein. Man musste die Zeit nutzen die man hatte um glücklich zu sein, denn man
wusste nie, wie viel Zeit man noch hatte. Das Leben konnte so schnell vorbei
sein und man sollte nicht sterben, wenn man Unglücklich ist. Keiner sollte das.
Als sie Lunars Ruf hörte musste sie leise Lachen. Ihr Bruder war ein Träumer,
ein Spinner, er hatte Visionen und das gefiel ihr.

„Ach, so hirnrissig finde ich sie gar nicht."  

Meinte sie und sah zu ihrer Freundin. Lief weiter neben ihr her, da diese den
Kurs änderte. Sie spazierte gemütlich neben ihr her und dachte nach. Über die
Schwarze an ihrer Seite, ob sie wohl glücklich war, wenigstens ein bisschen,
manchmal? Ob sie wohl zufrieden war mit ihrem Leben hier? Wie sehr sie Kyro wohl
hasste? Ob sie überhaupt hassen wollte? Langsam richtete sie den Blick auf
Aszira.

„Du, hattest du jemals zuvor eine so gute Freundin wie Alana?"


Aakalliko hatte noch
einige Zeit den Tausendfüßler betrachtet. Wie er sich fortbewegte! Einfach nur
ein richtiger Hingucker und wirklich interessant für den jungen Wolf. Die Stimme
des weißen Wolfs Lunar war erklungen. Aakalliko war ein wenig aufgeschreckt, da
er wieder von seinen Gedanken losgerissen wurde. Diese fremde Lebensform hatte
ihm mal wieder so sehr zum Nachdenken angeregt. Er konnte Lunars Worte zwar
genauestens hören, konnte sich aber nichts darunter vorstellen oder es gar
verstehen. Es hörte sich irgendwie komisch an. Wirr und unverständlich, für
Aakalliko zumindest. Hätte Katan nichts dazu gesagt, hätte er gar nichts damit
anfangen können. Die Erwachsenen redeten manchmal auch ein komisches Zeug!
Schwer und unverständlich! Wie sollte man da auch etwas verstehen können? Was
hörte der Kleine da? Ein Abenteuer?

“Ein Abenteuer! Mit der ganzen Familie und allen Freunden…also mit dem ganzen
Rudel? Boah…das ist ja wohl voll super! Was wird es denn für ein Abenteuer sein?
Und natürlich werde ich da mit kommen! So etwas werde ich doch auf keinen
verpassen wollen! Ich bin dabei!“


Ganz aufgeregt wedelte er mit der Rute. In seinen Augen funkelte große Freude.
Ein Abenteuer! Das, was er sich schon immer so sehr gewünscht hatte! In Gedanken
malte er es sich schon aus, was sie alles für tolle Sachen machen würden. Viele
Dinge entdecken und die interessante Natur mit ihren vielen Seiten beobachten!
Das alles fand Aakalliko einfach wunderbar. Hastig stand der junge Rüde auf und
lief Katan und Kyrraine hinterher. Mit einigen Schritten hatte er sie bereits
einholen können, da sie noch nicht so weit entfernt waren. Fröhlich sah er beide
von ihnen an. Sie freuten sich bestimmt auch schon auf das Abenteuer!
Erwartungsvoll sah Aakalliko Lunar an.

Aszira wandte den Kopf zu Niana um und sah
sie verdutzt an. Niana lächelte und lief so leichtfüßig tänzelnd neben ihr her,
als wandle sie durch einen schönen Traum. Für einen Moment fragte sich die
Schwarze, ob nicht sie diejenige war, die träumte - ob sie vor Erschöpfung nicht
einfach ohnmächtig geworden war und nun irgendwelchen Blödsinn fantasierte.
Aszira verwarf den gedanken sofort wieder. Nichts dergleichen war passiert, dass
hätte sie sich gar nicht gestattet.

"Du redest schon wie Kheiji...",

erwiderte sie schliesslich etwas mürrisch und sah wieder geradeaus. Trotzdem,
anders als bei dem jungen Braunen dachte sie noch etwas über Nianas Worte nach.
Machte sich die junge Fähe über sie lustig?!

Auf Nianas Widerspruch hin schnaubte sie nur. Sie blieb bei ihrer Meinung über
Lunar und seine Ideen, aber sie wusste, es lohnte nicht, darüber zu diskutieren.

Aszira grübeöte noch immer, als die Braune schon mit einer neuen Frage
herausrückte. Da war aber wieder jemand neugierig...

"Nein. Und bevor du fragst: nein, ich hatte zuvor überhaupt noch nie
Freunde."


'Freunde' stat 'Freundin', fiel ihr sogleich auf. Plural. Traf das denn zu, wenn
sie davon ausging, dass sie gerade solche Worte niemals leichfertig verwendet
hatte? Die Schwarze warf einen Blick zu Niana. Wenn sie Alana als Maßstab nahm,
hatte sie keine weiteren Freund. Allerdings wusste - oder ahnte, besser gesagt -
sogar Aszira, dass das Gefühl und die Art der Freundschaft zu jedem Wolf
unterschiedlich sein musste. Demnach taugte dieser Vergleich nicht viel. Sie
hatte nichts gegen Nianas Gesellschaft, würde sie im gegenteil sogar so manch
anderem vorziehen. An Alana reichte sie bei Weitem nicht heran, aber... Nun,
wenn sie ehrlich war, schien es zumindest das Anfangsstadium einer Freundschaft
zu sein. Hmpf. Na mal sehen...
Aszira brach ihre Überlegungen vorerst ab, als Lunar in Sicht kam, in der Nähe
Lajila und Niagara. Ganz nach ihrer Art wahrte sie einen etwas größeren Abstand
als allgemein bei solchen Zusammenkünften üblich war. Sie grüßte auch niemanden
- sie bedachte jedem mit einem Blick, der nicht anderes hieß, als dass sie die
anderen zur Kenntnis nahm. Mehr durften sie ganz einfach nicht von ihr erwarten.
Gemächlich folgte sie Lunar die Anhöhe hinauf, ohne wirkliche Lust dazu, aber
auch ohne lohnenwerte Alternative im Sinn.

Niana bemerkte Asziras fragenden,
ungläubigen Blick und ignorierte ihn einfach. Sie konnte verstehen das die
Schwarze verwirrt war, als sie sich das letzte Mal wirklich unterhalten hatten,
war Niana noch mit so vielen Fragen beschäftigt gewesen. Jetzt war ihr Kopf frei
und sie versuchte zu sehen. Ihre Rute wedelte leicht als ihre komische, ja,
komische Freundin von Kheiji redete. Sie wusste nicht genau was sie sagen
sollte, wusste nicht genau ob sie Recht hatte. Sie und Kheiji waren
unterschiedlich, aber vielleicht sprachen sie gleich. Sie musste sich unbedingt
mal mit dem Braunen unterhalten.

Sie schwieg während Aszira nachdachte und sie schwieg auch lange Zeit, nach dem
die Schwarze schon gesprochen hatte. Die Fähe hatte also noch nie Freunde
gehabt, leise seufzte sie. Hatte Niana je einen Freund gehabt? Einen wirklich
guten Freund? Sie dachte an Demon, aber Demon war ihr Bruder, ihre Familie. Ein
Freund. Außer Dijaron hatte sie keinen. Jetzt ernster sah sie zu der Fähe neben
ihr.

„Ich auch nicht."

Meinte sie leise. Sie mochte die Wölfe, aber wer mochte sie? Außer Dijaron und
Demon und Lunar? Was hieß hier eigentlich außer? Reichten nicht drei Wölfe,
würde nicht auch nur einer reichen? Natürlich reichte es, aber trotzdem machte
es sie betroffen. Was, wenn sie irgendwann gehen würden, oder keine Zeit für sie
hatten? Sie schüttelte den Kopf und damit auch die dunklen Gedanken weg. Das
Leben war okay, schön, wunderbar.

„Aszira, was glaubst du, warum es auf der Welt so viele böse Wölfe gibt?"

Niana hatte schon ihre eigene Theorie, aber sie wollte auch gerne die von ihrer
fast Freundin, anfangs Freundin, oder was auch immer, hören. Mit ehrlicher
Neugier sah sie die Schwarze an, ehrlich interessiert an ihrer Meinung und ihrer
Denkweise. Als sie bei Lunar ankamen lächelte sie ihm kurz zu. Er hatte sie
lieb. Und sie hatte ihn lieb. Und das war mehr als genug.

Niagara hatte gelauscht. Gelauscht, was
ihre Freundin zu sagen hatte. Kurz hielt sie inne, dachte über die Worte von
Lajila nach. Es war gut zu wissen, jemanden an der Seite zu haben, die alles für
einen tut. Freundlich blickte die Wölfin in die Augen, ihrer schwarzen Freundin.
Verfloss regelrecht in ihr, ehe sie sagte:

„Ich danke dir ganz fest aus meinem Herzen heraus. Ich werde dir auch immer
beistehen und wen du mal einen Welpensitterin brauchst stehe ich dir ganz sicher
zur Seite.“


Ihre Ohren schnippten nach vorne, als sie den Ruf von Lunar war nahm. Kurz
musste sie schmunzeln, ehe sie langsam aufstand. Gähnend blickte sie auf ihre
schwarze Genossin nieder, ehe sie fragte:

„Das klingt super, kommst du auch mit? Bitte!“

Freudig wedelte sie mit ihrer langen Rute. Ihr Oberkörper sank nach unten.
Verspielt wuffte sie Lajila zu. Sie hatte gerade wieder einen Freudeschub
gehabt. Grinsend wartete sie ab.

Eben noch lag der Blick der dunklen Wölfin
auf ihrer Freundin und sie lauschte ihren Worten, da trat auch schon der weiße
Jungwolf hinzu.
Freundlich begrüßte sie ihn mit einem sachtem Nicken. Es war faszinierend, wie
sehr sich der Wolf verändert hatte, aber irgendwie sagte es ihr zu. Er schien
verwantwortungsbewusster geworden zu sein. Sie lauschte seinem Vorschlag und
folgte dann seinem Blick zu den Welpen und den anderen Rudelmitgliedern.

"Natürlich...das ist eine wunderbare Idee..."

, meinte sie sanft und blickte Lunar kurz nach. Dann erwiederte sie den Blick
ihrer Freundin nicht weniger sanft und nahm ihre Begeißterung mit funkelnden
Augen zu Kenntnis. So gefiel ihr das Leben. So sollte es sein.
Mit einem Rutenschwenken erhob sie sich und streckte kurz die Pfoten. Dann
trabte sie neben Niagara und grinste sie an.

"Natürlich komme ich mit, soetwas lasse ich mir nicht entgehen..."

, meinte sie vergnügt und beobachtete dann, wie sich bereits einige anderen in
Bewegung gesetzt hatten. Suchend blickte sie sich nach ihren vier Welpen um.
Aber sie würden schon kommen, in Begleitung der anderen, dessen war sie sich
sicher.

"Na komm!"

, forderte sie Niagara auf und folgte dann Lunar den Hang hinbauf.

Gleichmäßig und tief fielen nun die
Atemzüge des Dunklen aus, der entspannt an das herbstliche Fell gelehnt da lag.
Friedlich und jede Form von Verwirrung war verschwunden, der verstörte
Gesichtsausdruck gewichen.
Shien fühlte sich wohl, wie schon lange nicht mehr. Die Geräusche der anderen
Wölfe war so weit weg, abgeschottet durch diesen warmen Pelz an seiner Seite. Er
sog den Geruch bei jedem Atemzug ein, lauschte sofern es ihm möglich war, dem
Lebensrhythmus Felices. Ihre Nähe, ihre Worte, dieses bestimmte Etwas, was sie
ihm gab, hatte er unterbewusst vermisst.
Es hatte es nie in seinem Leben gegeben und doch hatte etwas in ihm sich nach
einer anderen Seele gesehnt, die ihn so aufnahm, wie sie es tat.

In seinem Zustand der Ruhe bemerkte er nur am Rande, dass sich Kiba und Sharlia
wieder näherten. Vom Gefühl, welches durch seinen Körper floss und die Angst
verschwinden ließ, berauscht, reagierte er jedoch nicht. Einzig seine Ohren
drehten sich in ihre Richtung, sein Geist hatte sie sehr wohl bemerkt, er
wusste, das da jemand war, doch sein Verstand hatte sich ausgeschaltet – in
seinem Falle aber zum Positiven.
Es tat ihm gut, hier einfach nur zu liegen, nichts zu tun, nichts denken oder
fühlen zu müssen. Es war eine Freiheit, wie er sie nicht kannte. Er fühlte sich
an ihrer Seite sicher und gut aufgehoben – etwas das er gar nicht kannte.
Ihre Worte rutschten in sein Unterbewusstsein, wie ein kurzer Regenschauer und
mit einem leisen, wohligen Brummlaut schloss Shien die Augen.
Es dauerte nicht lange, da war er wieder in der Tiefe, stieg hinab in den Traum,
um dieses eine Mal nicht darin zu versinken.
Ruhig und im Groben traumlos verlief sein Schlaf, so erholsam wie noch nie.
Es war nicht dieses gehetzte, schnelle, von Panik beherrschte Schlafen, wenn er
es unbedingt musste. Wieder eine neue Erfahrung für ihn, die er so nicht
einsortieren konnte.
In seinem Traum wanderte der Rüde durch Wälder, an Seen vorbei, über große,
weite Flächen von hohem Gras bewachsen, bis ans Meer. Auf einer Klippe blieb er
stehen, ließ den Wind an seinem schwarzen Fell ziehen und zerren und in seinen
Ohren brausen. Freiheit. Welch wunderbares Gefühl. Keine Ketten, die ihn
fesselten, keine Last, die ihn erdrückte. Hier gab es nichts, nichts, nichts.
Nur das Meer, die Freiheit und ihn. Und sie?
Eine ganze Weile später, er konnte nicht sagen wie lange, öffneten sich die
grün-braunen Augen wieder. Blinzelnd und auch nur einen Spalt breit und doch
konnte er in ihr Gesicht sehen. Nachdenklich betrachtete er die Gesichtszüge,
hob dann ein wenig den Kopf und stupste sie sachte mit der Schnauze an.

Dank dir... habe ich nicht geträumt.

Leise erklang seine Stimme, ebenso ruhig, wie er sich fühlte. Auch wenn er nicht
lange geschlafen hatte, es war tief gewesen und hatte zumindest ausgereicht, als
dass der Drang schon ein Mal verschwunden war. Etwas erholter sah er aus, auch
wenn diese Schlafphase nur ein geringfügiger Teil war. Er hatte zu lange nicht
geschlafen, war völlig übermüdet, doch wenn er die folgenden Nächte durch
schlafen würde, würde sich dies wieder geben.

Ich weiß nicht warum du bei mir bist... und ich kann mir nicht erklären
wieso, aber es ist schön, dass du da bist.


Ein wenig nervös drehten sich die Ohren hin und her. Normalerweise sagte er
solche Dinge eher weniger und doch hatte er das Bedürfnis gehabt, ihr das zu
sagen. So wie es war und nicht anders. Felice würde gewiss nicht lachen, selbst
wenn seine Worte so seltsam gewesen waren, dabei hatte er es nur ehrlich
gemeint.


Mit den beiden fröhlichen Welpen an seiner Seite,
erschien Katan der Weg, den sie über den Platz zu Lunar zurücklegten, sehr kurz.
Unterwegs gesellte sich ein alter Freund zu ihnen, es war Lysanias. Der Weiße
freute sich sehr, dass der Rüde sich seiner kleinen Gruppe anschloss. Zu lange
hatten sie nicht mehr miteinander gesprochen. Er grinste über die Worte seines
Freundes, sie schnitten ein Thema an, über das er nur allzu selten nachgedacht
hatte: eigene Welpen. Es mochte vielleicht seltsam klingen, dass ein junger,
völlig verliebter Wolf nicht darüber nachdachte, mit seiner hochrangigen
Gefährtin nachwuchs zu zeugen, aber er hatte so viel anderes im Kopf gehabt,
dass ihm der Gedanke ferngeblieben war.

"Aber mein lieber Freund, es ist doch keine Arbeit mit den beiden Abenteurern
durch die Lande zu ziehen, es ist das pure Vergnügen!"


Er lachte beschwingt und sah zu den beiden Welpen. Ihre Fröhlichkeit war mehr
als ansteckend und ihre Sorglosigkeit ließ ihn nicht unberührt.

"Wir haben ganz und gar nichts dagegen, dass du dich uns anschließt. Stimmt's
ihr zwei?"


Sagte er, sich zu den kleinen Rüden umdrehend. Sicher hatten sie nichts dagegen,
wenn ihr Abenteurerteam sich etwas vergrößerte.

"Das hier-"

Er deutete mit einer Kopfbewegung auf seinen blauäugigen Freund.

"Ist Lysanias. Er ist ein vorzüglicher Begleiter auf Abenteuern, das kann ich
euch sagen."


Und er dachte zurück an die Zeit im ewigen Eis, dass unter ihren Pfoten zu
brechen drohte. Dachte daran, wie hoffnungslos und verzweifelt er war als er
ankam und wie ihm die Worte Sirans wieder Mut machen konnten. Es waren
wandelsame Tage gewesen, wunderbare Tage, die ein neues Feuer in ihm entfacht
hatten. Tage, auf die noch viel schönere Tage gefolgt waren.


Kiba sah zu den beiden, die vollkommener nicht
daliegen konnten. Es sah aus, als gäbe es nur sie, nur Felice und Shien, als sei
der Rest der Welt nicht da, würde nicht stören. Es war, als leben sie nicht
hier, weit entfernt nahmen sie die Atemzüge in einer anderen Welt und Kiba
wünschte sich, auch in einer solchen Welt leben zu können. Er, nur er, zusammen
mit seinen Liebsten. Eine Welt, die durch nichts zerstört werden kann, durch
nichts schlecht wird. Doch diese existierte nicht. Nicht hier. Vielleicht, so
dachte der Weise, vielleicht war das Jenseits ein solcher Ort, doch da gab es
nur einen Weg hin und keinen zurück. Kiba sah zu Sharila, nickte um ihre Worte
zu bestätigen. Es war grauenhaft, wie der Rüde war. Schrecklich. Er tat ihm
leid, doch was konnte er machen. Jetzt? Es ging ihm gut, er war da, bei Felice
und er war doch nicht da.

Als Felice ihn grüsste, traute sich Kiba nicht, etwas zu sagen und auch Sharila
war der Meinung, jetzt zu gehen. Es war besser so. Mit glitzernden Augen sah er
noch einmal zu der Fähe, nickte ihr mit einem Lächeln zu und drehte sich, ohne
noch ein Wort zu verlieren um. Er liess auch Sharila hinter sich, wuffte ihr nur
freundlich zum Abschied zu. Gespannt sah Kiba zu Lunar, als dieser alle
aufforderte und in Kiba regte sich etwas. Mit den Augen suchte er nach Lajila,
sah sie bei Niagara. Doch was ihn besonders ins Auge stach, war sein geliebter
Patenwelpe. Aakalliko, zusammen mit Katan und Lysanias unterwegs und selbst
Kyrraine war dabei. Kiba nahm Sätze, preschte auf die Vier zu. Kurz vor den
Vieren nahm er einen Satz und landete über Aakalliko und sah ihn spielerisch an.

"Du willst doch nicht ohne mich aufbrechen, mein grosser Abenteurer?"

Aus der Kehle kam ein leises Knurren, dass schnell zu einem Lachen wurde. Sanft
stupste er den kleinen Rüden an und wedelte aufgeregt mit seiner Rute. Mit
fröhlichem Blick sah er zu Katan und Lysanias, begrüsste sie mit einem
freundlichen Kopfnicken und stupste auch den zweiten Welpen an.


Langsam folgte sie dem weißen Jungwolf die Anhöhe hinauf, immernoch dabei auf
einen Abstand zu den anderen bedacht, der für sie am angenehmsten war. Mit
Ausnahme von Niana, aber zu seinem Gesprächspartner hielt man ja auch keinen
Abstand von mehreren Wolfslängen.

Sie warf der jungen Fähe wieder einen Blick zu, als Niana mit einer recht
philosophischen Fragen herausrückte. Warum es viele böse Wölfe auf der Welt gab?
Aszira hatte sich nie darüber Gedanken gemacht, denn für sie war die Welt eben
so, wie sie war. Und dazu gehörte dann auch, dass die meisten Wölfe 'Böse'
waren. Überhaupt war dieses Wort völlig fehl am Platz. Es gab dutzende Begriffe,
die viel präziser das Dunkel einer Seele beschreiben konnten. 'Böse' war im
Vergleich zur Wirklichkeit eine schwammige, lasche Bezeichnung. Die Welt war
viel schlimmer.

"Weil die Welt böse ist. Jene, die sich ihr anpassen um zu Überleben, nennt
man dann 'böse', und jene, die einen anderen Weg versuchen, bezeichnen sich
selbst dann als 'gut'...."
,

erwiderte sie schließlich und grinste zynisch. Letztendlich lief alles auf die
eigene Perspektive hinaus. Sie selbst betrachtete andere Wölfe meist auch als
'böse', wohl wissend, dass sie selbst in den Augen der allermeisten Artgenossen
selbst als 'böse' galt....


Sharila sah eine Weile hinüber zu Shien und
Felice, froh darüber, dass es dem Schwarzen nun gut ging, froh darüber, dass
sich jemand gefunden hatte, der sich so für ihn sorgte. Ihr Blick glitt wieder
zu Kiba, der noch immer neben ihr verweilte und schenkte ihm ein freundliches
Lächeln, das immer öfter auf ihren Lefzen zu sehen war. Dann sah sie noch einmal
zu dem Schwarzen und der Braunen zurück, bevor sie es dem weißen Rüden neben ihr
gleich tat und sich erhob. Sein freundliches Wuffen erwiderte sie, während sie
dem Weißen eine Weile hinterher blickte. Doch Lunar’choos Stimme, die kurz
darauf erklang, erlangte schon bald ihre Aufmerksamkeit und ihre Ohren drehten
sich gespitzt in seine Richtung. An seiner Stimme konnte die Eisprinzessin
feststellen, dass es nicht einer seiner vorlauten Befehle war, sondern nur eine,
ja freundliche Aufforderung. Obwohl sie den jungen Wolf anfangs nicht leiden
konnte, musste sie sich nun eingestehen, dass sie ihn gar nicht so schlimm fand.
Sharila wollte sich gerade auf den Weg zu Lunar machen, als ihr einfiel, dass
sie Ilja versprochen hatte, zu ihr zu stoßen, sobald sie die Angelegenheit mit
Shien geregelt hatte. Suchend blickte sie sich um, konnte die Welpin jedoch
nirgends erblicken. Wo war sie bloß hingegangen? Die Schneeweiße wusste es nicht
und beschloss, sie mit Ayura, die wohlmöglich mit ihr zusammen war, allein zu
lassen. Gerade wollte sie sich zum Gehen wenden, als sie die Kleine doch
erblickte. Mit federnden Schritten lief sie auf die Welpin zu, die tatsächlich
mit ihrer Freundin Ayura spielte und kam kurz vor ihr zum Stehen.

“So, da bin ich, ihr beiden.“

Sagte die Eisprinzessin freundlich und schlechte beiden einmal über das
Köpfchen. Doch war ihr gerade nicht zum Spielen zumute und so dachte sie sich,
die beiden dazu zu bringen, mit ihr zu Lunar’choo zu gehen.

“Hört nur, Lunar hat uns gerufen. Was haltet ihr davon, wenn wir zu ihm
hinüber gehen? Dort können wir natürlich auch noch spielen, wenn ihr wollt“


Sagte sie und setzte sich schon langsam in die Richtung des jungen weißen Rüden.
Kurz hielt Sharila inne und sah zurück zu den Welpen. Ihr Blick war auffordernd
und nicht die leiseste Spur von ihrer Grausamkeit widerspiegelte sich in ihm.


Vor Freude glänzten die seegrünen Augen der
sandfarbenen Welpen, war sie doch so froh, dass sie Ilja hatte, mit der sie
spielen konnte und sich somit von dem unheimlichen, schwarzen Rüden ablenken
konnte. So sorglos wie Welpen es nun mal zu sein pflegten, wenn sie in
Sicherheit aufwuchsen, hatte sie Shien schon fast wieder vergessen, aber auch
nur fast. Ayura war noch nie eine Unachtsame gewesen, zumal zu aufgrund ihrer
Schüchternheit und Ängstlichkeit buchstäblich automatisch etwas vorsichtiger und
weniger tollpatschig war, als vielleicht manch andere Welpen.
Sie blickte ihre Freundin an, die ihr sogleich ein Spiel vorschlug, dem sie nur
zu gerne zustimmte. Fangen war einfach ein tolles Spiel! Doch kaum hatte Ayura
geantwortet, da wetzte Ilja bereits davon, mit einer erstaunlichen Wendigkeit.
Doch auch die schüchterne Welpin wollte dem nicht nachgeben und kurz nachdem
ihre Spielkameradin los gelaufen war, war auch sie auf und davon.

.oO(Ich krieg dich, na warte!)

Vollkommen vertieft in das Spiel, hatte Ayura ihren Blick auf Ilja geheftet und
dachte nur noch daran, ihr zu folgen um sie zu fangen. Es war selten, doch es
gab, wie man sieht, die Momente, in denen Ayura ein völlig anderer Welpe zu sein
scheint. Viel verspielter und offener, als man es normalerweise von ihr gewohnt
war.
Plötzlich ragten vor Ayuras Augen die langen dünnen Läufe eines anderen Wolfs
empor und in einer ungeschickten Vollbremsung purzelte sie in Sharila hinein.
Ein wenig verwirrt schüttelte die Kleine ihren Kopf und ließ ihren Blick nach
oben wandern. Ein unschuldiges Grinsen schlich auf ihre hellen Lefzen, ehe die
Augen kurz umher schweiften um Iljas Aufenthaltsort ausfindig zu machen. Die
Welpin spürte eine raue, warme Zunge auf ihrem Kopf und wusste, dass es Sharila
war. Wohlwollend ließ sie es über sich ergehen, während sie ihre Ohren
aufstellte und den Worten der weißen Fähe lauschte.

“Ach, Lu hat uns gerufen?“

Fragte sie interessiert. Beim aufgeregten Spielen war es ihr doch tatsächlich
entgangen! Ein Blick glitt zu Ilja, der eine Meinung von ihr erwartete, bevor
sie wieder ihren Fang öffnete.

“Ich geh nur, wenn Ilja auch geht!“

Doch Sharila war schon halb angekommen und so fasste Ayura nun doch eine eigene
Meinung. Sie war schließlich nicht von anderen abhängig! So wollte sie sich doch
nicht ausgeben!

“Komm, dann gehen wir mit!“

Ein Zwinkern galt Ilja, ehe sie Sharila folgte – natürlich nicht, ohne sich nach
ihrer besten und einzigen Freundin umzuschauen.


Niagara war Froh, das Lajila die gleiche Freude
zeigte wie sie selber. Sofort stapfte sie los, in Richtung Lunar, Aszira und
Niana. Es freute sie total, dass viele der Anwesenden mitmachen. Neugierig
blickte sie sich um, beobachtete alle genaustes. Vor allem würde es sie freuen,
wenn die Welpen mitmachen würden. So etwas war eine neue Erfahrung, die sicher
alle Begeistern wird. Vorsichtig lief Niagara dem weißen Wolf hinterher. Blickte
aber immer wieder zurück zu Lajila:

„Wo ist eigentlich Aramis?“

Fragte die braune Fähe plötzlich. Sie erinnerte sich nicht mehr, wo hin er
gegangen war, als er bei ihnen war. Kurz blieb sie stehen, und blickte sich um.
Ihre Ohren waren aufrecht nach vorne gestellt, um ja alles mit zu bekommen, was
vorne, hinten und neben ihr passierte. Als ihr Blick wieder bei Lajila
angekommen, .lief sie zu der Schwarzen hin, leckte ihr sachte über die kalte
Schnauze, ehe sie weiter nach oben schritt.


Ayura stieg sofort in das Spiel ein, und Iljas
Herz pochte vor Freude gleich noch etwas schneller. Da hatte sie eine tolle
Spielkammeradin gefunden, die mit ihr genauso wunderbar spielte wie ihre
Geschwister!
Ilja lief und sprang umher, um ihrer Freundin zu entkommen, schlug einen Haken
und wäre fast selbst in Sharila hinein gelaufen. Gerade noch witschte sie
zwischen den Läufen der Weißen hindurch, Ayura dagegen purzelte direkt in die
große Fähe hinein. Ilja quietschte vergnügt auf und geselle sich dann zu der
anderen Welpin, um sie freundschaftlich anzustupsen. Natürlich holte sie sich
dabei auch ihren eigenen Köpfchenschlecker ab. Sie mochte das, ihre Mama machte
das auch oft.
Sie grinste, als Ayura Bedingungen dafür stellte mit Sharila mitzugehen. das war
schön - eine Freundin, die sie nicht mal eben allein ließ. Ilja sah jedoch
keinen Grund, warum sie nicht zu dem farblo-.. äh.. weißen Jungwolf gehen
sollten.

"Au ja!",

verkündete sie ihre Begeisterung für diese Idee. bestimmt würde es lustig sein,
mit Lu zu spielen. Und so sprang sie gleich wieder auf und lief los, lief dabei
Schlangenlinien zwischen Ayura und Sharila. Warum nicht auch schon unterwegs
weiterspielen?


Mit zuckenden Ohren blickte sich Lajila um und
nickte den anderen zu. Es war gut, dass das Rudel sich an einer gemeinsamen
Aktion beteiligte. Sie alle, denn jeder für sich war ein Teil davon.
Ihr Blick glitt wieder wie Niagara und bei dem Namen ihres Gefährten blickte sie
sich aufmerksam um.

"Er wird wahrscheinlich schon oben sein oder oben dazustoßen....er wird es
nicht verpassen wollen, wie seine Kleinen das erste Mal heulen..."


, meinte sie dann mit einem Löächeln und stupste ihre Freundin sacht an.
Dann blickte sie sich abermals um. Sie entdeckte Kiba bei Aakalliko und musste
grinsen. Es tat ihr gut zu sehen, dass sich ihre Kleinen so schnell einlebten
und von allen akzeptiert und geliebt wurden. Denn das war notwendig um ihr das
sichere Wissen zu geben, dass das Rudel fest hinter den Kleinsten stand


Es war schön, neben Narunyá zu liegen und nichts
weiteres zu tun, alles und jeden um sich herum zu vernachlässigen. Im inneren
wusste Kalayro, dass er es mit seiner blinden Liebe beinahe übertrieb, doch was
konnte er dafür? Schließlich liebte er diese Fähe, mehr als alles andere auf
dieser Welt, oder war es nur die Liebe, die für einige Momente blind machte?
Nein. Sicher nicht. Er liebte sie und würde sie immer lieben. Sie gehörten
einfach zusammen, wie füreinander bestimmt. Kurz flackerte ein wenig Schuld in
ihm auf, als der Rüde an Rena, seine ehemalige Gefährtin, dachte. Auch sie hatte
er geliebt, doch nun liebte er eine andere Fähe, wahrscheinlich noch mehr, als
er Rena geliebt hatte.
So schnell diese Gedanke kamen, so verflogen sie auch wieder, denn Narunyá
schien im Moment das Ein und Alles. Der Graue wusste, das es eigentlich nicht
richtig war, doch er war wie gefangen in ihrer Anwesenheit. Dieser Fähe hatte er
nun sein Herz geschenkt. Obgleich man vom äußeren her nicht sieht, welch Gefühle
sich im inneren des Rüden abspielten, so war sein Herz doch voller Liebe und
eine innere Erregung hatte ihn seit einiger Zeit beschlichen. Wenn man ihn
ansehen würde, so würde man einen starken, ruhigen Rüden vorfinden, den nichts
aus der Fassung bringen kann. Doch wer vermag es schon, in anderer Wölfe
Gedanken zu schauen?

Trotz der Gefühle, die über ihn herrschten, schaffte es Kalayro doch irgendwie
seine feinen Ohren aufmerksam aufzurichten und sich auf die Worte seiner
Gefährtin zu konzentrieren. Ein erstaunter Blick traf sie, als sie behauptete,
von ihm gelernt zu haben, dass das Leben weiter geht und dass man nicht der
Vergangenheit nachhängen sollte. Hatte sie es wirklich von ihm gelernt? Wenn ja,
so war es dem Hünen noch gar nicht aufgefallen. Er lebte, wie er es für richtig
hielt und gab Worte von sich, von denen er meinte, dass sie Sinn ergaben. Und
vage erinnerte er sich an alles, was er damals bei der Wanderung und auch nach
der Wanderung gesagt und getan hatte. Vielleicht konnten manche seiner
Artgenossen tatsächlich Schlüsse daraus ziehen, wer konnte es wissen?
Ein leichtes Knabbern am Ohr riss Kalayro wieder aus seinen Gedanken und er
blickte seine Liebste an. Narunyá fuhr mit ihrer warmen Zunge über sein Gesicht
und er genoss diese Berührung, sowie die, als die Fähe sich an seine Brust
lehnte. Zärtlich leckte er ihr über den Kopf, bevor er sich wieder auf die
folgenden Wort konzentrierte. Gebannt lauschte der Rüde die nahe Vergangenheit
seiner Gefährtin und bewunderte insgeheim ihre innere Stärke. Er wollte sie
nicht unterbrechen, nicht ein einziges Mal sprach er dazwischen. Mit halb
geschlossenen Augen und aufgestellten Ohren versuchte er nach zu empfinden, wie
Narunyá sich damals gefühlt haben musste. Sie hatte ihren Gefährten verloren,
ihre Welpen, alles. Es musste schwer für sie gewesen sein, unheimlich schwer,
doch entsprechend hatte sich wohl auch ihr Charakter geformt. Eine arrogante
Fähe war sie, als der Rüde sie kennen lernte. War es nur ein Schutz für all das,
was sie verloren hatte?
Erst, als die Grau-Braune geendet hatte, wagte Kalayro ihr einen tiefgründigen
Blick zu schenken.

“Du hattest es schwer, Liebste … Ich wusste das nie, ich wusste es wirklich
nie. All dies, was du mir heute erzählst, es ist mir alles neu und ich bedauere
beinahe, dass ich dir zu jenen Zeiten nicht beistehen konnte.“


Kurz zögerte der Rüde.

“Aber wie du vorhin schon sagtest, es ist vergangen und es würde uns nichts
bringen, der Vergangenheit nach zu trauern, obwohl die meisten sich dabei immer
besser fühlen. Doch Trauer, es ist etwas schmerzhaftes und fröhliches zugleich.
Wer um einen anderen trauert, zeigt die wahre Liebe, doch bis dahin ist alles zu
spät ...“


Unheimlich gerührt reagierte der Rüde auf Narunyás Worte und so musste er einen
Satz dazu beitragen. Narunyá würde schon verstehen, was er damit meinte. Er
wusste nicht, wie viel er ihr bedeutete, beziehungsweise er wusste es, konnte es
jedoch nie wirklich fassen. Nun hatte er es ihrem eigenen Fang vernommen und er
merkte, dass er das gleiche für die Fähe neben ihm empfand.
Sanft leckte er über Narunyás Hals, als diese sich an ihn lehnte und ihre
Schnauze in sein Grau-Braunes Fell vergrub.

“Ich liebe dich auch, mehr, als du es dir jemals vor Augen führen könntest,
Narunyá. Wirklich.“


Der Ruf Lunars ertönte und erst mit einer erstaunlichen Verzögerung nahmen
Kalayros sonst so sensiblen Sinne dies wahr. Der Rüde hob sein schönes Haupt und
unterbrach die liebevolle Liebkosung zu Narunyá, die ihn alles vergessen ließ.

“Wollen wir hinüber gehen?“

Ein Grinsen auf den Lefzen ließ sich nicht vermeiden.


Nicht mehr weit war es, bis Aakalliko bei Lunar
und den anderen ankam. Auf dem Weg war noch ein anderer Wolf des Rudels
dazugekommen. Ein großer erwachsener Rüde mit grauschwarzem Fell. Katan hatte
ihn als Lysanias vorgestellt. Einige kleine Schritte, mehr brauchte dir kleine
Gruppe nicht mehr. Katan, Kyrraine und auch der „Neue“ waren mit ihm am Ziel
erreicht. Aakalliko setzte sich gelassen zu der kleinen Gruppe, die langsam
zusammen fand und dadurch immer größer wurde. Sein Blick wanderte neugierig von
Wolf zu Wolf. Ob die anderen wohl auch so aufgeregt waren, wie er? Die einen
wohl mehr, die anderen weniger als er selbst. Ein wenig in Gedanken vertieft
schreckte er auf, als auf einmal Kiba angesprungen kam. Fröhlich musterte er ihn
und wedelte freundlich und aufgeschlossen mit der Rute.

“Wohin soll es denn überhaupt gehen, Kiba? Was wird es für ein Abenteuer? Und
wann wird es losgehen? Schon sehr bald?“


Aufgeregt sah Aakalliko den weißgrauen Rüden an. Er war auch ein großer
Abenteurer! Bestimmt würden sie zusammen und vor allem auch mit allen anderen
viel Spaß haben! Wieder sah er neugierig zu den Anderen herüber. Was dachten sie
jetzt bloß? Was stellten sie sich bloß unter diesem Abenteuer vor? Aakalliko
malte sich es in Gedanken schon ganz aufregend aus.


Narunyá war dicht bei ihrem Gefährten, bei ihrem
Liebsten, den es ein zweites Mal nicht gab. Es war er alleine, nur er, der ihr
Leben auf den Kopf stellte. Nur er trug die Schuld, dass beinahe ununterbrochen
Gefühlswellen durch ihren Körper pulsierten, das sie nur noch an ihn denken
konnte. Kalayro, der graue Rüde, der ihr Herz stahl. Jede Berührung löste ein
Zittern aus, ihr Herz schlug bis in ihre Kehle. Sie liebte ihn, mehr als alles
andere, anders als sie bis jetzt liebte.
Die grauen Ohren schnippten zu Kalayro, als seine Stimme die Ruhe durchbrach,
nachdem die Fähe lange Zeit gesprochen hatte. Sie lauschte den Worten und wollte
nicht, dass diese verklangen. Wie eine Melodie, ein warmer Liebesgesang, der
alles aussagte, was er sollte. Nur sachte nickte sie verträumt. Was wäre wohl
gewesen, wenn sie ihren heutigen Liebsten schon früher kennen gelernt hätte. Was
wäre aus Diego und den Welpen geworden? Aber was Narunyá tatsächlich
interessierte; Was würde geschehen, wenn Lukka oder Somajia plötzlich vor ihr
stehen würde. Endlich, nach langer Zeit ihre Zungen über den Körper ihrer
leiblichen Mutter gleiten lassen würden, ihren Duft einatmen und sie lieben wie
früher? Welche Worte würden aus den Fängen klettern, wenn die graue Mutter sagen
wird, dass dieser Rüde nun ihr Gefährte war. Mit einem Kopfschütteln verflogen
die Gedanken und alles, jeder Sinn, galt wieder Kalayro.

"Du hast Recht..."

Natürlich hatte Kalayro Recht, und das hatte sie gelernt. Von ihm. Von ihrem
Liebsten. Sie hatte ihn wartenlassen, weil sie Diego nicht vergessen wollte,
täglich an dessen Augen und Berührungen, seine Liebe dachte. An die gemeinsamen
Welpen. Und immer, immer wieder zerriss es ihr Herz aufs Neue. Doch jetzt, jetzt
hatte die Graue Kalayro, einen Rüden, der nur zu ihr gehörte. Und Narunyá
hoffte, dass es immer so bleiben wird. Es war eine andere Liebe als die zu
Diego. Es war zwar beinahe unfair gegenüber von Diego, doch Tatsache. Und auch
keine Schande.

"Ich glaube es dir, Liebster."

Sachte lehnte sie sich an die starke Schulter, sog den Geruch des Rüden ein und
dachte an jede Sekunde, die sie bis jetzt mit ihm verbracht hatte. Als der Ruf
Lunars durch den Himmel zuckte, brannte die Lust nach etwas Bewegung in der
Brust von Narunyá. Sofort stand sie auf, zog leicht am Ohr von Kalayro.

"Aber natürlich. Die Welpen werden zum ersten Mal Heulen!"

Mit wedelnder Rute wartete sie ab, bis auch ihr Gefährte sich aus dem Gras
erhoben hatte.


Sharila blickte die beiden Welpen aus ruhigem
Blick an. Sie hatten etwas an sich, dass sie beruhigte, sie waren so ehrlich, so
unerfahren und so … schutzlos. Sie musste schmunzeln, als sie die beiden
sprechen hörte, wie begeistert sie ihren Vorschlag entgegennahmen und wie offen
sie für alles waren. Die Eisprinzessin beneidete sie schon beinahe um ihre
sorglose und ausgelassene Art. Doch dann schüttelte sie leicht den Kopf. Sie war
eben sie, Sharila, die Eisprinzessin, ihr Leben war anders, sie hatte andere
Erfahrungen gemacht, sie wurde mit Grausamkeit und Gewalt konfrontiert. Sie
würde ihr Leben niemals vollständig ändern können. Vielleicht würde sie sich
nicht einmal vollständig von ihrer Gewalt absagen können, sie wusste es nicht.
Wohlmöglich gab es eine böse Seite in ihr, die sie nie wieder verlassen würde?
Mit einem selbstverachtenden Schnauben lenkte sie ihren Geist wieder in die
Realität und sah zurück zu Ilja und Ayura, die auf sie zuliefen.

“Schön, dass ihr mitkommen wollt, lass uns gehen“

Sagte die Schneeweiße mit freundlicher Stimme und wandte sich wieder in Lunars
Richtung. Darauf bedacht nicht zu schnell zu gehen, schritt sie auf den weißen
Jungwolf zu und schenkte ihm schon von weitem ein freundliches Kopfnicken. Als
sie schließlich mit den Welpen bei ihm ankam, lief sie mit geschmeidigen
Schritten neben ihm her und blickte noch einmal zu den Kleinen hinunter, bevor
sie anfing zu sprechen.

“Sei gegrüßt, Lunar. Du hattest nach uns gerufen …“

Begann die Eisprinzessin und blickte die jungen Wolf aus ihren bernsteingelben
Augen an. Absichtlich hatte sie ihn nicht mit seinem vollen Namen angesprochen,
denn klang es für sie vertraulicher, wenn man einen Spitznamen verwendete. Dann
wandte sie sich wieder zu Ayura und Ilja, die ihr gefolgt waren.

“Lunar hat etwas schönes vor, es wird euch bestimmt Spaß machen, stimmts,
Lunar?“


Ermutigte Sharila die beiden abermals und zwinkerte dem Jungwolf dabei kaum
merklich zu. Denn obwohl die erste Begegnung mit ihm doch eher unangenehm war,
musste die Schneeweiße zugeben, dass sie für den vorlauten weißen Rüden dennoch
so etwas wie Sympathie empfand. Schließlich war er derjenige gewesen, der sie so
sehr verändert hatte, schließlich war er der Erste, der sie darauf hingewiesen
hatte, dass ein Leben im Rudel sich von einem Leben als Einzelgänger
unterschied. Sie hatte wirklich von ihm gelernt, wenngleich sie es nicht zugeben
würde, doch innerlich wusste Sharila, dass sie ihm dankbar sein sollte. Denn ob
bewusst oder unbewusst, er hatte ihr den Weg zur Besserung gezeigt.


Die Rute des jungen Rüden glitt aufgeregt von
einer Seite auf die andere. Seine Augen waren ständig in Bewegung. Ein Mal
blickte er zu Katan, dann wieder zu Aakalliko und irgendwie war er immer noch
auf der Suche nach seinen Eltern. Aber er wusste ganz genau, dass Mama und Papa
nie weit von ihm weg sein konnten und daher machte er sich um sie keine Sorgen.

Irgendwo zwischen den Anderen entdeckte er seine Schwester Ilja. Freudig tat er
einen Satz, blieb dann jedoch weiterhin bei Katan. Und musterte den weißen
Rüden, der sich zu Aakalliko gesellt hatte.

"Hallo!"

, meinte er bloß, denn er war viiieeel zu aufgeregt um nun irgendwelche tollen
Begrüßungsreden hervorzubringen. Mit einem Grinsen hopste er an Katan hoch.

"Duhu? Können alle Wölfe heulen?"

, wollte er wissen und strahlte den Rüden regelrecht an. Immerhin hatte er
selbst es noch nie probiert und vielleicht konnte er es ja gar nicht. Und
vielleicht war das schlimm, wenn man es nicht konnte und man wurde nicht mehr
lieb gehabt?
Soviele Fragen wanderten Kyraine durch den Kopf, doch er schob sie alle zur
Seite.Seine Familie würde ihn immer lieb haben, egal ob er heulen konnte oder
nicht. Und seine beiden Lieblingsschwestern würden bestimmt am allerbesten
heulen, davon war er überzeugt. Immerhin waren sie unheimlich toll und
großartig.
Mit großen Augen beobachtete er all die Rudelmitglieder, die dem Ruf des
Jungwolfes gefolgt waren.


Fröhlich sah Katan zu dem Welpen hinunter, der
aufgeregt an ihm hochsprang. Über die flatterige Unsicherheit, die er beim
Gedanken an das gemeinsame Heulen zeigte, ließ den weißen Rüden schmunzeln.
Hatte er sich als Welpe darüber Gedanken gemacht, was er nicht konnte? War ihm
überhaupt klar gewesen, dass es Dinge gab, die ihm nicht gelangen? Er war sich
seiner selbst immer sehr sicher gewesen und viel zu selten auf die Nase
gefallen, als er jung war. Er hätte früher lernen sollen, dass Größenwahn selten
Gutes nach sich zog. Schelmisch lächelte er Kyrraine an und formulierte gleich
darauf seine Antwort.

"Mach dir keine Sorgen, ich habe noch nie einen Wolf getroffen, der nicht
Heulen kann."


Mit gespielter Miene sah er den Welpen abschätzend an, musterte ihn, so als
könnte man ihm ansehen, ob er ein guter Heuler war. Ein heiterer
Gesichtsausdruck sprach aus seinen Zügen.

"Also, so stark und schnell wie du bist und so klug, da wirst du bestimmt
großartig heulen können und so laut, dass es über das ganze Tal schallt. Du
musst nur ein bisschen üben, aber dass macht dein Rudel, deine Familie ja mit
Freuden mit dir und ich ebenso."


Vorsichtig knuffte er den kleinen Rüden in die Seite. Er hatte seine beiden
Spielkameraden schon richtig lieb gewonnen. Kurz sah er zu Kiba und nickte
diesem zur Begrüßung, so wie der Weiße es ihm gegenüber auch getan hatte.
Anschließend sah er Lunar an um ihn ebenfalls zu begrüßen.

"Guten Abend, Lunar."

Er setzte sich nieder um auf das Ende des Versammelns zu warten und alle sich
eingefunden hatten, die dem weißen Hünen folgen wollten. Aufmerksam blickte er
in die Runde, immer Kyrraine im Auge behaltend, für den er sich momentan
verantwortlich fühlte.



Mit einem Lächeln registrierte der Rüde, dass
seine Gefährtin aufgestanden war und auch er bequemte sich, sich mit
schwungvoller Eleganz vom Boden hoch zu drücken. Es würde sicher ein glanzvolles
Ereignis werden, sowie ein niedliches Schauspiel, so war es doch, wenn Welpen
zum ersten Mal heulten, nicht wahr? Unbemerkt schlich sich ein wölfisches
Grinsen auf Kalayros Lefzen und man könnte beinahe sagen, dass es etwas dümmlich
aussah. Selbstverständlich hielt dieser Moment nicht lange an, so etwas konnte
sich der Hüne ja gar nicht leisten! Höchstens Narunyá hätte es vielleicht
mitbekommen können, doch interessierte es sie, dass er einmal kurz dümmlich
aussah?
Kalayros bernsteinfarbenen Augen glitten zu seiner Gefährtin und eine sanfte
Liebe ließ sich daraus ablesen. Einen Moment betrachtete er sie mit feinster
Genauigkeit und musste sich, wie schon so oft, gestehen, dass er ihre Schönheit
einfach nicht verleugnen konnte. Schließlich schweifte der Blick zum Mittelpunkt
des Geschehens, das sich nun um Lunar versammelt hatte, ehe er seine
Seelenspiegel wieder zu Narunyá wandern ließ.

“Ja, es wird sicher ein schönes Erlebnis sein, sowohl für die Welpen, als
auch für uns Erwachsenen.“


Die Stimme des Grauwolfes ertönte mit der gewöhnlichen Ruhe und in voller Tiefe.
Eine beruhigende Stimme könnte man sagen, die selbst bei stärkster Unruhe nicht
umschlägt. Das einzige, was die Freuden des Rüden zum Ausdruck brachte, war die
leicht wedelnde Rute, die seine Entspannung unverkennbar widerspiegelte. Der
Fünfjährige konnte einfach keine Ausgelassenheit zeigen, jedenfalls nicht
wirklich, oder doch?
Mit einem Satz holte er Narunyá auf, die bis dahin noch einen kleinen Vorsprung
genoss. Leicht stieß er sie in die Seite und trabte schließlich mit anmutigen
Schritten Richtung Lunar und den anderen, natürlich nicht, ohne sich prüfend
nach ihr umzuschauen, um sich auch vollkommen sicher sein zu können, dass diese
ihm folgte. Dort angekommen nickte er zur Begrüßung freundlich in die Runde und
beobachtete mit wachsendem Interesse das Treiben der Welpen.

“Einen schönen Abend wünsche ich euch.“

Brachte er schließlich seine Begrüßung in Form von Stimme heraus. Seine tiefe,
volle Stimme glitt harmonisch in den Abend und wieder zeichnete sich ein Lächeln
auf seinen Lefzen ab. Kurz blickte er noch zu Narunyá, stupste sie sachte an,
ehe er seine Aufmerksamkeit wieder dem Geschehen huldigte.


Wieder etwas unsicher von all den Wölfen, hielt
sich Ayura lieber dicht bei Sharila. Obwohl es alles Wölfe von ihrem eigenen
Rudel war, wusste sie doch, dass sie noch lange nicht alle kannte und die, die
sie schon mal kannte, von denen wusste sie sicher auch erst unglaublich wenig.
Ihre Paten, Alana und Niagara hatte sie noch kaum kennengelernt. Sie wusste
lediglich wer sie waren, wie sie aussahen und könnte vielleicht auch von der
Stimme her erkennen, dass sie es waren. Doch viel zu tun hatte sie mit ihren
beiden Paten noch nicht gehabt, dafür hatte sie immer Ilja an ihrer Seite. Und
auch Sharila schien ihr um einiges vertrauter, sowie Lunar auch, wobei die
kleine Welpin um jeden Preis ihre Eltern bevorzugen würde. Doch nun waren eben
nur Ilja und Sharila vor Ort und die konnte die Sandfarbene schließlich auch
ganz gut leiden. Doch die Tatsache, dass sie so dicht bei Sharila lief, ließ
schon vorhersehen, dass sie andauernd um dessen Beine lief. Ob es die Weiße
behindern könnte, so weit hatte Ayura nun leider nicht gedacht. Ihre Gedanken
waren lediglich bei dem, was Lunar mit ihnen vor hatte. Heulen, das war doch mal
etwas Schönes! Aber konnte sie das denn überhaupt? Ihre Stimme hatte sie außer
zum Reden und Fiepen kaum anders beansprucht.

Mit ihren seegrünen Augen blickte sie die Erwachsenen fragend an. Die Frage von
Kyrraine drang zu Ayuras Ohren hervor und Katans Antwort folgte gleich darauf.
Die Welpin blickte ihre beste Freundin an. Konnten sie beide auch heulen? Sachte
zupfte Ayura an Sharilas Fell und wollte Kyrraines Frage sogleich ein wenig
ausbauen.

“Wie heult man denn? Ist das einfach?“

Wie gewöhnlich legte sie ihr kleines Köpfchen kurz schief, ihre kurze Rute
trommelte einige Male auf den Boden, bevor die Kleine kurz zu Ilja blickte, nur
um Sharila sogleich wieder ihre Aufmerksamkeit zu schenken.


Mit strahlenden Augen lauschte Kyrraine den
Worten des Rüden. Stark? Schnell? Automatisch straffte sich sein kleiner Körper
und Stolz trat in seinen Blick. Natürlich war er stark! Er musste doch seine
Familie beschützen. Und schnell war er auch! Das musste zu irgendwas bestimmt
auch gut sein. Mal sehen.

"Wirklich?"

,wiefte der Kleine glücklich und lies sich auf sein kleines Hinterteil plumpsen.
Also würde er auch Heulen können. Das war doch großartig.
Als Katan den weißen Rüden begrüßte grinste Kyrraine zu ihm auf.

"Hast du gehört? Ich bin starkm schnell und werde grooooßartig Heulen
können!"


,musste er ihm gleich erst ein Mal erzählen. Aber seine WOrte klangen eher
übermütig als angeberisch.
Dann entdeckte er Ilja ganz in der Nähe und mit einem Satz war er wieder auf den
Pfoten.

"Kommst du mit Katan?"

, forderte er ihn auf und hüpfte auf seine Schwester zu, die er mit einem
Grinsen ansprang. Liebevoll schleckte er ihr über die Ohren.

"Du und Daina...ihr seid bestimmt die besten Heulerinnen von allen!"

,war er überzeugt und nickte mit wedelnder Rute. Dann blickte er sich um. WO war
Daina überhaupt?


Kiba spürte, wie der kleine Schwarze etwas
zuckte, aber gleich wild mit der Rute wedelte. Kiba lächelte aus treuen,
bernsteinfarbenen Augen auf den Knirps hinab und langsam senkte er den Kopf, um
mit seiner Nase ganz nahe am Rücken von Aakalliko vorbeizufahren. Zügig sog der
Weisse den Geruch ein, filterte den von Lajila hinaus und glaubte, sie neben
sich zu spüren. Verträumt lächelte Kiba und pustete die ganze Luft wieder
hinaus.

"Wir werden Lunar folgen. Es geht ab in die Höhe."

Freundlich lächelte Kiba und setzte nun seine Pfoten regelmässig auf den Boden,
bewegte sich mit einem federnden Gang in die Richtung, in die Lunar die Gruppe
führte. Immer wieder glitt der Blick des Rüden zu dem Welpen und steht’s lag
Freundlichkeit in den Augen.

"Wir werden uns alle vereinen und unsere Stimmen erheben, zu einem Gesang,
den nur wir Wölfe von uns geben können. Du wirst staunen, wie toll es sich
anfühlt, einmal ganz oben zu stehen und deine Stimme über den Himmel zu
streuen."


Geheimnisvoll engte Kiba seinen Augen etwas, sah dann nach Vorn um mit den Augen
nach Lajila zu suchen. Bestimmt war sie genau so auf dem Weg, denn sie war die
stolze Mutter dieses Jünglings, stolze Mutter von weiteren Dreien. Sie würde es
nicht verpassen wollen, wenn die Kleinen das erste mal heulen, ihre Stimmen
erheben werden und das Lied anstimmen werden, das alle zusammen sangen. Nur vage
konnte sich der weisse Rüde an seinen eigener ersten Auftritt erinnern. Jedoch
war es Zwang, kein wollen. Doch später, als Kiba mit Beka alleine auf
Wanderschaft war, sangen sie oft gemeinsam. Beinahe jeden Abend, als der Mond
die Sonne verdrängte. Und oftmals erklang in der Ferne eine Antwort. Es waren
unglaublich tolle Momente. Und Kiba wollte, dass es für seinen Patenwelpe schön
wird.

"Deine Mama und dein Papa werden so stolz auf dich sein, grosser Abenteurer.
Und ich werde es auch sein, mein Held."


Kiba zwinkerte lieb und freundlich zu seiner Seite und liess dann seinen Blick
gleiten, um zu sehen, wer sich alles ihnen anschloss.


Kalayro erhob sich, elegant und strahlte viel
Ruhe und Fassung aus. Er stand mit allen Vieren im Leben, wusste was er wollte
und dies gefiel Narunyá. Sachte legte sie den Kopf schräg und betrachtete wie
der Rüde ihr Gegenüber, mustert jeden Zug im Gesicht ihres Liebsten und konnte
sich kaum an der Stelle halten, an der sie war. Ihr Herz pochte, schlug si fast
zurück zu ihrem Rüden, dich sie blieb ganz still stehen. Die Augen von Kalayro
schienen die Graue zu durchdringen, sie zu erhitzen und brachten sie zum
schmelzen. Das Gesicht, mit den fein kantigen Zügen strahlte Weisheit aus. War
schön, passend zum wunderbaren Körper von dem Rüden. Nun entflammte erneut der
Wunsch nach Nähe zu dem Gefährten, doch auch jetzt blieb sie noch stehen, ehe
sie langsam weiterging. Neugierig zuckten die Ohren hin und her, und aufgeregt
wartete die Fähe auf den warmen Körper. Als endlich die erlösende Berührung kam,
konnte Narunyá nicht anders und sprang an Kalayro hoch, platzierte ihre
Vorderläufe auf dem Rücken des Rüden und leckte ihm über den ganzen Kopf.

"Ich kann mich noch gut an das erste Heulen meines Nachwuchses erinnern. Als
Mutter ist man sehr stolz."


Mit Schwung setzte die Fähe ihre Pfoten wieder auf den weichen Boden, trabte mit
federnden Schritten an der Seite ihres Gefährten und stürzte sich mit ihm mitten
ins Getue. Mit einem Lachen auf den Lefzen federte Narunyá an Kiba vorbei, der
den kleinen Aakalliko beherzte, schenkte Lysanias einen netten Gruss und wehte
mit einem Nicken an Katan vorbei. Aufgeregt sah sie ihren Gefährten an.

"Mein Herz schlägt so wild. Ich kann es kaum erwarten, die Welpen zu hören
und kann kaum warten, mit dir die Stimme zu erheben."


Ein Glitzern in den Augen. Ein Lächeln auf den Lefzen. Mit einem Satz stand
Narunyá neben Lunar, mit dem sie sich bisher nur oberflächlich abgegeben hatte.
Besonders interessiert betrachtete sie das Narbengesicht und zwinkerte
freundlich dem jungrüden zu.

"Eine tolle Idee, Lunar!"

Nickend unterstrich sie ihre Worte, schenkte auch Sharila ein freundliches
Lächeln und sah gespannt auf das Tun der Welpen, die bei der weissen Fähe waren.

Dijaron spitzte die Ohren als Lunar nach
ihnen rief und setzte sich in Bewegung. Abenteuerlustig und Lebensfroh wie er
war sprang er geradezu wie ein junger Hase über die Lichtung hin zu dem riesigen
weißen Jungwolf, der sie zum gemeinsamen Heulen rief. Ein bisschen gefesselt
waren seine Gedanken nach wie vor an das Gespräch um den bösen Wolf und an Demon
und Shanaya, die er kaum kennengelernt hatte. Aber er würde die Gelegenheit ein
anderes mal nutzen.

„Wartet auf mich!“

Rief er von weitem, ehe er sich zwischen Kyrraine und Aakalliko durchschob um
zwischen Sharilas Pfoten zu wuseln. Neugierig sah er sich um. Noch nie hatte er
so viele Wölfe auf einmal gesehen. Noch nie war das Rudel vollständig zusammen
gekommen. Er wusste, dass noch einige Mitglieder fehlten, sein Vater war auch
nicht da, dennoch schien es immer voller zu werden.

„Wie gehen die denn? Die Lieder der Freiheit, meine ich? Woher weiß ich, was
ich machen muss?“


Fragte er und sah dabei zu Sharila nach oben. Im gleichen Augenblick schien ihm
seine Mutter ins Auge zu stechen, zu der er hinüberhuschte. Wedelnd schmiegte er
sich kurz an ihr Bein und strahlte ihr entgegen, zu Sharila und Lunar sehend.


Lunar beobachtete Lajila und Niagara, die ihm
sogleich folgten. Ein weiteres Mal fühlte er sich wie ein Wohltäter, ohne es
sein zu wollen, doch der Eifer, mit dem sich alle um ihn scharrten, ließ ihn
lächeln. Abenteurer um Abenteurer folgte der Gruppe. Dabei waren er und Kheiji
die ersten Welpen, die sich selbst so genannt hatten. Nun wurde die Bezeichnung
von allen Großen und Kleinen benutzt, als wäre es der Überbegriff für alle
Welpen. Er hatte der Welt damit die Möglichkeit gegeben, etwas von ihm zu
übernehmen, statt jeden Wolf nur Teil seiner eigenen Geschichte werden zulassen.
Unbewusst hatte er sich in das Leben der Anderen eingebracht und es verändert.

Nachdenklich wartete er, bis immer mehr Wölfe des Rudels herbei kamen, um den
Nachwuchs das erste Mal beim Heulen zu sehen und sie mit großen, kräftigen
Stimmen zu unterstützen. Als Sharila sich zu ihm gesellte, betrachtete er sie
ruhig, innerlich etwas misstrauisch. Er war sich nicht sicher, in welcher
Beziehung sie gerade zueinander standen. Er wusste nicht, wie sich ihr
Gemeinschaftsgefühl während der Jagd entwickelt hatte, schließlich waren sie
davor nicht gerade die besten Freunde gewesen. Letztlich hatten sie sich für ein
füreinander entschieden, statt gegeneinander zu arbeiten, aber was hätte ihm das
schon sagen sollen, nach den vielen Tagen, die inzwischen vergangen waren? Als
Sharila ihm wie eine alte Freundin gegenüber trat, lachte er amüsiert, ohne
etwas Böses im Sinn zu haben.

„Oh ja, es kann kaum etwas Spaßigeres geben.“

Erklärte er und sah über die Welpen, die inzwischen fast vollzählig
herangetreten waren.

„Wölfe heulen gemeinsam, um alle Welt hören zulassen, dass sie zusammen
gehören und eine große Familie sind. Es ist wichtig für die Gemeinschaft,
außerdem klingt es schön. Es sind Lieder, die alles über uns erzählen, was wir
wissen, ohne dabei Worte zu verwenden. Das sind die Melodien der Freiheit.“


Nickend begrüßte er Katan, der sich der Wanderung, hinauf zur Anhöhe
angeschlossen hatte. Grinsend sah er zu, wie die ganzen Aufpasser den Nachwuchs
hinauf trieben.
Als er oben stand und über den Wald hinweg zum Horizont blickte, an dem die
letzten Strahlen der Sonne den Himmel berührten und ihm der Wind um die Nase
wehte wusste er, warum es richtig war, diesen schönen Abend zu nutzen. Es galt,
diese Erinnerung für alle Ewigkeit festzuhalten, denn wer wusste schon, wie
lange es so friedlich und schön bleiben würde. Sehnsüchtig ruhten seine Augen
auf dem dunkler werdenden Himmel, ehe er zu den Welpen sah.

„Ist jemand so mutig, den Anfang zu machen?“


Die dunkle Wölfin hatte ihre Pfoten bis kurz
neben Lunar gelenkt und dabei darauf geachtet, dass Niagara neben ihr blieb.
Als sich ihr Jüngster an ihre Läufe drückte lächelte sie sanft und neigte den
Kopf zu ihm hinunter um ihm liebevoll über das Köpfchen zu schlecken.

"Na, mein Großer.."

, flüsterte sie sanft und erwiederte sein Strahlen nicht minder glücklich.
Liebevoll stupste sie ihn leicht an.

"Man fühlt es, mein Schatz...Wenn du beginnst zu Heulen, dann singst du deine
Gefühle hinaus in die Welt. Manche Singen, weil sie traurig sind, andere wenn
sie glücklich sind. Es geht dabei jedoch immer um die Gefühle."


, erklärte sie sanft und warf einen Seitenblick zu Niagara. Vielleicht wollte
sie auch etwas dazu beitragen. Dabei entdeckte sie nicht allzuweit entfernt Kiba
mit ihrem zweiten Sohn und lächelte sacht. Ganz langsam fand sich die Familie ja
zusammen. Nun fehlten eigentlich nur mehr Ayura, Jaris und Aramis.
Als Lunar sprach hob sie den Kopf sacht an und musterte erst ihn und
anschließend die Welpen. Sie war gespannt, welcher von ihnen zu erst seine
Stimme erheben würde. Dabei war es ihr nicht wichtig, ob es einer von ihren
Welpen oder einer von Darkjania`s war. Was zählte war, dass sie alle hier
beisammen standen und endlich das waren, was sie sein sollten. Ein Rudel, eine
Gemeinschaft...


Interessiert lauschte Shanaya den Worten
Dijarons. Der Kleine schien sehr intelligent zu sein, dass er seinem zarten
Alter schon solche Dinge von sich gab. Es war der jungen Fähe ein Rätsel, woher
Lajilas Sohn das Wissen nahm, doch musste sie zugeben, dass das meiste, was er
sagte tatsächlich zutraf.

“Zum Teil hast du Recht, aber tu mir den gefallen und such Kyro nicht gleich
auf, ok?“


Ein wenig Besorgnis lag in Shanayas Stimme, doch sie zwinkerte ihrem Patenkind
freundlich zu. Dann galt ihre Aufmerksamkeit wieder Daina, der sie zuvor so viel
und doch so wenig erzählt hatte.

“Es tut mir Leid Daina, dass ich dich enttäuscht habe. Frag mich ein anderes
Mal noch einmal, ja? Dann erzähle ich dir mehr, versprochen.“


Eine Weile noch beobachtete sie Daina, die Demon anscheinend sehr ins Herz
geschlossen hatte. Aber wie Demon dies wohl sah? Aufmerksame Blicke musterten
den Rüden und innerlich amüsierte sich die schwarze Fähe von Demons Verhalten.
Der stumme Beobachter schien anscheinend keine Bedenken zu haben, den Welpen
alles zu erzählen, was im Moment im Rudel ablief. Vielleicht war sie einfach zu
vorsichtig gewesen? Sicher hatten die Welpen das Recht, über ihre eigene
Gemeinschaft zu erfahren. Beinahe schuldbewusst schüttelte die Schwarze ihr
Haupt, als sie Lunars Ruf vernahm. Diajron war der erste, der reagierte und wie
ein kleiner Blitz huschte er davon. Ein Lächeln schlich auf Shanayas Lefzen. Wie
niedlich der Kleine doch war. Sie war froh darüber, dass sie zu seiner Patin
ernannt wurde und hatte den Kleinen bereits tief in ihr Herz geschlossen.

“Kommt ihr anderen, wir folgen Dijaron. Schließlich wollt ihr doch auch am
Gehuel Teil haben, nicht wahr?“


Ein aufmunternder Blick galt Daina und Jaris, ehe die bernsteinfarbenen Augen zu
Demon glitten. Shanaya grinste verschwörerisch und wandte sich schließlich zum
gehen.

Um Lunar herum hatte sich bereits fast das gesamte Rudel versammelt. Na, das
würde ein Spaß werden! Die schwarze Fähe nickte in die Runde, als allgemeine
Begrüßung, bevor sie sich an Lunar wandte.

“Gar keine schlechte Idee!“

Sagte sie fröhlich und wartete gespannt, ob einer der Welpen sich vielleicht
trauen würde den Anfang zu machen. Dabei hatte sie schon einige im Kopf …


Die Lieder der Freiheit. Noch konnte sich Jaris
nicht viel darunter vorstellen, aber seine Vorstellungskraft war immens. Er
lauschte den Wölfen und ihren Ausführungen übers Heulen und hörte dennoch nichts
was diesem nahe kam. Er legte das Köpfchen leicht schief, alle redeten darüber
und keiner tat es. Wie mutig. Er schnaubte fast so mürrisch wie sein Vater es
konnte, dann hob er die noch schmale Schnauze.

"Die Sonne schimmert rötlich

und möchte für heute geh`n,
sie sagt mit warmen Strahlen
uns nun Aufwiederseh`n. "


Erst leise und sehr zögerlich, gar nicht so Jaris-like erklang die noch etwas
dünne Welpenstimme. Doch er fasste Mut, war er doch der mutigste hier. Außer
seinem Partner Lu, verstand sich.

"Ein warmer Wind umweht
ganz zärtlich mein Gesicht,
streicht zaghaft durch das Fell

und flüstert - weine nicht.

Ich schaue in den Himmel
da blinkt der Abendstern,
es ist als würde er sagen
ich habe Dich so gern.

Die Zweige in den Bäumen
bewegen sich im Wind,
die Vögel zwitschern leise

geh schlafen ganz geschwind.

Ein letztes rotes glimmen
dann ist verlöscht das Licht,
die Sterne und der Mond
sind nun das Himmelslicht."
,

seine Stimme verklang und ein wenig unsicher sah er sich um. Nun hatte er den
Sonnenuntergang besungen, auch eine Form eines Liedes der Freiheit


Lunar ließ den Blick ein letztes Mal über die
Anwesenden schweifen. Shanaya trat noch hinzu und belobigte ihn. Zerknirscht
musste er zugeben, dass ihm die Stimmung heute nicht vermiest werden konnte. Er
musste die Sache also locker sehen.

„Spar dir deine Schmeichlerei.“

Entgegnete er ihr eitel, obwohl er eher belustigt grinste. Neugierig wandte er
sich zu Jaris um, der ebenfalls gekommen war, um an der Gemeinschaftsaktivität
teilzunehmen. Lunar richtete sich stolz zu voller Größe auf, als müsse er
dadurch demonstrieren, dass sein Patensohn der Mutigste war. Aufmerksam lauschte
er dem kleinen Rüden, ehe er mit in das Lied einstimmte, um das noch zarte
Heulen zu unterstützen. Der Jungwolf selbst hatte eine noch sehr helle, aber
klare und ausdrucksstarke Stimme.
Einen Augenblick besangen nur sie beide die untergehende Sonne, dann erhoben
sich die anderen Stimmen zu einem großen, mächtigen Gesang. Hohe und tiefe Töne,
manche lauter, manche leiser. Lunar erinnerte sich kaum noch daran, überhaupt
jemals mit so vielen gemeinsam geheult zu haben. Auch als die Sonne längst
verschwunden war, saß und stand man zusammen auf der Anhöhe, um immer wieder ein
neues Lied anzustimmen.




Geschlecht


Alter


Größe


Status


Charakterbogen


Kyro, Lijenna, Joshua



25.11.2010 16:51
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