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Joshua
Joshua Winter






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Mensch

Joshua Winter
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Joshua
- verjüngte Version bei mir erhältlich, falls es an Vorstellungsvermögen mangelt


J O S H U A

N A M E
Joshua Winter

G E B U R T S T A G
01. September

A L T E R
15 Jahre

G E S C H L E C H T
männlich

A U S S E H E N
"Ich bin mit meinen 15 Jahren doch tatsächlich 173 Zentimeter groß und das, obwohl ich mein Leben lang so wenig Nahrung wie möglich konsumiert habe. Ich wiege gerade einmal 49 Kilogramm und machte mir nie wirklich etwas daraus, so dünn zu sein. Als es allzu auffällig wurde und Aufsehen erregte, fing ich an, meine hagere Gestalt mit weit ausfallenden Oberteilen zu kaschieren. Ich weiß nicht mehr warum, aber mit der Zeit fing ich an, mich für meinen dünnen Körper zu schämen, aber davon bekam ich auch nicht mehr Appetit. Seit ich auf der Straße lebe, habe ich nicht mehr viele Kleidungsstücke zur Auswahl, hab mir aber auch früher nichts aus Marken gemacht. Meine Schuhe sind mir irgendwo abhanden gekommen, so dass mir nur ein Paar Winterstiefel blieb. Daher bewege ich mich über den Sommer barfuß vorwärts. Vielleicht finden sich irgendwo ja mal ein Paar abgetragene Turnschuhe im Müll, oder wenigstens alte Schlappen. Aber barfuß laufen hat auch etwas für sich, mit Schuhen kann man sich der Erde gar nicht so verbunden fühlen.
Ansonsten zählen zwei abgetragene Jeanshosen zu meinen wenigen Besitztümern. Sie sind zwar zwischenzeitlich ein wenig schmutzig und lassen sich mit einfachem Wasser nicht wieder säubern, aber sie haben noch keine Löcher und reißen auch noch nicht wie Papier auseinander. Für diesen Sommer besitze ich gerade einmal 2 T-Shirts, die schon bessere Tage gesehen haben und für die kalten Stunden des Tages habe ich einen Kapuzenpullover, der mich warm hält. Außerdem hab ich einen dieser schwarzweißen Schals, Pali genannt. Wenn es ein Kleidungsstück gibt, dass ich wirklich gerne mag, dann dieses. Ich würde ihn am liebsten Sommer wie Winter tragen. Ansonsten gehört mir noch ein zerfledderter Rucksack, den ich aus einem Müll gefischt habe. Er hat mit seinen Rissen und Flecken irgendwie Stil.
Meine Haare sind dunkelbraun, nicht wirklich kurz, und meine Augen tiefblau. Ich hab ein paar Probleme mit meiner Mimik und muss mich oft sehr konzentrieren, um nicht allzu ausdruckslos zu schauen. Mir selbst ist das lange Zeit nicht wirklich aufgefallen und später war es mir dann egal, aber mir sind die Reaktionen anderer Leute inzwischen öfter unangenehm aufgefallen. Ich bin außerdem kein Mensch, der allzu häufig lächelt. Und schon gar nicht, ohne vorher darüber nachgedacht zu haben, dass ein Lächeln angebracht wäre. Das heißt nicht, dass ich ständig unzufrieden oder grimmig schaue, ich kann meine Gefühle nur nicht so gut nach außen zeigen.
Wenn ich Fremden gegenüber stehe, fühle ich mich generell unwohl und weiß nicht, wohin mit meinen Händen. Am besten ist es, wenn ich dauernd etwas in der Hand halte, an dem ich herumspielen kann. Manche Leute macht das allerdings schnell wahnsinnig so dass ich es vorziehe, meine Hände in den Hosentaschen verschwinden zu lassen. Dann muss ich nur noch den Drang, herumzappeln zu wollen, unterdrücken. Ich mag es nicht, anderen in die Augen zu sehen und weiche daher oftmals Blicken aus, wenn ich nervös bin oder mich unwohl fühle. Ich kann mich außerdem besser schriftlich ausdrücken, weil ich mehr Zeit habe, genau darüber nachzudenken, was ich sagen will. Ansonsten kommt es oft vor, dass mich verhasple oder ins Stocken komme. Ich hab mich in meinem Leben nie viel mit jemandem unterhalten, außer mit meiner kleinen Schwester. Ihr gegenüber kannte ich diese Unsicherheit nicht. Und auch wenn ich mit meinen Freunden umgehe, bin ich selten so unsicher. Trotzdem versuche ich gerne offener zu wirken und selbstsicherer, als ich bin.
In der Vergangenheit hab ich mir von Zeit zu Zeit mit einem Taschenmesser in den Arm oder in die Beine geschnitten. Selbstverletzendes Verhalten, Ritzen genannt. Davon sind etliche Narben zurückgeblieben, die meinen Körper vielleicht den Rest meines Lebens zieren werden. An den Beinen sieht man sie eigentlich nie, da ich keine kurzen Hosen trage und die am Handgelenk verstecke ich im Sommer unter einem Schweißband."




C H A R A K T E R
„Ich bin der Meinung, dass es nicht genug Worte gibt, um einen Menschen zu beschreiben, nicht genug Papier auf der Welt und nicht genug Tinte. Alles, was man über mich sagen kann, sagt nur so gut aus, wer ich bin, wie ein Staubkorn das Universum beschreibt. Ich weiß selbst nicht genau, wer ich bin und bezweifle, dass es jemanden gibt, der davon mehr Ahnung hat. Außerdem verhalte ich mich jedem Menschen gegenüber anders. Ein bisschen kann ich versuchen zu beschreiben, wer ich in meinen Augen bin, aber ich kann niemandem eine Gewährleistung dafür geben, dass diese Aussagen in jeder Situation zutreffen.
Ich möchte zunächst mit Vergleichen beginnen. Wenn ich ein Instrument wäre, wäre ich ein Klavierflügel. Die Melodien, die auf mir erklingen würden, währen fast alle harmonisch, ruhig und ausgeglichen und sie würden verborgen irgendwo von einer namenlosen Traurigkeit erzählen. Von Enttäuschung, Schmerz und Angst. Manchmal würden auf mir wilde, aufbrausende Stücke gespielt werden, die eine Verzweiflung entfesseln, von der in allen anderen Melodien keine Spur zu finden ist.
Wäre ich eine Tat, dann wäre ich ‚träumen’ und müsste man mit mir eine Sache beschreiben, dann wäre ich dunkel. Wollte jemand wissen, was ich bin, würde ich antworten: Ein besiegter Krieger, der als einziges heimkehrt. Wäre ich eine Landschaft, wäre ich ein Abgrund und wäre ich kein Mensch, wäre ich ein streunender Hund. Das Gefühl, dass mich am besten beschreibt, ist die Einsamkeit, der ich so selten entkommen kann, die ich immer fürchte und in die ich mich manchmal flüchte. Könnte ich ein Himmelskörper sein, wäre ich der Neumond. Sterne gibt es viele, sie leuchten und sind nicht allein am Nachthimmel. Der Mond aber, mit seiner blassen Farbe, entspricht einem Licht in ewiger Dunkelheit, doch mein Licht, ist schon lange erloschen. Wäre ich eine Blume, könnte ich vielleicht das letzte Vergissmeinnicht sein, dass vergessen wurde. Das Element, das mir entspricht ist Erde, die mich gefangen hält und mit ihrer Anziehungskraft nie fliegen lässt, wie ich es mir wünsche. Meine Farbe ist ein düsteres Blau, wie das Meer vor dem Sturm. Fast schwarz.
Ich hatte immer das Gefühl, nichts richtig machen zu können und ich weiß, dass es nicht meine Schuld war, aber mit dem Verstand allein, kann man manchen Glauben nicht brechen. Ich versuche mich loszureißen, von meinem Leben, das ich während meiner Kindheit gelebt habe und habe dennoch das Gefühl, immer wieder von den Geschehnissen eingeholt zu werden, die sich in meinem Elternhaus zutrugen. All das Negative hat mich dazu gebracht, die meisten schönen Augenblicke zu verdrängen. Es gab nicht viele von ihnen, aber es gab sie. Sie helfen mir nur nicht, da sie am Ende doch nur in den Strudel aus Leid und Schmerz führen, dem ich eigentlich entkommen will. Ich bemühe mich, anderen Menschen, so offen und unvoreingenommen wie möglich zu begegnen und versuche mein Misstrauen, meine Unsicherheit und meine Angst im Zaum zuhalten. Manchmal schreit alles in mir danach, niemandem mein Herz zu öffnen, gerade so, als wäre es besser, hart wie ein Stein zu sein, um nicht verletzt zu werden. Es fällt mir unendlich schwer, Anderen gegenüber Schwäche zu zeigen und offen zuzugeben. Ich verabscheue es gerade zu, nicht alles aushalten und ertragen zu können, oder manchmal über den Dingen stehen zu können. Am liebsten wäre ich unantastbar. Ich will vernünftig sein, ich musste immer vernünftig sein und manchmal bin ich es einfach nicht. Ich hab Angst davor, mich einfach fallen zu lassen, weil es früher nie jemanden gegeben hat, der mich aufgefangen hätte. Alles wäre so viel leichter, wenn ich nicht dauernd befürchten würde, dass etwas, dass ich tue, alles kaputt macht.
Ich habe große Angst davor, meine neu gewonnenen Freunde wieder zu verlieren, oder zurück zu müssen, in ein Leben, das mich zurückwirft in die Dunkelheit, in der ich meine Vergangenheit sehe. Es ist nicht einfach, auf der Straße zu leben. Nichts ist sicher, am allerwenigsten die Zukunft. Wir sind einfach zusammen, weil es besser ist als das, was wir hatten. Aber ich bin nicht dumm genug um zu glauben, dass es ewig so weiter gehen kann. Trotzdem will ich nicht mehr loslassen. Wir müssen uns verstecken, müssen uns jeden Tag neuen Gefahren aussetzen und können jede Sekunde alles verlieren, aber dafür sind wir endlich frei von dem, was uns beinahe zerstört hätte.
In mir schlummern viele Gefühle die ich, wenn sie hervorbrechen wollen, nicht zurückhalten kann. Eine wilde Mischung aus Hass und unendlichem Zorn. Manchmal kann ich meine Aggressionen nicht unter Kontrolle halten und vergesse mich selbst dabei. Ich verabscheue es, zuzuschlagen, aber manchmal fällt mir gar nichts anderes ein und wenn ich wieder klar denken kann, hab ich mich schon wieder geprügelt. Ich bin hart im Nehmen und sicher nicht wehleidig, aber manchmal reicht ein Schlag aus, um mich wieder zurückzukatapultieren, in ein anderes Leben. Es fällt mir schwer, so etwas auf mir sitzen zu lassen, genauso wie ich kaum die Macht habe, rechtzeitig aufzuhören. Ich hasse mich danach dafür, weil ich mich selbst an meinen Vater erinnere und er ist der letzte, mit dem ich verglichen werden möchte. Manchmal bin ich einfach übersensibel und verachte mich selbst dafür. Es stört mich, meine eigenen Gefühle nicht unter Kontrolle bringen zu können.
Ich will immer alle beschützen, die mir wichtig sind und ertrage es kaum, darin zu versagen. Außerdem habe ich immer das Gefühl, auf alle aufpassen zu müssen. Bei mir selbst gelingt mir das eher nicht. Manche Kleinigkeiten ziehen mich total runter und ich muss immer darum fürchten, dass ich nicht mehr aus eigener Kraft auf die Beine komme. Ich weiß nicht viel über Psychologie, aber hin und wieder wurde ich von Depressionen heimgesucht. Manchmal konnte ich kaum aufstehen und wollte schon in die Knie gehen, wenn ich nur daran dachte, einen weiteren Tag überstehen zu müssen. Am liebsten hätte ich mich über Stunden verkrochen. Das Gefühl dieser unerträglichen Kraftlosigkeit gehört zu den schlimmsten Erfahrungen, die ich gemacht habe. Schon damals traten die Depressionen bei mir schubweise auf, so dass ich nie wusste, wann es wieder soweit ist, was mich wiederum verrückt machte. Solange es mir gut ging war die Vorstellung schwer, dass ich mich plötzlich nicht mehr einfach aufraffen konnte, so einen Tiefpunkt zu überwinden. Ich wollte dann immer meine Ruhe haben und ließ mich sogar von Lana reizen, obwohl ich mir nie verzeihen konnte, wenn ich sie zurückwies. Sie hatte doch nur mich. Manchmal machten mich dann Kleinigkeiten total wütend, alles konnte mich unendlich nerven. Das Öffnen einer Tür, eine leise Stimme oder das beinahe lautlose Spiel meiner Schwester. An anderen Tagen richtete sich diese Wut dann ausschließlich gegen mich selbst und ich fügte meinen Armen und Beinen neue Schnitte hinzu.
Alles in allem liegt meine einzige Stärke wahrscheinlich darin, dass ich bis jetzt noch nicht aufgegeben habe. Ich bemühe mich sehr, nicht zu impulsiv zu reagieren und bin manchmal auch im Stande, sehr aufmerksam zuzuhören oder zu beobachten. Ich reagiere empfindlich auf die Stimmungen Anderer, ohne dass ich mir sicher sein kann, was gerade in ihren vorgeht. Meistens glaube ich Anspannung zu spüren, oder Wut. Erklären kann ich das nicht. Wenn ich nicht mehr weiter weiß, lauf ich vor meinen Problemen davon, obwohl ich weiß, dass ich es bereuen werde.
Es gibt ein paar Dinge, die ich verabscheue. Dazu gehört Alkohol in jeder Form und sei die Menge noch so gering. Ich glaube die meisten Menschen verstehen einfach nicht, was sie sich mit diesem Zeug antun und wie viel sie dadurch kaputt machen können. Allein der Geruch macht mich wahnsinnig und ich fühle mich unwohl, wenn jemand in meiner Nähe betrunken ist. Zigaretten und Drogen stoßen bei mir auf eine ähnliche Ablehnung und ich mache keine großen Unterschiede zwischen diesen Dingen. Um Toleranz und nicht allzu extreme Reaktionen muss ich mich generell bemühen, wenn das Thema auf den Tisch kommt. Natürlich gibt es auch ein paar Dinge die ich sehr gerne mag. Dazu gehören Klaviertastaturen. Ich mag die schwarzweiße Regelmäßigkeit und die Melodien, die man damit zaubern kann. Ich finde die Nächte schöner als die Tage und liebe es, den Sternenhimmel zu betrachten. Es bereitet mir große Freude, zu schreiben, vorzugsweise mit Tinte auf Papier und ich mag das Geräusch von Regen wenn man sich irgendwo untergestellt hat und in Ruhe lauschen kann. Ich mag die Energie, die im Frühling steckt und die ersten Sonnentage im Jahr.
Und ich bin froh, dass es immer weiter geht."




G E S C H I C H T E
„Vor langer Zeit, in einem anderen Leben, da hatte ich einen älteren Bruder und eine Zwillingsschwester. Und sie waren zum Spielen draußen, ich war vier Jahre alt, aber meine Schwester verschwand. Nicht, weil sie sich verlaufen hatte, sondern weil es da draußen viele böse Menschen gibt, die ganz furchtbar schreckliche Dinge tun. Die Art von Dingen, die Eltern ihren Kindern verschweigen müssen, weil sie Angst haben, dass die Wahrheit großen Schaden anrichten kann. Deshalb sagt man uns, dass wir nicht mit Fremden reden sollen und, ganz gleich was sie uns anbieten, niemals mit ihnen mitgehen dürfen. Als Kind kann man sich gar nicht vorstellen, dass irgendjemand böse ist und dass manchmal etwas passiert, dass eine ganze Familie komplett zerstört. Unwiederbringlich.
Ich habe meine Geschwister eigentlich gänzlich vergessen. Warum mein Bruder nicht mehr da war, nachdem doch schon meine Schwester verschwand, wurde mir nicht erklärt. Alle Fotos verschwanden aus der Wohnung und am Kühlschrank war keine Zeichnung mehr zu finden. Es war verboten, ihre Namen zu erwähnen. Luca und Marco. Denn immer, wenn sie jemand gesagt hatte, war es still geworden und dann fing jemand an zu weinen. Also mussten wir ein dummes Spiel spielen. Wir taten einfach so, als wären wir schon immer eine Familie gewesen, die nur aus drei Personen und einem Hund bestand. Ich habe sehr schnell vergessen, was die genaue Bedeutung des Wortes ‚Familie’ ist. Meine Eltern jedenfalls konnten mir glücklich sein und Liebe nicht beibringen. Wenn Menschen sterben sagt man oft, dass sie einen Teil der Liebe mit sich nehmen. Aber wenn Menschen verschwinden, dann ist das auch so, oder sogar schlimmer. Als ich mit meinem Papa mal ein Eis essen war – das war einer der wenigen Tage an denen wir etwas schönes zusammen gemacht haben – sah er ein Mädchen auf der anderen Straßenseite und rannte plötzlich los und schrie Lucas Namen. Aber es war natürlich nicht Luca, sondern einfach nur ein Mädchen, das ihr gar nicht mal so ähnlich sah. Wenn Kinder sterben kommen sie in den Himmel, aber wenn sie verschwinden kommen sie nirgendwo hin. Sie bleiben da, ganz fest in den Gedanken und Herzen aller, die sie kannten, aber wie ein Loch das immer größer wird.
Es hat ein Jahrzehnt gedauert, bis ich mich nur ansatzweise an vieles aus diesen Tagen erinnern konnte. Für mich war lange Zeit selbstverständlich, dass ich ein Einzelkind war, bis Lana geboren wurde. Lana ist meine kleine Schwester und ein Engel. Ich war neun, als sie geboren wurde, aber ich durfte meinen Eltern sehr viel helfen. So oft ich konnte habe ich sie gewickelt, oder gefüttert. Ich hab ihr die Flasche gehalten und neben ihr geschlafen. Ich hab sie behütet und beschützt und alles was ich tat, tat ich nur für sie. Mein Papa hatte keinen guten Job, deshalb hatten wir nie Geld und ich wusste, dass man gut in der Schule sein muss, damit man später viel Geld verdient. Ich wollte Lana irgendwann alles kaufen können, was sie sich wünscht. Ich wollte, dass sie die schönsten Spielsachen bekommt und die tollsten Kleider. Ich wollte natürlich auch, dass ich meinen Eltern alles kaufen kann, was sie sich wünschen. Meine Mama könnte dann Zigaretten rauchen, die sie nicht selbst gedreht hat und die besser schmecken, weil sie die doch so mag. Und Papa könnte den teuren Whisky haben, den er im Laden jedes Mal angeschaut hat. Und wir würden neue Möbel kaufen und ein riesiges Haus. Aber dazu war es sehr wichtig, gut in der Schule zu sein. Ich war immer gut in der Schule, nur nie gut genug. Ich hab nie dieses strahlende Lächeln von meinen Eltern bekommen, wie die anderen Kinder, die abgeholt wurden. Außerdem wurde ich nie abgeholt, Papa musste Arbeiten und Mama war oft krank und durfte nicht nach draußen. Wenn ich nicht sehr gute Noten hatte, dann war Papa oft sehr wütend. Manchmal war er aber auch wegen allem anderen wütend, nur wieso genau, dass hab ich nicht verstanden. Er hat mich so oft geschlagen ohne dass ich wusste, was ich falsch gemacht habe, dass ich anfing zu glauben, dass er mich nicht mehr lieb hat. Aber wenn er weinte, konnte nicht mehr wütend sein. Es hat mir immer Angst gemacht, wenn meine Eltern geweint haben und ich hab immer versucht, sie zu trösten. Bis mir auffiel, dass nie jemand kam, um mich zu trösten, wenn ich geweint habe.
Mama hatte keine Zeit für Lana, warum weiß ich nicht mehr. Sie hatte immerhin keine Arbeit und war immer Zuhause. Im Haushalt hab ich ihr auch immer geholfen. Aber ich hab ja immer alles so gerne für Lana gemacht, dass es mich nicht störte. Ein bisschen Angst hatte ich immer, dass Papa mal wütend auf sie würde und sie dann schlagen könnte, aber zum Glück hatte er wohl nur mich nicht lieb. Zu dieser Zeit, Lana war gerade 1 Jahr alt geworden, verbrachten wir die Nachmittage oft bei unserer Nachbarin. Nach einer Weile hielten wir uns sogar öfter dort auf, als Zuhause. Lana brachte ich morgens zu ihr und nahm sie erst abends wieder nach drüben. Ich war inzwischen sicher, dass mein Papa mich hasst, aber an meinen Noten konnte es nicht liegen, denn ich bekam die Empfehlung fürs Gymnasium und machte immer meine Hausaufgaben. Ich hab eigentlich nie viel mit anderen Kindern anfangen können, daher hatte ich genug Zeit, um zu lernen. Mein Ziel änderte sich mit der Zeit nur ein wenig. Als ich älter wurde und meine Eltern schon lange nicht mehr liebte, wollte ich, sobald ich erwachsen bin, eine eigene Wohnung und dort mit Lana leben. Solange ich beim Arbeiten wäre, konnte unsere Nachbarin auf Lana aufpassen.
Ich konnte nur für Lana aufstehen, nicht für mich selbst. Morgens. Manchmal fühlte ich mich so müde, dass ich eine ganze Woche durchschlafen wollte. Einmal hab ich das auch gemacht und die Schule geschwänzt, aber der Ärger mit meinem Vater war derart groß, dass ich nie wieder auch nur einen Tag versäumte. Als ich 14 geworden war, kam ich an einem Tag aus der Schule und sah, wie ein Krankenwagen mit Blaulicht bei unserer Nachbarin in die Einfahrt fuhr. Sie war schon sehr alt, aber eigentlich war es ihr nie schlecht gegangen. Lana öffnete den Rettungsleuten die Türe und hatte sie, wie ich später erfuhr, auch verständigt. Sie war gerade erst 4 und nur weil sie so ein kluges Mädchen war, überlebte unsere Nachbarin den Herzinfarkt.
Wir besuchten sie im Krankenhaus, zu zweit. Meine Eltern ging die Sache nichts an und ich hasste sie dafür. Immerhin kümmerte sie sich um uns, ohne Geld zu verlangen. Ich fand es schrecklich, wie meine Eltern sie ausnutzten. Zum Glück ging es unserer Nachbarin aber wieder gut. Wir spielten ‚Mensch ärgere dich nicht’ und erzählten uns Witze.
Am nächsten Morgen war sie tot. Ab da gab es nur noch Lana und mich. Und wir mussten irgendwie klar kommen. Sie ging vormittags in den Kindergarten und lief den kurzen Weg allein zurück. Ich kam, nach der Schule, so schnell ich konnte nach Hause, um ihr etwas zu essen zu machen. Unsere Mutter lebte zwar in der Küche, wie mir schien, reagierte aber selten. Sie war wie eine Statue, die wir im Lauf der Zeit nicht mehr beachteten, genauso wie sie nie das Gesicht verzog, egal über was wir redeten oder wie laut wir lachten. Mit Lana war alles immer schön. Sie lachte, obwohl ich nicht fand, dass sie besonders viel Grund dazu hatte. Sie brachte eines Tages eine Katze mit nach Hause, die niemandem zu gehören schien. Unser Hund hasste zwar alle Menschen außer meinem Vater, aber mit der Katze schien er sich arrangieren zu können. Tiere sind sonderbar. Ich glaube der Hund hat, ganz anders als ich, nie vergessen, dass wir mal eine glückliche Familie waren und er mit dazu gehört hatte. Sein Herrchen das hin und wieder nach ihm trat, oder vergaß ihn zu füttern, liebte er mit der gleichen Hingabe, wie noch vor 10 Jahren. Für Lana und mich wurde unser Vater zunehmend eine Bedrohung. Wenn er betrunken war, was er eigentlich an 365 Tagen im Jahr war, verlor er regelmäßig die Kontrolle. Ein paar Ohrfeigen reichten dann nicht, manchmal dachte ich, er schlägt mich tot. Er schimpfte auf mich ein und warf mir Dinge an den Kopf, die überhaupt nicht stimmten. Aber zur Wehr setzte ich mich schon lange nicht mehr. Lana weinte dann und ich hasste ihn dafür.
Als der erste Schnee fiel, verlor unser Vater seinen Job und unsere Mutter kam in eine Klinik. Egal wann wir nun nach Hause kamen, er war immer da und er war immer betrunken. In kürzester Zeit war der Geruch von Alkohol nicht mehr aus der Wohnung zu bekommen. Regelmäßig mischte er sich mit dem Geruch nach Erbrochenem, oder einem ekligen, ungewaschenen Körper. Das war die Zeit, in der Lana und ich mehr Zeit auf dem Dachboden verbrachten, als in unseren Zimmern. Auf dem Dachboden fand er uns nämlich nicht. Natürlich war es nur eine Frage der Zeit, bis unser Versteckspiel ein Ende hatte. Ich kam später aus der Schule, Lana war bereits Zuhause. Als ich die Tür aufschloss, packte er sie gerade und sie wich zurück. Sie hatte nichts an, außer einer dünnen Bluse, deren Knöpfe aufrissen. Sie stürzte die Treppe hinunter, vor meine Füße und blieb regungslos liegen. Ich kniete über ihr, ihre Augen waren erstarrt und danach weiß ich lange Zeit einfach gar nichts mehr.
Als ich wieder irgendetwas wahrnehmen konnte, stand ich auf dem Dach eines Hauses und blickte auf das verschlafene Kiel hinunter, irgendwo am Rande der Stadt.
So landete ich auf der Straße, unumkehrbar. Die meisten kennen den Rest der Geschichte…

Die nächste Begegnung führte mich mit einem Mädchen zusammen, dass einen Rosenkreuzanhänger fallen ließ, den ich schon einmal auf einem Foto gesehen hatte. In den Händen meiner Zwillingsschwester und am Hals meiner Mutter. Ich stand Luca gegenüber, die ich seit über zehn Jahren nicht mehr gesehen hatte und die ich bis zu einem Zeitpunkt vor wenigen Wochen vergessen hatte. Ich fand in ihr meine zweite Hälfte und eine gute Freundin, für die Zeit in der wir mit den anderen Straßenkindern in einer alten Lagerhalle lebten. Ich hab nie zuvor überhaupt Freunde gehabt und plötzlich waren da so viele, denen es wahrscheinlich nicht anders gegangen war.
Ich lernte Silas kennen und Michael und Raphael. Marek, Maron, Eikyu, Soetheo und all die Anderen. Außerdem Shanai, die ich eigentlich eher wieder traf, denn wir waren uns viele Jahre zuvor schon einmal in unserer Heimatstadt begegnet. Schon damals hatte sie mich in nur einem Blick total verzaubert. Als wir uns wieder begegnet sind, schien dieser Zauber noch immer gegenwärtig. Wir verliebten uns und küssten uns und mir schlägt das Herz noch bis zum Hals, wenn ich nur daran denke. Wir trafen Alan und aus unerfindlichen Gründen haben wir meine Eltern bestohlen. Danach veränderte sich vieles. Die Straßenkinderbande war zerfallen. Als ich dorthin zurückkehrte war lediglich Michael noch übrig. Ich blieb nur ein paar Tage, lernte Hope kennen, die hoch schwanger war und die ich schließlich ins Krankenhaus brachte, als die Fruchtblase geplatzt war. Danach habe ich Michael, Silas und die Anderen nie wieder gesehen. Ich denke, dass ist so im Leben. Manche Freunde begleiten uns eine kurze Zeit und sind uns sehr wichtig, aber dann gabeln sich die Wege und jeder muss seinen eigenen Pfad gehen. Ich jedenfalls blieb in Kiel und kümmerte mich um Hopes Tochter, die diese bei mir zurückgelassen hatte. Versteh einer die Frauen. Ich taufte die Kleine Mischa, was Hope bei ihrer Rückkehr sogar annahm. Manchmal ist es erstaunlich, wie sich das Leben in wenigen Wochen völlig verändert. Alles Mögliche passierte auf einmal. Ich kam zu einem Hundewelpen, traf Shanai und Alan wieder, lernte durch Hope Jeremy kennen und kurz darauf fanden wir unser neues Zuhause. Hinter einer Müllkippe verborgen, die Insel der Blumen und unser Baumhaus. Ein ganz neuer Lebensabschnitt und ein hoffentlich nie endender Sommer nahmen ihren Anfang.

Viele kamen und gingen, aber es ging weiter. Eine gute Zeit, auch wenn sie hart war. Aber der Winter kam und weckte uns auf... ließ uns spüren, dass wir nicht so weiter machen konnten. Es gab Ärger und ein paar von uns legten sich mit den falschen Leuten an. Plötzlich brauchten wir Geld und hatten keins... wir verloren unser Zuhause und alle Chancen auf das Leben, das wir uns hatten nehmen wollen. Trotz aller Widrigkeiten. Weil wir nicht mehr wirklich viele Möglichkeiten hatten, ließen wir uns dazu hinreißen, bei einem Forschungsprojekt mit zu machen, ohne zu wissen, was uns erwartet. Es klang verlockend, in die USA reisen zu können, minderjährig wie wir waren und dort in der englischen Sprache geschult zu werden. Uns wurde Geld versprochen... vielleicht ahnten wir, dass es nicht wirklich legal war... aber es war eine Chance, die wir ergriffen. Tja... und dann wachst du 100 Jahre später wieder auf und kommst dir vor, als wärst du im falschen Film... so war das jedenfalls bei mir... kein Traum vom Leben als Wolf... Nichts. Ich bin eingeschlafen und aufgewacht...“




Geschlecht


Alter


Größe


Status


Charakterbogen


Lu, Lio, Kyro, Lijenna



27.02.2014 18:03
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