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Lijenna
Lillyan Caesar






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Wolfsträumer

Am Rande des Weltenwetters - Erior
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Kyro hatte sich nicht wirklich vom Fleck bewegt. Er stand, wie er in Mandri im Wasser gestanden hatte und blickte inzwischen zum Ufer zurück. Es dürfte auch Yavru und Laelia bekannt vorkommen. Beinahe war es, als würden sie in Shinaii am Strand stehen, direkt unter dem Rudelplatz. Kyro konnte sogar die Treppe ausmachen, die die Klippe hinaufführte. Dieser Anblick - von dem er geglaubt hatte, ihn nie wieder sehen zu können - hatte für den Moment jegliche Gedanken an den Schmerz vertrieben.

Yavru merkte nicht direkt, dass er die Welt wechselte, aber als er sich, nachdem er im Wasser gelandet war, umschaute, sah er, dass nicht nur Laelia noch bei ihm war, sondern auch wieder Kyro. Und die Landschaft hatte sich merklich verändert. Der Strand lag jetzt wieder vor ihm, aber es war nicht der Strand, den er verlassen hatte. Er kam ihm dennoch erstaunlich bekannt vor. War das hier tatsächlich ihre alte Heimat Shinaii? Aber irgendetwas kam ihm dabei nicht richtig vor.

Laelia sah sich um. Im ersten Moment war sie verwirrt. Wieso sah hier alles so normal aus? Und so bekannt... Dann schnappte sie nach Luft. "Ist das zuhause? Nein, das kann es wohl nicht sein... Das wäre zu einfach. Aber wo sind wir dann?" Und da war auch Kyro. Er schien mit den Gedanken weit weg - offensichtlich war er zu gebannt von dem Anblick, der sich ihm bot,

Kyro machte eine schwarze Gestalt am Ende der Treppe - oben am Rudelplatz - aus. Und schon gab es kein Halten mehr. Er stürmte nach oben, spürte das erste Mal die Wunden, die Yavru und Laelia ihm zugefügt hatten und nahm doch keine Rücksicht darauf. Er rannte, als würde sein Leben davon abhängen. Dem war auch so. "ASZIRA!", rief er laut aus. Er hatte das Ganze mit den Welten nicht verstanden. Das hier war einfach. Das hier war, was er kannte. Für den Moment war es ihm egal, ob er träumte, oder ob er tot war. Es war eine Welt, die er kannte. Es war sein Zuhause gewesen. Dieses Meer war das Meer, das Aszira liebte! Als er den Rudelplatz erreichte, war die schwarze Gestalt verschwunden, wie eine flüchtige, gesichtslose Erinnerung.

Yavru zögerte, denn er wusste nicht, was er auf Laelias Frage antworten sollte. Und gerade als er meinte, etwas sagen zu können, rannte Kyro plötzlich los und rief nach Aszira. War sie hier irgendwo? Yavru schaute sich um und witterte angestrengt, doch er konnte Aszira weder sehen noch riechen. Unsicher wandte er sich an Laelia: „Ich weiß nicht. Es ist so seltsam hier, irgendwas stimmt nicht. Was meinst du, sollten wir ihm folgen? Wer weiß, was er anstellt, wenn er glaubt, das Aszira hier ist. Oder ist sie es vielleicht wirklich?“ Es war alles so seltsam geworden, seit sie in diese Sache mit den Welten geraten waren. Und so gerne er seine Patentante auch wiedergesehen hätte, bezweifelte er doch, dass es hier möglich war.

Laelia nickte zustimmend. "Ich bin zwar sauer, aber irgendwie ist mir der Gedanke, er könnte sich hier irgendwo was brechen und wir kriegen nichts mit, trotzdem nicht geheuer." Sie tapste aus dem Wasser heraus, das sie festzuhalten schien, und trabte dann schnell in die Richtung, in die der Alte gelaufen war. Ob er wohl wirklich Aszira gesehen hatte? Müsste sie dann nicht hier sein? Bisher hatte Laelia nämlich die Erfahrung gemacht, dass es zwar viele Welten gab, Lebewesen blieben allerdings trotzdem nur einmal vorhanden. Wobei - konnte sie sich wirklich sicher sein, dass nicht irgendwo ein Doppelgänger von ihr sein Unwesen trieb?

Kyro lief über den Rudelplatz. Irgendwie erfreut, noch einmal hier zu sein und dann wieder beinahe in wilder Panik. Er fühlte sich, wie man sich in diesen Träumen fühlte, in denen man sein Ziel nie erreichte. Das wirkte im Augenblick unendlich bedrohlich auf ihn. Aus den Augenwinkeln nahm er Bewegungen war. Das Vorbeihuschen von Erinnerungen, wie selbst er in seinem Wahn erkannte. Das Rudel war hier, nah und unerreichbar fern. So unerreichbar fern, wie die Vergangenheit. Man konnte nie zurück.

Yavru zweifelte daran, dass es besser war, wenn sie auch noch zusehen mussten, wenn sich Kyro die Beine brach, aber das sprach er nicht aus. Er hoffte einfach, dass es nicht so weit kommen würde. Stattdessen folgte er Laelia aus dem Wasser und in Kyros Richtung.

Laelia merkte, wie sehr es sie irritierte, hier zu sein und alles zu kennen und doch nichts zu kennen. Ihr Körper sagte ihr, dass es wahr war, doch ihr Geist protestierte heftigst. Ihre Beine trugen sie automatisch die gewohnten Wege entlang, und sie erwartete geradezu bei jeder Ecke, dahinter ihre verlorenes Rudel heil und glücklich wiederzufinden. Stattdessen fand sie nur Kyro, der allein und verloren am Rudelplatz stand. Was gewissermaßen eine Enttäuschung war, natürlich. Aber wie enttäuschend musste es nur für Kyro sein? Wenn er sogar Aszira zu sehen geglaubt hatte?

Kyro lief ruhelos weiter seine Runden über den Rudelplatz. Er spähte in die Höhlen, schnüffelte und nahm verbittert zur Kenntnis, dass er die Witterung verschiedenster Wölfe in der Nase hatte. Er besuchte die Höhle, in der Aszira mit Reszani gehaust hatte, nachdem die beiden zum Rudel gekommen waren. Er betrat auch unschlüssig die Höhle, in der Noir Yavru großgezogen hatte, zusammen mit Lunars Welpen. Die Gerüche waren alle da. Auch der von Lunar. Und das, war das bitterste. Er witterte die Anwesenheit eines Toten. Vermutlich waren auch viele andere Rudelmitglieder inzwischen tot. Ertrunken, während sie hier Weltenhüpfen spielten und nicht mehr wussten, was real war und was nicht.

Yavru folgte weiter Laelia durch dieses irgendwie falsche Shinaii. Nun ja, wenn es so viele Wlten gab, gab es vielleicht auch welche, die sich sehr ähnlich sahen, und dann waren sie halt in einer gelandet, der ihrer Heimat ähnlich sah. Sehr ähnlich. Aber eben nicht dasselbe. Als Kyro in Sichtweite kam, sah Yavru dabei zu, wie dieser von einer Höhle zur nächsten rannte, wohl in der verzweifelten Hoffnung, Aszira oder überhaupt irgendein anderes Rudelmitglied zu finden. Aber es war niemand da. Natürlich nicht. Es hätte zwar rein zufällig sein können, dass noch jemand in dieser Welt gelandet war – aber wie wahrscheinlich war das? Es blieb dabei, sie waren allein. Am liebsten wäre er zu Kyro gelaufen und hätte versucht ihn zu trösten, obwohl auch Yavru eigentlich immer noch wütend auf den Alten war. Aber er wusste auch, dass das Kyro nicht helfen, sondern ihn nur noch wütender machen würde. Ihm kam der Gedanke, dass es schlimm sein musste, so verbittert wie Kyro zu sein.

Laelia beobachtete - genau wie Yavru - was der Alte tat und bemitleidete ihn. Doch nachdem, was in der vorherigen Welt passiert war, hatte sie ganz sicher nicht vor, den alten trösten zu wollen. Konnte man bei Kyro noch irgendetwas machen? Konnte dieser Schmerz, diese Wut - oder was auch immer es sonst war, was Kyro zu dem machte was er war - besänftigt werden? 'Wahrscheinlich wird er erst Frieden haben, wenn er bei seinen Lieben ist... und wie es im Moment aussieht, wird das erst passieren, wenn er tot ist, und sie auch.' Dieser Gedanke ließ auch Laelia einen Hauch von Bitterkeit verspüren. Wie konnte ein Leben so verquert sein, dass nur der Tod es wieder in Ordnung bringen konnte? Klar, sie selbst hatte es auch nicht wirklich leicht gehabt... das ganze Rudel hatte eine schwere Zeit gehabt. Doch sie hatte noch genug Energie um das ganze zu überwinden. Kyro offensichtlich nicht... wahrscheinlich schon lange nicht mehr. Was war diesem Alten eigentlich alles widerfahren? Laelia hatte keine Ahnung, sie hatte nie Lust gehabt sich mit dem Griesgram länger zu unterhalten (vor allem, weil sie annahm, dass er ihr kaum davon erzählt hätte).

Kyro hatte kein Problem damit, verbittert zu sein. Verbitterung ließ zu, dass man abstumpfte. Und stumpf durch das Leben zu gehen, verringerte den Schmerz. Was wirklich wehtat, war, immer und immer wieder übrig zu bleiben. Kyro bezweifelte, dass Yavru und Laelia wussten, die wievielten Welpen sie waren, die er aufwachsen gesehen hatte und für die er irgendwann die Verantwortung hatte übernehmen müssen. Durch alle Ären hatte er die Jungtiere des Rudels auf die ein oder andere Weise begleitet, war dabei selbst immer älter geworden und hatte doch immer alle verloren. Es war nun wieder passiert und wenn Yavru und Laelia eines Tages Welpen hatten, würde es erneut geschehen. Am Ende würde er übrig bleiben. Kein Wort und keine liebe Geste konnte ihn trösten. Tatsächlich konnten die beiden Jungtiere ihn nur reizen. Er war, wie man so oft einfach dahin sagte - untröstlich. In der Welt schien es keinerlei Trost zu geben, nicht für sein Schicksal.

Yavru kam ebenfalls der Gedanke, dass es vielleicht besser für Kyro gewesen wäre, wenn Xantharas Biss ihn getötet hätte, doch er sprach das natürlich nicht aus. Stattdessen flüsterte er nur leise und traurig zu Laelia: „Wir können ihm nicht helfen, oder? Er ist zu sehr gefangen in der Vergangenheit, und er will sich auch gar nicht helfen lassen.“

Laelia neigte zustimmend den Kopf. Nein, sie konnten wohl nichts für ihn tun. Aber was sollten sie dann tun? Sie konnten ihn wohl kaum hier lassen... oder? "Aber wenn wir nichts tun... dann heißt das, wir gehen und lassen ihn hier?", sprach sie ihre Gedanken im Flüsterton aus.

Kyro hörte irgendein Säuseln, aber er versuchte die beiden Jungtiere auszublenden. Während er rastlos umher wanderte, versuchte er darüber nachzudenken, was er in einer Welt sollte, in der alles bloß an etwas erinnerte, was nicht mehr existierte. Sie hätten zum Berg laufen können, um dort in den Höhlen frischeren Spuren zu folgen, aber was sollte das nutzen? Er schüttelte seinen Pelz, wobei die Wunden wieder zu schmerzen begannen. Er hatte eine Idee. "Wir gehen dorthin... wo alles endete.", entschied er und lief los. Es war ihm egal, ob die Jungtiere ihm folgten, er selbst steuerte auf das Hügelland zu.

Yavru hatte insgeheim auch schon darüber nachgedacht. „Wir sind ihm bis hierher gefolgt, weil wir zusammen bleiben wollten. Eigentlich will ich das immer noch, aber ich weiß nicht, wie wir ihn davon abhalten könnten, den Rest seines Lebens hier zu verbringen und Erinnerungen an Sachen nachzuhängen, die es einfach nicht mehr gibt. Und ich weiß nicht mal, ob wir ihm damit einen Gefallen täten, wenn wir es könnten. Aber wir können hier doch nicht ebenfalls bleiben, nur weil er hier ist. Er wäre uns doch eh lieber los.“ Es klang resigniert, doch gleichzeitig schauderte es Yavru bei der Vorstellung, Kyro hier einfach zurückzulassen und zu zweit weiterzureisen – wohin auch immer.

Laelia nickte wieder. Yavru sprach ihr aus dem Herzen. Und sie entdeckte auch, dass sie auch nicht zu zweit weiterreisen wollte, weil sie sich der Aufgabe, allein und ohne Großwolf zu sein, noch nicht gewachsen fühlte. Sie brauchte den Alten. Als Kyro dann auf einmal zu ihnen sprach, überraschte es Laelia allein deshalb, weil sie gedacht hatte, Kyro sei fest entschlossen sie zu ignorieren oder würde sie vielleicht wirklich nicht mehr wahrnehmen. Seine Worte verstand sie zuerst nicht gleich, doch sie entschied, dass es beschlossene Sache war, Kyro erst einmal zu folgen, und tat genau das dann auch.

Kyro trabte über die Wiesen des Hügellandes, wie schon viele Male zuvor. Seltsam erschien ihm, dass die Schatten nicht Teil dieser Illusion waren. Aber er verstand auch nicht, wie das funktionierte. Wenn sie tot wären, dann... konnte das hier vielleicht eine Art Zwischenwelt sein. Und dann wären sie Gefangene. Xanthara hatte irgendetwas von Lektionen geschwafelt und Kyro wusste nicht, nach welcher Lektion er hier suchen sollte. Eine Sache wollte er aber auf jeden Fall herausfinden und dazu würden sie einige Wochen unterwegs sein. Gut, dass sie im Grunde ohnehin nichts anderes zu tun hatten...

Yavru wusste nicht, was er von Kyros Worten halten sollte. Wo alles begann? Für ihn hatte alles hier in Shinaii begonnen. Oder viel mehr natürlich im richtigen Shinaii, nicht dieser falschen Version davon. Dennoch folgte er ebenso wie Laelia Kyro, als dieser durch das Hügelland lief. Wohin er wollte, war Yavru weiterhin nicht klar, doch er wusste, dass es keine gute Idee wäre, nachzufragen. Es war schon erstaunlich genug, das Kyro überhaupt etwas zu ihnen gesagt hatte. Falls seine Worte wirklich an sie beide gerichtet waren und nicht etwa nur laute Gedanken.

Laelia dämmerte langsam, was Kyro gemeint hatte. Und wenn sie sich richtig erinnerte, würden sie ewig unterwegs sein, bis sie endlich dort waren. Langsam wurde Laelia langsam, bis sie schließlich stehen blieb. "Nein....", meinte sie einmal, und dann nocheinmal lauter, sodass es Kyro auch hören konnte: "Nein! Ich gehe nicht mehr dort hin zurück! Es mag sein, dass du in der Vergangenheit stecken geblieben bist, aber ich nicht! Ich will nicht nocheinmal den Schrecken durchleben." Wie erwartet schien es Kyro nicht zu interessieren, was Lae zu sagen hatte. "Machs gut, Kyro..." Laelia drehte sich zu Yavru um. "Es tut mir leid, wir hatten ja gesagt, wir lassen ihn nicht allein. Es ist aber wie ich gesagt habe: ich. will. nicht. dorthin. zurück. Und deshalb werde ich hier blieben."

Kyro hörte, was Laelia ihm nachrief, aber es interessierte ihn nicht. Ihm lag nichts an ihr. Ob sie lebte oder starb, war ihm relativ egal. Wenn sie nicht dahi zurück wollte, wo das Rudel sich gefunden hatte, interessierte sie ihn nur umso weniger. Abgesehen davon ging es hier auch nur um ein Gedankenexperiment, dem er auf die Spur gehen würde. Laelia konnte ihre eigene Frage stellen. Und ihre eigene Antwort finden. Sie hatten nichts miteinander gemeinsam, es wäre also Unsinn zu glauben, dass sie sich auf ihrem Weg irgendetwas gegenseitig geben konnten. Laelia war Demons Tochter. Er hatte den schwarzen Rüden zwar aufwachsen sehen und mit großgezogen, aber sie waren sich auch zu großen Teilen fremd. Yavru war Noirs Sohn. Auch Noir hatte er aufwachsen sehen und die meiste Zeit ihres Lebens begleitet, aber auch sie waren sich immer fremder geworden. Vor vielen, vielen Jahren hatte die Wölfin noch Zugang zu seinem Herzen gehabt, aber jetzt wusste er nicht mehr, ob es noch eine Türe gab, die ihr offen stand. Er war so alt... Dennoch würde er nun herausfinden, ob er herausfinden konnte, was in jenem eisigen See passiert war. Und wenn er dann wusste, dass sie alle tot waren, konnte er sich immer noch überlegen, was er mit der Information anfing.

Yavru blieb ebenfalls stehen, als Laelia stehen blieb, und schaute diese fragend an. Erst als sie ihm erklärte, sie wolle nicht dorthin zurück, dämmerte auch ihm, was Kyro vorhatte: Er wollte den ganzen Weg des Rudels von Shinaii bis zu der Stelle nachvollziehen, wo sie im Eis eingebrochen war, wahrscheinlich in der verzweifelten Hoffnung, entweder dort die anderen noch vorzufinden oder aber durch nochmaliges Eintauchen ins Wasser in die richtige Welt zurückzukehren. Das wäre aber ein wochenlanger Weg. Doch an sich hätten sie ja Zeit, was sollten sie auch sonst tun? „Vielleicht wäre es doch zumindest einen Versuch wert, herauszufinden, was passieren würde, wenn wir an dieser Welt zu der Stelle zurückkehren und noch einmal ins Wasser gehen?“ Aber als er sah, wie sehr es Laelia widerstrebte, zu der Stelle zurückzukehren, setzte er hinzu: „Aber wenn du auf keinen Fall dort hin willst und wir uns ohnehin trennen müssen, bleibe ich lieber bei dir als bei ihm.“ Er blickte Kyro nach, der nicht einmal langsamer geworden war. „Aber vielleicht ist es auch deine Lektion, deine Angst zu überwinden?“, fragte er vorsichtig.

Laelia dachte kurz darüber nach, was Yavru gesagt hatte. "Ja, das mag schon sein, dass ich da an mir arbeiten sollte... aber zwei Wochen laufen? Nein, das glaub ich dann doch nicht. Wir wurden in den anderen Welten doch auch gleich mit dem Problem konfrontiert. Da hat man auch nicht laufen müssen."

Kyro lief derweil weiter. Es gab viele Unbekannte in dieser Gleichung. Würde er Beutetiere finden? Und wenn ja, konnte er einfach jagen? Oder konnte er nur an den Orten fressen, an denen sie in der Vergangenheit gefressen hatten? Musste er überhaupt etwas fressen? Würde er Hunger bekommen und müde werden? Die Bisswunden taten jedenfalls weh, aber sein Ohr schmerzte nicht mehr wirklich.

Yavru überlegte. „Ich habe auch keine wirkliche Lust, wieder wochenlang unterwegs zu sein. Aber ich weiß auch nicht, was die Alternative wäre. Sollen wir hier bleiben und warten, in der Hoffnung, dass irgendetwas passiert? Oder sollen wir vielleicht ins Wasser zurück?“ Es war echte Unsicherheit, mit der er sprach. Er wusste einfach nicht genug darüber, wie diese Welten funktionierten.

Laelia schüttelte entmutigt den Kopf. "Hach, was weiß ich. Was wollen wir eigentlich? Wollen wir die anderen wiederfinden? Wenn ja, dann sollten wir vielleicht wirklich einfach ins Wasser zurück. Das hat jetzt schon ein mal gut funktioniert."





Geschlecht


Alter


Größe


Status


Charakterbogen


Lu, Kyro, Josh, Lio





Ich mag den Duft der Sonne
Und wie der Regen singt
Den Geschmack des Mondes
Und wie der Nebel klingt

Ich mag die Sterne fühlen
Und der Berge klang
Mag hinter Himmeln sehen,
Wo die Welt begann
19.10.2017 18:30
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Lijenna
Lillyan Caesar






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Wolfsträumer

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Ceran schnupperte in den kühlen Abendwind. Wald. Dann änderte sich der frische Duft drastisch, wurde alt und modrig. Er roch die alten Gemäuer der Burg, die ihm lange Zeit einen guten Unterschlupf geboten hatte. In ihr hatte er ausreichend Platz, durch das löchrige Mauerwerk genug Versteckmöglichkeiten und die dicken Weinreben trugen ihn sicher, trotz der vielen Früchte, die an ihnen wuchsen. Ein wenig irritiert zitterten die Schnurrhaare im Wind. Er war hier früher einmal gewesen - ein wahres Paradies hatte er erleben dürfen. Aber aus welchem Grund fühlte sich diese Erinnerung so unglaublich ... lebendig an? Seltsam.

Kyro hielt in der Bewegung inne. Die vertraute Umgebung verblasste und er stieß sich den Kopf an einem zu akurat wirkenden Stein. Menschenbau! Ungeschickt stolperte er ein Stück zurück und witterte prüfend. Es war nicht das erste Mal, dass er auf etwas stieß, was zur Menschenwelt gehörte. Seine Nase prüfte die Luft auf die Anwesenheit von Zweibeinern.

Yavru wollte gerade Laelias Vorschlag zustimmen, zurück ins Wasser zu gehen, wenn sie Kyro ohnehin nicht folgen wollten, da verblasste plötzlich die Welt um sie herum und war auf einmal ganz anders. Für einen Moment glaubte er, sie seien unbemerkt wieder durch ein Tor in eine andere Welt gelangt, doch auch wenn er nicht beschreiben konnte, warum, war ihm doch irgendwie klar, dass sie noch in der selben Welt waren. Nur, dass sich diese aus irgend einem Grund verändert hatte. Er schaute sich um und sah eine Wand aus Steinen, die trotz der verwitterten Oberfläche ungewöhnlich regelmäßig geformt und übereinander geschichtet worden waren. Er konnte sich nicht vorstellen, dass so etwas natürlich entstehen konnte. War das das Werk der Menschen? Er hatte gehört, dass Menschen so etwas taten, dass sie eine Art von Höhlen bauten, indem sie, statt sich in den Boden zu graben, Steine übereinander stapelten. Aber selbst hatte er so etwas noch nie gesehen, was vermutlich auch besser so war. Menschen waren schließlich gefährlich unberechenbar. Hoffentlich waren keine in der Nähe! Beunruhigt schaute er sich weiter um.

Laelia stolperte, und sie wusste die längste Zeit nicht warum. Hatte sie die Entfernung zum Boden falsch abgeschätzt? Das passierte ja manchmal wenn man in Gedanken versunken war und der Boden uneben war. Vielleicht hatte sie auch einen Stein übersehen? Dann sah sie sich um und blinzelte einmal langsam. "Huch!", entfuhr es ihr. "Was ist denn jetzt los?" Sie sah Yavru kurz an - er schien es auch nicht zu wissen. "Sind wir wieder in einer anderen Welt? Und wenn ja, warum? Wo ist Kyro?" Sie erwartete keine Antwort - es hätte sie schon ziemlich überrascht, wenn Yavru ihr hätte antworten können. Plötzlich drehte der Wind leicht und trug den wunderbaren Geruch von reifen Früchten heran. Der modrige Geruch, der von der moosbewachsenen Wand vor ihr zu ihr herübergewabert hatte wurde davon überdeckt. "Riechst du das? Ich will schauen wo das ist!" Freudig tappste sie in die Richtung, aus der der Geruch stammte.

Atsuko merkte genervt, wie ihr Pelz schon wieder begann zu jucken. Konnte sich dieser Ort nicht einmal entscheiden, welche Jahreszeit dort jetzt herrschte? Das war jetzt schon das fünfte Mal, dass sich ich Pelz färbte. Sie stand auf und ging zu einer Pfütze, die einen roten Kopf, orangen Körper, gelbes Hintertei und schließlich eine grüne Schwanzspitze spiegelte. Also in der Zeit des Falles. Ein uralter Instinkt sagte Atsuko, dass es an der Zeit war zu gehen, also ging sie los, in die Richtung, wo die Sonne unterging.

Ceran verstand noch immer nicht ganz, aus welchem Grund sich seine Erinnerung so viel realer anfühlte, als sie das normalerweise tat. Andererseits - dann konnte er in dieser Erinnerung neue Erinnerungen sammeln! Mit einem Hopser sprang er von der verwitterten Mauer auf eine der dicken Reben, die gefährlich unter dem plötzlichen Gewicht des Ratterichs wankte - aber er wäre keine Ratte, wenn er das nicht ausbalancieren könnte!

Kyro konnte keinerlei Gerüche von Zweibeinern ausmachen, sodass er wohl nicht in Lebensgefahr schwebte. Offenbar war er schon wieder in einer neuen Welt gelandet. Er blickte sich um und sah niemanden, aber er hörte sogleich Laelias nervige Stimme. Sofort bedauerte er sich selbst und die Wut darüber, dass er nicht würde ergründen können, was am Anfang lag, wuchs mit jedem vergehenden Herzschlag. Sein Plan war gut gewesen! Ganz gleich was diese Welt bedeutete und auch, wenn es nicht die Realität gewesen wäre... Er musste wissen, was aus den anderen geworden war! Zu seinem Glück schienen Laelia und Yavru auf der anderen Seite der Mauer zu sein, sodass er seine Ruhe hatte. Er wanderte vorsichtig und misstrauisch durch einen der Gänge und erreichte eine riesige Halle, die sonnengeflutet war. Über ihm war der Himmel tief blau, ganz typisch für den Herbst. Es roch auch herbstlich... dabei war der Herbst so lange her... Was war im Herbst gewesen? Sie waren gewandert... geflüchtet... und eigentlich hatte er die Jahreszeit nicht wahrgenommen. Sie nicht wahrnehmen können. Was war im Herbst zuvor gewesen? Kyro erinnerte sich an die tiefsitzende Einsamkeit, als Aszira das Rudel verlassen hatte... nachdem er ihr seine Liebe offenbart hatte. Natürlich hatte sie ihn noch immer gehasst... aber dann war sie zurückgekehrt. Mit Reszani. Und obwohl diese nicht seine Tochter war, wäre er so gerne ein Vater gewesen. Reszani war klug und schön, geschickt und erwachsen... also das genaue Gegenteil von Laelia und Yavru.

Yavru beantwortete Laelias Fragen nach kurzem Überlegen: „Nein, ich glaube, es ist nur die gleiche Welt. Nur, dass sie sich verändert hat, so seltsam das auch ist.“ Er hoffte, dass sie nicht fragen würde, woher er das wusste, denn das wusste er ja selbst nicht. „Und das würde bedeuten, das Kyro auch noch hier ist. Irgendwo in dieser Welt jedenfalls.“ Er sah sich um, entdeckte den Rüden aber nirgends. Er witterte angestrengt, doch statt Kyro roch er etwas ganz anderes: Es roch nach reifen, süßen Früchten. Gerade als er Laelia darauf aufmerksam machen wollte, sprach diese bereits ihn darauf an. Er wollte sie warnen, dass sie nicht sicher sein konnten, ob in dieser gewandelten Welt womöglich unbekannte Gefahren drohten, da war sie schon losgelaufen, und er sah keine andere Möglichkeit, als ihr zu folgen, da er nicht alleine zurück bleiben wollte. „Nicht so schnell! Wir wissen nicht, ob es hier überhaupt sicher ist!“

Laelia wurde ein bisschen langsamer, aber nur bis Yavru zu ihr aufholte. "Und wenn schon. Es wird nicht besser, wenn wir nur herum stehen. Aber gut..." Sie verfiel in einen leichten Trab. Laelia bog um eine Ecke, und dort waren sie: die Früchte. "Woaaaah....", staunte sie. Da war so viel, manches kannte sie gar nicht! Ihr am nächsten war ein großer Weinstock, der so aussah als würde er jeden Moment unter der Last seiner Reben zusammenbrechen. Laelia ging näher - und erstarrte. "Was ist denn das?!", entfuhr es ihr. Direkt vor ihr tat sich ein großes, flauschig-pelziges Ding an den Trauben gütlich.

Atsuko preschte dahin und achtete kaum auf ihre Umgebung, bis ihre Nase ihr einen unbekannten Geruch zutrug. Der süße Duft von reifen Trauben vermischt mit... Sie konnte es nicht sagen. Es roch nach Tier, aber irgendwie nicht richtg, irgendwie... verschmutzt. Atsuko verfiel in einen langsamen Trott und blieb schließlich vor dem seltsamsten Hügel stehen, den sie je gesehen hatte. Steine, die alle gleich aussahen, waren zu einem eingebrochenen Haufen aufgetürmt worden, welcher offenbar hohl war. Vorsichtig trat sie ein, wo sie einem gewundenen Tunnel bis zu einner Halle folgte. Als sie eintrat, drehte sich der Wind, und ein neuer Geruch stieg ihr in die Nase: Wolf. Feind.

Kyro war in der Halle stehen geblieben und verursachte für den Augenblick keinerlei Geräusche. Er ließ den Blick schweifen und spitzte die Ohren, als sich leise Pfoten näherten. Zu leicht für einen Wolf, zu hart für eine Raubkatze... Es hätte alles sein können und als Kyro das bunte Tier entdeckte, wusste er im ersten Augenblick nicht wirklich, was es darstellte. Wie... seltsam es gefärbt war. So etwas hatte er noch nie gesehen! Die Form war allerdings die eines Fuchses.

Atsuko erstarrte mitten in der Bewegung. Der Wolf beobachtete sie, machte allerdings keinerlei Anstalten azugreifen. Bei näherer Betrachtung bemerkte Atsuko dass es ein Rüde war. 'Er ist schon alt, ich könnte mit ihm fertig werden...', aber nein. Wölfe waren nie ohne ihr Rudel unterwegs, und außerdem, wenn man seine Narben anschaute, war dieser Wolf ein Veteran. Nein, besser friedlich verhalten. "Hallo", sagte Atsuko vorsichtig.

Ceran hatte sich gerade eine der süßen Früchte gepflückt und das erste Mal hinein gebissen, als ihm plötzlich ein anderes Wesen gegenüberstand. Fellig. Groß - jedenfalls größer als er selbst. Als es sprach, zuckte Ceran im ersten Moment zurück. Großes Maul, spitze Zähne. Das... das...! Erstarrt vor Überraschung waren es nur seine Gedanken, die sich überschlugen: 'Das ist doch eine Erinnerung! Was machen denn diese gefährlichen Wesen hier? Das kann nicht sein!'

Kyro sah einen Fuchs nicht als Gegner. Man ging sich aus dem Weg. Die deutlich kleineren und weniger kräftigen Tiere wagten sich nicht an die Beute von Wölfen, weshalb sie keine ernsthaften Futterkonkurenten darstellten. Dass man sich aus dem Weg ging, war zwar kein Gesetz - auch in seinem Rudel war eine Weile ein Fuchs Mitglied gewesen - aber es nervte ihn, dass er jetzt angesprochen wurde. Da hatte er gerade Glück gehabt und war Laelias nervigen Fragen entkommen, da grüßte ihn ein komischer, bunter Fuchs. "Was bist du?", wollte Kyro unfreundlich wissen. Wenn sie sich schon unterhalten mussten, wollte er wenigstens die Fragen beantwortet haben, die ihm im Kopf herum spukten.

Yavru war ebenfalls erstaunt, als er die Früchte sah. Er überlegte gerade, näher zu treten und ein paar Weintrauben zu pflücken, als Yavru ihn auf das graue, pelzige Tier darin aufmerksam machte. Einen kurzen Moment musste auch er überlegen, dann war es ihm klar. Auch wenn es so etwas eigentlich nicht geben sollte. „Es sieht ganz so aus wie eine Ratte. Nur größer.“ Viel größer. Was sollten sie machen? Flüchten? Aber so groß war die Riesenratte nun auch wieder nicht, als dass sie sich fürchten mussten. Schließlich waren sie Wölfe, und zudem zu zweit. Und er sah es gar nicht ein, dass eine Ratte, wie groß auch immer, sich erdreisten könnte, Wölfe von etwas Fressbarem abzuhalten. Vielmehr gehörte eine Ratte selbst in die Kategorie fressbar. Andererseits wollte er auch nicht sofort unprovoziert zum Angriff übergehen, daher wartete er erst einmal ab.

Laelia glaubte zu erkennen, dass sich die Ratte fürchtete. Sie wusste nicht sicher, woran sie diesen Eindruck festmachte - wahrscheinlich daran, dass die Ratte jetzt so starr war, dass nicht einmal mehr ihre Schnurrbarthaare zuckten, die zuvor noch ununterbrochen in Bewegung gewesen war. Und das war doch eine Angstreaktion, oder? 'Aber wie geht man denn mit sowas um?', fragte sich Laelia. Sie wusste ja nicht einmal, ob die Ratte wölfisch verstand. Aber es konnte ja nicht falsch sein, es auszuprobieren, richtig? "Hallo... Ratte", begann sie. "Nein, nein, nein, das hab ich nie gesagt - ich würde ja auch nicht mit 'Wolf' angesprochen werden. Äh...." sie tapste kurz auf der Stelle herum. "Hallo..." Sie schien nach dem richtigen Ausdruck zu suchen. Wie hatte sie sich nur in eine so seltsame Situation reden können? "Einfach nur Hallo", schloss sie etwas lahm.

Atsuko überraschte die Frage. Nicht wegen dem unhöflichen Tonfall, sonder schlicht wegen der Dummheit. "Ein Kisetsu." Was sonst? Kannte dieser Rüde vielleicht sonst irgendwelche bunten Tiere ohne Federn? Und um ihre Aussage noch einmal zu unterstreichen plusterte sie den Pelz auf und machte ein paar Schritte nach links, damit das Sonnenlicht, welches durch ein Loch in der Mauer fiel, das Fell auf ihrem Rücken in Flammen verwandelte.

Ceran zuckte zurück, als dieses Wesen zu sprechen begann. Damit war die Starre gelöst und eilig kletterte er ein wenig höher - hoffentlich außer Reichweite! Allerdings vermutete er fast, dass die Reben stabil genug waren, um auch diese Wesen zu tragen. 'Wolf', ging es ihm durch den Kopf. Er hatte von diesen Wesen gehört - wenn er sich auch nur dunkel erinnerte. Allerdings schien im Augenblick keine unmittelbare Gefahr für ihn zu bestehen. Dennoch blieb er in sicherer Entfernung, linste skeptisch auf die beiden Wölfe hinab und erklärte: "Hallo Fremde. Was auch immer ihr hier sucht - ich bin mir sicher, ihr werdet es nicht finden." Vielleicht konnte er so ja schnell in Ruhe weiterfuttern?

Kyro beobachtete den Fuchs skeptisch. Was sonst? Kannte doch jeder... diese Kisetzen... "Kommt das von hinsetzen?", wollte er wssen. Als sich der Fuchs dann aufplusterte, verzog Kyro genervt und ein bisschen angewidert das Gesicht. Na super... "Ich glaube... was du bist... nennt man einen 'eitlen Pfau'."

Yavru lauschte, wie Laelia die Ratte ansprach. Er hielt das für ein wenig aussichtsreiches unterfangen, denn er bezweifelte doch sehr, dass man sich mit einer Ratte unterhalten konnte. Wobei er es um ehrlich zu sein auch nicht versucht hatte. Wenn eine Ratte unvorsichtig genug gewesen war, ihm über dem Weg zu laufen, hatte er sie nicht angesprochen, sondern gejagt. Und er hatte um ehrlich zu sein dabei auch nie ein schlechtes Gewissen gehabt, denn es war ja nun mal so, dass Wölfe andere Tiere jagten. Wie sollten sie sich auch ernähren, wenn sie womöglich anfingen, sich mit ihrer Beute zu unterhalten, statt sie zu fressen? Aber während es sicherlich zumindest einen Versuch wert war, die Ratte anzusprechen, war die Weise, wie Laelia es tat, doch mehr als ungeschickt. Die junge Fähe schien einfach nicht die passenden Worte zu finden, sodass aus ihrer Ansprache ein ungeschicktes Gestammel wurde. Am liebsten hätte Yavru sich eingemischt, aber er fürchtete, es dadurch womöglich noch schlimmer zu machen. Und er vermutete weiterhin, dass die Ratte ohnehin nicht verstehen würden, was sie sagte. Um so überraschter war er, als sie tatsächlich antwortete. „Hallo“, erwiderte Yavru den Gruß perplex.

Atsukos Muskeln spannten sich kampfbereit an, doch der Wolf starrte sie nur verächtlich an. Das war seltsam. Die Frostwölfe waren eigentlich zu aggressiv als dass man sich hätte vernünftig unterhalten können. War das vielleicht... ein Feuerwolf? Nein, so südlich konnte ees nicht sein, und außerdem war Herbst. Doch... die Farbe war ebenfalls komisch. Ein Mischling? "Und... was bist du?"

Laelia fragte sich erst jetzt, weshalb sie die Ratten nicht als Beute wahrnahm und kam zu keiner befriedigenden Antwort. Es war einfach nicht so. Vielleicht weil die Ratte groß genug war, als dass in ihren Kopf ein wirklich intelligentes Gehirn passte? Laelia hatte noch nie intelligente Beute verspeist. "Äh... eigentlich suchen wir nichts bestimmtes. Oder doch, einen anderen Wolf, doch zumindest ich habe es nicht besonders eilig, ihn zu finden. Das was ich davor gesucht habe, habe ich außerdem gerade gefunden: diese wunderbaren Trauben! Die haben schon vom Weitem SOOO geduftet!!" Sie wusste nicht wirklich, woher sie diese Begeisterung nahm um so etwas wie Smalltalk zu betreiben. Aber sie tat es nun mal einfahc.

Kyro betrachtete den Fuchs ungläubig. "Wolf.", hielt er einsilbig und ohne umschweife fest. Eigentlich logisch, dass ein Kinsetzen nicht wusste, was ein Wolf war, wenn ein Wolf nicht wusste, was ein Kinsetzen war. Seltsamer Weise wirkte die Welt hier 'normal', beinahe vertraut. Es war kein Ort, an dem er je gewesen war, aber es war dennoch alles, wie in der Welt, in der er aufgewachsen war. Was auch immer das heißen mochte. Kyro war sich immer noch nicht sicher, was dieses Weltengedöns zu bedeuten hatte.

Ceran wusste nicht so recht, was er von dem Zweiergespann dort am Boden halten sollte. Beide schienen ihn irgendwie für Dumm verkaufen zu wollen - zumindest der, der doch eindeutig männlicher klang, wirkte äußerst überrascht darüber, dass er sprechen konnte. Was dachten die denn? - Gut, es war vielleicht ungewöhnlich, dass er so einfach verstand, was sie sagten, andererseits war es ja seine Erinnerung, nicht wahr? Auch, wenn sie so ganz anders war als die, die er kannte. "Ich verstehe nicht, weshalb ihr überhaupt hier seid", äußerte Ceran schließlich, "aber da das hier eine Erinnerung sein muss und es vor allem genug zu futtern gibt... probiert sie ruhig." Weshalb auf Früchten beharren, die er ohnehin niemals alle essen konnte, bevor er wieder in die Realität zurück kehrte?

Atsuko verdrehte die Augen. "Ja, aber was für einer? Winter? Sommer? Bist du vielleicht irgendeine Unterart?" Während sie redete, schaute sie der Wolf immer seltsamer an, und als sie fertig war, könnte man meinen, dass sie diejenige war die komisches Zeug redete und nicht wusste, was ein Kisetsu war. "Naja, irgendwas musst du ja sein." Schloss sie mit leichtem Widerwillen.

Kyro verstand nicht... "Ich bin wie alle Wölfe im Frühling geboren..." Es gab keine Sommerwölfe... und keine Winterwölfe. Oder meinte der Fuchs damit Wölfe, die aus Gegenden kamen, in denen es immer zu heiß und trocken war? Die waren anders, aber solchen Wölfen war er nie begegnet, hatte lediglich von ihnen gehört. "Und du bist ein Fuchs?"

Yavru war nach der Antwort der Ratte zu perplex gewesen, um über deren Aussage, sie würden hier nicht finden, was sie suchten, weiter nachzudenken, bis Laelia darauf einging. Sie wirkte allerdings auch etwas verwirrt, was natürlich auch kein Wunder war. Wann wurde man schon in ein Gespräch mit einer übergroßen Ratte verwickelt? Und was diese sagte, schien ihm auch nicht wirklich schlüssig. „Warum wir hier sind, wissen wir fürchte ich selbst nicht so wirklich. Aber warum ist das hier eine Erinnerung? Ich erinnere mich nicht, dir schon einmal begegnet zu sein.“ Er fand es seltsam, dass die Ratte freiwillig ihre Früchte mit ihnen teilte, obwohl sie keine Angst mehr vor ihnen zu haben schien, aber er empfand es als sehr nette Geste. „Vielen Dank für die Einladung!“, sagte er, und schnappte sich gleich eine Weintraube. Sie war wunderbar süß und saftig, sodass er gleich ein paar mehr fraß.

Laelia war definitiv verwirrt. Doch die Trauben wollte sie deshalb trotzdem nicht ausschlagen. Sie nickte begeistert, als sich Yavru bedankte, und probierte ebenfalls. Ein Feuerwerk an Empfindungen explodierte in ihrem Mund, und plötzlich war sie sich sicher, noch nie so etwas probiert zu haben. Beinahe gierig fraß sie noch ein paar, wobei sie sich die letzte langsam im Mund zergehen ließ und dabei nachdachte. "Meinst du etwa, dass das deine Erinnerung ist?", fragte sie plötzlich langsam.

Atsuko machte sich langsam ernstlich Sorgen um den geistigen Zustand dieses Rüden. "Wie ich schon sagte, ich bin ein Kisetsu, also ein Fuchs der Zeiten.", sagte Atsuko sehr laut und langsam. Vielleicht war der Wolf ja senil? Aber egal, feststand, dass irgendwas mit dieser Welt nicht stimmen konnte, denn SO senil konnte man doch gar nicht sein.

Kyro schnaubte und tappte ein bisschen durch die Halle. "Und was kannst du? Durch die Zeit reisen, du Fuchs der Zeiten?", wollte er wissen. Er wandte dem Kinsetzen ohne Scheu den Rücken zu, während er sich umsah. Offenbar hatte er entschieden, dass der Fuchs keine Gefahr darstellte.

Ceran verstand wirklich nicht, was mit diesen beiden Wölfen nicht stimmte. In den Geschichten, die er kannte, hatte er niemals gehört, dass sie Trauben fraßen. Wenn er sich richtig erinnerte jedenfalls - und darauf konnte er scheinbar nicht vertrauen. "Ja, eine Erinnerung", wiederholte er langsam, damit die beiden wirklich verstanden, was das hieß. "Allerdings dürftet ihr darin gar nicht vorkommen." Plötzlich hellte sich Cerans Rattengesicht auf und er kletterte behände hinab. "Da ihr aber in meiner Erinnerung seid, müsstet ihr ja harmlos für mich sein!"

Atsuko wollte gerade schnauben, als ihr ein anderer gedanke kam. 'Vielleicht... ist es hier anders? Vielleicht gibt es hier ja gar keine Leere?' "Nein, ich kann... also ich kann..." Sie begann zu stottern. Wie erzälte man das bloß einem Außenstehenden?' "Mir ist nicht zu kalt."

Kyro jammerte innerlich. "Könntest du aufhören, wirres Zeug zu reden?", fragte er gereizt. "Ich hab dich nicht gefragt, ob dir kalt ist. Ich wollte wissen, warum du dich als Fuchs der Zeiten bezeichnest. Das muss doch irgendeinen Sinn haben. Irgendetwas, das mit Zeit zu tun hat und nicht mit Temperatur!" Sonst würde der Kinsetzen ja Fuchs der Temperaturen heißen!

Yavru wandte sich als die Ratte weitersprach von den Trauben, die wirklich leckerer waren als alle Früchte, die er bisher probiert hatte, ab, und dieser zu. Er glaubte, langsam zu begreifen, was es mit dieser Welt auf sich hatte. „Du meinst, wir sind Teil deiner Erinnerung? Und wir dürften nicht hier sein, weil du uns noch gar nicht kennst, und dich daher gar nicht an uns erinnern kannst?“ An Laelia gewandt fuhr er fort: „Vielleicht zeigt diese Welt die Erinnerungen derjenigen, die sich daran befinden? Das würde erklären, warum wir zuerst Shinaii gesehen haben. Das waren unsere Erinnerungen. Und jetzt sind wir in seinen.“ Er deutete auf die Ratte, die, wie er inzwischen erkannt zu haben glaubte, männlich war. Als diese nun jedoch zu dem Schluss kam, die Wölfe seien harmlos, überlegte er für einen Moment, sich auf sie zu stürzen und ihr das Gegenteil zu beweisen, auch wenn ihr dann vermutlich kaum genug Zeit bliebe, über diese Erkenntnis nachzudenken. Doch es kam ihm irgendwie falsch vor, das zu tun. Etwas, das sprechen konnte, war einfach keine Beute mehr, auch wenn es nur eine Ratte war.

Laelia nickte. So etwas hatte sie sich auch gedacht. "Ich frage mich nur, weshalb sich gerade jetzt die Erinnerung gewechselt hat. VIelleicht weil er hier reingekommen ist?" Sie wandte sich wieder der Ratte zu. "Wie heißt du denn? Ich bin Laelia", stellte sie sich vor.

Ceran war zwar definitiv nicht blöd - das waren Ratten selten, wobei es auch unter ihnen dumme Exemplare gab - aber was das mit den Welten sollte, verstand er dennoch nicht. "Was meint ihr mit 'Welt der Erinnerung'?", hakte Ceran also nach, bevor er sich Laelias Frage zuwandte. "Ich heiße Ceran." Jetzt sah er auffordernd zu dem dritten in ihrer kleinen Runde. Wie er wohl hieß? - Irgendwie war das alles ganz schön aufregend!

Atsuko rang mit Mühe ein Stöhnen nieder. 'Ok, er ist doch ziemlich geistig zurückgeblieben.' "Ich rede von den Jahreszeiten! Neue, Feuer, Fall, Frost und Leere!" sagte sie, bemüht ruhig zu bleiben.

Kyro konnte erst folgen, dann nicht mehr. "Frühling, Sommer, Herbst und Winter... Wofür soll Leere stehen?"

Atsuko blinzelte überrascht. Stimmt, diese Begriffe verwendete auch sie manchmal, obwohl sie ziemlich veraltet waren. Aber das der Wolf alles kannte außer die Leere? "Nun ja, ähm... wenn die Luft gefriert! Du weißt schon, wenn alles strahlt und ihr euch unter die Erde verkriecht. Kennst du das echt nicht?"

Yavru freute sich, dass Laelia seine Vermutungen teilte. Die Ratte schien hingegen nicht zu verstehen, worauf er hinaus wollte. „Naja, wir vermuten, dass die Welt, in der wir uns hier gerade befinden, immer die Erinnerungen derjenigen zeigt, die sich darin befinden. Gerade zeigt sie deine Erinnerungen. Davor hat sie unsere Erinnerungen gezeigt. Wie lange bist du denn schon hier? Hast du bereits mitbekommen, dass es hier wie in Shinaii aussah?“ Sofort fiel ihm ein, dass die Ratte ja gar nicht wissen konnte, was Shinaii war und wie es da aussah. „Shinaii ist unsere Heimat. Jedenfalls, sah es für dich vorhin auch noch ganz anders aus hier? Ohne diese seltsamen Steinwände und so?“ Erst als Laelia sich vorstellte, wurde Yavru klar, dass er dies bislang auch noch gar nicht getan hatte. „Ich bin Yavru.“ Die Ratte hieß Ceran. Das klang in Yavrus Ohren nicht unbedingt wie der Name einer Ratte. Aber er wusste auch nicht, was für Namen bei Ratten üblich waren. Er wusste nicht einmal, ob es für Ratten üblich war, überhaupt einen Namen zu haben.

Laelia nickte wieder. Yavru machte das sehr gut. Doch sie wusste nicht, ob Ceran überhaupt wusste, dass es verschiedene welten gab - schließlich hatte sie das bis vor ein paar ... Stunden? Tagen? auch nicht gewusst. "Also, du weißt vielleicht ja noch gar nicht, dass es viele verschiedene Welten gibt und man dazwischen hin- und herwechseln kann. Wir kommen beispielsweise nicht von hier - gar nicht. Wir kommen aus einer anderen Welt, und wir waren schon in ein paar anderen bis wir hier gelandet sind."





Geschlecht


Alter


Größe


Status


Charakterbogen


Lu, Kyro, Josh, Lio





Ich mag den Duft der Sonne
Und wie der Regen singt
Den Geschmack des Mondes
Und wie der Nebel klingt

Ich mag die Sterne fühlen
Und der Berge klang
Mag hinter Himmeln sehen,
Wo die Welt begann
21.10.2017 21:10
On   |   Suchen   |  

Lijenna
Lillyan Caesar






Art
Wolfsträumer

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Kyro schien sehr skeptisch, wenn auch interessiert. "Wir... gehen nicht unter die Erde. Nicht dort, wo ich herkomme.", murmelte er, ein bisschen wie zu sich selbst. "Bei uns gibt es nur vier Jahreszeiten... und auch nicht überall. Manchmal gibt es nur eine der vier Jahreszeiten... oder es gibt Hitze und Regenzeit... aber das habe ich selbst nie erlebt."

Ceran hörte den beiden aufmerksam und mit wachsender Verwunderung zu. Verschiedene Welten? Diese hier sollte wie Shina...-irgendwas ausgesehen haben? Das war seltsam. Bevor er in seiner Erinnerung gelandet war, hatte er entspannt in die kühle Abendluft geschnuppert und Wald gerochen. Aber da war er definitiv noch in... musste er dann sagen, seiner Welt gewesen? // Leichte Verwirrung machte sich in dem Rattenbock breit, die er mit einem Männchen und einem Schnuppern in Richtung der Wölfe zu überspielen versuchte. "Ihr seid schon durch verschiedene Welten gereist?", hakte er nach. Bedeutete das, dass... - "Wenn das so ist: werde ich.. in meine Welt zurückkehren?" Besorgt wischte er sich mit der Pfote über das Gesicht. "Aber nein. Eure Welt kenne ich nicht."

Atsuko überdachte die Aussage des alten Wolfes. "Das... Das ist möglich, aber... wie wird es dann bei euch wieder warm? Einfach von selbst wohl sicher nicht." Der Rüde verwirrte sie.

Yavru kam sich seltsam vor, als Ceran sie danach fragte, ob er in seine Welt zurückkehren konnte. Eigentlich hatten sie doch kaum Erfahrung was die Sache mit den Welten anging, aber jetzt waren sie jemandem begegnet, der noch weniger darüber wusste, und mussten Lehrer spielen für etwas, das sie selbst doch nicht kannten. „Wir sind auch noch nicht lange zwischen den Welten unterwegs. Wir sind in unserer Welt im Eis eingebrochen und dann plötzlich in einer anderen Welt gelandet. Bevor wir hier her kamen, waren wir in einer Welt namens Mandri, aber dort waren wir auch nicht lange. Und leider wissen wir selbst nicht, wie man wieder in seine eigene Welt zurückkehrt. Das würden wir nämlich auch gerne. Aber vorher wollen wir unser Rudel wiederfinden. Angeblich ist es aber so, dass man in jeder Welt irgendetwas lernen muss, um weiter zu kommen.“ Der junge Rüde war selbst nicht so wirklich überzeugt von seinen Worten. Er taugte wohl nicht so wirklich als Lehrer, dachte sich Yavru.

Kyro war nicht weniger verwirrt. Verwirrt über das Unwissen des Fuchses und verwirrt darüber, dass er eigentlich auch nicht wusste, warum es wieder warm wurde... nach dem Winter. "Es ist ein Kreislauf, oder nicht? Der Frühling bringt die Wärme der Sonne mit sich, sodass der Winter vertrieben wird... und im Herbst ist die Sonne erschöpft, verliert an Kraft und regeneriert sich..." So... der Legende nach eben.

Laelia nickte einfach nur. Ja, so war das. "Tut uns leid, dass wir dir nicht weiterhelfen können...", fügte sie noch hinzu und klaubte nachdenklich eine weitere Traube von den überladenen Reben. "Ich weiß eigentlich auch nicht wirklich, warum wir überhaupt unsere Welt verlassen haben. Vielleicht, weil sowas großes passiert ist passiert ist? Was hast du denn gemacht bevor du hierher gekommen bist?"

Atsuko hörte sich die Erklärung des Wolfes an. "Hm... Ja, es ist ein Kreislauf, aber nein, bei uns ist es so, dass es immer kälter wird, und irgendwann ist es so kalt, dass selbst die Luft gefriert und sie durchlässig wird, und dann kommen die ganzen Strahlen durch und es wird langsam wieder warm, und nach der Zeit des Feuers ist die Luft wieder ganz und die Strahlen verlieren beim Eindringen die Wärme. Jedenfalls erzählt man das bei uns den Welpen.", schloss sie unsicher.

Kyro fragte nun nicht, ob dieser seltsame Fuchs schon einmal etwas von Wulf und Wulfin gehört hatte, oder von Waka dem Gesetz. "Und bei... euch... gibt es Wölfe... und Füchse... und die bekämpfen sich?"

Ceran lauschte den Erklärungen - wenngleich er spürte, dass die Wölfe sich ebenfalls keinen Reim darauf machen konnten. Bestärkt wurde dieses Gefühl auch durch die Worte. Sie waren also noch nicht lange auf ihrer Reise zwischen den Welten - aber immerhin länger als er selbst. Ein klein wenig hatten sie also schon gelernt. "Könnte euer Rudel nicht in den verschiedensten Welten oder gar in eurer Heimatwelt geblieben sein?", fragte Ceran. So richtig vorstellen, wie sie ihr Rudel finden wollten, konnte er nicht. - "Ich war am Wald und habe die Abendstunden genossen", erklärte er schließlich. "Wirklich bedeutend war das nicht." Auch, wenn er schon sagen musste, dass sein Leben durchaus bedeutsam war. Mhm-mhm!

Yavru nickte. „Ja, das ist es, was wir befürchten. Sie sind wahrscheinlich auf unterschiedliche Welten verteilt, und wir wissen nicht, wie wir sie finden können. Zumindest ist das, was ich hoffe, denn die Alternative wäre, dass die anderen tot sind, weil sie im Eiswasser ertrunken sind.“ Er erschauderte bei der Vorstellung, dass seine Eltern womöglich beide nicht überlebt hatten. Nein, besser gar nicht darüber nachdenken! Sie waren bestimmt noch am Leben, irgendwo. Und sie würden sie finden, egal wie!

Atsuko setzte sich hin und ringelte den Schwanz ordentlich um die Vorderpfoten. "Ja, bei uns gibt es die Feuer- und die Frostwölfe. Die Frostwölfe wohnen in den Gletschern und zeigen sich nur im Winter, und die Feuerwölfe gibt es nur ganz im Süden wo es immer heiß ist. Die zeigen sich überhaupt nie, aber die sind auch nicht so aggressiv. Bei einem Frostwolf hast du das Gefühl, dass er gar kein Gehirn hat und einfach alles was sich bewegt attackiert." Ein bisschen zu spät bemerkte Atsuko dass sie sich gerade mit einem solchen Tier unterhielt, also wechselte sie schnell das Thema und hoffte er würde es einfach vergessen. "Was, ähm... Wie heißt du eigentlich?"

Kyro fühlte sich bei 'Frostwolf' genauso wenig angesprochen, als hätte der Hinsetzen von einem Eichhörnchen gesprochen. Er war kein Frostwolf. Er war einfach nur ein Wolf. Genauer hatte er das bisher nie spezifizieren müssen, da es eben nur Wölfe wie ihn gab. Und die etwas anderen Wölfe der Wüste. Aber die waren sicher mehr Wolf als ein Frostwolf. "Kyro.", antwortete er knapp, während er noch ein bisschen sortierte, was er nun über Frostwölfe wusste. Und über Feuerwölfe.

Laelia war ebenfalls nicht erfreut über die Vorstellung, die anderen könnten einfach weg sein. Was für einen Sinn hätte denn dann ihre Reise durch die Welten noch? Wenn es kein Zuhause gab, an das sie zurückkommen konnten, niemand, der sich über sie freute? Denn mit dieser Gruppenzusammenstellung - also Yavru, Kyro und Sie und vielleicht irgendwo noch Lijenna und Aramis - würde sie nicht ewig klar kommen, geschweige denn glücklich sein. "Dann weiß ich aber echt nicht, was du hier tust. Ich meine, ich weiß es bei uns auch nicht, aber unser Leben war davor eh schon so schräg, dass das hier irgendwie nur die logische Konsequenz war."

Ceran schnappte sich während den Worten Yavrus eine weitere Traube. Allerdings hielt er sie nur zwischen den Vorderpfoten und begann nicht, zu fressen. "Wenn die Alternative der Tod eurer Freunde und Familie ist, dann möchte ich auch glauben, dass sie irgendwo in den Welten sind", erklärte er ihnen - wenngleich es sich seltsam anfühlte, diesen Satz zu sprechen. Denn in ihm akzeptierte er, dass es verschiedene Welten gab, während er noch immer hoffte, dass es sich um einen seltsamen Traum handelte, ausgelöst durch den würzigen Waldduft.

Atsuko nickte. Der Wolf - nein, Kyro - schien besänftigt, besser gesagt hatte er sich nie aufgeregt. "Bei euch gibt es nur eine Art von Wölfen? Und... ihr kämpft nicht mit den Füchsen?"

Kyro schüttelte den Kopf und nahm zur Kenntnis, dass der Fuchs sich nicht vorstellte. Er fragte aber nicht weiter nach. Höflichkeitsgeplänkel lag ihm nicht und wenn er fragen würde, sähe es womöglich noch so aus, als wäre er am Namen seines Gegenübers interessiert! "Zumindest gibt es unter den Wölfen keine so großen Unterschiede. Es gibt schwarze und weiße, braune und graue, mischfarben daraus und das in verschiedenen Größen und leicht unterschiedlichem Fell. So ähnlich ist das bei Füchsen. Die gibt es in weiß und schwarz und rotbraun... und man geht sich aus dem Weg. Zu kämpfen kommt es nur, wenn es ums Überleben geht und kleine freche Füchse was von der Wolfsbeute abhaben wollen."

Yavru schaute zu, wie Ceran wiederum die Traube betrachtete, und machte sich Gedanken, ob sie in den Welten überhaupt genug zu fressen finden würden. Sicher, die Trauben waren lecker, aber ein Wolf konnte doch sicherlich nicht dauerhaft von Weintrauben leben? Aber er wollte diesen Gedanken lieber vorerst nicht weiter verfolgen und erst recht nicht aussprechen, um Ceran keine Angst zu machen, denn nüchtern betrachtet war er in dieser Welt noch das, was dem Begriff Beute am nächsten kam. Dennoch konnte Yavru sich weiterhin nicht vorstellen, ihn zu töten und zu fressen. Obwohl er doch eigentlich nur eine Ratte war. Stattdessen sagte er: „Ich würde der wirklich gerne helfen, zurückzufinden. Nur leider weiß ich selbst nicht, wie.“

Atsuko hörte aufmerksam zu. Wovon Kyro redete klang absolut sinnvoll. Offensichtlich war der Wolf doch gar nicht so dumm. "Und... bei euch gibt es nur weiß, braun und schwarz als Fellfarben? Wie eigenartig..."

Laelia nickte wieder zustimmend. "Aber naja. Was auch immer wir in dieser Welt lernen sollen, wir werden es sicher nicht durch herumstehen erreichen, oder?" Ihr war nämlich plötzlich wieder eingefallen, dass es ja Aufgaben gab. Sicher, Yavru hatte es zuvor erwähnt, aber manchmal dauerte es eben ein bisschen, bis es im Bewusstsein ankam. Plötzlich knurrte ihr Magen laut - sie hatte nach dem ganzen süßen Zeug auf einmal Lust auf was richtiges. Ein bisschen betreten sah sie in die Runde.

Kyro blickte den Fuchs skeptisch an. "Was... soll es denn sonst noch für Farben geben?"

Ceran nickte nachdenklich, ehe er nun doch die scharfen Nagezähne in das süße Fruchtfleisch grub und bis zum Magenknurren Laelias genüsslich futterte. Als es ertönte, blickte er allerdings alarmiert auf. Die Schnurrhaare zitterten angespannt. Der ganze Leib des Ratterichs war darauf ausgelegt, bei der kleinsten Bewegung der Wölfin in die Reben hinaufzuklettern. Bisher war ihm nichts geschehen - und er konnte sich natürlich auch wehren - aber eine Flucht war dennoch sein bevorzugter Weg.

Atsuko blickte betreten an sich herab. "Ähm... Ich kann Farbnuancen von blau, Violett, Rot, Orange, gelb, Grün, weiß und schwarz annehmen. Gibt es bei euch keine Tiere die so ausschauen?" fragte sie mit einem Hauch Verzweiflung in der Stimme.

Kyro starrte den Fuchs an. "Es gibt bunte Vögel... und bunte Insekten... und ein paar bunte Fische hab ich auch mal gesehen. Aber keine bunten schnellen Läufer oder leisen Pfoten... oder Hornträger und Huftiere..." Er überlegte. "Wie kannst du dich auf der Jagd tarnen? Dich sieht doch jedes Beutetier sofort!" So ein bunter Fuchs fiel natürlich sehr auf. Im Schnee oder im Wald. "Oder ist die Welt aus der du stammst so bunt wie du?"

Yavru nickte zustimmend. „Ja, wir sollten versuchen, herauszufinden, was es hier zu lernen gibt. Auch wenn es wahrscheinlich schwer zu finden sein wird, weil wir ja nicht wissen, was wir eigentlich suchen, bis wir es gefunden haben.“ Wie um auf seine ursprünglichen Gedanken zurückzukommen knurrte Laelias Magen laut genug, dass es deutlich vernehmbar war. Und Ceran schien schon Befürchtungen zu haben, worauf das hinauslaufen könnte. Jedenfalls machte er sich offensichtlich bereit zur Flucht. Yavru wusste nicht, wie er reagieren sollte, also schwieg er und hoffte, dass Laelia etwas sagen und damit das Thema, dann nun mal jetzt zwischen ihnen schwebte, zur Sprache bringen würde.

Laelia merkte Cerans Reaktion und meinte "Äh... Nein, ich will dich nicht fressen, Ceran, du kannst nämlich reden. Das wäre einfach irgendwie zu komisch. Außerdem bist du nett..." Laelia war sich bewusst, dass das jetzt nicht sehr elegant ausgedrückt war, aber sie hoffte doch, dass es seine Wirkung nicht verfehlen würde. Auch, wenn was zu Fressen natürlich schon toll wäre... aber Ceran echt nicht. Die Vorstellung, etwas zu fressen, dass laut jammerte und ihr ein schlechtes Gewissen einredete verursachte ihr Übelkeit.

Atsuko blickte sich zum ersten mal richtig um. "Nun, ich bin eigentlich recht gut getarnt... mein Pelz ändert sich ja schließlich mit seiner Umgebung. Wir sind gerade in der Zeit des Falles, und da färben sich die Blätter ja, und so sieht mein Pelz jetzt gerade auch aus... Oder etwa nicht?" fragte sie zweifelnd. Diese Welt schien so anders als ihre eigene, vielleicht blieben die Blätter ja auch einfach gleich?

Kyro blieb skeptisch. Die Baumkronen verfärbten sich, aber dieser kleine Fuchs war doch nicht so groß wie ein Baum? Und auch nicht so klein, dass sie sich im Laub verstecken konnte. War aber auch egal. "Vorhin war... ich in einer anderen Welt... einer Welt mit... einer beinahe endlos scheinenden Graslandschaft, die sich über Hügel zog. Vorbei an einem Berg. Weißt du, wie ich dorthin zurück komme?"

Atsuko war perplex. "Ich dachte du kommst aus dieser Welt? Kannst du etwa zwischen den Welten wandeln?"

Kyro verstand die Frage nicht. Wenn er wandeln könnte, bräuchte er doch nicht zu fragen, wie er zurück kam! "Ich war davor in diesem... Mandridingsda und dann wurde ich gebissen und als ich mein Ohr im Meer kühlen wollte, war ich plötzlich in einer... Heimat... die ich verlassen musste... und jetzt bin ich hier."

Atsuko verstand rein gar nichts von dem was der Rüde sagte, doch es war im Moment eh nicht wichtig. Das einzige was wichtig war war "Es gibt also noch andere Welten? Und... du bist auch wegen Wasser aus deiner Welt verschwunden?"

Kyro verstand die Frage genauso wenig. "Du bist doch auch aus einer anderen Welt? Aus dieser Frostwolf-Feuerwolf-Welt? Dann musst du doch wissen, dass es auch andere Welten gibt?"

Atsuko verdrehte unwillkürlich die Augen. "Nur weil es zwei verschiedene Welten gibt müssen da ja nicht noch mehr sein, oder? Es gibt ja oft nur zwei Dinge. Augen zum Beispiel. Warum sollte ich also wissen dass es noch mehr Welten gibt? Ich war bisher nur in der, und die war mir unterhaltsam genug!"

Ceran beäugte die Wölfin misstrauisch. Konnte er ihr glauben? - Andererseits blieb ihm vielleicht gar keine andere Wahl. Wenn er jetzt in diesen seltsamen Weltentopf gezogen worden war, brauchte er vielleicht große Verbündete, die ihn schützen konnten. Wobei er natürlich alles daran setzen würde, das zu vermeiden! Ceran beschloss, das anzunehmen, aber vorsichtig zu bleiben. Man konnte bei hungrigen Räubern schließlich nie wissen! Allerdings reagierte er mit dem, was er sprach, doch ein wenig eingeschnappt. "Aha. Ich bin nett. Und kann reden. Es ist nicht ganz fair, dass ich gefressen" bei diesem Wort schüttelte es ihn "worden wäre, wenn ihr das nicht erkannt hättet."

Kyro konnte diese Logik nicht nachvollziehen, aber er beließ es dabei. "Tja, weißt du... ich hab keine Ahnung von diesem Weltengedöns. Da war so ein blödes Miststück von einer Wölfin, die mir ins Ohr gebissen hat... die wusste vielleicht mehr über das Ganze... aber sie ist einfach abgehauen und vermutlich sehe ich sie nie wieder. Würde ihr gerne den Arsch aufreißen..." Ein Stich in sein Ohr ließ ihn kurz zusammenzucken, sodass die aufkeimende Wut dem Schreck und der Angst wich, wieder mit diesen Schmerzen gefoltert zu werden. Aber sie vergingen wieder und ließen nicht mehr als ein ungutes Gefühl zurück. "Diese Wölfin laberte von Aufgaben, die man lösen muss... damit die Reise weiter geht. Man muss irgendetwas lernen... aber man weiß nie was... und man kann nichts beeinflussen. Wie lange bist du schon hier?"

Atsuko machte einen kleinen, überraschten Hopser zurück, als Kyro zuckte und für einen kurzen Moment einen ziemlich irren Gesichtsausdruck annahm. Und als er dann davon redete, wie gern er die Wölfin bekämpfen würde, wollte sie plötzlich einfach nur noch weg von ihm und seinem Wirren Gerede von Aufgaben und einer Reise. Aber wer wusste schon, wie der Wolf dann reagieren würde? Ein Kisetsu wurde von Geburt an zu Weisheit erzogen, also versuchte sie sich nichts anmerken zu lassen. "I-Ich weiß nicht genau... Also, ich meine, ich bin mir nicht sicher wie lange ich schon hier bin."

Kyro fand den Fuchs nicht hilfreich. "Ich weiß nicht wie lange im Sinne von... ziemlich lange... oder eher nur ein bisschen lange?", wollte er dann wissen. "Tage, Wochen, Monate oder eher nur ein paar Herzschläge lang?"

Atsuko versuchte angestrengt sich zu erinnern, ohne Kyro aus den Augen zu lassen, doch der Moment schien vorüber zu sein. "Ich denke... so... ein paar... Tage? Ich war irgendwie in einer Art Trance oder so."

Yavru war beruhigt, dass Laelia gleich sofort klar machte, dass sie Ceran ebenfalls nicht als Beute sah. Dieser schien jedoch, kaum dass er sich beruhigt hatte, jetzt verärgert zu sein. „“Es ist nun mal so, dass Wölfe andere Tiere fressen müssen, um zu überleben. Und dann trifft es natürlich die kleinen, die nicht so sind wie du.“ Er wusste nicht, ob er mit seinen Worten zur Beruhigung der Situation beitrug oder womöglich gar das Gegenteil bewirkte, aber irgendetwas musste er ja schließlich sagen.

Kyro hielt den Fuchs vermutlich für deutlich verrückter, als dieser ihn. Trance. Der hatte wohl irgendwelche Pilze gefressen... "Ich hätte jetzt darauf getippt, dass du seit Jahren hier herumirrst und völlig lernresistent bist.", brummelte er vor sich hin und wanderte durch die Halle, die vom goldenen Sonnenlicht geflutet wurde. Beinahe friedlich. "Ist hier irgendwo Wasser?"

Laelia war dankbar dafür, dass Yavru sie verteidigte. "Von irgendwas muss ich ja leben. Ich fresse nun mal Fleisch. Und da ist es leider wirklich ein Kriterium, ob das andere Tier sprechen kann oder nicht. Oder würdest du noch Trauben fressen, wenn sie auf einmal sprechen könnten? Das muss für die ja auch doof sein, wenn sie da heruntergepflückt werden. Aber darüber denkst du keine Sekunde nach."

Ceran war nun tatsächlich ehrlich beleidigt über die beleidigte Reaktion - allerdings hatten sie einen Punkt getroffen, der stimmte. Zwar vielleicht nicht unbedingt in Bezug auf die Trauben - aber auf Insekten traf es wohl ganz gut zu. Wenn er es schaffte, eine Grille zu erwischen, dann fragte er schließlich auch nicht danach, ob sie sprechen konnte oder nicht. Mhm. Vielleicht sollte er das ändern? "Ist ja gut", gab er zu verstehen, ehe er weiter fraß - nicht, dass das gute Obst noch in seinen Pfoten verfaulte!

Atsuko schwankte zwischen 'Dieser Wolf ist verrückt, ich muss hier weg!' und 'Wenn du offensichtlich meinst, dein Gehirn sei größer als meines, warum benutzt du es dann nicht?'. Sie entschied sich für einen Mittelweg. Kyro keinen Grund zum Angreifen geben und trotzdem unauffällig ihre Meinung übermitteln. "Ich war in TRANCE, und ich habe nur unterschwellig mitgekriegt wie sich mein Pelz ändert und ich mir irgendwie was zum Essen beschafft habe, sonst nichts! Aber ich kann nicht länger als ein paar Tage hier sein, sonst wäre ich verhungert." Und etwas eingschnappt fügte sie hinzu: "Wenn du Wasser brauchst, im Wald gibt es Pfützen."

Yavru bemerkte, dass Ceran seine, vor allem aber Laelias Antwort nicht unbedingt mit Begeisterung aufnahm – aber hätte ihn auch sehr gewundert, wenn es anders gewesen wäre. Immerhin schien ihm auf Laelias Argument hin klarzuwerden, dass auch er irgendetwas fressen musste, das vermutlich nicht damit einverstanden war, gefressen zu werden. Anscheinend behagte ihm diese Vorstellung nicht, aber warum sollte es der Ratte auch anders ergehen als ihnen? Aber es war wohl am Geschicktesten, die Frage statt darauf, wen sie nicht fressen wollten, darauf zu lenken, was sie stattdessen fressen wollten. Daher wandte er sich an Ceran: „Gibt es hier irgendwelche Tiere, die man fressen kann? Es ist deine Erinnerung, also weißt du es vermutlich am besten.“

Kyro schnaubte unwillkürlich. "Wenn du in deiner Trance was zu Futtern beschafft hast, hättest du ja so halb unter dem Einfluss von Pilzen auch einen Fluss oder einen See gesehen haben können... Oder vor der Trance oder nach der TRANCE." Er hob das Wort jedes Mal hervor, als würde er den Fuchs für gestört halten, weil dieser sich in einem solchen Zustand befunden hatte. "Ich brauche keine Pfützen... ich wollte meinen Kopf in Wasser versenken, um herauszufinden, ob ich dann wieder in einer neuen Welt auftauche! Also geh ich mal auf die Suche... in den Wald, den du ja offenbar in deiner TRANCE auch gesehen hast... vielleicht muss man auch bloß bis zum Rand einer Welt laufen, um weiter zu kommen."

Laelia war sich nicht ganz sicher, ob das wirklich in Ordnung war, Tiere in dem Traum einer Ratte zu fressen, aber sie hatte wirklich ziemlich großen Hunger. Und sie war sich gar nicht so sicher, weshalb. Dieses ganze Weltenwechseln war so verwirrend, und dann auch noch die Zeit! Wie viel Zeit war überhaupt vergangen, seit sie hierher gekommen waren? Es fühlte sich nicht besonders lange an, sie vermutete aber, dass sie schon mindestens eine Stunde hier feststeckten. 'Nicht darüber nachdenken, einfach nicht darüber nachdenken!'

Atsuko nahm eine Stimme an wie man vermutlich mit einem Welpen redete - sie hatte noch nie mit einem gesprochen, aber manche Mütter dabei beobachtet - und sagte freundlich "Aber die Welt ist dich rund!", wobei sie sich gleich darauf ziemlich doof vorkam. Vielleicht diese hier ja nicht? "A-Aber ich kenn mich hier ja auch nicht aus, du schon, und wenn du meinst dass das eine Gute Idee ist hast vermutlich recht.", fügte sie deshalb hastig hinzu.

Ceran versuchte, sein Hirn anzustrengen. Allerdings war er von dem süßen Geschmack der Traube doch ein wenig abgelenkt, sodass er erst zu Ende fraß, sich anschließend die Pfoten anständig säuberte und dann darüber nachdachte. Letztlich musste er aber einräumen: "Ich gebe zu, dass ich mich hauptsächlich in diesem Gemäuer aufgehalten habe." Ob die Welt dann irgendwann einfach aufhörte und sie aus seiner Erinnerung fielen, wenn sie zu weit von diesem Ort weggingen? Mhm. Wenn, dann wollte er mit! Aber noch nicht jetzt. Nicht, wo es hier so viel Futter gab! Also beschloss er, dass sie in der Nähe bleiben sollten. "Vielleicht findet ihr ja innerhalb dieses Gemäuers ein paar kleine Tiere, die auf euren... Speiseplan passen?"

Kyro horchte auf. "Die Welt ist rund? Wer behauptet denn sowas? Fällt man da wo du her kommst irgendwann einfach runter?"

Yavru war erstaunt: „Du hast auch in deiner Welt die meiste Zeit an einem Ort wie diesem verbracht? Dann bist du aber nicht allzu weit herumgekommen.“ Gleich darauf merkte er, wie ungeschickt diese Feststellung war. Wären die Weißen Schatten nicht gewesen, hätten sie ja vermutlich auch keinen Grund gehabt, jemals Shinaii zu verlassen. Schnell wechselte er das Thema. „Dann lass uns nachschauen gehen, ob es hier noch etwas anderes für uns zu fressen gibt, außer den Trauben!“ Er setzte sich in Bewegung, in der Hoffnung, dass die Beute, die sie hoffentlich finden würden, sich deutlich genug von Ceran unterscheiden würde, um eventuelle Komplikationen zu vermeiden. Vermutlich würde dieser es nicht so toll finden, wenn sie vor seinen Augen zum Beispiel eine normale Ratte fräßen.

Atsuko schaute verdutzt. "Nein, also... tut man nicht... aber... Den Welpen bringt man bei, dass die Welt rund ist. Und... du hast ja schließlich auch keinen Beweis dass sie es nicht ist, oder?", meinte sie kläglich. Es verwirrte sie, dass Kyro Dinge in Frage stellte an die sie schon ihr ganzes Leben glaubte.

Kyro glaubte nichts, was er nicht mit eigenen Augen gesehen oder erlebt hatte. Die Welt sah für ihn nicht rund aus. "In meiner Welt jedenfalls... bin ich mein halbes Leben gewandert... und nie wieder dort angekommen, wo ich losgegangen bin... Es ging immer weiter... und immer war alles fremd. Jahreslauf um Jahreslauf... Beinahe als wäre die Welt unendlich. Mir ist auch tatsächlich nie ein Wolf begegnet, der das Ende der Welt gesehen hatte... aber das Rudel das ich auf dieser Reise begleitet habe... hat sozusagen einen Ort gesucht, von dem nicht einmal sicher war, dass er existiert..."

Atsuko merkte, wie sich eine gewissen Sentimentalität in die Stimme von Kyro mischte, und er war der letzte, von dem sie so etwas erwartet hätte. "Seid ihr... nie nach Hause zurückgekommen? Das muss... sehr traurig sein."

Kyro tappte aus der Halle ins Herbstlicht hinaus und steuerte dann auf den Wald zu, von dem er glaubte, dass der Fuchs davon gesprochen hatte. "Manchmal muss man vorwärts gehen, um Zuhause anzukommen. Nicht jeder findet ein Zuhause dort, wo er herkommt." Er hatte keine Ahnung, wie alt der 'Hinsetzen' war, aber in diesem Moment kam dieser ihm sehr jung vor. "Auf Reisen war das Rudel allerdings, weil es vertrieben wurde... und weil es da diese Legende gab... von einem Ort... an dem man friedlich leben konnte. Der Alpha war ein Träumer und glaubte im Wind ein Rufen zu hören, das ihm den Weg wies. Nur verloren wir diesen Leitwolf dann... und so irrten wir umher und hofften, dass unsere Pfoten uns dennoch dahin bringen würden, wohin wir gehörten."

Atsuko spürte wie ein Funken Mitleid in ihr hochstieg. Sie selbst hatte ein angenehmes Leben wo alles wovor man sich in Acht nehmen musste Wölfe und der Hunger waren, und obwohl sie auch hin und wieder wanderten kamen sie am Ende immer wieder zurück. "Und habt ihr diesen Ort gefunden?"

Kyro nickte leicht, ohne den Blick dem Fuchs zuzuwenden. "Ja. Wir haben dort eine Weile gelebt... bis wir wieder vertrieben wurden.", erklärte er, ohne besonders viele Gefühlsregungen in die Worte zu legen. "Ich weiß nicht, ob es das Gelobte Land war... aber wir sind dort geblieben, müde von der Reise. Und manche empfanden den Ort wohl als Heimat. Vor allem die, die dort geboren wurden. Für mich wird kein Ort jemals Heimat sein."

Atsuko sah den Wolf durchdringend an, doch er schien es nicht zu bemerken. "Waren es andere Wölfe die euch vertrieben haben? Ich nehme an, ihr habt gekämpft... Hast du jemanden verloren?" Sie wusste, es stand ihr nicht zu so etwas zu fragen, vor allem niemanden, der sie vermutlich nicht einmal mochte, doch urplötzlich empfand sie eine seltsame Sympathie für den alten Rüden.

Kyro antwortete, wie bereits zuvor, ohne viel Emotion: "Wir wurden vertrieben... unser damaliger Leitwolf und sein bester Freund wurden getötet, als sie eine dumme kleine Welpin retten wollten, die meinte, sich von den Eindringlingen zum Frühstück verspeisen lassen zu müssen... sie starben alle drei, auch, um dem Rest des Rudels die Chance zu geben, zu entkommen. Mehr Wölfe haben wir nicht verloren... wir konnten uns für eine ziemlich lange Zeit verstecken, bis wir unsere Heimat verlassen haben. Zu dieser Zeit haben wir uns aus den Augen verloren... und irgendwann haben wir uns wieder gefunden. Alle. Und die, die uns vertrieben haben, jagten uns... auf eine Eisfläche... die unter uns brach... und wir stürzten ins eisige Wasser." Bis dahin blieb es ein neutraler Bericht, mit wenig Wehmut. "Ich weiß nicht, ob ich ertrunken und jetzt tot bin... oder ob ich den Verstand verloren habe, weil es plötzlich überall andere Welten gibt... oder ob das Schicksal sich einfach einen Spaß mit mir erlaubt... aber jetzt bin ich hier. Und jetzt habe ich mein Zuhause verloren."

Atsuko bemerkte zwar, dass Kyro sich teilweise selbst widersprach, aber der Kern der Geschichte stand wohl fest. Sie stupste ihn vorsichtig mit der Schnauze an und meinte aufmunternd: "Kann gut sein, dass du einen ziemlichen Dachschaden hast, aber wenn, dann haben wir den selben! Und wenn das was du sagst stimmt, dann kannst du am Ende deiner Reise durch die Welten wieder zurück nach Hause! Und damit meine ich nicht den Ort wo du herkommst, sondern wo du dich wohlfühlst."

Kyro schüttelte leicht den Kopf. "Nein. Ich bin ziemlich sicher, dass ich sie dieses Mal für immer verloren habe.", erklärte er sachlich und traurig zugleich. "Es ist ein... Gefühl... wie ein lautloses Rufen im Wind. Eine Gewissheit, die nicht auf faktischem Wissen beruht." Er ignorierte das Stupsen weitgehend. Er knurrte nicht, er fauchte nicht und wich nicht zurück... aber er reagierte auch sonst nicht darauf. "Wen hast du verloren?"

Atsuko zuckte leicht zurück. Es war klar gewesen, dass wenn sie fragte, dass dann auch er fragen würde, trotzdem war sie nicht ganz darauf vorbereitet gewesen. "Meinen Vater. Es ist ein paar Jahre her... aber, ich kann mich kaum erinnern-" Atsuko stockte. Nein, dass war eine Lüge. Man vergaß es nicht einfach, wenn jemand eines Tages einfach nicht zurückkehrte und einem seine Mutter nichts sagen wollte. "Nun, verloren ist nicht ganz das richtige Wort, schließlich lebt er vermutlich noch irgendwo da draußen mit einer rosafarbenen Füchsin und macht sich über mich lustig, aber für mich ist er tot.",schloss sie etwas brüchig.

Kyro kannte diese Art des Verlierens ganz gut. "Und... schmerzt es, weil er ein besonderer Fuchs war, oder einfach nur, weil er dein Vater war?", erkundigte er sich.

Atsuko blinzelte nachdenklich. Darüber hatte sie noch nie nachgedacht. "Er war... vermutlich nur ein normaler Fuchs, doch... für mich war niemand freundlicher oder lustiger. Er hat mir meinen Namen, Atsuko, gegeben" - bei der Gelegenheit viel ihr auf, dass sie sich noch nicht vorgestellt hatte -"und mich manchmal sogar zum Jagen mitgenommen, und auch wenn ich sicherlich alle Beute im Umkreis von zehn Meilen vertrieben habe konnte ich am Ende Mutter immer stolz eine kleine Maus oder derartiges zeigen. Und selbst wenn er völlig erschöpft war hatte er immer noch genug Kraft um mit mir etwas zu spielen. Er war kein besonderer Fuchs, er war ein besonderer Vater."

Kyro ließ sich all das erzählen, von einem Vater, wie er ihn nie hatte. "Und ist es besser, von einem besonderen Vater verlassen zu werden, oder nie einen solchen gehabt zu haben?", wollte er weiter wissen. Es war eine seltsame Frage an sie beide.

Atsuko betrachtete den Rüden überrascht. Wie viel Trauriges hatte er bitte schon in seinem Leben erlebt? "Ich denke... es hat beides Vor- und Nachteile. Was du nicht hast kannst du nicht verlieren, und was du eh hattest kannst du nicht beneiden."

Kyro dachte ein bisschen darüber nach und schüttelte dann leicht den Kopf. "Wenn du Eltern hattest... die dich für das, was du bist, immer nur kritisiert haben... dann hast du es vielleicht nie anders gekannt, aber du hast es dir vermutlich anders gewünscht. Denn es ist einfach, sich ein anderes Leben vorzustellen... und vor allem, wenn du mit der Zeit siehst, wie andere Eltern ihre Nachkommen behandeln, kannst du immer wieder mit ansehen, was dir immer verwehrt bleiben wird." Er blickte Atsuko an. "Eltern hat man eben nur die einen... Du bekommst dein Leben lang keine zweite Chance mit anderen... Wenn sie alles, was du sagst, denkst und fühlst nicht begreifen und ablehnen... wirst du niemals wissen, wie es gewesen wäre, wenn du Eltern gehabt hättest, die dich verstanden hätten. Und die dir beratend zur Seite hätten stehen können, weil sie dich und deine Worte begreifen... oder das zumindest versuchen." Er dachte kurz über das nach, was er über den Fuchsvater wusste und er maß sich nicht an, diesen zu verstehen. Er selbst hätte ihm auch nicht verziehen.

Atsuko wusste nicht was sie sagen sollte. Natürlich könnte sie Kyro erklären, dass sie ja immerhin an seiner Seite geblieben waren und dass man wenn man immer wegen jedem Detail kritisiert wird sicher nie etwas falsch machen würde, aber so etwas würde niemand in dieser Situation hören wollen. Stattdessen holte sie kurz Luft und begann dann: "Leute, die sich so benehmen... sind meistens sehr schwach. Sie mögen es nach außen hin nicht zeigen, aber oft können sie mit der Situation einfach nicht umgehen und reagieren deshalb oft überspitzt und regen sich wegen allem auf." Sie warf ihm einen entschuldigenden Blick zu und meinte: "Natürlich muss das auf deine Eltern nicht zutreffen, aber es scheint mir eine Möglichkeit zu sein, warum sie dich anders behandelt haben könnten."

Kyro ging nicht weiter darauf ein, dass er vage von... irgendwelchen Eltern gesprochen hatte. Nicht unbedingt von seinen eigenen. Aber zufällig... traf diese allgemeine Beschreibung ganz gut auf die beiden zu. "Es ist mir ganz egal, ob sie schwach waren und voller Fehler... Sie haben mir jedenfalls die Chance genommen, Eltern zu haben, von denen ich mich geliebt gefühlt habe... und die ich zurücklieben konnte.", erklärte er ernst. "Natürlich habe ich sie anfangs geliebt... das ist die Natur der Sache... und natürlich habe ich tausend mal über ihre Kritiken hinweg gesehen, gute Miene zu bösem Spiel gemacht und versucht hinzunehmen, dass sie sind, wie sie sind. Aber irgendwann im Leben kommt der Tag, an dem du dich entscheiden musst... und bis zu diesem Tag hast du in unendlich vielen Situationen versucht, die beiden aus deinem Herzen zu schieben, um nicht mehr verletzt zu werden. Bis es dir einfach gelungen ist. Bis eine kleine, einfache Aussage gereicht hat, um dich endlich zu befreien. Und an diesem Tag entscheidest du, dich nicht kaputt machen zu lassen, sondern die Idee von den Wurzeln der Liebe aufzugeben und sie anderswo zu suchen." Er betrachtete das bunte Fell der Füchsin, ohne es wirklich zu sehen. "Das ist der Augenblick, indem du weißt, dass du nie zurückkehren wirst, weil du vorwärts gehen musst."

Atsuko sah betreten auf den Boden. In den Tatsachen die er aussprach lag eine bittere Wahrheit, und plötzlich schämte sie sich, sich anzumaßen über jemanden zu urteilen den sie noch nie gesehen hatte. "Dann bist du... stark.", sagte sie leise, und nach ein paar Sekunden fügte sie hinzu: "Wie alt warst du?

Kyro verzog das Gesicht. Er war doch nicht stark... Ein Verrückter wusste für gewöhnlich nicht, dass er verrückt war. Aber Kyro wusste zumindest, dass er ein erbärmlicher, feiger Idiot war, der fast immer den einfachsten Weg gegangen war. Fast immer. "Es war mein zweiter Herbst...", wisperte er, als wäre es ein Geheimnis. Wie überaus ironisch vom Schicksal, dass es wohl ein Herbst wie dieser gewesen war. Um sie herum war die Welt voller bunter Blätter. Die Sonne kitzelte noch mit ihrer Wärme, aber in seiner Nase kribbelte bereits die Kälte der kommenden Nacht. Wenn auch nur als ferne Ahnung. "Das bedeutet, das ein Jahreslauf und ein halber seit meiner Geburt vergangen waren. Geboren im Frühjahr...", erinnerte er an den Anfang ihres Gesprächs. "Ich war jung und naiv, lebensfroh und guter Hoffnung. Ich glaubte noch, dass man die Vergangenheit hinter sich lassen kann, wenn man sich weit genug von ihr entfernt. Meiner Erfahrung nach gewinnen die Wurzeln im Laufe des Lebens allerdings an Bedeutung... kennst du das auch?"

Atsuko musste an den Tag denken als ihre Mutter ihr mit schmerzerfülltem Gesicht nachgesehen hatte und sie sich bemüht hatte, sich an den Geruch ihres Vaters zu erinnern, um sich auf eine Suche zu begeben. "Ja", hauchte Atsuko leise, und wünschte, sie könnte das Gegenteil behaupten. "Aber ich nehme an, es ist Schicksal wenn man sie nie wiederfindet. Und wenn das Schicksal keine natürlichen Waffen mehr hat, dann setzt es einen einfach in eine andere Welt." Gegen ihren Willen bahnte sich ein hysterisches Kichern in ihrer Kehle hoch, doch mit großer Anstrengung schaffte sie es zu unterdrücken.

Kyro nickte. Das konnte er auf jeden Fall bestätigen. An dieser Stelle konnte er sich nun fragen: War es besser, in fremden Welten zerstreut zu sein, oder Aszira an den Tod verloren zu haben? Er war es so leid, sich immer wieder neu zusammen basteln zu müssen. Er konnte jeden Morgen aufwachen und jemand anderes sein. Der nette Wolf von eben an, die zickige Nervensäge, der grummelnde Altwolf, der wahnsinnige Irre, der tiefgründige Philosoph... entscheidend war aber eigentlich, dass er nie werden konnte, wer er eigentlich einst hätte sein sollen. Das hatte ihm das Leben nicht erlaubt und auch wenn er es größtenteils selbst verbockt hatte, trug er nicht an allem die alleinige Schuld. Als Kyro beiläufig in eine der Pfützen blickte, von denen Atsuko zuvor gesprochen hatte, sog ihn sein eigenes Spiegelbild aus ihm heraus, wirbelte ihn durcheinander und warf ihn in die graue Nacht einer weiteren, fremden Welt.

Atsuko stemmte sich gegen den extremen Sog, doch es war, als würde man gegen den Strom schwimmen. Man kam nicht voran sondern blieb nur auf der Stelle, und ließ man einmal kurz nach, trug einen die Strömung mit sich. Unwillkürlich musste sie an den Fluss denken, gegen den sie damals kämpfte, als sie in die Welt gelangte in der sie jetzt war. Es war genau wie damals - Moment mal, es war genau wie damals! Und bevor sie noch irgendeinen anderen Gedanken denken konnte, glitt sie in eine inzwischen bekannte Trance.





Geschlecht


Alter


Größe


Status


Charakterbogen


Lu, Kyro, Josh, Lio





Ich mag den Duft der Sonne
Und wie der Regen singt
Den Geschmack des Mondes
Und wie der Nebel klingt

Ich mag die Sterne fühlen
Und der Berge klang
Mag hinter Himmeln sehen,
Wo die Welt begann
27.10.2017 01:18
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