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Lijenna
Lillyan Caesar






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Wolfsträumer

Pairen - Der Seelenstrand
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Kyro und Ceran haben kurz das Gefühl, als würde der Boden, auf dem sie stehen, stärker an ihnen ziehen und noch während sie ihre Muskeln anspannen, um zu verhindern, dass ihre Beine nachgeben, wandelt sich das Gefühl in Schwerelosigkeit. Als wäre der Boden verschwunden. Im nächsten Augenblick befinden sie sich am Kiesstrand einer Insel. Schäumende Wellen werfen sich ans Ufer und singen ein wildes Lied von Urkraft und Ewigkeit. Wenn sich die beiden ansehen, sehen sie in ihr eigenes Gesicht. Beim Fall in die Welt haben sie die Körper getauscht.

Kyro war, nachdem er den Pelzling getötet hatte, zum See gegangen und hatte eine ganze Weile getrunken, ehe er die danach noch übrig gebliebenen Beweise von seinem kleinen Raubzug durch sorgsame Körperpflege vernichtete. Es musste immerhin nicht bekannt werden, dass er Syrayns Haustier getötet hatte! Dann war sein Körper schwer geworden, ohne dass er Müdigkeit empfand und er ahnte beinahe, dass er die schwarzweiße Welt Acuri verlassen würde, um irgendwo anders zu stranden. Ein bisschen verarscht kam er sich vor, als er sich tatsächlich an einem Strand wiederfand und fassungslos sich selbst betrachtete.

Ceran glaubte allmählich, dass im Weltenwetter keine richten Gespräche zustande kommen konnten. Noch bevor er sich weiter mit dem neuen Wolf unterhalten konnte, spürte er eine eigentümliche Schwere in seinem Körper. Gerade, als er sich Hilfe suchend an einen der Wölfe wenden wollte, wurde er federleicht. Den Augenblick eines Blinzelns wurde es dunkel um ihn herum, er hatte das Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren nur, um auf hartem Kies wieder zu landen. Irritiert blinzelte er, als er sich selbst entdeckte. Was war denn jetzt passiert?! War er etwa in einer Welt mit sich selbst gelandet? Probeweise hob er die linke Pfote an - und schlackerte mit den Ohren, als er sah, dass es nicht seine schönen, zierlichen Rattenfüße waren sondern die klobigen Pfoten eines Wolfs.

Kyro starrte den Wolf an, der ihm gegenüber stand. Vielleicht hätten sich andere nicht sofort erkannt, weil die Natur nicht viele Gelegenheiten bot, sich selbst zu betrachten... Aber Kyro erkannte das zerfetzte Ohr auf der einen und das zur Hälfte fehlende Ohr auf der anderen Seite. Er erkannte die Narben. Einige, weil er sie an seinem Körper oft genug selbst gesehen hatte, andere, weil er sie manchmal angestarrt hatte, in Pfützen oder Seen. Es gab nur wenige Momente, in denen das Licht es ermöglichte, dass er sich selbst sehen konnte und sich genau so im Wasser brach, dass sein Spiegelbild dort erschien, aber mancher Narben erinnerte er sich sehr genau. Nicht, weil er sie oft gesehen hatte, sondern weil er sich an die Wunden erinnerte, die er durch die ein oder andere Art erhalten hatte. Alt sah er aus, wenn er das mal so nüchtern denken durfte. Alt und zerfetzt, hässlich und verlebt... Die Augen, die ihn anblickten, gehörten nicht ihm. Er wusste nicht, wieso er diese Eingebung augenblicklich hatte, denn es waren durchaus seine Wolfsaugen. Aber etwas in ihnen war nicht er. Vermutlich stimmte es, dass die Augen mehr mit der Seele - oder was auch immer einen Wolf ausmachte - verbunden waren, als alles andere. Genau genommen sah er sich also nicht selbst an, was ihn zu der Frage brachte, wer oder was er eigentlich gerade war. Ein Schauer jagte von seiner Schwanzspitze bis in seinen Nacken hinauf. Er fühlte sich komisch. Komische Haltung, komischer Körper... Als er aufschrie, klang er, als würde er gerade auf ein Nagetier beißen. "Wääääh!" Also war er wohl das Nagetier! Hektisch versuchte er seinen Körper zu betrachten und mutmaßte, dass er diese riesige Ratte war, die Laelia und Yavru irgendwann angeschleppt hatten.

Ceran richtete den Blick wieder auf das Tier ihm gegenüber. Dass es sein Körper war, wusste er. Er roch es. Aber sein Körper bewegte sich nicht, wie es ein Spiegelbild hätte tun sollen. Stattdessen kreischte es plötzlich los, dass es in Cerans Ohren schepperte, und wand sich so sehr, dass Ceran schon vom Zusehen Angst um seinen eigenen Körper bekam. Ratlos schnappte er nach sich selbst. "Jetzt ent-" Er brach ab. Seine Stimme klang viel tiefer als sonst. Und sie fühlte sich auch anders an. Genauso wie alles andere. Wenn er ehrlich war, wusste er nicht einmal, ob er anständig sprechen konnte. Ratlos versuchte er, sich zu putzen - und landete unsanft mit der Schnauze im Kies. "Aua", stieß er vor Schreck und vor Schmerz gleichermaßen aus.

Kyro hatte keinerlei Ahnung, was er sich hatte sagen wollen - also der Wolf, sein Körper, was auch immer - aber es beruhigte ihn nicht und es scherte ihn gerade auch relativ wenig. Im Augenblick war er noch mit sich selbst beschäftigt. Bei jeder Bewegung hatte er das Gefühl, alles falsch zu machen. Sein Schwarz war ein seltsam nutzloses, unbewegliches Ding. Es ließ sich nicht vernünftig heben, oder gar bewegen. So ein ameisenhirniges Schicksal, das ihn schon wieder derart tyrannisierte! Als sein Körper stürzte, schnellte sein Kopf herum: "Hey! Pass bloß auf, was du mit meinem Körper anstellst! Ich will keinen Kratzer haben, wenn ich den zurück bekomme!", piepste er erbärmlich hoch. Panik überkam ihn kurz, für ein paar Herzschläge. Was, wenn sein Gegenüber starb? Was passierte, wenn sein Körper 'kaputt' ging? Saß er dann für immer in der Ratte fest?

Ceran richtete sich langsam wieder auf. Dieses hysterische Wesen da war ganz sicher nicht er! Skeptisch betrachtete er die Körperhaltung seines Körpers. Sie spiegelte das, was er selbst auch empfand: Unwohlsein und Unsicherheit, wie dieses fremde Ding richtig funktionierte. Wie er sich bewegen musste, dass er eben keinen Kratzer in dieses wertvolle Ding machte. In welchen Körper war er da überhaupt hinein geraten? Wieder betrachtete er seinen Körper, konzentrierte sich jetzt aber auf die Augen. Allerdings half ihm der unzufriedene Ausdruck nicht wirklich weiter.

Kyro hatte Ceran auch nicht an den Augen erkannt. Er hatte dessen Hinterteil betrachtet. Sein Hinterteil. Cerans Hinterteil. Das war so verwirrend, dass ihn seine eigenen Gedanken verwirrten. Und das verwirrte ihn noch mehr. Als er einen Schritt machen wollte, hob sich sein Oberkörper irgendwie seltsam fremdartig an. Er landete wieder mit allen Vieren auf dem Boden. "Ich will keine Ratte sein!", machte er sich schließlich Luft. "Es ist, als wäre ich ein Krüppel! Als hätte ich keinen Hals! Und meine Eier schleifen am Boden!", fiepte er jammernd. "Das ist doch zum Kotzen!" Das Gesicht der Ratte verzog sich zu einer Grimasse. "Meine Eier sind so groß wie mein Kopf! Wer denkt sich solche unförmigen Körper aus!?"

Ceran zuckte zurück, als hätte Kyro ihn persönlich beleidigt. Natürlich konnte er nachempfinden, dass der Wolf seinen Körper zurückwollte - er wollte auch wieder in seinen eigenen schlüpfen! Die Bewegungen ausführen, die er kannte. Und vor allem: was, wenn dieser Heini in seiner Panik und seinem Unmut den Körper verletzte? Ja, was, wenn dieser Wolf, nicht daran gewöhnt, auf Jäger zu achten, seinen Körper einem Raubtier überließ, weil er nicht darauf achtete?! "Pass du mir auf meinen Körper auf!", forderte Ceran, "ich will deinen auch nicht haben. Wenn du einen Ausweg weißt, dann her damit - aber verflucht nochmal, pass gefälligst auf deine Umgebung auf!"

Kyro sah auf das Kies unter ihm. Das verstand er offenbar unter 'Umgebung'. "Wieso? Können mir die Steine die Eier abschneiden?", wollte er wissen. Vielleicht hätte er Ceran dann kastriert! Er lachte in sich hinein und stoppte sogleich wieder, weil es sich einfach nur völlig bescheuert anhörte, in diesem Körper. Urg. "Wie ätzend ist das denn! Immer schleifen die Klöten durch den Dreck. Kein Wunder dass du dich ständig hysterisch putzt, wie jemand mit einem Waschzwang!" Er bewegte seine Pfoten über die Steine. Völlig fremd war ihm die Fähigkeit zu greifen, weshalb er sich auch ziemlich ungeschickt anstellte.

Ceran beobachtete mit Fassungslosigkeit, wie sein Körper vollkommen wacklig und unachtsam mitten über den freien Strand torkelte. Dieser Verstand kannte es also wirklich nicht, wie man auf sich achtete! Ceran folgte ihm schließlich, fühlte sich allerdings ebenso ungelenk wie sein Körper dort vorn aussah. Diese langen Beine wollten einfach nicht gehorchen! Ständig wollten sie mal nach links, mal nach rechts ausschweifen. "Bleib da!", rief Ceran seinem Körper und dem fremden Wesen darin zu - oder nach? - , "du musst doch auf die Jäger aufpassen! Der Kies ist harmlos. Aber Vögel, Wölfe, Füchse nicht!"

Kyro lachte piepsend auf. "Ich hab doch einen Wolf bei mir, der mich beschützt!" Nach außen blieb er ganz gelassen, innerlich begann er darüber nachzudenken, was es bedeutete, eine Ratte zu sein. Mit den schwarzen Knopfaugen sah er sich um, entschied dann aber, dass er in der Nähe seines eigentlichen Körpers nichts zu befürchten hatte. Das Meer wütete und der Wind jagte ungebremst über ihn und den in seinem Körper hinweg. Der Himmel war wolkenverhangen und regenschwer. Der Strand führte nicht weit ins Landesinnere. Nur ein paar Wolfssprünge entfernt ragten hohe Felswände nach oben. Wenn dieser Strand die Gezeiten zu spüren bekam, würde es bei Flut vermutlich unschön für sie ausgehen. Kyro wandte sich nach Süden. Nein, eigentlich ging er einfach zwischen Meer und Klippen den Strand entlang. Er wusste nicht mehr, was Süden war und erinnerte sich kaum noch, wie er je im Gefühl haben konnte, in welche Richtung Süden, Westen, Norden oder Osten waren. Man konnte sich an der Sonne orientieren. Aber manche Welten hier hatten zwei Sonnen, oder gar keine... Man konnte sich an den Energiefeldern der Erde orientieren, aber auch diese Gesetze galten hier nicht. Man konnte sich am Wind und den Pflanzen orientieren... doch egal was er über die Himmelsrichtungen wusste, es hatte jede Bedeutung verloren. "Wie heißt du noch gleich? Ceran?"

Ceran schnaubte bei dieser Äußerung halb belustigt, halb verächtlich. "Wenn ich dich beschützen können soll, muss ich erst einmal diesen vermalledeiten Körper beherrschen. Und du musst in meiner unmittelbaren Nähe bleiben. Und vielleicht nicht MITTEN auf der freien Fläche gehen sondern näher am Fels" War es etwa zu viel verlangt, dass dieser unhöfliche Trotzkopf sich ein wenig Mühe gab dabei, auf seine Umgebung - unter anderem auf die lebende Umgebung - zu achten? "Ja. Ceran", antwortete er kurz angebunden. "Und du? Zu wem gehört dieser schlaksige, ungelenkige Körper?" Achtsam wanderten die Wolfsaugen über die Landschaft, suchten den Himmel ab - wobei Ceran den Kopf dafür ungewöhnlich ungemütlich heben musste - und schließlich witterte er. Irritiert stellte er fest, wie sehr dieser Körper auf den Geruch von potentieller Beute reagierte. So, wie er einen Hasen witterte, lief ihm automatisch das Wasser im Maul zusammen. Angewidert von sich selbst - oder doch eher von diesem verfressenen Körper? - hob Ceran die Lefzen.

Kyro lief dort, wo es ihm gefiel! Am Felsen entlang, wie eine Ratte! Soweit kam es noch! Ob er wohl ein paar Tricks lernen konnte, um ein besserer Jäger zu werden, wenn er Ceran weiter zuhörte? "Weißt du was du in meinem Körper tun musst? Mitlaufen und gut aussehen. Kein Federvieh das mir bekannt ist, wagt sich in die Nähe eines ausgewachsenen Wolfs. Und keine Raubkatze macht dir deine Beute streitig." Er überlegte ein bisschen und grinste dämlich, auch wenn das vielleicht nicht so zu sehen war, wie normalerweise. "Und wenn du hunrig wirst, wirst du mich trotzdem nicht fressen! Du würdest immerhin dich selbst fressen!" Das war witzig! Böse, klar, aber auch witzig! Wenn sie die einzigen Lebewesen in dieser oder irgendeiner Welt wären, würde Ceran vielleicht doch irgendwann auf die Idee kommen, ihn zu fressen! Aber er fürchtete sich nicht, denn die Ironie des Ganzen hatte eine Pointe, die den möglichen Tod wert gewesen wäre. "Kyro.", gab er schließlich etwas verspätet auf die Frage zurück. "Einen Vorteil hat dein Körper...", musste er schließlich eingestehen. "So jung..." Frei von Schmerz und ohne ächzende Gelenke. Unversehrt... keine alten Narben, Verletzungen oder sonstige kleine und große Wehwehchen.

Ceran nervte es zusehends, mit diesem unvorsichtigen Wesen unterwegs zu sein. Gezwungener Maßen - wenn er ihn alleine ließ, stieg die Wahrscheinlichkeit, dass er seinen Körper nicht heil zurück bekam, ins Unermessliche. "Kyro", wiederholte Ceran langsam. Hatte er nicht bereits eine Begegnung mit diesem Wolf verlebt? Lange dachte er nicht darüber nach, stattdessen seufzte er. "Genieße es. Wir werden hoffentlich die Welt bald wieder wechseln, dann bekomme ich meinen wundervoll grazilen Körper endlich zurück." Wobei er durchaus zugeben musste, dass er allmählich Gefallen an dem Wissen fand, keine Beute zu sein und sich viel, viel freier bewegen zu können als er es gewohnt war. Er vollführte einen kleinen Hüpfer, wie er es in seinem Körper wohl getan hätte, und unterdrückte ein Ächzen. Er hatte nicht damit gerechnet, dass die Knochen schon so alt waren, dass sie diese kleine Spielerei nicht ohne Protest aushielten. "Wo gehst du überhaupt hin?", wollte Ceran wissen. Vielleicht hatte sein Körper mit Kyro darin ja ein bestimmtes Ziel?

Kyro tat dasselbe wie Ceran. Er hüpfte. Und es tat nichts weh! Es sah sicher nicht elegant aus und beinahe wäre er umgeknickt, aber andererseits war es beinahe, als wäre er leichtpfotig. Wie das mit einem Körper genau gehen sollte, der so unförmig war und bei dem leicht alles am Boden schleifte, wenn man nicht auf Zehenspitzen - er wusste nicht wie er es anders beschreiben sollte - ging, wusste er nicht, aber es war möglich. Und auch wenn er fand, dass Ratten nicht danach aussahen... irgendwie konnten sie den Körper doch weit genug heben. "Ich gehe weg vom Strand... falls es eine Möglichkeit gibt...", erklärte er. "Wenn der Wind stärker wird und somit die Wellen höher, müssen wir in unseren falschen Körpern schwimmen... und ich bin sicher, wir würden beide ertrinken. Falls nicht gerade Flut ist und dieser Strand den Gezeiten unterworfen ist, kann hier auch bald alles unter Wasser stehen... Bevor ich mir also Gedanken darüber mache, wie ich aus diesem Körper herauskomme, will ich erst einmal irgendwo sein, wo ich sicher bin." Und praktischerweise kam Ceran einfach mit. So brauchte er sich um seinen Körper weniger Sorgen zu machen. "Vielleicht gibt es irgendwo eine Möglichkeit, die steilen Felsen empor zu klettern..." An den Klippen selbst konnte man durch aus sehen, dass die Wellen manchmal dagegen schlugen. Die Jahrhunderte hatten Salzspuren hinterlassen.





Geschlecht


Alter


Größe


Status


Charakterbogen


Lu, Kyro, Josh, Lio





Ich mag den Duft der Sonne
Und wie der Regen singt
Den Geschmack des Mondes
Und wie der Nebel klingt

Ich mag die Sterne fühlen
Und der Berge klang
Mag hinter Himmeln sehen,
Wo die Welt begann
31.03.2018 22:47
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