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Lijenna
Lillyan Caesar






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Wolfsträumer

Das Weltentor Caeluci
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Die frostige Kälte griff nach den Körpern der Wölfe, als das Wasser diese verschlang und lähmte die Glieder. Die Strömung riss alles mit sich fort, erbarmungslos. Es war dunkel und hätte noch finsterer werden können. Für jeden von ihnen. Die Lungen begannen nach Sauerstoff zu gieren, der hier unten nur den Fischen zur Verfügung stand. Das Eiswasser kroch zwischen dem Fell hindurch und glitt über die schützende Fettschicht, dennoch wurde es immer kälter. Und als es war, als wäre alles vorbei, verschwanden Kälte und Dunkelheit, Wasser und der atemluftlose Strom.
Mit dem nächsten Blinzeln ist das Eisland verschwunden. Unter den Pfoten von Aramis, Lijenna, Syrayn, Xaron und Laelia befindet sich weicher, schimmernder Untergrund. Wie Wasser, nur nicht nass. Wie Licht, nur nicht blendend. Ein leuchtender Nebel umgibt die fünf gestrandeten Wölfe und lässt nicht zu, dass sie sich weitläufig umblicken können. Das, was die fünf sehen können sind warme Lichtfarben, die sanft leuchten. Der Boden unter ihren Pfoten besteht weder aus Sand, noch aus Steinen, noch aus Pflanzen. Um sie herum befindet sich eine weite, lichte Fläche, über dem Nebel hängt und die Sicht verschleiert.


Lijenna jappste nach Luft und sprang unkoordiniert auf ihre Pfoten. Zunächst fiel sie einfach wieder um, doch beim zweiten Anlauf gelang es ihr. Sie musste sich nur darauf konzentrieren, wie es funktionierte. Gerade noch war ihr gewesen, als müsste sie zu den Sternen gehen. Jetzt war sie irgendwo, nicht bei den Sternen und nicht dort, wo sie noch Herzschläge zuvor gewesen war. Der Boden unter ihren Pfoten schien in Bewegung zu sein. Sie beobachtete, wie ihre Pfoten, wenn sie sie anhob, Wellen auslösten. Als stünde sie in einer Pfütze, nur, dass sich in dieser kein Wasser befand. Es war still. So still. Und doch nicht ganz.

Syrayn blinzelte erstaunt und traute seinen Augen kaum. Noch vor einem Augenblick waren sie unter Wasser gewesen - um ihr Leben kämpfend - und nun standen sie hier. Irgendwo. Im Nichts? Die anderen schienen ebenfalls genauso wenig Ahnung zu haben, was vor sich ging, wie Syrayn. Vorsichtig betrachtete er das, auf dem er stand und von dem er keine Ahnung hatte, was es war. Oder #aus was# es war.

Xaron war klar, dass er jetzt sterben würde. Erstaunlicherweise hatte er keine Angst davor. Alles, was er fühlte, war Ärger. Es konnte einfach nicht sein, dass er einfach starb! Xeria hatte gesagt, dass es normal war, dass Wölfe starben. Das verstand Xaron natürlich. Aber es konnte doch nicht sein, dass er es war, der starb! Plötzlich merkte er, dass er wieder atmen konnte und dass das eiskalte Wasser um ihn herum verschwunden war. Er öffnete die Augen, sah jedoch nichts außer einem seltsamen Nebel, der den Blick in die Ferne versperrte, und der auf unerklärliche Weise von innen heraus zu leuchten schien. War das so, wenn man tot war?

Laelia öffnete langsam die Augen. Ihre Umgebung wirkte unwirklich und sie sah sich erst mal verwundert um. Als sie die anderen sah, wurde sie ein bisschen traurig - offensichtlich hatten es die anderen auch nicht überlebt. Aber wie denn auch? Sie waren schließlich alle in das Wasser gefallen, und niemand konnte diesem dunklen Tod entrinnen. Vorsichtig verlagerte Lae ihr Gewicht von einem Bein aufs andere, so als ob die seltsame Welt verschwinden könnte, wenn sie sich zu schnell bewegte. Sie beobachtete verwirrte die Wellen, die sich kreisförmig um ihre Pfoten ausbreiteten - war das Wasser unter ihnen?

Lijenna drehte sich einmal um sich selbst und stelzte dann auf die vertrauten Gesichter zu. Dabei zog der Untergrund ihre Aufmerksamkeit wieder auf sich und sie lief ungeschickt in Laelia hinein, da sie schon wieder vergessen hatte, dass sie auf diese zugesteuert war. "AAH!", entfuhr ihr einer ihrer typischen Schreie, aber sie erstickte ihn sogleich selbst wieder und sah sich innerlich verwundert um. Für die anderen war auf ihrem Gesicht weiter nichts zu lesen.

Aramis hatte nie gedacht, dass er in eiskaltem Wasser sterben würde. Früher, als er noch jung gewesen war, da dachte er sein Tod würde durch einen Kampf eintreten oder durch die Hand eines Menschen. Doch an Eiswasser hatte er nie gedacht. Sein Atem stockte und gerade als Aramis loslassen wollte, bekamen seine Lungen wieder Luft. Erstaunt sah er sich um, betrachte den seltsamen Boden und entdeckte dann vertraute Gesichter. Was war das und wo verdammt waren sie nun gelandet?

Syrayn kam das alles sehr komisch vor. War dies die Welt nach dem Tod? Konnte es sein, dass es nach dem Tod überhaupt etwas gab? Und wenn dem so war, konnte man in dieser neuen Welt dann mit anderen, die gestorben waren, kommunizieren? Zumindest waren die anderen, die bei ihm gewesen waren, als sie ins Wasser gefallen waren ebenfalls hier. Und es konnte doch nicht nur er gestorben sein. Wenn dann mussten die anderen auch tot sein... Ertrunken... Kläglich dahingerafft von Wasser. Normalem - wenn auch sehr kaltem - Wasser. Syrayn konnte es noch immer nicht glauben. "Glaubt ihr auch, dass wir tot sind?", fragte er nachdem er Lijennas Ausruf gehört hatte. Er kümmerte sich nicht wirklich darum, denn alles hier schien ihm unwirklich.

Xaron wurde langsam bewusst, dass er nicht alleine war. Doch noch bevor ihm wirklich klar geworden war, dass sich hinter ihm zumindest einige der Wölfe aus seinem Rudel befanden, riss ihn ein nur allzu bekannter Schrei aus den Gedanken. So schrie nur Lijenna, wenn man etwas tat, was sie aus dem Konzept brachte. Sofort drehte er sich um, und erkannte tatsächlich die junge weiße Fähe, und kurz darauf auch die Ursache des Schreis. Anscheinend war sie, ungeschickt wie sie leider manchmal war, mit Laelia zusammengestoßen. Und neben diesen beiden befanden sich noch weitere bekannte Gesichter, unter anderem auch Syrayn, der die Frage aussprach, die Xaron gerade selbst stellen wollte. "Ja, ich glaube, ich bin tot. Seid ihr auch tot?" Traurig schaute Xaron in die Runde.

Laelia sah etwas aus dem Augenwinkel und im nächsten Moment spürte sie, wie sie etwas in die Seite traf. Der Schrei danach klärte sie auch gleich auf, was es war - Lijenna. Laelia war nicht böse auf sie, sie wandte sich nur um, um zu sehen, wie es die andere aufnahm. Lijenna wirkte unbeeindruckt, und so vergaß es Laelia auch sofort wieder. Stattdessen dachte sie über Syrayns Frage nach. "Ja, das sind wir wohl. Zumindest habe ich mir das gedacht. Was machen wir denn jetzt?" Sie hatte noch nie darüber nachgedacht, womit sich die Toten die Zeit vertrieben.

Lijenna erklärte sich nicht. Sie ging davon aus, dass sie alle wussten, was passiert war. Wenn sie selbst wusste, dass sie zu sehr damit beschäftigt gewesen war, den Boden zu beobachten, musste es Laelia auch wissen. Inzwischen hätte sie es besser wissen können, aber für den Moment hatte sie es vergessen. Es blieb auch keine Zeit, darüber nachzudenken, denn die Frage ihres großen Bruders lenkte sie ab. "Ich bin nicht tot. Und ich bin nicht bei den Sternen... Ich kann nicht tot sein, wenn ich nicht bei den Sternen bin. Und Babalu ist nicht da. Babalu ist bei den Sternen und deswegen können hier nicht die Sterne sein." So viel musste doch jedem klar sein! Ihr Blick richtete sich flüchtig auf Xaron, ehe sie wieder den Boden betrachtete. "Niemand sieht tot aus. Niemand schläft. Es gibt keine Toten die wach sind und reden."

Syrayn blickte Lijenna mit einem Blick an, der Zustimmung ausdrückte. Es klang logisch. Wenn sie alle tot waren und sich trotzdem nun unterhalten konnten, dann sollten auch alle anderen Gestorbenen ihres Rudels bei ihnen sein. Dem war allerdings nicht so. Also konnten sie nicht tot sein. Aber was war, wenn ... "Und was, wenn immer nur diejenigen miteinander reden können, die ungefähr gleichzeitig gestorben sind? Dann könnte Lunar gar nicht hier sein ..." Es war einfach zu verwirrend hier in diesem nebelartigen Ding zu stehen, das kein Nebel war. "Wo sollten wir sonst sein, wenn wir nicht tot sind?"

Xaron war verwirrt. Ja, was musste man tun, wenn man tot war? Woher sollte er das wissen? Er war noch nie tot gewesen. Anscheinend war tot zu sein keine so aufwändige Tätigkeit, dass einem nebenher nicht langweilig werden könnte. Und so naiv Lijenna auch war, sie hatte doch recht: Wenn sie tot waren, wo waren dann die unvorstellbaren Mengen von Wölfen, die bereits vor ihnen gestorben waren? Syrayn schien eine mögliche Antwort gefunden zu haben. "Aber das wäre ja schrecklich. Dann könnten wir nie mehr jemand anderen treffen." Nach kurzem Schluchzen setzte er hinzu: "Und ich könnte meine Mutter nie mehr wieder sehen."

Laelia war nicht einverstanden mit der Lösung, dass sie doch nicht tot waren. Alles andere erschien ihr seltsam und unwirklich. Nachdem sie den weißen Schatten entkommen waren hatte Laelia das Gefühlt gehabt, in die gewohnte Realität zurückzukehren. Um sie herum waren Bekannte gewesen, und der Tagesablauf hatte sich langsam wieder normalisiert. Der Tod war ein logisches Ende, und Laelia hatte eigentlich gerade kein Problem damit, gestorben zu sein - weshalb auch nicht. Das dunkle Blau hatte sie viel beängstigender gefunden. Aber trotz allem spürte Lae, dass Lijenna Recht hatte. "Aber wo sind denn dann die anderen? Wir waren doch nicht nur zu fünft..."

Lijenna betrachtete zwar die Wellen, die ihre Pfoten auslösten, aber sie lauschte ihrem großen Bruder. Seine Frage ließ sie sogleich erneut erklären: „Aber wir sind nicht bei den Sternen.“, behauptete sie. Nur selten verzerrte sie noch das Gesicht, wenn ihr ein Wort nicht schmeckte. In ihrer Vorstellung müsste es bei den Sternen anders aussehen. Dunkler und dazwischen eben das ein oder andere Leuchten. So wie es von der Erde aus aussah. Wo genau sie hier waren, wusste sie allerdings auch nicht. „Vielleicht sind wir am Grund des Sees?“, schlug sie vor. Als Xaron ein komisches Geräusch machte, blickte sie auf und schielte kurz zu Aramis. Wenn sie nie wieder jemanden anders trafen, dann war sie trotzdem bei ihrem Mentor. Sie konnte sich nicht beschweren. Aber sie fühlte sich nicht tot, also war sie es auch nicht. „Wenn wir tot wären, würden wir wissen, dass wir tot sind.“ So etwas essenzielles musste man doch einfach wissen! Auf Laelias Frage hin antwortete sie: "Ich kann nicht sehen, ob die anderen hier sind." Prüfend witterte sie, aber es schien keinen Wind zu geben, der einen Geruch zu ihr herüber hätte tragen können.

Syrayn stimmte Lijenna schon wieder zu. Er selbst fühlte sich ebenfalls nicht tot. Außerdem glaubte er immer noch nicht, dass es nach dem Tot überhaupt irgendetwas gab. Seiner Meinung nach war nach dem Tod einfach Schluss. Gar nichts mehr. Mit dem Tod war die eigenen Existenz einfach zu ende. Da konnte es nicht noch etwas geben. "Du hast recht Schwester, ich fühle mich auch nicht tot. Ich bezweifle ebenfalls, dass wir in dem See gestorben sind. Aber dennoch ... Auf dem Grund des Sees können wir uns nicht befinden. Hier ist doch gar kein Wasser." Der Jungwolf sah einmal zu Xaron hinüber, um ihm ebenfalls etwas zu antworten. "Vielleicht finden wir die anderen ja ein bisschen weiter in irgendeine Richtung. Lasst und doch mal versuchen irgendwohin zu gehen. Vielleicht hat der See die anderen nur etwas herumgewirbelt und sie sind deswegen nicht direkt bei uns. Aber etwas weiter weg."

Xaron musste trotz der Tragik, die ihr aller offensichtlicher Tod mit sich brachte, unwillkürlich über Lijennas Naivität schmunzeln. "Nein, hier ist kein Wasser. Außerdem können wir hier atmen, was unter Wasser nicht möglich wäre." Aber mussten sie denn überhaupt atmen, wo sie doch tot waren? Dass man fühlen würde, wenn man tot wäre, erschien Xaron nicht sehr überzeugend. "Aber wenn man träumt, fühlt man auch nicht, dass man schläft." Syrayns Antwort beruhigte ihn etwas, auch wenn Xaron nach wie vor glaubte, tot zu sein. Was, wenn hier so viel Platz war, dass die anderen toten Wölfe sich zufälligerweise gerade nicht in Sichtweite aufhielten? Im Nebel konnte man ja nicht allzu weit blicken. "Oder vielleicht hatten die anderen einfach nur mehr Glück als wir, und leben noch?" Erst da wurde ihm bewusst, dass er den letzten Gedanken laut ausgesprochen hatte.

Malumir hatte die fünf unbekannten Wölfe längst entdeckt. Sie waren nicht schwer auszumachen, auf der beinahe endlosen, lichten Fläche. Im Vergleich zu den geblendeten Seelen gab es für ihn keinen Nebel auf weiter Flur und da es noch niemandem möglich gewesen war, ihn zu entdecken, ging er davon aus, dass sie das Sehen alle erst noch lernen mussten. Jung waren sie, wenn er die Wellen richtig deutete. Junge Seelen, die wenig gesehen, gehört und gefühlt hatten. Im Vergleich zu ihm. Er blickte zu seinem Sohn hinüber, von dem er wusste, dass dieser sich mit dem Klarsehen auch schwer tat, auch wenn er es immer wieder versuchte. Nachdem er dem Jüngeren zugenickt hatte, setzte er sich in Bewegung.

Lijenna blickte erst zu ihrem Bruder, dann zu Xaron hinüber. "Ich weiß, dass hier kein Wasser ist und dass man dort nicht atmen kann. Aber unter dem Wasser könnten wir sein. Nicht Unterwasser, sondern unter dem Wasser drunter." Sie wusste nicht, wie sie es besser erklären sollte. Für sie gab diese Theorie Sinn. Über das Träumen musste sie eine Weile nachdenken. Wenn der Tod wie Schafen war, vielleicht träumte man dann auch. Ohne je wieder aufzuwachen? Sie blieb aber davon überzeugt, dass man wusste, wenn man tot war. Deshalb fand sie Syrayns Idee besser, sich erst einmal umzusehen. "Vielleicht hatten die anderen einfach nur mehr Unglück und sind tot."

Laelia schmollte kurz, weil sich wirklich gar alle so einig waren. Dann jedoch zuckte sie die Schultern. Was zählte das noch für eine Rolle? Tatsache war, dass hier irgendwie alles anders war - ob sie nun tot waren oder einfach sonst irgendwie ihre bekannte Welt verlassen hatte sollte kaum eine Rolle spielen. Missmutig schüttelte sich kurz und tapste am Platz herum, nur um dann verzückt die Wellen zu betrachten, die sich dadurch von ihr ausbreiteten. "Ich will aber nicht, dass die anderen tot sind und wir nicht! Wenn dann sollen alle gleich sein!", wehre sich impulsiv und ohne nachzudenken gegen Lijennas Aussage. Wie konnte das sein, dass hier alle so ruhig waren? Fanden die es etwa lustig hier zu sein? Ohne den anderen? Ohne Papa und Bruder und und und!

Syrayn fühlte sich immer noch komisch. Er wusste nicht recht, wie er mit alledem fertig werden sollte, also tat er einfach genau das, was er in Situationen, in denen er nicht wusste, wie er jetzt normalerweise fühlen sollte: Er fühlte gar nichts und überdachte die momentane Situation und mögliche Konsequenzen ihrer verfügbaren Aktionen. Schließlich kam er zu dem Entschluss, dass es nicht schaden konnte, wenn sie sich etwas in dem seltsamen 'Nebel-nicht-Nebel' umsahen. Der Jungrüde ignorierte seine Schwester und seine Cousine einfach mal und begann in die Richtung links von ihm zu gehen. "Nachdenken könnt ihr später auch noch. Wenn hier wirklich nichts ist und wir hier festsitzen bleibt euch noch genug Gelegenheit dazu."

Aryth sah zu dem Vater auf. Er wusste, das ihn dieser an Weisheit übertraf, und dass er deshalb Dinge im Nebel wahrnehmen konnte, die Aryth verborgen blieben. Doch selbst wenn er in der Lage gewesen wäre, sich in dieser Welt frei zu bewegen, wäre er dem Vater ohne zu murren gefolgt. Es kam ihm gar nicht in den Sinn, sich selbst zu fragen, was er denn wollte - denn er wollte nichts. Also folgte er dem Vater, setzte eine Pfote vor die andere. Er fragte sich nicht wohin sie gingen, und er wunderte sich auch nicht über die Welt, denn er wusste Bescheid, obwohl er sich noch nicht lange hier befand. Er hatte auch kein Bedürfnis zu reden - er redete überhaupt selten. Der Nebel teilte sich vor ihm, doch er sah nichts.

Xaron verstand nicht, was Lijenna damit meinte, dass sie unter dem Wasser drunter wären. Wusste sie denn nicht, dass unter dem Wasser nur Schlamm kam, oder aber noch mehr Wasser, aber kein Platz, an dem Wölfe leben könnten. Auf Laelias trotzige Reaktion überlegte er kurz, die junge Fähe zurechtzuweisen, hatte sie doch indirekt ausgedrückt, dass es ihr lieber wäre, die anderen Rudelmitglieder wären auch alle tot. Er hielt sich aber zurück. Immerhin war sie gerade gestorben, da durfte man vermutlich nachsichtig sein. Was Xeria wohl dazu gesagt hätte? Syrayn hatte jedenfalls Recht: Sie waren sicherlich noch lange genug tot, da konnten sie erst einmal aufhören, sich den Kopf darüber zu zerbrechen und sich erst einmal hier umschauen. Vielleicht fanden sie ja etwas, dass ihnen Aufschluss über ihren Zustand und den seltsamen Ort, an dem sie sich befanden, gab.

Malumir wusste, dass sein Sohn noch viel lernen musste. Zu viel, für diese einsame, weise Welt. Aryth musste erst lernen, zu fühlen, ehe er in dieser Welt etwas würde lernen können. Es tat ihm beinahe leid, dass niemand die Aussicht genießen konnte, die ihm hier zuteil wurde. Die Ebene schien beinahe endlos und wäre die Welt nicht so gänzlich klar gewesen, hätte man die entfernten glimmenden Berge und den leuchtenden Wald nicht sehen können. Für ihn war es möglich, fast alles zu sehen. So näherten sich Vater und Ziehsohn den fünf Besuchern.

Aramis lauschte den Gesprächen und doch ergaben sie kaum Sinn. Er rührte sich kaum, starrte in den Nebel und fühlte sich seltsam schwerelos. Der alte Wolf schwieg. Es schien keine Gefahr zu drohen und das obwohl sie in völliger Fremde waren und eigentlich ertrunken waren. Die jungen Wölfe kamen in Bewegung und er tat es ihnen gleich. Aramis führte nicht, noch war er wie benebelt von seiner Nahtoderfahrung. So etwas war es doch gewesen? Er schüttelte leicht den Kopf und ließ seinen Blick etwas schärfer werden. Nebel. Seltsamer Nebel. Seine Augen verengten sich, dann brummte er leise

Lijenna sah zu Aramis und wartete, bis sie nebeneinander gehen konnten. Das Brummen sollte womöglich bedrohlich sein, aber die kleine, weiße Wölfin schenkte ihrem Mentor dafür ein Lächeln und ein Wedeln. Sie mochte das Brummen des Älteren. Ganz gleich ob es müde oder zornig, oder muffig war. Es gehörte zu Aramis. Sie gehörte auch zu Aramis. Nicht so sehr wie das Brummen vielleicht, aber trotzdem mehr als Xaron und Laelia und Syrayn. Sie waren beinahe Lijennaramis. Lijenna mochte das. (Lijenna gefällt das) Als sie realisierte, dass das Brummen auf eine schemenhafte Gestalt hindeutete, blickte sie aufmerksam nach vorne.

Syrayn kniff die Augen zusammen, in der Hoffnung doch noch etwas in dem Nebel erkennen zu können, doch weit reichte sein Blick dennoch nicht. Er hatte keine Lust mit den anderen zu sprechen, wollte aber auch nicht allein gehen. Er gesellte sich also zu Xaron, da Lijenna nicht so schien, als wolle sie jemand anderen als Aramis neben ihr haben und der Rüde näher bei ihm selbst war, als Laelia. Syrayn sagte allerdings nichts, sondern ging still weiter. Er glaubte vor ihnen Gestalten erkennen zu können, tat dies allerdings als Illusionen ab. Als er sie jedoch immer und immer wieder mal sah, blickte er zu Xaron und meinte: "Ist es normal Dinge zu sehen, wenn man beinahe gestorben oder schon wirklich gestorben ist?"

Laelia tappte auch ein wenig nach vorne. Der wabernde Nebel verwirrte sie und wenn sie alleine gewesen wäre, wäre sie sicher in Kreisen gelaufen. Wobei, vielleicht taten das die anderen ja auch? Plötzlich sah sie etwas vor ihnen. Es war eigentlich eher ein Gefühl, dass der Nebel da vorne etwas anders war als der andere als eine Gewissheit. Aber die anderen schienen es auch zu sehen, und sie antwortete auf Syrayns Frage: "Ich weiß nicht. Hatten wir uns nicht darauf geeinigt dass wir nicht tot sind? Dann ist es glaube ich schon normal. Schließlich haben wir ja auch sonst immer etwas gesehen." Sie war sich etwas unsicher, ob die Antwort nicht noch doofer war als die Frage, und so schloss sie ihren Mund ohne wirklich etwas gesagt zu haben.

Malumir blieb stehen und ließ die Wölfe, die ihn womöglich schemenhaft erkennen konnten, näher treten. Es war seltsam, einen guten Blick auf alles zu haben, während man selbst noch nicht gesehen wurde. Er setzte sich geduldig und wartete.

Xaron hatte sich gerade in Bewegung gesetzt, als Syrayn sich zu ihm gesellte, während Lijenna wie so oft die Nähe von Aramis suchte. Schon nach wenigen Schritten hatte Xaron den Eindruck, in der Ferne im Nebel Gestalten zu sehen. Er war sich nicht sicher, doch gerade, als er Syrayn danach fragen wollte, sprach dieser ihn von sich aus darauf an. Doch bevor er antworten konnte, mischte sich Laelia ein, die ebenfalls in der Nähe war. Sie wollte anscheinend immer noch nicht wahr haben, dass sie tot waren. "Nun, wenn wir tot sind, sind es eben andere tote Wölfe. Es muss ja sehr viele tote Wölfe geben. Ich freue mich schon, sie kennen zu lernen!" Seine Rute begann vor Aufregung zu wedeln, als er sich vorstellte, Zeit genug zu haben, alle Wölfe, die bisher irgendwo auf der Welt gestorben waren, kennen zu lernen. Bestimmt würde er ganz viele neue Freunde finden!

Aramis behielt den Blick im Nebel und war sich schließlich sicher, dass dort fremde Gestalten im Nebel standen. Er verengte die grauen Augen und sah dann zu Xaron, als dieser sich darauf freute die anderen toten Wölfe kennenzulernen. Da war der alte Wolf doch etwas weniger enthusiastisch. Seine Ohren spielten unruhig und schließlich kam das Leben doch in seinen Leib zurück. "Wir sollten dennoch vorsichtig sein!", grollte er leise und starrte Xaron für einen Moment an. Tote Wölfe, na diesem Wolf hier schien nicht mehr zu helfen zu sein

Lijenna sah das so ähnlich. Sie war nur nicht so gut im Umgang mit Sarkasmus. Es hätten die Weißen Schatten sein können, oder Rudelmitglieder, oder Babalu der sie holen kam... Wenn Syrayns Theorie stimmte, waren die Weißen Schatten vielleicht mit ihnen eingebrochen? Dann waren sie hier für den Rest des Todes mit ihnen zusammen. Auch wenn sich Lijenna mit Komik auch nicht so gut auskannte, wusste sie doch, dass sie hier vorhanden sein könnte. Letztlich erkannte sie aber zwei fremde Wölfe, die nicht zu den Schatten gehörten. Einer von ihnen leuchtete, weshalb er besser zu sehen war.

Aryth sah nichts, doch er akzeptierte es, als der Vater stehen blieb und sich setzte. Aryth ließ sich seitlich hinter ihm nieder und wartete. Es musste sich um Lebewesen handeln, denn ansonsten würden sie wohl kaum hier sitzen und warten. Dann meinte er etwas zu erkennen, und seine Ohren, die durch den Nebel keineswegs beeinträchtigt waren, hörten einen lauten Ausruf. Aryth blinzelte verwundert - das war die einzige Art und Weise, wie er jemals Verwunderung (sollte er sie den überhaupt verspüren) ausdrückte. Doch das war die zweite Stimme, die er in seinem Leben bisher vernommen hatte - abgesehen von seiner eigenen.

Syrayn starrte noch immer auf die Schemen vor ihnen. Ja, es könnten andere Wölfe sein. Und ja, es könnte auch eine Gefahr sein, die sie tot sehen wollte - falls sie das nicht schon waren. Falls sie jedoch schon aus dem Leben geschieden sein sollten, könnten diese Gestalten sie immer noch quälen. Allerdings waren sie in der Unterzahl. Vielleicht würden sie also nicht die Chance bekommen, die Gruppe zu quälen. Vielleicht würde ihnen jetzt einmal nichts geschehen. "Dein Optimismus könnte diese ganze Situation auflockern Xaron, aber sei nicht zu voreilig ... Falls wir noch nicht tot sind wäre es eine Schande, wenn doch noch jemand sterben würde - aufgrund von Leichtsinn." Syrayns Worte waren vorsichtig gesprochen, er wollte nur nicht, dass irgendjemandem von ihnen etwas geschah. Als die Gestalten sich jedoch auf einmal nicht mehr bewegten, zögerte Syrayn. Sie waren nun nah genug, um zu erkennen, dass es sich tatsächlich um Wölfe handeln musste. Doch sie hatten sich gesetzt, warteten auf irgendetwas. Wollten sie sie dazu bringen näher zu kommen, sie in eine Falle locken? Gelassen setzte sich nun auch Syrayn hin und wartete ebenfalls. Sollten die Fremden doch zu ihnen kommen, wenn sie mit ihnen sprechen wollten. Er würde sich nicht weiter auf sie zu bewegen.

Laelia fragte sich auf einmal, warum sie alle so selbstverständlich annahmen, dass es sich bei den Gestalten im Nebel um Wölfe handelte. Bevor sie ihre Zweifel jedoch zum Ausdruck bringen konnte, wurden die Umrisse so klar, dass man sicher sein konnte, wirklich Wölfe vor sich zu haben - auch wenn es reichlich seltsam war, dass einer von innen heraus zu strahlen schien. Wie konnte das sein? 'Stell dich nicht so an. Hier ist nichts wie es sein sollte.' Vorsichtig und neugierig trat sie etwas näher, bis sie nur noch ein paar Wolfslängen von den beiden entfernt waren. Der eine wirkte sehr alt - älter noch als Aramis! - und der andere schien etwas älter zu sein als Laelia selbst und wirkte seltsam unbeteiligt. Keiner von ihnen wirkte jedoch bedrohlich, und so kam Lae noch ein paar Schritte näher.

Xaron fragte sich einen Moment lang, ob es nicht besser wäre, tot zu sein, weil sie dann wenigstens nicht mehr sterben könnten. Aber er verwarf diesen Gedanken, wie schon so viel vor ihm, als unsinnig. Spürbar enttäuscht antwortete er an Syrayn gewandt: "Du hast Recht, wir sollten vorsichtig sein." Als Syrayn schließlich stehen blieb, zögerte auch Xaron, weiterzugehen. Zu gerne hätte er die beiden fremden Wölfe so schnell wie möglich darüber ausgefragt, wo sie hier nun wirklich gelandet waren, aber alleine traute er sich nun doch nicht mehr zu ihnen. Erst als Laelia vortrat, folgte Xaron ihr.

Aramis folgte Laelia auf den Fuße. Kurz fragte er sich ob die Fremden von ihnen eingeschüchtert werden könnten doch rasch verwarf er diesen Gedanken. Die Wölfe schienen von hier zu kommen, sie dagegen... sollten eigentlich im Wasser ertrunken sein. Er neigte den Kopf in die Schräge und betrachtete den Leuchtewolf und seinen Begleiter aufmerksam. "Seid gegrüßt, mein Name ist Aramis. Könnt.. könnt ihr mir sagen wo wir hier gelandet sind?" Er bemühte sich um Fassung und ließ Worte wie -Verdammtnochmal-, -was ist das für ein Scheiß- und Co. einfach lieber weg

Lijenna beobachtete Aramis wachsam. Mit Augen und Ohren. Als dieser fertig gesprochen hatte - sie wartete noch kurz auf das, was irgendwie auch hätte ausgesprochen werden müssen, aber nicht gesagt wurde, ehe sie sich an die beiden Fremden wandte. Erst mal zuhören.

Malumir nickte grüßend und lächelte ein sachtes Wolfslächeln. Sein Blick war wissend, beinahe durchschauend. "Ihr befindet euch im Augenblick in Caeluci, der Lichtwelt.", beantwortete er exakt die Frage die gestellt worden war. "Mein Name ist Malumir und dies hier ist mein Ziehsohn Aryth." Er selbst hatte den Namen verkürzt, um ihn fanggerecht zu machen.

Aryth betrachtete die Wölfe, die langsam näher kamen. Er hatte niemand anderes, mit denen er sie vergleichen konnte, also verglich er sie alle mit dem Vater. Die erste war eine Fähe, und obwohl er gewusst hatte, dass es so etwas gab, hatte er sich nicht erwartet, jemals ein solches Exemplar der Art kennen zu lernen. Sie war jung, doch Alter spielte für Aryth keine Rolle, so wie auch Zeit selbst bedeutungslos war. Der zweite ähnelte dem Vater schon etwas mehr, doch seine Weisheit war verschwindend gering neben der des Alten. Während der Vater lächelte und nickte, blieb Aryth bewegungslos. Nur seine Augen blinzelten und bewegten sich, während er alle Information in sich aufsog.

Syrayn traute den Fremden immer noch nicht. Er blieb dort sitzen, wo er war. Wartend, wachsam, bereit loszulaufen. Er wollte nicht noch eine Tragödie erleben. Als einer der Fremden sprach wurde die ganze Situation noch seltsamer für ihn. Der alte Wolf sprach von einer anderen Welt. Doch wie konnte es sein, dass es noch mehr Welten als ihre eigene gab? Wie konnten sie wieder von hier verschwinden und zu ihrem Rudel gelangen? Ging es den anderen überhaupt gut oder waren sie wirklich gestorben?

Xaron hörte gespannt zu, wie Aramis die Fremden ansprach, und der ältere der beiden seltsamen Wölfe, der sich als Malumir vorstellte, tatsächlich antwortete. Doch aus dessen Antwort wurde man nicht wirklich schlau. Noch bevor er lange darüber nachgedacht hatte, fragte er: "Lichtwelt? Was bedeutet das?" Und nach kurzem Zögern setzte er hinzu: "Sind wir tot?" Erst dann wurde ihm klar, wie unhöflich es war, mit den Fragen herauszuplatzen, bevor er sich überhaupt vorgestellt hatte. "Ich bin übrigens Xaron. Freut mich, euch kennen zu lernen, Malumir und Aryth." Dabei nickte er den beiden freundlich zu, wobei er jedoch genau darauf achtete, deutlich zu machen, dass er erkannt hatte, dass Malumir in der Rangordnung eindeutig über Aryth stand.

Aramis zuckte mit den Ohren und nickte dann dem Wolf zu der sich als Malumir vorstellte. Lichtwelt. Caeluci. Nun wusste er zwar wie die Welt hieß, aber dennoch blieben unendlich viele Fragen offen, zum Teil weil sie noch nicht gestellt waren. Gerade als er eben weitere Fragen stellen wollte, kam ihm Xaron zuvor. Ein wenig unhöflich, aber rasch stellte er sich vor. Aramis ließ da Vorpreschen unkommentiert, auch wenn in anderer Situation dies nicht so gewesen wäre. Er nickte kurz, denn was Lichtwelt bedeutete war eine gute Frage. Das es die Nachwelt war und sie alle gestorben waren, konnte er jedoch nicht glauben. Nur... wieso leuchtete dieser Wolf eigentlich? Aus den Augenwinkeln betrachtete er immer wieder Aryth, wachsam und doch nicht allzu unhöflich

Laelia war doch ein wenig froh, als sich andere an ihre Seite gesellten. Sie erwiderte das würdevolle Nicken des alten Wolfes elegant und erlaubte sich, sich nach Xaron ebenfalls vorzustellen: "Ich bin Laelia. Es freut mich euch kennenzulernen." Und das tat es wirklich; sie hatte das Gefühl, dass dieses seltsame Paar gar nicht schlecht sein konnte. Zumindest der Alte wirkte sehr wohlüberlegt, und der jüngere ... naja, er wirkte zumindest nicht bedrohlich. "Caeluci klingt aber schön...", fügte sie noch schwärmerisch hinzu.

Malumirs Blick richtete sich auf den Wolf, dessen Fragen derart in ihm brannten, dass die Vorstellung erst danach folgte. "Lichtwelt ist ein Titel für diese Welt, um sie von anderen zu unterscheiden und sie mit wieder anderen zu verbinden.", erklärte er und führte dann weiter aus: "Ihr seid junge Seelen und habt das erste Mal Pfote in eine fremde Welt gesetzt. Über die Welten gibt es viel zu erzählen und doch könnte niemand je von allem berichten. Caeluci ist eine von vielen Welten, so wie die Eure eine von vielen Welten ist. Man könnte Caeluci auch als Weltentor bezeichnen. Ihr seid nicht die ersten Fremden, denen ich begegne und ihr werdet nicht die letzten sein. Viele Reisende stolpern auf die Lichtebene hier... Manche sehen sie, andere sehen Nebel." Er sah zu Laelia und nickte dieser grüßend zu, lächelnd. Er mochte junge, helle Seelen. Sein Blick glitt zurück zu Xaron. "Ihr seid nicht tot. Ins Weltenwasser seid ihr gestürzt und es hat eure Leben geschont, um euch auf eine lange Reise zu schicken. Weltenwasser gibt es oft und nicht selten vermag es, ein Tor zu werden."

Xaron schaute sichtlich verwirrt, als er hörte, was der fremde Rüde erzählte. Fremde Welt? Junge Seelen? Weltentor? Weltenwasser? Wenn die Umstände andere wären, wäre Xaron zu dem Schluss gekommen, dass der alte Wolf entweder eine zu große Fantasie hatte oder aber nicht mehr richtig im Kopf war. Aber sie befanden sich ja tatsächlich gerade in dieser seltsamen Nebelwelt. Eigentlich konnte es dafür nur eine Erklärung geben. "Das ist ein Traum, oder? Bestimmt wachen wir gleich auf und stellen fest, dass wir das alles nur geträumt haben und in Wirklichkeit die ganze Zeit nur geschlafen haben."

Laelia starrte den alten Wolf mit halb geöffneten Mund an. Die Geschichte klang absolut verrückt, doch Laelia war einfach nur glücklich. Es klang nach einem wundervollen Abenteuer und sie merkte in diesem Moment, wie leid sie ihre Situation gewesen war. Die Flucht, das Wiedersehen und die anderen, dann dieses Unglück mit dem Weltenwasser. Das klang nach einem Neuanfang. Sie merkte wie sie in Hochstimmung kam, und erwiderte das Lächeln des Alten glücklich. Was auch immer die anderen denken mochten - sie war begeistert.

Aryth stellte leicht irritiert fest, dass er zwar wusste, wie groß ein Wolf werden konnte, Distanzen aber nicht mit dem bloßen Auge abmessen konnte. Hier machte sich der fehlende Kontakt zu Wölfen bemerkbar. Immer noch ein wenig verwirrt lenkte er seine Aufmerksamkeit wieder auf die Wölfe vor ihm. Wie verschieden sie waren! 'Eigentlich nicht überraschend. In Akaera gab es auch keinen einzigen Baum, der so aussah wie die anderen...' Und wie wenig sie wussten. Aryth war mit dem Wissen aufgewachsen, dass es noch unzählige andere Welten gab. Der Unglauben dieser Wölfe überraschte ihn.

Aramis neigte den Kopf leicht in die Schräge. Weltenwasser. Fremde Welten. Seine Ohren zuckten und schließlich schüttelte er leicht den Kopf. Soviel Neues stürmte auf ihn ein, dass er für einen Moment das Gefühl hatte, dass seine Läufe würden jeden Moment nachgeben. Er seufzte leise. "Das.. klingt alles so.. unwirklich"

Lijenna wandte den Blick zu ihrem Mentor. Warum denn? "Ich finde den Boden... die Erde... das Wasser... das, auf dem wir stehen... naischbai.", erklärte sie schließlich. "Naischbai ist gut. Nur mehr als gut. Wie gutgutgut."

Xaron bemerkte beiläufig, wie fröhlich Laelia trotz der seltsamen Situation wirkte. Oder vielleicht sogar deswegen? Nun ja, wenn es ein Traum war, konnte man ihn natürlich als solchen genießen. Vorausgesetzt, Laelia war überhaupt die echte Laelia. Xaron hatte ja auch schon mehrfach von Xeria geträumt, wobei allerdings die Xeria im Traum höchstwahrscheinlich gar nicht die echte Xeria gewesen war, sondern nur ein Fantasieprodukt. In letzter Zeit hatte er sogar einige male von Aszira geträumt, aber es war sogar ziemlich sicher nicht die echte Aszira gewesen. Leider. Träumen war manchmal ganz schön verwirrend. Der ältere der beiden fremden Wölfe erklärte unterdessen, dass es kein Traum wäre, und er in sich hinein lauschen solle. Xaron verdrehte die Ohren, doch er wusste nicht, wie er sie ausrichten sollte, um in sich selbst hinein zu horchen. Vermutlich war es doch ein Traum. In Träumen wusste man nicht, dass man träumte, daher war es nur logisch, dass dieser Malumir behauptete, es sei kein Traum. Aber wenn Xaron sich so sicher war, dass es ein Traum war, würde dass nicht bedeuten, dass es kein Traum sein könnte? Xaron wurde schwindelig, wie manchmal, wenn er zu viel nachdachte. "Aber wenn es kein Traum ist und wir auch nicht tot sind, was ist es dann?" Unwirklich. Ja, das passte. Ob naischbai ebenfalls passte, wusste hingegen vermutlich nur Lijenna selbst.

Laelia starrte Xaron etwas ungeduldig an. "Wenn es kein Traum ist, dann ist es einfach das was der Wolf gesagt hat! Wir sind in einer anderen Welt, einem anderen Ort, zu dem man nicht gelangen kann indem man nur weit und lange genug läuft. Es ist maaaagisch." Sie zog das letzte Wort glücklich lang und starrte dann wieder wissbegierig nach vorne. "Du hast gesagt, das hier ist das Weltentor", wandte sie sich wieder an den Alten vor ihr. Seinen stummen Begleiter nahm sie schon gar nicht mehr wahr. "Können wir dann von hier aus überall hin? Wie sehen denn anderen Welten überhaupt aus? Erinnern sie an die, aus der wir kommen, oder ist sie genau so komisch wie Caeluci?" Laelia fiel es nicht schwer, sich die seltsamen Bezeichnungen zu merken. Kein Wunder - sie begeisterte sich auch beinahe zu sehr dafür.

Aryth sah die andere junge Wölfin - also nicht die, die sich gerade beinahe unhöflich in den Vordergrund drängte - neugierig an. Sie sah gleich alt aus wie die andere, und trotzdem sprach sie so, wie er sich einen Welpen oder ähnliches vorstellen würde. Er kramte in seinem Kopf nach der Bedeutung von "naischbai" und musste schließlich erkennen, dass diese Wölfin ein Wort auf Lager hatte, welches er nicht kannte - und er kannte viele ausgefallene (und oft auch unnötige) Wörter. Woher sie das wohl hatte... Als nächstes bemerkte er das seltsame Gebaren des erwachsenen Wolfes, welcher nicht einsehen wollten, dass sie weder tot noch träumend waren... Xaron, ja richtig, er hatte sich ja vorgestellt. Aryth hatte zwar keine Ahnung von Körpersprache, allerdings hatte er noch nie bemerkt, dass sein Vater sich so seltsam benommen hätte. Xaron schien irgendein Problem mit seinen Ohren zu haben...

Malumir beobachtete Xaron und wie dieser die neuen Informationen aufnahm. Es schien für die älteren Wölfe der Gruppe schwer zu erfassen sein. Das war meistens so. Sehr junge Seelen waren noch offen für alles Mögliche. Als Laelia für ihn antwortete, lauschte er dieser. "Ich sagte... Caeluci ist eine der Torwelten. Es gibt verschiedene Verbindungen zwischen verschiedenen Welten. Von eurer Welt gelangt man nicht in jede andere, aber die Torwelten verfügen über viele verschiedene Verbindungen zu anderen Welten. Ihr könnt von hier in einige andere Welten, aber nicht in alle und, solange ihr noch Wanderer seid, könnt ihr nicht bestimmen, wohin die Reise geht. Die Welten selbst bestimmen, in welche ihr reisen könnt." Er ließ den Fragenwasserfall über sich ergehen. "Keine Welt ist wie die andere. Manche ähneln sich, manche haben kaum etwas gemeinsam. Andere Welten sehen anders aus. Manche werden eurer Welt ähneln, andere werden Caeluci ähneln und wieder andere werden ganz anders sein."

Aramis lauschte dem Fragenschwall und brummte leise. Die Jugend von heute.. wissbegierig ohne Ende. Innerlich musste er lachen, genauso war er einst auch gewesen. Kurz huschte ein Schmunzeln über seine Lefzen, während er Malumirs Antworten lauschte. "Und wieso passiert uns das?" er brummte wieder. "Als ob diese Rudel nicht schon genug verrückte Sachen hinter sich hat. Menschen, Feuer, Wanderungen, Tote und dann verrückte Wölfe die uns umbringen wollten... hat das nie ein Ende?" sein Tonfall war zunehmend fester und frustrierter geworden. Auch wenn seine Schneeflocke es hier naischbai fand, so war er bei weitem nicht ihrer Meinung.

Xaron konnte nicht anders, als angesichts Laelias Gerede von Magie den Kopf zu schütteln. Magie war etwas aus den Märchen, die man kleinen, leichtgläubigen Welpen erzählte. In Wirklichkeit gab es keine magischen Wesen, keine fliegenden Zauberwölfe und auch keine riesengroßen Nachtwölfe mit feuerroten Augen, die kleine ungezogene Welpen fraßen. Und ebenso gab es keine magischen Welten, in die man versehentlich rein rutschen konnte, so wie sie es hier angeblich waren. Aber nun gut Laelia war ja eigentlich auch noch ein Welpe, insoweit war es nicht verwunderlich, dass sie noch solch einen Unsinn glaubte. Die Realität würde sie schon früh genug einholen. Was Malumir unterdessen erzählte, war genauso kryptisch wie alles, was er bisher gesagt hatte. Verbindungen zwischen den Welten? Aber Xaron wollte doch gar nicht reisen! "Und wie kommen wir wieder raus aus diesem Welten-Ding? Ich will zurück nach Hause!" Er war sich nicht einmal sicher, wo zu Hause eigentlich war, aber ganz sicher war es nicht hier, in dieser nebligen Un-Landschaft.

Laelia war im siebten Himmel. Sie bemerkte gar nicht, wie es in Xarons Kopf arbeitete, und als dieser kund tat, dass er eigentlich gerne wieder zurück wollte, plusterte sie sich auf wie ein Vogel. "Was? Nach Hause? Nein!" Sie starrte den anderen Wolf entrüstet an. "Ich will wissen, wie die anderen Welten sind! Zuhause hatten wir eh nur Unglück und es war unpraktisch und wir haben ja eigentlich nicht mal wirklich ein Zuhause mehr gehabt..." Ein kurze Kunstpause folgte. "Nein, ich will dableiben!" Sie sah hilfesuchend in die Runde, und ihr Blick blieb an Lijenna hängen. Wenigstens die schien sie zu unterstützen.

Malumir gab sich Mühe, all die Fragen zu beantworten und keine auszulassen. "Es passiert euch, weil jemand euer Leben für kostbar erachtet hat.", erklärte er. "Jemand hat schützend seine Pfote über euch gehalten und euch noch Aufgaben zugedacht..." Er persönlich war nicht dieser Jemand gewesen und so wusste er auch nicht, welche Beweggründe dahinter steckten. "Ich bin sicher, eines Tages werdet ihr jemandem begegnen, der euch diese Frage weniger vage beantworten kann. Ich war nicht dieser Wolf, mir wird die Ehre zu Teil, euch Willkommen zu heißen." Sein Blick verharrte auf dem ältesten Wanderer. "Womöglich passiert euch das genau deshalb. Weil euch schon so viel geschehen ist... Ich weiß nur, dass ihr am Anfang eurer Reise steht und jeder Schritt wird euch den Antworten auf eure Fragen ein bisschen näher bringen." Sein Blick glitt zu Xaron. "Manchmal ist der einzige weg zurück, vorwärts zu gehen. Ihr werdet viel lernen... ihr könnt viel lernen... und vielleicht wird eine Lehre sein, den Weg zurück zu finden, wenn das wirklich euer Weg ist." Als sich Laelia empörte, beruhigte er die kleine Wölfin: "Keine Sorge, junge Seele. Nicht für jeden ist 'Nach Hause gehen' gleichbedeutend damit, dorthin zurückzukehren, wo man hergekommen ist. Womöglich wirst du eines Tages dein eigenes Zuhause finden, irgendwo auf dem Weg, den die Welten euch leiten werden."

Xaron warf Laelia einen verärgerten Blick zu. Seine Geduld mit ihrer welpischer Naivität war irgendwo doch begrenzt. Außerdem musste man Welpen ab und zu zurechtweisen, damit sie ihren Platz im Rudel finden konnten, hatte Xeria gesagt. Er knurrte: "Willst du wirklich in dieser Welt oder was auch immer das hier ist bleiben? Hier ist nichts außer Nebel. Wer weiß, ob es hier überhaupt genug Beute gibt! Und ist dir klar, dass dass bedeuten würde, dass wir die anderen nie wieder sehen? Sie werden denken, sie wären tot, während wir in diesen Welten-Dingern stecken!" Er hob leicht die Rute an, um seinen Worten Nachdruck zu verleihen. Malumirs Antwort beruhigte Xaron auch nicht gerade, doch da dieser weder jung war noch den Eindruck machte, ein Omega zu sein, riss Xaron sich zusammen, auch wenn er ihn am liebsten ebenso angegangen wäre. Ein höheres Wesen hatte es so gewollt, und darum saßen sie jetzt in diesem Welt-Ding fest. Und nur wenn sie brav mitspielten und taten, was dieser großmächtige Wolf von ihnen wollte, würde man sie vielleicht, aber auch nur vielleicht, wieder hier raus lassen. Zumindest war es das, was Xaron aus dem wie immer schwammigen Gerede des Alten verstand. "Und uns hat man nicht gefragt, ob wir das überhaupt wollen?"

Laelia erwiderte Xarons Blick nicht weniger wütend. Sie hatte keine Lust mehr, sich was sagen zu lassen. "Ich will ja nicht hier bleiben! Aber ich will weiter, wohin auch immer wir von Caeluci geschickt werden! Die anderen müssen auch hier irgendwo sein und wenn nicht, dann weiß ich nicht, wie sie das Wasser überlebt haben sollen!-" Plötzlich endete sie. Sie hatte etwas gesagt, was sie am liebsten gleich wieder zurücknehmen würde. Ihr ganzes Rudel, verschluckt vom Dunkel? Plötzlich schämte sich Laelia für ihren Ausbruch und ihr Herz tat beim Gedanken an die anderen weh. Gerade noch hatte sie sich über Xaron aufgeregt, weil er so laut und unhöflich geworden war, und jetzt war sie selbst genauso - nein, schlimmer. Sie sah verschämt zu dem alten weisen Wolf hinüber und wünschte sich im nächsten Moment ihren Papa an die Seite, damit er die Sache wieder in Ordnung bringen konnte und sie trösten würde.

Lijenna spielte mit ihrer Pfote auf dem Boden dieser neuen Welt herum. Anheben, absetzen, anheben, absetzen. Vermutlich hätte sie das ewig tun können, wenn Xarons Lautstärke sie nicht aus ihrem Tun gerissen hätte. "Hier ist der Lichtwassertrockenpfützenboden... Die Lichtebene, hat Malumir es genannt. Es ist naischbai.", erinnerte sie. "Malumir hat auch gesagt, das Weltenwasser hat unser Leben geschont. Willst du lieber tot sein, Xaron? Ich will noch nicht zu den Sternen, auch wenn ich Babalu wiedersehen möchte. Ich werde ihn wiedersehen, wenn ich zu den Sternen gehe. Das kann immer sein, aber immer erst am Ende. Jetzt möchte ich hier sein. Und hier ist nicht nur Nebel. Malumir hat gesagt, manche sehen Nebel und manche nicht. Wir sehen Nebel, aber wenn andere den Nebel nicht sehen, sehen sie die Welt. Ich will die Welt auch sehen." Sie hatte überaus aufmerksam zugehört, was geredet worden war, über Caeluci.

Malumir ließ die Wölfe erst einmal über das Gehörte nachdenken und untereinander diskutieren. Er hatte Zeit und Geduld für all ihre Ausbrüche und Fragen, für all die Unsicherheiten und Spekulationen. Auch die Meinungsverschiedenheiten störten ihn nicht. Nichts von all dem war sein Wille oder seine Schuld, weshalb er sich auch nie angegriffen oder beleidigt fühlte. Er kannte solche Szenen, sah sie seit vielen Ären. "Ich bin sicher, das Weltenwasser hat nicht nur eure fünf Leben geschont, sondern auch die eurer Lieben. Aber nicht jede Welt wählt jeden Wolf und es gibt andere Weltentore... Vielleicht hat die Morgenwelt eure Freunde zu sich gerufen, womöglich war es die Zwielichtwelt... Wenn es an der Zeit ist, euer Rudel wiederzusehen, werdet ihr es wiedersehen."

Xaron war außer sich. Wagte dieser Welpe ihm tatsächlich zu widersprechen? Vielleicht sollte er ein bisschen deutlicher werden. Im Zweifelsfall war auch ein kräftiger Biss über den Fang angebracht, natürlich nur zum Besten der Welpen, hatte Xeria gesagt. Mit erhobener Rute und gefletschten Zähnen entgegnete er: "Als Xeria mir gesagt hat, ich soll das Rudel verlassen, habe ich auch nicht gesagt, dass ich bleiben will! Ich bin brav losgezogen, um meine Aufgabe zu erfüllen, und ..." Er brach mitten im Satz ab, denn plötzlich fiel es wie Schuppen vor den Augen. Wenn dieser mysteriöse Wolf, der sie hergeholt hatte, so mächtig war, war er bestimmt auch ein Alpha. Mindestens. Vielleicht sogar so eine Art Über-Alpha, der noch über den Alphas der einzelnen Rudel stand, falls das möglich war. Ruhig wandte er sich Lijenna zu. "Du hast Recht. Wir könnten auch tot sein, und wir sind es nicht." Dann sprach er Malumir an, so respektvoll, wie er konnte, wobei er sogar eine leicht unterwürfige Haltung annahm. "Ich weiß, warum ich hier bin. Ich habe versagt, nicht wahr? Ich war zu feige, zum Kämpfen zu üben, und um herauszufinden, wie man ein guter Alpha ist. Weil ich dann zu Xeria zurückkehren und gegen sie kämpfen hätte müssen, und dafür war ich zu feige. Darum muss ich es jetzt auf diese Weise lernen, nicht wahr? Aber warum sind die anderen auch hier? Haben sie auch versagt? Oder ist es meine Schuld?"

Laelia bekam Angst vor Xaron. Er war eben doch groß und gerade ziemlich wütend. Aber Laelia hatte sich seit Reszani vorgenommen, nicht mehr klein beizugeben, und deshalb zeigte sie auch jetzt beinahe keine Anzeichen von Angst - beinahe. Als er jedoch zu sprechen begann, wurde sie schnell wieder selbstsicherer. Was interessierte sie, was Xaron in seiner Jugend getan hatte, weil es ihm Xeria gesagt hatte? Laelia hatte nie das Gefühl gehabt, als hätte Xeria besonders gute Ratschläge gegeben - sie hielt sich lieber an andere. Wie zum Beispiel dem weisen Wolf vor ihr, der es geschafft hatte, in den letzten zehn Minuten ihr Herz zu erobern. Er war so sanft und weise und überlegt und wundervoll! Durch diese Einstellung war sie dann auch gar nicht überrascht, als Xaron sich plötzlich wieder etwas mehr benahm. Sie verstand zwar nicht, weshalb er versagt hatte und wovon er überhaupt sprach, allerdings wurde ihre Laune gleich besser - schließlich schien er jetzt nicht mehr wütend zu sein und zollte ihrem Empfangswolf seinen gebührenden Respekt.

Malumir blinzelte etwas überfordert. Wäre er noch so jung wie Xaron und Laelia wäre er vielleicht nun der, der glauben würde, dass sein Gegenüber verrückt war. So versuchte er möglichst alle ihm verfügbaren Informationen zusammen zu nehmen, um sich zu erklären, was Xaron meinte. "Nicht jeder Wolf, ist zum Kämpfen geboren und nicht jeder Wolf ist dafür gemacht, Alpha zu sein. Das hat nichts mit Versagen zu tun, sondern damit, dass wir alle einzigartige Talente haben und jedes dieser Talente wertvoll ist. Es gibt Wölfe, die andere zum Lachen bringen und ihnen schwere Lasten von den Seelen nehmen... das kann, in manchen Situationen wertvoller sein, als eine starke Führungsperson an der Spitze. Auch Wölfe, die eher Talent zum Beraten haben, können ein Rudel wertvoll stützen, ohne es zu führen. Manchmal ist ein Wolf mit viel Erfahrung wichtiger als ein solcher, der stark ist und sich durchsetzt." Er betrachtete Xaron ruhig. "Wie kannst du versagt haben, Xaron, wenn deine Lebensreise noch vor dir liegt? Du bist so jung. Viel zu jung, um schon alles gelernt zu haben... Du wirst erst noch herausfinden, wie man kämpft und was es bedeutet, ein guter Alpha zu sein. Und du wirst herausfinden, ob du zu Xeria zurückkehrst, um gegen sie zu kämpfen, oder ob du im Leben voran schreitest und auf den Kampf verzichtest. Einem Kampf aus dem Weg zugehen muss nicht feige sein. Es kann Vernunft darin stecken, manchmal sogar Weisheit. Warum ihr hier seid, werdet ihr alle auf unterschiedliche Weise lernen und verstehen. Wenn Dinge geschehen, geschehen sie manchmal, ohne dass jemand Schuld trägt."





Geschlecht


Alter


Größe


Status


Charakterbogen


Lu, Kyro, Josh, Lio





Ich mag den Duft der Sonne
Und wie der Regen singt
Den Geschmack des Mondes
Und wie der Nebel klingt

Ich mag die Sterne fühlen
Und der Berge klang
Mag hinter Himmeln sehen,
Wo die Welt begann
12.07.2017 12:13
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Lijenna
Lillyan Caesar






Art
Wolfsträumer

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Xaron lauschte aufmerksam, was Malumir erklärte. Doch je mehr er hörte, desto verwirrter war er wieder. Jetzt hatte er gedacht, endlich den Sinn hinter diesen seltsamen Erlebnissen gefunden zu haben, und dann war es doch wieder ganz anders. Und wie es stattdessen war, hatte er immer noch nicht wirklich verstanden. „Aber ich will doch meine Mutter noch mal wieder sehen, und das kann ich nur, wenn ich zu meinem alten Rudel zurückkehre. Und dann muss ich gegen Xeria kämpfen.“ Er zögerte kurz, bevor er etwas leiser fortfuhr: „Vorausgesetzt, meine Mutter lebt überhaupt noch.“ Omegas werden meist nicht sehr alt, weil sie schwächlich sind, hatte Xeria gesagt.

Laelia hing gebannt an Malumirs Lippen. Er war ja so klug! So weise! So überlegt! Sie konnte zu allem, was er sagte, nur begeistert nicken. Er hatte ja schließlich auch Recht - das erkannte sogar Xaron. Als er plötzlich leise wurde, tat er Laelia plötzlich ein bisschen leid. Sie konnte verstehen, dass Xaron seine Mutter einmal wiedersehen wollte. "Das heißt aber, dass wir jetzt durch Fragen nicht erfahren, was vor uns liegt, hab ich das richtig verstanden?", hakte sie nach.

Syrayn kam das alles immer noch ziemlich komisch vor. Bisher hatte er keine Fremden getroffen, die ihnen einmal NICHT Schaden zufügen wollten. Genau aus diesem Grund hielt er sich weiterhin zurück und lauschte nur den Worten der anderen. Auch mit dieser Art erfuhr er genügend. Immerhin stellten die anderen ja alle ziemlich viele Fragen. Was ihm besonders auffiel war Laelia, die scheinbar ganz verzückt von dem Altwolf vor ihnen war. Was sah sie nur in ihm? Ihm selbst war dieser Wolf höchst suspekt. Aber immerhin hatte er noch keine Erfahrungen mit Fremden, wusste nicht wie er reagieren sollte. Er blieb lieber in der Entfernung zu den anderen sitzen, die er bisher behalten hatte und beobachtete die Entwicklung der Situiation.

Aramis lauschte weiter und musterte die beiden Fremden. Sein Misstrauen klopfte immer wieder an, selbst wenn von den Beiden keine unmittelbare Gefahr ausströmte so blieb er auf Acht. Er konnte nicht ganz glauben, dass sie friedliche Zeitgenossen trafen und hier wirklich keinerlei Boshaftigkeit schlummerte. Demons Tochter schien begeistert zu sein, doch Aramis teilte dies nicht ganz. Vielleicht war er einfach zu alt für solche Abenteuer, so langsam reichte es doch mal mit Gefahren, Wanderungen, Toten und seltsamen Reisen durch Gewässer

Malumir betrachtete Xaron ruhig und hörte aufmerksam zu, was dieser ihm erzählte. „Das klingt, als hättest du dir bereits einen ganz bestimmten Plan für dein Leben zurecht gelegt.“, hielt er ohne Wertung fest. „Wenn es der für dich richtige Lebensweg ist, bin ich sicher, dass du an dein Ziel gelangen wirst, aber mit jedem Tag werden sich dir neue Wege eröffnen, die du beschreiten kannst, wenn du dich nur dafür entscheidest.“ Sein Blick schweifte über die verschiedenen Gesichter der Wölfe und blieb bei Laelia hängen. „Ich kann nicht direkt in deine Zukunft sehen, junge Wölfin und dir detailliert darüber berichten. Ich kann dir nur sagen, dass eine Reise auf dich wartet, zu der ich dir gerne jede Frage beantworte, die ich beantworten kann.“

Xaron schob den Gedanken an seine Mutter wieder beiseite und spürte schließlich eine Art Unzufriedenheit in sich aufsteigen. Langsam bekam er das Gefühl, dass Malumir zwar viel erzählte, aber dabei irgendwie wenig sagte. Er redete ständig etwas von Reisen und Lebenswegen, die so oder so oder auch anders verlaufen könnten, aber wirkliche Antworten auf ihre Fragen schien er entweder nicht geben zu wollen oder es nicht zu können. Nun gut, es war natürlich zu viel verlangt,zu erwarten, dass er ihnen ihre Zukunft voraussagte. Das konnte kein Wolf, nicht einmal Xeria. Aber andererseits waren sie jetzt in dieser Welt gelandet und Malumir tat zumindest so, als würde er sich hier auskennen. Dann sollte er ihnen doch auch konkrete Hinweise geben, was hier tatsächlich von ihnen verlangt wurde und wie sie möglichst wieder von hier weg kämen! „Und was sollen wir jetzt genau machen?“, fragte er vielleicht ein wenig zu nörgelig.

Laelia nickte nur wieder, als sich Malumir an sie wandte. Doch sie hatte eigentlich keine Fragen über den Weg, den sie gehen würde. Sie wollte einfach nicht mehr warten und reden, sie wollte sehen und fühlen. Deshalb kam ihr auch Xarons Frage recht passend - auch sie wollte wissen, was sie jetzt tun sollte. Ungeduldig knetete sie den Boden mit ihren Pfoten.

Syrayn saß immer noch in ca. 10 Metern Entfernung und dachte an gar nichts. An nichts, außer, dass der jüngere der fremden Wölfe ebenfalls genauso wenig sprach wie er selbst.

Aramis brummte leise und zustimmend gen Xaron als dieser fragte, was sie nun genau tun sollten. Wieder einmal eine neue Gegend erkunden? Ja, davon konnte man ja ausgehen. Es wiederholte sich immer wieder. Man fand eine Heimat, man verlor sie wieder und fand die Pfade einer langen Wanderung. "Eigentlich können wir auch gleich loslaufen. Es läuft doch eh mal wieder auf eine ewige Reise hinaus", er brummte, fast schon resignierend und seufzte dann.

Malumir beobachtete die unterschiedlichen Charaktere. "Es steht euch frei, zu gehen wann immer ihr wollt und wohin auch immer ihr wollt.", gestand er den Weltenwanderern zu. "Wenn es soweit ist, wird das Tor in die nächste Welt euch finden, oder aber ihr lernt, durch den Nebel zu sehen und findet es selbst." Sein Blick richtete sich auf Laelia, als er sich langsam und ruhig erhob, den Kopf ein bisschen senkend. "Versuch zu sehen, junge Wölfin... Nicht mit den Augen..."

Xaron stellte erstaunt fest, dass die anderen Wölfe ähnlich zu denken schienen, wie er. Selbst Laelia, die doch Malumir bisher regelrecht zu bewundern schien, wurde anscheinend langsam ungeduldig angesichts dessen ewig gleicher Litanei von wegen dass sie alle ihren Weg finden müssten. Aramis schien unterdessen zu erahnen, worauf es hinaus laufen würde. Und er war sichtlich alles andere als begeistert davon. „Ja, aber in welche Richtung sollen wir gehen? Hier sieht ja alles gleich aus!“ Eigentlich sah angesichts des Nebels alles überhaupt nicht aus. „Wenn das Tor uns findet, wenn es soweit ist, können wir genauso gut hier bleiben, bis es vorbei kommt, oder?“ Es schien Xaron wenig sinnvoll, etwas zu suchen, was sie angeblich ohnehin nicht finden konnten, bis es selbst gefunden werden wollte. Und wie es funktionieren sollte, durch den Nebel zu sehen, noch dazu ohne die Augen zu benutzen, war ihm auch nicht klar. Vielleicht mit der Nase? Er wollte allerdings nicht Fragen, denn die Aufforderung hatte Malumir ja explizit an Laelia gerichtet.

Syrayn wollte langsam auch nicht mehr hier sitzen bleiben. Er fühlte sich komisch in dieser neuen, fremden und zugleich seltsamen Umgebung. Es war zu nebelig für seinen Geschmack. Er wollte jetzt so gern in der Sonne liegen und seinen Pelz wärmen lassen. Falls die Worte des Fremden wirklich stimmten, vielleicht gab es dann auch eine Welt, in der die Somme schien und es warm war? Das Weiterziehen hörte sich für ihn allerdings sinnlos an, wenn das 'Tor' sie doch erst dann fand, wenn es das selbst wollte. Da konnte Syrayn Xarons Meinung nur zustimmen.

Laelia starrte Malumir groß an. Sehen? Ohne Augen? Ihr kleines Gehirn arbeitete eifrig an dem Problem. Er - Malumir - konnte offensichtlich sehen. Er hatte sie ja irgendwie gefunden oder so (zumindest glaubte Lae nicht, dass es Zufall gewesen war, dass sie sich getroffen hatten) und das war nur schwer zu bewerkstelligen, wenn er nicht sehen konnte. "Wenn ich die Augen nicht brauche...", fragte Laelia langsam "... dann kann ich doch eigentlich auch mit geschlossenen Augen laufen, oder?" Es war wie eine Testfrage um zu überprüfen, was sie geschlussfolgert hatte. Aber das konnte doch nicht stimmen, oder? Spürte Malumir etwa, wo er hinwollte? Vielleicht fühlte es sich ja wie Hunger an, nur, dass Hunger nicht aus einer bestimmten Richtung kommen konnte. Prüfend blickte die junge Fähe auf ihren Bauch.

Aramis schnaubte kurz und sah dann Malumir durchdringend an. "Also... das Tor findet uns, also könnten wir hier warten. Aber ich wette, wenn wir hier warten, findet uns das Tor nicht. Wieso sollte es auch." er schüttelte kurz den Kopf. "Laelia.. such dir eine Richtung aus. Ich vermute, dass es egal ist welche es sein wird."

Malumir blieb bei Laelia, den Kopf ein bisschen gesenkt und auf Flüsterhöhe. Die Worte von Aramis ließen ihn aufblicken, aber nur die Augen bewegten sich und blieben sanft. Eine Spur schalk blitzte vielleicht darin auf, ehe er sich wieder an die Jüngere wandte, der er vor allen anderen zutraute, das Sehen zu lernen. "Es gibt verschiedene Wege, das Sehen zu lernen... du kannst es mit geschlossenen Augen versuchen, es mag ein kluger Zugang sein. Letztlich wirst du die Augen aber wieder öffnen müssen. Sie zeigen dir jetzt den Nebel dieser Welt und nur wer klar sieht, sieht die Welt.", erklärte er. "Allein mit den Augen wirst du aber nie etwas anderes als Nebel wahrnehmen können. Mein Ziehsohn hat bisher nicht lernen können, zu sehen und auch euch-" Er blickte auf. "Kann es schwer fallen. Am Anfang ist es sehr anstrengend, den geklärten Blick aufrecht zu erhalten, aber mit ein bisschen Übung, verschwindet der Nebel mit jedem Blick länger."

Laelia hatte so eine Vermutung, die sie noch nicht ganz in Worte fassen konnte. Die junge Fähe, deren Leben bisher sehr ereignisreich gewesen war, spürte, dass jetzt endlich einmal etwas anderes als körperliche Stärke und Ausdauer gefragt war. Und sie war froh. Wie oft hatte sie sich nicht als Welpe überflüssig gefühlt! Endlich gab es etwas, das sie genauso gut konnte wie die Großwölfe, wenn nicht sogar besser. Sie nickte nocheinmal kurz und schloss dann die Augen. Woran sollte sie denken? Was sollte sie sich wünschen? Konnte man so etwas erzwingen? "Wahrscheinlich nicht", erklärte sie sich selbst. Hatte es denn so aber überhaupt einen Sinn, die Augen zu schließen? Sie wusste es nicht. Es war trotz allem ein gutes Gefühl, und so ließ sie sie noch einen Moment geschlossen. Das dauernde Wabern des Nebels hatte sie, ohne das sie es gemerkt hatte, erschöpft. Als sie die Augen wieder öffnete, glaubte sie kurz, ein paar Meter weiter zu sehen. Bevor sie sich jedoch sicher sein konnte, sah alles wieder so aus wie zuvor.

Aryth beobachtete weiterhin. Als Malumir die junge (nervige) Fähe so bevorzugte, überraschte es Aryth leicht. Sofort wusste er aber warum: um zu sehen, musste man offen sein. Und diese Fähe ware offensichtlich offen für die Welt um sich herum, so ganz anders, als Aryth selbst. Doch Aryth wusste nicht, was er daran ändern konnte. Er gab sich ja immer und überall Mühe, alles Wissen in sich selbst aufzusaugen. Und doch schien das nicht die Art von Offenheit zu sein, die ein Wolf benötigte, um sehen zu können.

Lijenna spielte ein bisschen mit den Lichtwellen herum, so, wie sie gerne mit Pfützen spielte. Beides war ihrem Empfinden nach erfüllt von vollkommener Schönheit. Die kleine weiße Fähe umrundete Aramis, ohne aufzublicken. Aber auch vertieft in ihr Spiel wich sie dem Älteren nie lange von der Seite.

Xaron schaute zunehmend skeptischer. Was sollte all das Gerede über sehen oder nicht sehen? Aber weiterhin richtete sich Malumir hauptsächlich an Laelia. Vielleicht weil er wusste, dass er bei den anderen Wölfen ohnehin keine Chance hätte, mit seinen seltsamen Worten noch auf so etwas wie Verständnis zu stoßen? Die spürbar genervte Bemerkung von Aramis, der einfach in irgendeine Richtung laufen wollte, weil er sich damit abgefunden zu haben schien, dass sie sich irgendwie bewegen mussten, auch ohne einen Einfluss darauf zu haben, wohin sie tatsächlich gingen, ignorierte Malumir hingegen einfach. Vielleicht fiel ihm darauf keine sinnvolle Antwort ein? Oder er hatte erkannt, dass er bei Aramis nie die Bewunderung auslösen könnte, die er von Laelia für sein sinnfreies Gerede offensichtlich immer noch bekam. Xaron wandte den Blck von Malumir ab und sah, wie Lijenna um Aramis herum lief, offensichtlich ohne auf das, was Malumir so von sich gab, überhaupt zu beachten. „Immer noch alles naischbai hier?“, fragte er sie.

Lijenna hob den Blick, als ihr Wort, welches für sich genommen schon absolut naischbai war, gesprochen wurde. Sie sah Xaron an und lächelte dann, als sie sich daran erinnerte, dass man das machte, wenn man sich freute. Auch ihre Rute setzte sich nach diesem Gedanken in Bewegung. "Es ist sehr naischbai.", bestätigte sie das für sie Offensichtliche. "Die Wellen verschwinden im Nebel. Liegt hinter dem Nebel ein Lichternaan?" Die Frage richtete sich an Xaron, aber eigentlich wusste sie, dass nur Malumir sie beantworten konnte. "Naan ist das Meer. Der Ozean." Sie sprach wie meistens übertrieben deutlich, um ganz sicher zu gehen, das sie verstanden wurde.

Laelia hörte den anderen nur mit halbem Ohr zu. Je länger sie darüber nachdachte, desto sicherer wurde sie sich, dass sie davor wirklich gesehen hatte. 'Wenn es einmal geht, muss es auch ein zweites Mal funktionieren.' Sie schloss wieder die Augen, doch so hörte sie die anderen deutlicher. Lijennas ernsthafte Frage zauberte ein Lächeln auf ihr Gesicht. In ihren Augen war das ja ein Meer, das auf dem sie gerade liefen, auch, wenn man normalerweise nicht auf Wasser laufen konnte. Laelia öffnete wieder die Augen, und plötzlich war ihr, als hätte sich ein Schleier von ihrem Blick gehoben. Sie sah weit, viele Wolfslängen hinter ihr kleines Grüppchen. Es war erstaunlich, und die plötzliche Weite machte Laelia Angst. Doch sofort war der Nebel wieder da, kam in einem irrsinnigen Tempo zurückgekrochen. Laelia schloss wieder die Augen. Sie wollte es länger schaffen. Sie wollte die anderen führen können!

Malumir hatte sich wieder gesetzt und beobachtete Laelia. Er konnte nicht sehen, ob sie sah, aber ihre Konzentration und das Schweigen deuteten für ihn darauf hin, dass sie schon rausgefunden hatte, was er meinte. Sie würde nun ihren eigenen Weg finden, zu sehen. Bis die Klarheit der Lichterwelt ihr ganz offen entgegen blickte.

Xaron war irgendwie beruhigt, dass zumindest Lijenna die seltsame Situation, in der sie sich befanden, gut fand, oder, wie sie es ausdrückte, naischbai. Anderen Wölfen hätte er das als Ignoranz ausgelegt und übel genommen, aber von Lijenna erwartete er gar nicht, dass sie sich Gedanken darüber machte, was das hier alles sollte. In ihrer Welt war gerade alles naischbai, und damit war sie ganz offensichtlich zufrieden. Als sie in anlächelte, lächelte er zurück, auch wenn ihm die Verzögerung, bis sich das Lächeln in ihrem Gesicht zeigte, nicht entging. Auch wenn es sich im Laufe der Zeit sehr gebessert hatte, wirkte es manchmal immer noch so, als müsste Lijenna, bevor sie ihre Gefühle zeigen konnte, erst einmal darüber nachdenken, wie das ging. Wobei das natürlich Unsinn war, denn wie man lächelte wussten ja bereits Welpen instinktiv, ohne darüber nachzudenken. Vermutlich war Lijenna manchmal einfach ein bisschen langsam. Ihr Verstand schien nicht ganz so zu arbeiten, wie der eines normalen Wolfes. Xeria hätte sich darüber bestimmt fürchterlich aufgeregt. Xaron war auf einmal recht dankbar dafür, das Xeria nicht hier war. Für Lijenna wäre das sicher alles andere als schön. Die Frage der Weißen brachte nun hingegen ihn ins Nachdenken. Was war denn ein Naan? Es klang, als hätte Lijenna sich mal wieder selbst ein Wort ausgedacht, so wie „naischbai“. Glücklicherweise erklärte sie es kurz darauf selbst. Auf die Frage konnte er dennoch nicht anders antworten, als: „Ich fürchte, das kann ich dir auch nicht sagen.“ Und als Malumir, der es ohne Zweifel gehört haben musste, trotzdem nicht darauf einging, sondern sich weiter auf Laelias Versuche konzentrierte, ohne Augen zu sehen, aber dabei trotzdem die Augen offen zu haben, um zu sehen, dass sie damit nichts sah (oder so ähnlich), fügte er mit verärgertem Unterton, und laut genug, dass der Alte es hören musste, hinzu: „Und er will es uns offensichtlich nicht sagen.“

Laelia wusste schon bevor sie die Augen wieder öffnete, dass sie es dieses Mal geschafft hatte. Vor ihr erstreckte sich eine endlos wirkende Ebene, an deren Horizont ein paar Berge kauerten. Lae wandte den Blick und konnte auf der anderen Seite einen Wald ausmachen, der durch die klare Sicht viel nächer wirkte, als er wohl eigentlich war. Doch sie schenkte dem grünen Fleck wenig Aufmerksamkeit; in der Mitter der Ebene befand sich nämlich etwas, das alles andere überstrahlte - wortwörtlich. Es handelte sich um einen Strahl Licht, so breit und hell, dass Laelia dazwischen immer wieder zur Seite blicken musste. Das Licht wirkte seltsam plastisch, so, als könnte man hinlaufen und es anstupsen. Diese Vorstellung erheiterte Lae dermaßen, dass ihre Konzentration nachließ und sie der Nebel wieder einschloss. Trotzdem - ihr Erfolg war nicht zu leugnen. Glücklich wandte sie sich zu den anderen um. "Stellt euch vor, ich hab es gesehen! Das Tor!" Für Lae war es klar, dass es das sein musste. "Ich kann uns hinführen! Kommt schon!"

Lijenna blickte von Xaron zu Malumir und zurück. Der Nebel wurde dunkel - der, den sie schon ihr leben lang sah und der nur Wölfe einkleidete. Wenn der Nebel von Wölfen dunkel wurde, wusste sie, dass sie besser vorsichtig war, aber neben Aramis fühlte sie sich weitgehend sicher. Auch vor dem Nebel, der Xaron nun umgab. Sie stupste den Boden mit ihrer Pfote ein wenig kräftiger an, um eine schnelle Welle durch die Welt zu schicken. Vielleicht. Denn der Nebel der zu dieser Welt gehörte, machte es ihr schwer, herauszufinden, ob die Welle weiter wanderte. Als sie das nächste Mal eine Welle auslöste, versuchte sie ihr nachzulaufen, aber dadurch entstanden zu viele weitere Wellen und verursachten ein heilloses Chaos. "Kannst du nicht sehen, Xaron?", wollte sie wissen und wandte sich dann zu Laelia. "Konntest du ein Lichternaan sehen?"

Xaron war unsicher, was er von Laelias begeistertem Ausruf halten sollte. Hatte sie tatsächlich etwas durch den Nebel gesehen, oder hatte sie sich nur von Malumir einreden lassen, dass da etwas zu sehen war? Oder wollte sie womöglich nur nicht zugeben, dass sie nichts sehen konnte, obwohl der Alte sie dazu drängte? Nein, die Begeisterung war echt. Laelia glaubte zumindest selbst, etwas gesehen zu haben. Auf Lijennas Frage antwortete er hingegen wahrheitsgemäß: „Nein, ich sehe leider nach wie vor nur Nebel um uns herum.“ Als die Weiße sich dann an Laelia wandte, blickte Xaron diese ebenfalls wieder fragend an. Er wusste nicht, ob er loslaufen sollte, also beschloss er erst einmal abzuwarten, wie die anderen reagieren würden.

Laelia dachte kurz über Lijennas Frage nach. "Nein, da war kein Meer. Nur ganz ganz weit weg gibt es Berge und auf der anderen Seite einen Wald. Das interessante ist aber das Tor - das ist in der Mitte und schaut aus wie pures Licht!" Sie war immer noch so erstaunt, dass es so etwas geben konnte, dass sie kurz stockte in ihren Ausführungen. "Auf jeden Fall bin ich mir ziemlich sicher, dass das das Tor ist. Ich sehe jetzt zwar nur wieder Nebel weil ich mich nicht so gut auf alles gleichzeitig konzentrieren kann, aber wenn wir dazwischen immer kurz halt machen sind wir sicher bald dort!"

Lijenna beobachtete Laelia, während diese sprach, als könnte sie das Gesicht ihrer Scha sehen. Aber dieses blieb für sie verborgen. Ihr hatte nie jemand beigebracht, durch Nebel zu sehen. "Gibt es jenseits des Tores auch eine Lichterebene?", erkundigte sie sich und sah Laelia an, ehe sie selbst ersann, dass diese ihr die Antwort nicht würde geben können. Dieses Mal wandte sie sich an Malumir.

Malumir wachte über das Gespräch und die Wölfe, ruhig und geduldig. Er wollte sie nicht bedrängen und frei entscheiden lassen, was sie als nächstes tun würden. "Ich kann dir nicht sagen, junge Wölfin, wohin das Tor euch führt. Es ist gut möglich, dass es dort keine Lichtebene gibt. Diese hier ist nicht die einzige, aber ich sah nicht viele auf meinen Reisen."

Lijenna wandte sich wieder an Laelia. "Es ist naischbei hier. Wir dürfen nicht durch das Tor gehen."

Xaron schüttelte den Kopf, als er hörte, dass Lijenna diese seltsame Welt nicht mehr verlassen wollte, weil sie es hier naischbai fand. Aus ihrer doch recht naiven Sichtweise durchaus verständlich, aber um zu überlben, musste man leider weiter denken. „Aber wir können doch nicht immer hier bleiben. Wie sollen wir bei diesem Nebel jagen? Vorausgesetzt es gibt hier überhaupt Beute.“ Nun ja, irgendwas musste es geben, wovon hätten sich Malumir und Aryth hier sonst ernähren sollen? Aber mit diesen Überlegungen wollte er Lijenna nicht überfordern. „Außerdem wissen wir nicht, ob es auf der anderen Seite nicht noch viel naischbaier ist, als hier.“ Er war sich nicht sicher, ob es in Lijennas Welt überhaupt eine Steigerung von naischbai gab. Aber andererseits war er sich ja auch alles andere als sicher, ob es das von Laelia angeblich gesehene Tor überhaupt wirklich gab. Und wenn ja, ob es tatsächlich eine kluge Idee war, hindurchzueghen. Was, wenn die andere Seite nicht nur für Lijenna, sondern für sie alle noch deutlich weniger „naischbai“ wäre, als diese Nebelwelt, in der sie sich gerade befanden?

Laelia wollte nicht mehr lange überlegen. Sie sah den Zweifel in Xarons Gesicht und konnte sich vorstellen, dass er sich gerade wieder irgendwelchen dummen Sachen ausmalte, die eintreten konnten, jedoch genauso wahrscheinlich eintreten würden, wie alles andere auch - es war einfach nichts sicher. "Können wir nicht wenigstens mal hinlaufen?", bettelte Lae. Sie hatte es satt hier rumzustehen. Das konnten sie dann dort auch noch.





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22.07.2017 11:49
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Lijenna
Lillyan Caesar






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Lijenna blickte mit dem gewohnten Ernst zwischen Laelia und Xaron hin und her. "Laelia kann jetzt durch Nebel sehen. Ich möchte auch durch Nebel sehen können. Malumir kann mir beibringen, durch den Nebel zu sehen. Malumir lebt hier und hier ist es naischbai. Deshalb sollten wir hier bleiben, bis wir alle sehen können."

Xaron hatte es geschafft, sich selbst zu verunsichern. War für ihn bis eben noch klar gewesen, dass sie unbedingt durch das mysteriöse Tor gehen mussten, da sie hier auf keinen Fall bleiben konnten, war ihm jetztauf einmal gar nichts mehr klar. „Es könnte sein, dass es auf der anderen Seite besser ist als hier. Dann sollten wir natürlich dahin gehen. Andererseits könnte es aber auch schlimmer sein als hier. Dann sollten wir besser hier bleiben. Da wir es aber vorher gar nicht wissen können, wie es dort ist, wissen wir auch nicht, was die richtige Entscheidung ist. Und wenn wir das nicht wissen, ist es da nicht ganz egal, was wir tun?“ Er sagte es mehr zu sich selbst, als zu den anderen. Doch gleich darauf sah er Malumir an, als würde er von diesem eine Antwort auf seine ursprünglich nur laut gedachte Frage erwarten.

Laelia sah Xaron und Lijenna mit einer Mischung aus Genervtheit und Ungeduld an. "Können. wir. das. dort. besprechen?" Sie konnte es gar nicht erwarten den Lichtstrahl aus der Nähe anzusehen. An Lijenna gewandt fügte sie hinzu: "Ich weiß nicht, ob man das lernen kann einfach so. Sieh mal, der da drüben" - sie sah zu dem stillen Wolf im Hintergrund hin. Aryth, oder so. - "der hat es bis heute noch nicht gelernt."

Lijenna brauchte einen Moment, bis sie verstanden hatte, dass sie zu Aryth sehen musste. Sie tat es, auf Laelias Geheiß hin, während sie über deren Worte und über die von Xaron nachdachte. "Ich möchte lernen, durch Nebel zu sehen.", wiederholte sie. "Deshalb möchte ich hier bleiben. Und dazu ist es naischbai. Es ist auf jeden Fall die richtige Entscheidung, hier zu bleiben." Nur um das mal festgehalten zu haben. Da waren sie nun, drei Wölfe mit drei Meinungen.

Malumir fing den Blick von Xaron auf und studierte womöglich kurz den Ausdruck auf dessen Gesicht. Seine Miene blieb neutral, sicher, dass der Rüde selbst wusste, dass er eine solche Frage nicht beantworten konnte. Er fand aber durchaus interessant, wie unterschiedlich die Wölfe argumentierten.

Xaron überlegte angestrengt. Wenn Malumir ihnen offensichtlich nicht weiterhelfen konnte oder wollte, musste er eben selbst auf eine Lösung kommen. Laelia und Lijenna waren eindeutig noch zu jung, um eine so wichtige Entscheidung zu treffen, ganz davon abgesehen, dass Lijenna, so seltsam, wie sie sich immer noch verhielt, womöglich nie dazu in der Lage sein würde. Und Aramis, dessen Aufgabe als Ranghöchster es gewesen wäre, die Entscheidung zu treffen und gegebenenfalls auch durchzusetzen, war offensichtlich zu sehr damit beschäftigt, sich über alles mögliche zu ärgern, als dass er seiner Verantwortung für die übrigen Rudelmitglieder nachkommen hätte können. Also blieb nur er selbst. Gehen oder bleiben? Auf den ersten Blick schienen beide Möglichkeiten gleichwertig, aber bei genauerer Betrachtung waren sie das gar nicht. „Wenn wir nicht gehen, werden wir nie erfahren, was auf der anderen Seite ist. Wenn wir es tun, wissen wir es zumindest. Aber andererseits scheint es hier womöglich gar nicht so schlecht zu sein, also warum etwas riskieren?“ Wenn doch nur Xeria hier wäre, oder zumindest Aszira!

Laelia tapste zu Lijenna hin. "Willst du dir das Licht nicht zumindest ansehen? Wenn wir so nahe dran sind kannst du es auch sehen. Es ist ziemlich hübsch!" Sie wollte zumindest eine überreden - auf Xaron schienen ihre Worte ja keinen Einfluss zu haben. "Danach können wir doch immer noch entscheiden ob wir hier blieben oder nicht!" Sie war einfach zu neugierig!

Lijenna schien kurz überlegen zu müssen, ob sie etwas, das Laelia hübsch fand, auch hübsch finden konnte. Aber das würde sie tatsächlich gerne herausfinden. "Bringst du mich zurück zu Malumir, wenn wir das Licht gesehen haben?"

Xaron kam, als er den beiden jungen Fähen lauschte, schließlich ein Gedanke. „Wie wäre es, wenn wir einen Kompromiss finden? Wir schauen uns erst einmal diese Welt an, und wenn wir dann besser wissen, ob es hier schön ist, oder nicht, können wir immer noch entscheiden, ob wir gehen.“ Und an Laelia gewandt fügte er hinzu: „Das Tor können wir uns natürlich auch schon mal anschauen.“ Ganz wohl war ihm bei dem Gedanken nicht, denn er wusste nicht, wie so ein Tor funktionierte. Womöglich würden sie bereits ohne es zu wollen hindurchgehen und auf der anderen Seite landen, wenn sie ihm nur zu nahe kamen. Vielleicht würde Laelia, die ja ohnehin schon von fasziniert war, beim Anblick des Tores sogar alle Vorsicht über Bord werfen und durch das Tor gehen, sodass ihnen nur die Möglichkeit blieb, ihr zu folgen, wollten sie sie nicht alleine in der fremden Welt auf der anderen Seite zurück lassen. Aber insgesamt war mit seiner Lösung sehr zufrieden. Vielleicht war das Ganze ja doch eine Prüfung, um seine Alpha-Kompetenz zu testen? In diesem Fall hätte er sicherlich jetzt nicht allzu schlecht abgeschnitten. Das Laelia und Lijenna wahrscheinlich auch ganz ohne ihn auf diese Lösung gekommen wären, versuchte er mit mittelmäßigem Erfolg zu verdrängen.

Laelia sah Xaron überrascht an. Er hatte etwas sinnvolles gesagt! "Ja, machen wir das!", meinte sie (vielleicht etwas zu) begeistert. "Komm schon Lijenna, lass uns gehen!" Sie warf auch dem mürrischen Altwolf noch einen Blick zu, doch der schien nichts einzuwenden haben. War auch besser so, wenn sie jetzt mit noch jemandem hätte herumstreiten müssen dann hätte sie wohl entgültig die Geduld verloren. Doch jetzt schaffte sie es noch sie zu beherrschen, nur ihr ungeduldiges Auf-Der-Stelle-Tapsen verriet sie noch. Sie wollte schon längst weg sein!

Lijenna sah unschlüssig - auch wenn man es ihr nicht ansah - von einem Wolf zum anderen. "Bringst du mich zurück zu Malumir?", fragte sie noch einmal. Sie musste das wissen. Erst wenn sie durch den Nebel sehen konnte, würde sie Malumir wiederfinden können. Dennoch setzte sie sich mit den anderen in Bewegung, aber erst, als Aramis ebenfalls mitzukommen schien. Ohne ihn wäre sie nirgendwo hin gegangen.

Malumir erhob sich ebenfalls. "Wir begleiten euch.", erklärte er ruhig. Niemand musste ihn dann suchen, oder Angst haben, ihn nicht mehr zu finden.

Xaron freute sich, dass sein Vorschlag von Laelia so positiv aufgenommen wurde. Als die anderen sich in Bewegung setzten um sich dem mysteriösen Tor, das nur Laelia sehen konnte, zu nähern, folgte er natürlich auch. Lijenna schien nicht ganz wohl bei der Sache, doch Malumir half tatsächlich zumindest ansatzweise mit, und zerstreute Lijennas Zweifel, sie würde ihn, einmal beim Tor angekommen, nicht wiederfinden, indem er sich ihnen anschloss.

Laelia hatte Lijennas Frage ganz vergessen. Doch sie musste gar ncihts sagen, der weise Wolf übernahm es für sie. Laelia sah sich noch einmal kuz um, dann entschied sie, dass alle bereit waren und rannte los. Bald erkannte sie, dass sie immer wieder kurz stoppen musste, um zu sehen, ob sie noch am richtigen Weg waren. Es war gar nicht so einfach, gerade zu laufen, wenn man keinen Punkt hatte, an dem man sich orientieren konnte. Trotz allem kamen sie langsam aber sicher näher. Es fühlte sich seltsam an, wenn ihr die anderen folgten, aber eigentlich nicht schlecht. Schließlich wusste sie den Weg wirklich, und so war es nur logisch, dass ihr die anderen folgte, selbst, wenn sie ranghöher waren. 'Ob sich so ein Alpha fühlt?', dachte sie zufrieden nach.

Lijenna hatte ihren Blick stetig auf ihre Pfoten und den Boden gerichtet, der so naischbei war. Überall waren Wellen um sie herum. Laelia verursachte völlig chaotische, freudige Wellen und Aramis' Schritte waren streng und wütend. Bei Xaron war sie nicht sicher, wie sie die Wellen beschreiben sollte und wie Malumir sich bewegte, empfand sie als wunderschön. Aryth Wellen sahen steif aus, obwohl sie sich bewegten. Das war seltsam.

Aryth hatte die Meinungsverschiedenheit genau beobachtet und analysiert. Er fand es interessant, das, was er in der Theorie schon wusste, in der Realität wieder zu entdecken. Es war wie eine große Bestätigung, dass sein bisheriges Leben nicht nur ein Traum gewesen war und das Wissen, das er dank seiner Heimatwelt hatte, nicht nur Einbildung war. Nein, es war alles echt, und er wusste wirklich eine Menge. Nur über sich wusste er offensichtlich nichts, zumindest schaffte er es nicht, diese allgemeinen Regeln, die er gerade auf die anderen in seiner Umgebung so spielend angewendet hatte, auf sich selbst anzuwendenden. Er wusste nichts über sich selbst und konnte sich deshalb auch nicht einordnen. So empfand er sich selbst als abgeschottet von den anderen, selbst, wenn er gerade neben ihnen herlief. Es war ein seltsames Gefühl.

Xaron kam es komisch vor, Laelia zu folgen, und sich darauf zu verlassen, dass sie schon wissen würde, wo sie sie hinführte. Wenn er es war, der lernen sollte, sich wie ein Alpha zu verhalten, müssten dann nicht die anderem ihm folgen? Aber das ging ja nicht, da nur Laelia im Nebel sehen konnte und daher wusste, welchen Weg sie nehmen mussten. Wobei sie sich ihrer Sache nicht so sicher zu sein schien, denn sie hielt immer wieder an und schien aufmerksam durch den Nebel zu schauen, bis sie ihr Ziel wiedergefunden hatte. Was, wenn sie nur so tat, als ob sie etwas sah, und sie sie womöglich in die Irre führte, da sie nicht zugeben wollte, die Orientierung verloren zu haben? Aber ihm blieb nichts anderes übrig, als ihr zu vertrauen, denn er hatte in diesem Nebel von vorneherein keine Orientierung gehabt, die er hätte verlieren können. Und so folgte er schweigend Laelia und den anderen. Irgendwie hatte er das Gefühl, das ganze wäre wieder eine Art Lektion, auch wenn er nicht wusste, wofür.

Laelia wurde immer aufgeregter, je näher sie dem Licht kamen. Irgendwann kam der Punkt, an dem es aus ihrer Sicht so hell strahlte, dass sie es trotz des Nebels sehen konnte. Wie kam es, dass die anderen das Tor noch immer nicht sehen konnten? Es war doch so hell!

Lijenna folgte Laelia aufmerksam, auch wenn ihr Blick die Wellen nie aus den Augen ließ. Wenn ihre Scha stehen blieb, blieb auch sie stehen. Ging die größere Jungwölfin weiter, folgte auch Laelia. Xaron beachtete sie nicht weiter, aber aus den Augenwinkeln beobachtete sie Aramis immer wieder.

Xaron bemerkte, dass sich Laelias Aufregung immer weiter steigerte. Bedeutete das, dass sie sich dem Ziel näherten? Oder versuchte sie zu überspielen, dass sie langsam selbst an sich zweifelte, weil sie das Ziel immer noch nicht gefunden hatte? Je länger sie unterwegs waren, desto angespannter wurde Xaron. Ihm war nicht wohl bei der Sache, sich durch undurchdringlichen Nebel zu bewegen, geführt von einer Jungwölfin. Doch er schwieg, denn es war ja auch sein eigener Vorschlag gewesen, diese Nebelwelt zu erkunden.

Laelia blinzelte verblüfft, als sie plötzlich davor standen. Das Tor war ihr gerade noch so weit entfernt vorgekommen, und jetzt war es da, direkt vor ihnen. Laelia konnte die Grenzen des Lichtstrahls nicht genau ausmachen, es schien alles etwas sehr zu wabern. Ob man wohl mit der Schnauze reinfahren konnte, um zu fühlen, ob es sich auch wie Nebel anfühlte? Aber wie sollte sich leuchtender Nebel schon anfühlen? Sicher nicht kalt, oder? Die Sonne war ja auch warm. "Seht ihr es nicht?", fragte sie vorsichtig und wandte sich um.

Lijenna trat neben Laelia. "Was siehst du?", fragte sie ihre Scha. Sie blickte an der Lichtsäule nach oben und legte den Kopf schief. So anders als der Nebel war das Licht nicht, aber natürlich war es irgendwie schöner. Und wärmer, aber nicht heiß. Gar nicht wie die Sonne, aber doch ein bisschen. "Wie Wintersonne."

Xaron stellte zu seiner Beruhigung fest, dass Laelia sie offensichtlich doch richtig geführt hatte, denn mittlerweile waren sie so dicht an dem Tor, dass auch Xaron es ausmachen sollte. Wenn es denn ein Tor war. Xaron wusste selbst nicht, wie er sich so ein Tor in eine andere Welt vorgestellt hätte, aber bestimmt nicht wie eine Säule aus hellem Nebel inmitten einer Welt aus nicht ganz so hellem Nebel. Ob Laelia darin mehr erkennen konnte, als er? Er wollte sie gerade fragen, da kam ihm Lijenna zuvor, und so beließ er es dabei, Laelia fragend anzuschauen und auf eine Antwort zu warten. Lijenna verglich unterdessen das mysteriöse Tor mit der Wintersonne. Xaron wusste, dass die Weiße kein Freund der Sonne war. Er konnte sich noch gut daran erinnern, dass sie die Sonne früher als „Stachelhell“ bezeichnet hatte. Aber vermutlich war es im Winter auch für Lijenna anders, wenn die Sonne angenehme Wärme spendete, statt gnadenlos vom Himmel herabzubrennen, wie an manchen Sommertagen.

Laelia sah an den Blicken der anderen, dass sie das Tor jetzt endlich auch sehen konnten. Zumindest schienen sie etwas zu fixieren, und sie konnte sich nicht vorstellen, was anderes es sein sollte, als die Säule. "Ich sehe einen Lichtstrahl der bis in die Unendlichkeit in den Himmel geht." Sie sah an dem Licht hinauf, so weit sie den Kopf eben in den Nacken legen konnte. "Und, wie findest du sie, Lijenna?" Sie fragte zur Sicherheit nochmals nach, denn sie wusste nicht genau, ob Wintersonne gut oder schlecht war. Insgeheim hoffte sie ja, das Lijenna das Licht naischbai fand - zumindest so hätte Laelia das Licht bezeichnet. Es hatte eine unglaubliche Anziehungskraft auf die junge Fähe, sodass sie am liebsten in den hellen Nebelschwaden verschwunden wäre.





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18.09.2017 14:13
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Als sich die Gruppe dem Licht näherte, war Laelia nicht mehr zu halten. Noch ehe sie die Säule ganz erreicht hatte, war sie verschwunden. Syrayn, der die ganze Zeit alles schweigend beobachtet hatte, folgte ihr wenige Momente später. Die anderen blieben teilweise überrascht, teilweise amüsiert zurück.

Aramis erstarrte auf der Stelle als erst Lijenna und dann Syrayn im Licht verschwand. Sein Nackenfell sträubte sich und er machte keine Anstalten auch nur einen Schritt weiterzugehen. Dumpf grummelte ein Knurren in seiner Kehle und seine Augen verengten sich zu schmalen schlitzen. Nein, er traute dieser Welt nicht. Tief in ihm klopfte es an, dass er eindeutig zu alt für solche Abenteuer war. In der Sonne liegen, den Pelz wärmen lassen- das klang eher seiner Vorstellung seines Alters.

Lijenna blieb ebenfalls stehen. Vielleicht im selben Moment wie Aramis. Sie fühlte sich von Laelia betrogen. Diese hatte versichert, sie würden sich die Lichtsäule nur einmal ansehen und jetzt war ihre Schwester verschwunden. Die kleine weiße Fähe hatte nicht vor, ihr zu folgen, bloß weil Laelia nun vorgegangen war. Sie setzte sich und blickte zu den verbliebenen Wölfen hinüber.

Xaron musste erschreckt mit ansehen, wie Laelia und kurz darauf Syrayn verschwanden, als sie sich der Lichtsäule näherten. Entsetzt wandte er sich an Malumir: "Wo sind sie hin? Was ist mit ihnen passiert?" Er hoffte, dass sie nicht einfach weg waren. Weg zu sein war bestimmt sogar noch schlimmer, als tot zu sein.

Malumir fing Xarons Blick auf. "Sie sind durch das Tor in eine andere Welt hinüber geglitten.", erklärte er ruhig. "Es geht ihnen sicher gut."

Aryth betrachtete relativ gleichgültig, wie die zwei Jungwölfe verschwanden. Natürlich taten sie das, schließlich war das das Tor. Er selbst würde ihnen wohl folgen, bald. Er wusste nur noch nicht, ob es besser wäre, zuerst das Sehen zu erlernen. War er nicht hier, um zu lernen? Und doch fiel es ihm so schwer... Außerdem wusste er nicht, ob Malumir auch wechseln würde. Und seinen Vater zu verlassen erschien Aryth unmöglich.

Aramis grummelte noch immer und war froh, das Lijenna den beiden anderen Jungwölfen nicht blind folgte. Sein Blick, der sich nun auf Malumir richtete war nicht wirklich freundlich. "Und woher willst du wissen wie es ihnen geht? Warst du schon in dieser Welt? Was ist, wenn es dort Gefahren gibt die sie töten wollen? Es sind Jungwölfe!" er schüttelte den Kopf, noch immer brummte er und schien damit auch nicht gleich wieder aufhören zu wollen

Malumir witterte aufmerksam, eine ganze Weile. "Sie sind vermutlich nach Mandri gereist.", erklärte er, als würde Aramis dadurch verstehen, dass es ungefährlich war. "Dort sind sie in guten Pfoten." Sein Blick richtete sich auf den grummeligen Altwolf. "Aber ich denke, früher oder später musst du sie alle loslassen. Die Welten holen sich, wen sie wollen und es kann passieren, dass ihr euch alle hin und wieder aus den Augen verliert."

Xaron beruhigte sich etwas, als er Malumirs Worte hörte. Der alte Wolf würde schon wissen, was er tat. Aber warum hatte er dann gesagt, dass es ihnen „sicher“ gut ging? Das hieß doch, dass er es zwar vermutete, aber nicht wirklich wusste? Und dessen weitere Erklärungen halfen auch nicht wirklich weiter. Wer oder was war Mandri? Unsicher wandte er sich an Aramis und Lijenna, die einzigen noch verbliebenen Wölfe, die er kannte. „Was machen wir jetzt? Gehen wir hinterher?“ Eigentlich mussten sie es tun, um sich nicht zu trennen, solange Syrayn und Laelia nicht zurückkamen. Aber wenn sie sich früher oder später ohnehin aus den Augen verlieren würden, die Malumir gesagt hatte, brachte das doch ohnehin nichts? „Wenn wir uns trennen, wie sollen wir uns jemals wieder finden? Wenn es so viele Welten gibt und jede so groß ist, wie die, die wir kennen, wird das unmöglich. Und irgendwann sind wir alle ganz alleine!“ Die Vorstellung gefiel ihm gar nicht.

Aramis schüttelte ganz langsam den Kopf und funkelte dann Malumir wieder an. "Ich weiss nicht, ob mir diese Antwort gefällt. Es sind nicht meine Welpen. Aber es ist mein Rudel, dass sich hier in seltsamen Welten befindet. Meine Familie. Egal was sie denken, wir gehören dennoch zusammen. Sie mögen ja erwachsen werden, aber tief in uns gehören wir zusammen." er schnaubte und brummte wieder. Seine Unzufriedenheit war mehr als deutlich. Sein Blick wand sich zu Xaron. "Wir sollten hinterher gehen. Nur.. landen wir denn in der gleichen Welt?", sein Blick glitt wieder zu Malumir.

Aryths Kopf begann zu arbeiten. Es stimmte: die Welten bestimmten, wohin man ging. Er würde also unter Umständen - nein, sehr wahrscheinlich! - von seinem Vater getrennt werden. Außer, er würde immer hier bleiben wollen... und das wollte er nicht. Hier gab es nichts für ihn, nichts, was er lernen konnte. Also musste er sich an den Gedanken gewöhnen, nicht mehr bei Malumir zu sein. Vielleicht wäre er das erste Mal vollkommen allein, ganz ohne Mutter oder Vater. Es überraschte ihn, dass ihm dieser Gedanke doch sehr missfiel.

Malumir beobachtete die Besucher aus Gaia aufmerksam. "Habt ein bisschen mehr Vertrauen...", begann er, an Xaron gewandt und blickte dann wieder zu Aramis hinüber. "Wenn ihr zusammen gehört, habt ihr nichts zu befürchten. Die Welten trennen nichts, was füreinander bestimmt ist. Sie führen jeden einzelnen von euch auf verschiedenen Wegen zum Ziel." Er sah bei der letzten Frage von Xaron wieder zu diesem. "Irgendwann... ganz bestimmt."

Xaron hatte sich die selbe Frage gestellt wie Aramis, doch was Malumir sagte, beruhigte ihn etwas. Früher oder später würden sie sich also wieder sehen. Daher sagte er zu Aramis: „Dann lass uns gehen. Wenn wir nicht gleich bei ihnen landen, dann halt später. Aber wenn wir hier bleiben, finden wir sie bestimmt nicht wieder.“ Vorausgesetzt natürlich, Malumir hatte Recht. Aber es bleib ihnen wohl nichts übrig, als sich darauf zu verlassen.

Lijenna sah zwischen den großen Wölfen hin und her. Sie nahm den schwarzen Nebel von Aramis wahr und den grauen von Xaron, aber es ängstigte sie nicht wirklich. Sie wollte gerne sehen lernen. Durch Nebel sehen... "Wir müssen doch lernen, zu sehen...", warf sie ein und sprach jedes Wort überdeutlich aus, mit der üblichen Konzentration, mit der sie meistens redete. "Der Nebel ist nicht fort..."

Aramis lauschte den Worten und wirklich zufrieden schien er dennoch nicht. Doch dann seufzte er leise und nickte Xaron zu. "Dann sollten wir unser Glück wohl auf die Probe stellen", das Brummen verstummte als er Lijennas Stimme vernahm. "Was meinst du mit sehen lernen, Schneeflöckchen?"

Aryth fühlte sich angesprochen, als sein Vater Vertrauen predigte, sebst, wenn die Worte nicht an ihn gerichtet waren. Vertrauen. Was war das? Er hatte es nie benötigt; er hatte es ja gewusst. Da war keine Unsicherheit gewesen, die so etwas wie Vertrauen erfordert hätte. 'Vielleicht ist das eine der ersten Sachen, die ich lernen muss...' Die nächste Frage, die sich ihm stellte: sollte er mit diesen Wölfen mitgehen? Irgendwie unsicher, tapste er näher zu Malumir hin. "Was soll ich tun...?" fragte er leise. Er konnte das nicht - Entscheidungen treffen. Bisher war es ja nie notwendig gewesen.

Lijenna trat zu Aramis und sah zu diesem auf. "Lernen zu sehen... durch den Nebel. Wie Laelia es gelernt hat. Sie konnte dieses Licht hier sehen, von weit her. Von dort, wo wir waren, irgendwo im Nebel..." Ihr Blick glitt dorthin, wo sie hergekommen waren, aber sie war nicht mehr sicher, wo genau das gewesen war. Hatten sie sich auf einer geraden Linie zum Licht bewegt?

Malumir gesellte sich an die Seite seines Sohnes. "Lernen...", antwortete er sanft. Sein Sohn musste noch unendlich viel lernen. "Gemeinsam mit anderen." Und er als alter Wächter reichte dafür nicht aus. Er hatte zu viel von den Welten gesehen.

Xaron war sich unsicher, was Lijennas Idee, erst sehen zu lernen, anging. Mussten sie das können? War es in allen Welten so neblig wie in dieser? Wenn ja, mussten sie tatsächlich lernen, durch den Nebel zu sehen, denn wie sollten sie sonst jagen können? Und wie sollten sie die anderen finden? Nun gut, ihre Nasen und Ohren würden auch im Nebel funktionieren. Oder nicht? Er witterte angestrengt, nahm aber nichts besonderes wahr. Aber lag das im Nebel, oder nur daran, dass es hier außer ihnen nicht viel gab? Und eigentlich wollte er nicht länger warten, denn desto mehr Vorsprung sie den beiden Jungwölfen ließen, desto schiweriger würde es, sie wieder einzuholen. Unsicher fragte er erneut Malumir: „Müssen wir sehen können, um in den anderen Welten zu überleben?“ Wenn ja, hatte Syrayn sicherlich jetzt bereits ein Problem, denn im Gegensatz zu Laelia hatte er es ja nicht gelernt. Um so eiliger wäre es dann aber, ihn wiederzufinden.

Aramis betrachtete Lijenna für einige Momente schweigend. Der Nebel war belastend, eine weisse Wand die ihnen die Sicht nahm. Wieder ertönte ein Seufzen. Kurz streifte sein Blick Malumir und schließlich entschied er, dass der alte Wolf für den Moment nicht wichtig war. "Flöckchen.. ", langsam ließ er sich aufs Hinterteil sinken. "Was hat Laelia gemacht um durch den Nebel zu sehen?"

Lijenna beobachtete Aramis aufmerksam, beinahe durchdringend. Das tat sie immer, wenn sie jemanden verstehen wollte und diesem ihre ungeteilte Aufmerksamkeit schenkte. Konzentriert versuchte sie Aramis zu antworten, auch wenn sie die Antwort eigentlich nicht kannte. "Sie ist einfach gegangen, ohne es mir zu zeigen.", erklärte sie. "Aber sie hat erst nicht geschaut... und dann konnte sie sehen. Aber wenn ich die Augen schließe, ist der Nebel jedes Mal wieder da, wenn ich sie wieder öffne." Sie nahm sich Zeit, betrachtete zwischendurch ihre Pfote und den seltsamen Boden. Die Wellen vergingen irgendwo in der Unendlichkeit. Jedes Mal wieder, wenn sie sich auch nur ein wenig bewegte.

Aryth chluckte einmal schwer. 'Gemeinsam mit den anderen' bedeutete in diesem Fall 'ohne mich'. Das hieß, er würde sich schon wieder verabschieden müssen. War das das Erwachsen-Werden? Wenn ja, dann gefiel es ihm nicht wirklich. Außerdem hatte er bisher nicht das Gefühl gehabt, ein Welpe zu sein. Trotzdem: es blieb ihm nichts anderes übrig. "In Ordnung...", antwortete er also schweren Herzens. Wie, um seine Entscheidung deutlich zu machen, trat er wieder näher zu der anderen Gruppe hin, genauer gesagt zu der etwas seltsamen jungen Fähe und dem alten Wolf. Er hatte sich entschieden, dem Duo zu folgen - der andere Wolf war ihm etwas suspekt.

Aramis sah nachdenklich drein. Es ergab einfach keinen Sinn. Oder doch? Vielleicht war Laelia einfach unbeschwerter damit umgegangen? Leichter und jugendlicher? Er schloss die Augen und atmete tief ein. Die Zeit als er noch so leicht durch die Welt gelaufen war, lag Ewigkeiten hinter ihm. Manchmal da sehnte er sich nach der Unbeschwertheit zurück, die manchmal noch gespürt hatte. Einst mit Yanaco und Akyashy, dann mit Lajila und seinen Welpen. Wehmut tränkte für einen Moment sein Herz, dann erinnerte er sich an warme Tage in denen er sich der Schneeflocke angenommen hatte. Doch seine Augen blieben noch geschlossen. Es waren zumeist warme Tage gewesen. Vielleicht nicht das Wetter, aber sie wärmte sein Herz. Sein altes, todgedachtes Herz klopft ihretwegen unentwegt weiter.

Malumir ließ sich neben Xaron nieder. "Sehen zu können ist von Vorteil... in einem Universum voller Blinder.", erklärte er sanft. Das war vermutlich keine zufriedenstellende Antwort für einen Zweifler wie Xaron. Es war typisch für die Kinder Gaias, dass sie das Vertrauen verlernt hatten, das die Welt zusammen hielt.

Lijenna beobachtete Aramis aufmerksam. So etwas wie Intuition kannte sie nicht wirklich, aber im Moment wusste sie, dass sie jetzt nicht stören sollte. Sie hätte gerne gewusst, was der Ältere im Augenblick tat. Sie konnte mit einiger Mühe erkennen, dass er die Augen geschlossen hatte. Dann erzählte seine Aura tausend Geschichten in einer Sprache, die ihr vermutlich immer verschlossen bleiben würde.

Xaron gefiel Malumirs Antwort überhaupt nicht, denn sie beantwortete seine Frage kein bisschen. Seine Sprüche mochten zwar ganz nett klingen, aber sie halfen nicht weiter. Daher versuchte er, zu überlegen, was Xeria wohl an seiner Stelle getan hätte. Doch es gelang ihm nicht. Nd er hatte das dumpfe Gefühl, dass es nicht einfach daran lag, dass er sich nicht gut genug in Xeria hinein versetzen konnte, sondern das selbst Xeria, wäre sie in einer Situation wie dieser, nicht wüsste, was zu tun war. Die Vorstellung schockierte ihn irgendwie, doch es bedeutete, dass er allein die Entscheidung treffen musste, was er tat. Und das wiederum machte ihm Angst. Er warf erst Aramis, das Lijenna und schließlich noch einmal Malumir einen Blick zu. Dann machte er zögerlich einen Schritt auf die Lichtsäule zu. Nur einen kleinen, aber immerhin. Es fühlte sich so an, als täte er etwas. Das war gut, oder?

Malumir beobachtete, wie Xaron in der Lichtsäule verschwand. Er witterte flüchtig, aber er wusste bereits dass der Rüde nicht denselben Weg gehen würde, wie die anderen. Auf Xaron warteten gänzlich andere Lektionen als auf Laelia.

Aramis lächelte ein sachtes Wolfslächeln, erinnerte sich an ebenso warme Tage als er nach gefühlten Ewigkeiten wieder Vertrauen gefasst hatte. In Lioku. In Lunar. Kurz blitzte Trauer auf, denn Lunar war nicht mehr. Doch dann tauchte wieder die Schneeflocke auf und auch wenn sie anders war und eine ganz eigene Sicht auf die Welt offenbarte, so vertraute Aramis ihr. So wärmte sie ihn, so schenkte sie ihm ohne es zu wissen, immer wieder neue und frische Einblicke in die Welt. Ein warmes Schmunzeln umspielte seine Lefzen, dann öffnete er die grauen Augen und war überwältigt. Er blinzelte, traute seinen alten Augen nicht und war einfach sprachlos. Er war viel durch die Welt gekommen, aber die weite Ebene beeindruckte ihn. Sein Blick schweifte, blieb an Bergen hängen und dann lächelte er. "Es ist wunderschön."

Lijenna betrachtete Aramis aufmerksam. Sie sah nicht, was dieser sah. Sie sah einfach nur ihren Mentor. Ihren Weggefährten, der bei ihr geblieben war, in all den vielen Tagen, die seit ihrer Flucht vergangen waren. "Wie hast du das gemacht?", fragte sie und meinte etwas völlig anderes, als Aramis nun vermutlich dachte.

Aryth sah gebannt dem Minenspiel des Altwolfes zu. Er hatte nicht viel Ahnung von Mimik, aber er spürte förmlich die Kraft, die der Alte aus seinen Gedanken schöpfte. Und plötzlich wusste Aryth: das wollte er lernen. Aus seinen Gedanken Kraft schöpfen. Und dabei war ihm sehr wohl bewusst, dass er solche Gedanken nicht dadurch erschaffen konnte, dass er Fakten auswendig lernte. Das war etwas, was weiter ging, was ihm bisher verschlossen geblieben war. Er wollte bei diesen beiden bleiben. Aber sich einfach so an die beiden dranzuhängen erschien ihm etwas taktlos. Er machte noch einen Schritt auf sie zu. "... Tut mir leid", machte er auf sich aufmerksam, "..Kann ich vielleicht bei euch bleiben? Zumindest eine Weile."

Aramis sah zu Lijenna und bedachte sie mit einem warmen Blick. "Ich habe mich erinnert, an viele warme Tage die mein Innerstes wärmten und mir Hoffnung gaben. Und du.. nun.. du wärmst schon sehr lange jeden Tag von mir." Als Aryth das Wort an sie richtete, neigte er den Kopf leicht in die Schräge um dann zu nicken. "Natürlich. Zusammen ist wohl jede Welt leichter zu bewältigen"

Lijenna kam sich vor, als wäre sie der einzige Wolf auf der Welt, der überhaupt nichts verstand. Das war schon immer so gewesen, oder? Egal wie viel sie lernte, das, woran es ihr mangelte, überwog stets. Aryth hatte jetzt schon mehr von dem verstanden, was Aramis gerade geschafft hatte, als sie vermutlich je begreifen würde. Das war unfair. Sie kannte ihren Mentor viel länger! Und sie war immer noch blind. So hatte Malumir es gerade zu Xaron gesagt... Sie sah sich nach dem Rüden um, aber er war fort. "In einem Universum voller Blinder... sehe ich noch viel weniger als jene, die nicht durch Nebel sehen können." Es kostete sie einige Konzentration, um diese Feststellung auszuformulieren. Es waren nur noch Aramis, Aryth und Malumir bei ihr, aber sie wusste, dass die drei viel mehr von allem verstanden, als sie.

Aryth war überrascht über sich selbst: er freute sich über die Akzeptanz, nein, die positive Antwort des alten Wolfes. Selbstverständlich war das eine natürliche Regung, doch für Aryth, der benahe emotionslos war, stellte es eine beachtliche Leistung dar. 'Wahrscheinlich ist das gut so. Ich sollte wohl lernen, zu fühlen. Ich bin so ... unnatürlich im Vergleich zu diesen Wölfen, die einander Zuneigung entgegenbringen und dadurch sogar lernen zu sehen.' Ermutigt von seinem eigenen gefühlstechnischen Erfolg erlaubte er es sich, sich einzumischen in das Gespräch der zwei Wölfe. Beinahe freundlich meinte er zu der jungen Fähe, die der Alte als 'Flöckchen' bezeichnete: "Ich glaube nicht, dass du blind bist. Zumindest im eigentlichen Sinn. Du siehst einfach andere Dinge. Dinge, die den anderen Wölfen nicht so wichtig sind. Aber du hilfst zumindest diesem Wolf hier, dass er sehen kann, und das ist doch ein Anfang, nicht?" Es war eigentlich nicht seine Absicht gewesen, die Kleine aufzuheitern - er hatte einfach seine Meinung beigetragen. Schließlich gehörte er jetzt zu diesem Duo irgendwie dazu, und er wollte auch, dass das so blieb für die nächste Zeit. Dass Xaron verschwand, fiel ihm gar nicht wirklich auf. Diese zwei Wölfe waren gerade viel zu wichtig.

Aramis drehte den Kopf um Xaron mitzuteilen, wie er es vielleicht auch schaffen könnte den Nebel zu durchblicken, doch... er war fort. Er blinzelte und starrte dann zu Malumir. "Ist.. ist er ins Licht gegangen?" Ein wenig war er beunruhigt, eigentlich hatte er fest mit Xaron an seiner Seite gerechnet und nun war der verschrobene Wolf weg. Er lauschte Lijennas Worten und betrachtete sie wieder nachdenklich. Sie war wirklich so anders. Als Aryth wieder sprach, war er etwas überrascht wie er mit Lijenna sprach. Er schmunzelte und nickte schließlich. "Besser hätte ich es nicht sagen können"

Malumir trat zu den drei Wölfen, sanft lächelnd. Sie alle hatten in den Momenten viel gelernt. Völlig unterschiedliche Dinge. Es erfüllte ihn mit Stolz, seinen Sohn so reden zu hören und es bestärkte ihn in dem Wunsch, dass sein Sohn für eine Weile auf Reisen ging. Er würde hier auf Aryths Rückkehr warten, auch wenn das Leben entscheiden sollte, dass dieser nicht wieder zu ihm zurück kommen würde. Sein Ziehsohn fand womöglich auf seiner Reise den eigentlichen Ort seiner Bestimmung. "Kleine, weiße Wölfin... du hast dich selbst erkannt.", flüsterte er ihr zu. "Das bedeutet du siehst mehr, als die meisten Wölfe in ihrem Leben sehen lernen." Die Andersartigkeit der Jungwölfin war ihm nicht entgangen, aber sie bedeutete in der Vielfalt des Universums kaum etwas. Er hatte so vieles gesehen, auf seinen Reisen, dass kaum etwas nach seinem Empfinden 'seltsam' war. "Dich so klar zu sehen, kann dir auch dabei helfen, die Welt wahrzunehmen, Lijenna. Versuche es..." Als er aufblickte sah er zu Aramis. "Ja... er ist auf Weltenwanderschaft gegangen."

Lijenna hatte Schwierigkeiten, sich auf all das gleichzeitig zu konzentrieren. Sie bemühte sich, all die Worte in sich aufzunehmen und zu verarbeiten, ohne das andere Gesagte wieder zu vergessen. Sie verstand nicht wirklich, wie sie Aramis half, zu sehen... Aber ihr Mentor schien derselben Meinung zu sein. Als sich dann auch noch Malumir einmischte, ließ sie sich dessen Worte lange durch den Kopf gehen. Er klang ein bisschen wie Lioku. "Ich sehe Nebel auch dann, wenn niemand anders ihn sieht.", erklärte sie, ehe sie seiner Aufforderung nachkam und die Augen schloss. Laelia hatte das so gemacht und bei Aramis hatte es auch funktioniert. Lijenna selbst konnte sich nur schwer vorstellen, wie sie so sehen sollte. Das einzige was sie gesehen hatte war, dass sie blind war. Wie sollte das helfen? Als sie die Augen öffnete, schreckte sie beinahe augenblicklich zusammen, sodass die Weite der Ebene sofort wieder verschwand. Aber sie war dagewesen. Ganz kurz.





Geschlecht


Alter


Größe


Status


Charakterbogen


Lu, Kyro, Josh, Lio





Ich mag den Duft der Sonne
Und wie der Regen singt
Den Geschmack des Mondes
Und wie der Nebel klingt

Ich mag die Sterne fühlen
Und der Berge klang
Mag hinter Himmeln sehen,
Wo die Welt begann
02.10.2017 23:16
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