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Lijenna
Lillyan Caesar






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Wolfsträumer

Im Weltenwetter - Togruduna
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Der sonnige, goldene Herbsttag war augenblicklich verschwunden, als Kyro und Atsuko sich im Wasser der Pfützen gespiegelt hatten. Eine andere Welt sog sie an und warf sie in eine neblige Nacht. Die modrigen Gerüche des herbstlichen Laubs wichen der Fäulnis eines viel älteren Waldes. Umringt von gigantischen, uralten Bäumen befinden sich Atsuko und Kyro auf einer kleinen Lichtung, die vermutlich auch bei Tage niemals von Sonnenstrahlen berührt wird. Das Geäst der Bäume ist zu dicht und scheint ineinander verwoben zu sein. Eine bedrohliche Stimmung geht von der Umgebung aus und die Instinkte der Caniden spüren eine namenlose Gefahr. Yavru, der als erster der Gruppe losgezogen ist, um nach Beute zu suchen, wird nach wenigen Schritten ebenfalls vom Sog erfasst und landet auf einer in Nebel gehüllten Wiese am Rande des Waldes.

Kyro spürte ein unangenehmes Kribbeln, das sich über seinen ganzen Rücken zog, als sich sein Fell vom Hals bis zur Rute zu einem Kamm aufstellte. Ein Zucken seiner Lefzen verriet die Anspannung, die mit jedem Herzschlag wuchs, die er sich in dieser fremden Welt befand. Konzentriert witterte er und lauschte, um mögliche Feinde frühzeitig wahrnehmen zu können. Irgendetwas schien sich ihnen zu nähern.

Yavru wusste sofort, was passiert war, als die Welt um ihn herum verschwand und er sich plötzlich auf einer Wiese am Rande eines dichten Waldes wiederfand: Er war wieder in eine andere Welt geraten. Und nun war er hier ganz alleine! Angst vor dem, was ihn hier erwartete, mischte sich mit Sorge um Laelia, die ebenfalls alleine zurückgeblieben war. Naja, nicht ganz alleine. Das große Rattentier namens Ceran war vermutlich noch bei ihr, aber so nett Ceran auch war, war er doch kein vollwertiger Ersatz für einen anderen Wolf.

Zion durchstreifte eine Schlucht, als er sich der Gegenwart lebendiger Körper gewahr wurde. Die leeren, schwarzen Augen suchten aufmerksam nach der Quelle seiner Intuition. Geschickt sah er durch die Felsen und Bäume, durch Hügel und durch den Nebelschleier. Das lebendige Pulsieren der Körper ließ sich unschwer ausmachen und eines der warmen Geschöpfe schien allein zu sein...

Atsuko öffnete unter größter Anstrengung die Augen. Die Reise in diese neue Welt hatte sie schläfrig gemacht, doch die Schärfe, die in der Luft lag, machte sie sofort hellwach. Es war, als würde der Wind selbst sie vor der Gefahr warnen wollen. Ihr Pelz begann zu kribbeln, und ein unangenehmer Juckreiz breitete sich von Atsukos Schnauze aus. Ein paar Herzschläge später war es vorbei, doch als sie an sich hinabblickte erwartete sie eine Überraschung: Dunkles, fast schwarzes rot. Das würde heißen... Herbst, wenn auch sehr seltsam.

Kyro beobachtete aus den Augenwinkel den Fellkleidwechsel des 'Hinsetzen'. Wenn man sonst keine Probleme hatte, in so einer Situation... Sein Kopf schnellte herum, als ein Knacken, nicht weit von ihnen entfernt, erklang. Ein leises Grollen drang aus seiner Kehle und war der Anspannung geschuldet, die sich über ihn gelegt hatte. Es wirkte beinahe, als würde die Welt selbst sie bedrohen.

Yavru überlegte, was er tun sollte. Er entschied sich, erst einmal abzuwarten und zu hoffen, dass es Laelia gelingen würde, ihm irgendwie zu folgen. Aber er könnte die Gelegenheit genauso gut nutzen, Futter zu finden, vielleicht sogar etwas zu jagen, falls sich hier geeignete Beute fand, mit der er alleine fertig werden würde. Er entschied sich, ein paar Schritte in den Wald zu gehen. Zwar würde der dichte Wald und das nebelige Wetter ihm nicht unbedingt vereinfachen, Beute aufzuspüren, aber andererseits würden diese Umstände ihn auch davor schützen, von dieser entdeckt zu werden. Und falls Laelia tatsächlich hier ankam, sollte es ihr keine Schwierigkeiten bereiten, seiner Fährte zu folgen und ihn so wiederzufinden.

Zion bewegte sich Schritt für Schritt vorwärts. Ohne Eile. Ganz langsam näherte er sich seinem Ziel und brauchte sich dabei nicht die Mühe machen, Hindernisse zu umrunden. Er trat einfach durch sie hindurch. Ein jäher Schrei zerriss die Luft, nicht weit von Yavru entfernt. Er kam irgendwo aus dem Wald und ging den lebendigen Geschöpfen durch Mark und Bein.

Atsuko schreckte zusammen, als sie das Geräusch vernahm. Augenblicklich schnellte sie auf und trat leise neben Kyro, um ihm wenn nötig zu helfen. Der Waldfleck, von wo das Knacken gekommen war, wirkte verlassen. Nur ein kleines, verschrecktes Tier? Oder doch etwas Bedrohlicheres?

Kyros Nase kräuselte sich, während er aufmerksam alle Seiten im Auge behielt. Sein Blick glitt dabei die meiste Zeit über Atsuko hinweg. Für den Augenblick konnte er ihr keine Beachtung schenken. Als dann dieser entsetzliche Schrei erklang, machte er instinktiv ein paar Schritte zurück.

Yavru hatte gerade den Waldrand erreicht und war im Begriff, sich einen Weg durch das Unterholz zwischen den knorrigen alten Bäumen zu suchen, da hörte er vor sich aus dem Wald einen schrillen Schrei, der ihm das Blut in den Adern gefireren ließ. Augenblicklich blieb er stehen. Was war das? Ein Wolf? Ein Beutetier? Oder etwas ganz anderes? Er schaute in den Wald, doch er sah nichts. Er witterte angestrengt, doch außer dem modrigen Geruch nach altem Laub und feuchtem Wald in allgemeinen konnte er nichts riechen. Er überlegte, in die Richtung, aus der er den Schrei gehört hatte, zu laufen, doch er zögerte. Wer wusste, ob das, was dort lauerte, nicht womöglich gefährlich war?

Atsuko konnte nichts dagegen tun, der Schrei ging ihr durch Mark und Bein und brachte sie zum Zittern. Dass Kyro zurückwich half nicht besonders. Ein Gefühl der Kälte breitete sich in ihr aus. Sollte sie fliehen? Nein, vermutlich wäre es sicherer bei Kyro zu bleiben. Er konnte immerhin kämpfen.

Zion lächelte süffisant, als der Schrei erklang. Da hatte wohl jemand bemerkt, dass er sich näherte! Um den Wald noch ein wenig mehr aufzuschrecken, blieb er stehen und legte den Kopf in den Nacken. Das Heulen, das seine Kehle verließ, klang nur sehr entfernt wie das eines Wolfes. Ein Schaudern ging durch die Welt, beginnend mit dem Erzittern der Luft und dem Erstarren aller Bäume und Gräser. Die Kälte kroch durch den Boden heran und breitete sich wellenartig von Zions Gestalt aus aus. Das Eis der Angst kroch über die Pfoten der Caniden bis hinauf zu deren Herz. Der Geisterwolf leckte sich über die Lefzen, als das Pulsieren des Lebendigen hastiger wurde.

Yavru hatte sich gerade etwas beruhigt und vorsichtig ein paar zaghafte Schritte in den Wald gemacht, da hörte er ein Heulen, das sogar noch schrecklicher war als der Schrei. Es klang nicht wirklich wie ein Wolf, aber auch nicht wie irgend etwas anderes, das er bisher gehört hatte. Und auf einmal wurde ihm Kalt. Die Kälte breitete sich vom Boden über seine Pfoten in seinem ganzen Körper aus. Selbst die Bäume und Büsche um ihn herum schienen zu erstarren, als hätte das Heulen selbst sie erschreckt.

Kyro konnte nicht kämpfen. Wenn man ihn im Augenblick gefragt hätte, wäre ihm als einzige Fähigkeit, die er je erlernt hatte, das Davonlaufen eingefallen. Er hatte nicht das Gefühl, das, was ihn bedrohte, bekämpfen zu können. Die Kälte nach dem seltsamen Heulen kroch beinahe schmerzhaft-lähmend in seine Adern und fraß sich bis zu seinem Herzen. In Atsukos Gesellschaft fühlte er sich nicht sicher, aber sie war auch das einzig Vertraute, in dieser Welt. Das einzige, wovon keine Bedrohnung auszugehen schien.

Xaron war offensichtlich wieder in einer anderen Welt gelandet. Mittlerweile begann er endgültig den Überblick verloren, das Wechseln zwischen den Welten brachte ihn völlig durcheinander. Womit hatte er das verdient? War es womöglich doch eine Strafe noch höherer Überalphawölfe, weil er sich zu faul und feige verhalten hatte? Er wollte doch nur zu seiner Mutter zurück! Unsicher schaute er sich um. Er war in einem Wald aus dicht stehenden, uralten Bäumen gelandet. Na, immerhin. Ein klein wenig düster vielleicht, aber ansonsten ein ganz gewöhnlicher Ort an einem ganz gewöhnlichen Herbsttag, jedenfalls soweit er das beurteilen konnte. Plötzlich hörte er ein schauriges Heulen, das ganz sicher weder von einem Wolf noch von sonst einem ihm bekannten Tier stammte. Kälte überflutete ihn und ließ ihn zittern. Oder war es Angst? Oder beides? Xaron erstarrte. Die Rude zwischen den Beinen, die Ohren angelegt und die Augen geschlossen, um das, was auf ihn zukam, nicht auch noch sehen zu müssen, winselte er leise: „Bitte Xeria, ich wollte das alles doch nicht. Bitte, lass mich zu dir zurückkommen. Ich bin auch ein guter Omega, ich verspreche es!“ Er wusste zwar, dass Xeria ihn hier unmöglich hören konnte, aber er konnte nicht anders, während er erwartete, dass sich jeden Augenblick fürchterliche Zähne in seinen Körper bohren würden.

Zions Heulen drang durch den Wald und über die Baumkronen hinweg bis in die entlegensten Winkel von Togruduna. Als sein Weckruf verstummte, breitete sich mit ähnlicher Bedrohlichkeit eine Stille über allem aus, die ihm voran zu gehen schien. Er folgte und noch während er langsam näher trat, löste sich die Starre der Umgebung auf und wechselte zu chaotischem Schreien und Brüllen. Der ganze Wald schien seine Stimme zu erheben. Angstvolle Rufe wirkten auf die Eindringlinge aber genauso furchteinflößend, wie die vielen verzweifelten Drohungen, die zu einem unheilvollen Stimmengewirr anschwollen.

Yavru entspannte sich langsam, als das Heulen verklungen war. Doch es hatte einer absoluten Stille Platz gemacht, die fast genauso gruselig war. „Hallo? Ist da jemand?“ fragte er, auch wenn er keine Antwort erwartete. Er wollte lediglich die Stille unterbrechen. Und ob nun als Antwort auf seine Frage oder einfach, weil auch die übrigen Waldbewohner aus ihrer angstbedingten Starre erwachten, begann um ihn herum ein Geschrei und Gekreische, als seien alle Tiere des Waldes auf einmal in Panik ausgebrochen. Und womöglich, so dachte er voller Unbehagen, war das auch der Fall.

Xaron wartete voller Angst ab, doch die Zähne, die ihn zerfleischen würden, blieben wieder einmal aus. Langsam entspannte er sich etwas. Doch kaum als er seinen Schrecken überwunden hatte, ging um ihn herum ein Geschreie und Gekreische los, das ihn dazu brachte, wieder die gleiche ängstliche Haltung wie kurz zuvor anzunehmen. Gleich würden sie kommen und ihn fressen. Diesmal wirklich!

Zion näherte sich langsam weiter. Er konnte das frische, warme Blut beinahe auf der Zunge schmecken. Noch ein weiteres, lebendiges Objekt hatte die Welt betreten. Das schien an diesem Tag noch ein Festmahl zu werden!

Atsuko machte sich ganz klein, als das Heulen erklang. Sobald es vorüber war wollte sie sich schon entspannen, doch die vielstimmige Antwort auf den ersten Ruf schallte durch den Wald und ließ sie erschaudern. Der Lärm schien immer mehr anzschwellen. Ab einem gewissen Zeitpunkt konnte sie es nicht mehr ertragen. Sie kauerte sich am Boden zusammen und bedeckte sie Ohren mit den Pfoten, was jedoch leider nichts half. Sie winselte.

Kyro blieb mit gesträubtem Fell neben Atsuko stehen und konnte nicht mit dieser Kopf-in-den-Sand-stecken-Taktik herhalten. Seine Pfoten konnten sich nicht entscheiden, ob sie gleich losrennen wollten, um die Flucht zu ergreifen, oder ob sie inzwischen mit dem Boden verwachsen waren und festklebten.

Xaron öffnete vorsichtig wieder die Augen, nachdem er erneut wider Erwarten nicht zerfleischt worden war. Zumindest vorerst nicht, denn des Geschrei um ihn herum wollte nicht enden. Er musste hier weg! Nur wohin? Der Wald erstreckte sich rings um ihn herum! Doch wenn er immer in dieselbe Richtung lief, müsste er doch irgendwann an einen weniger unheimlichen Ort kommen, oder? Er setzte sich in Bewegung, erst langsam, dann lief er immer schneller, und nach wenigen Schritten rannte er bereits panisch ohne wirklich darauf zu achten, wohin. Einige male gelang es ihm erst im letzten Augenblick, einem Baum auszuweichen, der plötzlich vor ihm auftauchte. Nur weg von hier!

Zion konnte in der Ferne, irgendwo im Wald, einen davon eilenden Wolf ausmachen. Er schloss kurz die Augen und als er sie wieder öffnete, lachte aus dem nächsten Baumstamm, auf den Xaron zusteuerte, ein Gesicht mit stechend roten Augen heraus. Das Lachen selbst wirkte bereits bedrohlich, freudlos und böse.

Atsuko schüttelte probehalber den Kopf. Es wurde nicht besser. Kyro neben ihr schien jede Lust sich zu bewegen verloren zu haben, denn er starrte einfach nur seine Pfoten an, als hätte er gerade erst gemerkt dass er welche hatte. Sie selbst bemühte krampfhaft irgendeinen Ausweg zu finden, und als das nicht half, wenigstens einen Grund. Als sie vorher in die Luft geschnuppert hatte, hatte sie keine anderen Lebewesen außer sich und Kyro ausmachen können, jedenfalls nicht in der Nähe. Woher kam dann dieser Lärm? Irgendetwas stimmte nicht.

Kyro verharrte noch eine Weile, dann entschied er, dass er hier weg musste. So schnell wie möglich. "Raus aus dem Wald.", hauchte er und lief los. Natürlich hatte er keine Ahnung, wohin er sich wenden musste, aber er entschied sich erst einmal für die Richtung, aus der sie gekommen waren, auch wenn sie sich nun in einer anderen Welt befanden. Flucht.

Xaron rannte und rannte. Schon wieder ein Baum. Automatisch wollte er leicht zur Seite ausweichen, da sah er es: Der Baum hatte ein Gesicht! Vor Schreck blieb er stehen, oder versuchte es zumindest. Doch bei der Geschwindigkeit, die er hatte, erwies es sich unmöglich, schlagartig anzuhalten. Er stolperte über seine eigenen Pfoten und überschlug sich. Einen kurzen Augenblick blieb er liegen und überlegte erst, was passiert war, und dann, ob er sich ernsthaft verletzt hatte. Nachdem er ersteres zufriedenstellend und zweiteres bit einem Nein beantwortet hatte, stand er umständlich wieder auf. Bestimmt hatte ihm seine Phantasie einen Streich gespielt. Sicherheitshalber schaute er dennoch noch einmal zu dem Baum, und erstarrte: Das Gesicht war immer noch da! Es hatte rote Augen und grinste ihn böse an. Nicht etwa wütend, wie Xeria, wenn sie ihn mal wieder für irgend eine Dummheit bestraft hatte, sondern wirklich böse. Abgrundtief böse. Nicht einmal die greußlichen Weißen Schatten hatten so böse geschaut, wie dieser Baum. Er blinzelte. Das Gesicht war immer noch da. Aber das konnte doch nicht wahr sein! Bäume hatten kein Gesicht zu haben! Er schrie panisch auf.

Atsuko braucht ein paar Sekunden um zu bemerken, dass Kyro nicht mehr neben ihr war, doch als sie sich umdrehte, sah sie gerade noch seine Schwanzspitze zwischen zwei Büschen verschwinden. Ziemlich erleichtert darüber, sich endlich bewegen zu können, preschte sie ihm hinterher.

Yavru hörte plötzlich in weiter Ferne erneut einen Schrei. Und dieses mal war er sich sicher, dass er von einem Wolf stammte. Er kam ihm sogar bekannt vor, auch wenn er nicht sicher sagen konnte, von welchem Wolf er stammte. Einen Moment blieb er unschlüssig stehen. Nun war wohl endgültig klar, dass was auch immer in diesem Wald vor sich ging für Wölfe nicht ungefährlich war. Sollte er sich dem wirklich nähern? Aber was würde sein Vater sagen, wenn er wüsste, dass sein Sohn sich aus bloßer Angst nicht getraut hatte, einem Rudelmitglied zu Hilfe zu kommen? Und was erst seine Patentante? Ohne weiter zu zögern lief er so schnell wie es im dichten Wald möglich war in Richtung des Schreis los.

Kyro zog sogleich das Tempo an und rannte schneller, was sich in diesem engverwachsenen Wald als schwierig herausstellte. Immer wieder stolperte er in Sackgassen, in denen die mächtigen Wurzeln von Bäumen jedes Weiterkommen unmöglich machten. Im Nacken hatten sie immer noch die Schreie, weshalb es ihm jedes Mal eine heiden Angst machte, wenn sie einen Weg zurück laufen mussten. Er fühlte sich verfolgt und nicht selten raschelte es direkt über ihnen in den Ästen, als würde sich gleich ein Raubtier auf sie stürzen. Für Kyro selbst war das eine völlig neue Erfahrung. Natürlich gab es auch für einen Wolf Bedrohungen, aber das erste Mal in seinem Leben fühlte er sich wie ein gehetztes Tier.

Zions Geist löste sich aus dem Baum und schnellte auf Xaron zu, um durch diesen hindurch zu fegen. Der Körper des Wolfes blieb unversehrt, aber die Berührung ließ Xarons Herz für einen Schlag aussetzen. Danach kroch wieder eisige Kälte durch die Venen des Rüden. Die geisterhafte Gestalt verklang, sowie das Lachen. Zion schlug die Augen wieder auf und steuerte auf das erwählte Opfer zu. Langsam, gemächlich und in der ewigen Ruhe bedrohlich und endgültig.

Atsuko hatte ziemliche Probleme mit dem viel größerem Wolf Schritt zu halten, doch irgendwie schaffte sie es doch. Kyro schien keine Ahnung zu haben, wohin er eigentlich wollte. Oft lief er in Sackgassen, die Atsuko schon von weitem erkannt hätte, wäre sie diejenige die führen würde, allerdings war das für sie ja auch nicht wirklich eine neue Situation. Früher hatte sie öfter flüchten müssen und war es daher gewöhnt. Kyro schien das erste mal in einer Situation zu sein, wo er beinahe ganz allein um sein Leben rennen musste.

Xaron sah entsetzt, aber ohne den Blick abwenden zu können, wie sich das Gesicht aus dem Baum löste und auf ihn zu kam. Es war nicht länger nur ein Gesicht, sondern es schien einem weißen Wolf zu gehören, der auf einmal aus dem Baum hervor kam. Doch irgend etwas stimmte nicht mit ihm. Es ging zu schnell, als das Xaron sich sicher sein konnte, doch es war ihm, als könnte man durch den Körper des Wolfs hindurch schauen. Xaron wollte ausweichen, aber seine Pfoten gehorchten ihm nicht. Er rechnete damit, dass der geisterhafte Wolf mit ihm zusammen prallen und ihn zu Boden reißen würde, doch statt dessen verschwand dieser einfach, ohne ihn zu berühren. Doch dafür breitete sich erneut die Schreckliche Angstkälte in ihm aus, die er bereits gespürt hatte, als das schauderliche Heulen erklang, kurz nachdem er in diese Welt geraten war.

Kyro hätte Atsuko vermutlich versucht in Stücke zu reißen, wenn er gewusst hätte, dass sie die Sackgassen bereits vorher erahnen konnte. Er kämpfte sich durch den Wald, begleitet von markerschütternden Schreien. Zwischen den Ästen tauchten manchmal Augenpaare auf, die ihre Flucht beobachteten und sogleich wieder verschwanden.

Zion steuerte weiter direkt auf sein Opfer zu, das er bereits markiert hatte. Er brauchte keine Felsen und Bäume oder Wurzeln umrunden. Er trat hindurch und näherte sich so seiner Beute, ohne je die Geschwindigkeit zu erhöhen. Unter seinen Berührungen erschauderte der Wald und selbst die Bäume schienen stumm zu schreien. Hören konnten die Caniden es nicht, aber sie konnten es mit Sicherheit spüren.

Atsuko hatte langsam das Gefühl, der Wald sei unendlich. Sie konzentriert sich nur auf den Weg, zum Teil damit sie nicht stoplerte, zum Teil damit sie sich einreden konnte, dass da nichts war, obwohl auch sie manchmal ein leuchtendes Auge aus dem Augenwinkel sah. Sie wollte gerade erschöpft stehen bleiben, da erblickte sie hinter einem Baum ein leichtes Leuchten. Sofort schoss sie darauf zu.

Kyro sah nicht, was Atsuko sah, aber als sie ihn überholte, folgte er ihr. Er wäre bei einem Leuchten sicher skeptischer und vorsichtiger gewesen. Das von Zion ausgelöste Schreien der Bäume spürte er, auch wenn er nicht sagen konnte, woher es rührte. Es war ein schockierendes Gefühl, das sich in ihm ausbreitete und sein Inneres zittern ließ. Es erschien ihm fast, als würde die ganze Welt unter der Gefahr einbrechen.

Atsuko schoss um den Baum herum, doch zu ihrer Enttäuschung war da nichts. Doch nur eine Einbildung? Nein! Hinter einem Baum, welcher ein bisschen links von diesem stand, leuchtete es wieder. Sie schoss darauf zu, und danach auf den Nächsten und den Übernächsten. Langsam, und ohne es zu merken, machte sie eine Kurve und rannte schließlich wieder in die Richtung aus der sie kamen, immer dem Leuchten folgend welches anscheinend nur sie sehen konnte.

Kyro folgte unschlüssig, nicht wissend, was Atsuko sah, oder wohin diese lief. Bewegten sie sich im Kreis? Was ritt die Füchsin plötzlich? Er hatte keine Ahnung, wohin sie liefen und inzwischen wusste er auch nicht mehr, aus welcher Richtung sie gekommen waren. Hatten sie nun beide völlig die Orientierung verloren?

Atsuko stopte unwillkürlich. Das Leuchten war verschwunden. Vor ihnen teilten sich die Bäume, und dahinter lag... "Die Lichtung vom Anfang.", hauchte sie ungläubig. "Wir sind im Kreis gelaufen. Und das alles nur wegen mir und diesem dummen Leuchten." ihre Beine gaben unter ihr nach, und Atsuko sank auf den Boden, unfähig, sich weiter zu bewegen.

Xaron spürte, dass die Kälte ihn nach einer gefühlten Ewigkeit langsam losließ, auch wenn er weiterhin zitterte. Und er merkte, dass er sich wieder bewegen konnte. Und genau das tat er. Er lief wieder los. Er versuchte, die Bäume, an denen er vorbei kam, gar nicht erst genauer anzusehen, doch nachdem er zwei mal fast mit einem Baum zusammengeprallt war, merkte er, dass das auch keine Lösung war. Er hoffte einfach, dass er nicht wieder einem Begegnen würde, der ein Gesicht hatte. Plötzlich war ihm, als hörte er vor sich etwas. Der Wind stand ungünstig, aber er vermeinte, irgendwo in der Ferne den Geruch eines Wolfes wahrzunehmen. „Hallo? Ist da jemand?“, rief er, um dann noch schneller weiter zu laufen.

Kyro kam atemlos hinter Atsuko an. Die Ernüchterung frustete ihn, aber er war zu erschöpft um genervt zu sein. Resigniert blieb er neben der Füchsin stehen. Verflucht. Der Wald sah überall gleich aus...

Irilir rollte kichernd vor Atsukos Pfoten. Ein kleines Leuchten.

Yavru war ein ganzes Stück in den Wald eingedrungen, als er merkte, dass er langsam aber sicher die Orientierung verlor. Natürlich verriet ihm seine eigene Fährte, von wo aus er gekommen war, aber er konnte nicht sagen, ob er wirklich noch in die Richtung lief, aus der er den Schrei gehört hatte. Oder ob er überhaupt geradeaus in eine Richtung lief oder ob er womöglich nach dem nächsten Baum wieder auf seine eigene Fährte stoßen und bemerken würde, dass er im Kreis gelaufen war.

Zion sah, wie sich zwei seiner Opfer aufeinander zubewegten. Auch die anderen waren eine Weile orientierungslos umher gerannt. Wenn da mal kein kleiner Kobold dafür verantwortlich war! Er hasste die Viecher, aber manchmal hatten sie Humor. Seine Pfoten trugen ihn dennoch auf sein markiertes Opfer zu, das sich inzwischen wieder aus der Starre gelöst hatte, aber nun auf ihn zugelaufen kam. Wie überaus praktisch. Als würde er nicht sowieso früher oder später in den Genuss von frischem, warmen Blut kommen. Als er durch den letzten Baum trat, konnte Xaron sein Gesicht endlich richtig sehen, auch wenn es kurz sicher so wirkte, als würde es zum Baum gehören. Die Wolfsgestalt, die sich dann aber aus diesem löste, überragte den Rüden um einen Kopf und die Schwärze seiner Augen schien sein Gegenüber zu verschlingen.

Atsuko schreckte erschrocken zurück, nur um im nächsten Moment zu versuchen das kleine Licht zu ihren Füßen zu packen, doch es wich mühelos ihren müden Pfoten aus und kicherte dabei auch noch unaufhörlich. Frustriert warf sie sich mit dem ganzen Körper darauf, und als es auch da entwischte, knurrte sie es einfach an.

Irilir sprang davon, schneller als die Caniden ihr hätten folgen können und ließ die Lichtung wieder in der Dunkelheit zurück, die sie immer umgab. Eilig tanzend huschte sie durch das Unterholz, zwängte sich durch winzige Öffnungen, die den Fremden aufgrund ihrer Größe verschlossen blieben und tanzte schließlich flüchtig vor Yavrus Nase entlang, hinter einer weiteren Ecke verschwindend.

Xaron war beinahe schon zu der Überzeugung gekommen,das Erlebnis mit dem Gesicht im Baum sei seiner eigenen Fantasie zuzuschreiben gewesen, da passierte es wieder. Diesmal war es nicht ganz so schrecklich wie beim ersten mal, immerhin hatte er insgeheim ein klein bisschen damit gerechnet, dass es wieder passieren konnte, aber immerhin noch fast so schrecklich. Erneut blieb er stehen, wobei es ihm diesmal zumindest gelang, auf den Beinen zu bleiben, auch wenn er keine sonderlich gute Figur dabei machte. Da sah er, wie sich das Gesicht aus dem Baum löste und auf ihn zu kam. Es war wieder ein Wolf, weiß und riesengroß, deutlich größer als Xaron. Sein Körper machte den Eindruck, als stünde er in Flammen, doch die Flammen waren ebenso weiß wie sein Fell. Unheimlicherweise war er tatsächlich transparent, man konnte durch in hindurch die Bäume hinter ihm erkennen. Doch was sogar noch gruseliger war, waren die tief schwarzen Augen, die Xaron ansahen. Dieser erstarrte einen Moment, war dann jedoch sogar etwas beruhigt. Ein Wolf! Ein sehr seltsamer, gruseliger Wolf, aber immerhin ein Wolf, und weder Vogel noch Ungeheuer oder gar beides. Und vielleicht waren die Wölfe dieser Welt ja alle groß, transparent und brennend? Da gab es bestimmt wiet seltsameres. Sofort nahm er eine leicht unterwürfige Haltung an, indem er den Blick senkte und die Ohren anlegte. Die Rute hielt er ohnehin gesenkt. „Hallo. Ich bin Xaron. Entschuldige bitte, wenn ich in dein Revier eingedrungen bin, aber ich bin einfach so hier reingeraten und weiß nicht, wie ich wieder rausfinden kann.“

Zion lächelte ein dämonisches Lächeln, ehe seine Augen rot aufglühten und Xaron die Fähigkeit nahmen, sich zu bewegen. Je länger er den Rüden ansah, desto schmerzhafter wurde der Blick für diesen. Es war kein Schmerz, der dem Wolf das Bewusstsein genommen hätte, oder ihn hätte schreien lassen, aber es war ein unangenehmer Schmerz, der sich nicht abschütteln ließ. Und wenn Xaron ein bisschen auf seinen Körper hört, spürt er, wie Zion das Leben aus ihm herauszusaugen beginnt. Ganz langsam.

Yavru musste sich eingestehen, sich verlaufen zu haben. Wie konnte das passieren? So schlecht war sein Orientierungssinn doch eigentlich nicht. Er wurde langsamer, und gerade, als er überlegte, was er tun sollte, da flog etwas leuchtendes an ihm vorüber, nicht ohne sogar noch einmal kurz um seine Nase herumzutanzen. Sofort schnappte der schwarze Rüde danach, konnte es jedoch nicht erwischen. Stattdessen flog es an ihm vorbei und verschwand hinter einem Baum. Yavru spürte, wie sein Jagdinstinkt erwachte, und er beeilte sich, dem Lichtding um den Baum herum und durch den Wald zu folgen.

Irilir tänzelte zwischen den Bäumen hindurch, mal schneller und mal langsamer aber immer so, dass Yavru ihr folgen konnte. Die meiste Zeit blieb sie völlig still, aber manchmal lachte sie auch leise. In einem riesigen Bogen führte sie den Jungrüden durch den dunklen Wald, bis sie hinter einem Baum verschwand, hinter dem Yavru Kyro und Atsuko finden würde. Nicht aber den kleinen Lichtkobold.

Kyro wagte nicht, sich zu setzen. Er blieb auf der Lichtung stehen, witterte und lauschte und wusste nicht, was er tun sollte. Es schien keinen Weg aus diesem Wald zu geben und er fürchtete sich davor, noch einmal los zu laufen. Was wenn sie einer Gefahr begegneten und er zu erschöpft gewesen wäre, um davon zu laufen? Aber war es wirklich besser, hier zu bleiben? Nachdem das seltsame Leuchten - das er das erste Mal gesehen hatte, als es direkt vor Atsukos Nase stehen geblieben war - verschwunden war, erschienen ihm der Wald und die Lichtung selbst noch viel finsterer. Beinahe war es, als würde es mit jedem Herzschlag noch ein bisschen dunkler werden.

Xaron sah, wie der transparente Riesenwolf in anlächelte. Doch es war kein freundliches Lächeln, sondern fies und böse. Der Wolf war nicht etwa wütend, weil Xaron in sein Revier eingedrungen war, sondern schlicht und einfach abgrundtief böse. Früher hatte Xaron nicht gedacht, dass es Wölfe gab, die einfach bösartig waren, aber die Begegnung mit den Weißen Schatten hatten ihn eines besseren belehrt. Und diese unheimliche Erscheinung war offensichtlich ebenfalls solch ein Wolf. Xaron spannte sich an und erwartete, dass der andere ihn angreifen würde. Doch statt dessen schaute dieser ihn einfach nur mit seinen großen schwarzen Augen an, die sich plötzlich wieder rot färbten. Xaron wollte die Gelegenheit nutzen und weglaufen, ehe sich der andere es anders überlegte und ihn doch angriff, musste aber zu seinem Entsetzen feststellen, dass seine Pfoten ihm nicht gehorchen wollten. Der andere starrte ihn unterdessen unentwegt an, und sein Blick schien immer stechender zu werden, bis es schließlich weh zu tun begann. Es war kein körperlicher Schmerz, sondern irgendwo ganz tief in seinem inneren, fast als täte der Transparente irgendwie seiner Seele weh. Xaron wollte den Blick abwenden, doch er merkte, dass er nicht einmal das konnte. Und als ob das nicht schlimm genug wäre, merkte er, dass seine Kraft langsam nachließ, fast als würde sie aus ihm herausgesaugt. Ängstlich fragte er: „Was machst du mit mir?“ Er rechnete aber nicht wirklich mit einer hilfreichen Antwort.

Atsuko kniff die Augen zusammen, denn das Licht hatte sich in ihre Augen eingebrannt und wollte einfach nicht verschwinden. Beinahe konnte sie noch immer das leise Kichern hören, welches die Schuld daran trug dass ihre ganzen Anstrengungen umsonst waren. Hoffentlich war Kyro ihr nicht böse. Vorsichtig blinzelte sie zu ihm hinüber. Er beobachtete gebannt den Wald,doch als Atsuko sich umwandte sah sie nichts Besonderes. "Was ist denn?"

Yavru folgte dem Licht durchs Unterholz und zwischen den Bäumen hindurch. Fast meinte er, das Lichtding ab und zu leise kichern zu hören, als wollte es ihn auslachen. Das ärgerte den jungen Rüden ein wenig, und er beeilte sich noch mehr. Unteressen überlegte er, was er da überhaupt jagte.Für ein Glühwürmchen war es eigentlich eindeutig zu groß, aber wenn es in anderen Welten riesengroße Ratten gab, warum dann nicht auch übergroße Glühwürmchen? Hier in den Welten musste man anscheinend mit allem rechnen. Nun ja, wenn er es erwischte, würde er es sich genauer anschauen können. Und das könnte nicht mehr lange dauern, denn er hatte es fast schon eingeholt. Das Lichtwesen versuchte, hinter einem Baum in Deckung zu gehen, doch Yavru hatte das bemerkt und umrundete den Baum so schnell er konnte. Doch auf der anderen Seite war von dem Licht keine Spur mehr. Ihm blieb jedoch keine Zeit, sich großartig darüber zu wundern, denn er entdeckte vor sich zwei gestalten, einen Fuchs und einen Wolf. Und den Wolf kannte er! „Kyro!“ rief er erstaunt.

Kyro wurde von der Frage der Füchsin aus seiner Konzentration und Starre gerissen. Er wusste nicht, was genau los war, fand schlicht keine Worte dafür. Er hatte aber auch keine Zeit mehr zu antworten, denn Schritte wurden laut und ein paar Momente später durchbrach sein eigener, gerufener Name die entstandene Stille. "Yavru...", murrte er knapp zurück. Wieso waren die Jungtiere auch hier? Toll.

Zions Blick wurde wieder ausdruckslos, nur ein feiner Schatten des dämonischen Lächelns blieb zurück. Er blieb vor Xaron stehen, ohne dass etwas darauf hinwies, dass er verstand, was sein Gegenüber sagte. Nichts deutete überhaupt nur an, dass er sprechen konnte.

Atsuko beobachtete den jungen Wolf neugierig. Er schien ungefähr ihr Alter zu haben, doch sie war sich nicht sicher. "Hallo", sagte sie bemüht freundlich, "ich bin Atsuko. Und du bist?"

Yavru hatte nach dem, was sie in der Zwischenzeit erlebt hatten, die Auseinandersetzung mit Kyro schon beinahe wieder vergessen. Dieser jedoch anscheinend nicht, wie dessen mürrische Antwort erkennen ließ. Nicht, dass Xavru eine allzu herzliche Begrüßung erwartet hätte, Kyro war eindeutig nicht der Typ für sowas. Aber ein wenig hätte er sich schon freuen können, wenigstens nicht ganz alleine in diesem Wald zu sein, oder? Yavru tat das wenigstens. Wobei ganz allein ja gar nicht stimmte, wie er merkte, als der Fuchs ihn ansprach. Er hatte dem Fuchs wenig Beachtung geschenkt. Auch wenn es etwas ungewöhnlich wahr, dass sich ein Fuchs Wölfen so sehr näherte, war es nun auch nichts wirklich weltbewegendes, einem zu begegnen. Doch anscheinend war dieses Exemplar mehr als nur zufällig in Kyros Nähe. „Hallo Atsuko! Ich bin Yavru. Freut mich, dich kennen zu lernen!“

Kyro war nicht allein gewesen. Die Auseinandersetzung war ihm einelei, aber er mochte Yavru nicht plötzlich und es passte ihm nicht, dass er womöglich auf diesen aufpassen musste. Aus dem Smalltalk zwischen den beiden anderen klinkte er sich augenblicklich aus.

Xaron bemerkte, dass der transparente Riesenwolf aufhörte, böse zu lächeln, sondern ihn einfach nur weiter anstarrte. Leider hörte es nicht auf, weh zu tun. Und Xaron spürte, dass er langsam deutlich schwächer wurde. Allzu lange würde das nicht anhalten können, bevor er erschöpft zusammenbrechen würde. Und wenn der andere dann immer noch nicht mit dem aufhören würde, was er auch immer gerade tat … Xaron wollte lieber gar nicht darüber nachdenken. Der andere schien unterdessen gar nicht zu bemerken, das Xaron ihn angesprochen hatte. Jetzt, wo die Bosheit wenn auch nicht vollständig, so doch größtenteils aus dessen Gesicht verschwunden war, fragte sich Xaron, ob dieser womöglich gar nicht bemerkte, dass er Xaron gerade weh tat? Vielleicht wusste er ja gar nicht, was es mit anderen Wölfen machte, wenn er tat, was er gerade tat? Ängstlich fragte Xaron: „Kannst du bitte damit aufhören, was du gerade machst? Das tut mir weh. Und ich will dir nichts böses, also gibt es keinen Grund, mir weh zu tun. Ich verschwinde auch aus deinem Wald, wenn du möchtest. Du musst mir nur verraten, wie man hier wieder rauskommt, weil ich das leider nicht weiß.“

Atsuko war erleichtert, als sie eine ganz normale, freundliche Antwort erhielt. Sie hatte schon befürchtet, alle Wölfe aus der anderen Welt wären so wir Kyro, und da wäre es wirklich nicht sonderlich leicht sich mit ihnen anzufreunden. Sie hatte auch nicht wirklich das Gefühl, dass Kyro sie als Freundin betrachtete. Eher war sie vermutlich irgendein nerviges Anhängsel, doch zu ihrer Erleichterung schien Yavru da nicht besser dran zu sein. Er war immerhin freundlich zu ihr. "Mich freut es auch. Bist du schon länger in dieser Welt?"

Irilirs Augen tauchten zwischen den Ästen auf. Aber nicht nur die von ihr, sondern immer mehr. Mit jedem Herzschlag der Lebendigen sammelten sich mehr Lichtkobolde um sie herum. Kein Leuchten mehr, keines, außer die stechenden Augenpaare. Lautlos, geruchlos, unheimlich.

Kyro unterbrach die anderen beiden nicht. Er hatte die Gefahr nicht vergessen und im Grunde war es ihm egal, wenn Atsuko und Yavru sterben würden, wegen ihrem Plausch, den die beiden Idioten führten, als befänden sie sich irgendwo auf einer sonnigen Wiese, fern jeder Gefahr.

Yavru freute sich, dass der Fuchs ihm offenbar freundlich gesinnt war, auch wenn es ihn verwunderte, dass er so offen mit einem Wolf sprach. Normalerweise waren sie eher scheu, und auch nicht ganz zu unrecht. Zwar gehörten sie nicht ins Beutespektrum eines Wolfes, doch die wenigsten Wölfe waren erfreut, wenn ein frecher Fuchs ihnen zu nahe kam und womöglich gar versuchte, etwas von ihrer Beute zu erhaschen. Aber anscheinend war Atsuko, bei der es sich, wie Yavrus Nase ihm verriet, um eine Fähe handelte, schon eine Weile mit Kyro unterwegs gewesen. Es erstaunte ihn, das Kyro anscheinend mit einem Fuchs besser zurecht kam als mit seinen Artgenossen – wobei es Yavru gerade ja gewissermaßen ebenso ging. „Nein, ich bin auch gerade erst hier angekommen. Dann habe ich einen Schrei gehört, dann ein schreckliches Heulen, und schließlich noch einen Schrei, diesmal von einem Wolf. Ich dachte mir, dass eins meiner Rudelmitglieder in Gefahr ist, und bin dann losgelaufen, doch ich glaube, ich habe mich im Wald verirrt. Dann war da so ein Lichtding, und das wollte ich jagen, aber als ich es fast hatte, war es plötzlich weg, und dafür sah ich dann euch.“ Er hatte sich unterdessen so auf die Fuchsfähe konzentriert, dass er erst jetzt wieder um sich schaute. Und was er sah, ihn beunruhigte ihn sehr: Ihm war, als würden ihn hunderte Augenpaare aus der Dunkelheit anschauen. „Was ist das?“, fragte er leise.





Geschlecht


Alter


Größe


Status


Charakterbogen


Lu, Kyro, Josh, Lio





Ich mag den Duft der Sonne
Und wie der Regen singt
Den Geschmack des Mondes
Und wie der Nebel klingt

Ich mag die Sterne fühlen
Und der Berge klang
Mag hinter Himmeln sehen,
Wo die Welt begann
29.10.2017 18:58
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Lijenna
Lillyan Caesar






Art
Wolfsträumer

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Syrayn hatte nicht wirklich lange Zeit, um sich in Iliseya umzusehen. Ihm wurde gewahr, dass der Regen nicht vom Himmel fällt, sondern zu diesem aufsteigt, ehe Xanthara hinter ihm in der Welt landete. Sie schaffte es, gerade den Namen der Welt auszusprechen, als die Reise für Syrayn und seine drei mitreisenden Pelzlinge weiter geht. Der Jungrüde findet sich nun in einer düsteren, nebligen Nacht wieder, zwischen gigantischen Bäumen, deren Äste sich so ineinander verwoben haben, dass man den Himmel auch dann nicht sehen könnte, wenn kein Nebel über der Welt liegen würde. Mächtige Wurzeln verhindern an allzu vielen Orten, dass man einem Pfad weiter folgen kann. Der gesamte Wald ist ein Irrgarten und tiefe Beklemmung liegt über allem. Ein namenloses Grauen geht um. Die Wölfe können es spüren. Es kriecht ihnen unaufhörlich von den Pfoten zum Herzen und lässt sie frösteln. Die Angst macht die Welt kalt. Yavru, Atsuko und Kyro stehen auf einer Lichtung, die diesen Namen nicht verdient hat, da das Licht der Sonne sie nie berührt hat. Sie sind umringt von kleinen Lichtkobolden, die im Augenblick nur als leuchtende Augenpaare zu sehen sind. Xaron befindet sich bei Zion, dem Geisterlicht, das dem Rüden die Fähigkeit genommen hat, sich zu rühren und langsam das Leben aus ihm heraussaugt. Nicht physisch, wohlgemerkt. Der Wald wird umringt von Grasflächen, die ein Tal teilt. Jede Grasfläche wird wiederum von Wald umgeben, aber es ist derselbe Wald, der auch im Mittelpunkt der Welt steht. Er ist innen und außen und wieder innen.

Syrayn wusste gar nicht mehr wie ihm geschah. Eben noch hatte er bei den anderen gestanden und auf einmal war er ganz wo anders. Doch noch ehe er auch nur einen einzigen Geruch dieser neuen Welt wahrnehmen konnte, ging die Reise auch schon weiter. Mit schwirrendem Kopf sah sich der Rüde nun in der Welt um, in die er jetzt gekommen war - wohlgemerkt schon seine 4... Verwirrt machte er einen Schritt vorwärts und flog gleich einmal auf die Nase, da sich die Welt um ihn immer noch zu drehen schien. War ihm das Reisen nicht gut bekommen? Mit einem Grunzen blieb er erst einmal auf dem Boden liegen und steckte den Kopf unter die Pfoten, auf dass sein Blick wieder klar werden würde.

Xanthara seufzte innerlich. Iliseya wäre ihr sehr viel lieber gewesen, aber als Syrayn nach Togruduna gezogen wurde, musste sie wohl oder übel folgen. Ihr selbst machte das Reisen äußerst selten etwas aus. Sie war zu oft durch alle möglichen Welten gesprungen und wusste, dass sie bald wieder in Mandri landen würde. Ihre Ausflüge von dort weg waren immer sehr kurz. "Auch das noch...", seufzte sie entnervt. "Ihr jungen Weltenreisenden zieht das Pech doch an wie die Fliegen..."

Atsuko blickte auf die Lichtung, von welcher sie gekommen waren. Sie war so düster, dass es ein Wunder war, dass sie noch ihre eigene Farbe erkannte, und man hatte das Gefühl, dass man hier nie wieder Licht sehen würde. (Abgesehen natürlich von kleinen Lichtern, die einen in die Irre führen und dann nervtötend auslachen.) Gab es denn keinen Ausweg? "Du hast doch gesagt,", wandte sich Atsuko an Kyro und versuchte angestrengt, sich an ihre frühere Unterhaltung zu erinnern "du wurdest von einer Wölfin hergeschickt, die sagte... man müsse Aufgaben erfüllen, bevor man weiterkann, nicht wahr?"

Kyro verzog das Gesicht. "Geschickt... ist wohl nicht der richtige Ausdruck. Sie hat mich gebissen... und mich höllische Schmerzen leiden lassen und bei dem Versuch, irgendetwas gegen sie zu tun, hab ich den Kopf ins Wasser gesteckt und bin irgendwo anders gelandet."

Syrayn fühlte sich nach kurzer Zeit schon besser. Er konnte ein angenehmes Vibireren wahrnehmen, das allerdings nicht von ihm kam. Als er vorsichtig seinen Kopf hob und die Ursache dieser Vibration suchte runzelte er verwirrt die Stirn. Dort saßen drei Dinger. Weiß. Pelzig. Schnurrend. Wollten die Flauschis ihm Komfort und Wohlbefinden geben? Das Komische daran war allerdings, dass es wirklich zu helfen schien. Als er dann Xantharas Stimme hörte überraschte es ihn nicht, dass sie nun auch hier war. Er hatte das Gefühl, dass ihn so schnell nichts mehr die Sprache verschlagen würde - zu viele unglaubliche Dinge waren in dieser wenigen Zeit passiert. "Was daran würdest du jetzt als Pech beschreiben?" Es war zwar etwas dunkel, aber zumindest befanden sie sich nicht wieder unterwasser und mussten damit rechnen gleich zu ersticken aufgrund von Lustmangel. Und einer ihrer Gefährten wurde auch nicht gerade von Pelzlingen erdrückt. Das war doch schon einmal eine verbesserung.

Xanthara machte ein düsteres Gesicht, was zu der Welt passte, in der sie sich befanden. "Diese Welt ist Böse...", hielt sie kurz fest, ehe sie langsam loslief und dabei auf die Umgebung lauschte. "Und sie ist lebensfeindlich. Also definitiv ungut für lebende Wesen wie uns..."

Syrayn konnte nicht recht glauben, dass eine gesamte Welt böse sein konnte. Vielleicht ein paar Wesen der Welt, aber sicher nicht alle, oder? ... Oder? ODER? Als Syrayn ein seltsames Geräusch hinter sich hörte, sprang er auf und folgte Xanthara. Vielleicht hatte er sich doch geirrt? War gerade eine dieser bösen Gestalten hinter ihnen her? "Kommt mit Plüschis ... Wir bleiben nicht nicht alleine."

Yavru starrte weiterhin auf die leuchtenden Augen, die sie umringten – und wiederum anstarrten. Er empfand das als äußerst unheimlich und bedrohlich. Dennoch lauschte er, wie sich Atsuko und Kyro unterhielten. Ja, eine Aufgabe. Aber was konnte das hier sein? Yavru wusste nicht einmal, was er in den Welten, in denen er zuvor gewesen war, für eine Aufgabe gelöst hatte, um weiterzureisen. Es schien ihm vielmehr so, als erfolgten die Weltenwechsel vollkommen willkürlich. Er schwieg aber vorerst, da er vermutete, dass diese Einschätzung sie auch nicht weiterbringen würde.

Xanthara führte die Bande auf verschlungenen Pfaden durch die düstere, böse Welt. Sie folgte genau einem Ziel, das sich zufällig auch in diesem Wald befand und je deutlicher sie es fühlen konnte, desto schneller lief sie.

Ceran staunte nicht schlecht, als einer der Wölfe plötzlich verschwand. Erst glaubte er, er sei einfach hinfort gehüpft - doch als ihm klar wurde, dass er einfach verpufft war, wuchs seine Neugier so lange an, bis er es wagte, sich in die Richtung der Wölfe - beziehungsweise nun der einzelnen Wölfin - zu strecken. Dabei hielt er sich mit seinem Rattenschwanz an einer der vielen Weinreben fest. // Plötzlich verlor er das Gleichgewicht und purzelte nach vorn. Sein Schwanz konnte den Sturz zwar ein wenig abfangen, doch er war nicht stark genug, um ihn zu halten. Während er stürzte, drehte sich alles um ihn herum. Er schob es auf das Adrenalin. Doch er fiel viel länger als erwartet, und angsterfüllt riss er die Augen auf, als er feststellen musste, dass wieder Wald um ihn herum war und er von einem der Bäume hinabfiel. Inmitten einer Suppe aus milchiger.. Luft? - Zumindest atmen konnte er. "Waaaah!", stieß er panisch aus.

Syrayn brach nach einiger Zeit endlich das Schweigen und fragte: "Was genau lauert denn Böses in dieser Welt? Gibt es vielleicht auch weniger ... düstere Orte hier?" Der Rüde wollte wieder in die vorherige Welt, die so schön abendlich und friedlich gewirkt hatte. "Und welches Ziel versuchen wir denn in diesem Irrgarten zu finden?"

Xanthara sah nicht zu Syrayn zurück, aber sie beantwortete dessen Frage: "Die Welt wurde durch einen Fluch erschaffen und versucht sich Seelen einzuverleiben.", erklärte sie. "Wenn es ihr gelingt, werden sie zu weiteren untoten Bewohnern... die genauso auf Jagd nach Seelen gehen... bis sie vergehen..." Sie lief noch ein bisschen schneller, wich geschicht den Tricks der Bäume aus und steuerte auf eine ganz bestimmte Lichtung zu. "Diese Welt hält keine Lehre bereit... das einzige, was man hier erfüllen muss, ist es, am Leben zu bleiben, bis sich das nächste Tor öffnet..."

Atsuko peitschte unruhig mit dem Schwanz hin und her. "Ja, aber sie hat gesagt, dass du Aufgaben erfüllen musst, oder?", fragte sie Kyro.

Syrayn lief weiter hinter Xanthara her. Zwar war er nicht so geschickt in der Bewegung wie sie, aber zumindest wurde der Abstand zwischen ihnen nicht größer und es geschah auch nur äußerst selten, dass er über Wurzeln stolperte, die genau so aus dem Boden wuchsen, dass man aber auch gar nicht anders konnte, als zu stolpern. Je weiter sie liefen, desto kleiner fühlte er sich und desto geduckter lief er. Diese Welt jagte ihm einen Schauder über den Rücken. Die Pelzlinge hopsten brav hinter oder wahlweise auch neben ihm her. Warum waren sie überhaupt hier? Die Antwort von Xanthara behagte ihm nicht. Hier lebten also Untote. Ober besser gesagt sie befanden sich hier, denn leben taten doch nur lebendige Wesen ...? War das nicht die Definition von "leben"? In nüchternem Tonfall meinte er dann zu der Fähe: "Also werden wir schlussendlich doch noch sterben. Du vielleicht nicht, aber wir Unwissenden. Außer du verwendest deine wertvolle Zeit dazu uns zu retten. Ist es nicht so? Du wikst so, als hättest du Besseres vor. Warum tust du es dann?"

Xanthara wurde gerade mit Fragen belästigt. Sie hatte besseres zu tun, als Antworten auszuspucken, wie ein Automat. Sie hatte hier auch überleben müssen, ohne dass ihr irgendjemand geholfen hatte. War schon ein Weilchen her, aber Wächter hatten sich nie um sie gekümmert. Sie machte zwei weite Sprünge und landete direkt auf der Lichtung. "Die einzige Aufgabe, die ihr erfüllen müsst und das einzige, was es hier zu tun gilt, ist, in Bewegung zu bleiben.", murrte sie. "Und was macht ihr? Lasst euch von Lichtkobolden einkreisen, die euch euer Leben aussaugen, nur indem sie euch anschauen!" Sie schnappte nach Atsuko, Kyro und Yavru. "Na los! Bewegt euch! Oder wollt ihr sterben?!"

Irilir stieß einen Schrei aus, der sich über die Seinen ausbreitete und anschwoll, als wäre der Teufel los. Vielleicht war er das auch. Entrüstung machte sich unter den Augenpaaren aus. Lautes Gezeter erfüllte die Luft und ließ den Wald einmal mehr erschaudern. Offenbar waren die Lichtkobolde nicht ganz glücklich, über Xantharas Einschreiten...

Syrayn schnaufte unhörbar. Wieso waren in letzter Zeit nur alle so unfreunlich? Aber gut, Unfreundlichkeit, Unmut und Unzufriedenheit war er gewohnt - war es doch gefühlte Ewigkeiten her, dass sie sich einmal in lebensfreundlicher und angenehmer Umgebung aufgehalten hatten, in der das GESAMTE Rudel entspannen und zu Ruhe kommen konnte. Syrayn beschloss einfach nicht mehr zu sagen und Xanthras Rat dankbar anzunehmen. In Bewegung bleiben, das könnte er hinbekommen. Als dann ein ohrenbetäubender Schrei ertönte er schien ihm "in Bewegung bleiben" im Sinne von "weglaufen" keine schlechte Idee. "Yavru, laufen, schnell!" Von Kyro hielt sich der Jungrüde besser fern, denn er war schon in der Abendwelt eher aggressiv gewesen. Er wollte nicht riskieren angeschnauzt zu werden, weil es Kyro nicht passte, wenn Jungwölfe etwas zu ihm sagten.

Yavru begann, sich über Kyro zu ärgern. Zwar bezweifelte er, dass dieser ihnen eine große Hilfe dabei sein könnte, hier rauszufinden, aber der alte Rüde schien es nicht einmal versuchen zu wollen. Wollte er unbedingt hier in diesem scheußlichen Wald zugrunde gehen? Er wusste hinterher selbst nicht, ob er seinem Ärger irgendwann Luft gemacht hätte, auch wenn das bedeutet hätte, einen erneuten Streit mit Kyro vom Zaun zu brechen und damit ihre Lage noch weiter zu verschlimmern. Doch es sollte nicht dazu kommen, denn plötzlich tauchte ein weiterer Wolf auf. Es war Xanthara, die sie zuletzt in Mandri gesehen hatten, wo sie zuletzt Kyro gebissen hatte, was dieser ja gerade selbst erzählt hatte. Und was Xanthara sagte, jagte Yavru Angst ein. Diese Leuchtdinger, Lichtkobolde hießen sie also, saugten ihnen ihr Leben aus, indem sie sie anschauten? Er hatte die Augen ja für bedrohlich gehalten, aber nicht gedacht, dass sie regelrecht gefährlich waren. Einen Moment war er wie erstarrt, aber als um ihn herum ein schrilles Gekreische losging und Xanthara zudem nach ihm schnappte, rannte er los. Erst als er schon in Bewegung war, ging ihm auf, dass er weder darauf geachtet hatte, wohin er rannte, noch darauf, was die anderen taten.

Kyro war einen Augenblick lang verwirrt, dann erkannte er die Wölfin als die, sie sie war. Ein Grollen entwich seiner Kehle und mischte sich in das Schreien der Viecher, die sie eingekreist hatten. Weglaufen? Vorher hatte er noch eine offene Rechnung zu begleichen! Er wollte Blut! Er wollte sie zerfetzen! Im Bruchteil einer Sekunde war er bereit, auf sie zuzuspringen und sie anzugehen und genauso schnell riss ihn der Schmerz von den Pfoten und ließ sein Schreien mit dem der Lichtkobolde verschmelzen. Was um ihn herum passierte, nahm er nur durch einen dumpfen Schleier wahr.

Xanthara beobachtete Kyro unbeeindruckt und grinste ein bisschen, als der Rüde vor ihren Pfoten zu Boden ging. "Spar dir deine Kräfte lieber für die Flucht. Sonst bist du die erste Seele, die sich die Welt einverleibt.", säuselte sie ihm zu. "Du wirst nie wieder im Zorn Blut vergießen, dummer Wolf."

Syrayn wollte auf keinen Fall länger hier stehen bleiben. Als Yavru wegrannte, sprintete Syrayn ihm hinterher. Zwar hatte der andere Wolf ihn irgendwie vollkommen ignoriert, aber er schätzte es, dass er nun nicht alleine weglaufen musste. Das würden sie schon hinbekommen. Sie mussten dochnur laufen hatte Xanthara gesagt. So lange, bis ein neues Tor auftauchte. Das konnte doch nicht so lange dauern. "Yavru? Häng mich nicht ab, bitte ...", bat Syrayn den anderen, der immer noch so schnell lief, wie er nur konnte. Sie sollten vielleicht nicht unbedingt sprinten, wenn sie nicht wusste, wie lange sie würden in Bewegung bleiben müssen.

Yavru verlangsamte erst, als er eine bekannte Stimme hörte. Syrayn! Er hatte zwar im Moment des Loslaufens noch geglaubt zu hören, wie dieser ihm zugerufen hatte, wegzulaufen, doch es in dem lauten Gekreische und der plötzlich ausbrechenden Panik für eine Einbildung gehalten. Doch anscheinend war Syrayn zusammen mit Xanthara hierher gekommen, nachdem sie beide zuletzt in Mandri gesehen hatten. Yavru blieb nicht stehen, aber lief jetzt so langsam, dass Syrayn zu ihm aufholen konnte. Hoffentlich waren sie trotzdem noch schnell genug, um den Lichtkobolden zu entgehen!


Atsuko verstand erstmal gar nichts, als noch eine Wölfin auf die Lichtung preschte und begann, ihr Befehle zu erteilen, doch die Anderen schienen sie zu kennen. Als Yavru beim Ertönen des Gekreisches dann davonschoss, beschloss sie es ihm gleichzutun. Sie war schon einige Schwanzlängen weit gekommen, da ließ sie ein anderer Schrei innehalten. Sie meinte, Kyros Stimme zu erkennen, und ihr fiel auf, dass er nicht mit ihnen geflohen war. Kurz war sie hin und hergerissen, dann beschloss sie kurzerhand, ihm zu Hilfe zu eilen.

Syrayn trabte nun gelassener hinter Yavru her. Den allgemeinen Aufruhr hatten sie mittlerweile so weit zurückgelassen, dass man zumindest das Kreischen nicht mehr unangenehm laut in den Ohren vernahm. "Laut Xanthara dürfen wir die Kobolddinge nicht ansehen und müssen uns immer bewegen, damit sie und auch nicht ansehen können. Wenn wir das tun sollten wir in der Lage sein unser Leben zu bewahren und nicht von dieser Welt verzehrt zu werden. So zumindest Xantharas Worte"

Kyro schrie auf, vor Schmerz und Frustration, vor Wut und Verzweiflung, weil die Wut den Schmerz schürte und er sich nicht dagegen wehren konnte. Xanthara machte ihn rasend! Aber rasend zu werden, raubte ihm die Möglichkeit, über irgendetwas anderes nachzudenken, als über den Schmerz. Diesen Kampf führte er für den Moment also gegen sich selbst, obwohl er so viel lieber gegen Xanthara gekämpft hätte.

Yavru hörte zu, wie Syrayn ihm erzählte, was er wiederum von Xanthara erfahren hatte. Es beruhigte ihn etwas, dass sie zumindest solange sie sich bewegten nicht in Gefahr waren. Aber nur etwas, denn einerseits war es schwer, etwas nicht anzuschauen, denn wenn man das versuchte, schaute man es schon fast zwangsläufig an. Und andererseits, und das war viel schlimmer, konnten sie nur eine gewisse Zeit in Bewegung bleiben. „Und was machen wir, wenn wir müde werden? Irgendwann können wir uns nicht mehr bewegen und müssen uns ausruhen, irgendwann sogar schlafen. Was passiert dann?“

Syrayn war auch zu dieser Überlegung gekommen. "Wir sollten einfach hoffen, dass das Tor auftaucht bevor wir uns in einer solchen Lage wiederfinden ..." Syrayn verlangsamte seinen Schritt noch etwas, um so viel Kraft zu sparen wie er konnte. "Ich denke, wir können auch einfach gehen. Es geht doch darum, dass wir in Bewegung bleiben und die Kobolde uns nicht anschauen können, sodass wir dann sie anschauen. Aber ich weiß auch nicht ... Ich komm mir vor, als würde ich nur dummes Zeug reden."

Xanthara ließ Kyro toben und verließ die Lichtung, um Yavru und Syrayn zu folgen. Irgendwer musste schließlich aufpassen. An der Farbenfüchsin lief sie vorbei und bedeutete dieser, zu fliehen, aber sie hielt sich nicht weiter mit ihr auf. Jeder war nun gewarnt und konnte selbst entscheiden, ob er davon lief, oder sich auf den Tod vorbereitete...

Xaron verlangsamte noch mehr. „Du hast recht, wir sollten unsere Kräfte sparen. Gerade wenn wir nicht wissen, wie lange das noch so weiter geht.“ Er hatte versucht, erwachsen zu klingen, doch er konnte es nicht lange durchhalten, bis man ihm seine Angst wieder anmerkte. „Es ist aber schwierig, etwas nicht anzuschauen. Es zieht den Blick gerade dadurch auf sich. Und allein die Vorstellung ist irgendwie unheimlich.“

Yavru verlangsamte noch mehr. „Du hast recht, wir sollten unsere Kräfte sparen. Gerade wenn wir nicht wissen, wie lange das noch so weiter geht.“ Er hatte versucht, erwachsen zu klingen, doch er konnte es nicht lange durchhalten, bis man ihm seine Angst wieder anmerkte. „Es ist aber schwierig, etwas nicht anzuschauen. Es zieht den Blick gerade dadurch auf sich. Und allein die Vorstellung ist irgendwie unheimlich.“

Atsuko nickte der Wölfin dankbar zu, als sie an ihr vorbeihuschte, da sie irgendwie wusste, dass sie vollkommen recht hatte, wenn sie ihnen befahl, zu flüchten. Allerdingskonnte sie ja auch nicht einfach Kyro bei den Kobolden mit was auch immer für einem Problem zurücklassen, also rannte sie zurück auf die Lichtung, wo sich Kyro mit schmerzerfüllten Gesicht am Boden wälzte. "Kyro! Was ist los? Steh auf und renn weg!"

Yanthra fühlte sich unwohl, dies war nicht der Wald den sie kannte. Sie setzte vorsichtig eine Pfote auf und ihre Ohren versuchten etwas bekanntes einzufangen, doch irgend etwas war hier falsch gelaufen, nur was? .oO(ich muss falsch abgebogen sein... nur wo ... )
Kyro wollte Xanthara nachsetzen und seine Zähne in ihr Fleisch graben, aber es ging nicht. Der Schmerz ließ es nicht zu und so blieb er zurück, allein mit sich und seinem ausgewachsenen Aggressionsproblem. Und dann doch nicht ganz allein. Mit der Lust, Xanthara zu zerfleischen, verschwand die Wut und mit dieser der Schmerz. Nicht ganz... aber zumindest der überwältigende Teil, der ihn hatte schreien lassen. Er blickte zu Atsuko auf.

Yanthra blieb stehen, diese gegend kannte sie nicht und so entschied sie sich für den richtigen Weg. Sie hob ihren Kopf in den Nacken und heulte, sanft und leise, rief nach bekannten Gerüchen und eventuell nach anderen Wölfen.

Um Yanthra erhebt sich bedrohliches Geschrei. Ein paar Augenpaare tauchen in der Dunkelheit auf und scheinen zu Wesen zu gehören, die sie umzingelt haben.

Yanthra blieb stocksteif stehen. Ihre Ohren zuckten nervös herum und sie blickte sich um. Augen, in Formen, die sie nie zuvor gesehen hatte, blickten sie an. Ihre Gedanken rasten, wo war sie nur gelandet. Ihr Fell richtete sich auf und egal, wie sehr sie sich versuchte zu beruhigen, die Angst ergriff Part von ihrem Körper und sie wollte nicht länger hier verweilen. Ihre Beine und Pfoten wollten weg und so folgte sie ihrem Instinkt

Syrayn konnte Yavrus Angst gut nachvollziehen. "Deswegen wollte ich ja nicht alleine weglaufen. Das wäre noch viel gruseliger gewesen. Jetzt haben wir zumindest uns beide." Allerdings wusste Syrayn nicht wirklich, was sie jetzt machen sollten. Er hatte langsam wirklich Hunger - in der letzten Welt war aus dem erhofften Mahl ja nichts geworden. "Worüber ich mir aber grade Sorgen mache ist, ob wir irgendwas zu fressen finden werden, falls wir länger hier bleiben müssen ... Ich habe seit ewigkeiten nichts mehr gegessen!" Syrayn fühlte sich nicht so fit wie normalerweise. Sein letztes Mahl war wirklich schon zu lange her gewesen.

Xanthara hatte eigentlich versucht, Yavru und Syrayn zu folgen, aber der Wald hatte sie überlistet und so konnte sie nichts tun, als ihrem eigenen Weg zu folgen. Ihre Pfoten trugen sie geschickt an den vielen Sackgassen vorbei, unter Wurzeln hindurch und über andere hinweg. Letztlich landete sie bei einer ihr unbekannten Wölfin (Yanthra). "Nicht stehen bleiben... wer sich nicht bewegt, stirbt!"

Yanthra zuckte zusammen, als sie eine Stimme vernahm. Sie dachte, sie wäre alleine blickte Xanthara an, beruhigte sich jedoch schnell, als sie eine Wölfin erkannte... "Wulf und Wulfin sei Dank. Ich bin nicht alleine hier...", sagte sie. "Hallo, ... wo bin ich hier, was ist passiert?"

Yavru hatte zumindest die Weintrauben von Ceran im Magen, auch wenn ihm bewusst war, dass das nicht lange vorhalten würde. Aber wenn Syrayn womöglich seit seiner Ankunft in den Welten nichts mehr gefressen hatte, musste er langsam wirklich hungrig sein. „Leider habe ich hier bisher keine Beute wittern können, wobei wir auch nicht unbedingt darauf geachtet haben, nach den gruseligen Erlebnissen hier. Aber was Xanthara gesagt hat, klang nicht so, als könnte etwas Lebendiges hier lange überleben, also gibt es wohl eher keine Beute. Vielleicht gibt es Beeren oder so, aber ich habe noch keine gesehen. Wir können nur hoffen, hier bald wieder rauszukommen und dann irgendwo zu landen, wo wir uns in Sicherheit ausruhen können und auch etwas zu fressen finden.“

Xanthara verzog das Gesicht. "Nein. Aber wenn du weiter hier verweilst, werde ich allein hier sein.", zog sie die naive Fähe auf und folgte dem nächsten Pfad, in der Erwartung, dass die andere ihr folgte. "Du befindest dich hier in Togruduna, einer Düsterwelt... Wenn du zuvor nie in einer fremden Welt gelandet bist... dann beglückwünsche ich dich hiermit zu dem Beginn deiner Reise." Sie sah noch kurz zu der Wölfin, ehe sie weiter lief. Immer in Bewegung bleiben. Wer stehen blieb, den holten die Untoten.

Yanthra war etwas verwirrt, aber es war eine Wölfin und so folgte sie ihr. Yanthra wusste ja nicht, wo sie war und die Fremde schien dies zu wissen, also blieb sie lieber bei ihr.
"Togruduna? Was ist das für ein Ort?"

Xanthara seufzte innerlich genervt. "Togruduna ist der Name dieser Welt. Die Welt entstand durch einen Fluch... in ihrem Kern existiert das namenlose Grauen, etwas Böses... und die Wesen die hier umgehen, versuchen den Lebendigen ihr Leben auszusaugen, um die Seelen für die Welt zu gewinnen."

Syrayn fand die Idee, einen sicheren platz zu suchen, nicht schlecht. Aber er war auch neugierig, was bei den anderen so passiert war. "Ich weiß überhaupt nicht, wie ich jetzt hierhergekommen bin. Auf einmal war ich weg, als Laelia und Kyro zu streiten begonnen haben. Das nächste was ich gesehen habe war eine, wie soll ich sagen, nebelige Welt. Aber da war ich nur für einen sehr kurzen Augenblick. Dann bin ich auf einmal hier gelandet und Xanthara war neben mir. Achja ... und die Pelzdinger sind irgendwie mit mir gegangen. In der Not können wir ja die verspeisen." Diese Worte schienen den kleinen weißen Plüschis allerdings nicht zu gefallen. Schnell hüpften sie einige Meter weiter weg in Sicherheit.

Xanthara verzog mürrisch das Gesicht. "Die Welten haben ihren eigenen, großen, unergründlichen Plan, wen sie sich wann holen.", erklärte sie mit erzwungener Geduld. "Sie haben entschieden, dass du ein paar Lektionen zu lernen hast... nur erteilt Togruduna keine Lektionen... Diese Welt will sich dich einfach nur einverleiben. Unsere einzige Chance ist es, zu überleben, bis sich das nächste Tor öffnet..."

Atsuko wartete ein paar Sekunden, ob Kyro vielleicht noch mehr tun wollte, als sie anzustarren. Als das nicht der Fall war, redete sie einfach weiter auf ihn ein, da sie keine Ahnung hatte, was sie sonst tun könnte. "Steh auf! Hast du nicht gehört was diese Wölfin gesagt hat? Wenn wir uns nicht bewegen, sind wir tot. Also komm schon, sonst stirbst du hier undd ich gleich mit dir!"

Yanthra blieb schweigend neben der fremden Wölfin. Yanthra war eine junge Wölfin, gerade mal von ihrem Rudel weg und sie erinnerte sich an Geschichten ihrer Mutter, in denen Sie eine Prüfung bestehen musste, um erwachsen zu werden. Vielleicht war dies diese Prüfung. Sie blickte zu der fremden Wöfin. "Mein Name ist Yanthra, ich komme vom Eiswüstenclan."

Kyros Gesichtsausdruck verriet, dass er immer noch Schmerzen hatte. Er richtete sich auf und fuhr sich mit der Pfote mehrere Male über das Ohr, das am meisten wehtat. Dort, wo diese Xanthara ihre Zähne und ihr Gift versenkt hatte. Verdammt nochmal! Als die Wut wieder in ihm hochkroch, winselte er sogleich und versuchte, tief durchzuatmen, um sie niederzukämpfen.

Yavru lauschte aufmerksam, was Syrayn erlebt hatte, auch wenn es nicht allzu viel war. „Xanthara hat Kyro gebissen, dann hatte er solche Schmerzen, dass er schreiend ins Wasser gerannt ist, und dann war er weg. Wir, also Laelia und ich, sind hinterher. Und dann waren wir in einer Welt, die aussah, wie Shinaii, aber es irgendwie nicht war. Kyro hatte sich in den Kopf gesetzt, den ganzen Weg unserer Flucht noch einmal zu gehen, in der Hoffnung, die anderen wiederzufinden, aber Laelia wollte nicht, und dann bin ich bei ihr geblieben: Dann hat sich die Welt plötzlich gewandelt, und dann war da eine riesengroße Ratte, die aber sprechen konnte. Die hieß Caran und hat uns Weintrauben angeboten. Daher habe ich zumindest ein bisschen was gegessen. Und dann wollte ich etwas jagen gehen, bin aber stattdessen hier gelandet.“ Er hoffte, Syrayin mit seinem hastigen aber doch recht ausführlichen Bericht nicht zu langweilen, aber andererseits war ein wenig Ablenkung jetzt vermutlich gar nicht so verkehrt. „Oh, die Pelzlinge sind ja immer noch bei dir!“ Bei dem Chaos hatte er bisher gar nicht darauf geachtet. Ihm gefiel die Idee, einige davon zu fressen,m allerdings immer noch nicht. Aber wenn man keine andere Wahl hatte …

Xanthara hörte sich das an. "Schätzchen... ich bin Xanthara und ich habe viele Welten bereist und viele Clans, Arten und Rassen kennengelernt... aber von einem Eiswüstenclan habe ich nie gehört.", verriet sie neutral. "Ich glaube nicht, dass du besonders vielen Seelen begegnen wirst, die je davon gehört haben. Du kannst froh sein, wenn du Wesen begegnest, die wissen, dass du ein Wolf bist."

Als Yavru und Syrayn weiter gehen, fällt ihnen ein Schimmer aus, der zwischen dem Unterholz hindurch scheint. Falls sie der Sache auf den Grund gehen, finden sie Xaron, der regungslos vor Zion steht.

Yanthra zuckte innerlich zusammen. Sie hatte, trotz ihrer Jugend, genug erlebt und das was ihr nun durch die Gedanken jagte, war alles andere als angenehm. Das Problem bei Yanthra war, sie hörte eher selten auf ihre innere Stimme und egal, was die Worte Xantharas bei ihr auslösten, sie war ein Wolf und für Yanthra reichte es, dennoch dachte sie über die Worte nach. "Du hast viele Welten bereist? Aber... es gibt doch nur..." Sie hielt inne, irgendetwas machte sie stutzig, doch erneut schüttelte sie den Kopf. "Gibt es noch mehr von uns hier? Bringst du mich zu ihnen?" Man merkte, Yanthra war noch ein Jungwolf

Xanthara schnaubte. "Sieht das hier so aus, als könnte ich mal eben einfach irgendwo hinspazieren, um dich irgendjemandem vorzustellen? Wenn wir Glück haben, lässt uns der Welt zu ihnen finden... Ansonsten... finden wir entweder ein Tor, oder wir sterben, sobald wir zu müde sind, um weiter in Bewegung zu bleiben."

Yanthra ließ die Rute hängen ... das waren ja schöne Aussichten, dennoch, sie gab nie auf. Yanthra erinnerte sich an ihre Kindheit bei ihren Elten. Oft hatte man ihr gesagt, dass sie zu nichts nutze sei, sie hätte ein Rüde werden sollen, dann hätte sie das Rudel führen können. Ein Wurf von 6 Fähen... Aber Yanthra gab nie auf. "Nicht nachlassen. Wir müssen daran glauben, wir müssen es wollen." Yanthra gewann die Zuversicht und den Mut und so hob sie den Kopf... "Wir geben nicht auf, wir sind Wölfe... oder?"

Xaron stand immer noch vor dem seltsamen transparenten Riesenwolf. Immer noch starrte dieser ihn an, und immer noch tat er ihm auf unverständliche Weise weh. Unter dem stechenden Blick verließen ihn seine Kräfte immer mehr. Er konnte sich kaum noch auf den Beinen halten. Und entweder konnte sein Gegenüber nicht verstehen, was er bei Xaron bewirkte – oder es war ihm schlichtweg egal. Xaron wollte gerade die ihm noch verbliebene Kraft zusammennehmen und um Hilfe schreien, in der Hoffnung, dass irgendwelche anderen Wölfe in der Gegend waren, die ihm freundlicher gesinnt waren, da brachen neben ihm Yavru und Syrayn durchs Unterholz, und aus seinem beabsichtigten Schrei wurde ein Winseln: „Helft mir! Er tut mir weh!“

Syrayn blieb wie angewurzelt stehen, als er Xaron entdeckte. Aber nicht der Wolf machte ihm Angst. Es war das, was neben Xaron stand. Ein weißes, flammenartiges Etwas, wie Syrayn jetzt sah. Und es schien Xaron weh zu tun. Aber etwas ließ Syrayn stocken und nicht sofort zur Hilfe eilen. "Yavru ... warte ... das Ding scheint mir ähnlich zu sein, wie die Kobolde. Es sieht Xaron mit so einem Blick an ... und Xaron bewegt sich nicht. Wir müssen zuerst entscheiden, wie wir vorgehen sollen. Wenn wir dieses Ding nicht ansehen dürfen, wie wollen wir Xaron helfen? Einfach mit geschlossenen Augen diesen fremden Feuerwolf umrennen, dass er hoffentlich seinen Blick von Xaron löst?"

Atsuko sah erleichtert zu, wie Kyro aufstand. "Auf gehts!", meinte sie und trabte los, wobei sie darauf achtete, dass er ihr folgte.

Kyro stolperte hinter Atsuko her und verstand nun, was Xanthara damit gemeint hatte, dass sie ausgesaugt wurden. Er fühlte noch immer Blicke auf sich und diese ließen seinen Körper leicht kribbeln. Dabei legte sich eine Müdigkeit über ihn, die sich befremdend anfühlte. Kyro versuchte, mit Atsuko Schritt zu halten...

Yavru blieb erstaunt stehen, als er plötzlich zwei Wölfe vor sich sah, und er merkte, dass Syrayn es neben ihm genauso tat. Der eine Wolf war Xaron. Yavru mochte den Rüden nicht besonders, da er ganz offensichtlich nicht die größte Leuchte im Rudel war, um nicht zu sagen: ziemlich dämlich. Aber er war ein Mitglied des Rudels und anscheinend in Gefahr, und daher war es für Yavru keine Frage, ihm zu helfen, sofern es ihm möglich war. Der andere Wolf war kaum als solcher zu bezeichnen. Er sah zwar von der Gestalt her aus wie einer, aber er war nicht nur extrem groß, sondern sein Fell schien auch in Flammen zu stehen. Und das unheimlichste war, dass man durch ihn hindurch schauen konnte. Offensichtlich war er der Grund, wegen dem Xaron um Hilfe gebeten hatte. Die beiden starrten sich unentwegt an, aber Xaron schien irgendwie unter dem Blick des anderen zu leiden. Yavru wollte gerade loslaufen um Xaron zur Hilfe zu kommen, da hörte er, wie Syrayn ihn warnte. „Ja, du hast vermutlich Recht. Wir müssen aber aufpassen, dass wir genau in die richtige Richtung laufen, wenn wir nicht hinschauen dürfen.“

Atsuko blieb entnervt stehen, als sie merkte, dass Kyro langsamer wurde. Als sie sich umdrehte, sah sie zu ihrer Überraschung, dass er scheinbar schlicht nicht mit ihrem Tempo mithalten konnte. War er doch SO alt? Nein, vorhin, bei ihrer erfolglosen Flucht von der Lichtung hatte sie Probleme gehabt mit ihm mitzuhalten, und sie hatte viel kürzere Beine, also sollte ihr Tempo ein Klacks für ihn sein. "Was hast du?" fragte Atsuko besorgt und hüpfte dabei immer zwei Schwanzlängen vor und dann wieder zurück, in der Hoffnung es würde auch als Bewegen zählen.

Kyro beobachtete das und durchschaute die Logik dahinter. Er schleppte sich lieber nur in eine Richtung, um nicht unnötiger Weise noch mehr Energie zu verschwenden. Oh wie er es verfluchte, dass Xanthara auch noch Recht gehabt hatte, mit ihrer Warnung! "Zu lange nicht bewegt.", kommentierte er ihre Frage schlicht. "Ich war wohl eine gute Zielscheibe..."





Geschlecht


Alter


Größe


Status


Charakterbogen


Lu, Kyro, Josh, Lio





Ich mag den Duft der Sonne
Und wie der Regen singt
Den Geschmack des Mondes
Und wie der Nebel klingt

Ich mag die Sterne fühlen
Und der Berge klang
Mag hinter Himmeln sehen,
Wo die Welt begann
05.11.2017 20:17
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Lijenna
Lillyan Caesar






Art
Wolfsträumer

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Syrayn stand weiterhin in der Nähe von Xaron. Er wusste, dass sie sich beeilen mussten, doch sie durften auch nicht unüberlegt handeln. Allerdings schien es, als hätte Xaron nicht mehr viel Zeit. "Einer von uns sollte hier versteckt bleiben. Wir stehen gerade so, dass der Wind in unsere Richtung weht, also sollte dieser Gruselwolf uns noch nicht entdeckt haben. Derjenige, der blind zu ihm läuft muss ihn irgendwie rammen, damit er den Blick von Xaron abwendet. Derjenige, der hier bleibt und sich versteckt muss dem anderen sagen, wenn er zu weit nach rechts oder links läuft. Klingt das nach einem Plan?" Syrayn hoffte, dass seine Idee irgendwie Sinn machte. Und vor allem hoffte er, dass sie sich durch seinen Plan nicht in Lebensgefahr begaben. Sollte es wirklich funktionieren, dann sollte ihnen eigentlich nichts passieren, wenn sie schnell davonliefen, oder? "Aber was machen wir, wenn Xaron nicht weglaufen kann ..."

Atsuko betrachtete Kyro besorgt. Die kurze Zeit auf der Lichtung schien ihn älter gemacht zu haben. "Nun, ich finde, wir sollten obwohl du erschöpft bist trotzdem weitergehen. Es wird ja schließlich nicht besser wenn wir einfach nur dasitzen, und wir können ja möglichst langsam machen. Kommst du?"

Yavru war sich alles andere als sicher, ob der Plan gelingen würde. Doch ein besserer fiel ihm nicht ein. Daher nickte er. „Ja, das ist vermutlich eine gute Idee. Ich hoffe, es klappt. Willst du laufen, oder soll ich?“ Seiner Ansicht nach war derjenige, der laufen würde, in größerer Gefahr, weil in Reichweite des gruseligen Wolfes kam und ihn sogar berühren musste. Und mit geschlossenen Augen könnte er einem plötzlichen Angriff nicht einmal ausweichen. Aber er wäre dennoch bereit, es zu tun. Er war mutig, er würde nicht darauf bestehen, dass Syrayn ihm den gefährlichen Teil des Plans abnahm. „Wenn Xaron nicht laufen kann, müssen wir ihn notfalls auch umrennen. Ich denke, spätestens, wenn er aus dem Blickfeld des Weißen verschwindet, müsste er sich wieder bewegen können.“ Hoffte er zumindest.

Kyro lief doch die ganze Zeit. "Du kannst vorgehen...", wimmelte er die ungeduldige, junge Füchsin ab. Er lief so schnell er konnte. Mehr war eben nicht drin. Wenn ihr das zu langsam war, musste sie ohne ihn gehen.

Atsuko schaute den Rüden kritisch an, und überlegte, ob es eine gute Idee war, ihn einfach hier zu lassen. Klar, sie würde dadurch schneller vorankommen und die Chance, dass sie zu langsam war war kleiner, doch sie wollte nicht allein sein und noch weniger wollte sie Kyro einfach so zurücklassen, vor allem nicht, wenn er geschwächt war. "Nein.", sagte sie nach einer Weile. "Ich will nicht allein gehen." Konnte sie ihn nicht irgendwie stützen? Sie schätzte wie schwer der Wolf war. Vermutlich zu schwer. Außerdem würde das vielleicht seinen Stolz verletzten, und sie wollte ihn nicht beleidigen. "Kann ich... irgendwie helfen?", fragte sie daher zaghaft.

Kyro beobachtete Atsuko kurz wachsam und überaus kritisch, ließ die Worte dann so stehen. "Wohl kaum.", murmelte er. Er musste schon selbst eine Pfote vor die andere setzen. Zu seinem Glück tat es ganz gut, sich zu bewegen. Vermutlich, weil dadurch nicht so zielsicher das Leben aus ihm gesaugt wurde. Dennoch bewegte er sich nicht schnell, nur stetig.

Ceran verstummte, so, wie er auf dem Boden aufschlug. Erst glaubte der Rattenbock, er sei soeben gestorben - doch als ihm klar wurde, dass seine Lunge vor allem deshalb schmerzte, weil er vergessen hatte, einzuatmen, tat er einen tiefen Atemzug. Feuchte Luft, geschwängert mit Unheil. Augenblicklich erstarrte Ceran. Wäre es klug, sich einfach tot zu stellen? - Andererseits: Yavru war kurz vor ihm verschwunden. Vielleicht war er ja hier? Es war sicher gut, einen Verbündeten zu haben! Langsam rappelte er sich auf. Sah sich um. Hier war es unheimlich! Das hier musste ein Traum sein, keine Welt. Ganz sicher. Und dass er auf Laelia und Yavru getroffen war, war auch nur ein Traum. Und in einem Traum konnte ihm nichts passieren, denn er würde aufwachen, bevor er starb! Daraus schlussfolgerte Ceran, dass er sich auf die Suche nach dem Wolf machen sollte. Das war immer noch besser, als untätig in diesem Traum herumzuliegen und zu warten!

Syrayn musste weiter überlegen. Er wollte nicht, dass sich einer von ihnen beiden in ein großes Risiko begab. "Derjenige, der sich hier versteckt hält, darf aber nur dann auf sich aufmerksam machen, wenn derjenige der läuft in die falsche Richtung läuft. Sonst weiß der Geisterwolf ja, dass nochjemand hier ist und dann wird er denjenigen ansehen, der sich versteckt hat. Das heißt ... Wenn derjenige etwas ruft, muss er danach wegsehen. Sonst passiert ja das gleiche wie mit Xaron, oder nicht?" Syrayn wollte nicht, dass Yavru etwas zustieß. Er wollte auch nicht, dass die Möglichkeit bestand, dass ihm etwas zustoßen könnte. Immerhin war dies ja sein verrückter Plan, den er da entwarf. "Bist du einverstanden, wenn ich laufe? Ich will nicht, dass du vielleicht wegen meinem Plan verletzt wirst."

Yavru nickte „Ja, so machen wir es. Hoffentlich läuft der andere spätestens dann in die richtige Richtung.“ Auf die nächsten Worte Syrayns zögerte Yavru hingegen kurz, bevor er antwortete: „Ich kann auch laufen. Ich will auch nicht, dass dir etwas passiert. Und wenn mir etwas passieren sollte, wäre es auch nicht deine Schuld. Ich habe es ja freiwillig gemacht.“ Aber er konnte nachvollziehen, dass Syrayn einfach nicht in die Situation kommen wollte, sich dafür schuldig zu fühlen, dass ihm etwas zugestoßen war. Und das würde er, weil es sein Plan gewesen war, selbst wenn er eigentlich wüsste, dass es nicht seine Schuld wäre. „Aber wenn du laufen möchtest, bleibe ich hier und passe auf.“

Atsuko sah Kyro enttäuscht an. Natürlich war klar gewesen, dass sich der mürrische Wolf nicht halfen lassen würde, doch sie war trotzdem traurig. Sie mochte das Gefühl nicht, nutzlos zu sein. "Okay, wenn du meinst...", sagte sie und setzte sich langsamer als zuvor in Bewegung.

Kyro wusste, dass die wenigsten Wölfe mit der einfachen Wahrheit umgehen konnten. Das galt wohl auch für Füchse. Natürlich konnte man sich in so einer Situation irgendetwas aus den Pfoten saugen... 'bleib bei mir' oder 'dass du mich nicht allein lässt, hilft mir' aber Kyro blieb lieber bei der Wahrheit und band Atsuko nicht durch solche Worte an ihn. Der alte Rüde sah sich um, misstrauisch und wachsam. Sein Pelz sträubte sich leicht, ohne dass er wusste, warum dem so war.

Atsuko trottete traurig vor sich hin. Jetzt war sie auch nicht schneller als vorhin Kyro. Widerwillig begann sie zu traben, und nach einer kurzen Zeit rannte sie, undkonzentrierte sich auf nichts als den Weg vor ihren Füßen. Hatte die komische Wölfin nicht gesagt man dürfe die Teile hier nicht anschauen?

Xantharalief eine Weile, gefolgt von der Jungfähe und dann... lief sie plötzlich wieder allein. Sie witterte nicht, in welche Welt ihre Begleiterin verschwunden war, aber es spielte auch keine Rolle. Sie machte sich auf die Suche nach den anderen. Die neuen Wanderer der Welten waren auseinander gerannt wie verschreckte Hasen...

Syrayn richtete sich entschlossen zu voller Größe auf. Er hatte keine Angst. Er fühle ihm Moment nichts, außer die Furcht, dass seinem Stiefbruder etwas passieren könnte. Er wollte nicht, dass überhaupt irgendjemandem etwas passierte. Wieso konnte nicht einfach alles harmonisch sein? "Wir schaffen das schon. Und dann sind wir ganz schnell wieder weg und finden einen Platz zum Ausruhen. Lass uns an dieses Ziel denken, dann werden wir es schon schaffen! Ich verlasse mich auf dich, Yavru!" Mit diesen Worten warf Syrayn noch ienen Blick in die Richtung, in die er laufen musste. Er richtete seinen Körper so aus, dass er nur noch geradeaus laufen musste, um in den Geisterwolf hineinrennen zu können, dann schloss er die Augen. Er rannte los, seiner Nase folgend, so schnell er konnte. Je schneller er rannte, desto geringer die Wahrscheinlichekit, dass der Fremde ihn frühzeitig wahrnehmen könnte und ausweichen würde. Zumindest war er nicht ganz so weit entfernt. Syrayn könnte es schaffen, er musste nur weiterhin in die richtige Richtung laufen.

Yavru kam nicht dazu, zu antworten, da war Syrayn schon losgelaufen. Vermutlich war es so auch am besten, den Xaron brauchte nun mal seine Hilfe. Yavru ließ Syrayn nicht aus den Augen, einerseits um sicherzugehen, dass dieser in die richtige Richtung lief, und andererseits, um nicht versehentlich zum Geisterwolf zu schauen, damit dieser nicht durch Zufall wiederum ihn anschauen und so wie Xaron erstarren lassen könnte. Es sah aber ganz danach aus, als ob sein Adoptivbruder die richtige Richtung einhielt. Gleich hätte er den Geisterwolf erreicht. Was dann wohl passieren würde? Yavru hoffte, dass es nichts schlimmes wäre und ihr Plan funktionieren würde.

Zion ließ von Xaron ab und drehte sich zu Syrayn um, dämonisch grinsend. Womöglich hatte er das Gespräch der Jungtiere mitgehört, jedenfalls schien er vorbereitet zu sein. Er stieß ein kurzes, bedrohliches Heulen aus. Es war ein Ruf, der den Wald erneut in Aufruhr zu versetzen schien. Ein Grauen setzte sich neuerlich in Bewegung, breitete sich von Zion aus aus und kroch in jeden Grashalm, jede Baumwurzel und jedes schlagende Herz, das sich in der Welt befand.

Xaron sah mit Erschrecken, wie Syrayn plötzlich loslief. Er würde bestimmt auch unter den Einfluss des Geisterwolfs geraten, sobald er in dessen Sichtfeld geriet! Aber es gab nichts, was Xaron tun konnte. Als Zion dann endlich weg sah, wurde Xaron endlich aus seiner Starre befreit und brach völlig erschöpft zusammen. Aber er konnte hier nicht liegenbleiben! Er musste hier weg! Mit letzter Kraft richtete er sich wieder auf und schleppte sich ins Unterholz, in die Richtung, aus der Syrayn gekommen war. Dort, ganz in der Nähe von Yavru, sackte er erneut zusammen.

Laelia hatte gerdae noch die leckeren Trauben im Mund, als sie plötzlich ein seltsames Gefühl in der Magengegend verspürte und sich im nächsten Moment in einer anderen Welt wiederfand. Sie war sich zumindest irgendwie sicher, dass es sich um eine andere Welt handelte.... doch weshalb, das wusste sie auch nicht. War das Gefühl nicht anders gewesen? Beim Wechsel der Erinnerungen hatte es sich einfacher, leichter angefühlt. Allerdings war sie sie sich nicht sicher, ob sie sich über diese neue Umgebung freuen sollte. Sicher, sie musste nicht mehr versuchen in dieser elenden Erinnerungs-Welt herauszufinden was die Aufgabe war, aber diese Welt war ihr nicht ganz geheuer. Die hohen Bäume, der modrige Geruch... dieses undefinierbare, sehr sehr unangenehme Gefühl. Sie wollte nicht allein hier sein. Eigentlich wollte sie echt nicht allein hier sein. 'Wo könnten die anderen sein?'

Zions Heulen erschütterte die ganzen Welt und drang auch bis ins Herz von Ceran, Laelia, Kyro, Atsuko, Xanthara, Yavru, Syrayn und Xaron, der sowieso bis ins Mark erschüttert wurde.

Syrayn rannte weiter so schnell, wie seine Beine ihn nur tragen konnten. Seine Nase sagte ihm, dass er nicht mehr weit entfernt sein konnte und wenige Sekunden später spürte er auch schon, dass er gegen irgendetwas lief. Es fühlte sich komisch an. Es fühlte sich nicht wie ein Aufprall an, eher so, als hätte ihn ein Lebewesen absorbiert und ihn dann auf der anderen Seite wieder ausgespuckt. Syrayn blieb die Luft weg und er hustete. So sehr er auch das Verlangen hatte seine Augen zu öffnen, er tat es nicht. Er wusste, was passieren würde, wenn er den Geisterwolf ansehen würde. Diese Chance würde er ihm nicht geben. Als Syrayn das Heulen von dem Geisterwolf vernahm sprang er sofort in die entgegengesetzte Richtung. Er würde sich nicht länger als nötig in der Reichweite des Fremden aufhalten. So schnell es ging machte er sich daran wegzulaufen.

Kyro lief weiter und stolperte zusammen mit Atsuko beinahe über Xanthara, die ihren Weg kreuzte. Erschrocken hielt er inne und versuchte, die Hexe nicht zerfleischen zu wollen. Es gelang ihm nicht und einen Herzschlag später verzog er schmerzerfüllt das Gesicht. "Verzieh dich...", fauchte er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.

Atsuko stolperte überrascht und schlitterte noch einige Schritte weiter, bis sie schließlich vor den Füßen der komischen Wölfin liegen blieb und verlegen zu ihr aufschaute. Hastig rappelte sie sich auf und fragte, um möglichst schnell von ihrer Notbremse abzulenken: "War das schnell genug?"

Xanthara blickte auf die Füchsin hinab. Sie konnte nicht folgen. Waren die Worte noch an Kyro gerichtet und bezogen sich auf etwas, was dieser gesagt hatte? Nach ein paar Momenten schlussfolgerte sie, dass es um ihre Warnung von zuvor ging. "Vielleicht. Du solltest dich nicht von dem Alten da aufhalten lassen... er wird sich mit seinem Zorn noch umbringen!" Ein freundloses Lächeln zeichnete sich auf ihrem Gesicht ab, weil sie wusste, wie Recht sie hatte und wie nötig ihre Strafe für Kyro gewesen war. "Wo sind die anderen?"

Kyro reizte Xantharas bloße Anwesenheit bis aufs Blut.

Yavru sah, wie Syrayn den Geisterwolf erreichte, aber nicht, wie erwartet, mit ihm zusammenprallte, sondern einfach durch ihn hindurch lief. Dennoch schien der Geist es bemerkt zu haben, er ließ nämlich von Xaron ab und wandte sich stattdessen Syrayn zu. Yavru wollte ihm zurufen, auf keinen Fall hinzuschauen, doch er hielt sich im letzten Moment zurück. Syrayn wusste das bereits, und das einzige, was Yavru damit erreicht hätte, wäre ihn womöglich abzulenken und gleichzeitig den Geisterwolf auch auf sich aufmerksam zu machen. Unterdessen war Xaron neben ihm zusammengebrochen. Der große Rüde war offensichtlich am Ende seiner Kräfte. „Nicht hinschauen“, flüsterte Yavru ihm zu. In diesem Moment heulte der Geisterwolf, und dieses schreckliche Geräusch ließ ihn erzittern. Ihm war, als ob eiskalte Klauen nach seinem Herz griffen. Neben sich hörte er, wie Xaron leise wimmerte. Yavru entschied sich, seinem eigenen Ratschlag zu folgen, und schloss die Augen, auch wenn er dann nicht mehr sehen konnte, ob der Geist womöglich näher kam.

Zion entschied, dass er lange genug an dem einen Rüden gesaugt hatte. Viel Lebenskraft hatte er dem Wolf nicht gelassen, weshalb er sich nun mit gemächlichen Schritten an Syrayns Fersen heftete. Sein Vorteil blieb ihm dabei erhalten: Während der Jungrüde um Wurzeln und Stämme herum musste, ging Zion einfach hindurch.

Ceran huschte unter dem dichten Wurzelwerk hindurch. Immer wieder tauchte er aber aus 'seinem' Tunnelsystem auf, um in die Luft zu schnuppern und sich umzusehen. Der Nebel machte ihm Angst. Er bewegte sich. Und irgendwie hatte Ceran das Gefühl, dass er näher kam, wann immer er an einer Stelle verharrte. // Mit einem Mal hatte er das Gefühl, dass sich nicht weit von ihm entfernt etwas tat. Und tatsächlich! Eine Silhouette ploppte plötzlich nicht weit entfernt von ihm auf. Das musste die ersehnte Traum-Wolf-Erpuffung sein!

Atsuko setzte sich, erleichtert, dass man sie nicht auslachte, und dachte kurz nach. "Als wir uns vorhin das letzte mal gesehen haben, sind sie ind die selbe Richtung wie du gelaufen. Glaube ich. Als ich mit Kyro zurückkam waren sie jedenfalls nicht mehr da." Betreten warf sie dem Rüden einen Blick zu. Sein Gesicht war so verzerrt, dass es so aussah als würde ihm etwas sehr große Schmerzen bereiten. Vielleicht hatte die seltsame Wölfin ja recht und er würde sich tatsächlich zu Tode ärgern? Sie schüttelte leicht den Kopf. Und selbst wenn, das war noch lange kein Grunnd ihn einfach zurückzulassen, schon gar nicht wenn esihm nicht gut ging.

Xanthara machte eine Kopfbewegung. "Suchen wir die anderen..." Sie würde sich wohl als Hütewolf versuchen müssen. Halte sie beieinander, aber sorge für Bewegung... Um mit gutem Beispiel voran zu gehen, ging sie weiter.

Syrayn lief einige Schritte - natürlich immer noch mit geschlossenen Augen - doch dann stolperte er über eine Wurzel und fiel der Länge nach auf den Boden. Er rappelte sich auf, lauschte auf etwaige Geräusche und prüfte angestrengt die Luft. Er konnte den Geisterwolf riechen, er war hinter ihm - hatte ihn nicht irgendwie ausgetrickst um sich plötzlich vor ihm zu befinden - nein, er ging einfach nur schnurgerade auf Syrayn zu. Das hieß aber auch, dass Syrayn die Augen öffnen konnte, um zu sehen, was nun direkt vor ihm lag, oder nicht? Syrayn wagte es die Augen zu öffnen und sag nun die Wurzeln vor sich. Er sprang über eine der kleineren hinweg, wich einer größeren aus und lief dann weiter.

Kyro hielt den Atem an, um keinen Raum für einen weiteren Schmerzensschrei zu schaffen. An irgendetwas anderes denken... Es dauerte dennoch, bis der Schmerz ganz ganz langsam etwas weniger wurde.

Laelia hörte ein Rascheln. Bevor sie jedoch dem Ursprung dessen nachgehen konnte hörte sie ein Heulen. Oder spürte es sie? Es fühlte sich nicht normal an, war viel mehr als ein Ton, ließ sie zittern als ob sie von fremden Kräften mit aller Kraft wiederstehen müsse. Woher kam dieses Geräusch? Dieses vollkommen unnatürliche Heulen? Nur langsam ebbte das Gefühl ab und ließ Laelia mit einem leichten Schwindelgefühl zurück. Es dauerte eine Weile, bis sie sich an das Rascheln von vorhin erinnerte. Benommen drehte sie sich um und entdeckte Ceran. Voller Freude, ein bekanntes Gesicht zu sehen, japste sie: "Ceran!"

Zion folgte dem Flüchtenden. Er würde nicht müde werden, sein Opfer aber schon. Sie hatten alle Zeit der Welt... oder zumindest hatte Zion sie.

Atsuko folgte brav der komischen Wölfin. Sie schien immerhin diejenige zu sein, die am meisten Ahnung von dieser Welt hatte, und irgendwie hatte Atsuko das Gefühl, ihr besser icht wiedersprechen zu wollen.

Malumir tauchte vor Syrayn auf und machte sich kurz ein Bild von der Situation. "Zion...", seufzte er und schüttelte den Kopf über das große-kleine Irrlicht dieser Welt. "Syrayn... versuch dich auf Caeluci zu konzentrieren. Genau hier, wo du gerade stehst."

Kyro blieb zurück, noch ein bisschen im Kampf mit sich selbst. Er würde Xanthara ohnehin nicht folgen...

Yavru wurde klar, dass es ein Fehler gewesen war, die Augen zu schließen. Jetzt konnte er sie nicht mehr öffnen, ohne Gefahr zu laufen, dass der Geisterwolf sich angeschlichen hatte und genau darauf wartete, um ihn mit seinem schrecklichen Blick ebenso zu quälen wie Xaron. Er witterte angestrengt, aber der Geist war nicht auszumachen. Was allerdings nichts heißen mochte, vielleicht konnte dieser seinen Geruch auch verbergen. Es half nichts, Yavru musste es riskieren, denn er konnte ja nicht ewig hier stehen bleiben und mit geschlossenen Augen zu laufen würde wahrscheinlich am nächsten Baum enden. Und je länger er wartete, desto größer wäre die Gefahr. Darum öffnete er vorsichtig die Augen und schaute sich um, immer bereit, sie schnell wieder zuzumachen, sollte er etwas potentiell Gefährliches entdecken. Doch da war nichts, vom Geisterwolf fehlte jede Spur. Und auch Syrayn war nicht mehr da. Hoffentlich hatte er es geschafft, zu entkommen. Neben ihm lag nachwievor Xaron. Normalerweise hätte er angesichts dessen Wehleidigkeit für den Rüden nur Verachtung übrig gehabt, aber jetzt schien es Xaron wirklich schlecht zu gehen, und Yavru hatte Mitleid mit ihm. Am liebsten hätte er sich auf die Suche nach Syrayn begeben, falls dieser Hilfe brauchte. Aber er wollte Xaron nicht zurücklassen, und der sah nicht aus, als würde er weit und schnell laufen können.

Ceran wollte gerade auf den Wolf zueilen, als ihn ein merkwürdiges Zittern erfasste. Tief in seinem Innern schwoll es an, wurde zu einem grollenden Inferno. Angst und Schmerz erfassten ihn. Jede winzige Bewegung verstärkte dieses seltsame Gefühl, Geräusch, was auch immer es nun war. // Erst Laelias Stimme löste diesen Bann, warf ihn zurück in die kalte, neblige Welt. // Froh, aus diesem Gefühl entkommen zu sein, huschte er zu der Fähe. "Schön, dass du auch wieder in meinem Traum aufgetaucht bist!", grüßte er sie. Sicher würde sie ihm jetzt wieder erzählen, dass sie Welten wandelten - aber Ceran hatte beschlossen, dass ihm das gleichgültig war.

Syrayn lief weiter. Immer wieder schlug er Haken und wechselte die Richtung um nicht schlussendlich noch in einen Kobold hineinzurennen, wo er es doch gerade auf die Reihe brachte sich nicht von dem Geisterwolf fangen zu lassen. Der Jungwolf musste jedoch abrupt stehen bleiben, als ein anderer Wolf vor ihm auftauchte. Sein erster Instinkt war es davonzulaufen. Er schlug einen Haken und lief einen Schritt, bevor er die Pfoten in den Boden stemmte und sich umdrehte. Diesen Wolf kannte er ja! Er war keine Gefahr! "Malumir ...!" Syrayn lief die paar Meter wieder zurück und tat wie ihm befohlen worden war. "Kann ich es alleine schaffen, die Welt zu wechseln? Muss ich nur angestrengt genug daran denken und es funktioniert? Wenn ja, dann lass mich hier allein und hilf den anderen. Ich bitte dich. Sie dürfen nicht von den Kobolden oder dem Geist verletzt werden!" Hoffnungsvoll sah Syrayn Malumir an. Er würde die anderen doch retten, oder nicht?

Laelia sah die Ratte schräg von der Seite her an - nach der Erfahrung eben wollte sie sicher sein, dass das auch wirklich Ceran war und nicht irgendein böses Spukgespenst. Allerdings schien dieser aus Fleisch und Blut zu sein (und roch auch ganz normal nach Beute, allerdings war Laelia der Appetit vergangen). "Ja, ich bin auch froh, dich zu sehen!", antwortete sie wahrheitsgemäß. "Allerdings glaube ich, dass wir uns hier in einer anderen Welt befinden. Auch, wenn es für dich vielleicht keinen Unterschied macht, ob das hier Realität ist oder ein Traum." 'Zumindest noch nicht', fügte sie in Gedanken hinzu.

Malumir blickte Syrayn ruhig an und wurde dadurch zum Gegenstück der Unruhe, die den Jungrüden erfasst hatte. "Du gehst vor.", erklärte er sanft. "Versuch es... das Tor war gerade geöffnet... das ermöglicht dir den Wechsel vielleicht. Es dauert lange, bis man das Weltenspringen beherrscht. Hör nicht auf, es zu versuchen." Er wandte sich Zion zu und trat dann näher zu diesem. Der geisterhafte Wolf wich zurück und lief schließlich davon.

Xanthara verzog das Gesicht. Malumir... Ziemlich zielsicher führte sie Atsuko zu dem nervigen, besserwisserischen Klugscheißer, der wohl auch versuchte, seine Schäfchen wieder einzufangen. "Du kommst spät.", murrte sie bloß. "Da... bring die Füchsin weg..."

Syrayn nickte gehorsam. Er würde tun, was Malumir von ihm verlangte. Doch dann keuchte er entsetzt auf. Was tat der andere denn? Er hatte den Geist verscheucht und jetzt lief er davon ... "Was tust du denn?! Meine Freunde sind doch in Gefahr, wenn der Geisterwolf wegläuft! Jetzt sind sie ihm schutzlos ausgeliefert! Hilf ihnen! Bitte! Bitte ..." Als dann auch noch Xanthara neben ihnen erschien glaubte Syrayn es gar nicht mehr. "Warum seid ihr denn jetzt beide hier versammelt? Yavru, Xaron und Kyro sind doch noch da draußen! Ihr könnt sie doch nicht sterben lassen ..."

Atsuko fand es ziemlich beleidigend, wenn man sie als etwas bezeichnete, was man wegbringen sollte, und auch noch mit so einem Gesicht! Sie wusste wirklich nicht, was sie getan haben könnte, dass die Komische so genervt mit dem anderen Wolf über sie sprach. Unruhig peitschte sie mit dem Schwanz hin und her.

Xaron erhob sich zitternd. Nachdem er sich einige Atemzüge lang ausgeruht hatte, reichte es gerade so, um sich wieder bewegen zu können. „Wir müssen … weg …“, sagte er schwach zu Yavru und setzte sich langsam in Bewegung. Nach wenigen Schritten winselte er leise zu sich selbst: „Ich kann nicht mehr. Ich kann einfach nicht mehr.“ Sein Gesicht zeigte eine Mischung aus Schmerz, Angst und reiner Verzweiflung. Seine Ohren waren angelegt, seine Rute hing schlaff nach unten, da er trotz Angst einfach nicht die Kraft aufbrachte, sie weiter einzuziehen. Doch er blieb nicht stehen.

Malumir beobachtete Syrayn, wurde dann von Xanthara überrascht und musterte kurz die junge Füchsin. So viele ruhelose Geister! Er lächelte sanft. "Syrayn... alles wird gut.", erklärte er mild. "Erzähle dieser kleinen, reizenden Dame von Caeluci und versucht, gemeinsam dorthin zu gelangen. Xanthara und ich kümmern uns um den Rest." Er bedeutete der anderen Wächterin, dass sie eine Aufgabe hatten. Die beiden zogen sogleich los.

Ceran hörte in ihren Worten das bestätigt, was er erwartet hatte. Deshalb äußerte er nichts, was ihren Worten widersprechen würde sondern meinte: "Wenn wir beide hier sind, dann muss Yavru ja auch hier irgendwo sein." Dessen war er sich sicher. Es war sein Traum - auch, wenn Laelia etwas anderes behauptete -, da würde er bestimmen, was lief! // Auch, wenn er zugeben musste, dass er den Nebel, der schon wieder näher gekrochen schien, und auch das Grollen nicht gewollt hatte.

Yavru folge besorgt Xaron. Zwar hatte dieser eigentlich Recht, doch insgeheim fragte er sich, ob es dem Rüden tatsächlich etwas brachte, sich in seinem Zustand zu bewegen, oder ob er sich nicht besser irgendwo verstecken und mit geschlossenen Augen versuchen sollte, sich auszuruhen. Aber andererseits mochte er ihm das auch nicht raten, denn dann wäre es nachher seine Schuld, wenn die Irrlichtwesen Xaron fanden. Yavru fühlte sich hilflos, weil er seinem Rudelgenossen nicht helfen konnte. Und er hasste es, sich hilflos zu fühlen.

Xanthara und Malumir teilten sich auf. Sie folgte dem kurzen Weg zurück zu Xaron und Yavru, während der Lichtling sich aufmachte, um Ceran und Laelia aufzuspüren. Xanthara selbst verzog wieder und wieder misstrauisch das Gesicht, während sie sich umblickte. Für den Moment waren keine Lichtkobolde zu sehen. "Sie haben wenig von dir übrig gelassen...", bemerkte sie, als sie Xaron erreichte. An Yavru gewandt sagte sie: "Geh zu Syrayn... er kann dich vielleicht hier wegbringen. Wir kommen nach."

Laelia nickte langsam. "Ja, der müsste auch hire sein. Auch, wenn es grundsätzlich möglich ist, dass man aufgeteilt wird." Sie dachte an Lijenna und Aramis, die sie ja seit der Caeluci nicht mehr gesehen hatte. Da erinnerte sie ich plötzlich an Kyro - den hatte sie zwischenzeitlich ganz verdrängt. Wo der wohl war? "Bist du schon länger hier? Kennst du dich hier aus?"

Xaron bemerkte in seinem Zustand die fremde Fähe erst, als sie schon direkt neben ihm stand. Als sie ihn ansprach, blieb er stehen. Er verstand nicht, was sie meinte. Was war wovon übrig gelassen? Sein Kopf fühlte sich so schwer an, und seine Gedanken schienen sich in sich selbst zu verheddern wie ein Knäuel aus trockenen Grashalmen. Aber er verstand, dass Yavru zu Syrayn laufen sollte und die Fremde sich dann wohl um ihn kümmern würde. Hoffentlich. Er hatte ohnehin keine Kraft mehr, um zu widersprechen.

Syrayn nickte Malumir zu und wandte sich dann der Füchsin zu. "Ich bin Syrayn. Wir dürfen jetzt aber keine Zeit verlieren. Die Kobolde finden uns ansonsten noch. Wir sollen nach Caeluci gelangen, hat Malumir gesagt. Caleuci ist eine andere Welt, weißt du? Man kommt in andere Welten, indem man eine Aufgabe erfüllt - normalerweise. Aber anscheinend kann man es auch, wenn man sich einfach nur dorthinwünscht. Aber das können nur Wesen, die dies gelernt haben. Aber ich denke Malumir hat gemeint, dass es viel leichter geht, wenn gerade erst ein Tor hier war. Und er ist ja duch eines hergekommen. Wir wollten es also schaffen ein Tor zu öffnen, wenn wir nur konzentriert genug an Caeluci denken!" Allerdins wusste Syrayn nicht wirklich wie die Füchsin ihm dabei helfen sollte. Immerhin war sie wahrscheinlich noch nie in Caeluci gewesen, wenn Malumir ihm gesagt hatte, dass er ihr von dieser Welt erzählen sollte.

Ceran lauschte ihren Worten aufmerksam. Die Zweifel, die bei ihren Worten an seinem Wunsch, in einem Traum gefangen zu sein, aufkamen, drängte er beiseite. Plötzlich berührte ihn einer dieser Nebelarme. Kälte zuckte durch seinen Körper, und verwirrt wich er zurück. "Nein. Nein, ich bin.. noch nicht lange da. Aber.. aber dieser Nebel..!" Die ganze Situation machte dem Rattenbock plötzlich so große Angst, dass er sich am liebsten einfach versteckt und auf den Morgen gewartet hätte.

Malumir brauchte eine Weile, bis er Laelia gefunden hatte, aber es gelang ihm. "Laelia... kommt... wir müssen versuchen, hier wieder weg zukommen.", erklärte er, der Ratte freundlich zunickend. "Nimm deinen Freund mit... wir haben nicht viel Zeit."

Atsuko schaute Syrayn kurz mit schiefgelegtem Kopf an, dann nickte sie kurz und sagte: " Ich bin Atsuko. Ich muss also einfach nur an dieses "Caeluci" denken, und dann ist alles gut? Das sollte ich hinkriegen." Sie hatte zwar tatsächlich keine Ahnung von Caeluci, aber sie konnte ja einfach an den Namen denken. Jedenfalls hatte sie keine Lust, noch mehr Probleme zu verursachen.

Yavru war erleichtert, dass Xanthara auftauchte und das Kommando übernahm. Eigentlich, so dachte er sich, sollte er sich darüber ärgern. Schließlich war er mittlerweile erwachsen und alt genug, Entscheidungen zu treffen. Aszira hätte auch gewusst, was zu tun wäre, ohne sich von jemandem wie Xanthara reinreden lassen zu müssen. Momentan war er aber einfach nur froh, dass er aus dieser hilflosen Situation heraus kam. Xanthara würde sich um den völlig erschöpften Xaron kümmern, und er konnte endlich nach Syrayn suchen. „Pass gut auf ihn auf!“, sagte er zu Xanthara, aber es klang deutlich freundlicher, als es hatte klingen sollen. An Xaron gewandt fügte er hinzu: „Bis bald. Wir sehen uns!“ Hoffentlich. Wenn die Welten es zulassen würden. Dann lief er los und folgte Syrayn. Zwar wusste er nicht, in welche Richtung dieser weitergelaufen war, aber glücklicherweise hatte seine Nase kein Problem damit, Syrayns Fährte zu finden und ihr zu folgen. Und tatsächlich kam dieser bald in Sichtweite. Und bei ihm befand sich auch die Fuchsfähe Atsuko. "Ich bin so froh, euch zu sehen!", rief er, sobald er die beiden erreicht hatte.

Syrayn war zufrieden, dass die Füchsin Atsuko so umgänglich war. Sie tat in der gegebenen Situation genau das Richtige. Als sie jedoch gerade angefangen hatten sich auf Caeluci zu konzentrieren tauchte auf einmal Yavru bei ihnen auf! "Yavru! Dir geht es gut! Schnell, wir müssen von hier verschwinden. Malumir sagte, wir sollen all unsere Gedanken auf Caeluci richten, dann sollte sich ein Tor öffnen. Denk einfach an das Wort 'Caeluci'. So fest du kannst. Ohne an etwas anderes zu denken!" Syrayn selbst befolgte ebenfalls seinen Rat. Er dachte an das Weiß von Caeluci, an den Nebel zu ihren Pfoten und die lustigen Wellen, die entstanden, wenn man sich bewegte. Er dachte an das Tor, das plötzlich übergroß vor ihnen aufgeragt war und plötzlich war er verschwunden.

Yavru wusste nicht, was ein Caeluci war, aber er versuchte, so stark an dieses Wort zu denken, wie er konnte. Vor ihm verschwand Syrayn, doch er blieb zusammen mit Atsuko zurück. "Nein! Bitte, lass uns ihm folgen! Bitte!", flüsterte er leise, als könnte er mit den Welten reden. Erneut schloss er die Augen und versuchte verzweifelt, sich zu konzentrieren.

Atsuko schaute verwirrt zu, wie es Syrayn von ihnen fort zog. Ohne sie. Als Yavru neben ihr zu jammern begann, fühlte sie sich versucht mitzumachen. Stattdessen trat sie einen Schritt auf ihn zu und sagte, bemüht ihre eigene Verzweiflung zu verbergen: "Dieser andere komische Wolf weiß sicher einen anderen Weg, wie wir Syrayn folgen können. Wenn wir jetzt aufgeben, kommen wir sicher nicht aus dieser Welt raus. Lass uns den Wolf suchen, was meinst du?"

Laelia spürte ebenfalls wachsende Angst in sich hochsteigen. 'Stell dich nicht so an!', versuchte sie sich selbst zur Ordnung zu rufen. Sie machte die Ratte für ihre aufkeimende Angst verantwortlich, da sie annahm, dass deren Panik auf sie abfärbte. Malumir, der wie aus dem Nichts auftauchte, stellte eine willkommene Ablenkung dar, einen Fels in der Brandung. "Malumir!", rief sie so erfreut, dass man ihr die Erleichterung deutlich anhörte. "In Ordnung! Komm Ceran, ich kenne ihn von früher. Er ist alt und weise und hat mir das ganze Welten-Zeugs erklärt..."

Yavru gab es auf. Es klappte nicht. Und Atsuko hatte recht. Sie mussten einen anderen Weg finden. Er setzte sich in Bewegung, um seiner eigenen Fährte zurück zu Xanthara zu folgen, die Atsuko wohl gemeint hatte, als sie einen komischen Wolf erwähnt hatte. Er hoffte, die Fuchsfähe würde ihm folgen, denn obwohl er sie nur kurz kannte und sie nicht mal ein Wolf war, war sie ihm irgendwie sympathisch geworden. Er merkte, dass einige der Pelzlinge, die Syrayn mitgebracht hatte, noch da waren und ihm folgten, auch wenn er bezweifelte, dass es noch alle waren. Einige waren bestimmt unterwegs verloren gegangen. Er kümmerte sich nicht darum, denn auch wenn er für sie nicht viel empfand, störten sie ihn auch nicht.





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Alter


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Charakterbogen


Lu, Kyro, Josh, Lio





Ich mag den Duft der Sonne
Und wie der Regen singt
Den Geschmack des Mondes
Und wie der Nebel klingt

Ich mag die Sterne fühlen
Und der Berge klang
Mag hinter Himmeln sehen,
Wo die Welt begann
06.11.2017 15:11
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Lijenna
Lillyan Caesar






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Wolfsträumer

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Xanthara führte Xaron in die Richtung, in die Yavru schon vorgegangen war. "Komm... bevor die Lichtkobolde den Rest von dir nehmen." Sie seufzte innerlich. Nun musste sie Babysitten... So war das, wenn man verirrte Neulinge durch die Welten leiten wollte. Es nervte sie, dass der Klugscheißer Malumir so einfach gezielt überall hinkonnte, wo auch immer dieser hinwollte.

Xaron hatte gehofft, die Fähe würde ihm ermöglichen, sich etwas hinzulegen und zu verschnaufen. Aber das war ihm nicht vergönnt. Und so schleppte er sich weiter, obwohl er sich kaum noch auf den Beinen halten konnte. Er wimmerte Leise, und ihm war deutlich anzusehen, dass er sich quälte. Doch er durfte nicht aufgeben. Durfte nicht. Er wusste nicht, was Lichtkobolde waren. Aber wenn sie so ähnlich waren wie der schreckliche Lichtwolf, wollte er sie auf keinen Fall kennen lernen.

Xanthara erlaubte es nicht, dass Xaron sich hinlegte. Natürlich nicht... die Lichtkobolde würden ihn aussaugen... Diese brauchten dazu nicht einmal direkten Blickkontakt. Natürlich futterten sie auch deutlich weniger als das Geisterlicht, aber sie waren auch in großer Anzahl vorhanden. "Los... nicht einschlafen...", versuchte sie Xaron auf Trab zu halten und anzutreiben. Sie wollte hier auch lieber möglichst bald weg und das Tor ausnutzen, durch das Malumir gekommen war...

Xaron schleppte sich weiter. Eine Pfote vor die andere. Er war erstaunt, dass er sich überhaupt noch bewegen konnte. Aber endlos würde das nicht so weiter gehen. Leise fragte er: „Können wir nicht eine Pause machen? Bitte? Ich kann nicht mehr.“

Xanthara blickte zu Xaron zurück. "Wenn du sterben möchtest, bleib stehen und ruh dich aus." Sie schüttelte ihren Pelz, als sich ein unheilvolles Kribbeln durch ihre Adern schlich und ihr Fell sich aufstellte. "Ansonsten lauf weiter. Und hör mir jetzt gut zu-", begann sie, ehe sie fortfuhr: "Wir müssen jetzt gleich nach Caeluci reisen... und dazu musst du dich komplett auf diese Welt konzentrieren. Du kennst sie, oder?"

Xaron wusste nicht mehr, was er wollte. Ihm war, als hüllten Wolken seinen Verstand ein. Aber er wusste, was er nicht wollte: Sterben. Und solange er noch lebte, konnte er laufen. Und musste es wohl auch. Caeluci? Die Gedanken taten seinem Kopf fast so weh wie die Schritte seinen Läufen. Aber er erinnerte sich. „Ja. Das war die erste Welt, in der wir gelandet sind. Da waren Malumir und Aryth.“

Xanthara nickte. "Ja. Und jetzt müssen wir irgendwie dorthin kommen.", erklärte sie, als sie mit Xaron die Stelle erreichte, an der sie Syrayn und den Fuchs zurückgelassen hatte. Niemand war mehr da, aber die Witterungen verrieten ihm, dass sich Yavru und die Füchsin in eine andere Richtung bewegt hatten. Womöglich war aber Syrayn nach Caeluci gereicht. Super... "Okay... komm hier her... und dann konzentriere dich auf die Welt. Stell sie dir vor... in Gedanken und im Herzen... in ihrer Gänze, mit allem was dir zu ihr einfällt."

Xaron trat langsam näher und versuchte sich zu konzentrieren, auch wenn es ihm unglaublich schwer fiel. Cealuci. Was war da? Nebel. Ganz viel Nebel. Und ein Boden.Der war seltsam. Als wäre er flüssig. Aber nicht nass. Ja, genau so war es da. Mit aller Kraft, die er noch besaß, versuchte der Rüde, das Bild vor seinem inneren Auge zu halten. „Und jetzt?“, fragte er, ohne die Konzentration nachzulassen.

Xanthara überlegte. "Versuch dir vorzustellen, wie du in diese Welt reist..." Das war für solche Neulinge schier unmöglich und das Tor wurde auch schwächer. "Durch Zeit und Raum... und dabei immer das Bild der Welt vor Augen und im Herzen behalten."

Xaron hielt es für unmöglich, sich auf zwei Dinge gleichzeitig zu konzentrieren. Erst recht in seinem gegenwärtigen Zustand. Aber er ließ den Zweifeln keinen Platz, denn er wusste, dass es seine einzige Chance war. Er dachte an seine bisherigen Weltenwechsel. Ja, so musste es sein. Irgendwie genau so. Er schloss die Augen, um sich noch besser konzentrieren zu können. Und plötzlich spürte er es. So als wäre hier eine geeignete Stelle. Als wäre hier die Welt auf seltsame Weise durchlässiger. Das hatte er schon einmal so gespürt. Irgendwann, irgendwo. Jetzt musste er nur noch die Welt hinter sich lassen – und hoffen, dass es klappte. Und dass er tatsächlich in Caeluci landete, und nicht irgendwo, wo es womöglich noch schlimmer war als hier.

Xanthara war froh, als Xaron endlich weg war. Wo dieser landete, war ihr erst einmal egal. Und wo war Malumir nun? Und Yavru samt Füchsin?

Malumir machte eine Kopfbewegung die in die Richtung der Stelle deutete, an der er Syrayn und die anderen zurückgelassen hatte. "Wir müssen uns beeilen...", erklärte er knapp. Warum mussten Laelia und Ceran jetzt nicht wissen. Sie konnten später in Ruhe darüber sprechen. Er rannte los, versucht, denselben Weg zurück zu nehmen, den sie gekommen waren. Zum Glück war es nicht sehr weit.

Laelia folgte Malumir zuerst langsam, dann immer schneller. Dass sogar der Alte so in Eile war zeigte ihr, dass es sich um etwas ernstes handeln musste. Hinter sich hörte sie das Rascheln von Cerans langem Rattenschwanz über dem Boden.

Malumir war alt. Aber war das wirklich die einzige Beschreibung, die einem Jungspund wie Laelia zu ihm einfiel? (;.;) Er erklärte während sie liefen: "Als ich hier her, nach Togruduna kam, habe ich ein Tor geöffnet... eine schwache Verbindung nach Caeluci ist durch meinen Weltenspring entstanden und wird euch helfen, dorthin zu kommen, wenn wir die Stelle erreicht haben. Laelia, du weißt, wie es dort aussieht... wenn wir den Ort erreicht haben, an dem ich in diese Welt kam, musst du versuchen, zu sehen. Wie durch den Nebel... nur musst du in dir Caeluci sehen."

Laelia hatte sich schon gedacht, dass Malumir bald wieder in Rätseln sprechen würde - das schien einfach zum Wesen des Wolfes dazuzugehören. Doch sie gab sich große Mühe, zu verstehen, was er meinte, und hatte plötzlich das Gefühl, das sie wusste, was er meinte. "In Ordnung!", nickte sie ernst. "Aber was ist mit Ceran? Wird er auch mitkommen können?"

Malumir blickte zu Laelias Begleiter. "Er wird uns leichter folgen können, wenn wir vorgehen.", erklärte er. "Caeluci ist eine Lichtwelt, deren Mittelpunkt eine endlose Ebene ist, die aussieht, als wäre sie hauchdünn von Wasser überzogen. Es ist aber nicht nass. Jeder Schritt hinterlässt Wellenbewegungen im Takt deiner Seele. Umgeben ist die Ebene vom Lichterwald und dem Lichtgebirge... Das Licht blendet nicht... Versuch dir diese Welt vorzustellen, um uns zu folgen." Er erreichte Xanthara, die wohl gerade Xaron auf die Reise gebracht hatte.

Yavru hatte das Gefühl, sich hoffnunglos verlaufen zu haben. Ihnen war wieder einer von diesen Lichtkobolden begegnet und hatte versucht, sie zu sich zu locken. Entschlossen waren sie in die entgegengesetzte Richtung gelaufen – und es war dennoch oder vielleicht gerade deshalb die falsche gewesen. „Wir haben uns verirrt, oder? Ich finde meine eigene Fährte nicht mehr, ich bin nicht aus dieser Richtung gekommen.“ Als er keine Antwort bekam, drehte er sich zu Atsuko um. Doch die Fuchsfähe war nicht mehr da. „Atsuko?“, rief er, ohne eine Antwort zu erhalten. Er überlegte. Sie musste sich auf der windabgewandten Seite von ihm befinden, sonst könnte er sie wittern. Also lief er in Windrichtung, bis er schließlich eine Gestalt ausmachen konnte. Doch es war kein Fuchs, sondern ein Wolf. Xanthara. „Xanthara, Atsuko ist weg!“, rief er außer Atem.

Xanthara blickte den ankommenden Wölfen entgegen. "Ihr müsst jetzt durchgehen... Xaron ist schon weg.", erklärte sie für Malumir und Yavru. "Hat Syrayn dir von Caeluci erzählt? Ich suche die Füchsin gleich..."

Yavru gefiel die Idee nicht, Atsuko zurückzulassen. Sicher, sie war nur ein Fuchs und er kannte sie erst seit kurzem, aber es schien ihm falsch, nicht mitzuhelfen, sie zu finden. Aber Xanthara klang nicht, als ließe sie Widerworte zu. „Aber du suchst sie und holst sie hier raus? Versprochen?“ Er kam sich wie ein kleiner Welpe vor, als er ein Versprechen einforderte. Das ärgerte ihn, denn er war mittlerweile doch wirklich erwachsen. Aber er machte sich Sorgen um die Fuchsfähe. „Syrayn hat erzählt, dass er in Caeluci war. Aber wie es da wirklich ist, weiß ich nicht. Ich war ja noch nie dort.“

Laelia erinnerte sich bei Malumirs Beschreibung von Caeluci wieder ganz klar an die Welt. Eigentlich logisch - so lange war es ja noch gar nicht her gewesen dass sie in dieser Welt mit ihrer Reise begonnen hatte. Doch es fühlte sich schon sooooo ewig an... Plötzlich waren sie da, bei den anderen. Kurz machte sie sich auch Sorgen um Atsuko - doch die Versicherungen und das Drängen Malumirs überzeugte sie davon, das seine Sorge sein zu lassen. Sie wusste eigentlich immer noch nicht wirklich, was hier los war... aber da konnte man nichts machen. Ein bisschen orientierungslos sah sie sich auf der Lichtung um, entschied dann aber einfach, dass sie an der richtigen Stelle war und schloss die Augen, erinnerte sich an Caeluci und das Gefühl das sie gehabt hatte als sich dort die Nebel gelichtet hatten und verschwand.

Malumir griff das Wort auf und wandte sich an den ihm unbekannten Jungrüden. Er erzählte diesem von der Welt, die er sein Zuhause nannte, mit ähnlichen Worten wie er die Welt für Ceran beschrieben hatte. Danach wandte er sich an Xanthara. "Du gehst mit Laelia vor... damit die anderen euch folgen können. Ich suche nach der jungen Füchsin."

Xanthara schüttelte den Kopf. "Geh du vor... da ist noch ein anderer Wolf... ich kann ihn leichter finden, als du. Ich habe ihn gebissen."

Malumir ließ sich das kurz durch den Kopf gehen. "Ich komme leichter zurecht, als du. Ich finde sie beide. Geht ihr vor." Dieses mal waren seine Worte noch eindringlicher. "Los... bevor sich die Spuren wieder verlieren..."

Xanthara verzog das Gesicht und verdrehte die Augen. "Laelia... wir gehen vor.", befahl sie der Jungfähe, als wäre es ihre Idee gewesen. Sie schloss die Augen und konzentrierte sich auf Caeluci. Die Welt war ganz nett. Sie mochte sie eigentlich nur nicht, weil sie von Malumir bewohnt wurde. Aber dafür konnte die Welt nichts.

Yavru konzentrierte sich auf die Welt namens Caeluci, die er nie gesehen hatte, die aber der alte, weise wirkende Rüde ihm so detailliert beschrieben hatte, dass er meinte, sie sich vorstellen zu können. Er hoffte nur, dass seine Vorstellung von Caeluci dem Original nahe genug kam, um den Sprung zwischen den Welten zu ermöglichen. Und während er sich darauf konzentrierte, versuchte er, dass, was er beim letzten, unfreiwilligen Weltensprung ungewollt erlebt hatte, nun bewusst zu wiederholen

Xanthara und Laelia konzentrierten sich auf Caeluci und schafften den Sprung in die andere Welt, durch den Pfad, den Malumir, Syrayn und Xaron ihnen geebnet hatten.

Kyro hatte irgendwann keine Ahnung mehr, wo die anderen waren. Er lief allein durch den unheimlichen Wald und hatte nur ein Ziel vor Augen: Nicht stehen bleiben. Wachsam ließ er immer wieder den Blick schweifen, bis drei pelzige Viecher ihn zu Tode erschreckten. Erst dachte er, es wären Lichtkobolde, ehe er die drei als die Wesen aus Mandri erkannte. Was machten die hier?

Atsuko rannte erschöpft vor sich hin, ohne wirklich ein Ziel vor Augen zu haben. Einfach nur bewegen. Das fiel ihr entzwischen allerdings ziemlich schwer. Seit sie von Yavru getrennt worden war, hatte sie ihr Tempo beachtlich beschleunigt. Jetzt schleppte sie sich einfach nur noch so dahin, und sie war sich ziemlich sicher, dass sie eigentlich im Kreis lief. Als sie dann plötzlich einen bekannten Geruch aufschanppte, dachte sie zuerst sie würde es sich aus Verzweiflung einbilden, dann jedich erkannte sie unfehlbar: "Kyro!" Und irgendwie kramte sie noch ein bisschen Übermut hervor und, rannte auf den Wolf zu, stolperte über ihre eigenen müden Pfoten und zerquetschte fast die Flauschdinger, die ihr erst in diesem Moment auffielen.

Kyro hatte nicht innegehalten, im Laufen, obwohl die Pelzlinge sich dauernd an ihn drängten und ihn damit beinahe zum Stolpern brachten. Als dann auch noch Atsuko vor seinen Pfoten landete, verlor er letztlich doch das Gleichgewicht und sie kugelten alle übereinander. "Anwesend.", hielt er trocken fest, als verspätete Reaktion auf Atsukos Ausruf.

Atsuko lächelte. Es war schön, dass sie nicht die einzige war, die noch hier war, denn alle anderen schienen die Flucht aus dieser Hölle von einer Welt geschafft zu haben. "Bist du auch noch hier?", fragte sie, und kam gleich darauf zum Schluss, dass Kyro diese Frage unnötig und nervig finden würde, und fügte deshalb gleich darauf hinzu: "Und was sind das für... Fellknäule?", in Ermangelung eines besseren Wortes.

Kyro rappelte sich wieder auf. "Wir sollten in Bewegung bleiben.", erinnerte er die junge Füchsin. "Die Dinger sind Pelzlinge... die leben dort, wo Xanthara eigentlich lebt. Ich weiß nicht, wieso sie hier sind..." Er sah sich um. "Wo hast du Xanthara gelassen? Sie hat dich doch mitgenommen?"

Atsuko hatte unwillkürlich das Gefühl etwas falsch gemacht zu haben. "Also, sie hat noch einen komischen Wolf getroffen, Malumir glaube ich, und da war dann auch Yavru und noch ein Wolf namens Syrayn, und der sollte uns in eine andere Welt bringen, aber es hat nicht geklappt und er ist allein verschwunden und wir, also Yavru und ich wollten den Komischen suchen, und dann haben wir uns irgendwie verloren und ich bin einfach weitergerannt und jetzt bin ich hier.", ratterte sie in Höchstgeschwindigkeit herab und schaute betreten zu Kyro auf.

Kyro starrte Atusko nur sprachlos an. "Du bist... eine wandelnde Katastrophe auf vier Pfoten, oder wie?", erkundigte er sich mit trockenem Humor. Wie hatte so viel schief gehen können, in der kurzen Zeit, in der die Füchsin verschwunden gewesen war? "Und was sollen wir nun machen? Sind die anderen alle weg?"

Atsuko schlang bedrückt den Schweif um ihren Körper und sah zu Boden. "Ich weiß es nicht... ich... vermutlich schon. Tut mir leid. Aber, andereseits, würden die Komischen uns einfach so zurücklassen?"

Kyro wusste das nicht so genau. "Dich vermutlich nicht.", schlussfolgerte er und legte dann den Kopf in den Nacken. Er stieß ein Heulen aus, das nach Seinesgleichen rief. Natürlich war das ziemlich gefährlich. "Mach dich darauf gefasst, um dein Leben zu laufen.", warnte er, nachdem er geendet hatte und lauschte erst einmal in die Stille.

Atsuko war auch schon auf diese Idee gekommen, aber auf den Ruf einer Fuchsfähe würde hier in dieser Welt wohl niemand hören. Nun allerdings spannte sie angespannt die Muskeln unter dem dichten Pelz an und wartete, bereit, beim kleinsten Geräusch loszupreschen, auch wenn sie keine Ahnung hatte, wie lange sie es durchhalten würde. Nach einigen Herzschlägen entspannte sie sich etwas. "Jetzt sollte jeder wissen wo wir sind, falls uns zufällig jemand sucht." Die Tatsache, dass Kyro vorhin gesagt hatte, dass man ihn vermutlich einfach zurücklassen würde, machte sie allerdings nervös. Was, wenn ein möglicher Retter jetzt dachte dass nur Kyro da war und deshalb nicht kam? 'Nein!', schalt sie sich selbst, 'Egoistisch sein ist böse! Und Leute einfach so zurücklassen weil man sie nicht mag auch. Und die Wölfe hier sind nicht böse wie die zu Hause, also werdden sie Kyro nicht zurücklassen, weil der ist auch nicht böse.', beendete sie den inneren Monolog eingeschnappt. Trotzdem stieß sie ein kurzes, klagendes Bellen aus. Besser konnte sie ienfacch kein Heulen nachmachen.

Kyro verzog das Gesicht, bei dem Geräusch, das Atsuko machte. Das sollte ein Heulen sein? Ohje. Sie bekamen wenige Momente später Antwort von einem Rüden, der sie zu sich rief und so setzte sich Kyro wieder in Bewegung. Er hatte diese Welt hier ziemlich satt und wollte sich irgendwo ausruhen. Flüchtig rieb er sich mit der Pfote über das Ohr, ehe er weiter lief und von den Pelzlingen verfolgt wurde, als wären sie an ihm festgebunden. Toll.

Atsuko zuckte gekränkt mit dem Schwanz. Kyro zog ein Gesicht als hätte er sich den Schweif eingeklemmt, und so schlimm war ihr Heulen ja jetzt auch nicht gewesen. In ihrer Heimatwelt gaben sogar wirklich ein paar Wölfe solche Laute von dich. Trotzdem folgte sie Kyro ohne murren, als dieser dem fremden Heulen folgte. Die seltsamen Flauschbälle folgte ihnen. "Was sind das für Dinger?"

Kyro sah kurz zweifelnd zu Atsuko. "Pelzlinge. Leidest du unter altersbedringter Vergesslichkeit?" Darüber hatten sie doch gerade eben schon gesprochen. Er versuchte irgendwie dorthin zu gelangen, wo das Heulen des Rüden ertönt war, was sich als schwer gestaltete. Es gab immerhin keine direkten Wege, sondern bloß tausend Irrwege. Bloß nicht zu oft nach links abbiegen. Dann würden sie nämlich im Kreis laufen...

Atsuko schnaubte empört. "Jaaa, aber ich meine, können die irgendwas Besonderes oder so? Ich meine, du dachtest ja auch zuerst, dass ich durch die Zeit reisen kann. Und irgendwoher musst du die Idee ja haben. Wenn dann bist du zu vergesslich weil du alt bist. Du bist ja mindestens doppelt so alt wie ich!", schnappte sie wütend. Und gleich darauf musste sie sich ein Lachen verkneifen, da Kyro ihr gerade das vorgeworfen hatte, worüber sie schon bei ihm nachdachte seit sie ihn kannte.

Kyro rollte mit den Augen. "Ich bin kein Experte für Pelzlinge. Ich kenne die Viecher gerade mal 5 Minuten länger als du." So in etwa konnte man es vergleichen. "Die Expertin in diesen Fragen ist Xanthara. Da musst du dich vertrauensvoll an sie wenden. In der Welt, aus der ich stammte, gibt es diese Dinger jedenfalls nicht."

Malumir fand sich im Düsterwald besser zurecht, als die beiden jungen Wanderer, weshalb er nicht einfach irgendwo verharrte, sondern ihnen entgegen kam. Kyro und Atsuko liefen wenigstens in seine Richtung und so fand er sie bald darauf. "Hier entlang...", rief er ihnen zu.

Atsuko betrachtete die Pelzlinge. "Naja, besonders ängstlich sind sie jefenfalls nicht, so wie die sich an dich klammern! Können die überhaupt was sehen?", fragte sie dann interessiert, weil sie keine Augen zwischen den Fellbüscheln erkennen konnte.

Atsuko wollte gerade zu einer Antwort anseetzen, da hörte sie die Stimme des Komischen. "Malumir?Bist du das?", rief sie fröhlich. Plötzlich erschein ihr die Welt gar nicht mehr so gruselig. Sie lächelte leise. 'Das liegt daran, dass ich gelacht habe. Diese Welt mag das nicht. Lachen macht sie schwach- Denn ihre größte Stärke ist, dass sie angsteinflössend ist', sagte sie leise zu sich selbst. 'Nun, am Ende habe ich doch etwas aus dieser Welt gelernt, und jetzt darf ich auch gehen.'

Kyro hatte keine Ahnung, es war ihm aber auch relativ egal. "Da wo die herkommen, gibt es so viele, dass du am Ende nichts mehr siehst, wenn sie dich unter sich begraben haben. Fressen kann man sie aber wohl auch." Er blickte auf, als ein Rüde auftauchte und sie anwies, zu folgen. Zur Abwechslung kam er einer Aufforderung mal direkt und gerne nach, während Atsuko noch mit sich selbst redete. Er hörte gar nicht hin, sondern ließ sich von Malumir führen. Irgendwann blieben sie ohne ersichtlichen Grund stehen. Und nun?

Malumir hielt dort inne, wo die anderen den Weg für sie geebnet hatten. "Wir reisen nach Caeluci. Die anderen haben einen deutlichen Pfad hinterlassen, dem wir folgen können. Ihr müsst euch dabei vor Augen führen, wo wir hingelangen werden.", begann er. "Caeluci ist eine Lichtwelt. Ihr Zentrum bildet eine große Ebene, die für euch vermutlich im Nebel liegen wird. Tatsächlich ist Caeluci eine Welt, in der man alles sehr klar sehen kann... wenn man die Fähigkeit erlernt hat, zu sehen. Die Lichtebene ist wie eine endlose Wasserpfütze, nur dass das Leuchten nicht nass ist. Es verhält sich ähnlich wie Wasser. Jede eurer Bewegungen sendet kleine Wellen aus, die durch die ganze Welt reisen. Am Horizont kann man am einen Ende den Lichtwald sehen und auf der anderen Seite das Lichtergebirge. Wir werden auf der Ebene landen. Versucht, sie euch vorzustellen... im Geiste... und versucht, sie zu fühlen. Es ist eine sehr stille, friedliche Welt..." Er wartete noch auf Rückfragen.

Atsuko machte sich in Gedanken ein Bild von der Welt. Es klang nach einer wunderbaren Welt, wo man nur dann klar sah, wenn man wusste wie. Unwillkürlich fragte sie: "Wenn es Nacht ist, leuchtet dann der Boden heller als die Sterne?" Ihre Mutter hatte ihr immer erzählt, dass es so auf der Sonne aussah. Und Sonne bedeute Leben und Wärme.

Malumir betrachtete die junge Seele. "Es gibt weder Nächte noch Sterne in Caeluci.", erklärte er ruhig und sanft. "Konzentriert euch... ihr beide geht vor."

Kyro tat, wie ihm geheißen. Was auch immer das heißen mochte. Lichtebene... Wie Wasser, nur trocken... Nebel... Blabla. Er konzentrierte sich.

Atsuko schloss die Augen. Sobald sie die Lider gesenkt hatte, verstzte sie ihre Fantasie in eine andere Welt. Beinahe dachte sie, sie wäre schon dort, aber der kalte Boden unter ihren Ballen überzeugte sie vom Gegenteil. Vor ihrem inneren Auge sah sie eine gleisend helle und reine Welt, und beinehe blendete sie sie. Im Endeffekt stellte sie sich doch einfach die Sonne mit Nebel überzogen vor, aber es fonktunierte trotzdem.
.
Kyro wartete ungeduldig, dass etwas passierte, doch erst als Atsuko verschwand, merkte er, wie ein Sog ihn mitriss.





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Lu, Kyro, Josh, Lio





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Und wie der Regen singt
Den Geschmack des Mondes
Und wie der Nebel klingt

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Wo die Welt begann
11.11.2017 22:25
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