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Lijenna
Lillyan Caesar






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Pairen - Der Seelenstrand
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Kyro und Ceran haben kurz das Gefühl, als würde der Boden, auf dem sie stehen, stärker an ihnen ziehen und noch während sie ihre Muskeln anspannen, um zu verhindern, dass ihre Beine nachgeben, wandelt sich das Gefühl in Schwerelosigkeit. Als wäre der Boden verschwunden. Im nächsten Augenblick befinden sie sich am Kiesstrand einer Insel. Schäumende Wellen werfen sich ans Ufer und singen ein wildes Lied von Urkraft und Ewigkeit. Wenn sich die beiden ansehen, sehen sie in ihr eigenes Gesicht. Beim Fall in die Welt haben sie die Körper getauscht.

Kyro war, nachdem er den Pelzling getötet hatte, zum See gegangen und hatte eine ganze Weile getrunken, ehe er die danach noch übrig gebliebenen Beweise von seinem kleinen Raubzug durch sorgsame Körperpflege vernichtete. Es musste immerhin nicht bekannt werden, dass er Syrayns Haustier getötet hatte! Dann war sein Körper schwer geworden, ohne dass er Müdigkeit empfand und er ahnte beinahe, dass er die schwarzweiße Welt Acuri verlassen würde, um irgendwo anders zu stranden. Ein bisschen verarscht kam er sich vor, als er sich tatsächlich an einem Strand wiederfand und fassungslos sich selbst betrachtete.

Ceran glaubte allmählich, dass im Weltenwetter keine richten Gespräche zustande kommen konnten. Noch bevor er sich weiter mit dem neuen Wolf unterhalten konnte, spürte er eine eigentümliche Schwere in seinem Körper. Gerade, als er sich Hilfe suchend an einen der Wölfe wenden wollte, wurde er federleicht. Den Augenblick eines Blinzelns wurde es dunkel um ihn herum, er hatte das Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren nur, um auf hartem Kies wieder zu landen. Irritiert blinzelte er, als er sich selbst entdeckte. Was war denn jetzt passiert?! War er etwa in einer Welt mit sich selbst gelandet? Probeweise hob er die linke Pfote an - und schlackerte mit den Ohren, als er sah, dass es nicht seine schönen, zierlichen Rattenfüße waren sondern die klobigen Pfoten eines Wolfs.

Kyro starrte den Wolf an, der ihm gegenüber stand. Vielleicht hätten sich andere nicht sofort erkannt, weil die Natur nicht viele Gelegenheiten bot, sich selbst zu betrachten... Aber Kyro erkannte das zerfetzte Ohr auf der einen und das zur Hälfte fehlende Ohr auf der anderen Seite. Er erkannte die Narben. Einige, weil er sie an seinem Körper oft genug selbst gesehen hatte, andere, weil er sie manchmal angestarrt hatte, in Pfützen oder Seen. Es gab nur wenige Momente, in denen das Licht es ermöglichte, dass er sich selbst sehen konnte und sich genau so im Wasser brach, dass sein Spiegelbild dort erschien, aber mancher Narben erinnerte er sich sehr genau. Nicht, weil er sie oft gesehen hatte, sondern weil er sich an die Wunden erinnerte, die er durch die ein oder andere Art erhalten hatte. Alt sah er aus, wenn er das mal so nüchtern denken durfte. Alt und zerfetzt, hässlich und verlebt... Die Augen, die ihn anblickten, gehörten nicht ihm. Er wusste nicht, wieso er diese Eingebung augenblicklich hatte, denn es waren durchaus seine Wolfsaugen. Aber etwas in ihnen war nicht er. Vermutlich stimmte es, dass die Augen mehr mit der Seele - oder was auch immer einen Wolf ausmachte - verbunden waren, als alles andere. Genau genommen sah er sich also nicht selbst an, was ihn zu der Frage brachte, wer oder was er eigentlich gerade war. Ein Schauer jagte von seiner Schwanzspitze bis in seinen Nacken hinauf. Er fühlte sich komisch. Komische Haltung, komischer Körper... Als er aufschrie, klang er, als würde er gerade auf ein Nagetier beißen. "Wääääh!" Also war er wohl das Nagetier! Hektisch versuchte er seinen Körper zu betrachten und mutmaßte, dass er diese riesige Ratte war, die Laelia und Yavru irgendwann angeschleppt hatten.

Ceran richtete den Blick wieder auf das Tier ihm gegenüber. Dass es sein Körper war, wusste er. Er roch es. Aber sein Körper bewegte sich nicht, wie es ein Spiegelbild hätte tun sollen. Stattdessen kreischte es plötzlich los, dass es in Cerans Ohren schepperte, und wand sich so sehr, dass Ceran schon vom Zusehen Angst um seinen eigenen Körper bekam. Ratlos schnappte er nach sich selbst. "Jetzt ent-" Er brach ab. Seine Stimme klang viel tiefer als sonst. Und sie fühlte sich auch anders an. Genauso wie alles andere. Wenn er ehrlich war, wusste er nicht einmal, ob er anständig sprechen konnte. Ratlos versuchte er, sich zu putzen - und landete unsanft mit der Schnauze im Kies. "Aua", stieß er vor Schreck und vor Schmerz gleichermaßen aus.

Kyro hatte keinerlei Ahnung, was er sich hatte sagen wollen - also der Wolf, sein Körper, was auch immer - aber es beruhigte ihn nicht und es scherte ihn gerade auch relativ wenig. Im Augenblick war er noch mit sich selbst beschäftigt. Bei jeder Bewegung hatte er das Gefühl, alles falsch zu machen. Sein Schwarz war ein seltsam nutzloses, unbewegliches Ding. Es ließ sich nicht vernünftig heben, oder gar bewegen. So ein ameisenhirniges Schicksal, das ihn schon wieder derart tyrannisierte! Als sein Körper stürzte, schnellte sein Kopf herum: "Hey! Pass bloß auf, was du mit meinem Körper anstellst! Ich will keinen Kratzer haben, wenn ich den zurück bekomme!", piepste er erbärmlich hoch. Panik überkam ihn kurz, für ein paar Herzschläge. Was, wenn sein Gegenüber starb? Was passierte, wenn sein Körper 'kaputt' ging? Saß er dann für immer in der Ratte fest?

Ceran richtete sich langsam wieder auf. Dieses hysterische Wesen da war ganz sicher nicht er! Skeptisch betrachtete er die Körperhaltung seines Körpers. Sie spiegelte das, was er selbst auch empfand: Unwohlsein und Unsicherheit, wie dieses fremde Ding richtig funktionierte. Wie er sich bewegen musste, dass er eben keinen Kratzer in dieses wertvolle Ding machte. In welchen Körper war er da überhaupt hinein geraten? Wieder betrachtete er seinen Körper, konzentrierte sich jetzt aber auf die Augen. Allerdings half ihm der unzufriedene Ausdruck nicht wirklich weiter.

Kyro hatte Ceran auch nicht an den Augen erkannt. Er hatte dessen Hinterteil betrachtet. Sein Hinterteil. Cerans Hinterteil. Das war so verwirrend, dass ihn seine eigenen Gedanken verwirrten. Und das verwirrte ihn noch mehr. Als er einen Schritt machen wollte, hob sich sein Oberkörper irgendwie seltsam fremdartig an. Er landete wieder mit allen Vieren auf dem Boden. "Ich will keine Ratte sein!", machte er sich schließlich Luft. "Es ist, als wäre ich ein Krüppel! Als hätte ich keinen Hals! Und meine Eier schleifen am Boden!", fiepte er jammernd. "Das ist doch zum Kotzen!" Das Gesicht der Ratte verzog sich zu einer Grimasse. "Meine Eier sind so groß wie mein Kopf! Wer denkt sich solche unförmigen Körper aus!?"

Ceran zuckte zurück, als hätte Kyro ihn persönlich beleidigt. Natürlich konnte er nachempfinden, dass der Wolf seinen Körper zurückwollte - er wollte auch wieder in seinen eigenen schlüpfen! Die Bewegungen ausführen, die er kannte. Und vor allem: was, wenn dieser Heini in seiner Panik und seinem Unmut den Körper verletzte? Ja, was, wenn dieser Wolf, nicht daran gewöhnt, auf Jäger zu achten, seinen Körper einem Raubtier überließ, weil er nicht darauf achtete?! "Pass du mir auf meinen Körper auf!", forderte Ceran, "ich will deinen auch nicht haben. Wenn du einen Ausweg weißt, dann her damit - aber verflucht nochmal, pass gefälligst auf deine Umgebung auf!"

Kyro sah auf das Kies unter ihm. Das verstand er offenbar unter 'Umgebung'. "Wieso? Können mir die Steine die Eier abschneiden?", wollte er wissen. Vielleicht hätte er Ceran dann kastriert! Er lachte in sich hinein und stoppte sogleich wieder, weil es sich einfach nur völlig bescheuert anhörte, in diesem Körper. Urg. "Wie ätzend ist das denn! Immer schleifen die Klöten durch den Dreck. Kein Wunder dass du dich ständig hysterisch putzt, wie jemand mit einem Waschzwang!" Er bewegte seine Pfoten über die Steine. Völlig fremd war ihm die Fähigkeit zu greifen, weshalb er sich auch ziemlich ungeschickt anstellte.

Ceran beobachtete mit Fassungslosigkeit, wie sein Körper vollkommen wacklig und unachtsam mitten über den freien Strand torkelte. Dieser Verstand kannte es also wirklich nicht, wie man auf sich achtete! Ceran folgte ihm schließlich, fühlte sich allerdings ebenso ungelenk wie sein Körper dort vorn aussah. Diese langen Beine wollten einfach nicht gehorchen! Ständig wollten sie mal nach links, mal nach rechts ausschweifen. "Bleib da!", rief Ceran seinem Körper und dem fremden Wesen darin zu - oder nach? - , "du musst doch auf die Jäger aufpassen! Der Kies ist harmlos. Aber Vögel, Wölfe, Füchse nicht!"

Kyro lachte piepsend auf. "Ich hab doch einen Wolf bei mir, der mich beschützt!" Nach außen blieb er ganz gelassen, innerlich begann er darüber nachzudenken, was es bedeutete, eine Ratte zu sein. Mit den schwarzen Knopfaugen sah er sich um, entschied dann aber, dass er in der Nähe seines eigentlichen Körpers nichts zu befürchten hatte. Das Meer wütete und der Wind jagte ungebremst über ihn und den in seinem Körper hinweg. Der Himmel war wolkenverhangen und regenschwer. Der Strand führte nicht weit ins Landesinnere. Nur ein paar Wolfssprünge entfernt ragten hohe Felswände nach oben. Wenn dieser Strand die Gezeiten zu spüren bekam, würde es bei Flut vermutlich unschön für sie ausgehen. Kyro wandte sich nach Süden. Nein, eigentlich ging er einfach zwischen Meer und Klippen den Strand entlang. Er wusste nicht mehr, was Süden war und erinnerte sich kaum noch, wie er je im Gefühl haben konnte, in welche Richtung Süden, Westen, Norden oder Osten waren. Man konnte sich an der Sonne orientieren. Aber manche Welten hier hatten zwei Sonnen, oder gar keine... Man konnte sich an den Energiefeldern der Erde orientieren, aber auch diese Gesetze galten hier nicht. Man konnte sich am Wind und den Pflanzen orientieren... doch egal was er über die Himmelsrichtungen wusste, es hatte jede Bedeutung verloren. "Wie heißt du noch gleich? Ceran?"

Ceran schnaubte bei dieser Äußerung halb belustigt, halb verächtlich. "Wenn ich dich beschützen können soll, muss ich erst einmal diesen vermalledeiten Körper beherrschen. Und du musst in meiner unmittelbaren Nähe bleiben. Und vielleicht nicht MITTEN auf der freien Fläche gehen sondern näher am Fels" War es etwa zu viel verlangt, dass dieser unhöfliche Trotzkopf sich ein wenig Mühe gab dabei, auf seine Umgebung - unter anderem auf die lebende Umgebung - zu achten? "Ja. Ceran", antwortete er kurz angebunden. "Und du? Zu wem gehört dieser schlaksige, ungelenkige Körper?" Achtsam wanderten die Wolfsaugen über die Landschaft, suchten den Himmel ab - wobei Ceran den Kopf dafür ungewöhnlich ungemütlich heben musste - und schließlich witterte er. Irritiert stellte er fest, wie sehr dieser Körper auf den Geruch von potentieller Beute reagierte. So, wie er einen Hasen witterte, lief ihm automatisch das Wasser im Maul zusammen. Angewidert von sich selbst - oder doch eher von diesem verfressenen Körper? - hob Ceran die Lefzen.

Kyro lief dort, wo es ihm gefiel! Am Felsen entlang, wie eine Ratte! Soweit kam es noch! Ob er wohl ein paar Tricks lernen konnte, um ein besserer Jäger zu werden, wenn er Ceran weiter zuhörte? "Weißt du was du in meinem Körper tun musst? Mitlaufen und gut aussehen. Kein Federvieh das mir bekannt ist, wagt sich in die Nähe eines ausgewachsenen Wolfs. Und keine Raubkatze macht dir deine Beute streitig." Er überlegte ein bisschen und grinste dämlich, auch wenn das vielleicht nicht so zu sehen war, wie normalerweise. "Und wenn du hunrig wirst, wirst du mich trotzdem nicht fressen! Du würdest immerhin dich selbst fressen!" Das war witzig! Böse, klar, aber auch witzig! Wenn sie die einzigen Lebewesen in dieser oder irgendeiner Welt wären, würde Ceran vielleicht doch irgendwann auf die Idee kommen, ihn zu fressen! Aber er fürchtete sich nicht, denn die Ironie des Ganzen hatte eine Pointe, die den möglichen Tod wert gewesen wäre. "Kyro.", gab er schließlich etwas verspätet auf die Frage zurück. "Einen Vorteil hat dein Körper...", musste er schließlich eingestehen. "So jung..." Frei von Schmerz und ohne ächzende Gelenke. Unversehrt... keine alten Narben, Verletzungen oder sonstige kleine und große Wehwehchen.

Ceran nervte es zusehends, mit diesem unvorsichtigen Wesen unterwegs zu sein. Gezwungener Maßen - wenn er ihn alleine ließ, stieg die Wahrscheinlichkeit, dass er seinen Körper nicht heil zurück bekam, ins Unermessliche. "Kyro", wiederholte Ceran langsam. Hatte er nicht bereits eine Begegnung mit diesem Wolf verlebt? Lange dachte er nicht darüber nach, stattdessen seufzte er. "Genieße es. Wir werden hoffentlich die Welt bald wieder wechseln, dann bekomme ich meinen wundervoll grazilen Körper endlich zurück." Wobei er durchaus zugeben musste, dass er allmählich Gefallen an dem Wissen fand, keine Beute zu sein und sich viel, viel freier bewegen zu können als er es gewohnt war. Er vollführte einen kleinen Hüpfer, wie er es in seinem Körper wohl getan hätte, und unterdrückte ein Ächzen. Er hatte nicht damit gerechnet, dass die Knochen schon so alt waren, dass sie diese kleine Spielerei nicht ohne Protest aushielten. "Wo gehst du überhaupt hin?", wollte Ceran wissen. Vielleicht hatte sein Körper mit Kyro darin ja ein bestimmtes Ziel?

Kyro tat dasselbe wie Ceran. Er hüpfte. Und es tat nichts weh! Es sah sicher nicht elegant aus und beinahe wäre er umgeknickt, aber andererseits war es beinahe, als wäre er leichtpfotig. Wie das mit einem Körper genau gehen sollte, der so unförmig war und bei dem leicht alles am Boden schleifte, wenn man nicht auf Zehenspitzen - er wusste nicht wie er es anders beschreiben sollte - ging, wusste er nicht, aber es war möglich. Und auch wenn er fand, dass Ratten nicht danach aussahen... irgendwie konnten sie den Körper doch weit genug heben. "Ich gehe weg vom Strand... falls es eine Möglichkeit gibt...", erklärte er. "Wenn der Wind stärker wird und somit die Wellen höher, müssen wir in unseren falschen Körpern schwimmen... und ich bin sicher, wir würden beide ertrinken. Falls nicht gerade Flut ist und dieser Strand den Gezeiten unterworfen ist, kann hier auch bald alles unter Wasser stehen... Bevor ich mir also Gedanken darüber mache, wie ich aus diesem Körper herauskomme, will ich erst einmal irgendwo sein, wo ich sicher bin." Und praktischerweise kam Ceran einfach mit. So brauchte er sich um seinen Körper weniger Sorgen zu machen. "Vielleicht gibt es irgendwo eine Möglichkeit, die steilen Felsen empor zu klettern..." An den Klippen selbst konnte man durch aus sehen, dass die Wellen manchmal dagegen schlugen. Die Jahrhunderte hatten Salzspuren hinterlassen.





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Lu, Kyro, Josh, Lio



31.03.2018 22:47
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Lijenna
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Ceran verstand allmählich, weshalb der Wolf bei ihren Begegnungen immer so schlecht gelaunt gewesen war - jetzt, wo Ceran diesen ächzenden Körper hatte, merkte er, wie seine Laune allmählich ins bodenlose Nichts sank. Allerdings musste er dem Vorhaben Kyros zustimmen: bevor sie sich um den Körperwechsel sorgten, mussten sie dringend von diesem Strand weg. Täuschte sich Ceran, oder schlugen die Wellen bereits näher an ihre Pfoten heran? - Klettern wollte Kyro also. Mitten auf den Felsen. Mit seinem agilen Körper, während er in diesem ungelenkigen feststeckte! "Denk daran, dass dein Körper zum Klettern nicht gemacht ist. Und der beste Schutz durch mich als Wolf bringt nichts, wenn ich nicht klettern kann!" Das war ehrlich gesagt ziemlich frustrierend...

Kyros schwarze Knopfaugen wurden groß. Er hielt an und betrachtete sich und die verkrüppelte Gestalt, die er geworden war. Dieser Ceran hatte wirklich den Nerv, seinen schönen Wolfskörper als kletteruntauglich zu bezeichnen? "Mein Gehänge wird sicher mein Verhängnis in diesem Beutetierkörper.", murrte er vor sich hin, was mit der Rattenstimme eher lustig klang. Er zappelte ein bisschen herum und stolperte fast, was aber eigentlich nichts machte, denn irgendwie befand sich der Rattenkörper ohnehin in unmittelbarer Bodennähe. Er entschied, loszurennen und setzte das Vorhaben sogleich in die Tat um, mit dem Versuch, möglichst nicht darüber nachzudenken, was er da gerade tat.

Ceran beobachtete die Bewegungen seines Körpers mit Sorge. Zum Glück war er so beweglich und Gott sei Dank - auch, wenn er eigentlich nicht an ein solches Geschöpf glaubte - würde Kyro hoffentlich spüren, wenn er ihn überanstrengte. Gezwungenermaßen brachte er seine Gelenke und Muskeln dazu, ebenfalls in Traben überzugehen. Aufmerksam betrachtete er die Felsen. "Irgendwo hier muss es doch einen Weg nach oben geben!", gab er ungewöhnlich grummelig von sich.

Kyro fand es seltsam, seine eigene Stimme hinter sich zu hören und setzte die Rattenstimme nicht dagegen ein. Er lief den Strand entlang und blieb manchmal stehen, um die Felsen empor zu starren. Unmöglich dort hinauf zu kommen. Für sie beide. Ein Vogel hätten sie sein müssen, oder eine Ameise. Er schnaufte, was zu einem verwirrenden Niesen wurde und ihn umso mehr frustrierte. Nicht einmal das Gesicht konnte man in diesem Körper anständig verziehen. Er wollte gar nicht wissen, wie sein Versuch aussah!

Ceran konnte in dem Fels einfach keine Stelle ausmachen, die sie gemeinsam erklimmen könnten. Das Niesen brachte ihn dann doch ein wenig aus dem Konzept. Mit einem Seufzen wiegte er den Kopf hin und her. Dabei fiel sein Blick auf eine Öffnung im Fels, die ihn innehalten ließ. "Kyro, stopp!", befahl er. Langsam schritt er zu der Felsspalte und schnüffelte. Sie roch... in Ordnung. Ein wenig muffig, aber nicht so modrig, wie es hätte sein können. Ein abschätzender Blick traf Kyro. "Normalerweise würde ich das ja selbst machen, aber... du müsstest mal schauen, ob du diese Felsspalte einen Weg nach oben hat. Vielleicht findest du oben ja etwas, mit dem ich auch nach oben klettern kann." Sorgen, dass Kyro einfach verschwinden würde, machte er sich nicht. Schließlich würden sie diese Welt irgendwann wieder verlassen - und dann würden sie ja wohl ihre Körper zurücktauschen!

Kyro tappte zurück mit seinen Watschelpfoten und schnupperte in die Öffnung. Wäre er ein Wolf, hätte er sich fragen können, ob sich darin Beute versteckte. Aber nun war er die Beute und musste sich fragen, ob in dieser Öffnung eine Gefahr für ihn lauern konnte. Er entschied, dass alles, was kleiner war als er, ungefährlich war. Von giftigen Tieren abgesehen. Giftige Tiere? Urg. Er zwängte sich in den Spalt und ging auf die Suche nach irgendeinem Weg. Nach oben ging es aber jedenfalls nicht und es dauerte auch nicht besonders lang, bis es nirgendwo weiter zu gehen schien. Er stieß mit der unverhältnismäßig langen Nase etliche Male gegen den Fels und kehrte frustriert zu Ceran zurück. "Nichts.", brummte er, was nach einem lächerlichen Fiepen klang.

Ceran lauschte aufmerksam in den Felsspalt. Sein Instinkt sagte ihm, dass Kyro zwar vorsichtig sein musste, theoretisch aber nichts zu befürchten haben dürfte. Auch, wenn er sich bei den Geräuschen doch irgendwie Sorgen machte. Deshalb war er auch im ersten Moment erleichtert, als sein Körper wieder auftauchte, ließ bei der Nachricht dann aber enttäuscht die Ohren hängen. "Mist." Irgendwie mussten sie doch aber nach dort oben kommen! Er wollte nicht ertrinken!

Kyro trat gänzlich ins Freie und ließ den Blick über das Meer schweifen. Zumindest soweit seine Größte das zuließ. Etwas unsicher erhob er sich auf die Hinterpfoten und merkte, das der Körper für diese Haltung wie gemacht zu sein schien. So aufgerichtet kam er mit dem Wolfskörper, der eigentlich ihm gehörte, auf Augenhöhe. Besonders viel sah er aber nicht. Das Meer war endlos, so wie es für einen Ozean typisch war. Hier schien die See besonders rau und unbarmherzig zu sein. Kräftige Wellen rollten heran und warfen sich an den Strand. Er sank in sich zusammen. Aszira hätte dieses Spiel der Wellen gefallen, aber sie hätte den Weltenbaum vermutlich verabscheut. Vielleicht würde sie deshalb gar nie hier landen. Über Reszani wollte er nicht nachdenken. Er wollte sich nicht in Erinnerung rufen, dass weiterhin die Möglichkeit bestand, dass die beiden Wölfinnen ertrunken waren.

Ceran richtete seinen Blick auf das Wasser, das sich so endlos vor ihnen erstreckte. Endlos blau, endlos weit - endlos tief und viel zu gefährlich. Dass Kyro sich aufrichtete, bemerkte er nur aus den Augenwinkeln, allerdings spürte er instinktiv, dass den Wolf etwas bedrückte. Ceran seufzte seinerseits schwer. "Vielleicht sollen wir ertrinken. Vielleicht.. müssen wir das, um von hier wegzukommen." Er fühlte sich unendlich schwer, während er diese Worte aussprach. Sterben war nicht, was er wollte - und wenn sie nun wirklich ertranken, weil es die falsche Idee gewesen war? "Fällt dir noch etwas anderes ein?"

Kyro schnaufte und war einmal mehr verstört von dem Geräusch das er dabei verursachte. "Gehen wir weiter an den Klippen entlang. Irgendwo müssen sie enden... und wenn es eine Insel ist, müssen wir irgendwann wieder dort ankommen, wo wir losgegangen sind. Erst wenn wir dort sind, sollten wir noch einmal überlegen, welche Möglichkeiten wir sonst noch haben." Vielleicht nahmen die Klippen nach ein paar Kilometer ein Ende und sie stellten sich bloß selten dämlich an? Irgendwie hatte Kyro aber bereits ein gewisses Inselgefühl, dennoch wollte er auf Nummer sicher gehen und marschierte los. Bauch hoch, Klöten hoch, Schwanz hoch und mit erhobenem Haupt über den Kiesstrand. Es sah mit Sicherheit so lächerlich aus, wie es sich anfühlte.

Ceran stimmte Kyros Überlegung wortlos zu, indem er ihm folgte. Dabei beobachtete er, wie der andere seinen Körper benutzte - und musste zugeben, dass das reichlich lächerlich aussah. Wenn er selbst ging, hopste oder trippelte, sah das sicher deutlich eleganter aus! Allerdings musste er auch zugeben, dass es sicher ähnlich lächerlich aussah, wie er versuchte, diese langen Beine richtig zu koordinieren, auch, wenn es immer besser gelang. Und eines musste er diesen langen Beinen zu Gute halten: sie sorgten immerhin dafür, dass er nicht so viele Schritte machen musste wie normalerweise, um die gleiche Strecke zurückzulegen.

Kyro tappselte und hüpfte den Strand entlang und hüllte sich in Schweigen. Er war beschäftigt mit dem neuen Körper, den Bewegungen und mit sonstigen Gedanken, die sich einnisteten und nicht abzuschütteln waren. Er blieb erst stehen, als er seine Witterung am Boden wahrnahm und erahnte, wo sie in der Welt gelandet waren. "Insel.", hielt er resigniert fest. Auf ihrem Weg war ihnen kein anderes Wesen begegnet, also saßen sie ziemlich in der Scheiße. Sein Blick glitt über das Meer, doch die Überlegung, absichtlich zu ertrinken führte ihn unweigerlich zurück zu Reszani und Aszira und sein Herz scheute imselben Augenblick zurück. Er verwarf den Gedanken. Mehrfach versuchte er ihn weit von sich zu schieben, aber das klappte natürlich nicht. Das war wie mit den rosafarbenen Rentieren. Wenn man versuchte, nicht an sie zu denken, hatte man schon an sie gedacht.

Ceran nickte seufzend. Insel. Da hatten sie den Salat. Und nirgends eine Möglichkeit, vom Strand fort zu kommen. Allerdings konnte er sich nicht vorstellen, dass sie lernen sollten, wie man ertrank. So grausam konnte der Weltenbaum nicht sein. Ratlos legte Ceran sich hin und starrte auf das Wasser. "Kyro. Vielleicht geht es mich nichts an, und bei diesem Körper und den schmerzenden Gelenken hast du schon mehr Verständnis als früher, aber..." Ceran hielt inne. Jetzt gerade war die einzige Möglichkeit, diesem Miesepeter auf die Spur zu kommen. Er seufzte, dann gab er sich einen Ruck, "möchtest du erzählen, was dir sonst noch auf dem Herzen liegt?"

Kyro verzog das Gesicht, was ihm als Ratte einfach nicht gelingen wollte. Was ihm auf dem Herzen lag? Er hätte geknurrt, wenn der Körper in dem er steckte dazu in der Lage gewesen wäre. "Die schmerzenden Gelenke haben etwas mit dem Alter zu tun. Das wirst du früh genug auch noch lernen...", erklärte er sachlich. Die Schmerzen die von monatelanger, verkrüppelt unterwürfiger Haltung gekommen waren, ließ er aus, ebenso wie die Schmerzen die von Kämpfen und Verletzungen herrührten. Auch das gehörte zum Älter werden dazu. So unversehrt wie Ceran blieb man nicht sein Leben lang. Es sei denn man brauchte nie zu kämpfen. Ein Leben ohne Kampf konnte sich Kyro nicht vorstellen. Auf den Rest der Worte wollte er nicht eingehen. Was ihm auf dem Herzen lag? In seinem Herzen klaffte ein Loch, von dem er nicht einmal wusste, wann genau es dahin gekommen war. "Da wo das Rudel herkommt... in Gaia... da gab es eine Wölfin und ihre Tochter. Sie haben mir die Welt bedeutet und ein ekelhaftes Gefühl in mir sagt mir, dass ich sie niemals wieder sehen werde. Vermutlich werde ich auch nie erfahren, ob sie gestorben sind, oder irgendwo ihr Glück machen... Aber fort sind sie so oder so. Rausgerissen aus meinem Leben und aus meinem Herzen." Letztlich antwortete er, weil nicht zu antworten bedeutet hätte, eine zu große Sache daraus zu machen. Und es sollte keine große Sache sein. Er wollte nicht, dass es eine große Sache war. Denn wenn es eine große Sache war und er das zuließ, dann würde der Schmerz ihn umbringen.

Ceran spürte, dass er einen Punkt getroffen hatte, den der echte Wolf eigentlich nicht ansprechen wollte. Aufmerksam hörte er zu, nickte schließlich. "Ja. Irgendwann werde ich das sicher auch lernen. Oder doch Beute für einen von euch werden." Er schwieg wieder, lauschte dem Ozean, der Brandung - und blinzelte überrascht, als Kyro erneut die Stimme erhob. Ceran hatte nicht damit gerechnet, dass er tatsächlich erfahren würde, was den Rüden so sehr bedrückte. Einen Moment war er nicht sicher, wie er reagieren sollte - doch dann beschloss er, einfach auf seine Intuition zu vertrauen und stupste den Rüden im Rattenkörper ganz sacht an der Schulter. "Niemand kann sie dir aus dem Herzen reißen", antwortete er leise, "dazu hat niemand ein Recht. Vielleicht sind sie nicht mehr hier, nicht körperlich jedenfalls. Aber in deinem Herzen und in deinen Erinnerungen sind sie bei dir." Er zögerte, ehe er weitersprach. Er wollte nichts sagen, was den Schmerz des Rüden weiter verstärkte, andererseits konnte er wohl kaum größer sein, als er es war. "Ich glaube, dass sie auf die ein oder andere Art auf dich achtgeben. Sie sind da, unsichtbar. Vielleicht mit ihren Gedanken, vielleicht mit ihrem Geist. Ich weiß nicht, woran ihr Wölfe glaubt - aber bei uns heißt es, dass die, die wir lieben und die auch uns geliebt haben, unser ganzes Leben lang auf uns aufpassen werden. Egal, wo ihre Seelen gerade verweilen."

Kyro hörte mit halbem Ohr zu. Er hörte natürlich alles, aber er hätte lieber weggehört. "Sie sind nicht mehr da.", wiederholte er steif. Der Grund dafür war nicht wirklich wichtig. "Erinnerungen führen nur zu der einen, letzten Konsequenz: Sie sind nicht mehr da." Keine Erinnerung konnte daran etwas ändern. Egal wie tief er in ihnen versank. Nicht einmal wenn er es geschafft hätte, in den Erinnerungen zu ertrinken hätte sich etwas an der endgültigen Konsequenz geändert. Sie waren fort. Beide. Sternengewäsch interessierte ihn nicht. "Woran manche Wölfe glauben, spielt keine Rolle. Wer tot ist, ist fort. Egal wie, egal wo. Die Toten sind aus meinem Leben gerissen und nichts kann etwas daran ändern. Auch die Liebe greift nur ins Leere, klammert sich an Erinnerungen." Er sagte das alles trocken und mit der Sachlichkeit von zuvor. "Und ob sie mich geliebt haben, wage ich stark zu bezweifeln. Selbst deinem Glauben nach würden sie sich doch wohl kaum um jemanden scheren, den sie nicht liebten?"

Ceran spürte trotz oder gerade wegen Kyros Sachlichkeit, wie sehr er darunter litt, diese beiden Wesen nicht mehr in seiner Nähe zu wissen. Der Schmerz lastete schwer auf Ceran, wenngleich es nicht sein eigener war. Er schloss die Augen, atmete bewusst tief aus. Dachte an seinen Bruder, der ihn - seiner Meinung nach - in so mancher Situation geschützt hatte. "Weshalb sollten sie dich nicht geliebt haben? - Unser Herz liebt jeden. Auch, wenn deines mich vielleicht vor allem deshalb liebt, weil es deinen Magen füllen könnte", hörte er sich schließlich mit Kyros Stimme sagen, wobei er letztlich wieder ernst wurde, "ich weiß nicht, welche Geschichte du dir über dich und dein Leben erzählst. Welche Realität du dir selbst erschaffen hast. Aber ich glaube, dass sie dich beschützen. Deinen Körper zieren unendlich viele Wunden. Sie schmerzen, ja. Aber sie sind auch der Beweis dafür, dass du viele Kämpfe und Verletzungen überlebt hast. Vielleicht waren es Können und Widerstandskraft - oder du hattest starke Schutzengel. Möglicherweise beides." // Mittlerweile rollte die Brandung gefährlich nah an sie heran. Kurz registrierte Ceran, dass sie in spätestens einer Stunde einen Ausweg gefunden haben sollten - dann schob er den Gedanken von sich. Es würde sich schon ein Weg auftun.





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Lu, Kyro, Josh, Lio



31.05.2018 18:08
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