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Lijenna
Lillyan Caesar






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Silvarricor - Waldwärme und Eissplitter
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Casael blickte zu Lavaya. "Gehen wir erst einmal zurück in Lucerians Heimat.", schlug er vor und sah kurz zu Lexi. Diese war die Expertin für solche Fragen und er würde es ihr überlassen. Seine Antworten wären, wie immer, übereilt, unvollständig und unzureichend. Als er Panatan nicht mehr sehen konnte, schloss er die Augen und fühlte sich Lucerians Welt wieder vor Augen. Dann verschwand er und öffnete so die Fährte für alle.

Yavru wollte in einer ungastlichen Welt wie dieser ohnehin nicht länger als nötig bleiben, aber er wäre lieber gegangen, ohne den Eindruck zu haben, rausgeschmissen worden zu sein. Lavayas Einstellung teilte er, auch wenn er sich nicht so sicher war, wie sie. Vermutlich hätte Aszira die ein oder andere Situation gewusst, in der es notwendig wäre, einen Welpen zu quälen. Aber Aszira war doch nicht mehr seine Patin, warum dachte er noch so oft an sie? Er hielt es jedenfalls nicht für sinnvoll, weiter darauf einzugehen, da Lex bald ohnehin eine ihrer belehrenden Antworten abgeben würde. Pantans Verabschiedung erwiderte er nur flüchtig nebenbei. „Leb wohl.“ Aber gerne weit weg von ihm. Dann machte er sich bereit für den Sprung. Er dachte an die Heimatwelt des Lucerians, was, nachdem er schon einmal dort gewesen war, noch einfacher war, und sprang.

Lex blickte zu Lucerian hinüber, das sie nun nach Hause bringen würden. Das war eine gute Bilanz für einen Tag! Drei Seelen in die Heimat zurück gebracht! Danach mussten sie dann nur noch zurück nach Azali. Wie Casael wollte aber auch sie gerne die Welt Lucerians kennenlernen. Sie blieb als Schlusslicht in Naelura, falls jemand den Sprung nicht schaffte. Erst einmal wartete sie also nur ab.

Lucerian tat, was die anderen auch taten. Erneut stellte es sich seine Heimatwelt vor und spürte sogleich dieses komische Gefühl, das es schon vorhin verspürt hatte. Es war gut, aus dieser Welt zu verschwinden. Silvarricor war eindeutig gastfreundlicher als Naelura.

Lavaya nickte. Sie würde Lex fragen, die wusste so etwas vermutlich am besten. Aber erst einmal wollte auch sie hier weg, aber aus anderen Gründen. Sie konzentrierte sich auf Silvarricor und sprang.

Laelia bemerkte, dass alle verschwanden. Kurz bekam sie Panik - sie war nie in der Welt gewesen! - aber dann wurde ihr plötzlich bewusst, dass sie sehr genau wusste, wie es dort aussah, weil sie es ja gezeigt bekommen hatte. Laelia beschwor die Bilder herauf, und merkte, wie sie verschwand.

Lex folgte den anderen, als alle aus Naelura verschwunden waren. Sie hatte sich noch einmal flüchtig umgesehen, war aber schließlich sicher, dass sie niemanden zurückgelassen hatten. Gleichzeitig hoffte sie, dass sie niemanden mitreißen würden. Als sie in Lucerians Wald landeten, atmete sie einmal tief durch. Schön!

Casael wartete bereits und zählte die ankommenden Wölfe erst einmal durch. Keiner zu viel? "Scheint dieses Mal geklappt zu haben!", rief er freudig aus und lief durch die Reihen, um alle zu begrüßen. Dazu stupste er - wie es seine Art war - erst einmal alle an. "Mayeli." Dann konnte ihr Abenteuer losgehen! Ein Abenteuer für Erwachsene! Sie würden sich vielleicht nicht von hohen Felsen werfen, aber dafür durfte Casael nun eine unbekannte Welt erkunden!

Yavru schaute sich um. Sie waren wieder da, wo sie zuvor auch schon gewesen waren, in der Heimatwelt des Lucerian. Er musste zugeben, dass es hier obwohl die Landschaft zur Hälfte aus einer Eiswüste bestand, angenehmer war als in Naelura, wo die Landschaft normalerweise aus gar nichts bestand. „Mayeli“, erwiderte er Casaels Gruß, allerdings eher genervt als erfreut. Sie hatten sich doch schon oft genug gesehen in letzter Zeit, da musste Casael nicht so tun, als wäre es das erste mal, nur weil sie die Welt gewechselt hatten.

Lucerian war froh, dass es nun alle aus ihrer Gruppe geschafft hatten, die Welt zu wechseln. Es war immer noch eine seltsame Vorstellung für es, dass man einfach so in andere Welten gelangen konnte, aber es verstörte Lucerian auch nicht. Es wurde von ihm einfach akzeptiert, wie jede Neuigkeit, die es erfuhr.

Lavaya war froh, aus Panatans Welt zu kommen, jedoch nicht, weil sie ihn loswerden wollte, sondern weil das bedeutete, dass er sie nicht hören konnte, als sie Lex fragte: „Stimmt es wirklich, was sie uns erzählt haben? Dass manche Tiere, sogar Wölfe, Welpen quälen und töten?“ Es wäre ihr unhöflich vorgekommen, seine Aussagen in seiner Anwesenheit zu hinterfragen, aber sie wollte ganz ganz sicher gehen, dass es wirklich stimmte. „Und warum tun sie sowas? Ich habe verstanden, dass manche Wölfe diejenigen schlecht behandeln, von denen sie sich vorher schlecht behandelt gefühlt haben, und so geht das immer weiter. Aber warum Welpen? Die haben doch niemandem etwas getan!“

Laelia sah sich - wie immer wenn sie in einer neuen Welt ankam - erst mal um. Es war definitiv seltsam, stimmte aber genau mit dem überein, was sie aus den Erinnerungen Lucerians kannte. Cas erschien ihr etwas sehr motiviert, doch sie erwiederte seinen Gruß und empfand sein Stupsen als angenehm, anders als Yavru, der eindeutig genervt wirkte. Lae hingegen war langsam etwas irritiert davon, dass Lavaya so auf diesem Welpen-Quälungs-Thema herumritt. Wieso akzeptierte sie es nicht einfach?

Lex blickte zu Lavaya. "Ich gehe davon aus, dass sie die Wahrheit gesagt haben, über ihre Eltern.", gab sie zurück. "Und selbst wenn nicht... Es gibt solche Persönlichkeiten von Zeit zu Zeit, die aus unterschiedlichsten Gründen ihren Nachwuchs misshandeln oder verstoßen oder wegekeln." Es brachte nichts, diesbezüglich zu lügen. Sie machte eine Kopfbewegung, um Lavaya zur Seite zu nehmen. Das waren keine Fragen, die man nebenbei beantworten konnte.

Casael beobachtete Lex und Lav kurz, wandte sich aber von dem Gespräch ab. Er war froh, dass seine Freundin die Erklärerei übernahm und wusste nicht, ob er die Geduld gehabt hätte. Wie erklärte man solche Taten? Dass Yavru genervt geklungen hatte, ignorierte er. Er gehörte nicht zu den Wölfen, die sich die Mühe machten, sich wider ihrer Art zu verhalten, bloß weil sie anderen sonst auf die Nerven gingen. Wer ihn nicht ertrug, sollte eben Abstand halten. Casael hielt sich an Lucerian, die er auch angestupst hatte. "Kannst du dich auch im Eisland bewegen, oder nur hier im Wald?", wollte er wissen. "Und... wo ist dieser riesige Baum, den du mir gezeigt hast? Dieser sah sehr majestätisch aus!"

Lavaya ging noch ein paar Schritte näher an Lex. Sie hatte schon befürchtet, dass die Antwort so ausfallen würde und war daher nicht noch schockierter als sowieso schon. „Aber warum?“ Das war die Frage, die ihr jetzt, da sie akzeptiert hatte, dass es solche schlimmen Dinge gab, nicht mehr aus dem Kopf ging. Es musste doch wenigstens eine Erklärung dafür geben? Eine Solche Bösartigkeit konnte doch nicht einfach ohne jeglichen Grund rein zufällig entstehen! Oder etwa doch?





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Lu, Kyro, Josh, Lio



31.03.2018 19:41
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Lijenna
Lillyan Caesar






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Lex atmete tief durch, um sich zu sammeln und nachzudenken, wo sie anfangen sollte. "Weißt du... es gibt so unterschiedliche Beziehungskonstelationen, dass es schwer ist, zu verallgemeinern. Aber stell dir vor, ein Wolfswelpe wächst in einem sehr strengen Rudel auf. Die Strenge mag daher rühren, dass das Rudel zu wenig Nahrung findet, oder einer Bedrohung ausgesetzt ist. Die erwachsenen Wölfe kämpfen um das Überleben und haben keine Zeit, ihre Welpen zu verhätscheln. Sie verlangen von ihren Welpen, schnell erwachsen zu werden und Stärke zu zeigen.", begann sie ein Beispiel. "Es kommt sehr oft vor, dass man von jungen Seelen verlangt, dass sie wider ihrer Art Verständnis für etwas haben müssen, das sich ihrer Logik entzieht. Stell dir also diesen Welpen vor, der für jeden sanften, empfindsamen Charakterzug kritisiert wird, weil das nicht in das Lebensmodell des Rudels passt. Und dann stell dir vor, die Gefahr, welcher das Rudel ausgesetzt war, sorgt für das frühe Ableben aller Rudelmitglieder. Dann steht da ein Jungtier, das hart sein muss, um zu überleben. Das jegliche positive Gefühle zurückstellt, um irgendwie durchzukommen. Hungernd und einsam kämpft sich diese Fähe oder dieser Rüde durch die nächsten Monate und irgendwann ist sie oder er erwachsen, aber gezeichnet von der Art, wie sie oder er aufwachsen musste. Man nehme an, es kommt zu einer Verbindung mit dem anderen Geschlecht und zu Welpen. Und das, was sie oder er gelernt hat, gibt sie oder er nun an den Nachwuchs weiter. Stark sein. Hart sein. Vielleicht auch ohne dass eine Bedrohung besteht, aber für unser erstes Jungtier aus dem Beispiel, hat sich die Philosophie bewahrheitet. Wer nicht hart ist, der geht unter. Und auf diese Weise wächst ein Welpe womöglich auf, ohne die Liebe seiner Mutter oder des Vaters zu spüren und läuft davon, weil er sich nicht geliebt fühlt..." Es gab sehr viele Wenn und Aber in diesem Beispiel. "Es mag die Empfindung des Welpen sein, dass er nicht geliebt wird, aber manchmal muss man sich von denen entfernen, denen man nahe steht, um nicht an ihnen kaputt zu gehen."

Lavaya lauschte gespannt Lex’ Erklärungen. Was sie erzählte, klang traurig, aber nachvollziehbar. „Ich verstehe. Dann wollen die Eltern also nur das Beste für ihre Welpen, aber was sie für das Beste halten, ist vielleicht das falsche, weil sie es selbst nie besser gelernt haben? Dann sind sie gar nicht böse, sondern nur unerfahren.“ Vielleicht war es in solch einem Fall sogar besser für die Welpen, wegzulaufen, als bei ihren Eltern zu bleiben.

Lex nickte leicht. "Ja. So kann es sein.", erklärte sie. "Aber wenn wir dasselbe Beispiel nehmen und von einem anderen Welpen reden, der sein Rudel verliert, kann aus diesem dennoch eine warme, liebevolle Persönlichkeit werden. Das liegt immer an der Seele desjenigen, dem so etwas wiederfährt." Aber das war natürlich nur ein Beispiel gewesen. "Es kann aber auch sein, dass die Eltern oder ein Elternteil ihre Nachkommen wirklich nicht lieben. Aus welchen Gründen auch immer... Stell dir vor, sie wollten den Nachwuchs nicht... oder sie wollten einen Teil des Nachwuchses nicht. Vielleicht entspricht einer ihrer Welpen dem, was sie wollten und ein anderer ist schwächlich, oder zu frech..." Sie seufzte. "Und dann kann es immer sein, dass ein Wolf - oder auch jedes andere Wesen - so schreckliche Dinge erlebt hat, dass es davon in sich drin krank wurde. Krank, im Sinne von verrückt oder wahnsinnig, irrational..."

Lavaya erinnerte sich an das Gespräch über das seltsame Wesen namens Zion. Schon da war ja die Frage aufgetaucht, warum manche Wölfe durch ein Ereignis böse wurden, und andere nicht. Und es hatte sich die paradoxe Situation ergeben, dass ein Wolf, der Böses tat, sowohl selbst daran Schuld war, da er sich ja selbst dafür entschieden hatte, als auch nicht, weil sie Opfer der Umstände geworden waren. Diese Sache schien ähnlich zu sein. „Vielleicht wäre es besser, wenn manche Wölfe keine Welpen bekämen. Aber andererseits wissen die, die es beträfe, ohnehin nicht, das sie dazu gehören. Schließlich wollen sie ja nur das Beste.“ Was Lex dann erzählte, war ihr hingegen weiterhin unverständlich. „Wie kann man einen Welpen nicht mögen? Sie sind doch so niedlich! Ich will auch niemals Welpen haben, aber wenn ich es nicht vermeiden könne, würde ich es doch nicht an ihnen auslassen!“ Das nächste war für sie aber sogar noch weniger nachvollziehbar. „Ich habe Geschichten gehört von Wölfen, die verrückt geworden sind, weil sie zum Beispiel von einem Blitz getroffen wurden. Aber das sind doch nur Geschichten! Ich kann mir nicht vorstellen, dass so etwas wirklich passieren kann. Und selbst die sind nicht bösartig geworden, nur eben verrückt.“

Lex betrachtete Lavaya nachdenklich. "Ich bin sicher, eines Tages wirst du einer verlorenen Seele begegnen." Sei es Zion, oder ein anderes Wesen. "Kannst du dir keinen Schmerz vorstellen, der so groß ist, dass er dir den Verstand raubt?", erkundigte sie sich. "Gibt es solchen Schmerz in Lupmundi nirgendwo?" Sie war nicht lange genug in dieser Welt gewesen, um solche Eindrücke sammeln zu können. "Und ich spreche dabei nicht von dem Schmerz durch eine Wunde oder eine Verletzung... sondern von dem Schmerz, der dir die Brust zusammendrückt, sodass du nicht mehr atmen kannst und in dir brennt, irgendwo zwischen Herz und Magen. Der Verlust eines geliebten Rudelmitglieds beispielsweise... Oder... wenn du einen Welpen aufgenommen hättest... und dieser durch einen Unfall zu Tode gekommen wäre... Kennst du solchen Schmerz nicht?"

Lavaya nickte. „Und wenn ich es kann, werde ich ihr helfen.“ Sie überlegte. „Natürlich ist es immer traurig, wenn jemand stirbt. Und wenn es einen Welpen trifft, ist es ganz besonders traurig. Ich habe das glücklicherweise noch nie erlebt, aber ich weiß, dass es leicht passieren kann. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ich davon den Verstand verlieren würde.“ Sie versuchte sich vorzustellen, wie es wäre, hilflos mitanzusehen, wie ein Welpe den Tod fand. Durch einen Springling zum Beispiel. Würde sie diese Bilder wirklich wieder vergessen und einfach weitermachen können, als sei nichts passiert? „Zumindest hoffe ich das.“

Lex nickte nachdenklich. "Dabei kommt es auf deine innere Stärke an.", erklärte sie lächelnd. "Ich denke aber, wenn dir bisher noch nicht viel schlimmes widerfahren ist, wirst du mit dem, das dir eines Tages noch widerfahren wird, umgehen können.", erklärte sie. "Ich habe meine Familie verloren, als ich noch sehr jung war... und mit den Ewigkeiten hier im Weltenbaum habe ich wieder und wieder meine Familien verloren. Wie du siehst bin ich weder verrückt geworden, noch habe ich der Dunkelheit in mir nachgegeben. Nicht jeder verliert sich, weil er seine Lieben zu den Sternenlanden ziehen lassen muss." Sie atmete einmal mehr tief ein und wieder aus. "Aber manche Schicksale sind von so viel Verlust und Schmerz gezeichnet, dass die Seele der Dunkelheit nicht mehr entkommt."

Lavaya war sich unsicher. „Ich weiß nicht, ob ich innere Stärke habe. Aber wenn sich eine Gelegenheit ergibt, werde ich es einfach versuchen.“ Sie hatte verstanden, dass zum Beispiel Zion sie töten würde, wenn er in seine Nähe käme. Aber es waren sicherlich nicht alle verlorenen Seelen so gefährlich. „Wäre es nicht besser, schon Erfahrung mit schlimmen Dingen zu haben, bevor einem etwas wirklich Schlimmes passiert? Dann ist man es schon gewöhnt und wird nicht so sehr davon getroffen.“ Als Lex erzählte, dass sie immer wieder ihre Familien verloren hatte, spürte sie eine tiefe Traurigkeit in sich aufsteigen, obwohl sie selbst doch gar nicht von dem Verlust betroffen war. Sie trat ein paar schritte näher und stupste Lex kurz an, als wollte sie sie trösten. „Das tut mir Leid.“ Sie hoffte wirklich, dass es ihr gelingen würde, zumindest der einen oder anderen Seele helfen zu können, einen Weg aus der Dunkelheit zu finden. Das brachte sie wiederum zu einer weiteren Frage. „Aber wenn es Wölfe gibt, die ihre Welpen nicht mögen, gibt es bestimmt auch andere Wölfe, die gerne Welpen hätten, ohne selbst welche zu bekommen. Die könnten sich doch dann darum kümmern.“ Es schien ihr ideal, an Welpen zu kommen, ohne sich den ekligen Teil mit der Geburt antun zu müssen, und sie vermutete, dass das sicherlich vielen Fähen so ging.

Lex wusste darauf keine sichere Antwort: "Mag sein. Mag nicht sein. Ich glaube die Seelen aller Wesen sind hochkomplex und keine dieser Fragen ist leicht zu beantworten. Es kommt sicher auf die Situation an. Wenn du das erste Mal einen deiner Welpen verlierst, hast du das Gefühl, nie wieder froh zu werden. Aber so ist das auch mit dem ersten Gefährten... Wenn dir das erste Mal das Herz gebrochen wird, hast du keine Erfahrungen, wie du damit umgehen sollst. Da ist einfach ein alles ausfüllender Schmerz und du bist so unglücklich, dass du keine Zukunft mehr für dich sehen kannst. Und dann vergehen die Tage und Mondwenden und du lernst unendlich viel über dich selbst. Irgendwann weißt du, was der Spruch 'Die Zeit heilt alle Wunden' zu bedeuten hat. Die Trostlosen sagen: 'Die Zeit heilt keine Wunden, man lernt nur damit zu leben.' Und ich behaupte, beides ist wahr." Sie blickte in den Wald und dachte an ihren ersten Gefährten. An Asante. Als er sie verlassen hatte, war sie ewig lange davon überzeugt gewesen, dass er zu ihr zurückkommen würde, aber sie hatte ihn nie wieder gesehen. Sie wusste bis heute nicht, was aus ihm geworden war. "Aber weißt du Lavaya, irgendwann ist immer das erste Mal. Und es ist vermutlich von Vorteil, wenn du schon eine Weile gelebt hast, ehe dir ein großer Verlust widerfährt. Du hast dann einfach mehr Erfahrungen und kannst besser damit umgehen. Es wird dir eher gelingen, über den großen Schmerz hinaus zu blicken und zu wissen, dass da im Leben noch vieles anderes ist. Eine junge Seele ist formbarer als eine alte, aber auch viel schutzloser und zerbrechlicher." Sie stupste sacht zurück. Es war lange her, dass sie eine Familie gehabt hatte. Das machte den Schmerz nicht unbedingt kleiner und es gab Momente, in denen sie geistig zurückwanderte und ihre Verluste immer wieder betrauerte, aber es gab neben der Vergangenheit auch die Gegenwart und die Zukunft. Und sie lebte hier. Nicht damals. "Möglich ist es immer, dass sich neue Eltern für verstoßene, oder geflohene Welpen finden. Oder es gibt Seelen wie Panatan, die sich ihrer annehmen. Die Welt ist voller Hoffnung, trotz all der Finsternis, die uns in unserem Leben begegnet."

Lavaya wusste nicht, ob sie tatsächlich in solch eine Situation kommen würde. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich jemals einen Gefährten haben werde. Und hoffentlich auch keine eigenen Welpen. Ich hatte nie Familie, wir kenne so etwas nicht. Wir haben nur ein Rudel, und das besteht weiter, auch wenn ein Wolf stirbt. Deswegen weiß ich nicht, ob ich überhaupt wirklich so einen Verlust erleben kann, wie ihr.“ Sie überlegte kurz. „Aber andererseits muss man einen Welpen nicht selbst zur Welt bringen, um sich für ihn verantwortlich zu fühlen. Es wäre schon schrecklich, wenn ich einen finden und ins Herz schließen würde, und er dann sterben würde. Aber so etwas kann man sich ja nicht aussuchen. Am besten wäre es vielleicht, alleine zu sein, denn dann kann man niemanden verlieren. Aber Einsamkeit ist ja auch nicht schön.“ Wieder machte sie eine Pause, diesmal eine deutlich längere. „Wenn ich so einen Welpen finden würde, würde ich mich darum kümmern, auch wenn da bedeuten würde, dass ich ihn verlieren könnte. Ich glaube nicht, dass ich eine gute Adoptivmutter wäre. Ich habe zwar einmal mitgeholfen, einen Welpen großzuziehen, aber da waren wir ein ganzes Rudel und jede hat mitgeholfen. Außerdem weiß ich nicht viel von euren Welten, die ganz anders sind als Lupmundi. Wie soll ich einem Welpen da beibringen, in solchen Welten zu überleben? Aber ich würde es versuchen.“ Es wäre immer noch besser für den Welpen, als überhaupt niemanden zu haben, oder? „Ich glaube, ich verstehe jetzt erst so wirklich, was Panatan macht. Und ich bewundere ihn dafür.“

Lex nickte lächelnd. "Ja... es war eine sehr interessante und wertvolle Begegnung, die ich nicht so schnell vergessen werde.", sinnierte sie vor sich hin. "Es ist mir in meinem Leben schon einige Male passiert, dass ich ein Jungtier fand, das alleine war und das ich, so wie du es auch tun würdest, großziehen wollte. Aber nicht immer ist das gewünscht. Manche von ihnen verlieren das Vertrauen in Erwachsene und sie können sich viel besser auf andere Jungtiere einlassen. Jetzt weiß ich, an wen ich mich in so einem Fall wenden kann." Sie nickte zu sich selbst und freute sich darüber. "Ich bin gespannt auf deine Weltenreise, Lavaya... und es würde mich freuen, wenn wir uns immer wieder begegnen würden, sodass du mir erzählen kannst, was du alles erlebt hast. Aber auch wenn du es dir nicht vorstellen kannst... ich wünsche dir von Herzen, dass du dich eines Tages verlieben kannst. Das ist eine Erfahrung im Leben, die keine Gemeinschaft der Welt ersetzen kann." Sie überlegte kurz. "Glaube ich zumindest. Das ist etwas einzigartiges, zwischen zwei Seelen... Jede Liebe ist anders und ich war einigen Seelen eine Lebensgefährtin. Ich habe sie bis zum Tod begleitet." Und sie war immer übrig geblieben oder weiter gereist, hatte den Tod ausgetrickst, oder die Sternenlande um ihre Seele betrogen. Sie wusste nicht, ob der Weltenbaum sie darin unterstützte, oder ihr Verhalten nur tolerierte.

Lavaya nickte. „Ich bin auch froh, ihn kennen gelernt zu haben. Und ich hoffe, dass alle Welpen das Glück haben, jemanden zu finden, der sich um sie kümmert. Wobei ich noch mehr wünschen würde, dass das gar nicht nötig wäre, aber ich verstehe jetzt, dass das leider nicht möglich ist.“ Lavaya erwiderte Lex’ Lächeln. „Ich würde mich auch freuen, dir immer wieder zu begegnen. Du weißt so viel und ich kann sicherlich noch einiges von dir lernen. Ich hoffe, die Welten ermöglichen das. Oder ich lerne eines Tages, dich aus eigener Kraft zu finden.“ Liebe? Darüber hatte sie noch nie nachgedacht. „Ich weiß nicht einmal, was Liebe ist. Ich vermisse sie nicht. Aber wie kann man auch etwas vermissen, das man gar nicht kennt? Ich weiß aber auch nicht, ob ich jemals lieben will. Es klingt so kompliziert und man läuft Gefahr, sie wieder zu verlieren, was bestimmt schrecklich ist. Das ist dir ja auch schon oft passiert, wie du sagst. Aber andererseits wäre ich schon neugierig. Wer weiß, wenn sich ein passender Rüde findet … Man muss dann nicht gleich Welpen bekommen, oder? Man könnte ja auch welche adoptieren, wenn man welche haben möchte. Es gibt ja anscheinend genug.“

Lex schmunzelte. "Ich kann dir versichern, Lavaya... man kann Dinge vermissen, die man nicht kennt. Man merkt es oft erst, wenn man es gefunden hat." Sie überlegte. "Manchmal ist es eine vage Sehnsucht, die man nicht greifen kann... oder irgendetwas, das an einem nagt..." Sie amüsierte sich, über Lavayas strickte Ablehnung der Geburt. Womöglich würde diese irgendwann das dringende, körperliche Bedürfnis haben, sich paaren zu wollen. Aber sie wusste nicht, wie genau das bei Lupmundi-Wölfen eigentlich war. "Liebe hat viele Formen und Farben.", erklärte sie. "Die romantische Liebe ist... ihr eigenes, kleines Wunder in sich. Es ist schön, jemanden zu haben, mit dem man sein ganzes Leben verbringen möchte... und in dessen Nähe man sich automatisch glücklich, geborgen und angenommen fühlt." Es gehörte natürlich noch mehr zu so einer Beziehung, aber das würde Lavaya selbst noch herausfinden. Die persönliche Erfahrung war sicherlich die lehrreichste, aber auch aus den Erzählungen anderer konnte man viel Wissen ziehen.

Lavaya bezweifelte, dass man erst hinterher bemerken konnte, etwas vermisst zu haben. Doch sie wusste, dass sie es selbst nicht besser wusste, und daher sagte sie nichts dazu. Sie versuchte, sich vorzustellen, wie es wäre, sich so zu fühlen, wie Lex Liebe es beschrieb. „Gewissermaßen, wie man sich bei seinem Rudel fühlt, nur noch stärker und dass es nur ein Wolf ist? Ja, ich gebe zu, das klingt sehr schön. Wer weiß, vielleicht verliebe ich mich wirklich irgendwann mal. Aber das gehört auch zu den Dingen, die man sich nicht aussuchen kann, oder?“ Wobei sie sich fragte, wie das funktionieren konnte. In einer Welt wie Lupmundi waren gewissermaßen alle Wölfe gleich. So gleich, dass man nicht einmal einen eigenen Namen brauchte. Aber wenn zwei Wölfe sich liebten, dann waren sie füreinander nicht mehr gleich. Folgten daraus nicht automatisch Streit und Zwietracht? Aber anscheinend schienen die Dinge in anderen Welten anders zu laufen. Hier waren alle Wölfe unterschiedlich, und daher war es wohl normal, für einzelne Wölfe anders zu empfinden als für andere. „Hattest du schon mal Welpen?“ Sie hoffte, die Frage war nicht zu persönlich. Womöglich hatte Lex auch ihre Welpen verloren und sie erinnerte sie nun an etwas, das sie lieber vergessen hätte?

Lex nickte leicht. "Schon einige Male.", erklärte sie leichthin. "In Gaia, war es mir nicht vergönnt... aber hier im Weltenbaum schon." Sie dachte an ihren ersten Wurf zurück. Damals, als sie noch irgendwie... die gewesen war, die in Gaia gelebt hatte. Das war sehr lange her und inzwischen war ihr Körper ein völlig anderer und auch wenn sie sich innerlich nicht übermäßig verändert hatte, war sie doch längst nicht mehr dieselbe.

Lavaya betrachtete Lex mit Interesse. Sie sah ganz normal aus, Lavaya wäre früher nie auf die Idee gekommen, dass sie Welpen gehabt haben könnte. Aber mittlerweile war ihr klar geworden, dass es in anderen Welten nun einmal völlig normal war, das Fähen Welpen zur Welt brachten, weil die Welt das nicht selbst erledigte. „Du warst bestimmt eine gute Mutter.“ Sie musste allerdings zugeben, dass sie keine Ahnung hatte, wie eine schlechte Mutter aussah.

Lex dachte darüber nach. "Ich habe mein Bestes gegeben.", stimmte sie zu. "Und ich habe bei jedem einzelnen Welpen unzählbar viele Fehler gemacht. Aber ich denke, das gehört dazu. Alles in allem sind meine Welpen nie vor mir davon gelaufen, oder haben mich gemieden. Ich hatte ein weitgehend gutes Verhältnis zu allen." Es hatte Sorgenkinder gegeben, aber Lex dachte ohne jede Bitterkeit daran zurück. "Weißt du was wichtig ist?" Sie ließ die rhetorische Frage nur kurz im Raum stehen, ehe sie sie selbst beantwortete: "Eine Mutter ist nicht da, um ihre Nachkommen zu belehren. Eine Mutter ist da, um mit ihren Nachkommen gemeinsam zu lernen. Manchmal hat die Mutter recht und manchmal haben die Nachkommen recht. Das ist relativ ausgewogen."

Lavaya dachte über Lex’ Worte nach. „Mir scheint, dass es ganz schön schwer ist, eine gute Mutter zu sein. Vielleicht ist es gut, dass ich keine Welpen bekommen will.“ Sie dachte kurz nach. „Aber wenn ich Welpen adoptiere, ist es genauso schwierig, oder?“ Und das konnte sie sich mittlerweile durchaus vorstellen, nachdem sie erfahren hatte, dass es wohl nicht wenige Welpen gab, deren Eltern sich nicht gut oder gar nicht um sie kümmerten.

Lex bestätigte Lavayas Frage mit einem Nicken. "Man kann nie alles richtig machen. Aber zum Glück kann man seinen Schützlingen erklären, dass man selbst unvollkommen ist... und das verstehen sie meistens auch. Dazu muss man aber auch die einsicht haben, dass es völlig egal ist, wie lange man schon lebt und wie viel man weiß... man lernt nie aus und so manches Mal weiß ein Welpe etwas besser als du selbst."

Lavaya war ein wenig erstaunt, dass Lex sich selbst als unvollkommen beschrieb und zugab, längst nicht alles zu wissen. „Ich weiß nicht, ob es beruhigend ist, dass auch du nicht alles weißt, weil das bedeutet, dass es normal ist, nicht alles zu wissen, oder ob es beunruhigend ist, weil es bedeutet, dass es einfach so viele Dinge auf der Welt gibt, die keiner von uns weiß.“ Sie dachte über die Worte nach. Man musste also zumindest nicht alles wissen und alles richtig machen, um eine gute Mutter zu sein. „Ich werde jedenfalls daran denken, wenn ich jemals selbst Welpen haben sollte, egal ob es nun eigene oder adoptierte sind.“ Sie hoffte auf letzteres, denn selbst Welpen zur Welt zu bringen kam ihr immer noch gruselig vor. Auch wenn ihr klar geworden war, dass es in den meisten Welten völlig normal war, dass Wölfe andere Wölfe hervor brachten, für sie schien es einfach irgendwie falsch zu sein.

Lex lachte leise. "Ich weiß nicht, ob ich in all den Leben klüger geworden bin, oder ob ich nicht noch dieselben Überzeugungen habe, wie damals, als ich aus Gaia hier her kam. Nach Mandri." Sie ließ den Blick schweifen. "Ich weiß nun von vielen Wesen und Tieren und Kulturen die ich früher nie kannte. Ich habe viele rätselhafte Dinge gesehen und ich weiß, dass es unendlich viele Welten gibt... ich nenne mich Lex und werde Lexi gerufen... Manche kenne ich, ohne dass sie mich kennen, weil mein Körper ein anderer ist... aber ich weiß nicht, zu welcher Weisheit ich noch kommen möchte. Ich werde es wohl erst wissen, wenn ich gefunden habe, wonach ich suche." Die Worte klangen heiter und abenteuerlustig.

Lavaya bezweifelte, dass sie jemals so weise werden würde, wie Lex es war. Sie wusste nicht einmal, ob sie das wirklich wollte. „Was suchst du denn?“ Zumindest wusste Lavaya, was sie selbst suchte: Geschichten. Und wenn sich dabei die Gelegenheit ergeben sollte, verlorenen Seelen oder zumindest verwaisten Welpen zu helfen, wäre das natürlich noch besser.

Lex wusste es nicht. Darin bestand die Suche doch... "Das werde ich erst wissen, wenn ich es gefunden habe.", erklärte sie locker. "Bisher scheint es mir nie begegnet zu sein..." Es lag keine Bitterkeit in dieser Feststellung und auch keine Ungeduld. Der Weg war das Ziel. Sie war des Suchens nicht müde, sie suchte gerne. Irgendetwas wartete auf sie. Eine Erfüllung, die sie sich noch nicht vorstellen konnte.

Lavaya war erleichtert darüber, das ihre Suche sicherlich viel einfacher war, als die von Lex. „Es klingt schwer, etwas zu finden, von dem man nicht weiß, was es ist. Und warum suchst du es überhaupt? Wenn du nicht weißt, was es ist, weißt du doch auch nicht, was du damit anfangen kannst, wenn du es einmal gefunden hast. Womöglich findest du es, nur um festzustellen, dass es völlig nutzlos ist, und dann ärgerst du dich, dass die Suche danach umsonst war, weil du es gar nicht brauchen kannst.“

Lex lachte leise über Lavayas Art, die Welt zu sehen. "Ich glaube nicht, dass es sich so herausstellen wird.", gab sie zurück. "Diese Suche kommt immerhin aus dem Herzen heraus... und hat nichts mit dem Kopf zu tun. Nutzlos kann die Suche also niemals sein. Vielleicht gibt es aber auch einfach nur eine Aufgabe, die ich eines Tages erfüllen muss... Dieser eine Moment, von dem man genau weiß, dass man am richtigen Ort war..." Sie machte eine ratlose Geste. "Ich werde es vielleicht irgendwann herausfinden."

Lavaya konnte das nicht nachvollziehen. Sie wusste nicht, wie es sich anfühlte, etwas mit dem Herzen zu suchen. „Ich verstehe das nicht. All der Aufwand, um irgendwann einmal zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.“ Aber sie war auch nicht so weise und wissend, wie Lex. „Vielleicht werde ich es eines Tages verstehen, wenn ich so lange im Weltenbaum unterwegs war, wie du, und auch so viel gesehen habe. Vielleicht bin ich aber auch schon vorher nach Lupmundi zurückgekehrt um die Geschichten, die ich erlebt habe, zu erzählen.“

Lex betrachtete Lavaya eine Weile und hätte wirklich gerne gewusst, was aus dieser Lupmundi werden würde. Konnte man zurück wollen, bloß um Geschichten zu erzählen, wenn man viel gesehen hatte, von der Welt? War die einfache, wenig abenteuerliche, immer gleiche Welt dann nicht zu wenig? Lex nahm sich vor, in einigen Jahren mit Lavaya darüber zu sprechen. Dann würden sie es wissen. "So... was denkst du? Schauen wir mal nach den anderen und lassen uns diese Welt zeigen?"

Lavaya waren durchaus selbst schon Zweifel gekommen, ob ihr, nachdem sie sich einigermaßen an die überfordernde Vielfalt der zahlreichen Welten gewöhnt hatte, Lupmundi nicht zu langweilig werden würde. So sehr sie das Leben dort auch vermisste, abwechslungsreich war es nicht gerade gewesen. Doch sie verdrängte diese Gedanken. Schließlich war Lupmundi ihre Heimat, die Welt, in die sie gehörte. Und es waren ja vor ihr schon andere zurückgekehrt. Wobei sie sich nun fragte, ob es vielleicht nicht nur deshalb so wenige waren, weil viele die Weltenreise nicht überlebten, sondern vielleicht auch so manche Reisende gar nicht wieder zurück wollte. Nun, sie würde sehen. „Ja, du hast Recht. Lass uns zu den anderen gehen! Vielleicht kann die Lucerian uns ja ihre Welt zeigen.“





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Lu, Kyro, Josh, Lio



31.03.2018 23:41
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Lucerian war angenehm überrascht, dass sich Casael so für Silvarricor interessierte. Es war freudig bereit ihm etwas über seine Heimatwelt zu erzählen. 'Meinst du den Lebensbaum? Kein Wesen außer den Lucerian kann einfach so zu ihm gelangen. Es muss ihm vom Baum selbst gestattet werden. Aber es ist möglich zum Tor des Baumes zu gehen. Wenn du Glück hast, wird er mit dir sprechen.'

Casael war kurz irritiert, als Lucerian davon sprach, dass der Baum zu ihm sprechen würde, aber eigentlich war es nichts außergewöhnliches, wenn mann mit einem Pflanzenhirsch redete. "Das klingt aufregend!", rief er heiter und ein bisshcen unruhig aus. Irgendwie hatte er das Gefühl, ziemlich klein und unwichtig zu sein, im Vergleich zu diesem großen Baum. Sowieso, wenn dieser zurecht den Namen 'Lebensbaum' trug. Vermutlich würde der Baum aber nicht mit einem so gewöhnlichen Wolf wie ihm sprechen, die Möglichkeit war Casael Abenteuer genug. "Auf dem Weg kannst du mir deine Heimat zeigen.", schlug er vor. "Kann man eigentlich auf das Eis hinaus gehen?"

Lucerian überlegte nicht lange bei der Aufforderung seine Heimat vorzustellen. Ohne zu fragen - was auf anderen vielleicht etwas unhöflich und unangebracht erscheinen mochte - hob das Lucerian Casael auf das Wurzelgeflecht auf seinem Geweih (das immer noch von Laelias Ausflug auf das Geweih vorhanden war). Das Lucerian meinte es allerdings nur gut mit Casael. Von einem höheren Punkt aus konnte man ja mehr sehen. Und es war für Casael sicher aufregend einmal aus einer so hohen Position durch einen Wald zu spazieren. Lucerian schickte den anderen ein Gefühl der Freundlichkeit und die Information, dass sie bald wieder da wären und erhob sich auf zwei Beine. So begann also ihre kleine Rundreise durch Silvarricor. Die Frage, ob man auf das Eis gehen konnte, beantwortete es nicht mit Worten, sondern vielmehr mit Gefühlen der Kälte und der Angst. Casael hatte ja vorher schon Tiere gesehen, die vom Eisling eingefroren worden waren. In diesen Gefühlen lag auch eine Warnung es lieber nicht zu versuchen, falls Casael sein Leben lieb war.

Casael war ein ziemlich unkomplizierter Zeitgenosse und kein Kontrollfreak. Als Lucerian ihn hoch hob, ärgerte er sich nicht darüber, dass er nicht gefragt wurde und auch nicht darüber, dass er ausgeliefert war, sondern wartete gespannt, was passieren würde. Denn so wirklich erahnen konnte er nicht, was Lucerian vor hatte. Als er dann auf diesem reiten durfte, ließ er sich das gerne gefallen. Natürlich hätte er auch selbst gehen können, denn er war weder alt, noch müde, noch in seinen Bewegungen eingeschränkt oder langsam, aber es machte ihm nichts aus, wie eine Katze von einer erhöhten Position aus, alles zu beobachten. Angst machte ihm das Fremde nicht. Weder Lucerians Art, noch dessen Welt oder die unbekannten Gebräuche. Höhenangst hatte er auch keine. Er ließ sich durch die Bilder vermitteln, was ein Ausflug auf das Eis bedeutete und schien abzuwägen, ob es das Risiko wert war. Auch dieser Sache stand er furchtlos gegenüber, auch wenn er noch nicht mit sich selbst überein gekommen war, ob er es versuchen würde. In der Möglichkeit eingefroren zu werden, lag nur ein weiteres Abenteuer und von denen konnte Casael nicht genug bekommen. Viel zu lange schon saß er in Azali fest, mit der verantwortungsvollen Aufgabe der Wächter zu sein. Was hatten sich die Welten nur dabei gedacht?! Er war doch nur ein verrückter Dummkopf! Und je länger er fern seiner Heimatwelt war, desto mehr wurde ihm das wieder klar. "Sind die, die sind wie du, beim Lebensbaum?", wollte er wissen. "Ähnelt ihr euch? Seht ihr alle aus wie Hirsche?"

Lucerian schritt in gemächlichem Tempo voran, obwohl es für Casael wahrscheinlich ein Tempo war, bei dem er neben dem Lucerian hertraben hätte müssen. Sie gingen zwischen Bäumen mit von Ästen herunterhängenden Lianen hindurch, an Büchen mit Farben von grün, bis dunkelblau vorbei und begegneten kleinen sowie großen Tieren. Ein Hirsch jedoch war nicht dabei. Lucerian wusste nicht, was ein Hirsch war und konnte deswegen auch Casaels Frage nicht richtig beantworten. Bei dem anderen kam nur ein Gedanke der Unverständlichkeit an, ehe Lucerian erklärte: 'Ja, wir sind alle gleich, doch von unterschiedlicher Größe. Manche befinden sich beim Lebensbaum - vermehrt die jüngeren unter uns - manche sind aber auch sehr weit entfernt.'

Casael warfen sich diverse weitere Fragen auf. Was ein Hirsch war, wusste Lucerian also nicht. Zumindest interpretierte er das, was das Wesen ihm geschickt hatte, als Ratlosigkeit. "Wie groß seid ihr, wenn ihr geboren werdet?", wollte er dann wissen. "Und wie... werdet ihr geboren? Wachst ihr aus einem Samen heran, der in die Erde gepflanzt wurde? Erscheint ihr, durch die Energie dieser Welt oder des Lebensbaums?" Geboren wurden die Lucerian nicht, oder? Hatten sie nicht flüchtig bereits davon gesprochen? "Bist du eher groß oder eher klein? Eher alt oder eher jung? Und was passiert mit einem Lucerian, wenn es stirbt?"

Lucerian war so viele Fragen gewohnt. Meist kamen sie allerdings von sehr jungen Bewohnern dieser Welt. Aber Casael war in dieser Hinsicht gar nicht so anders. Vielleicht nicht gar so jung wie diejenigen, die Lucerian sonst mit Fragen löcherten, doch genauso wissenshungrig. 'Normalerweise wachsen wir als normaler Baum. Manche von den Bäumen werden vom Lebensbaum ausgewählt und erhalten ein erweitertes Bewusstsein. Es braucht dann allerdings noch eine Weile bis ein junges Lucerian durch den Wald laufen kann, um seine Aufgabe zu erfüllen. Normalerweise beträgt der Zeitraum zwischen wachsen und ausgewählt werden 5 Jahre und dann nochmal 10 Jahre bis der Baum bereit ist zu laufen. In dieser Zeit sammelt es alle Informationen über den Wald und über die Bedrohungen, die es in seiner Umgebung finden kann. Ein sehr junges Lucerian ist also ungefähr 15 Jahre, wenn es damit beginnt den Wald aktiv zu schützen. Am Anfang ist ein Lucerian in etwa so groß wie ein Fuchs und wird mit der Zeit immer größer. W ... Ich bin in der Mitte, im Bezug auf die Größe. Außerdem werden Lucerian wesentlich älter als alle Wesen, die ihr wahrscheinlich kennengelernt habt. Wie alt schätzt du denn, dass ich bin?'

Yavru fühlte sich langsam wieder genervt von Casaels übertrieben fröhlicher Art. Für einen Wächter wirkte er fast schon verantwortungslos. Doch als das Lucerian von dem Weltenbaum erzählte, war doch Yavrus Neugier geweckt. Diesen mysteriösen Baum würde er sich doch gerne auch anschauen. Er lief also hinter dem Lucerian her, das Casael auf seinem Geweih transportierte. Dabei musste er sich beeilen, denn es war ganz schön schnell unterwegs. Als er es endlich eingeholt hatte, fragte er höflich: „Darf ich mitkommen zum Tor des Lebensbaums?“

Casael machte ein beleidigtes Gesicht, von welchem er nicht wusste, ob Lucerian es überhaupt sehen konnte. Wieso musste er nun schätzen? Das war unfair! "Bist du... zweihundert Jahre alt?", erkundigte er sich. Aber das wäre nicht so besonders alt... nach Weltenbaummaßstäben. Aber es stellte sich auch die Frage, wie schnell oder langsam die Zeit in dieser Welt verging. Konnte sich da überhaupt irgendjemand mit irgendjemandem vergleichen? Sein Blick glitt zu dem mürrischen Jungwolf, der sie nun begleiten wollte und überließ es Lucerian, dessen Frage zu beantworten.

Lucerian drehte sich überrascht um, als Yavru es ansprach. Aber es hatte nichts dagegen, dass auch er mitkam. Allerdings passte immer nur ein Wolf auf sein Geweih, da würde Yavru wohl laufen müssen. 'Natürlich darfst du. Es steht jedem frei dorhin zu gehen, wohin er will.' Vielleicht wäre es besser, es würde auch Casael wieder auf den Boden setzen ... Würde das dann weniger seltsam wirken? 'Willst du wieder herunter, Casael?' Gleich darauf widmete es sich allerdings wieder der Frage nach seinem Alter. 200 Jahre waren gut geschätzt, aber doch zu wenig. 'Ich bin in etwa 350 Jahre alt, was allerdings noch gar nichts ist zu dem Alter, das andere Lucerians haben, und absolut gar nichts im Vergleich zum Alter des Lebensbaumes.' Ganz am Schluss erinnerte es sich noch, dass Casael ja auch nach dem Tod der Lucerians gefragt hatte. 'Lucerians sterben nicht, sie verwachsen irgendwann wieder mit dem Wald und bleiben fortan an dieser Stelle. Aber sie sterben nicht.'

Yavru hatte gar keine Lust, sich vom Lucerian auf dem Geweih tragen zu lassen. Er blieb lieber mit seinen Pfoten auf dem Boden. Er freute sich jedoch, mitkommen zu dürfen. Als er mitbekam, wie Lucerian angab, 350 Jahre alt zu sein, wurde Yavru fast schwindelig, als er versuchte, sich vorzustellen, wie viele Wolfsleben das bedeutete. Aber andererseits, welche Bedeutung hatten Jahre überhaupt, wenn doch in jeder Welt eine andere Zeit zu gelten schien? In Dellruin war ein Jahr nur einen Tag lang. Oder war dort ein Tag ein ganzes Jahr lang? Zeit schien im Weltenbaum keine wirkliche Rolle zu spielen, und Lex hatte außerdem gesagt, schon mehrere Leben gelebt zu haben. Ihm wurde klar, dass er nicht einmal mehr wusste, wie lange er schon im Weltenbaum unterwegs war. Waren es ein paar Tage oder schon mehrere Monate? Vielleicht war das Lucerian dann gar nicht so alt. „Also seid ihr unsterblich? Aber selbst Bäume existieren doch nicht ewig. Sie können zum Beispiel im Sturm umstürzen.“ Er fragte sich, ob das für festgewurzelte Lucerians nicht auch galt.

Casael legte den Kopf schief. "Aber nicht doch... Womöglich kann man nur einmal im Leben von sich selbst behaupten, auf einem Lucerian durch einen Wald getragen worden zu sein. Das lasse ich mir doch nicht entgehen!" Er würde niemals so viel Energie damit zubringen, Dinge abzulehnen, sowie andere Wesen das taten. "350 Jahre! Da bist du sogar älter als Malumir die alte Socke. Und vielleicht so alt wie Mirai, wobei sie ihr wahres Alter nie verraten hat.", plapperte er vor sich hin. "Nun wäre nur die Frage, wie lange die Jahre hier in Silvarricor sind und ob die Zeit hier langsamer vergeht, als im Weltzeitdurchschnitt." Er wippte mit dem Kopf hin und her. "Dem Weltzeitdurchschnitt entsprechend, wäre ich so um die 150 Jahre, vermute ich. Das entspricht etwa 15 normalen Wolfsleben. Nicht alt, aber auch nicht mehr jung." Er lachte leise und schielte zu Yavru. "Unser junger Begleiter da unten ist immerhin schon etwa 1 Jahr alt. Etwas weniger vielleicht!" Oh, waren sie alt dagegen! "Ich hatte dir schon erzählt, dass ich Wächter bin, in einer der Torwelten, nicht wahr? Die Torwelten entsprechen exakt dem Weltzeitdurchschnitt. Die Zeit dort vergeht in etwa so wie in Gaia, man sollte allerdings nie unterschätzen, welche Zeiten ein Weltenwechsel in Anspruch nimmt. Es fühlt sich nach einem Herzschlag an und doch können Stunden und Tage vergehen. Womöglich manchmal auch längere Zeitspannen. Es gibt Gruselgeschichten darüber, wie Seelen aus ihren Welten gefallen sind und als sie wenig später zurückkehrten, nichts mehr übrig war, was sie kannten. Allerdings weiß niemand, ob diese Geschichten wahr sind, oder reine Überspitzung der Tatsachen. Natürlich kann manchmal ein Tag reichen, um sehr viel zu verlieren..."

Lucerian konnte nicht anders, als Yavrus Denkweise zu belächeln. Wenn er doch nur wüsste, wozu Bäume imstande wären! 'Wir sind nicht unsterblich, aber Bäume wachsen unter optimalen Bedingungen und ohne Naturkatastrophen ewig weiter. Falls ein Baum umgeworfen wird stirbt er aber auch nicht immer. Manchmal wächst ein neuer Stamm aus dem alten heraus. Manchmal aber auch nicht und dann ist er wirklich tot.' Die Vorstellung war für Lucerian nicht angenehm, aber es war die Realität, die ertagen werden musste. Da Lucerian weder Malumir noch Mirai kannte, wusste es nicht mit dieser Information anzufangen, aber es beschloss, es sich zu merken. 'Ein Jahr in Silvarricor hat 403 Tage. Wie schnell die Zeit vergeht, das kannst du selbst herausfinden, wenn du lange genug bleibst. Ich habe keinen Vergleich dazu.' Dem Geplapper vom Casael hörte Lucerian aufmerksam zu und versuchte sich jedes Wort einzuprägen, das er hörte. 'Aber was ist Gaia?', fragtes es danach. Es konnte ja nicht wissen, dass dies die Welt war, aus der Yavru und Laelia stammten.

Yavru musste zugeben, dass er nicht einschätzen konnte, wie lange ein Baum brauchte um zu wachsen, und wie lange er lebte. „Bäume werden sehr groß, aber nicht unendlich groß, also müssen sie doch irgendwann aufhören zu wachsen?“, fragte er neugierig, bevor ihm der Gedanke kam, dass es für das Lucerian vielleicht ein unangenehmes Thema sein könnte, an die eigene Sterblichkeit erinnert zu werden, daher fragte er erst einmal nicht weiter. „Dann ist euer Jahr also etwas länger, als ein Gaia-Jahr.“ Oder waren hier nur die Tage kürzer? Es war sehr verwirrend, im Weltenbaum über die Zeit nachzudenken. „Gaia ist die Welt, aus der ich stamme.“

Casael nickte eifrig, zu Yavrus Feststellung. "Gaia ist eine Welt, in der man nichts über die verschiedenen Welten im Weltenbaum weiß. Die Wesen dort leben ohne Ahnung von der Vielfalt der Dinge." Das war es, was er wusste. Lexi hatte so einiges erzählt. "In Gaia gibt es keine Möglichkeit, in einen anderen Körper zu schlüpfen, oder das Leben zu verlängern. Dort hat jeder nur genau ein Leben und für einen Wolf beträgt dieses Leben im Durchschnitt etwa zehn Jahre. Das ist keine besonders lange Zeit. Es reicht gerade, um heranzuwachsen, vielleicht mit etwas Glück eine Familie zu gründen... den Nachwuchs großzuziehen und womöglich ein oder zwei Jahre später erneut Nachwuchs zu haben und schließlich seinen Platz frei zu machen, für die nachfolgenden Generationen." Er erzählte all das sehr neutral. "Es ist also nicht unbedingt anders als ein Leben im Weltenbaum, das beginnt und endet. Es gibt nur einfach keinerlei Ausnahmen." Seine Existenz wäre in Gaia völlig ausgeschlossen. "Es gibt auch nicht so viele unterschiedliche Wölfe, wie im Weltenbaum. Trotzdem scheint Gaia eine besondere Welt zu sein. Sie ist allein mit den Torwelten verbunden und mit den Sternenlanden." Von Traumtoren wusste er nichts. Ein Träumer war ihm nie begegnet oder er hatte es nicht bemerkt.

Lucerian nahm sich zur Aufgabe Yavru wirklich über Bäume aufzuklären. 'Je älter ein Baum wird, desto weniger wächst er. Es gibt Lucerian, die beinahe 2000 Jahre alt sind. Aber Bäume können noch viel älter werden. Manche normalen Bäume werden 5000 Jahre alt. Dieser hier zum Beispiel...', meinte das Lucerian, als sie an einem besonders großen und breiten Baum vorbeikamen. '... ist schon beinahe 4000 Jahre alt.' All die Informationen über diese andere Welt namens Gaia saugte das Lucerian sofort in sich auf und teilte sein Wissen mit den anderen Lucerian. Es konnte Erstaunen von den anderen Wahrnehmen, denn niemand von ihnen war bisher in einer anderen Welt gewesen oder hatte erfahren, wie es in anderen Welten aussah. 'Auch die Tiere in Silvarricor leben im Durchschnitt nicht länger als 20 Jahre. Scheint so, als wäre das das normale Alter für viele Tiere.'

Yavru betrachtete den Baum genauer. Es war ein ungewöhnlich dicker und großer Baum, aber ansonsten nichts besonderes. 4000 Jahre? 350 Jahre waren ihm ja schon wie eine Ewigkeit vorgekommen, aber dass der Baum 4000 Jahre alt sein sollte, war für ihn einfach unvorstellbar. Ob das für Bäume in Gaia auch so galt? Auch dort gab es dickte und große Bäume, aber er konnte unmöglich einschätzen, wie alt sie waren. Was Casael über Gaia erzählte, konnte er nur bestätigen. „Nun ja, das sind eben die Dinge, die man im Leben so tut. Dass es mehr Möglichkeiten gibt, habe ich bis vor kurzem nicht mal erahnen können Und ehrlich gesagt weiß ich immer noch nicht, ob ich meinen Körper wechseln will. Und auch wenn ich nicht sterben will, weiß ich nicht, was ich mit hunderten Jahren Lebenszeit anfangen würde. Ich weiß nicht, ob man nicht irgendwann alles gesehen und erlebt hat, was man sehen und erleben wollte. Aber andererseits gibt es natürlich im Weltenbaum auch so viel mehr zu erleben als in Gaia.“ Etwas irritierte ihn allerdings. „Kommen Lebewesen aus anderen Welten nicht in die Torwelten? Lavaya ist doch auch dort gelandet, obwohl sie nicht aus Gaia ist.“

Casael blickte zu Yavru hinunter. "Die Torwelten werden von vielen jungen Reisenden besucht, nicht nur von jenen aus Gaia. Aber der entscheidende Unterschied ist, dass niemand aus Gaia jemals in einer anderen Welt war, nach Gaia, als in einer der Torwelten. Von dort aus können sie aber dann weiter reisen.", erklärte er. Wo Lavaya gelandet war, wusste er nicht, er konnte nur allgemein sprechen: "Neue Reisende aus dem Weltenbaum hingegen könnten erst in Naelura landen und dann in Silvarricor und danach in Azali. Aber das ist nur ein Beispiel. Ich denke, dass Naelura und Silvarricor keine Welten sind, die so oft bereist werden, wie andere Welten. Die Torwelten hingegen werden sehr, sehr häufig bereist. Viele Wanderer kommen auch eines Tages dorthin zurück." Natürlich hatte er den Worten Lucerians gelauscht, aber auch für ihn war ein Baumleben schwer zu erfassen, obwohl er viel mehr Jahre zählte, als Yavru. Er hatte Bäume wachsen sehen, aber im Grunde war er doch zu selten lange genug an einem Ort gewesen, um viel von einem solchen Leben mitzubekommen.

Lucerian kam plötzlich eine Frage auf. 'Casael? Wenn du auch ein Wolf bist. Wie bist du dazu gekommen nicht mehr normaler Wolf zu sein?' Die Informationen über Torwelten speicherte es zwar, konnte aber nichts mit ihnen anfangen. Es musste diese Welten wohl bereisen, um zu sehen, wovon Casael und Yavru sprachen.

Yavru begann zu verstehen, dass so eine Weltenreise, so zufällig sie auch scheinen mochte, wohl einem bestimmten Muster folgte. Nach Gaia kam also immer eine Torwelt. „Gibt es noch mehr solcher Regeln?“, fragte er. Auf Lucerians Frage schaute er Casael erstaunt an. „Bist du kein normaler Wolf?“ Nun ja, nach Gaia-Maßstäben sicher nicht, aber danach wäre keiner der Wölfe, denen sie hier im Weltenbaum bisher begegnet waren, normal.

Casael legte den Kopf schief und blickte von Lucerian zu Yavru und zurück. Er beantwortete zunächst die Frage des Pflanzenwesens. "Ich wurde vom Weltenbaum ausgewählt, auf eine lange Weltenreise zu gehen.", erklärte er. "Ich weiß nicht, ob noch mehr dazu gehört hat... vielleicht, dass ich bereit war, zu lernen... Durch die Reise verlängerte sich mein Leben und je länger ich reiste, desto mehr von den Welten habe ich gesehen." Er blickte zu Yavru hinunter. "Was ist ein normaler Wolf? Ich bin ein Soluvaje, aber das ist bloß eine Bezeichnung für meine Vorfahren und mich. Wir unterscheiden uns durch unser Fell leicht von anderen Wölfen, aber wie du siehst leuchten wir nicht, wie die Lichtlinge und wir saugen das Licht nicht auf, wie die Finsterlinge... Ich kann weder durch besondere Sinne glänzen, noch schöne Sternenlieder singen. Ich würde sagen, ich bin sehr durchschnittlich. Wenn du mit 'normal' durchschnittlich meinst, bin ich wohl normal." Er dachte kurz darüber nach, was es noch für Regeln gab, im Weltenbaum. "Du kommst von Gaia nur zu den Torwelten und von den Torwelten nur zum Weltenwetter. Vom Weltenwetter aus gelangt man zum Weltenstrand, zum Weltenwald und zum Weltenmeer. Das sind die Welten, auf den sich die meisten Reisen konzentrieren. Sehr weit entfernt liegen unerforschtere Teile des Weltenbaums. Das Weltengebirge, der Weltenfluss... das Weltennetz... Der Weltengipfel am Ende der Reise durch das Weltengebirge... Dort irgendwo soll die Weltenbrücke liegen und der Legende nach soll sie wohl mit den Sternenlanden verbunden sein... Du kannst Lexi später mal fragen, ob sie noch mehr darüber weiß, aber ich glaube selbst sie hat nicht so viel von diesen entlegenen Welten gesehen. Ich vermute, die meisten Welten liegen zwischen Weltenwetter und Weltenwald, Weltenstrand und Weltenmeer. Unzählbar viele Welten. Torwelten gibt es genau fünf. Keine mehr und keine weniger. Es gibt noch ein paar Welten die nirgendwo zu liegen scheinen und doch von überall erreicht werden. Randwelten. Unklassifizierbar."





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Lu, Kyro, Josh, Lio



04.04.2018 21:26
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Lijenna
Lillyan Caesar






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Lucerian verstand nun etwas mehr von den verschiedenen Welten und dem Weltenbaum. Es wäre aber auch schön, zu wissen, wo denn seine Heimatwelt lag. 'Weißt du denn auch, wo sich Silvarricor im Gefüge des Baumes befindet? Viele Besucher bekommen wir zumindest nicht. Wir haben insgesamt von nur einem gehört, der nicht von hier stammt und das war ein ziemlicher Aufruhr, bis wir das verstanden haben.'

Yavru lauschte aufmerksam. Offensichtlich steckte tatsächlich so etwas wie eine Systematik hinter der Vielfalt der Welten. „Das heißt, es gibt ganze Teile des Weltenbaumes, die selbst du nicht kennst?“ Der Weltenbaum war offensichtlich noch viel größer, als er sich vorgestellt hatte. Auch die Antwort auf die Frage des Lucerians interessierte Yavru durchaus. Zwar war das hier nicht seine Welt, aber er wüsste schon ganz gerne, wo er sich gerade befand und wohin er von dort vielleicht gelangen könnte.

Casael legte den Kopf schief. Wirkte er irgendwie allwissend? "Ich habe wenige Welten im Weltengebirge besucht... und noch weniger im Weltennetz. Nur einmal betrat ich eine Welt im Weltenfluss... aber ich bin klug genug zu wissen, dass ich auch im Weltenwetter, im Weltenwald, am Weltenstrand und im Weltenmeer nur Bruchteile dessen gesehen habe, was es dort zu finden gibt. Ich bin viel zu jung, um mehr gesehen zu haben. Es war gerade ausreichend, um Wächter zu werden... aber wohl nicht ausreichend genug, um meine Neugierde zu stillen. Ist es nicht außerordentlich nett von den Welten, dass ich hier bei euch sein darf?" Er grinste ein Wolfsgrinsen und widmete sich dann der Frage des Lucerians. "Ich bin nicht sicher... vermutlich ist Lexi eine verlässlichere Quelle... Wenn sie uns folgen oder wir später zu ihnen zurückkehren, kannst du sie fragen. Sie hat ein besseres Gefühl für die Klassifizierung der Welten."

Lucerian beschloss Lex später danach zu befragen. Während sie weitergingen wurden die Bäume und Sträucher um sie herum dichter. 'Wir sind bald in der Nähe des Lebensbaumes. Falls der Baum mit euch sprechen sollte, was wollt ihr ihm denn sagen?' Lucerian war neugierig, warum Casael so gern zu dem Baum wollte. War es die reine Neugierde, die ihn dorthin trieb oder hatte er wirklich ein Anliegen, das er dem Baum vorbringen wollte?

Yavru wusste nicht, was er auf Casaels Frage antworten sollte. Sollte er überhaupt antworten, oder war es eine rhetorische Frage? „Nun, da es dir anscheinend gefällt, hier zu sein, war es sicherlich nett vom Weltenbaum, dass er dich hierher gebracht hat.“ Er bedauerte ein wenig, dass Casael anscheinend doch nicht so viel über den Weltenbaum wusste, wie er angenommen hatte. Natürlich machte er ihm daraus keinen Vorwurf, den er selbst wusste ja noch viel weniger. „Woran erkennt man überhaupt, in was für einer Welt man ist? Und warum ist Lex keine Wächterin, wenn sie sogar mehr über die Welten weiß, als du?“

Casael hatte sich darüber keinerlei Gedanken gemacht. "Den Lebensbaum zu sprechen war nicht meine Intension. Sehen wollte ich ihn... und wenn er zu mir sprechen würde, wäre das natürlich sensationell. Es käme wohl auf das Gespräch an, ob ich eine Frage hätte... oder was ich sagen würde..." Casael war niemand, der etwas plante. Er überlegte nicht im Vorraus... "Man erkennt nicht, in welcher Welt man ist, wenn man sie nicht kennt. Logischerweise!" Er lachte. "Lex würde nie Wächterin sein wollen... wieso sollte sie es da sein?! Sie ist eine Reisende... sie liebt das Reisen. Das müsste sie aufgeben, als Wächterin und das ist ein hartes Los, sag ich euch!" Dieser Jungrüde konnte Fragen stellen!

Lucerian war nun etwas verwirrt. 'Wieso werden dann manche Wächter, wenn jeder doch das Reisen so sehr liebt? Und wieso sind alle Wächter Wölfe?' Konnten andere Wesen also keine Wächter werden? War dieses Amt nur den Wölfen vorbehalten? Und wenn ja, warum dann ausgerechnet Wölfe und nicht eine andere Art?

Yavru war sich auch nicht sicher, was der den Lebensbaum fragen wollte. Er war den anderen beiden hauptsächlich aus Neugierde gefolgt. „Ich wollte ihn mir auch nur ansehen. Aber wenn er mit mir sprechen will, wird mir sicherlich eine Frage einfallen.“ Lucerians Frage stellte sich ihm auch, wenn auch nicht so allgemein. „Naja, es will bestimmt nicht jeder gerne reisen. Ich hätte auch gerne wieder eine Heimat und ein richtiges Rudel, statt ständig in anderen Welten zu landen und alle, die ich kennen lernen, gleich wieder aus den Augen zu verlieren, bis die Welten uns hoffentlich wieder zusammen führen.“ Dann wandte er sich an Casael: „Aber du scheinst doch gerne andere Welten kennen zu lernen. Warum bist du dann Wächter geworden? Und wie wird man überhaupt Wächter?“

Casael spitzte die Ohren. "Ich weiß nicht... auf Grund ihrer Persönlichkeit, würde ich sagen. Wegen der Weise, wie sie die Dinge sehen... oder wahrnehmen. Der Weltenbaum hat mir den Grund nie genannt... aber ich würde behaupten, ein netter, aufgeschlossener Wolf zu sein, der gerne mit Fremden interagiert... und Malumir ist auch sehr freundlich und vor allem ist er sehr weise. Er hat viel gesehen und kann viele Fragen beantworten und bei ihm ist es mit Sicherheit auch nicht so, dass er noch so reiselustig ist, wie Lexi zum Beispiel." Über die Frage mit den Wölfen hatte er auch schon nachgedacht. "Da uns der Weltenbaum nicht sagt, warum er uns wählt, weiß ich nicht genau, warum alle Wächter Wölfe sind. Ich denke, im Weltenbaum sind viele Seelen in den Körpern von Wölfen unterwegs... und für die meisten Wölfe gilt, dass sie einen Beschützerinstinkt mit sich bringen und anderen Wesen gegenüber offen sind. Natürlich sind alle Wölfe verschieden, aber wenn es darum geht, sich zu kümmern... dann sind Wölfe da Tiere der Tat. Ein Wolf umsorgt auch die Jungtiere anderer... während sich ein Hase damit schwerer tut. Aber das wäre jetzt eher meine Vermutung und hat keinerlei Anspruch auf Richtigkeit. Für den Weltenbaum kann ich nicht sprechen... er ist geheimnisvoll und im Geheimnisvollen liegt alles Wunderbare."

Lucerian war noch vor kurzer Zeit ahnungslos gewesen. Aber nun wusste es schon so viel, dass es sich nicht vorstellen konnte, weiter hier in seiner Heimat zu bleiben. Es würde gerne weiter mit seinen neu gewonnenen Freunden umherziehen und neue Dinge kennen lernen. Lucerian wusste also schon, was es selbst den Lebensbaum fragen wollte. Die Erklärung von Casael kam ihm logisch vor, wenngleich es Wölfe noch nicht lange kannte. 'Ich würde gerne die anderen Wächter kennen lernen und selbst sehen, was sie ausmache und hören, was sie alles schon erlebt haben. Meinst du, das wäre möglich, Casael?'

Yavru hörte interessiert zu, was Casael erzählte. „Naja, Xanthara fand ich nicht unbedingt sehr freundlich, und Fremde kann sie nicht ausstehen.“ Er hoffte, damit jetzt nichts falsches gesagt zu haben, denn er wusste, das Lex mit Xanthara befreundet war, und vielleicht war Casael das ja ebenfalls, auch wenn Yavru sich nur schwer vorstellen konnte, wie zwei so unterschiedliche Charaktere miteinander auskommen sollten. „Vielleicht ist es auch so, dass manche Reisende einem Hasen nicht so zuhören würden wie einem Wolf, weil er kleiner ist. Vielleicht würden sie ihn sogar fressen.“ Insgeheim war er sich nicht sicher, ob er nicht auch so reagiert hätte. Von seinem Vater hatte er zwar gelernt, auch Beutetieren, die unfreiwillig ihr Leben aufgeben mussten, damit Wölfe satt werden konnten, Achtung entgegenzubringen und sie keineswegs nur als Futter oder gar Spielzeug zu betrachten, aber so weit, mit einem Hasen ein längeres Gespräch führen zu wollen, wäre er zumindest in Gaia nicht gegangen. Wobei er sich auch nicht erinnern konnte, dass ein Hase das einmal versucht hätte. Dass Lucerian – mangels Namen hatte Yavru beschlossen, sie einfach so zu nennen – auch auf Weltenreise gehen wollte, überraschte ihn dann doch, zu sehr schien sie ihm mit ihrer Heimatwelt verbunden zu sein. Doch er erlaubte sich kein Urteil darüber, und die Frage war ja ohnehin an Casael gerichtet gewesen.

Casael lächelte ein heiteres Wolfslächeln. "Ja, bestimmt! Zu den Torwelten kann sogar ich leicht springen und ich wollte ohnehin Lavaya, Yavru und Laelia Luriell vorstellen. Sie ist nämlich eine Cantare. Ihrem Gesang zu lauschen ist ein Ereignis, das jeder zumindest einmal erleben sollte.", plapperte er darauf los. "Sie ist die Wächterin der Dunkelwelt Rahori, aber ich kann dir auch all die anderen vorstellen! Mich würde auch interessieren ob sie schon einmal ein Wesen wie dich kennengelernt haben..." Sein Blick glitt zu Yavru und lachte. "Xanthara ist... wie sie ist. Mirai hat mal behauptet, sie wäre die perfekte Partnerin für mich, weil wir in vielerlei Hinsicht das Gegenteil voneinander sind, aber auch ausreichend viel gemeinsam haben. Als würde Xanthara sich jemals mit jemandem wie mir abgeben!" Man hörte ihm an, für wie absurd er das hielt, ohne darüber verbittert oder auch nur davon beleidigt zu sein. "Mirai kann man auch nur mögen oder nicht mögen. Das kommt darauf an, welche Einstellung man zu sich selbst hat und ob man ihr alleine begegnet und wie lange sie spielt... Ich würde auch behaupten, dass Luriell keine einfache Persönlichkeit hat, aber dennoch sind sie, Xanthara, Malumir und Mirai sehr liebenswürdige Wölfe und zumindest ich persönlich habe sie sehr ins Herz geschlossen, seit ich sie kenne." Er nickte zu sich selbst. "Das war zu einer Zeit, als ich selbst noch ein unerfahrener Wanderer war und kaum mehr wusste, als ein Welpe." Er dachte an die Zeit zurück und seine Unwissenheit im Bezug auf alles.





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19.04.2018 10:21
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Lijenna
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Wolfsträumer

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Shrkali knurrte einmal gurgelnd und riss dann, nicht ganz ohne Anstrengung, die Augen auf. Um sie herum war ein Wald, aber nicht so ein karger, wie sie es vom Berghang gewohnt war. Nein, hier strotzte alles nur so vor Energie und Lebensfreude, und die vorherrschende Farbe war ein leuchtendes Grün, nicht ein mattes Dunkelgrün. Etwas überwältigt von der Pracht dessen was sie sah, kniff sie noch einmal die Augen zusammen und schüttelte den Kopf, wobei ein feiner Sprühregen von ihrem feuchten Pelz spritzte. Langsam trottend machte Shrkali sich auf den Weg, wobei ihre Tatzen, die bei näherem Betrachten vielleicht etwas groß für ihren Körper wirkten, feuchte Abrücke im Boden hinterließ. Nach einer Weile sah sie in der Ferne zwei Vierpföter stehen, die offenbar ein Gespräch führten. Die zwei sahen von ihrer Anatomie her den letzten, die sie in der leeren welt getroffen hatte, sehr ähnlich. Vielleicht waren es sogar dieselben. Sie wusste es nicht mehr, und es interessierte sie auch nicht besonders. "Wichtig sind nicht die Leute, es sind ihre Taten" sagte sie zu sich selbst, bevor sie mit lauter, tiefer Stimme verkündete: "Mein Name ist Shrkali. Erfreut eure Bekanntschaft zu machen." Sie war sich nicht sicher, ob diese Begrüßung den Höflichkeitsstandards dieser Tiere entsprach, doch die letzten schienen mit derartigen Begrüßungen kein Problem gehabt zu haben, also würden es diese auch nicht.

Lex hob den Blick, als sie gerade dazu ansetzen wollte, Lucerian, Casael und Yavru zu folgen und Shrkali auftauchte. Ihr Blick glitt zu der Wasserkatze, die auch schon in Naelura gewesen war und sich mit Panatan unterhalten hatte. "Mein Name ist Lex." Sie wusste nicht genau, ob jemand sie vorgestellt hatte. Sie und Casael hatten eher am Rand beobachtet und die jungen Weltenwanderer ihre Erfahrungen machen lassen. "Welche Taten sind denn wichtig?" Sie hatte die Worte, die die tropfende Samtpfote zu sich gesprochen hatte vernommen und da sie den Inhalt der Aussage interessant fand, wollte sie wissen, was dahinter steckte.

Lavaya war erstaunt, als auf einmal Shrkali auftauchte, und noch erstaunter, als diese sie begrüßte und sich vorstellte, als hätte sie sie noch nie gesehen. Dabei hatten sie sich doch gerade erst kennen gelernt. Hatte dieses Tier ein so schlechtes Gedächtnis? Oder gab es womöglich mehrere identische Tiere, die alle Shrkali hießen? Aber dann wurde ihr klar, dass die Begrüßung vermutlich in erster Linie Lex galt, die Shrkali wohl in Naelura noch nicht kennen gelernt hatte. Doch sicherheitshalber antwortete sie: „Und ich bin Lavaya. Aber wir sind uns ja vorhin schon begegnet.“ Was Shrkali mit den Leuten und ihren Taten meinte, hatte Lavaya nicht ganz verstanden, aber sie nahm an, dass es nicht wirklich wichtig war. Und außerdem hatte Lex ja schon nachgefragt.

Shrkali nickte der Vierpföterin namens Lavaya bestätigend zu, auch wenn sie selbst sich nicht so sicher gewesen wäre, ob sie ihr schon einmal begegnet war. Nunja, sie hatte es ja auch schwerer, da diese Tiere hier offensichtlich noch nie eine von Shrkalis Art gesehen hatten, sie selbst dagegen allerdings schon andere Vierpföter, die beinahe ident wie diese beiden aussahen. An die, die sich als Lex vorgestellt hatte, gewandt sagte sie erklärend:"Es heißt, dass es nicht wichtig ist, als was jemand geboren wird. Wichtiger ist, was sie tun. Es gibt erst dann einen Grund, sich an ein Wesen zu erinnern, wenn es etwas erinnerungsweres tut. Nur, weil es einmal existiert hat ist es nicht wichtig, sonst müsstest du dich auch an jedes Beutestück erinnern, das du einmal gesehen hast. Du erinnerst dich also nicht an das Wesen selbst, sondern an seine Taten." Das alles erklärte sie ruhig, möglicherweise wie man mit einem Kind sprechen würde. Sie wusste, dass die Meisten, was die Lehren des Mondwassers betraf sehr ungebildet waren, doch so eine simple Aussage hätten sie eigentlich verstehen können. Erwartungsvoll sah sie die beiden Vierpföter an, ob sich noch Zeichen des Unverständnisses in ihren Augen spiegelten.

Lex machte sich nichts daraus, belerht zu werden. Sie war alt genug, um jedes Wissen mit Neugierde aufzusaugen. Trotz ihrer Erfahrungen war sie nicht übervoll und fand, dass sie nicht zu viel wusste, um nichts neues mehr lernen zu können. Mit einem Nicken bestätigte sie, dass sie verstanden hatte. Das hatte sie eigentlich schon bei den Worten, die Shrkali nur zu sich selbst gesagt hatte. Was sie viel mehr interessierte war: "Aber welche Taten sind es wert, erinnert zu werden?", wiederholte sie ihre Frage spitzfindig. Denn hier lag das Interessante. Das was die Kultur der Wasserkatze ausmachte und vermutlich von anderen Kulturen unterschied. Jedes Volk empfand schließlich andere Taten als wichtig, sie selbst hätte eine eigene Liste zum Besten geben können, aber sie wollte lieber erfahren, welche Liste Shrkali für sich und durch ihre Erziehung und Kultur vorzutragen hatte.

Lavaya folgte aufmerksam der Unterhaltung zwischen Shrkali und Lex. „Das klingt einleuchtend. Für uns sind die einzelnen Wölfe, die früher gelebt haben, auch nicht so wichtig. Wölfe kommen und gehen, aber das Rudel bleibt. Und vor allem bleibt Lupmundi. Wir erinnern uns an die Taten, die wir als Geschichten immer weiter erzählen, auch wenn die, die damals dabei gewesen waren, längst vergessen sind.“ Lavaya hoffte, dass das, was sie erklärte, verständlich war, denn sie wusste nicht, ob Geschichten in anderen Welten eine ähnlich wichtige Bedeutung hatten, wie in Lupmundi.

Shrkali dachte kurz nach. "Welche Taten erinnerungswert sind? Außergewöhnliche. Egal welcher Art. Man lernt aus ihnen, und, anders als Wesen, sind Taten nie ganz gleich. Und indem man außergewöhnliche Taten vollbringt, kann man vorgeben, ein außergewöhliches, erinnerungswürdiges Wesen zu sein, was ja offensichtlich das Ziel der Meisten ist." Auf Lavayas Worte hin nickte sie, da die Vierpföterin den Kern der Aussage scheinbar verstanden hatte.

Lex spitzte die Ohren und fand in den Worten dieselbe, vage Antwort wie zuvor. Außergewöhnliche Taten... Frei nach dem Motto: Wer nicht fragt bleibt dumm, erkundigte sie sich weiter: "Und was ist außergewöhnlich?", wollte sie wissen. Vielleicht übernahm sie freiwillig die Rolle des Welpen, durch die Art, wie Shrkali mit ihr gesprochen hatte. Und Welpen ließen sich mit so vagen Antworten nicht abspeisen. Über Shrkalis Kultur hatte sie nämlich noch genauso wenig erfahren, wie zuvor. Sie wusste nicht, welche Werte den Wasserkatzen zu Grunde lagen.

Lavaya wusste, dass es vermutlich unhöflich war, eine Frage, die nicht an sie gerichtet war, zu beantworten, aber die Antwort war so offensichtlich, dass sie sich nicht zurückhalten konnte: „Außergewöhnlich ist, was nicht gewöhnlich ist. Was nicht ständig passiert und was nicht jeder macht. Außergewöhnliche Dinge und Taten sind selten und daher einzigartig, denn es ist sehr unwahrscheinlich, dass sie genauso noch einmal passieren können. Und dadurch werden sie außergewöhnlich. Es muss keine besonders gute Tat sein, auch schlimme oder traurige Dinge können außergewöhnlich sein und gute Geschichten abgeben.“ Dann wandte sie sich an Shrkali, denn so ganz konnte sie dem Nasstier nicht zustimmen. „Ich glaube nicht, dass die meisten das Ziel haben, außergewöhnlich zu sein. Es liegt in der Natur der Sache, dass nur wenige außergewöhnlich sein können, und daher würden die meisten dieses Ziel nie erreichen können. Außerdem ist es ja nicht immer etwas Positives, außergewöhnlich zu sein. Ich bin lieber gewöhnlich gut als außergewöhnlich schlecht. Ich hatte nie vor, außergewöhnlich zu sein. Wobei ich es vielleicht geworden bin, denn nur wenige von uns gehen auf Weltenreise und noch viel weniger davon kehren zurück.“ Wobei sie sich nach dem Gespräch mit Lex insgeheim doch nicht mehr so sicher war, ob sie zurückkehren würde. Bisher hatte sie angenommen, dass die, die nicht zurückkehrten, den unzähligen Gefahren einer Weltenreise zum Opfer gefallen waren. Doch nun war ihr, auch wenn der Gedanke ihr gar nicht behagte, klar geworden, dass womöglich viele nicht zurückkehrten, weil sie gar nicht zurückkehren wollten. Weil sie zum Beispiel woanders eine neue Heimat gefunden hatte, die weit mehr zu bieten hatte als nur Haare und ab und zu einem Springling.

Shrkali wollte gerade auf Lex' Frage eingehen, doch Lavaya kam ihr zuvor, und da diese sie vollkommen zufriedenstellend beantwortete, stimmte sie ihr nur mit einem Nicken zu und ging dann auf den Rest ihrer Aussage ein. "Es stimmt, dass die Meisten niemals außergewöhnlich sein werden. Dennoch liegt es in ihrer Natur, nach genau dem zu streben, was sie nicht haben können, da sie sonst den Antrieb verlieren würden irgendetwas zu tun. Ich selbst bin damit zufrieden, dass ich niemals wichtiger in meiner Welt sein werde wie ein Wassertropfen, der langsam an ihr entlangrinnt und schließlich auf den Boden tropft. Ich bin vielleicht da, und möglicherweise ist meine bloße Existens allein schon ein erstaunliches Kunstwerk, doch es spielt sowieso keine Rolle, da ich nach ein paar Minuten wieder getrocknet sein werde, und nichts darauf hindeuten wird, dass dort einmal ein Individuum war. Ich finde es schön, wenna auch du dieser Meinung bist, doch im Normalfall ist es niht so leicht, sich mit der eigenen Bedeutungslosigkeit abzufinden. Nun, viele bilden sich auch ein, dass sie es tun, um sich besser zu fühlen.", fügte sie mit einem kurzem, zweifelnden Seitenblick auf Lavaya hinzu.

Lex legte den Kopf schief. "Ich glaube, jede Seele ist außergewöhnlich.", hauchte sie, so überhaupt nicht mit den vorherschenden Meinungen übereinstimmend. Ihre Frage war noch nicht beantwortet, aber selbst ein Welpe hörte irgendwann auf zu fragen, wenn offenbar keine Antworten da waren. Sie tanzten über Oberflächlichkeiten, kratzten am Rand von einem komplexen Universum. Shrkali und Lavaya bewegten sich beide nur im Bereich der abstrakten, theoretischen Definition. Weit entfernt von Inhalt und wahrer Bedeutung.

Lavaya konnte dem nicht zustimmen. „Zumindest wo ich herkomme ist das nicht so. Wir sind damit zufrieden, ein Teil des Rudels und damit der Welt zu sein und die uns zugedachten Aufgaben zu erfüllen. Das ist für uns Antrieb genug.“ Insgeheim fragte sie sich aber, ob das für sie immer noch galt. Wäre sie immer noch zufrieden mit einem so gewöhnlichen, fast schon vorherbestimmten Leben, oder war das nur so gewesen, solange sie nichts anderes gekannt hatte? Aber wie konnte es sein, dass die Frage, ob sie mit ihrem Leben zufrieden war, vom Wissen abhing, was es in anderen Welten für Möglichkeiten gab? Wie konnte es sein, dass Lupmundi ihr womöglich eines Tages nicht mehr genügen könnte, obwohl die Welt sich doch gar nicht veränderte? Ihr kam langsam der Verdacht, dass Weltenreisen weit mehr bedeutete, als einige ungewöhnliche Dinge zu erleben und später davon zu erzählen. „Wenn jede Seele außergewöhnlich wäre, wäre es doch gewöhnlich, außergewöhnlich zu sein. Und dann wäre es nicht mehr außergewöhnlich. Sicherlich ist jede Seele einzigartig, wie auch äußerlich kein Wolf genau dem anderen gleicht. Aber wenn ein Wolf stirbt, nimmt ein anderer seinen Platz sein, und insgesamt betrachtet spielt es dann gar keine Rolle mehr, dass er nicht mehr da ist.. Ob ein Wolf den Springling fängt oder ein anderer, das Ergebnis ist das gleiche, sowohl für den Springling als auch für die Welt.“





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Lu, Kyro, Josh, Lio



04.05.2018 21:47
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Lijenna
Lillyan Caesar






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Lucerian hörte Casael gespannt zu und wurde immer neugieriger, während der Wolf über seine Kumpanen erzählte. Vor ihnen konnte Lucerian den knorrigen, dicken Stamm des Lebensbaumes erkennen.

Yavru schmunzelte bei der Vorstellung, dass Xanthara und Casael ein Paar abgeben könnten. Er kannte beide zwar noch nicht lange, aber doch immerhin gut genug, um sicher zu sein, dass Xanthara das sicherlich nicht lange aushalten würde. Er wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, als er vor sich zwischen den zahlreichen anderen Bäumen des Waldes hindurch in einiger Entfernung einen uralten, knorrigen Baum erkennen konnte. „Ist das der Lebensbaum?“, fragte er Lucerian leise.

Casael hielt ebenfalls inne und wartete gespannt auf die Antwort von Lucerian auf Yavrus Frage. Ein bisschen unruhiger als zuvor verlagerte er sein Gewicht immer wieder und versuchte manchmal größer zu werden, um besser sehen zu können und duckte sich dann wieder, um durch die Bäume hindurch eine bessere Sicht zu haben. War das... der Lebensbaum?

Lucerian war etwas stolz, dass die anderen so ehrfurchtsvoll waren. Der Lebensbaum war aber definitiv etwas, das eine solche Reaktion hervorrufen konnte. 'Ja, das ist er. Jeder der möchte kann zu ihm gehen und sein Anliegen, seine Probleme oder Sorgen vortragen. Wenn sie Glück haben, werden ihre Fragen und Wünsche mit einem Rat oder dergleichen beantwortet. Wollt ihr es versuchen?'Lucerian selbst konnte wann immer er wollte mit dem Baum sprechen, aber auf eine andere Art und Weise, wie es normalen Tieren möglich war. Diesmal hatte aber es selbst ein Anliegen, das die Aufmerksamkeit des Baumes brauchte. Vorsichtig wickelten sich die Ranken wieder um den Körper von Casael und hoben ihn von seinem Geweih auf den weichen Waldboden herab.

Yavru zögerte. Er war eigentlich nur der Neugierde wegen mitgekommen. Sollte er eine Frage stellen? Wenn er es nicht tat, würde er sich später bestimmt darüber ärgern, diese Chance nicht genutzt zu haben. Aber was sollte er fragen? Wenn er eine zu unbedeutende Frage stellte, wäre das nicht weniger ärgerlich, als gar keine Frage zu stellen. Und womöglich würde er den Baum dadurch sogar verärgern. Er warf Casael einen fragenden Blick zu, in der Hoffnung, dass dieser sich zuerst an den Baum wandte und ihm somit ein wenig Zeit zum Nachdenken gab.

Casael rührte sich nicht, als Lucerian ihn wieder auf den Boden setzte und schüttelte sich erst, als er wieder festen Stand hatte. "Darf man jetzt einfach zu ihm gehen?", erkundigte er sich sicherheitshalber. Andere Welten, andere Sitten... man wusste nie, wann man einen Fehler machte. Manchmal war Zögern auch ein Fehler, aber auch wenn es selten vorkam, machte sich Casael ausnahmsweise vorher Gedanken, statt hinterher.

Lucerian lächelte. 'Natürlich. Solange ihr ihn nicht beleidigt oder verärgert dürft ihr eigentlich verhalten wie ihr wollt. Benehmt euch einfach so wie immer. Ihr müsst auch keine philosophische Frage stellen. Sprecht mit ihm über eure Sorgen, vielleicht kann er euch helfen.'

Yavru war immer noch unsicher, aber Lucerians Worte, die klangen, als hätte es seine Gedanken erraten, gaben ihm den Mut, langsam auf den Baum zuzugehen. Zögerlich fragte er: „Wo sind meine Eltern? Werde ich sie jemals wiedersehen?“ Er erwartete nicht wirklich eine Antwort. Selbst wenn die naive Frage eines kleinen, unbedeutenden Wolfs überhaupt wichtig genug sein sollte um sie zu beantworten, woher sollte der Baum die Antwort kennen?

Casael folgte Yavru langsam und dem Baum gegenüber unterwürfig. Auf Wolfsart demütig. Er war nicht so sicher, ob er jetzt einfach gleichzeitig fragen durfte. Konnte ein Baum mehr erfassen, als ein Wolf? Hatte der Lebensbaum mehr als ein Bewusstsein? Er entschied sich zu warten, bis Yavrus Frage beantwortet war.

Lucerian wusste, dass der Lebensbaum mehr wusste als alles Lucerian zusammen. Es wusste auch, dass er manchmal Antworten geben konnte, die er eigentlich unmöglich wissen konnte. Es war also durchaus möglich, das so etwas auch dieses mal geschah und er Yavrus Frage also durchaus beantworten konnte. Ihnen blieb nur das Warten übrig. Manchmal dauerte es etwas, bis der Lebensbaum bereit dazu war sich mitzuteilen.

Der Lebensbaum hörte die Frage des kleinen Wolfes, wusste aber nicht, dass er diese nicht mit seinem eigenen Wissen beantworten konnte. Sein Bewusstsein driftete ab in die ihm nur allzu bekannte Welt, die nicht seine eigene war. Er schwebte durch ein Fadennetz aus Sternen und sah immer wieder Szenarien an ihm vorbeifliegen. Er war jedoch auf der Suche nach etwas speziellem - die Geschehnisse in dieser Sternenwelt interessierten ihn nicht. Im vorbei fliegen sah er Stürme, Orkane, Wellenberge und Vulkane. Er sah Familientragödien, sterbende und gerade neu geborene Wesen, doch das Ziel seiner Suche konnte er nirgends ausfindig machen. Schon beinahe wollte er sich wieder zurückziehen, als er eine Szene entdeckte, die heller strahlte als die anderen. Dies musste es sein! Der Lebensbaum tauchte in diese Wellen der Sterne ein und sah mehrere Wölfe darin, farblos, da Sterne ja keine Farben darstellen konnten. Die Wölfe waren gefanden im Wasser, schienen jedoch noch zu leben. Mehr konnte der Baum jedoch nicht sagen. Sogleich schickte er diese Bilder, die er gesehen hatte an den jungen Wolf weiter, zufrieden mit sich selbst, zumindest etwas gefunden zu haben.

Yavru wartete eine Weile, doch nichts geschah. Er wollte sich schon wieder abwenden, da er davon ausging, der Baum wolle oder könne seine Frage nicht beantworten, da erschienen auf einmal Bilder vor seinem inneren Auge, so ähnlich wie die, die ihm Lucerian in Naelura gezeigt hatte, allerdings blass und farblos. Dennoch konnte er erkennen, wie Wölfe hilflos im Wasser trieben. Wölfe, die er, wie er entsetzt feststellen musste, kannte. Es waren Wölfe aus seinem Rudel, darunter auch seine Eltern. „Nein!“, winselte er. Er wusste, dass er dem Baum vermutlich dankbar hätte sein sollen, dass er seine Frage beantwortet hatte, aber er konnte an nichts anderes denken, als daran, dass seine Eltern vermutlich gerade irgendwo weit weit weg ertranken und er hier war und gar nichts tun konnte.

Casael legte den Kopf schief, als Yavru plötzlich 'Nein!' ausrief. Er selbst hatte nichts gehört oder gesehen und verstand, dass er gar nicht merken würde, was der Lebensbaum antwortete. Ein bisschen unsicher blieb er stehen, blickte hin und wieder zu Lucerian zurück und wartete, ob Yavru das Gespräch fortsetzen würde. Überhaupt wusste er nicht, was mit dem Jungwolf vor sich ging.

Lucerian wusste natürlich ebenfalls nicht, was der Baum Yavru gezeigt hatte. Es war nichts Ungewöhnliches, dass nur derjenige, der eine Frage gestellt hatte auch die Antwort sehen konnte. So sah Lucerian Casael mit demselben unwissenden Blick an. 'Was wurde dir gezeigt, Yavru?', fragte es vorsichtig - es schwang allerdings die Botschaft mit, dass der Wolf nicht antworten musste, wenn ihm dies unangenehm war.





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Lu, Kyro, Josh, Lio



12.05.2018 18:05
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Lijenna
Lillyan Caesar






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Die entsetzte Reaktion des kleinen Wolfes entging dem Lebensbaum nicht. Die Szene, die er dem Kleinen gezeigt hatte, war keine, welche einfach zu verdauen war und er konnte die Emotionen des Wolfes verstehen. Um jedoch klar zu machen, dass die Situation nicht so ausweglos war, wie es schien, schickte er noch ein einziges Wort hinterher, welches im Bewusstsein des kleinen Wolfes widerhallte: 'LEBEN! ... Leben!'

Yavru wandte sich Lucerian zu, als diese ihn fragte. Zwar war ihm eigentlich nicht danach, irgendwelche Fragen zu beantworten, aber andererseits hatte er gleichzeitig das Gefühl, das, was er erlebt hatte, aussprechen zu müssen. „Der Baum hat mir gezeigt, wie meine Eltern im Wasser treiben. Bestimmt ertrinken sie gerade, und ich kann gar nichts machen!“ Doch als der Baum das Wort ‚Leben‘ hinterher schickte, fasste Yavru wieder ein wenig Mut. „Was heißt das? Werden sie nicht sterben? Kann ich ihnen irgendwie helfen?“

Casael war nach Yavrus Aussage etwa so schau wie vorher. Er lauschte dem Gespräch, bei dem er immer nur den Jungrüden sprechen hörte, nicht aber den Baum. Ohne sich weiter einzumischen blieb er bei Yavru stehen und hörte zumindest dem Teil aufmerksam zu, den er hören konnte.

Lucerian wartete geduldig darauf, dass Yavru antworten würde. Als schließlich eine Antwort folgte, verstand es, warum der Wolf gezögert hatte. Nicht jeder wollte oder konnte so etwas aussprechen. Lucerian war - wie wahrscheinlich Casael auch - neugierig, was der Lebensbaum zu Yavru gesagt hatte, doch es wusste, dass die Worte des Baumes nur für ein Paar Ohren bestimmt war.

Der Lebensbaum sah nocheinmal in die Welt, in der die Wölfe im Blau trieben. Er erkannte, dass sich vor kurzem ein Weltentor geöffnet hatte und dass vor einiger Zeit schon einmal eines offen gewesen sein musste. Es konnte also durchaus sein, dass es wieder geschah und die Wölfe rettete. Natürlich konnte auch der machtvolle und weise Lebensbaum nicht in die Zukunft sehen, aber er teilte zumindest seine Schlussfolgerungen mit.

Yavru verstand. „Das heißt, ich kann nur hoffen, dass sie auch den Sprung in den Weltenbaum schaffen?“ Nun, immerhin war das besser, als gar keine Hoffnung zu haben. Oder wäre es womöglich besser gewesen, seine Eltern tot zu sehen, um dadurch wenigstens Gewissheit zu haben? Er wusste es nicht. Aber ihm viel wieder ein, dass er den Baum doch mit Respekt behandeln wollte. Schließlich schien er in dieser Welt eine wichtige Rolle zu spielen, und dass er gewaltige Fähigkeiten hatte, hatte Yavru ja gerade selbst erlebt. „Und vielen Dank lieber Baum, dass du mir meine Frage ehrlich beantwortet hast!“ Auch wenn er insgeheim nicht sicher war, ob eine Lüge nicht womöglich besser gewesen wäre. Wenn er gesehen hätte, dass es seinen Eltern gut ging und sie nur in einer anderen Welt waren, wäre das nicht besser gewesen? Aber welchen Wert hätte es gehabt, wenn es nicht gestimmt hätte? Yavru wusste es nicht.

Casael beobachtete Yavru. Die Worte verrieten ihm eine Richtung, wohin das Gespräch wanderte, aber ihm schien viel zu entgehen. Schließlich bedankte sich Yavru und Casael wartete noch kurz, ob die beiden mit ihrer teilweise stummen Konversation fertig waren, oder ob Yavru vielleicht noch eine andere Frage vorbrachte.

Lucerian wandte sich an Casael, als es so aussah, als wäre das Gespräch zwischen Yavru und dem Lebensbaum beendet. 'Möchtest du nun eine Frage stellen? Egal ob Yavru noch eine weitere Frage stellen will, er wird sie nicht beantwortet bekommen. Der Lebensbaum gewährt immer nur eine Frage auf einmal, um den Wert zu verdeutlichen, den die Antwort inne hat.' Lucerian selbst würde seine eigene Frage erst ganz am Ende stellen, da er seinen beiden Wolfsfreunden den Vortritt lassen wollte.

Yavru nickte stumm. Er hatte auch nicht erwartet, weitere Fragen beantwortet zu bekommen. Es war ihm klar, dass es vermutlich eine große Ehre war, wenn der Baum einem überhaupt eine Frage beantwortete. Und in Wahrheit wusste er auch nicht, ob er eine zweite Frage gestellt hätte, wenn er die Gelegenheit dazu gehabt hätte, wo ihn doch die Antwort auf die erste Frage schon so getroffen hatte.

Casael lauschte auf Lucerian, dabei in sich hineinhörend. Das war seltsam. Normalerweise lauschte man schließlich in die Welt hinaus. Er blinzelte und blickte zum Lebensbaum auf, als würde er ein Gesicht suchen, oder den Sitz der Seele. "Mayeli, Baumvater.", hauchte er demütig. "Wie wurdest du dir das erste Mal des Gefühls 'Liebe' bewusst?" In dieser Frage verbarg sich auch die Frage, ob der Baum des Lebens dieses Gefühl überhaupt kannte. Natürlich konnte er es auch nur gesehen haben. Ganz schlüssig schien Casael nicht, ob das eine angemessene Frage war, aber von der Antwort versprach er sich doch mehr, als von der Frage nach seiner Familie. Im Gegensatz zu Yavru wollte er nicht wissen, was aus ihnen geworden war.

Der in-Geist-alt-in-Körper-jung Wolf stellte eine Frage, die der Lebensbaum nicht direkt beantworten konnte. Wie definierte dieser Wolf vor ihm dieses Gefühl? Es gab immerhin die verschiedensten Arten von Liebe in den verschiedensten Welten. Es war schwierig ein so unterschiedliches und weitläufiges Gefühl in ein einziges Wort zu packen und dann wieder die richtige Bedeutung aus diesem zu lesen. Bäume konnten keine körperliche Liebe empfinden, für sie fand alles in Form von Gedanken statt. Viele Wesen genossen die Liebe des Lebensbaumes. Jedes einzelne von ihnen wurde von ihm geliebt und gepflegt. Aber das erste mal, dass er dieses Gefühl gespürt hatte war noch lange vor der Existenz aller Wesen in dieser Welt gewesen. Der Lebensbaum war gutmütig und wollte den Wunsch des Körper-jung-Seele-alt Wolfes erfüllen - obwohl es nicht notwendig gewesen wäre. Er sah den Wissensdrang des Wolfes und befand ihn für gut. Aus diesem Grund schickte er ihm ein einziges Bild als Antwort: eine Landschaft aus Eis mit einem Wesen desselben Materials in ihr.

Lucerian überraschte die Frage Casaels. Die meisten Wesen kamen mit Fragen über ihr Leben oder Problemen zum Baum des Lebens, eine solch simple aber doch tiefgründige Frage wurde nicht oft gestellt. Normalerweise hielt Lucerian sich aus persönlichen Fragen heraus, zog sich bewusst zurück, damit es die Antwort nicht hörte - obwohl es ihm als Kind des Lebensbaumes durchaus erlaubt gewesen wäre. Heute war es allerdings eine andere Situation. Es interessierte Lucerian, wie viel der Baum von sich preisgeben würde. Es selbst wusste natürlich jedes Detail des Baumes, was nur logisch war, da jedes Lucerian alles über die Welt, also auch über den Baum wissen musste, um Silvarricor zu schützen. Lucerian klinkte sich also in das Gespräch ein und lauschte gespannt.

Yavru war über Casaels Frage mehr als erstaunt. Da bekam er die einmalige Gelegenheit, eine Frage zu stellen, und statt nach Dingen, die ihn selbst betrafen, fragte der den Baum so etwas? Das wäre selbst einem Wolf gegenüber eine seltsame Frage gewesen, aber bei einem Baum war doch noch nicht einmal klar, ob dieser Liebe überhaupt auf eine ähnliche Weise empfand, wie ein Wolf. Doch Yavru war auch der festen Überzeugung, dass es ihm nicht zustand, die Frage eines anderen zu kritisieren, und erst recht nicht in Anwesenheit des Baumes. Dennoch interessierte ihn die Antwort des Baumes und er lauschte gespannt, doch leider vergeblich. Natürlich, es war wohl so, dass nur der Fragesteller die Antwort wahrnahm. Warum sonst hätte Lucerian ihn gefragt, was der Baum ihm gezeigt hatte? Er nahm sich vor, Casael später danach zu fragen. Allerdings nicht jetzt, denn das hätte seiner Meinung nach die Ehrfurcht gebietende Stimmung, die um den Baum zu herrschen schien, gestört.

Casaels ganze Körperhaltung signalisierte höchste Aufmerksamkeit, als er in sich hinein lauschte, um die Antwort des Baumvaters zu erkennen. Sein Herz schlug bei dem Bild, das ihm gezeigt wurde, ein bisschen schneller. Ob wegen der Aufregung, oder weil in dem Bild in sich Liebe mitschwang, erfragte er nicht in sich selbst. Er betrachtete die Landschaft aus Eis und das Wesen in ihr. Konzentriert lauschte er tiefer, um alle Bilder vollständig in sich aufzunehmen.

Mehr würde der Lebensbaum nicht preisgeben. Der Wolf-alt-Wolf-jung durfte nun selbst seine Schlüsse ziehen. Er wusste, dass nun sofort die Zeit gekommen war, wo sein Kind ihm die Frage stellen würde, ob es ihn verlassen durfte. Woher er das wusste, konnte wohl niemand erklären. Er wusste es einfach, konnte es aus den Gedanken des Lucerian lesen, noch bevor es diese überhaupt dachte. Es war jedoch nicht einfach ein Lucerian ziehen zu lassen. Sie hatten Aufgaben in Silvarricor zu erfüllen, die niemand anderer ausführen konnte. Und es waren immer genau die Anzahl Lucerian im Wald, wie gebraucht wurden. Es war also eigentlich nicht möglich dieses Lucerian zu entlassen. Es war aber auch noch nie vorgekommen, dass eines von seinen Kindern überhaupt hatte reisen wollen.

Lucerian fand die Antwort des Baumes überaus aufschlussreich. Manchmal musste nicht viel gesagt werden, um etwas auszudrücken. Ein einziges Bild war oftmals genug. Den Rest musste man selbst entschlüsseln.

Yavru hätte zu gerne gewusst, was der Baum Casael mitteilte. Doch der Rüde ließ sich vorerst nichts anmerken, außer, dass der der Antwort offensichtlich seine volle Aufmerksamkeit schenkte. Doch obwohl er fast vor Neugierde platzte, schwieg Yavru und wartete ab, was als nächstes passieren würde.

Casael setzte sich und ließ die Bilder in sich nachklingen. Die Verbindung zum Baum war - seinem Gefühl nach - gelöst und er war wieder in sich selbst allein. Ohne fremde Bilder. Dennoch gab es einen klaren Widerschein. Von der Konversation zwischen Lucerian und dem Baumvater bekam er nichts mit. Ihm entging auch vollständig, dass Yavru beinahe platzte.

Lucerian war etwas enttäuscht, als ihm mitgeteilt wurde, dass er nicht gehen durfte. Es verstand aber, dass der Schutz von Silvarricor wichtiger war als seine eigene Neugierde und akzeptierte es ohne die Entscheidung zu hinterfragen. Es wandte sich wieder Casael und Yavru zu und fragte: 'Seid ihr nun schlauer als zuvor? Wollt ihr noch etwas sehen?'

Casael blickte noch einmal zu dem großen Baum hinauf und ließ dann den Blick schweifen. "Ich würde gerne zurück gehen und nachsehen, was Lexi und Lavaya so machen.", erklärte er. Und einen Blick auf die Eisfläche werfen. Das sagte er aber nicht laut.

Yavru wusste nicht, dass Lucerians Bitte vom Lebensbaum abgelehnt worden war, sonst hätte er ihr etwas aufmunterndes gesagt – oder womöglich sogar versucht, sie dazu anzustiften, trotzdem zu gehen. So aber nickte er zu Casaels Vorschlag, zu den anderen zurückzukehren. „Ja, das klingt nach einer guten Idee.“ Von Casaels Idee, die Eisfläche zu betreten, ahnte er nichts, hätte aber auch nichts davon gehalten, denn er wollte auf keinem Fall vom Eisling, der sich dort ja angeblich aufhielt eingefroren werden.





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Lu, Kyro, Josh, Lio



12.05.2018 21:26
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