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Acuri - Erste Begegnungen in der Zwielichtwelt
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Wenn die verschiedenen Seelen Acuri erreichen, ist das erste, was ihnen auffallen wird, das Fehlen von Farben. Acuri ist die Zwielichtwelt und besteht nur aus schwarz und weiß und Tönen, die dazwischen liegen. Die Wanderer selbst haben ihre üblich farbige Gestalt behalten und wirken so wie Fremdkörper in dieser besonderen Welt.

Mirai erhob sich in einer fließenden Bewegung, beinahe so, als würde sie sich mit dem Wind bewegen. Ein sachtes Klingen war zu hören, als sie sich aufrichtete. Wie Glöckchenklingen - ein fremder Klang für die Ohren der meisten Tiere. Mirai war der einzige Farbfleck der seit langer Zeit zum Inventar der farblosen Welt gehörte. Ihr Erscheinungsbild glich dem eines Wolfswelpen aus Gaia, auch wenn sie weder ein Wolfswelpe, noch ein Kind Gaias war.

Kyro kreischte noch, als seine Pfoten wieder festen Boden unter den Pfoten hatten. Huch? Er sah sich um und schnaubte. Wo war er denn nun wieder gelandet? Hatten seine Augen nun einen Schaden davon getragen oder... Er sah an sich hinunter und musste feststellen, dass an seinen Augen nichts auszusetzen war. Die Welt war einfach... farblos. Alles sah aus wie in der Dämmerung, nur dass man nicht sagen konnte, dass es dunkel war. Es war verstörend!

Xaron wachte auf. Er wusste nicht, wie lange er geschlafen hatte. Es hätten Tage oder auch Minuten sein können. Falls Zeit hier im Weltenbaum überhaupt eine Rolle spielte. Er schaute sich um. Er war nicht mehr in Caeluci, aber immerhin auch nicht wieder in Togruduna. Doch irgendetwas stimmte hier nicht. Aber was? Die Farben fehlten! War das eine Eigenschaft dieser Welt oder handelte es sich um Nachwirkungen seiner Begegnug mit Zion? Waren seine Augen in Mitleidenschaft gezogen worden? Hoffentlich war dieser Zustand nur vorübergehend! Er blinzelte ein paar mal, doch die Farben wollten einfach nicht zurückkehren.

Merulia flatterte aufgeregt in der Luft, als sie plötzlich den Halt verlor. Was war denn jetzt los? Der Ast, auf dem sie gesessen hatte - verschwunden! Ihre Orientierung belief sich auf Null - verdammt, wo war nochmal unten, wo oben?! Sie riss die schwarzen Äuglein auf, versuchte, sich wenigstens durch das Licht zu orientieren. Verwirrt musste sie feststellen, dass sie keine richtigen Orientierungspunkte finden konnte - alles grau. Grau in Grau. // Plötzlich landete bremste etwas Weiches ihren Sturz. Etwas Warmes. Irritiert tschilpte sie vor sich hin, ehe sie feststellte, dass sich dieses Etwas auch noch bewegte!

Kyro erlitt einen weiteren beinahe-Herztod, als ihn irgendetwas abschoss. Er sprang vor Schreck ein Stück in die Luft und riss dann den Kopf herum, um zu sehen, was da auf ihm gelandet war. Dann schnappte er gefräßig danach, traf aber nicht, weil er zu ungelenkig war. Alter Wolf. Und das Schicksal tat ihm solche Dinge an!

Atsuko spürte plötzlich, wie der Boden unter ihren Füßen verschwand. Gerade eben war sie noch dabei gewesen, Lex hinterher zu jagen, und im nächsten Moment hatte sie das Gefühl zu fallen. Als sie wieder Boden unter den Füßen hatte, sah sie sich vorsichtig um. Offensichtlich hatte die unsichtbare Macht, der es scheinbar Spaß machte sie von einem Ort zum anderen zu teleportieren, beschlossen, dass sie schon viel zu lange an einem Ort gewesen war. Diese neue Welt bildete einen harten Kontrast zu der alten. Von einem Meer aus Rottönen in ein Meer aus Grautönen. Nun, vom Grundprinzip her unterschieden sie sich ja doch nicht so sehr. Trotzdem hatte ihr die alte deutlich besser gefallen. Dort hatte ihr Fell zumindest eine vernünftige Farbe gehabt, hier hingegen... etwas angeekelt schaute sie auf das graue Fell, welches ihren Körper bedeckte. Es war zwar nicht so schlimm wie türkis, aber trotzdem nicht sehr erfreulich. Seufzend wandte sie sich ab. Es war Zeit, nach den anderen zu suchen, die hoffentlich auch hier gelandet waren. Langsam trabend machte sie sich auf den Weg.

Mirai hatte sich langsam und beinahe schleichend in Bewegung gesetzt. Wie ein Blatt im Wind wehte sie an Büschen entlang, ließ sich von den kleinen Ästchen durchs Fell kämmen und hielt manchmal inne, wenn der Wind dasselbe tat. Dennoch stand sie irgendwann vor einem fremden Geschöpf, das wirkte, als würde es sich den Schlaf aus den Augen blinzeln wollen. Sie - ebenfalls gerade aus einem Schläfchen erwacht - streckte sich beinahe katzenhaft und gähnte, ehe sie den größeren Wolf aus großen Welpenaugen anblickte.

Lioku hatte gespürt, wie das Eis unter seinen Pfoten nachgab und dann war alles viel zu schnell gegangen. Seine Krallen kratzten noch über eine Eisscholle, im letzten, verzweifelten Versuch sich festzuhalten, ehe er in die eisigen Fluten gerissen wurde und die Strömung ihn fortspülte. Beinahe ohne Gegenwehr. Der alte Rüde, dessen frühere Verletzungen ihn ohnehin verkrüppelt hatten, war hoffnungslos verloren und gerade, als er glaubte, dass es aus mit ihm war, spuckte das Wasser ihn wieder aus. Ohne Mühe kam er an die Oberfläche und wo eben noch Eis gewesen war, befand sich nun ruhiges, sanft wiegendes Wasser.

Xaron bemerkte plötzlich, das jemand neben ihm stand. Er blickte sich um und entdeckte einen Welpen. Seine Rute begann sanft zu wedeln, während seine Nase den Geruch des Welpen aufzunehmen begann. „Hallo! Wie heißt du denn? Ich bin Xaron!“ Irgendetwas an dem Welpen war seltsam, dabei schien er doch völlig normal. Normal? Genau, das war es! „Du bist farbig!“, sagte er lauter, als er eigentlich beabsichtigt hatte.

Merulia hatte plötzlich das Gefühl, auf einem Ast inmitten eines Sturms zu sitzen. Mit den Zehen krallte sie sich in das weiche Ding, das sie so hin und her schüttelte, und breitete die Flügel aus, um das Gleichgewicht zu halten. Sie zuckte zusammen, als plötzlich spitze Zähne knapp neben ihrem Flügel zusammenschlugen. "Hey!", rief sie wütend aus, "lass den Quatsch und halt still!" Sowas aber auch!

Kyro knurrte. "Ich kann es nicht leiden, wenn mein Essen mit mir spricht! Also halt den Schnabel.", fluchte er, auch wenn es nicht ganz so jagtmotiviert klang, wie er dem Vogel gerne glauben gemacht hätte. Im Augenblick war er nicht hunrig, wobei das Federvieh kaum ein Zahnlückenfüller war... Zuletzt hatte er mit Atsuko in Dellruin gespeist und das war nicht allzu lange her.

Merulia schnappte klappernd mit dem Schnabel nach dem rechten Ohr dieses dreisten Tieres. "Ich bin nicht dein Essen. Ich bin Merulia, eine Amsel! Gesund und munter - so ein alter, unbeweglicher Kauz wie du könnte mich nicht mal fressen, wenn ich krank wäre!" Empört von der dreisten Annahme, sie würde sich fressen lassen, flatterte sie nun doch wieder auf. Taumelnd ob der Grau-in-Grau-Last landete sie allerdings auf dem Boden statt in dem anvisierten Busch, dem sie sich nun in eiligen Hopsern näherte.

Kyro zog eine genervte Grimasse hinter dem Rücken des Vogels und versuchte ganz ausversehen über den Vogel zu stolpern - diesem mit der Pfote im Laufen einen Hieb zu versetzen. Er hatte womöglich irgendwann zuvor die Schwester oder den Onkel des Federviehs gefressen. Wobei... wenn das ein Weltenvogel war, wohl eher weniger.

Atsuko zuckte zusammen, als ein leises geräusch die Stille um sie herum störte. Es kamm von irgendwo links von ihr. Vorsichtig, um nicht in irgendein feindlich gesinntes Tier hineinzulaufen, näherte sie sich der Quelle des Geräusches. In einem See, dessen Wasser tiefschwarz war, trieb ein Wolf. Er wirkte zwar ziemlich hektisch, schien sich aber gut über Wasser zu halten. Sie konnte nicht genau erkennen wie er aussah, war sich aber recht sicher ihn noch nie gesehen zu haben. Vorsichtig rief sie ihm eine Begrüßung zu. "Hallo!"

Mirais Rute begann ebenfalls leicht hin und her zu pendeln. "Hallo!", grüßte sie zurück, als der Rüde ihr vorweg nahm, welche Begrüßungsfloskel ihm die vertraute war. "Ich bin Mirai!" Sie musterte den älter Aussehenden so wie dieser sie musterte. "Du bist auch farbig!", merkte sie an, als wäre sie so überrascht, wie ihr Gegenüber. Tatsächlich waren natürlich die meisten Welten voller Farben und nur wenige kamen ganz ohne Farben aus. Acuri war eine kleine Rarität.

Lioku schleppte sich ans Ufer und taumelte etwas abgekämpft und ungelenk aus dem Wasser. Dieses hing schwer in seinem Pelz und tropfte an ihm herunter, bis er sein Gleichgewicht soweit halten konnte, dass ein Schütteln möglich war. "Hallo...", krächzte er atemlos und sah zu der grauen Füchsin hinüber, ehe er den Blick schweifen ließ und sich dann immer hektischer umsah. Wo war er hier gelandet?

Merulia duckte sich unter der großen Pfote hinweg. Ihr kleines Herz raste in ihrer Brust, als sie sah, dass der Wolf ihr im Weg stand, wenn sie wirklich in das Buschwerk entfliehen wollte. Statt sich nun aber verängstigt in eine Mulde zu flüchten und zu hoffen, dass sie nicht auffiel, plusterte sie sich auf und zeterte: "Was fällt dir eigentlich ein? Du hättest mich beinahe zu Tode getrampelt!"

Kyro leckte sich über die Lefzen. "Dann wärst du mein Nachtisch. Keine Sorge, ich hätte nichts von dir verschwendet.", säuselte er psychopathisch in die Richtung der Amsel. Wenn diese ihn besser gekannt hätte, hätte sie vielleicht durchschaut, dass er nicht ganz so verrückt war, wie er sich gab. Oder ihr wäre klar gewesen, dass man ihm nicht trauen konnte, weil er verrückt war. Sehr zwiespältig.

Atsuko erkannte bei näherem hinsehen, dass der Wolf schon sehr alt sein musste, jedenfalls älter als Kyro, und der war der älteste Wolf den sie bisher gesehen hatte. Die Winterwölfe wurden nie so alt, oder zumindest sah man es ihnen nicht an. Der Rüde vor ihr hingegen keuchte ziemlich mitleidserregend und sah sich mit großen, vielleicht ein wenig ängstlichen Augen um. "Alles in Ordnung?", fragte Atsuko besorgt.

Lioku wusste nicht, ob er nun plötzlich an seinem Verstand zweifeln musste. "Ich... war gerade noch in einem schneeverkleideten Gebirge und hier ist es weder eiskalt, noch liegt Schnee. Es ist... ich weiß nicht..." Er witterte. Es roch weder nach Frühling, noch nach Sommer und auch nicht nach Herbst. Es schien eine undefinierte Zeit zu sein. Nichts besonderes. Nicht kalt, nicht warm. "Und alles ist farblos... keine farbigen Blumen, die Blätter der Bäume sind grau..." Sein Blick fiel auf den Fuchs. "Du auch!"

Atsuko musste unwilkürlich ein wenig kichern. "Ach, ist das also dein erster Weltenwechsel? Oh, und du hast recht, diese Fellfarbe ist schrecklich. Normalerweise ist es nicht so schlimm, keine Sorge. Auch wenn ich immernoch finde, dass türkis schlimmer ist. Was meinst du?"

Lioku sah sich weiter etwas hektisch um, immerhin war gerade seine ganze Familie in den drohenden Wassertod gestürzt. Das Gerede der Füchsin überforderte ihn da eher. "Weltenwechsel? Türkis?" Kann man das essen? Seine Augen suchten die Wasseroberfläche ab, aber nirgendwo konnte er einen Hinweis auf sein Rudel entdecken. Weltenwechsel... Er war zwar alt und vielleicht etwas langsam, aber in diesem Moment konnte ihm die Antwort und eine vernünftige Erklärung gar nicht schnell genug gegeben werden.

Merulia blinzelte einige Male irritiert, ehe sie aufgebracht auf den wenigen grauen Grashalmen herumtrampelte, die sich zwischen den vielen trockenen Blättern hindurchgekämpft hatten. Kurz darauf hatte sich ihre Stimmung schon wieder geändert und sie letzte den zierlichen Amselkopf schief. "Du glaubst wohl, du könntest mir Angst machen", stellte sie fest, ehe sie in die Luft flatterte und sich voller grolliger Genugtuung einfach auf dem Kopf des Wolfs niederließ. Hier oben fühlte sie sich doch tatsächlich sicherer - die spitzen Zähne würden sie hier ganz sicher nicht erreichen!

Kyro schüttelte den Kopf aufs Heftigste. Beißen musste er nicht können, es reichte schließlich auch, das Ungeziefer auf seinem Kopf gegen den nächsten Baum zu schleudern. Vermutlich wäre es hilfreich gewesen, wenn die Amsel keine Flügel gehabt hätte. Während er sich schüttelte, versuchte er einige Male nach dem Vogel zu schnappen.

Atsukomusste sich zusammenreißen, den alten Wolf nicht auszulachen. Das einzige, was sie davon abhielt, war der traurige Fakt, dass er offensichtlich nicht mit ihr über Fellfarben reden wollte. Sie seufzte theatralisch. "Beruhig dich erst mal, ich erklär dir alles, in Ordnung?" Sie lächelte beruhigend.

Lioku hatte diese Ruhe nicht wirklich. "Meine Familie und ich... wir waren gerade dabei zu ertrinken... sie sind nicht hier... wo sind sie?" Er sah flüchtig zu der Füchsin und dann wieder auf das Wasser hinaus. Da er einst beinahe gestorben war, war er im Augenblick ziemlich sicher, keine Nahtoderfahrung zu haben. Umso unerklärlicher war die Situation für ihn.

Xaron kam zu dem Schluss, dass ihm der Welpe vollkommen unbekannt war. Seine Nase verriet ihm immerhin, dass es sich um eine kleine Fähe handelte, mehr jedoch nicht. Auch der Name kam ihm unbekannt vor. Auf ihre Anmerkung schaute an sich herunter. Tatsächlich, er war auch farbig. Also war mit seinen Augen alles in Ordnung, nur die Welt war seltsam. Wie eigentlich bisher jede Welt, der er begegnet war. „Sieht für dich auch alles andere grau aus?“ Plötzlich kam ihm ein Gedanke. „Wo sind eigentlich deine Eltern?“ Er wollte nicht riskieren, womöglich mit übervorsichtigen Wolfseltern aneinander zu geraten, die ihn vielleicht als Gefahr für ihren Nachwuchs ansehen könnten. Immerhin war ihm ja nicht anzusehen, wie harmlos er war.

Atsuko überlegte kurz. Es war zwar ziemlich unwahrscheinlich dass sie jemandem aus seiner Familie begegnet war, aber der Rüde schien von derselben Wolfsrasse zu sein wie die anderen denen sie bisher begegnet war. "Wie heißen die Leute aus deiner Familie denn? Vielleicht bin ich ein paar von ihnen ja schon begegnet."

Mirai sah sich um. "Ich denke... alles andere ist grau...?" Ganz sicher schien sie nicht, aber die Frage des Rüden schien sie außerdem zu irritieren. "Wo sind denn deine Eltern?", fragte sie zurück. Wenn es um ihre Eltern ging, war die Frage vermutlich etwas schwerer zu beantworten.

Merulia verspürte schon fast Genugtuung darüber, dass sie diesen unerhörten Wolf 'überlistet' hatte. Als glaubte er, er könne sie abschütteln, wenn sie das nicht wollte! Pah! // Allmählich wurde es ihr allerdings doch zu bunt auf seinem hin- und herzuckenden Kopf. So, wie sein Kopf das nächste Mal nach oben schnellte, nahm sie den Schwung auf und flatterte auf den untersten Ast einer Birke. Zumindest sah dieses schwarz-weiße Gebilde dem, was sie kannte, äußerst ähnlich. Außer Reichweite für den Wolf, sah sie hinab. "So findest du keine Freunde, Wolf", tadelte sie ihn, ehe sie höher kletterte und sich in einer Astgabel bequem den Kopf unter den Flügel steckte, um diese graue Welt einfach wieder zu verlassen.

Lioku wusste nicht so wirklich, wo er anfangen und wo er aufhören sollte. "Lijenna, Syrayn, Noir, Endeara...", begann er mit den Blutsverwandten, auch wenn er keinen größeren Sinn darin sah. Es war ziemlich unwahrscheinlich, dass seine Familie dieser Füchsin begegnet war und selbst wenn waren sie deshalb dennoch gerade am Ertrinken gewesen!

Xaron wusste nicht, was er von der Antwort der kleinen Fähe halten sollte. Es klang mehr wie eine Frage als wie eine Aussage. Doch so wahren Welpen halt. Und wenn sie aus dieser Welt stammte, war sie vielleicht so sehr an die graue Umgebung gewöhnt, dass sie einfach keinen Gedanken daran verschwendete, dass alles andere grau war. Wobei sie dann doch eigentlich auch hätte grau sein müssen? Aber vielleicht waren hier die Tiere farbig, und nur alles andere grau? Auf ihre Gegenfrage musste er lachen, auch wenn er wusste, dass er sie wohl eigentlich hätte zurechtweisen müssen. Schließlich war es unhöflich, eine Frage mit einer Gegenfrage zu beantworten, und Welpen durfte man so etwas nicht durchgehen lassen, sonst würden sie nie lernen, sich vernünftig zu verhalten und ihrem Platz im Rudel zu finden. Doch jetzt war ihm nicht danach, auch wenn Xeria ihm bestimmt Vorwürfe deswegen gemacht hätte. „Meine Eltern sind leider weit fort von hier. Aber ich bin ja auch schon groß und komme alleine zurecht.“ Erst als er das aussprach, wurde ihm wieder klar, wie sehr er seine Mutter vermisste. Das trübte seine glückliche Stimmung wieder.

Mirai beobachtete den Rüden und ahnte nichts von dessen Gedanken. Dass sie hätte zurecht gewiesen werden müssen, ahnte sie nicht und hätte das vermutlich auch in Frage gestellt. "Ich bin zwar nicht groß, aber ich komme auch allein zurecht.", erklärte sie lachend. "Eltern habe ich gar keine."

Xaron musste wieder lächeln, als die Fähe ihre Aussage, sie käme alleine zurecht, mit solcher Gewissheit aussprach, dass keinerlei Zweifel daran bestand, dass sie felsenfest daran glaubte. Zwar musste er sich eingestehen, nicht einmal annähernd so viel von Welpen zu verstehen, wie er gerne würde, doch war ihm klar, dass sie dazu neigten, schon groß und eigenständig sein zu wollen, ohne zu wissen, wie viel schöner die Welpenzeit gegenüber dem Leben als Erwachsener doch war. Ihre Aussage, sie habe keine Eltern, dämpfte das Lächeln jedoch wieder etwas. Wenn ein Welpe ohne Eltern aufwachsen musste, steckte eigentlich immer eine traurige Geschichte dahinter. „Wer kümmert sich denn dann um dich? Wer bringt dir bei, wie man jagt und wie man kämpft und was man sonst noch alles wissen muss?“

Miraiwurde auch wieder etwas ernster. "Ich kümmere mich um mich. Ich weiß schon, wie man jagt und kämpft und was man sonst noch so alles wissen muss.", gab sie zurück. "Wer bringt dir bei, was du sonst noch alles wissen musst?"

Xaron betrachtete Mirai genauer. War sie wirklich ganz alleine unterwegs? Aber dafür war sie doch noch zu jung, und sie sah auch weder halb verhungert noch sonst irgendwie verwahrlost aus. „Und von wem hast du das gelernt?“ Er würde schon noch aus ihr heraus bekommen, wo ihre Eltern – oder wer sich sonst um sie kümmerte – waren. „Ich weiß das alles auch schon, aber ich bin ja auch schon erwachsen. Ich habe es von meiner Mutter gelernt und von einer schlauen Fähe namens Xeria, die fast alles wusste. Aber ich lerne immer noch dazu. Man lernt nämlich sein ganzes Leben lang.“

Atsuko jauchzte überrascht. "Ich kenne sie! Ich habe Lijenna und Syrayn schon einmal getroffen! Keine Sorge, ihnen geht es gut. Von den anderen weiß ich nichts, aber vielleicht wurden sie einfach in andere Welten geschickt als du und ich."

Mirai musterte Xaron von oben bis unten. "Erwachsen? Was heißt das?" Offenbar versuchte sie es an dem Rüden ihr gegenüber zu entdecken. "Ich lerne auch noch oft etwas Neues. Aber seltener als früher.", erklärte sie. "Ich habe von sehr, sehr vielen gelernt. Von klugen und weniger klugen... Manchmal lernt man von denen die schlau sind die dümmsten Dinge."

Lioku schüttelte den Kopf. "Wir sind gerade eben im Eis eingebrochen. Nach einer Erschütterung der Erde. Es brach unter unseren Pfoten und ich wäre beinahe ertrunken. Die anderen müssen noch dort im Wasser sein." Und dieser Gedanke verängstigte ihn. Würden sie alle sterben? Und wieso war er noch am Leben?

Atsuko sprach sehr langsam weiter, damit der Rüde mithalten konnte und sich vielleicht doch eindlich beruhigte. "Hör zu. Es gibt verschiedene Welten, und in manchen geht die Zeit anders als in anderen. Und genauso gibt es Räume zwischen den Welten. Ich vermute, das du einfach längere Zeit in so einem Zwischenraum warst. Dann kann viel Zeit vergehen, und dir fallt es nicht einmal auf. Kannst du mir so weit folgen?"

Xaron wunderte sich, dass Mirai nicht wusste, was es es bedeutete, erwachsen zu sein. Aber vermutlich war das Teil eines Spiels oder so. Welpen dachten sich die seltsamsten Sachen aus. „Naja, erwachsen ist man, wenn man kein Welpe mehr ist, sondern groß, so wie ich. Wenn man aufhört zu wachsen, ist man gewissermaßen erwachsen. Auch wenn manche länger brauchen, um auch wie ein Erwachsener zu denken.“ Er kam sich irgendwie weise vor, als er das aussprach. Das hätte bestimmt sogar Xeria gefallen, auch wenn sie es wohl nie zugegeben hätte. „Aber irgendwer muss dir doch all das beigebracht haben, was du zum Leben brauchst? Hast du eine Familie oder ein Rudel?“ Er grübelte darüber nach, ob man tatsächlich manchmal von den schlausten Wölfen die dümmsten Sachen lernte? Es klang jedenfalls sehr philosophisch. Erstaunlich für einen Welpen. Oder fiel es womöglich gerade Welpen leichter, so etwas zu denken, weil ihr Kopf noch nicht so voll mit anderen Dingen war? „Das hast du gut beobachtet“, sagte er schließlich.

Lioku hielt inne und betrachtete die Füchsin. "Nein.", gab er dann ehrlich zurück. "Es geht nicht um mich. Es geht um meine Familie. Mein Rudel... Es geht um über zwanzig Wölfe die gerade dabei sind zu ertrinken..."

Mirai hörte sich die Ausführung an. "Denkst du, du denkst wie ein Erwachsener?", wollte sie dann weiter wissen. Man hätte meinen können, sie hätte den kindischen Gedanken erahnt, mit dem sich Xaron gerade in seiner Weisheit aalte. "Ich sagte doch, viele haben mir beigebracht was ich weiß und kann." Sie gab sich Mühe, etwas von ihrem Gegenüber zu lernen. Aber vermutlich lernte dieser gerade mehr von ihr.

Xaron musste erneut lächeln. Welpen waren einfach putzig! „Natürlich denke ich das!“ War es nicht erwachsen, so zu denken? Aber was, wenn sie auch so dachte? Dann wäre es doch eher welpisch? Es verwirrte ihn, übers Denken nachzudenken, do es gab wohl nur eine Möglichkeit, das herauszufinden. „Und denkst du das auch von dir?“ Ihre Antwort war leider nicht sehr hilfreich. Es war fast, als hätte sie sich fest vorgenommen, ihm nicht zu verraten, wo sie herkam und wo sie hingehörte. Vielleicht war das auch so? Vielleicht war das ja eine Art Spiel? „Heißt das, du hast ein Rudel, das sich um dich kümmert und von dem du lernst?“ Es schien ihm ungewöhnlich, dass sich mehr als nur zwei Wölfe, sei es als Eltern oder Adoptiveltern, um einen Welpen kümmerten, aber nicht undenkbar.

Mirai erwiderte das Lächeln. "Das kommt darauf an, was genau es heißt, 'erwachsen' zu sein. Wenn es heißt, dass ich mich um mich kümmere und jagen kann und kämpfen und viele Dinge weiß, die man wissen sollte, dann ja.", erklärte sie. "Ich habe im Moment kein Rudel und lebe hier allein. Gerade lerne ich von dir und du von mir." Aus Höflichkeit ließ sie den Zusatz weg, dass sie versuchte von Xaron zu lernen.

Atsuko schüttelte den Kopf. "Ich weiß nicht was mit den anderen ist, aber Lijenna und Syrayn habe ich schon getroffen, und auch Kyro und Yavru, falls du die auch kennst. Und es geht ihnen gut. Über die anderen aus deinem Rudel weiß ich nichts, aber wenn du schon so lange in den Weltenzwischenräumen warst sind sie jetzt entweder ertrunken oder in einer anderen Welt." Sie wusste, dass das nicht die erfreulichste Antwort war die sie geben konnte, doch sie sah keinen Sinn darin ihn anzulügen.

Lioku fand diese Antwort wirklich nicht sonderlich erfreulich, zumal er nicht sicher war, wie das mit den Weltenzwischenräumen funktionierte. "Und woher weißt du, dass du Lijenna und Syrayn begegnet bist, nachdem wir ins Wasser gestürzt sind und nicht davor?" Das war es, was ihn am meisten verwirrte.

Xaron wunderte sich immer mehr über Mirai. Jetzt klang sie tatsächlich sehr erwachsen, fast erwachsener als er selbst. Aber sie war doch ganz offensichtlich noch ein Welpe? „Wie alt bist du eigentlich?“ Er war sich nicht sicher, ob das angesichts der doch sehr relativen Eigenschaften der Zeit im Weltenbaum überhaupt eine sinnvolle Frage war. „Und wo bist du zuhause? Stammst du aus dieser Welt oder bist du auch nur zufällig hier gelandet?“ Er erhoffte sich, so mehr über das Rudel der Kleinen zu erfahren. Dass sie dann sagte, sie habe momentan kein Rudel, verwirrte ihn allerdings noch mehr. Momentan? Das klang wie ein Wolf, der gerade auf Wanderschaft war, aber durchaus bereit, sich einem Rudel anzuschließen, wenn er ein passendes fand, aber nicht wie ein Welpe. „Du klingst wirklich schon sehr erwachsen, dabei bist du doch noch so klein!“ Vermutlich war es nicht sinnvoll, den Gedanken laut auszusprechen, aber jetzt hatte er es eh schon getan.

Kyro brachte Abstand zwischen sich und den Vogel und schüttelte sich dabei immer wieder, um zu verhindern, dass die Amsel sich noch einmal auf seinen Kopf setzte. Bei diesem wilden Fluchtversuch rannte er beinahe in zwei Gestalten an einem Gewässer. "Lioku!", rief er aus. "Und Atusko..." Beim ersten Namen schien er für Kyro-Verhältnisse noch sehr positiv überrascht zu sein, bei der Füchsin war es dann eher eine verhaltene Feststellung. Er musterte die Kisetsu, mit der er im Streit auseinander gegangen war. Dabei fiel ihm etwas auf: "Knallbunt wo immer man hingeht... aber in einer Welt, sowieso schon völlig farblos ist, entscheidest du dich für grau?" Er schüttelte den Kopf über die Ironie der Sache. Was für ein Witz des Schicksals, huh? Dieses schien der Füchsin auch öfter mal Streiche zu spielen. Nicht nur ihm.

Mirai überlegte eine Weile. "Ich weiß nicht? Wie alt bist du?", erkundigte sie sich dann im Gegenzug. Bei Xaron konnte man das sicher leichter sagen. Vermutlich war er nicht durch viele Welten gereist, bis er hier zu ihr gekommen war. "Ich bin hier jetzt schon eine ganze Weile zuhause, deshalb würde ich behaupten, dass Acuri mein Zuhause ist. Ich war aber auch schon anderswo zuhause und stamme nicht von hier." Ihr Blick glitt an ihr hinunter. "Ich bin nicht klein. Ich war immer eine der Größten.", befand sie schließlich. "Findest du aber allgemein, dass Größte etwas mit Reife zu tun hat?"

Atsuko dachte gerade über den zugegebenermaßen sehr sinnvollen Einwand des Rüden nach, als sie eine vertraute Stimme hörte. "Kyro!", rief sie überrascht. Dann drehte sie sich zu dem alten Wolf, der offensichtlich Lioku hieß und meinte etwas selbstgefällig: "Siehst du? Kyro geht es gut, genauso wie den anderen."

Liokus Blick hellte sich etwas auf und das erste Mal sah er etwas zuversichtlicher aus. Die Behauptung, Atsuko wisse, dass seine Familie wohlauf war, schien das erste Mal im Bereich des Möglichen zu liegen. "Kyro!", grüßte er also mit herzlicher, offener und echter Freude. Er kannte den Rüden schon fast sein Leben lang und auch wenn dieser wohl ziemlich schwierig geworden war, mit den Jahren und sich unzählbar viele Fehltritte erlaubt hatte, gehörte er für Lioku doch zur Familie. Wie ein Bruder vielleicht. "Die junge Fuchsdame hier hat mir gesagt, es gehe den anderen auch gut?" Die Frage hatte etwas flehendes und er hoffte, Kyro würde Atsukos Behauptung bestätigen.

Kyro blickte zu Atsuko und dann zu seinem früheren Leitwolf. Im Augenblick standen sie sich auf Augenhöhe gegenüber, ohne dass jemand einen höheren Rang bekleidete. "Yavru und Syrayn, Laelia und Lijenna, Aramis und Xaron... das sind die, die ich bisher gesehen habe. Mir wurde gesagt, dass jeder seine eigene Weltenreise unternehmen muss und dass unsere Wege uns zusammen führen werden, wenn es so sein soll. Ist viel geheimnisvolles Blabla und wenn du mich fragst hat es mehr damit zu tun, was man glauben will und was nicht." Sein Blick glitt zu Atsuko, die den ehemaligen Alpha wohl schon etwas instruiert hatte. "Was hast du bisher erklärt?"

Xaron wunderte sich, wie man nicht wissen konnte, wie alt man war. Selbst ein Welpe sollte so etwas wissen. „Ich bin etwa zwei Jahre alt.“ Und schnell fügte er hinzu: „Gaia-Jahre“. Vermutlich war das das Problem: Es gab einfach keine sinnvolle Vergleichsmöglichkeit für Zeit zwischen den Welten. „Acuri heißt diese Welt also? Hier gibt es doch bestimmt noch mehr Wölfe?“ Und mindestens einer davon wäre bestimmt auf irgend eine Weise für Mirai zuständig. Doch da sie auf direkte Fragen danach nicht reagiert hatte, fragte er nun eben indirekt. „Eine der Größten wovon? Aus deinem Wurf?“ Wenn sie Geschwister hatte, musste sie logischerweise auch Familie haben, oder? Ihre nächste Frage brachte Xaron erneut aus dem Konzept. So drückte sich doch kein Welpe aus! „Nein, natürlich nicht, es gibt ja Wölfe in unterschiedlichen Größen, ohne dass das etwas über ihre Reife aussagen würde. Aber es hat etwas mit dem Alter zu tun. Alte Wölfe sind auch geistig reifer als junge, zumindest meistens. Und bei Welpen hängt die Größe nun mal von dem Alter ab, weil sie noch im Wachstum sind.“ Das war jetzt wahrscheinlich keine für einen Welpen geeignete Antwort, aber es war ja auch keine für einen Welpen passende Frage gewesen. „Du warst ja schließlich auch früher kleiner und wirst sicherlich noch größer werden.“

Atsuko zuckte unsicher mit der Schwanzspitze. "Nur, dass es verschiedene Welten und Weltenzwischenräume gibt, und das die Zeit unterschiedlich vergehen kann. Es war etwas schwer, weil... nun ja, er wollte mir eigentlich nicht wirklich zuhören."

Mirai lauschte. Gaia also. Das erklärte manches. Sie schüttelte auf die nächste Frage den Kopf. "Ich bin die einzige Wölfin hier, wenn ich nicht gerade Besuch bekomme von Wölfen wie dir. Ich glaube es sind vorhin noch andere hier gelandet.", erzählte sie. "Ja, eine der Größten meiner Geschwister." So konnte man das durchaus sagen. "Denkst du, alle alten Wölfe sind geistig reifer als jüngere Wölfe?", wollte sie dann genauer wissen. "Und was ist mit Welpen die nicht wachsen? Ich war schon immer so, wie ich jetzt bin."

Xaron glaubte Mirai nicht, dass sie alleine hier war. Sie war eindeutig noch zu jung, um alleine zu überleben. Aber sie schien sich in den Kopf gesetzt zu haben, ihm auf keinen Fall zu verraten, wer und wo ihre Eltern waren, oder wer auch immer sich sonst um sie kümmerte. „Wenn du Geschwister hast, musst du doch auch eine Familie haben?“ Ihre nächste Frage klang schon wieder vollkommen unpassend für einen Welpen. „Naja, sicher nicht alle, aber im Großen und Ganzen stimmt das sicherlich schon. Und Welpen, die nicht wachsen, gibt es nicht. Alle Welpen werden irgendwann erwachsen.“ Zumindest wenn sie nicht vorher starben, aber das war nun wirklich kein Thema, dass man mit einem Welpen besprechen sollte. Zumindest, solange es keinen konkreten Anlass dafür gab. Dann erst wurde ihm klar, dass es im Weltenbaum schwierig war, zu behauptet, dass es etwas nicht gäbe. „Oder bist du tatsächlich gar kein Welpe, sondern siehst nur aus wie einer, obwohl du in Wirklichkeit schon erwachsen bist?“ Es hörte sich unsinnig an, aber hier im Weltenbaum gab es anscheinend allerlei seltsame Dinge, warum also nicht auch Wölfe, die ihr ganzes Leben über wie Welpen aussahen?

Lioku schnippte mit den Ohren. "Ich ging davon aus, mein Rudel ertrinkt in dem Augenblick in dem wir plaudern.", murmelte er. "Tut mir leid." Er betrachtete die junge Füchsin kurz nachdenklich und sah dann zu Kyro hinüber, der diese Weltensache irgendwie schon nicht mehr hinterfragte.

Kyro lachte bloß. "Na, die anderen dachten, sie wären tot. Ich weiß nur, dass ich verflucht bin. Damit ist alles erklärt." Er seufzte schwer. "Ich wurde gerade in einer Welt von einem Baum in die Luft geschossen... Du Lioku, mein Freund, wirst sicher jede Menge Spaß haben, auf deiner Reise." Er betonte es so, dass man leicht heraushören konnte, wie wenig Spaß er selbst sich von der Reise versprach.

Mirai legte den Kopf schief. "Bei meiner Art spricht man von allen als Brüder und Schwestern." Kurz hatte Xaron beinahe die Kurve bekommen und so gewirkt, als hätte er ein wenig verstand. Aber der Moment war vorüber gezogen. "Wenn meine Artgenossen und ich erwachsen werden wollen, ist das der Moment unseres Todes.", erklärte sie ruhig. "Es hat aber nichts mit auswachsen zu tun. Wir haben immer denselben Körper, außer in bestimmten Welten, in denen wir unsere Gestalt anpassen müssen. Wenn ich mir heute von Herzen wünschen würde, erwachsen zu sein, würde ich morgen früh nicht mehr aufwachen." Sie betrachtete ihr Gegenüber und gab sich dann zu erkennen: "Ich bin übrigens die Wächterin dieser Torwelt, Mirai, Atem des Waldes."

Xaron stellte zufrieden fest, dass er mit seiner Vermutung gar nicht so falsch lag, sondern eigentlich sogar ziemlich richtig. „Nun, du verhältst dich wie eine Erwachsene. Du kannst alleine für dich sorgen und du weißt alles, was ein Wolf wissen muss, und vermutlich noch einiges mehr. Nur dein Körper ist der eines Welpen, geistig bist du anscheinend schon erwachsen.“ Als sie erzählte, dass der Wunsch, erwachsen zu werden, für sie und ihre Artgenossen den Tod bedeutete, meinte er: „Warum sollte man sich dann so etwas wünschen?“ Ihre nächste Erklärung schien seine Annahme jedoch zu bestätigen: „Du bist eine Wächterin? So etwas wie Malumir? Dann musst du tatsächlich erwachsen sein. Kein Welpe könnte so etwas tun.“

Mirai lachte leise. "Das kann man so sehen oder anders. Ich hab ein bisschen mit dir gespielt, dass ist nicht sehr reif, aber natürlich kannst du nicht ewig viele Zeitalter durchleben, ohne einen gewissen Erfahrungsschatz aufzubauen. Gaia-Wölfe finde ich persönlich häufig sehr ulkig und vor allem, wenn sie glauben, mich bemuttern zu müssen, so wie du!" Sie hüpfte auf Xaron zu und zwickte diesen leicht ins Ohr. "Wir leben, wenn wir nicht verunglücken oder getötet werden ewig und es kommt bei jedem irgendwann der Punkt, an dem er sagt, dass er nun genug von den Welten gesehen hat und genug erlebt hat. Dann dürfen wir einfach gehen." Als Xaron auf Malumir zu sprechen kam, tänzelte sie um den Rüden herum. "Ich habe schon viele Rudel geführt... und ich bin die älteste Wächterin. Älter als Malumir. Hättest du nicht gedacht, huh?"

Xaron entspannte sich. Jetzt, nachdem seine Verwirrung zumindest einigermaßen aufgelöst war und er sich damit abgefunden hatte, mit einer älteren Wölfin, die im Körper eines Welpen steckte, zu sprechen, kam ihm die Situation fast schon wieder normal vor. „Nun ja, auch ältere Wölfe spielen manchmal. Und es tut mir Leid, dass ich dich wie einen Welpen behandelt habe, aber du siehst nun mal für mich aus wie einer. Ich habe es nur gut gemeint und wollte dir helfen!“Als sie ihm ins Ohr zwickte, beschwerte er sich: „He, was soll das?“ Aber es klang längst nicht so ernst, wie es vielleicht gesollt hätte, denn er musste nun auch lachen. Ein bisschen verhielt sie sich trotz allem wie ein Welpe. Aber vielleicht täte das auch allgemein erwachsenen Wölfen ab und zu gut? Er stupste sie an, natürlich vorsichtig, den körperlich war sie ihm dann doch eindeutig unterlegen. „Ich kann es mir überhaupt nicht vorstellen, so lange zu leben, dass man sich irgendwann freiwillig dazu entscheidet, zu sterben. Erst recht, wenn es so viele Welten zu erkunden gibt.“ Aber womöglich würde es ihm, wenn er so lange leben würde, genauso gehen. Ihm schwindelte bei der Vorstellung. „Nein, ich hätte echt nicht gedacht, dass du so alt bist! Er grinste unwillkürlich, als er sich vorstellte, wie Mirai ein Rudel leitete, das aus Wölfen wie ihr bestand.





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Lu, Lijenna, Lio, Kyro, Josh



10.02.2018 19:23
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Lijenna
Lillyan Caesar






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Wolfsträumer

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Atsuko kicherte leise. "Naja, viel Schlimmeres als Torgugunda wirst du ja kaum erleben, oder? Oder glaubst du vielleicht, dass es eine Welt gibt, in der du auf immer und ewig zum Welpensitten verlucht bist?", zog sie Kyro auf.

Kyro hob die Wolfsbrauen: "Togruduna.", korrigierte er spitzfindig. "Lioku kann jetzt wieder auf seine Enkel aufpassen. Ich sitte hier niemanden mehr." Welch Glück, dass dieser Kelch an ihm vorüber gegangen war. Er seufzte erleichtert.

Lioku musterte die junge Füchsin und Kyro und hatte nicht wirklich eine Ahnung, wovon die beiden sprachen. Sein Vorstellungsvermögen reichte noch nicht aus, um zu begreifen, was hier vor sich ging. Togruduna? Von Bäumen in die Luft geschossen? "Ich würde die anderen gerne sehen.", merkte er dann an. War das nun möglich, oder nicht? Er hätte sich einfach gerne selbst davon überzeugt, dass sie lebten.

Mirai hüpfte einmal um Xaron herum. "Manche Filiaden werden irgendwann müde. Und dann entscheiden sie sich, ihr Leben hinter sich zu lassen.", erklärte sie und hielt dann wieder inne. "Wenn wir sterben, sieht das sehr schön aus." Sie spitzte die Ohren und lauschte kurz in den Wald hinein.

Xaron hätte beinahe gesagt, dass er so etwas gerne gesehen hätte, doch im letzten Moment wurde ihm klar, was er da wünschte. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es schön aussieht, wenn jemand stirbt. Das ist doch viel zu traurig, um schön zu sein.“

Caisyth hasste es abgrundtief, flauschig zu sein. Er trauerte immer noch seinem Leben als stolzer Drache hinterher, und in dieser jämmerlichen Form konnte er noch nicht einmal richtig kommunizieren. Als Drache, ja, da war er toll gewesen. Er hatte über viele Kilometer weit durch Telepathie mit jedem beliebigen sprechen können, auch wenn er das fast nie tat - die waren ja alle viel zu dumm für ihn. Er war alt und weise. Und jetzt war er ein Pelzling. Unzufrieden rollte er hin und her. Und dann verschwand er und tauchte schon wieder wo anders auf. 'Was soll denn das?' Er war doch früher nicht so viel herumgesprungen. Beinahe gelangweilt schaute er sich um. Aha. Da waren wieder die Wölfe, die er vor einiger Zeit schon mal gesehen hatte. Damals war er bei den anderen Flauschlingen gewesen (die er im übrigen auch nicht verstand, auch, wenn er sich sicher war, dass sie irgendwie miteinander reden konnten. Vielleicht tanzten sie einander ja etwas vor, so wie diese kleinen stechenden Dinger auf Gaia). Was hatten die Welten nur mit ihm vor?

Mirai blickte vom Wald zurück zu Xaron. "Es gibt viele wunderschöne Dinge, die traurig sind, junger Wolf.", wisperte sie leise. "Und nichts was traurig ist, ist nur traurig."

Xaron war erneut erstaunt, wie weise Mirai trotz ihres Körpers klang. Er musste sich selbst wieder daran erinnern, dass er nicht mit einem Welpen redete, sondern mit einer Wölfin, die schon sehr alt war, vielleicht älter als alle Wölfe, die er kannte. „Aber ist nicht etwas, was fröhlich und schön ist, viel schöner als etwas, das traurig und schön ist?“

Atsuko nickte Lioku verständnisvoll zu. "Du machst dir wirklich große Sorgen um sie, nicht wahr? In Ordnung, lass uns nach ihnen suchen. Kyro, du bist auf deinem Weg hierher nicht zufällig den Anderen begegnet, oder? Weißt du", sie wandte sich erklärend Lioku zu, "Es kann sein, dass sie gar nicht in dieser Welt sind. Ihr beide seid die Ersten, die mir hier begegnen."

Mirai betrachtete die junge Seele und legte sich in einer fließenden Bewegung hin, eleganter, als Welpen das für gewöhnlich taten. "Ich denke, ich könnte dir ein Märchen zu diesem Thema erzählen.", sinnierte sie. "Magst du Geschichten, Xaron?" Sie lächelte ein bisschen. "Ich liebe Geschichten."

Kyro seufzte schwerfällig. "Ich war bis eben gerade in Dellruin und als die Nacht vorbei war und ich froh war, überhaupt den Herbst überlebt zu haben, kam der Frühling viel zu plötzlich und... weil mich dieser nervige Waschbär nicht in die Höhle zurück lassen wollte, dachte ich, es sei aus. Und während der Baum in den Himmel zu wachsen schien und ich drohte, hinab zu stürzen, landete ich hier." Er schüttelte seinen Pelz bei dem Gedanken. "Wie bist du überhaupt hergekommen? Auch aus Dellruin? Dort waren die anderen doch auch..."

Syrayn war gerade noch bei Yavru und Laelia gewesen und nun war er irgendwo, wo es dunkel war. Aber nicht nur dunkel, sondern einfach nur komisch tot. Ohne Farben wirkte für Syrayn einfach alles tot. Farben machten die Dinge doch lebendig, oder? In einiger Entfernung sah er allerdings etwas Farbiges. Als er weiter heran ging konnte er identifizieren, wer es war: Xaron. Und irgendjemand, den er nicht kannte. "Xaron!" Dem neuen Wolf stellte er sich ganz höflich vor - mittlerweile hatte er das im Schlaf drauf, so oft hatte er es in letzter Zeit gemacht.

Xaron wusste nicht, ob er Geschichten mochte. War das nicht eher was für Welpen? Er hatte sich als Welpe diverse Geschichten angehört, sowohl von Xeria als auch von anderen Wölfen. Meistens ging es dabei um die Geschichte ihres Rudels und um die mysteriösen Nachtwölfe, denen es vor Unzeiten angeblich begegnet war. Aber als erwachsener Wolf hatte er nicht viel auf Geschichten gegeben. Doch andererseits … „Ich glaube schon. Wenn es eine gute Geschichte ist.“ Plötzlich hörte er eine vertraute Stimme, und noch bevor er sich umgewandt hatte, verriet ihm schon seine Nase, wer der Neuankömmling war. „Hallo Syrayn! Schön, dich wiederzusehen!“ Seine Rute wedelte freundlich.

Mirai erhob sich genauso fließend und wolfsuntypisch, wie sie sich soeben hingelegt hatte, als ein weiterer Wolf auftauchte. Ebenfalls ein Rüde, der vermutlich aus Gaia stammte. Sie betrachtete den Fremden, stellte sich als "Mirai" vor, wollte aber nicht weiter in die Begrüßung der beiden platzen und hielt sich deshalb im Hintergrund. Syrayn und Xaron verirrten sich heute in ihre kleine, farblose Welt und das, obwohl beide offenbar junge Wanderer waren, die aber bereits über ihre Reise im Bilde zu sein schienen.

Lioku stand nur dabei und versuchte zu verstehen... Er lächelte Atsuko sanft zu und nickte bestätigend. Ja, er sorgte sich und er war froh, als die Jungfüchsin vorschlug, auf die Suche zu gehen. Wie kompliziert das war, konnte er sich noch nicht ausmalen.

Caisyth überlegte kurz, so zu tun, als wäre er gar nicht da. Allerdings behagte ihm die Welt nicht - er bevorzugte starke Farben, so wie das dunkel Violett seiner (ehemaligen) Flammen, und er vermutete stark, dass er diese Welt früher, und vor allem nicht allein, verlassen würde, wenn er sich jetzt diesen Tieren da "anschloss". Kurz entschlossen hoppelte er auf einen der Wölfe vor ihm zu, wieder einmal unendlich verärgert, weil er nicht mal kurze Beine hatte. Dort angekommen, rollte er kraftlos gegen das Bein eines der Wölfe.

Syrayn war erfreut, dass ihnen irgendwie alle neuen Wölfe freundlich gesinnt waren. Es war eine willkommene Abwechslung, wo sie doch in ihrer Heimat so lange von blutrünstigen bösen Wölfen gejagt worden waren. "Hallo, Mirai. Ich finde es schön, dass alle so freundlich sind, denen wir begegnet sind. ... Außer Zion, aber der ist ja verflucht, so wurde mir gesagt. Seid ihr schon lange hier? Und woher kommst du, Mirai?"

Xaron kam reichlich spät auf den Gedanken, dass es sich vermutlich gehörte, seine neue Bekanntschaft vorzustellen. „Syrayn, das ist Mirai. Sie sieht zwar aus wie ein Welpe, ist aber in Wirklichkeit schon ganz alt. Das ist bei ihrer Art aber normal. Wenn sie wirklich erwachsen werden will, dann stirbt sie, und das sieht dann ganz schön aus.“ Kaum hatte er das ausgesprochen, war er schon wieder unzufrieden mit dem, was er gesagt hatte. Er schaute Mirai fragend an. Er hätte sie wohl doch selbst erzählen lassen sollen.

Atsuko schüttelte den Kopf. "Nein, ich war in der Zwischenzeit auch noch anderen Welten." Sie wollte gerade losgehen und in der Luft nach Gerüchen von möglichen Bekannten schnüffeln, als etwas kleines und flauschiges gegen Kyros Vorderpfote rollte. Überrascht hielt Atsuko mitten in der Bewegung inne, um den Neuankömmling interessiert zu mustern.

Mirai hörte sich die plumbe Vorstellung an und wedelte dennoch amüsiert. "Mirai, die Wächterin von Acuri und Atem des Waldes.", bestätigte sie und verneigte sich leicht. "Ich bin eine Filiade und wir bleiben unser ganzes Leben lang Weltenkinder."

Syrayn kam eine Frage in den Sinn, als er sich die Vorstellungen anhörte. "Aber ... ab wann ist man denn erwachsen? Bin ich erwachsen? Was ist erwachsen? Wie ist man, wenn man erwachsen ist?"

Kyro verzog das Gesicht angewidert. "Nicht schon wieder. Ich dachte ich hätte es und seine Freunde bei meinem Baumflug entlich verloren!", murrte er und gab dem Pelzknäuel einen Tritt mit der Vorderpfote. Am besten wäre es natürlich, wenn er das Vieh einfach gefressen hätte, aber ob er es sich mit seinem alten Alpha verscherzen wollte, war die andere Frage. Wenn dieser herausfand, dass dieses Ding Syrayns Haustier war und er es tötete, würde das sicher nervig werden.

Lioku sah das fremdartige Wesen an. "Was ist es?", fragte er neugierig und etwas verstohlen. Er kam sich schrecklich ungebildet vor. Einen Moment war er nicht sicher, ob er noch in einem Alter war, in dem er sich mit so vielen neuen Dingen anfreunden konnte.

Ceran blinzelte irritiert. Eben noch war die Welt irgendwie rot gewesen - jetzt war sie schlicht schwarz-weiß. Diese Welten wurden ja wirklich immer absurder! Noch seltsamer wurde es, als er einige wenige Farbflecken entdeckte - und feststellte, dass es schon wieder(!) Wölfe waren, auf die er da traf! Was war nur los, dass er nicht zu anderen Ratten kommen durfte?! // Er musterte die Wölfe. Einer sah noch ziemlich jung aus - die anderen hingegen waren in etwa so groß wie die, die er schon kannte. Mhm. Da ihm bisher nie etwas geschehen war, wenn er auf diese Felltiere gestoßen war, trippelte er nun einfach zu ihnen hin. "Hallo ihr Wölfe", grüßte er betont fröhlich.

Xaron kam zu dem Schluss, dass seine Vorstellung wohl doch nicht so schlecht gewesen war, wenn Mirai so wenig zu ergänzen hatte. „Was bedeutet eigentlich Atem des Waldes? Ist das nur die Bedeutung deines Namens oder hat es einen tieferen Sinn?“ Dann wandte er sich Syrayn zu. Ja, ab wann war man erwachsen? Noch bis vor kurzem war Syrayn ein Welpe gewesen, in nicht allzu langer Zeit würde er ein erwachsener Wolf sein, doch momentan schien er fast irgendetwas dazwischen zu sein. „Ich glaube, erwachsen ist man, wenn man ein Jahr alt ist“, meine Xaron unsicher. Plötzlich tauchte eine risengroße Ratte neben ihm auf. „Hallo Ratte!“, sagte Xaron. Dann erst begann er, sich darüber zu wundern, dass er gerade tatsächlich mit einer riesigen Ratte redete.

Caisyth war entrüstet darüber, dass er einfach so weggestoßen wurde. Er kugelte eine kleine Strecke über den Boden, richtete sich dann auf und hüpfte stattdessen auf den anderen Wolf zu, in der Hoffnung, dass dieser netter war. Wirklich übel nahm er es dem unfreundlichen Wolf aber nicht - er hatte ja nicht wissen können, dass er gerade jemand unglaublich intelligentes einfach so geschubst hatte. Wäre er ein gewöhnlicher Pelzling, so wäre das nur selbstverständlich gewesen. Wer wollte denn so komische kleine Dinger an sich dranhaben? Am Bein angekommen, begann er zu gurrschnurren. Vielleicht würde es den Wolf ja dazu bewegen, ihn mitzunehmen.

Mirai sah sich mit den vielen Fragen und einer neuerlichen Begrüßung konfrontiert und versuchte, allen Seelen die sie hier besuchten, gerecht zu werden. Zunächst konzentrierte sie sich auf Syrayn, aber unter Einbeziehung von Xarons Aussage: "Ich habe Xaron zuvor dieselben Fragen gestellt, weil er mich für eine Waisenwelpin hielt und mir nicht glauben wollte, dass ich hier alleine lebe.", begann sie. "Wir Filiaden sind sehr verspielt und wir halten an dem fest, was eine Kindheit für gewöhnlich ausmacht. Man sagt uns nach, dass wir naiv sind und schnell Freundschaften schließen, weil wir nicht allzu viele Vorurteile haben. Wir hören nie auf, uns über die Welt zu wundern, zu lernen und zu staunen. Aber natürlich haben wir Welpen eurer Art voraus, dass wir auf sehr viele Erfahrungen zurück blicken können und viel erlebt haben. Wir können viel erzählen, wenn wir schon älter sind. Ich bin die älteste der Torwächter. Ich bin auch älter als viele meiner Art." Damit schloss sie ihre Ausführungen. Sie hätte noch viel mehr erzählen können, aber dafür war womöglich irgendwann später noch einmal Zeit. Jetzt zog nämlich ein weiterer Neuankömmling ihre Aufmerksamkeit auf sich. "Hallo, Ratte. Ich bin Mirai, die Wächterin von Acuri.", stellte sie sich vor und ging dann auf Xarons Frage ein: "Atem des Waldes wurde mein Titel im Weltenbaum, für den ich berühmt wurde. Stur und unbelehrbar trat ich durch ein Tor in eine Welt, die selten bereist wird und dort war ich viele Ewigkeiten der Atem des Waldes. Ich musste dort solange bleiben, bis eine andere Seele die Welt betrat und meinen Platz einnahm."

Atsuko beobachtete das seltsame Verhalten des Plüschteils. Es hoppelte nachdem Kyro es weggestoßen hatte einfach zu Lioku und begann damit, seltsame Geräusche von sich zu geben, als wollte es ihm irgendwas mitteilen. "Was ist das für ein Tier?"

Kyro klärte die Unwissenden auf. "Xanthara nannte es 'Pelzling' und Syrayn hat drei von ihnen auf eine Reise mitgenommen. Allerdings hat er sie immer wieder verloren.", merkte er neutral an, um den Schein zu wahren. "Lasst uns die anderen suchen..."

Lioku beschnupperte den Pelzling aufmerksam und prägte sich den Geruch ein, ehe er den Kopf an das flauschige Geschöpf schmuste. "Du kennst also meinen Enkelsohn Syrayn?", fragte er, ohne zu wissen, ob diese Wesen zu Kommunikation fähig waren. Solange nicht das Gegenteil bewiesen war, ging er aber einfach davon aus. "Weißt du zufällig wo er ist? Ich würde ihn gerne sehen, denn ich mache mir schreckliche Sorgen."

Caisyth hatte absolut kein Interesse für das, was der Wolf zu ihm sagte. Gleichzeitig konnte er fast nicht anders, als zuzuhören - die Stimme des Wolfes, der sich jetzt ganz nah an ihm befand, durchdrang ihn ganz. Reflexartig begann er noch lauter zu schnurren. Doch eigentlich verstand er den Wolf nicht wirklich. Er wusste nicht, wie es war, sich um jemanden zu sorgen - nein, er wollte das gar nicht verstehen. Das waren die Gedanken eines Schwächlings! Er war von jemandem abhängig! So wollte Caisyth nie sein.

Ceran war über die freundliche Begrüßung erfreut. Und sie wussten immerhin, dass er eine Ratte war! "Hallo Mirai", meinte er, lauschte ihren Worten aufmerksam, wenngleich er das Gespräch von zuvor ja nicht kannte und es deshalb nicht ganz einordnen konnte. Allerdings kam trotzdem eine Frage in ihm auf: "Das bedeutet, wann immer wir in eine andere Welt gehen, nehmen wir den Platz eines anderen Wesens ein?"

Syrayn schwieg eine Weile. Alle Wächter schienen schon so extrem lang zu leben. So kam es ihm zumindest vor. War das ein Teil des Weltenreisens? Dass man länger lebte, als normalerweise? Wollte er auch so alt werden? War es nicht irgendwann genug? Wie lange konnte man denn leben, bis man irgendwann nicht mehr Neues erleben wollte? Ceran unterbrach Syrayns Gedankengänge allerdings. Hatte er ihn nicht irgendwo schon mal gesehen? Oder hatte einer seiner Geschwister ihn vielleicht erwähnt? "Willkommen. Wer bist du denn eigentlich?"

Atsuko beschnüffelte den Pelzling interessiert, ohne ihm allzu nahe zu kommen. Das Tier schien sich zu Wölfen hingezogen zu fühlen, doch sie wusste nicht, wie es mit Kisetsus stand. Etwas widerstrebend wandte sie sich ab, als Kyro losging. "Kommst du? Du kannst den Pelzling ja einfach mitnehmen."

Kyro hatte genau gewusst, dass Lioku sich in Windeseile mit dem Weltenquatsch abfinden würde. Er verzog das Gesicht, als er das Rumschmusen sah und lief gerne schon mit Atsuko voraus. Die Worte der Füchsin ließen ihn innerlich darüber jammern, wie gestraft er vom Schicksal war. Wieso denn mitnehmen? Wieso?

Lioku lauschte auf die Reaktionen und wusste nicht so recht, wie er sie interpretieren sollte. "Ist das ein Ja?", erkundigte er sich. "Kannst du mir vielleicht helfen?" Er sah zu Kyro und Atsuko, die auf die Suche gehen wollten. "Oder willst du mir sagen, dass du Syrayn gerne magst?" Er hätte alles mögliche in das seltsame Wohlfühlgeräusch interpretieren können.

Xaron überlegte. Eine Ratte war eindeutig Beute. Zwar nicht die beste Beute, aber er war da nicht wählerisch, und dieses Exemplar war erstaunlich groß und damit selbst dann lohnenswert, wenn er es womöglich mit Syrayn und Mirai würde teilen müssen. Aber etwas an dieser Beute war nicht normal. „Warum redest du mit mir? Meine Beute redet sonst nie mit mir.“ Das wäre doch auch irgendwie gruselig, oder? Er konnte sich nicht vorstellen, etwas zu fressen, was mit ihm sprach. „Und du läufst nicht weg. Wenn du nicht wegläufst, kann ich dich doch gar nicht jagen.“ Er fragte sich, ob es nicht vielleicht ungeschickt war, seine Beute ans weglaufen zu erinnern, aber jetzt hatte er es eh schon ausgesprochen. Dann wurde ihm etwas anderes klar: Die beiden anderen Wölfe machten nicht nur ihrerseits keine Anstalten, die Ratte zu fangen, sondern redeten auch mit ihr, als sei das ganz normal. „Warum fresst ihr ihn nicht?“ Es war kein Vorwurf, sondern Neugierde, die aus der Frage sprach. Vielleicht hatte er ja irgendetwas wichtiges übersehen.

Caisyth starrte den dümmlichen Wolf verärgert an, beziehungsweise: er hätte ihn verärgert angestarrt, wenn er Gesichtsmuskeln gehabt hätte. Wenn er überhaupt ein Gesicht im eigentlichen Sinn gehabt hätte. Woher sollte er bitte diesen Syrayn kennen? Und merkte er nicht, dass er in dieser dämlichen Form nicht in der Lage war zu sprechen? 'Sei einfach still, du Wupfel!' Sein Schnurrgurren nahm wieder ab. Wenigstens so weit hatte er seinen komischen Körper unter Kontrolle.

Mirai blickte zu der Ratte hinüber. "Nein. Hier in Acuri ist Platz für viele. Aber Kazewa ist eine Welt, in der nur Platz für eine Seele von außerhalb ist. Und diese Seele wird zum Atem des Waldes, der die Welt ausmacht. Es ist ein sehr isoliertes Dasein dort, aber es war auch eine sehr lehrreiche Erfahrung." Sie beobachtete das Miteinander der Wölfe mit der Ratte. "Ich ernähre mich nicht von anderen Lebewesen, sondern von Weltenenergie.", erklärte sie. "Wie alle Filiaden. Wir jagen Energien, können sie aber meistens auch aus der Umgebung absorbieren. Riesenratten sollen übrigens nicht sehr bekömmlich sein... an deiner Stelle würde ich ihn am Leben lassen." Es klang nicht herablassend, gegenüber der Ratte, sondern warnend und vielleicht auch beschützend. Sie wollte nicht, dass diese junge Seele, die sie besuchte, zu den Sternenlanden geschickt wurde.





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Lu, Kyro, Josh, Lio



17.02.2018 21:32
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Lijenna
Lillyan Caesar






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Wolfsträumer

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Ceran blinzelte ein wenig irritiert, ehe er fast schon entrüstet klarstellte: "Ich rede mit dir, weil ich nicht deine Beute bin!" Die schwarzen Knopfaugen lagen warnend auf dem Wolf. Irgendwie waren alle Wölfe erst einmal der Meinung, man könne ihn fressen! Allmählich empfand er das eindeutig als unverschämt. Wenigstens Mirai schien diesen Gedanken nicht zu hegen - ja, sie stellte sich mit ihren Worten sogar schützend vor ihn! Dankbar neigte er den Kopf in ihre Richtung, ehe er überlegte: "Sich von Energien zu ernähren, klingt entspannend. Keine ewige Futtersuche mehr!" Immerhin fand er als Ratte überall etwas - die Wölfe schienen da schon größere Schwierigkeiten zu haben. Arme Kreaturen!

Atsuko trappelte gemütlich hinter Kyro her, wobei sie hin und wieder einen Blick über die Schulter warf, um darauf aufzupassen, was Lioku und das Flauschteil taten. Sie ließ sich das Gespräch mit dem Wolf noch einmal durch den Kopf gehen. "Lioku hat von ziemlich vielen Rudelmitgliedern gesprochen. Sind sie alle zu Weltenwandlern geworden?", wandte sie sich etwas unsicher an Kyro.

Kyros Ohren drehten sich in Atsukos Richtung, aber er sah sie nicht an. "Keine Ahnung.", murrte er. "Vielleicht, vielleicht nicht. Gibt offenbar niemanden, der darüber Auskunft geben kann und gesehen habe ich die wenigsten des Rudels." Vor allem aber fehlten die wichtigsten Wölfe. Er schwankte zwischen Hoffnung und desillusionierter Frustration. Lioku war hier... aber Aszira war nirgendwo. Wenn irgendetwas an der Sache dran war, dass man denen wieder begegnete, mit denen man viel verband, war seine Alpha definitiv nicht im Weltenbaum. Oder die Welten hatten sich gegen ihn verschworen, sodass er sie nie wieder sehen würde, um ihm eine Lektion zu erteilen. Er hasste es!

Lioku legte den Kopf schief und stupste den Fellball an. Als großer Pelzlingflüsterer würde er wohl nicht in die Geschichte eingehen. Es konnte natürlich sein, dass das seltsame Wesen keine Ahnung hatte, wo sein Enkel sich befand. "Lass uns mit den anderen auf die Suche gehen.", schlug er schließlich vor und setzte sich in Bewegung. Er lud den Pelzling ein, ihnen zu folgen, als wäre er einer von ihnen.

Caisyth wollte aber nicht nach diesem Syrayn suchen! Er wollte etwas gutes tun, sterben, und dann als intelligenteres Wesen wiedergeboren werden. Doch es blieb ihm kaum etwas anderes über, und so hoppelte er unwillig hinter den Wölfen her. Er musste sich ziemlich beeilen, denn die Distanz, die ein einziger Schritt von ihnen war, erschien ihm ewig lang. So etwas nerviges.......

Atsuko schreckte ein wenig vor Kyros unfreundlichem Tonfall zurück. Hatte sie etwas Falsches gesagt? Oder war es einfach nur seine übliche Laune? Sehr vorsichtig, um nicht vielleicht Auslöser für eine noch mürrischerere Antwort zu werden, fragte sie:"Vermisst du sie?"

Kyro rümpfte die Nase. "Zwei von ihnen.", grummelte er vor sich hin. Mehr nicht. Natürlich gab es Wölfe wie Aramis und Lioku, die er lieber wiedersah als Laelia und Yavru, aber alles in allem gab es doch nur zwei Wölfe, von deren Gegenwart tatsächlich so etwas wie Glück ausging.

Lioku blickte hin und wieder zurück, erkannte aber, dass das fremde Wesen ihnen folgen würde. Er schloss mit einiger Anstrengung zu Kyro und Atsuko auf und hinkte dann hinter den beiden her. Worum es beim Gespräch ging, konnte er nicht ganz erahnen. Für ihn war alles noch viel zu neu und seltsam, als dass er sich vorstellen konnte, wie sich die anderen seit einer gewissen Zeit mit dem Thema 'Welten' auseinander setzten.

Xaron wunderte sich, dass die Beute behauptete, keine Beute zu sein. "Aber du bist doch eine Ratte, oder? Ratten sind Beute." Erst als Mirai ihm erklärte, dass Riesenratten nicht genießbar waren, glaubte er zu verstehen. "Ach so, dann sind Riesenratten also keine Beute." Über die Sache mit den Energien grübelte er eine Weile nach. Was waren Energien und wie konnte sich ein Wolf davon ernähren? Plötzlich kam ihm ein schlimmer Verdacht: "Saugst du etwa andere Lebewesen aus, so wie das Geisterlicht Zion?" Ängstlich senkte er seinen Blick noch weiter, um ja nicht versehentlich Mirai in die Augen zu schauen.

Mirai war von Xarons Frage so verblüfft dass sie sich ein Lachen nicht verkneifen konnte. "Nein, ich sauge keine Lebewesen aus. Ich nehme Energien auf, die freigegeben werden und uns sowieso umgeben." Sie überlegte ein bisschen, wie sie es beschreiben sollte. "Starke Emotionen lassen immer etwas in der Welt zurück. Aber nicht nur Emotionen, die Wesen wie wir empfinden... sondern auch solche, die Bäume und Gräser verbinden, oder vom Boden aufsteigen. Wasser ist auch sehr energetisch."

Caisyth merkte, wie der Wolf hin und wieder zurücksah, aber einfach nichts unternahm, um ihm, dem mächtigen (Ex-)Drachen zu helfen. Wie konnte man so ein göttliches Wesen denn so erbärmlich hinter sich herhoppeln lassen?! Konnte er seine Macht denn nicht trotz des peinlichen Körpers, den Cais zu ertragen hatte, in Wellen von ihm ausströmen spüren? Wütend und gedemütigt verlangsamte Caisyth sein Hoppeln etwas. Das war nicht lustig. Er konnte es erahnen, wie viel Genugtuung es dem Wolf bringen musste, ihn so abzuhängen. Sah er da nicht ein kleines Lächeln?? 'Dir werde ich es schon zeigen, wenn ich wieder in meine ursprüngliche Form zurückgelange!"

Atsuko schnaubte. Zwei? Nun, sie wäre nicht so überrascht gewesen wenn er einen auf "Ich hasse alles!" gemacht und gesagt hätte, dass er niemanden vermisste, aber dass es zwei Leute gab die er vermisste? Ganze zwei? Wow! Und der Rest war ihm egal? Unwillkürlich stieg ein leises Grummeln in ihr hoch. "Und wer, wenn ich fragen darf?", fragte sie, bemüht, nicht allzu spitz zu klingen. Vielleicht gab es ja eine vernünftige Erklärung.

Kyro schielte flüchtig zu Atsuko hinüber, des Grummelns wegen. "Die Wölfin meines Lebens und ihre Tochter.", gab er knapp zurück. Sein erster Impuls war es gewesen, Atsuko zu sagen, dass sie das nichts anging, aber letztlich hatte er keine Lust gehabt, mit dieser zu diskutieren.

Lioku war völlig unschuldig. Keinerlei fiese Gedanken schwirrten im Kopf des alten Rüden umher. Sogar den grummeligen Kyro bedachte er mit einem mitfühlenden Blick. Der Wolf, der nur einen Jahreslauf jünger war, als er selbst und sich trotz der unzählbar vielen Narben ganz gut gehalten hatte, war noch nie gut darin gewesen, mit Verlusten klar zu kommen. Lioku bedauerte, dass Kyro seinen Lebensabend nicht glücklich mit Aszira und Reszani verbringen durfte. Er selbst hatte das Gefühl, viel besser mit den Widrigkeiten des Schicksals umgehen zu können.

Caisyth blieb stehen. Er wollte nicht mehr. Seine Pfoten taten weh. Moment... Pfoten? Er hatte bisher diesen Teil seines Körpers nicht wirklich wahrgenommen. Warum besaß ein runder, extrem primitiver Flauschball Pfoten? Und wofür, wenn er doch nicht mal Beine hatte? Nachdenklich trat Caisyth auf der Stelle. Und dann machte er vorsichtig einen Schritt nach vorne. Bald schon lief er den Wölfen wieder hinterher. Wieso hatte es niemand für nötig befunden, ihm zu sagen, dass diese Pelzlinge Füße besaßen?? Das schien ein Teil des Plans des Alten zu sein. Um sich noch mehr lustig zu machen.

Ceran glaubte bei den Überlegungen des Rüden schon, dass er sich gleich wieder umentscheiden würde - Mirais Behauptung schien ihm aber endgültig als Beweis zu genügen, dass er keine Beute war. Wenigstens etwas - wenngleich Ceran sich doch ein wenig fragte, woher sie das wissen konnte, wenn sie sich ausschließlich von Energien ernährte. Hatte sie etwa einmal mit einem Wesen Kontakt gehabt, das ihr von riesigen, nicht-schmeckenden Ratten erzählte? Wie auch immer, sie sorgte dafür, dass er sich mit einem Schnaufen deutlich entspannen konnte. "Energie ist überall", gab er nach ihren Ausführungen sehr weise kund, nur, um - über sich selbst verwirrt - innezuhalten.

Xaron kam zu dem Schluss, dass es in Ordnung war, sich mit der Riesenratte zu unterhalten, wenn sie keine Beute war. Für Xeria wäre es bestimmt weit unter der Würde eines Wolfes gewesen, mit einer Riesenratte zu reden. Ein Wolf redsete ja nicht mal mit einem Fuchs, wenn er sich vermeiden ließ, und Füchse waren Wölfen wesentlich ähnlicher als Riesenratten. Aber nun war die Riesenratte nun mal da, da konnte er sie ja auch nicht ignorieren. "Ich bin Xaron", stellte er sich vor. Nach dem Namen der Riesenratte traute er sich nicht zu fragen, da er nicht wusste, ob Riesenratten überhaupt Namen hatten. Als diese jedoch behauptete, Energie sei überall, schaute Xaron sich genau um. "Ich sehe keine", erwiderte er enttäuscht.

Atsuko erinnerte sich an das Gespräch mit Lijenna, welches sie in Caeluci geführt hatten. Die kleine Wölfin hatte die Fähe, in die Kyro verliebt war, beschuldigt, ihren Freund ermordet zu haben. Sie war sich immer noch nicht sicher, wie viel von der Geschichte sie wirklich glauben sollte. "Wie heißt sie denn, ähm, diese Wölfin deines Lebens?" Sie kaute unsicher auf der Innenseite ihrer Wange herum und vermied es, Kyro ind die Augen zu blicken. Dass Lioku inzwischen zu ihnen aufgeschlossen hatte, nahm sie gar nicht war.

Kyro verzog das Gesicht kurz zu einer Grimasse. "Aszira.", hielt er sachlich fest. Sie beide wussten, wer Aszira war. Sie hatten bereits über sie 'gestritten'. Atsuko jedenfalls hatte unmissverständlich klar gemacht, was sie von der Wölfin hielt und Kyro nahm das hin, aber er hielt an der Überzeugung fest, dass Aszira schon ihre Gründe gehabt hatte, jemanden zu töten, aus dem Rudel.

Lioku lauschte und mischte sich nicht weiter in das Gespräch ein. Ihm fiel vielleicht auf, dass nach der Art, wie Kyro und Atsuko miteinander sprachen, tatsächlich schon einige Zeit vergangen war, seit sein alter Bekannter hier in diesem Weltensystem gelandet war. Er selbst drehte sich immer noch hin und wieder um, um auf das Wasser zu blicken, dem er gerade entkommen war und um zu sehen, was der Pelzling so tat.

Caisyth vergaß für einen klitzekleinen Moment, dass er unglaublich genervt war. Es tat einfach gut, sich mal wieder so richtig zu bewegen. Und jetzt, wo er einmal verstanden hatte, wie sein kugliger Körper funktionierte, ging es gar nicht so langsam voran. Seine kleinen Pfoten waren feingliedrig und hatten mehrer Zehen. Aber dann fiel ihm wieder ein, dass man ihm bisher diesen Genuss versagt hatte. Grummel.

Mirai hätte beinahe wieder gelacht, verkniff sich das nun aber doch und straffte nur die Schultern. "Energie kann man durchaus sehen, aber nicht mit den Augen.", erklärte sie. Die Ratte schien weit mehr Verstand zu haben, als der Wolf - auch wenn sie ungerne jemanden als 'dumm' beurteilte. Bei Xaron war sie wohl an ein besonders schwieriges Exemplar geraten, das viel Geduld erforderte, um zu jemandem heranzuwachsen, der einen geistigen Nutzen für eine Gemeinschaft hatte. Ihre eigenen Gedanken hörten sich in ihrem Kopf ziemlich fies an, aber sie sagte sich selbst, dass sie zumindest daran glaubte, dass Xaron, wenn er ein paar Ewigkeiten im Weltenbaum verbracht hatte, sicher viel lernen würde. Das hoffte sie jedenfalls für Ceran und seine Artgenossen.

Atsuko hatte große Lust, das Thema noch einmal aufzuwärmen, doch da Kyro sich bisher so friedlich und kooperativ gezeigt hatte, beschloss sie, es zu lassen. Vermutlich hätte es eh keinen Sinn gehabt. Stattdessen wandte sie sich an Lioku. "Du kommst gut hinterher oder? Nun, nicht dass ich glaube dass du so alt und gebrechlich bist, aber ich kann so etwas bei Gaiawölfen offensichtlich nicht so richtig einschätzen." Hinter dem Rüden erkannte sie einen weißen Flauschknäuel, der, zwar etwas unbeholfen, hinter ihnen her hoppelte.

Kyro hatte sich ohnehin damit abgefunden, dass sie in Atsukos Augen nicht mehr waren, als Wölfe, deren einziger Unterschied zu Atsukos Erzfeinden darin bestand, dass sie so taten, als ob sie ein Hirn hätten. So jedenfalls die Worte der Füchsin. Bei so viel Nettigkeit war es ihm relativ egal, was sie von ihm sonst noch dachte, oder von Aszira. Und es wäre ihm auch egal gewesen, wenn Aszira grundlos jemanden getötet hätte. Vermutlich. Kam vielleicht auf den Wolf an... Er witterte inzwischen die Anwesenheit von wenigstens zwei Wölfen, die er kannte. Somit würde das mit der Suche wohl nicht allzu schwer werden. Syrayn und Xaron waren auch in dieser schwarzweißen Welt gelandet.

Lioku blickte zu Atsuko und nickte leicht. "Ich komme schon klar...", gab er möglichst locker zurück. Er konnte gerade so Schritt halten, zumindest, wenn sie eine weite Strecke zurücklegen wollten. Für ein Stück ging es so auf jeden Fall gut. Natürlich wollte er ohnehin niemanden aufhalten, auch wenn sie aktuell nicht mehr als Rudel unterwegs waren, sondern als... Wandergemeinschaft. Das war alles wirklich ziemlich verwirrend.

Caisyth folgte den anderen. Wie lange wollten sie denn noch laufen? Wohin überhaupt? Warum? Und wann würde sich Cais endlich eine Gelgenheit bieten, um wieder etwas aufzusteigen? Er hatte, seitdem er Pelzling geworden war, keine Gelegenheit gesehen umd eine gute Tat zu vollbringen. Dabei wollte er doch eigentlich nur endlich sterben...

Ceran meinte nachdenklich: "Mhm. Eigentlich nicht einmal sehen. Spüren. Ich spüre sie. Durch Vibrationen, Atem, Bewegung." Ein kurzer Blick streifte Mirai. Sie kannte sich sicher noch besser aus, schließlich war sie mehr darauf angewiesen. Wenn er so darüber nachdachte, kannte er sich auch nur deshalb ein wenig damit aus, weil er für sein Überleben darauf angewiesen war, zu spüren, ob ein Jäger in der Nähe war oder nicht. Und das tat er genau durch diese Dinge: durch Wahrnehmen von Schwingungen im Boden und in der Luft, manchmal nur minimale Ahnungen, die ihn achtsamer werden ließen. Xaron hingegen schien das ganze Thema fremd. "Mhm. Vielleicht kennst du diese Energien nicht, weil du Jäger bist?", überlegte er, ehe er sich daran erinnerte, dass es unhöflich war, seinen eigenen Namen nicht ebenfalls preiszugeben. "Mein Name ist übrigens Ceran."

Atsuko hatte keine Ahnung, dass Kyro dachte, sie würde so über die Gaiawölfe denken. Es entsprach zwar der Wahrheit, dass das ihr erster Eindruck gewesen war, doch inzwischen war sie sich sicher, dass zumindest das Gefühls- und Sozialleben dem der Kisetsus ähnlicher war als dem der Winterwölfe. "Gut", sagte sie an Lioku gewandt, "aber solltest du Probleme kriegen, dann sag es einfach." Als sie bemerkte, wie der Rüde immer wieder zu dem See, welcher offenbar eine Art Weltentor war, hinüberspähte, meinte sie freundlich:"Und dasselbe gilt übrigens für Fragen. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob ich alle beantworten kann, aber ich helfe gerne wo ich kann."

Wie konnte man etwas sehen, wenn nicht mit den Augen? Das wäre, als wollte man hören, ohne die Ohren zu benutzen, oder ohne Nase riechen. Probehalber lauschte und witterte er, doch er konnte die angeblich überall anwesende Energie weder riechen noch hören. Wobei er natürlich nicht wusste, wie Energie überhaupt roch und wie sie sich anhörte. Spüren? Das war es also? Er konzentrierte sich, und stellte zu seinem Erstaunen fest, dass er mehr spürte, als ihm normalerweise bewusst war. So spürte er den Boden unter seinen Pfoten, und den leichten Wind in seinem Fell und noch viel mehr, das er sonst nur unterbewusst wahrnahm. "Ja, das spüre ich. Aber die Energie spüre ich nicht." Er konzentrierte sich noch stärker. Erfolglos. "Wie fühlt sich Energie denn an?" Die Erklärung der Ratte schien ihm wenig hilfreich. "Ist Energie denn nur etwas für Beute?" Das würde natürlich erklären, warum er sie nicht wahrnehmen konnte. Aber immerhin kannte er jetzt den Namen der Ratte, womit natürlich auch die Frage geklärt war, ob Riesenratten Namen hatten.

Kyro ging zwar nicht mehr weiter darauf ein, aber er hatte nicht vergessen, was Atsuko ihm in Dellruin an den Kopf geworfen hatte, aus ihm wenig nachvollziehbaren Gründen. Er hatte aber entschieden, dass es keine große Rolle spielte. Er machte sich wenig daraus, von einer Halbwüchsigen als hirnlos abgetan zu werden. Letztlich erreichten sie Xaron, Syrayn, die komische riesige Ratte und einen fremden Welpen. "Ohje... hat Zion Xaron geschwängert und wir haben jetzt Welpen?", scherzte er, was gleichzeitig seine Begrüßung für die Truppe war.

Mirai holte erst einmal aus: "Energie ist überall und geht von jedem aus und ist für jeden zugänglich. Es kann aber nicht jeder davon leben." Zumindest glaubte sie das. Sie wollte gerade weiter erklären, als jemand wenig höflich in ihr Gespräch platzte. Da waren also die anderen Seelen, deren Anwesenheit sie zuvor gespürt hatte. "Niemand wurde geschwängert. Ich bin Mirai, Wächterin von Acuri und bekannt als Atem des Waldes... Ich vermute, ihr seid auch aus Gaia?" Ihr Blick glitt zu Atsuko. "Und eine Regenbogenfüchsin ist auch hier..." Zuletzt streifte ihr Blick den Pelzling. "Hat Xanthara euch gebeten sie von den Pelzlingen zu erlösen und euch den da deshalb mitgegeben?" Sie lachte leise.

Lioku lächelte Atsuko dankbar zu und konzentrierte sich dann auf das, was vor ihnen lag. Auch er witterte seinen Enkel irgendwann und Xaron, den jungen Rüden, den man besser gut im Auge behielt. Kurz wären beinahe seine alten Alphacharakterzüge mit ihm durchgegangen und er hätte am Kyro am liebsten mal kurz zurecht gewiesen, für sein freches Auftreten, aber offenbar störte sich niemand weiter daran. Zumindest nicht die Welpendame, die etwas Fremdartiges an sich hatte, das er nicht ganz greifen konnte.

Caisyth dachte immer, dass ihm gleich die Puste ausgehen würde. Was aber irgendwie einfach nicht passierte. Was war mit diesen Flauschbällen los? Hatten sie irgendwie geheime magische Kräfte, die sie nur nicht auspackten, weil sie zu freundlich waren?? Trotzdem war Cais nicht unzufrieden, als sie endlich, endlich stehen blieben. Der Grund - eine weitere Gruppe in der Größe deren, der er gerade gefolgt war - interessierte ihn nicht weiter. Er konnte ja doch nicht mit ihnen kommunizieren und ihnen seine Großartigkeit begreiflich machen.

Atsuko seufzte leise bei Kyros Kommentar, während sie die Leute, die zwischen den grauen Bäumen standen, musterte. Sie bestand aus Syrayn, dem seltsamen Tier das sich Ratte nannte, einen Wolf, dessen Geruch ihr zwar bekannt vorkam, den sie aber nicht genauer einordnen konnte und der Wächterin dieser Welt, die sich als Mirai vorgestellt hatte. Sie nickte denjenigen, die sie schon kannte freundlich zu und begrüßte die Wächterin. "Sehr erfreut, Mirai. Ich heiße Atsuko. Und du bist?", fragte sie an den unbekannten Wolf gewandt.

Kyro betrachtete kurz den Pelzling und verdrehte die Augen. Oh man. Gut war es jetzt nur noch einer. Ob die anderen wohl dem Herbst zum Opfer gefallen waren? Er wich Syrayn lieber mal aus und ließ sich irgendwo nieder, um das Treiben an sich vorbei ziehen zu lassen. Hallo, ich bin Bla und das ist Bla.

Lioku begrüßte seinen Enkelsohn freundlich und nickte auch Xaron kurz zu. "Hallo Mirai, ich bin Lioku." Sie war eine Wächterin? Was bedeutete das nun? Er war ziemlich überfordert, freute sich aber, ein paar Rudelmitglieder wohlauf anzutreffen.

Xaron spürte angestrengt weiter, doch statt Energie nahm er wahr, dass sich zwei Wölfe näherten. Seine Nase verriet ihm, dass es sich um Kyro und Lioku handelte. Begleitet wurden sie von einer Fuchsfähe, deren graues Fell ihn vermuten ließ, dass es sich um eine Bewohnerin dieser Welt handelte, und einem kleinen flauschigen Pelztier. Füchse waren natürlich keine Beute, der Pelzball hingegen machte auf ihn hingegen schon den Eindruck, welche zu sein. Aber da Riesenratten wider Erwarten keine Beute waren, wollte er nichts überstürzen, zumal die anderen das Tierchen vermutlich schon gefressen hätten, wenn es tatsächlich fressbar gewesen wäre. Kyros Bemerkung, die dieser statt einer Begrüßung gebrauchte, verstand Xaron nicht. "Du solltest wissen, das Rüden das nicht können." Leider, hätte er fast gesagt. Es wäre bestimmt schön, Welpen zu haben. Die Füchsin stellte sich ihm vor, was er natürlich erwiderte, auch wenn sie nur ein Fuchs war. "Ich bin Xaron."

Caisythkugelte sich ein.





Geschlecht


Alter


Größe


Status


Charakterbogen


Lu, Kyro, Josh, Lio



01.03.2018 19:16
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Lijenna
Lillyan Caesar






Art
Wolfsträumer

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Nachdem sich Lioku, Kyro, Atsuko und Cai zu der Gruppe gesellt hatten, hatten sich alle einander vorgestellt, die sich noch nicht kannten. Mirai hatte sich als Wächterin von Acuri zu erkennen gegeben und nach einigen losen Gesprächen hatten sich die Tiere auf der Lichtung verteilt, auf der sich Mirai und Xaron begegnet waren. Eine weitere Seele - Aryth - hatte die Welt betreten und fand sich nun in der völlig farblosen Umgebung wieder. Es hatten sich zwei Grüppchen gebildet. Kyro, Atsuko, Lioku, Syrayn und Cais (dieser fühlte sich offenbar von Kyros düsterer Aura magisch angezogen, wie das für Pelzlinge üblich war) und Xaron, Mirai und Ceran.

Lioku stupste seinen Enkel sanft an und war froh, sich so davon überzeugen zu können, dass dieser lebte. Er fühlte sich nicht wie einem Traum und auch nicht wie bei einer Nahtoderfahrung. Was genau mit ihm vorging, konnte er sich dennoch nicht ganz erklären. Er hatte noch viele Fragen und doch waren sie gerade nebensächlich. Es war einfach schön, zu sehen, zu riechen, zu hören und zu fühlen, dass Syrayn am Leben war.

Kyro blickte verdrießlich drein, während der Pelzling an ihm klebte, als wäre er ein gutmütiges Kuscheltier. Kyro hatte die Ohren zurückgelegt und brummte manchmal drohend. Wäre er eine Katze gewesen, hätte er noch unzufrieden mit der Rute auf den Boden geschlagen. Es ging aber trotzdem eine unberechenbare Bedrohlichkeit von ihm aus. Der Pelzling war sehr kurz davor, es zu weit zu treiben. Manchmal rollte bereits ein alles verschlingender Schmerz in seinem Ohr heran, sodass er immer wieder kurz reflexartig das Gesicht verzog.

Mirai beobachtete die vielen Besucher und machte sich ihre eigenen Gedanken. Sie hatte gespürt, dass eine weitere Seele Acuri betreten hatte und lauschte entsprechend aufmerksam in den farblosen Wald. Nebenbei beobachtete sie außerdem die verschiedenen, seltsamen Wölfe und die vereinzelten anderen Tiere. Sie realisierte, dass einer der Rüden - Kyro - von einer Florkane gebissen worden war und sie wollte lieber nicht wissen, was sich der Altwolf geleistet hatte, um solch eine Reaktion auszulösen. Außerdem studierte sie das Fellknäuel und die Energien, die von diesem ausgingen. Täuschte sich ihr inneres Auge, oder handelte es sich um einen Carmanen?

Syrayn war in sich versunken gewesen. Er war viel zu erstaunt über die farblose Welt, in der sie alle wie Punkte des Lebens wirkten, als dass ihn die Ankunft weiterer Wölfe aus dieser Trance herausgerissen hätten. Als dann jedoch eine Art Vorstellungsrunde stattfand wurde er wieder aufmerksam. Er erwiderte das Stupsen seines Opas Lioku mit einem freudigen Wedeln. "Schön dich zu sehen. Ich bin froh, dass es dir gut geht, Lioku! Schön, dass wir irgendwie anscheinend alle wieder zusammenfinden. Zwar langsam, aber stetig." Etwas, das ihn noch freute war der einzelne Pelzling, der es ebenfalls in diese Welt geschafft hatte. Syrayn mochte die Pelzlinge einfach. Sie waren wunderbare Geschöpfe.

Atsuko wusste nicht recht, was sie tun sollte. Lioku sah so glücklich aus, wieder mit Syrayn vereint zu sein, dass sie nicht stören wollte, und Kyro wirkte so, als ob es sich nur noch um Sekunden handeln konnte, bis er das Flauschknäuel, welches offensichtlich Gefallen an ihm gefunden hatte, auffraß oder es auf eine andere höchst unangenehme Art und Weise von ihm zu vertreiben, und das Zucken seines Gesichtes war bereits sehr besorgniserregend. Zwar glaubte sie immer noch, dass Kyro tief im Herzen ein guter Wolf war, wollte es aber nicht riskieren ihn zu reizen, da er heute sowieso nicht sehr angetan von ihrer Gesellschaft wirkte. Also wandte sie sie sich an die einzig übriggebliebene Person, mit der sie sich unterhalten könnte. Interessiert musterte sie die Wächterin dieser Welt, welche sich als Mirai vorgestellt hatte. Sie hatte den Körper eines Wolfes, allerdings stark verkleinert. Sie hatte bisher noch keine Gaia-welpen gesehen, vermutete jedoch, dass sie so aussehen mussten. Allerdings wirkte das Auftreten der Fähe keineswegs unerwachsen, eher im Gegenteil. "Ich hoffe ich bin nicht unhöflich wenn ich das frage, aber du bist ein Welpe, oder?"

Caisyth spürte, wie sehr es den Wolf nervte, dass er so an ihm dranklebte. Ein weiterer Grund es zu tun. Abgesehen davon hatte er mit der Zeit den Eindruck, gewonnen, dass das der Einzige war, der nicht total unnatürlich träumerisch am Weg war und einen Sinn für Realismus besaß. Gut. Zufrieden grub er sich noch mehr in das Fell des Wolfes.

Lioku lachte leise, nicht weniger erfreut und erleichtert. "Ich kann dir versichern, Syrayn, ich bin von Herzen froh, dass du hier neben mir sitzt und lebst und wir nicht irgendwo unter einer Eisdecke unsere letzten Bewegungen machen, während wir vom kalten Wasser in die ewige Dunkelheit des Todes gerissen werden..." Man hörte, wie froh er war. Die Welt war zwar farblos, aber nicht so düster wie die Momente, in denen er sich im Wasser befunden hatte, mit dem Tod ringend. "Ich wusste nicht, wie mir geschieht, als ich hier aufgetaucht bin und Atsuko - für mich - wirres Zeug von Welten und Reisen von sich gegeben hat. Sie behauptete, dich zu kennen und zu wissen, dass es dir gut geht. Und ich war noch völlig gefangen in diesem Moment, in dem wir plötzlich alle zum Tode verurteilt waren." Er hielt kurz inne. "Ich verstehe die Welt... oder die Welten nicht mehr... aber ich bin wirklich von ganzem Herzen froh!" Er stupste Syrayn noch einmal an, beinahe als wollte er sich vergewissern, ob es wirklich wahr war.

Kyro sprang ganz plötzlich auf und flüchtete vor dem Pelzling, nachdem er ihn von sich gestoßen hatte. Das Vieh hatte Glück, dass er es nicht in Stücke gerissen hatte und das nur, weil er wohl schlecht vor Lioku das Haustier von dessen Enkel zerfetzen konnte. Er tat sich selbst Leid und eilte davon. Irgendwohin, wo es sicher war...

Aryth war durch das Licht gegangen. Und wie erwartet war er wo anders aufgetaucht. Ein bisschen orientierungslos stand er nun da rum, hatte keinen Plan von nichts. Dann hörte er vertraute Stimmen. Die Welten hatten es gut mit ihm gemeint! Er musste nicht sein Leben alleine dahinfristen! Überrascht spürte er, wie er sich beinahe etwas leichter fühlte bei dieser Erkenntnis, so als wäre eine schwere Last von seinen Schultern genommen worden. 'Ist das das, was man als Erleichterung beschreibt?', fragte er sich leise und ging durch den Wald in die Richtung der Stimmen. Er brach durch ein Gebüsch und stand prompt auf einer Lichtung. Sie schien ihm beinahe überfüllt, einfach, weil er noch nie so viele Lebewesen auf einem Fleck gesehen hatte. Ganz in seiner Nähe stand Xaron, und Aryth beschloss, zu ihm zu gehen. Er konnte ja kaum hier so am Rand stehen bleiben. Oder sollte er sich erst bemerkbar machen? Nein, er bevorzugte den unauffälligen Weg. Es würde ihn schon jemand früh genug vorstellen. Und wenn nicht - dann eben nicht.

Syrayn fiel bei der Antwort von Lioku etwas ein. "Weißt du, dass auch Lijenna hier ist. Nicht in dieser Welt, aber es geht ihr gut und sie ist glaub ich recht glücklich. Sie hat sich mit einem anderen Wächter angefreundet und möchte jetzt in seinem Rudel sein. Allerdings sind sie nur zu zweit, also kann man es wohl kaum ein Rudel nennen, oder?" Es sprudelte nur so aus Syrayn heraus. Er war so glücklich. Endlich mal einer der 'Großwölfe', die er wirklich gern hatte. Die anderen mochte er zwar größtenteils auch, aber Lioku war eben einfach sein Opa Lioku! "Und Atsuko ist wirklich nett. Sie ist eine Jahreszeitenfüchsin, wusstest du das? Sowas gibt es! Ihr Fell verändert die Farbe je nach Jahreszeiten! Lioku! Es gibt so vieles, das wir nicht gekannt haben. So viele tolle Dinge!"

Mirai fiel es schwer, den Überblick zu behalten, bei so vielen Seelen, aber sie hatte als Wächterin gerade nicht unbedingt die Aufgabe, die verschiedenen Wesen zu schützen, sondern sie nur zu leiten. Das tat sie, in dem sie sich nun der Beantwortung der Fragen widmete. Zunächst folgte sie Xarons Blick und betrachtete das Fellknäuel. "Es ist ein Pelzling...", erklärte sie zögernd. "Ich habe aber das Gefühl, dass es kein Pelzlinggeborener ist. Vermutlich ist eine Seele in den Körper gewandert... eine Seele die schon etwas älter ist..." Sie kniff die Augen zusammen, als könnte sie so besser sehen, dabei war das, was sie zu sehen versuchte, für das Auge unsichtbar. Atsuko riss sie aus ihren Beobachtungen und gedanklichen Spekulationen. "Ich bin ein Welpe, ja. Eine Filiade, um es genauer zu sagen. Wir sind Weltenkinder. Der Weltenbaum bringt uns hervor und wir bleiben während unserem ganzen Leben Welpen. Welpen die viele Erfahrungen sammeln, aber nie größer werden. Nicht bis zur Nacht vor unserem Tod." Sie betrachtete die Regenbogenfüchsin und versuchte zu ergründen, ob sie die Frage ausreichend beantwortet hatte. Danach nickte sie der neu angekommenen Seele flüchtig zu.

Xaron war erstaunt, ausgerechnet hier Aryth zu begegnen, den er zuletzt in Caeluci getroffen hatte. Aber andererseits hatten die Welten ihn ja auch mit einigen der anderen Rudelmitgliedern wieder zusammen geführt. Zuletzt war sogar Lioku wieder aufgetaucht, von dem er am wenigsten angenommen hatte, dass er überlebt hätte. Entweder steckte da ein System dahinter, das er noch nicht verstand, oder der Weltenbaum war in Wahrheit kleiner, als er schien, und darum begegnete man sich immer wieder. Er überlegte, Mirai danach zu fragen, unterließ es dann aber, da er nicht davon ausging, dass er die Antwort verstehen würde. Stattdessen deutete er auf das seltsme Pelztier und fragte: "Was ist das?"


Ceran wusste bei so vielen Wesen auf einmal gar nicht, wo er zuerst aufpassen sollte, dass auch WIRKLICH niemand dachte, dass man ihn fressen können musste. Allerdings wusste er ja inzwischen, dass die Wölfe ihn tatsächlich in Frieden ließen, wenn sie bemerkten, dass er sprechen konnte - also beschloss er, dass er sich weniger Sorgen machen und stattdessen Mirais Erklärungen lauschen wollte. Nachdenklich wischte er sich mit einer Pfote über das linke Ohr. "Das heißt also, Filiaden wissen am Ende ganz genau, dass sie am nächsten Tag sterben werden?"

Atsuko legte den Kopf leicht schief, während sie über die Antwort der Filiade nachdachte und nebenbei registrierte, das Kyro (schon wieder) davonstürzte, da er offensichtlich mit zu viel Zuneignung nicht umgehen konnte, selbst wenn sie von einem Flauschball kam, welcher ihn nicht einmal mit Worten nerven konnte. Sie wandte sich leise seufzend wieder Mirai zu. "Wenn du sagst, dass dich der Weltenbaum hervorgebracht hat, hast du dann keine feste Heimatwelt?"

Caisyth kugelte vom Pelz des Wolfes und plumpste unsanft auf den Boden. Sein Pelz war aber so dick, dass er sich nicht weh tat. Schnell war er wieder auf den Beinen und lief dem Wolf auf seine kurzbeinige, aber schnelle Art hinterher. Er würde nicht entkommen!

Lioku nickte leicht. "Ja, Kyro und Atsuko haben mir gesagt, dass ihnen auch Laelia, Yavru und Lijenna breits begegnet sind." Den weiteren Ausführungen hörte er aufmerksam zu und lächelte warm. Das klang sehr schön und er konnte sich gut vorstellen, dass Lijenna sich ihr Glück gezielt ausgesucht hatte. "Na, ich würde sagen, wenn Lijenna das Gefühl hat, zu zweit ein Rudel zu sein, dann ist das mit dem Rudel zu zweit auch möglich." Er hielt sich mit Spitzfindigkeiten eher nicht mehr auf. Vielleicht war er zu alt dazu, oder zu gutmütig und was sicher besonders wichtig war: Er lernte gerne von Welpen. Sie sahen die Welt - oder die Welten - oft klarer und echter. Auch Syrayns Freude über die vielen neuen Entdeckungen ließ sein Herz warm werden. Wieso er nun hier auf einer Weltenreise war, wusste er nicht, aber es schien viele Möglichkeiten zu eröffnen, Glückseligkeit zu finden. Sein Blick glitt zu Atsuko. "Sie wechselt das Fell?" Kyro hatte irgendetwas in diese Richtung erwähnt und sich darüber lustig gemacht, dass das farbenfrohe Fell - worauf die Bezeichnung 'Regenbogenfüchsin' hindeutete - in dieser sowieso schon farblosen Welt ausgerechnet genauso farblos war. "Vielleicht kann ich bald mit eigenen Augen sehen, wie farbenfroh ihr Fell sein kann..." Im Augenblick schien es schwer vorstellbar. "Wie viele Welten hast du denn bereits gesehen?" Er kam sich alt und langsam vor, weil er gerade erst angekommen war, während alle schon Bekanntschaften gemacht hatten und von Erlebnissen erzählten, die er sich kaum ausmalen konnte.

Aryth war doch nochmals stehen geblieben, eben nicht ganz sicher, was er tun sollte. Akaera hatte ihm für solche Situationen keinen Plan mitgegeben. Vorsichtig kam er näher, und meinte "... Hallo..." Er wollte nicht stören, aber doch auch was mitbekommen. Vor allem weil die Mitglieder der Gruppe sehr interessant wirkten. Es handelte sich nämlich um eine riesige Ratte, zwei Wölfe und einen Fuchs. Wobei ... war das nicht eine Kisetsu? Aryth sah genau hin. Dieses grau wirkte nicht wie das grau eines Gaiafuchses.

Kyro sah aus den Augenwinkeln, dass er verfolgt wurde und zog das Tempo an, als ginge es beinahe um Leben und Tod. Er rannte, wild entschlossen, den Pelzling abzuschütteln und siegessicher. So schnell konnten diese lahmen Kugeln doch wohl nicht sein? Er würde es herausfinden und suchte zwischen den schwarzweißen Pflanzen eine Möglichkeit, ein Pelzknäuel möglichst zielsicher abzuhängen.

Syrayn kuschelte sich kurz eng an seinen Opa. Vielleicht konnte jetzt Syrayn seinem Opa Dinge erklären. Früher war es ja immer umgekehrt gewesen. Früher war Syrayn immer zu Lioku gekommen, wenn er etwas wissen wollte. Früher hatte Lioku alle Antworten auf Syrayns Fragen gewusst, aber nicht etwa so, dass er einfach gesagt hatte wie die Dinge waren. Nein, er hatte Syrayn selbst auf die Lösung kommen lassen, oder er hatte ihm Dinge erklärt und zu eigenen Überlegungen angeregt. Lioku war ein toller Opa. "Lioku? Du bist ein toller Opa." Genau das sagte er jetzt auch. "Ich war schon in Caeluci, das ist eigentlich nur Licht und Nebel, dann in Mandri, da ist alles Rot, dann in Togruduna - die Welt ist gruselig, wir wären beinahe von einem Geisterlicht gefangen worden, der unsere Lebensenergie fressen wollte. Durch Malumir sind wir allerdings entkommen und über Caeluci in Dellrui gelandet. Dort vergehen die Jahreszeiten irgendwie ganz anders. Am Morgen ist Frühling, Mittag ist Sommer und so weiter. Laelia ist auf einem Baum gelandet, der auf einmal aus dem Boden gewachsen ist und wir sind dann nach Azali gesprungen, da sind drei Inseln, eine rote, eine gelbe und eine grüne. Und jetzt sind wir hier." Syrayn wusste, dass er ziemlich viel auf einmal erzählte, aber er wusste auch, dass Lioku schon nachfragen würde, wenn er etwas genauer wissen wollte. Als Syrayn den Begleiten von Malumir auf einmal neben ihnen sah, wandte er sich diesem zu. "Du heißt doch Aryth, oder? Wer bist du eigentlich? Und woher kommst du? Mein Name ist Syrayn."


"Hallo Aryth", erwiderte Xaron, froh darüber, dass dieser als Erster etwas gesagt hatte. Er bedauerte Mirai, die jetzt die Fragen noch einmal beantworten musste, die sie ihm vor der Ankunft der anderen bereits beantwortet hatte. Nach seinem eher missglückten Versuch, sie vorzustellen, hielt er es allerdings für unangebracht, die Fragen für sie zu beantworten, obwohl er die Antwort ja bereits kannte. Stattdessen stellte er selbst eine Frage zu dem Pelztier, das aus irgend einem ihm unverständlichen Grund Gefallen an Kyro gefunden zu haben schien: "Ich nehme an, Pelzlinge kann man auch nicht essen? Sonst hätte es ja bestimmt schon jemand getan."

Caisyth hatte war zwar schnell, doch hatte er trotzdem sehr, sehr kurze Beinchen. Als Kyro noch schneller wurde, blieb Caisyth immer mehr zurück. Doch er wurde wieder einmal von seiner neuen Erscheinungsform überrascht. Es stellte sich nämlich heraus, dass seine Beine ein zusätzliches, sehr seltsames Gelenk hatte, was es ihm ermöglichte, seine Beine beinahe propellerartig rotieren zu lassen. Für die normale Fortbewegung nützte das natürlich nicht viel, nein, es war sogar höchst unpraktisch, doch bei dieser Geschwindigkeit erwies es sich als unschlagbar. Er hatte immer nur noch eine Pfote am Boden, wärend die anderen zeitversetzt rotierten. Bei jeden Auftreten erzitterte sein dicker Pelz ein bisschen. Ein Windstoß erfasste ihn von hinten und er hob ab, flog ein paar Meter über den Boden und stieß sich dann wieder ab. Jetzt war er wieder gleichauf mit dem Wolf.

Mirai ließ sich die Frage von Atsuko kurz durch den Kopf gehen. "Ich würde sagen, dass wir dennoch Heimatwelten haben. Denn wenn wir geboren werden, betreten wir irgendeine Welt und wachsen dort nicht selten mit Unseresgleichen auf.", erzählte sie. "Es gibt aber keine spezielle Welt, in der alle Filiaden aufwachsen. Meist sind wir einfach ein paar, die wie Geschwister aus einem Wurf zusammen die ersten Erfahrungen machen. Manche bleiben dann für immer zusammen, andere suchen sich andere Rudel und einige werden zu Weltenwanderern. Für mich - die ich viel viel Zeit damit verbracht habe, durch den Weltenbaum zu reisen, gibt es keine klassische Heimatwelt. Im Augenblick bin ich hier Zuhause..." Ihr Blick glitt zu der neu angekommenen Seele. "Hallo Aryth! Willkommen in Acuri." Sie kannte den Zögling von Malumir entfernt. Meist hatte sie sich nur mit Malumir kurz unterhalten, wenn sie sich begegnet waren. An den Namen hätte sie sich allerdings auch ohne Xarons Hilfe erinnert. Sie wandte sich dem Ratterich zu. "Nicht immer, Ceran. Wir können genauso getötet werden, oder einen Unfall haben... dann sterben wir im Welpenkörper. Wenn wir aber fühlen, dass unsere Lebensspanne zu Ende ist und wir bereit sind, zu gehen... dann schlafen wir ein und unser Körper wächst. Wir werden dann gar nicht mehr wirklich wach, sondern vergehen einfach, in einem farbenfrohen Energieschauspiel." Mirai wandte sich zurück zu Xaron: "Pelzlinge kann man durchaus essen... theoretisch können wir uns auch alle gegenseitig verspeisen."


Kyro rannte, bis er völlig außer Atem war. Er versuchte, den Pelzling abzuhängen, in dem er über Felsen sprang, die weit auseinander waren und in dem er einen Fluss durchquerte, in dem das Fellknäuel hätte ertrinken sollen! Stattdessen war das Vieh einfach darüber gesprungen. Als sich Kyro in eine Sackgasse verirrt hatte, blieb er stehen und wandte sich um. Ganz zufällig hatte er in diesem Moment, in dem es nicht mehr weiter ging beschlossen, dass er hier kein Beutetier wurde, das man jagte. Er erwartete den Pelzling also.

Lioku rieb den Kopf an dem seines Enkels. Sie waren inzwischen nahezu gleich groß. Syrayn war fast ausgewachsen und kein Welpe mehr, aber natürlich war Lioku da wie alle Opas: Enkel blieb Enkel. "Du bist auch ein ganz toller Enkel. Ich bin stolz auf dich!" Er war sicher, dass Syrayn zu einem starken Rüden heranwachsen würde. Als sein Enkelsohn dann zu erzählen begann, lauschte er aufmerksam. Es war wirklich sehr viel auf einmal. "Und wo ist Lijenna jetzt?", erkundigte er sich. "Kyro sagte, Aramis sei auch hier... in den Welten. Ist er bei ihr?" Lioku erinnerte sich, wie nah sich die beiden gekommen waren und wie gut sie einander getan hatten. Der mürrische Aramis und die kleine Welpin, die davon keine Notiz genommen hatte. Er blickte zu Aryth hinüber, der von vielen begrüßt wurde und den offenbar die meisten kannten. Er natürlich nicht. Er war weiterhin von vorgestern! Aufmerksam beobachtete er den Rüden, der ihm fremd erschien. Nicht, weil sie sich nicht kannten, sondern weil selbst Lioku sehen konnte, dass Aryth vermutlich nicht aus Gaia stammte.

Aryth wünschte sich kurz, doch nichts gesagt zu haben, als er plötzlich von so vielen Seiten begrüßt wurde. Er hatte seine Aufmerksamkeit noch nie so aufteilen müssen. Etwas überfordert versuchte er, nacheinander alle Fragen zu beantworten und Grüße zu erwiedern. Er begann mit dem jungen Wolf, der gerade mit einem Altwolf kuschelte. "Ja, genau, das bin ich." Er neigte kurz den Kopf in die Richtung des Welpen, der so überhaupt nicht welpenhaft klang (bei diesem Gedanken regte sich etwas in Aryths Gedächtnis aber er hatte jetzt nicht die Zeit um diesem Gedanken Aufmerksamkeit zu schenken) und in Xarons Richtung. Dann meinte er wieder zu Syrayn: "Ich komme von Akaera. Dazwischen war ich aber in Caeluci."

Ceran wandte sich dem Neuankömmling kurz zu. Kurz zögerte er, begrüßte ihn dann aber ebenfalls freundlich. "Hallo Aryth. Ich bin Ceran - eine Riesenratte. Du warst ja zur Vorstellungsrunde noch nicht da, wenn ich mich richtig erinnere." Mirais Erklärung vom Sterben der Filiaden klang... schön. Lange nicht so trostlos, wie er sich das Vergehen des Lebens vorstellte, sondern friedlich - jedenfalls, solange es auf natürliche Weise geschah. "So ein farbenfrohes Schauspiel... würde ich gerne einmal sehen", äußerte er nachdenklich, schüttelte dann aber eilig den Kopf: "Allerdings nicht, wenn dafür ein Wesen dieses Weltensystem vollständig verlassen muss!"

Caisyth kam nur wenige Sekunden nach dem Wolf an. Ziemlich ungeschickt versuchte er zu bremsen (er hatte noch zu wenig Ahnung von der richtigen Bedienung seiner neu entdeckten Gelenke), überschlug sich dabei einmal selbst und schlitterte dann noch ein paar Zentimeter über den Boden. Dann stand er endlich, und - glücklich über seinen Sieg - hoppelte er auf den Wolf zu.

Syrayn beantwortete Liokus Frage schnell: "Lijenna ist glaub ich noch in Caeluci. Zumindest waren sie dort, als ich das letzte mal dort war. Und ja, Aramis war bei ihr." An Aryth gewandt frage er noch: "Ich will dich nicht belästigen oder durch meine Frage und die Fragen der anderen überfordern, aber: Wie ist denn Akaera so? Der Name klingt auf jeden Fall sehr hübsch. Ich möchte über die verschiedenen Welten lernen und so viel wie möglich erfahren."

Atsuko wandte sich nun auch dem Wolf zu, der Aryth hieß. Er sah zwar genauso aus wie die anderen Wölfe, doch anscheinend kam er nicht von Gaia sondern einer Welt namens Akaera. Irgnedwie fühlte sie sich seltsam verbunden, da auch er scheinbar etwas überfordert mit den Anderen war. Ob er wohl auch erst seit kurzem von den verscheidenen Welten wusste? (Möglicherweise etwas zu) überschwänglich hopelte sie an ihr heran, und hoffte Mirai damit nicht zu beleidigen, da sie ja eigentlich noch in einem Gespräch waren, andererseits schien die Filiade genug damit zu tun zu haben, die Fragen der anderen zu beantworten, also würde es sie wohl kaum stören wenn Atsuko sie nicht auch noch mit Fragen bombardierte. "Hallo Aryth! Ich heiße Atsuko."

Kyro hatte gerade noch ein paar Augenblicke Zeit, um sich zu vergewissern, dass ihnen niemand gefolgt war. Während der Pelzling noch kugelte, schnellte Kyro nach vorne und versenkte seinen Fang im Pelz und schließlich im Fleisch der Nervensäge. Xanthara hatte gesagt, man konnte diese Viecher fressen und auch wenn Kyro keinen Hunger hatte... er ließ sich jetzt sicher nicht weiter nerven. Er hatte einen Ruf zu verlieren! Zugegeben hatte er nicht vor, irgendwem zu erzählen, dass Syrayns Haustier seinen Zähnen zum Opfer gefallen war. Er schüttelte das Wesen, unschlüssig, ob es ein Genick hatte, das er brechen konnte. Er war nicht einmal sicher, ob das Vieh seinen Angriff überlebt hatte.

Xaron ärgerte sich ein bisschen über Mirais Antwort, weil er das Gefühl hatte, sie wollte ihn veralbern. Doch dann erinnerte er sich, dass sie nur diese mysteriösen Energien, die er nicht sehen konnte, fraß. Daher wusste sie vielleicht gar nicht, welche Tiere Beute waren und welche nicht. "Ja, aber ein Wolf frisst keine anderen Wölfe. Wölfe sind keine Beute. Füchse auch nicht, und Riesenratten ja anscheinend auch nicht. Aber andere Tiere sind Beute. Kaninchen zum Beispiel, oder die unterschiedlichen Horntiere. Oder auch normale Ratten. Beute kann man fressen, dazu ist sie nämlich da. Und die Frage ist jetzt, ob ein Pelzling Beute ist, oder nicht." Er hoffte, sie würde seine Erklärung verstehen. Aber warum sollte sie es nicht? Offensichtlich war ja nur ihr Körper der eines Welpen. Als Syrayn Aryth nach dessen Heimatwelt fragte, hörte Xaron aufmerksam zu, denn er hatte auch noch nichts von Akaera gehört.

Lioku entschied, Aryth etwas Raum zu geben und diesen nicht auch noch zu überfallen, in dem er irgendetwas sagte, worauf dieser reagieren musste, oder etwas fragte. Er lauschte dennoch aufmerksam und konzentrierte sich auf Syrayn und auf das, was dieser über Caeluci gesagt hatte. Licht und Nebel. Lijenna und Aramis und Malumir? Und Aryth kam auch aus Caelcui. Er versuchte sich das alles einzuprägen, um es in Zukunft zuordnen zu können. Dass sein Enkel so neugierig war und alles wissen wollte, gefiel ihm. Es war so wichtig, dass ein Wolf neugierig blieb und Interesse an allem zeigte! Da wurde er doch gleich wieder stolz, auch wenn er wenig dazu beigetragen hatte, dass sein Enkelsohn zu so einem tollen Wolf heran wuchs!

Caisyth war schon so oft gestorben, mittlerweile war das nichts mehr besonderes. Er bedauerte nur, dass er gerade jetzt den flauschigen Körper verlassen musste, schließlich hatte er gerade erst wieder etwas über die erstaunliche Anatomie des Tieres erfahren. Völlig gelangweilt wartete er einen Moment in der Dunkelheit und schlug dann die Augen auf. 'Sehr gut. Wenigstens Augen hat das Viech, in dem ich jetzt wieder feststecke...' Er sah sich um. Er hatte nicht gedacht, dass das möglich war, aber er war jetzt noch kleiner als zuvor im Körper des Pelzlings. Die Gräser ragten meilenweit über ihm in den Himmel. Ah, dort drüben war sein alter Körper. Neugierig krabbelte er näher. So hatte er also ausgesehen. Auch nicht anders als die anderen Pelzlinge. Und wohin war der Mörder verschwunden? Cais schnupperte in die Luft, die ihm sehr viele Dinge erzählen konnte. Es glich einer Geruchsexplosion, und ihm wurde bewusst, dass Pelzlinge keinen guten Geruchssinn hatten. Ah, dort drüben roch es nach Wolf. Offensichtlich machte sich der alte Trottel nicht mal die Mühe, seine Beute eines weiteren Blickes zu würdigen. "Ich muss aber auf jeden Fall zu diesen anderen zurück", piepste Cais zu sich selbst. "Na toll, ich bin ein Mädchen...", sprach sie weiter mit sich selbst. "Diese schreckliche Stimme ist ja so weit entfernt von dem, wie ich eigentlich klinge! Meine Stimme ist tief und beeindruckend!" Sie machte sich in die Richtung auf den Weg, aus der sie zuvor gekommen war. Ohne Propellerbeine war sie nur unglaublich langsam...

Aryth gab sich Mühe, allen gerecht zu werden. Die Frage nach Akaera überraschte ihn kurz. Er merkte einen gewissen Widerwillen, diese Welt, die wie seine Mutter war, diesem wildfremden Wolf zu erklären. Da er aber nicht ergründen konnte, woher diese Regung kam, schob er sie beiseite. "Akaera ist sehr ruhig. Und rot. Dort hat es nur mich gegeben." Ob das wohl als Erklärung ausreichte? Doch da kam schon die nächste. "Hallo. Du bist ein Kisetsu, oder?" Er musste seine Annahme verifizieren.

Mirai lächelte leichthin, als Ceran sagte, dass er das Vergehen eines Filiaden gerne einmal sehen würde. "Es ist ein seltenes Schauspiel, aber vielleicht nehme ich dich irgendwann einmal mit, wenn ich dich in einem entsprechenden Moment finden kann." Sie sagte das nicht nur so dahin. Es lockte oft viele Zuschauer an, wenn ein Filiade seine letzte Reise antrat. Manche wollten aber allein sein, oder im Kreis von Freunden und das würde Mirai immer respektieren. "Wir verlassen das Weltensystem nicht. Wir hören nur auf, als bewusstes Wesen zu existieren. Wir bleiben die Energien die wir waren... die uns ausgemacht, die wir gesehen oder aufgenommen haben. Und sie verteilen sich im Weltenbaum. Wenn wir als Welpen sterben, erreichen wir wie die meisten anderen Seelen die Sternenlande." Ihr Blick glitt kurz über Syrayn und Lioku zu Aryth, dann richtete sich ihre Aufmerksamkeit auf Xaron. "Das ist subjektiv, Xaron. Wenn du eine Ratte fragst, ob sie Beute ist, wird sie wohl kaum zustimmen. Kein Lebewesen wird zustimmen... die wenigsten wollen getötet werden... Kein Kaninchen sieht sich selbst als Beute... sie sind eher froh, dass sie keine Mörder sind, als welche sie dich und deinesgleichen sehen. Wenn du mich fragst, ob ein Pelzling Beute ist, kann ich dir da nicht helfen, du musst das selbst entscheiden. An einem Pelzling ist nicht viel Fleisch, aber du kannst dich davon ernähren. So viel zumindest kann ich dir sagen. Aber ernähren könntest du dich auch von Syrayn oder Lioku, Atsuko oder mir." Es gab nicht viele Wesen, die ihresgleichen fraßen. Das war ihr auch klar. Es war unüblich, fühlte sich widernatürlich an. Sie hatte aber zu viele Wesen kennengelernt um sie einfach nur in Beute und Räuber einzuteilen.

Xaron erinnerte sich so eine Diskussion bereits vor einer gefühlten Ewigkeit mit Katan gehabt zu haben, aber nicht mit dieser Nachdrücklichkeit. Bei Xeria war das alles viel einfacher gewesen, da gab es Tiere die Beute waren, und Tiere, die keine Beute waren. Und Tiere die Beute waren, waren halt dazu da, von Wölfen gefressen zu werden. Er hatte bisher nur nicht versucht, die Welt vom Standpunkt eines Beutetieres aus zu betrachten, sondern nicht einmal angenommen, dass Beute überhaupt so etwas wie einen Standpunkt hatte. "Ist es nicht gefährlich, sich Gedanken darüber zu machen? Ich muss doch etwas fressen. Wölfe können kein Gras fressen, wie Beutetiere. Also müssen wir die Beutetiere fressen. Das ist doch ganz natürlich! Was sollte ich sonst fressen?" Schon nach dem Gespräch mit Katan war ihm eine Weile lang die Lust aufs Jagen vergangen. Nun befürchtete er ernsthaft, dass er womöglich verhungern würde, wenn Mirai ihn tatsächlich davon überzeugen sollte, dass es falsch war, Tiere zu töten.

Mirai betrachtete Xaron ruhig und ernst. "Es ist immer gefährlich, sich Gedanken zu machen. Sich Gedanken zu machen bedeutet meistens, etwas zu hinterfragen und wenn man etwas lange genug hinterfragt und sich Gedanken macht, findet man manchmal heraus, dass man einen Fehler gelebt hat." Sie hielt inne. "Allerdings ist es kein Fehler, sich zu ernähren, um am Leben zu bleiben. Nicht für dich. Das Kaninchen das sterben muss... empfindet es sicher als falsch und der Partner des Kaninchens, seine Geschwister, Nachkommen oder Eltern natürlich auch. Aber für dich sollte es kein Fehler sein, Leben zu wollen. Wenn zu Überleben bedeutet, ein Kaninchen fressen zu müssen, ist es für dich kein Fehler. Es sei denn du bist jemand, der entscheidet, sterben zu wollen, für den Glauben daran, dass du kein Leben mehr nehmen möchtest. Ich bin solchen Seelen schon begegnet." Sie dachte ein bisschen nach. "Nicht nur wenn es um das Jagen und sich ernähren geht... Es gab auch Seelen die auf diese Weise den Weltenkriegen den Rücken gekehrt haben." Ein bisschen traurig wurde ihr Blick, ehe sie sich wieder auf die Gegenwart konzentrierte. "In Gaia ist es - soweit ich weiß - unmöglich für einen Wolf, auf Beutetiere zu verzichten. Aber du bist nicht mehr in Gaia und wenn du hier im Weltenbaum lange genug über etwas nachdenkst und etwas ändern willst, finden die Welten meistens einen Weg, dir zu helfen." Sie lächelte leicht. "Eine Freundin von mir - Lexi - stammte auch aus Gaia und sie hat sich irgendwann auch mit diesen Fragen gestellt. Vielleicht nach einem Leben als Kaninchen... Jedenfalls hat sie verschiedene Körper bewohnt und jetzt ist sie eine Florkane. Das sind Wölfe, die sich von Pflanzen ernähren. Vielleicht bist du Xanthara schon begegnet? Ich glaube, sie hat Kyro gebissen... Florkane sind sehr friedliebend, aber wenn sie jemanden beißen - man nennt es den Kuss einer Florake - kann dieser jemand nicht mehr wütend werden, ohne starke Schmerzen zu spüren. Ich weiß nicht, warum sie Kyro gebissen hat, aber sie hat bestimmt ihre Gründe gehabt, ihm eine solche Lektion zu erteilen. Durch die Pflanzen, von denen sie sich ernährt, ist ihr Speichel wie Gift... nur dass das Gift nicht tötet, sondern das Aggressionspotenzial von bestimmten Seelen im Zaum hält." Sie schüttelte kurz den Kopf. "Wie dem auch sei... Du solltest nie Angst davor haben, dir Gedanken zu machen... denn jede Gewohnheit und jede Gewissheit sollte immer und immer und immer wieder hinterfragt werden. Zumindest von Seelen, die anstreben, mit offenen Augen durch die Welten zu gehen und sich nicht vor Wahrheiten zu verschließen, die sie aus Bequemlichkeit nicht sehen wollen."

Xaron fühlte sich durcheinander, wie so oft, wenn er das Gefühl hatte, mehr auf einmal denken zu müssen, als sein Kopf zuließ. "Nein, sterben will ich nicht." Was Mirai von den Weltenkriegen erzählte klang ebenso interessant wie schrecklich, und wenn er nicht so beschäftigt gewesen wäre, über das Töten von Beute nachzudenken, hätte er bestimmt nachgefragt. So aber hob er es sich für ein andermal auf, falls es später noch eine Gelegenheit dazu geben sollte. "Ich will aber eigentlich meinen Körper behalten. Wenn ich den nicht mehr hätte, wäre ich dann überhaupt noch ich?" Er wollte nicht plötzlich jemand anderes werden. Kyro zum Beispiel. Kyro zu sein war bestimmt nicht schön, da musste man ja immer grummelig und gemein zu anderen sein. "Ja, Xanthara bin ich kurz begegnet, sie hat geholfen, aus Togruduna zu entkommen, nachdem mir dieses Ding, Zion heißt es glaube ich, weh getan hatte." Xaron nahm sich vor, Xanthara möglichst aus dem Weg zu gehen. Er wollte zwar nicht wütend werden, aber er wollte trotzdem lieber nicht von ihr gebissen werden. "Aber Denken kann ganz schön anstrengend sein", meinte er fast ein wenig traurig.

Mirai unterdrückte den Impuls, welpisch zu sein und diese letzte Aussage von Xaron ein bisschen witziger zu finden, als sie war. "Weißt du Xaron, dein Körper ist nur eine Hülle. Wer und was du bist... hat mit deinem Körper wenig zu tun. Du wirst das noch erleben." Sie lächelte aufmunternd. "Natürlich bist du gefährdeter, wenn du ein Kaninchen bist und du musst dann lernen, aufmerksam zu sein, weil du sonst schnell zur Beute wirst... aber dadurch verlierst du nicht unbedingt deinen Charakter, sondern er erweitert sich durch wertvolle Erfahrungen." Sie dachte ein bisschen nach. "Als ich der Atem des Waldes war... war ich über so lange Zeit in mir selbst gefangen. Ich war ich und ich konnte denken, so wie jetzt auch... aber ich konnte mich mit niemandem wirklich unterhalten. Niemand hat mir zugehört, wenn ich gleich einem Windstoß über sein Fell streifte. Ich bin manchmal beinahe verrückt geworden, vor Einsamkeit und Frustration über meinen Fehler... über Jahre konnte ich nichts tun, als nur zu denken und noch mehr zu denken und beobachten... nicht sehend, aber empfindend... Ich wünsche niemandem, in solch ein Dasein zu stolpern und trotzdem haben mich diese Jahre oder Jahrzehnte vermutlich mehr geformt, als alles andere, was ich je erlebt habe. Denn nachdem ich verrückt wurde und zutiefst verzweifelt bin, habe ich doch wieder irgendwie zu mir selbst gefunden. Ich habe Seiten an mir entdeckt, die ich nie zur Kenntnis genommen hatte und ich habe eine Ruhe gefunden, ganz tief in mir drin, die mich einst so erschreckt hat, dass ich dachte, sie würde mein Ende bedeuten. Ich dachte, das ist etwas, das zum Erwachsenwerden dazu gehört und dass ich den nächsten Morgen nicht mehr erleben würde. Aber ich bin nicht erwachsen geworden. Ich weiß nicht genau, ob es daran lag, dass ich es nicht wollte oder... daran, dass die Welten noch andere Pläne mit mir haben. Ich werde immer zum Teil der Atem des Waldes bleiben. Das war alles schon in mir, aber trotzdem wurde es geprägt, durch eine Zeit völliger Isolation, in der ich kaum mit meiner Umwelt in Kontakt treten konnte."

Xaron erschauderte bei der Vorstellung. Er hing sehr an seinem Körper. Wobei er ja noch nie einen anderen ausprobiert hatte. "Was ist der Atem des Waldes?" Es klang jedenfalls schrecklich. "Wenn einem dann so etwas passieren kann, will ich meinen Körper lieber nicht verlassen."

Mirai überlegte ein bisschen, wie sie beschreiben sollte, was der Atem des Waldes war. "Stell dir den Wald als lebendes Geschöpf vor... Zu dem alles gehört, was zu einem Wald gehört. Die Bäume, das Laub, das Moos, die Sträucher, einzelne Grashalme, jedes Blatt... Der Boden selbst... mit jedem Steinchen und alle Gerüche und Geräusche... alle Lebewesen, die einen Wald beheimaten. Und jetzt stell dir diese Summe an Lebewesen vor, als ein großes Ganzes. Die Energie oder das Gefühl... das ist der Atem des Waldes der Welt gewesen. Beinahe wie die Luft und alles, was sie umgibt. Ich war überall, ich war alles... aber ich war nur Gedanken und Gefühle ohne Körper." Sie lächelte leicht. "Keine Sorge... nur unbelehrbare Idioten tappen in solche Fallen..." Sie grinste schief und frech, wie Welpen eben manchmal drein schauten.

Xaron wusste nicht, ob er staunen oder sich gruseln sollte. Ein bisschen von beidem vielleicht. Es war sicherlich unvorstellbar faszinierend, ein ganzer Wald auf einmal zu sein. Aber offensichtlich auch unvorstellbar schrecklich. "Nun, wenn es sogar dir passiert ist, fürchte ich, dass es mir auch passieren kann. Ich habe ja fast noch gar keine Erfahrung mit den Welten und so." Nein, da war es am besten, wenn er er blieb, auch vom Körper her. Selbst wenn das bedeutete, dass er Tiere fressen musste. Aber war es egoistisch so zu denken? "Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich davon halten soll. Das mit den Welten ist schon verwirrend genug, aber wenn ich dabei auch noch meinen Körper tauschen muss ..." er wusste nicht, wie er den Satz beenden sollte, also ließ er ihn unvollendet. Mirai würde ihn hoffentlich auch so verstehen.

Mirai kicherte leise und heiter. "Ich glaube, du bist ein bisschen bequem, Xaron.", verkündete sie dann. "Du bist ganz und gar festgefahren, in allem. Du scheinst ein genaues Bild davon zu haben, wie alles sein muss und alles was davon abweicht, gruselt dich erst einmal. Ich bin sicher, die Welten haben einiges mit dir vor und weißt du was? Ich bin auch davon überzeugt, dass es dir echt gut tun wird! Man sollte nicht so geregelt leben... man sollte nie leben, als wäre irgendetwas unantastbar sicher. So ist das Leben nicht. Und natürlich kannst du versuchen, an allem was du kennst festzuhalten und dich dem verwehren, was du nicht kennst... aber dann betrügst du dich selbst. Das Leben ist Veränderung. Nichts ist dir je gewiss... nichts bleibt für immer... nichts ist in jeden Fall richtig und nichts ist in jeden Fall falsch. Du solltest dich bewegen und du solltest aufstehen, aus deiner bequemen, geregelten, systematischen Position und alles von allen Seiten betrachten und du solltest immer davon ausgehen, dass es noch weitere Seiten gibt, die du gar nicht erdenken kannst..." Sie hielt inne. Das waren ziemlich viele Gebote auf einmal und irgendwie war das unfair. "Wie dem auch sei... versuch einfach ein bisschen loszulassen. Dann kannst du viel mehr lernen und erfahren. Über die Welten, das Leben, dich selbst..." Sie beobachtete die anderen, die Aryth löcherten und lauschte ein bisschen auf das Gespräch und das, worum es gerade ging.

Xaron empfand sich keineswegs als bequem, nur weil er sich nach ein wenig Regelmäßigkeit sehnte, zum Beispiel danach, das Richtig und Falsch ebenso einfach definiert waren, wie es war, diese Worte auszusprechen. War das denn zu viel verlangt? "Wo ich herkam, gab es auch keine Veränderung. Xeria hat mir als ich ein Welpe war erzählt, wie die Welt funktioniert. Und es hat immer gestimmt. Sie hatte immer Recht, darum war sie ja auch Alpha. Bis ich dann erst bei einem anderen Rudel gelandet bin, wo auf einmal andere Regeln galten. Und dann bin ich plötzlich in einer anderen Welt nach der anderen gelandet, und es scheint gar keine festen Regeln mehr zu geben. Und jetzt sagst du mir, dass ich womöglich bald nicht mehr ich bin, zumindest körperlich, sondern vielleicht nichtmal mehr ein Wolf, sondern ein Kaninchen oder gar ein ganzer Wald. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das etwas Gutes sein soll." Aber was, wenn sie doch irgendwie Recht hatte? Vielleicht machte er es sich wirklich zu einfach, auch wenn er komplizierte Sachen nun mal nicht mochte. "Naja, ich glaube, ich muss erst einmal darüber nachdenken. Vermutlich hast du recht: Nachdenken ist nicht falsch." Zumindest vom bloßen Nachdenken war soweit er wusste noch niemand ein Kaninchen geworden. Oder ein Wald. Er folgte Mirais Blick und beobachtete ebenfalls, wie Aryth sich mit den anderen unterhielt.





Geschlecht


Alter


Größe


Status


Charakterbogen


Lu, Kyro, Josh, Lio



07.03.2018 16:33
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Lijenna
Lillyan Caesar






Art
Wolfsträumer

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Mirai blinzelte ein paar Mal, als sie spürte, wie sich ein paar Weltenwechsel ankündigten. Von jetzt auf gleich war ihre Gruppe deutlich überschaubarer als zuvor und bestand nur noch aus Xaron und Aryth, dem Ziehsohn von Malumir, den dieser nun wohl auf Reisen geschickt hatte.

Aryth war es immer noch nicht gewohnt, dass er einfach plötzlich nur noch zu dritt sein konnte, ohne zu wissen, wo die anderen waren und was passiert war. Irritiert blinzelte er kurz, und versuchte sich an die neue Situation anzupassen. "Jetzt sind wir nur noch zu dritt", sprach er das offensichtliche aus.

Xaron bemerkte ebenfalls, wie die anderen verschwanden und außer ihm nur noch Mirai und Aryth zurückblieben. „Ja, leider“, meinte er enttäuscht. Konnten die Welten sie denn nicht einfach mal in Ruhe lassen, statt sie ständig wieder auseinanderzureißen und durcheinanderzuwirbeln?

Mirai nickte Aryth leicht zu. "Drei Wölfe, die sich gemeinsam und gegenseitig etwas beibringen sollen.", hielt sie das für sie ebenso offensichtliche fest und betrachtete dann Xaron, der sich mit Veränderung schwer tat. "Es gibt kein 'leider' im Bezug auf die Lehren, die der Weltenbaum für uns bereit hält." Für sie war das eine unbestreitbare Tatsache. "Es liegt kein 'leider' im Lernen von etwas Neuem, sondern lediglich Erkenntnis. Und Erkenntnis ist immer etwas Gutes." Nur, um Bezug auf die Aussage zu nehmen, mit der Xaron sich zuvor an sie gewandt hatte, bevor die anderen drei verschwunden waren. Ihr Blick glitt zu Aryth. "Malumir hat entschieden, dass es an der Zeit ist, dich auf Reisen zu schicken?"

Aryth sah Xaron an. Was meinte er mit diesem "Ja, leider"? Es kam dem Rüden mit den eisblauen Augen gar nicht in den Sinn, sich über die Welten zu ereifern. Das war alles gegeben und unveränderlich, und außerdem ärgerte er sich ja ohnehin nie. So konnte er nur zustimmend nicken, als Mirai sprach. Er wusste ja, dass er lernen musste. Und Erkenntnis, ja, das war tatsächlich immer etwas Gutes. Für Aryth gab es nichts besseres. Als Mirai ihn ansprach, brauchte er eine Weile um zu realisieren, dass er gemeint war. Dass Wölfe immer denjenigen ansahen, mit dem sie sprechen wollten, daran musste er sich noch hin und wieder erinnern. "Ja", antwortete er. "Aber eigentlich war es ja nicht er alleine, sondern auch Akaera, meine Heimatwelt."

Xaron wunderte es nicht, dass Mirai seine Meinung nicht teilte. Anscheinend hielten alle Wölfe, die sich länger im Weltenbaum aufhielten und insbesondere die Wächter der Torwelten alles, was der Weltenbaum tat für wunderbar. Würde er irgendwann auch so werden? Oder waren sie immer schon so gewesen und der Weltenbaum hatte alle, die sich mit ihm nicht anfreunden wollten, bald wieder zurück nach Hause gebracht? Er hoffte auf letzteres. Nicht, dass es ihm hier grundsätzlich nicht gefiel, aber die ständige Unsicherheit durch den Wechsel zwischen Welten, in denen ganz unterschiedliche Gesetzmäßigkeiten herrschten, überforderten ihn, und die Vorstellung, irgendwann möglicherweise ein Wald zu werden, behagte ihm gar nicht. „Was ist es denn, was ich diesmal lernen soll?“ Er schaute sich um, aber eine offensichtliche Aufgabe konnte er nicht erkennen. Aber das wunderte ihn nicht, denn so einfach war das ja bisher auch nie gewesen.

Mirai wusste nicht viel über Akaera, aber sie hatte den Namen einmal von Malumir gehört. Und dieser hatte den Namen dann wohl von Aryth erfahren. "Dennoch verweiltest du eine ganze Weile an Malumirs Seite.", stellte sie fest, ehe sie zu Xaron zurück blickte. "Was es zu lernen gilt, weißt du in dir und der Weltenbaum in allem." Sie selbst konnte die Frage nicht beantworten.

Aryth folgte Xarons Blick, als er sich umsah, sagte aber nichts. Er wusste nichts, und er war auch noch nicht in so vielen Welten gewesen, als dass er Erfahrung mit den Aufgaben der Welten hätte. "Ja. Er war lange in Akaera. Wie lange kann ich dir nicht sagen, da es dort keine Zeit gibt."

Xaron hatte es befürchtet: Es war wirklich nicht so einfach. „Wenn ich das wüsste, dann müsste ich es doch nicht mehr lernen? Und wenn der Weltenbaum es wüsste, könnte er es mir doch bestimmt einfach sagen, damit ich es auch wüsste?“ Es blieb ihm wohl nichts anderes übrig, als das zu tun, was er bisher auch getan hatte. „Also muss ich abwarten, bis der Weltenbaum sich entschließt, dass ich genug gelernt habe, und mich in die nächste Welt lässt.“ Die vielleicht auch nicht besser war als diese. „Wie ist Akaera so?“, wechselte er das Gesprächsthema. Wenn er schon ihr warten musste, konnte er zumindest Aryth ein bisschen besser kennen lernen. Mehr gab es hier anscheinend ohnehin nicht zu tun.

Mirai nahm zur Kenntnis, was Aryth ihr mitteilte, wandte sich dann aber wieder der Ahnungslosigkeit von Xaron zu, die mehr Aufmerksamkeit forderte, als Aryth, der bereits von Malumir geschult worden war. "Es geht nicht darum zu wissen, was die Antwort dessen ist, was du lernen sollst. Es geht darum zu wissen, wie die Frage lautet. Die trägst du in dir, bewusst oder unbewusst und sie ist es, die dich hier her geführt hat.", erklärte sie. "Der Weltenbaum weiß es gewiss, deshalb bist du hier, weil du es hier lernen kannst. Auf diese Weise präsentiert er dir die Antwort, aber mit dir sprechen wird er nicht." Die Feststellung ließ sie mal so stehen und gab Aryth die Möglichkeit, von Akaera zu erzählen.

Aryth dachte über die Worte Mirais nach. Eine Frage in sich drinnen. Er bestand ja fast nur aus Antworten - und sonst nichts. Das würde schwierig werden. Beinahe erleichtert wandte er sich einfacheren Themen zu und begann zu erklären: "Akaera ist eine rötliche Welt. Dort gibt es niemanden, keine Tageszeiten und eigentlich auch sonst nicht viel. Es ist still." Was könnte denn sonst noch von Interesse sein für den anderen Wolf? Aryth fiel es sehr schwer, sich in Xaron hineinzuversetzen.

Xaron verstand nicht alles, was Mirai sagte, aber das hatte er auch nicht erwartet. „Es ist also mal wieder kompliziert. Ich muss eine Frage finden, und dann erst die Antwort darauf, vielleicht auch andersherum. Und all das, ohne dass mir jemand sag wie das geht. Ich habe gehofft, nachdem ich jetzt schon in einigen Welten war, würde ich es verstehen, aber für mich fühlt es sich immer noch nach reinem Zufall an, wann ich wo lande und wie lange ich da bleibe.“ Er seufzte. Es war nicht so, dass er Mirai die Schuld daran gab, denn sie konnte vermutlich auch nichts dafür, dass der Weltenbaum so war, wie er war. Aber unzufrieden war er trotzdem. „Ist es dann nicht fürchterlich langweilig in Akaera? Bist du darum da weg gegangen?“

Mirai lauschte der nicht sehr umfangreichen Beschreibung von Akaera und lachte innerlich - ohne die ernste Miene zu verziehen - über Xarons vorhersehbare Reaktion. "Ich vermute, es liegt auch ein 'komplizierter' - um es mit deinen Worten auszudrücken - Sinn in der scheinbaren Leere von Akaera, wie du, wenn du etwas aufmerksamer gewesen wärst, vermutlich durchschaut hättest.", kritisierte sie die abwertende Frage. "Ich habe dir bereits mitgeteilt, wie du diese Welt wieder verlassen kannst. Du musst die richtige Frage in dir finden, deren Antwort du in dir selbst benötigst. Das ist weniger kompliziert, wenn man sich selbst kennt."

Aryth hatte nie darüber nachgedacht, ob Akaera 'langweilig' war. "Ich glaube, Langeweile ist relativ. Mir war noch nie langweilig, weil ich keinen Bezug habe. Das Leben auf Akaera war normal, ich habe nichts anderes gekannt." 'Und mich selbst kenne ich auch nicht', fügte er in Gedanken hinzu. Es war für ihn immer noch ein seltsames Gefühl, sich selbst überhaupt als Individuum wahrzunehmen, und das tat er wohl auch noch nicht so sehr wie andere.

Xaron hatte sich schon gedacht, dass es komplizierter war, aber er verstand nicht, was Mirai mit ihrer Anmerkung meinte. Wieso war es unaufmerksam, wenn er sich für die Welt eines anderen interessierte? Aber nachzufragen wäre vermutlich wieder als Zeichen der Unaufmerksamkeit gewertet worden. Dabei sollte er doch etwas lernen, und dazu musste man Fragen stellen, wenn einem keiner von sich aus etwas erzählen wollte, oder? „Ich weiß nicht, ob ich mich selber kenne“, meinte er zweifelnd, ohne zu wissen, dass Aryth gerade dasselbe dachte. „Vielleicht muss ich mich ja kennen lernen? Aber wie macht man das? Ich kann mir ja nicht selbst erzählen, wie ich bin, oder?“ Doch, das war sehr kompliziert. „Vermutlich ist für jeden normal, was er aus seiner Heimatwelt gewohnt ist“, meinte er schließlich zu Aryth. „Vielleicht wäre Gaia ja viel zu chaotisch für jemanden, der es anders gewohnt ist. Oder zu groß, oder sonst wie falsch. Nur für mich ist es gerade richtig, und darum will ich wieder dahin zurück.“

Mirais Augen bewegten sich von Aryth zu Xaron und wieder zurück und wieder zu Xaron und... Etwas hatten beide Wölfe gemeinsam. Sie waren sehr unerfahren. Wobei einer davon unerfahren und unwissend war. "Sich selbst kennenzulernen ist immer ein Wechselspiel zwischen der einen Reflexion und dem sich im Gegenüber wiederfinden.", erklärte sie, ohne die weiteren Worte zu kommentieren, von denen sie fand, dass sie nur an Aryth gerichtet worden waren. "Du warst der einzige Wolf in Akaera, Aryth?"

Aryth nickte nur wieder zustimmend. Er war sich nicht sicher, welche Absichten Xaron verfolgte mit diesen relativierenden Aussagen, und so schwieg Aryth lieber. Und er wusste auch nicht, wie er sich selber finden konnte, nur, dass es in seiner Vorstellung wesentlich passiver aussah und nicht mit Selbstgesprächen verbunden war. Als Mirai dann erklärte, wie man sich selbst finden konnte, wusste Aryth entgültig, dass das für ihn ein sehr langer Weg werden würde. Er erkannte Reflexionen nicht mal als solche, wenn er sie sah. "Ja, ich war der einzige", sagte er schlicht. Die Erinnerung an dieses beinahe körperlose Dasein erschien ihm unglaublich weit weg und gleichzeitig hatte er das Gefühl, dass ein großer Teil seiner selbst immer noch so dahinvegetierte.

Xaron verstand mal wieder nicht wirklich, was Mirai von ihm verlangte. „Das klingt wieder sehr kompliziert. Das heißt, ich kann mich alleine gar nicht kennen lernen, ich brauche jemand anderen dazu?“ Nun immerhin war er gerade nicht alleine, aber so sorgfältig er Mirai und Aryth auch betrachtete, viel von sich fand er in ihnen nicht wieder, zu unterschiedlich waren sie sich, von den trivialen Gemeinsamkeiten, wie dass sie alle Wölfe waren, mal abgesehen. „Wenn du der einzige warst, wo waren dann deine Eltern?“ Dann fiel ihm etwas ein, und nach einem kurzen Blick zu Mirai setzte er schnell eine weitere Frage hinzu: „Hattest du überhaupt Eltern?“

Mirai deutete mit dem Kopf eine vage Zustimmung auf Xarons Frage an, die aber auch einen Widerspruch beinhaltete, den sie für den Augenblick nicht weiter artikulierte. Sie ließ Xaron weitere Fragen stellen und beschränkte sich zunächst darauf, Aryths Antworten zu lauschen, den sie dabei aufmerksam und mit ernstem Gesichtsausdruck musterte.

Aryth murmelte zustimmend: "Ja, sehr kompliziert." Mit unbewegtem Ausdruck hörte er Xaron zu und antwortete dann auf seine Frage: "Nein, ich habe auch keine Eltern, zumindest wahrscheinlich nicht so wie du dir das vorstellst." Er verstand aber auch nicht, warum dieses Thema so wichtig war. "Ich wurde von Akaera aufgezogen, und Malumir hat mir vieles erklärt."

Xaron wurde klar, dass es anscheinend längst nicht selbstverständlich war, Eltern zu haben. „Früher hätte ich nie gedacht, dass so etwas überhaupt möglich ist. In Gaia hat jeder Wolf eine Mutter und einen Vater, niemand entsteht einfach so. Ich glaube, das ist in Gaia bei allen Tieren so. Aber mittlerweile habe ich das Gefühl, dass das ungewöhnlich ist, denn in vielen Welten scheint es anders zu funktionieren.“ Da hatte er doch zumindest etwas gelernt, oder? Er schaute sich um, doch die Welt machte keine Anstalten zu verschwinden und der nächsten Platz zu machen. Offensichtlich war es nicht das, was er hatte lernen sollen. Schade. Nicht, dass er davon ausging, die nächste Welt wäre besser, aber wenn der Weltenbaum ihn nach einer gewissen Anzahl von Welten tatsächlich wieder nach Gaia zurückkehren lassen würde, wäre er dann zumindest eine Welt näher an Gaia.

Mirai ließ sich das mit den Eltern eine Weile durch den Kopf gehen. "Die meisten Wesen im Weltenbaum haben ebenfalls Eltern... Darunter versteht man ein Paar derselben Art, welches sich zu der Art zugehörigen Zeit miteinander vereint, wodurch eine Befruchtung stattfindet und nach einer artspezifischen Weile Nachkommen entstehen.", merkte sie an. "Manche Eltern kümmern sich dann um ihren Nachwuchs, andere, die keine Elternrolle übernehmen, haben ihre Aufgabe erfüllt, wenn die Nachkommen geschlüpft sind, oder zur Welt kamen."

Aryth wusste, dass die meisten Eltern hatten - Akaera hatte es ihm erzählt. Und eigentlich hatte er auch nicht die Gewissheit, wirklich keine Eltern zu haben. Es war nur ein dumpfes Gefühl, aber er war sich einfach nicht sicher, ob er wirklich aus Akaera entstanden war. Doch er konnte mit dieser Überlegung nichts anfangen, und auf die Idee, sie mit den anderen zu teilen, kam er auch nicht.





Geschlecht


Alter


Größe


Status


Charakterbogen


Lu, Kyro, Josh, Lio



19.04.2018 10:17
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Lijenna
Lillyan Caesar






Art
Wolfsträumer

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Xaron war beruhigt, dass es im Weltenbaum doch nicht so ungewöhnlich war, Eltern zu haben, wie er befürchtet hatte. Die doch sehr technische Beschreibung schien ihm allerdings einen wesentlichen Aspekt zu vernachlässigen. „Du vergisst, dass das auch eine emotionale Sache ist. Es gibt vermutlich keine engere Beziehung als zwischen einer Mutter und ihren Welpen. Meine Mutter war der wichtigste Wolf für mich, sogar noch wichtiger als meine Alpha Xeria, obwohl sie nur eine minderwertige Omega-Fähe war. Sie hat sich um mich gekümmert und mich lieb gehabt, obwohl sie wegen mir viel Ärger hatte. Und ich vermisse sie sehr und hoffe, sie irgendwann wiederzusehen, auch wenn ich es mittlerweile nicht mehr glaube.“ Erst als er es aussprach, wurde Xaron wirklich klar, dass er seine Mutter wohl nie wieder sehen würde, und das erfüllte ihn mit tiefer Traurigkeit. Dennoch fuhr er nach einer kurzen Pause fort: „Wenn ich jemals Vater werden sollte, werde ich mich um die Welpen kümmern, so gut ich kann. Auch wenn eigentlich vor allem die Fähen für den Nachwuchs zuständig sind und sich mein Vater leider überhaupt nicht für mich interessiert hat.“

Mirai beobachtete, wie Aryth still blieb und blickte sogleich wieder zu Xaron, während dieser sie zu berichtigen versuchte. "Ich fasste die emotionalen Aspekte kurz zusammen, in dem ich sagte, dass sich manche Eltern um ihre Welpen kümmern.", erklärte sie. "Da dieses 'Kümmern' so viele Gesichter wie Mütter und Väter hat, ging ich nicht genauer darauf ein, um den Rahmen nicht zu sprengen."

Aryth hörte aufmerksam zu. Er wusste, dass sich Eltern oft um ihre Welpen kümmerten, aber er hatte die Tragweite dieses Begriffs nicht erkannt. Anders als für Mirai, hatte er das "kümmern" eher auf einer körperlichen Ebene begriffen, nicht auf der emotionalen, so wie Xaron. Diese neue Information warf natürlich Fragen auf. Er hatte immer gedacht, dass er Eltern hatte, doch er hatte nicht das Gefühl, eine "Beziehung" zu jemandem zu haben. War Akaera wirklich seine Mutter? Oder hatte sie ihn nur hervorgebracht?

Xaron war mit Mirais Erklärung weiterhin nicht zufrieden. „Ich glaube nicht, dass man das so zusammenfassen kann. Eltern sein bedeutet doch mehr als sich bloß zu kümmern.“ Aber vermutlich konnte Mirai das ganz einfach nicht nachvollziehen. Sie hatte keine Eltern gehabt und würde auch nie Welpen haben können, da das bei ihrer Art ja anders funktionierte. Wie sollte sie da verstehen, was es bedeutete, Eltern zu sein oder Eltern zu haben?

Mirai sah Xaron eine Weile an, als erwarte sie, dass dieser von selbst zu einer weiterführenden Erkenntnis kam, doch letztlich erklärte sie: "Für dich. Für dich und deine Art vielleicht. Ich spreche für alle Arten im Weltenbaum. Für die verschiedensten Wesen, in verschiedensten Konstruktionen." Sie ließ den Blick kurz aufmerksam durch den Wald schweifen, in sich hinein lauschend und gleichzeitig dem Weltenbaum zuhörend. Es war allerdings kein weiterer Besucher nach Acuri gekommen. "Ich halte 'kümmern' außerdem für einen Begriff der sehr weit gefächert ist, aber immer über Pflichterfüllung hinaus geht und somit Liebe beinhaltet und dadurch ohnehin dem gleicht, was du für die Art von elterlicher Beziehung zu ihren Nachkommen als richtig erachtest."

Aryth erkannte, dass die beiden zu einem Punkt gekommen waren, an dem er einfach nicht mehr mitreden konnte. Er wusste, das Liebe ein "starkes Gefühl der Zuneigung" war, doch er konnte nicht mal sagen, was Zuneigung war. Also beschloss er einfach zuzuhören, in der Hoffnung, dass ihm vielleicht ein Licht aufgehen würde

Xaron verstand nicht, worauf Mirai hinaus wollte. „Natürlich geht es um Wölfe, schließlich sind wir Wölfe. Wie es bei anderen Arten ist, weiß ich nicht, auch wenn ich glaube, dass sich die meisten Tiere um ihren Nachwuchs kümmern. Aber zumindest bei Wölfen ist es mehr als das.“ Er folgte ihrem Blick, als sie sich umschaute, konnte jedoch nichts entdecken. „Nun, dann haben wir vielleicht einfach unterschiedliche Vorstellungen davon, was das Wort ‚kümmern‘ bedeutet.“

Mirai schüttelte ihren Pelz und damit ihren Kopf. "Wir sprachen über Eltern. Eltern sind nicht signifikant für Wölfe.", berichtigte sie. "Du sagtest, in Gaia haben fast alle Tiere Eltern und ich führte fort, dass das auch im Weltenbaum der Fall ist. Wir sprachen nie nur von Wölfen, aber die ganze Zeit von Eltern." Die restlichen Worte waren für sie eine Feststellung des Offensichtlichen, sodass sie dies unkommentiert ließ.

Aryth hatte das Gefühl, dass Mirai und Xaron ein wenig zu verbissen auf dem Thema herumritten. Es entsprach nicht seinen Vorstellungen eines Gesprächs und passte irgendwie nicht mit seinen Regeln zusammen, die er gelernt hatte. Was bedeutete das? Er durchforstete sein Gedächtnis, und erinnerte sich daran, dass ein "Streit" solche Merkmale haben konnte.

Xaron schüttelte sich ebenfalls. Warum musste Mirai ständig so komplizierte Wörter wie ‚signifikant‘ verwenden? Nicht das Xaron nicht verstand, was sie meinte, aber ein normaler Wolf redete doch nicht so, oder? „Aber wir sind Wölfe, daher kann man doch davon ausgehen, dass es in erster Linie um Wölfe geht, wenn wir uns unterhalten, oder?“ Aryth ignorierte er mittlerweile vollkommen, da dieser keine Anstalten zu machen schien, sich irgendwie am Gespräch zu beteiligen.

Mirai betrachtete Xaron ohne Emotion. "Nicht, wenn wir von Tieren und Wesen im Allgemeinen sprachen. Die logische Konsequenz aus einer Unterhaltung über Tiere und Wesen ist nicht Wölfe."

Aryth hatte kein Bedürfnis, sich in diesen "Streit" einzubringen. In seinem Kopf war gespeichert, dass dies Kommunikationsform nicht wünscheswert war, und deshalb steuerte er auch nichts dazu bei.

Xaron schüttelte sich erneut. Mirai wurde ihm langsam zu kompliziert. „Es gibt schon in Gaia viel mehr Tierarten als ich kenne, und im Weltenbaum gibt es bestimmt noch viel mehr. Wir können doch nicht über alle gleichzeitig reden. Aber bei den meisten wird es wohl ähnlich wie bei Wölfen sein.“ Nach einer Pause fuhr er fort: „Ich glaube, es bringt nichts, weiter darüber zu diskutieren. Ich glaube, wir haben einigermaßen geklärt, wie Eltern sind, jedenfalls bei Wölfen.“ Er entschied sich das Thema zu wechseln. „Gibt es hier Beute, die man jagen könnte? Wenn ich länger hier bleiben muss, bekomme ich bestimmt Hunger.“ Er bezweifelte, dass er wie Mirai von Energien leben konnte, zumal er nicht einmal wusste, was das überhaupt war. Schließlich fiel sein Blick auf Aryth. „Wovon ernährst du dich eigentlich? Frisst du Beute wie ich oder Energien wie Mirai?“

Mirais Gesicht zeigte keine Regung. "Wenn du sagst, dass es bei den meisten wohl ähnlich ist, wie bei Wölfen, sprichst du doch auch über mehr Tierarten, als du kennst und über fast alle gleichzeitig. Du widersprichst dir selbst.", hielt sie neutral fest. "Wieso reden wir über die meisten Tiere, wenn wir nicht über die meisten Tiere gleichzeitig sprechen können?" Als Xaron fortfuhr und ergab das ganze Gerede noch weniger Sinn. "Ich glaube, im Großen und Ganzen hast du uns erklärt, wie deine Eltern sind und daraus schlussfolgere ich, dass du findest, dass Mütter so sein sollen wie deine Mutter und Väter nicht so sein sollen, wie dein Vater. Dabei haben wir aber nicht über Eltern im Allgemeinen gesprochen, sondern über deine Eltern. Zuletzt sprach ich über Eltern im Allgemeinen, als ich erklärte, dass sich manche Eltern um ihre Nachkommen kümmern und andere nicht. Ich bezog das nie auf Wölfe, da es bei den meisten Wölfen so ist, dass die Eltern ihre Nachkommen aufziehen. Aber die meisten Wölfe trifft auf uns drei nicht zu, da weder Aryth noch ich Eltern haben. Dabei ist sicher, dass ich keine Eltern habe und bei Aryth ist sicher, dass er einen Ziehvater hat."

Aryth erkannte, dass Xaron und Mirai einandern nicht verstanden. Wobei er selbst das Gefühl hatte, bei beiden zu erkennen, was sie sagen wollten. Als Xaron das Thema wechselte, war er kurz etwas erstaunt. Er hätte nicht gedacht, dass man das in einer Konversation einfach so machen konnte - ein Thema beenden, ohne, dass es geklärt war. Aber warum eigentlich nicht? "Ich bin mir noch nicht sicher", antwortete er artig auf Xarons Frage. Das stimmte wirklich - in Akaera hatte er nichts gefressen, allerdings verfügte er über ein breit gefächertes Wissen über verschiedene Tiere und was davon genießbar war und was nichts, was ihn ganz stark vermuten ließ, dass er in anderen Welten wohl doch Nahrung zu sich nehmen musste. Dass Mirai nicht auf Xarons Frage antwortete war für ihn ein weiteres Indiz, dass er gerade einem Streit beiwohnte. "Kommunikationsverweigerung", hieß es da in seinem Kopf.

Xaron ärgerte sich ein wenig, das Mirai seinen Versuch, das Thema zu wechseln, einfach ignorierte. „Ich sagte, dass ich vermute, dass es so ist. Aber wissen kann ich es natürlich nicht, weil ich nicht alle Tiere kenne. Aber warum sollte es bei anderen Tieren anders ein als bei Wölfen?“ Er glaubte, dass Mirai die Reihenfolge, wer was wann gesagt hatte, durcheinander brachte, denn er war sich sicher, dass sie das Thema irgendwie angefangen hatte. Aber leider war sein Gedächtnis dann doch nicht so gut, dass es ihm erlaubt hätte, ihr mit letzter Gewissheit zu widersprechen, und darum tat er es nicht. „Es ist aber auch sicher, dass ich Eltern habe. Daher bin ich vermutlich von uns dreien derjenige, der am meisten Erfahrung damit hat.“ Das klang für ihn sehr schlüssig. Er wandte sich wieder Aryth zu und schaute diesen ungläubig an. „Wie kann man nicht wissen, wovon man sich ernährt? Wenn das so ist, solltest du es besser schnell herausfinden, bevor du verhungerst, nur weil du nicht weißt, was du fressen kannst.“

Mirai konnte nicht anders, als Xaron zu widersprechen, weil das was er sagte, so nicht stimmig war. "Du bist der, der Erfahrung damit hat, Eltern zu haben.", bestätigte sie zunächst und fragte dann weiter: "Doch bedeutet Eltern zu haben gleichzeitig, viel über Eltern im Allgemeinen zu wissen? Wie alt bist du, Xaron?" Rhetorische Frage. "Zwei Jahre? Gerade dem Alter des Heranwachsenden entwachsen und vielleicht kurz davor geschlechtsreif zu werden?" Sie wartete auf keine Antwort, da für ihren Vergleich, den sie anzuführen gedachte, ein oder zwei oder drei Jahre keinen Unterschied machten. "Ich bin viele, viele Jahrzehnte alt. Ich habe keine Eltern und keine Erfahrung darin, Eltern zu haben, aber ich habe viele Eltern erlebt. Was denkst du, wer kann mehr über Eltern sagen? Der, der seine eigenen Eltern kennt oder der, der hunderte von Eltern kennt?" Es war eine neutrale Frage, mit einem Hauch Philosophie. Erkannte Xaron das?





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Lu, Kyro, Josh, Lio



04.05.2018 19:00
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Lijenna
Lillyan Caesar






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Wolfsträumer

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Aryth fand den Gedanken, zu (ver)hungern irgendwie interessant. Wenn er es sich so überlegte, hatte er noch nie ein ernsthaftes Hungergefühl verspürt, was allerdings definitiv eine der Erfahrungen war, die er unbedingt mal machen wollte. Schließlich starben Tiere an diesem Gefühl, wenn sie es zu lange ertragen mussten. "Ich weiß, was ich fressen kann: das gleiche wie ihr auch." Diese Information hatte er von Akaera erhalten. Beinahe fasziniert nahm er wahr, wie Mirai einfach nicht aufhören wollte, über Eltern zu sprechen - es widersprach einigen Kommunikationsregeln und war demnach als schlecht einzustufen. Trotzdem zeigte Mirai auf keine Aryth bekannte Art, dass ihr dieser offensichtliche Regelverstoß unangenehm war.

Xaron fiel wieder ein, wie alt Mirai war. Man vergaß es so leicht, da sie ja wie ein Welpe aussah. Eigentlich, das wusste er, hätte er einem so alten Wolf höchsten Respekt entgegenbringen müssen. Dennoch konnte er sich mit ihrer Argumentation nicht anfreunden. „Bloß, weil man es beobachtet hat, weiß man doch nicht, wie es sich anfühlt. Das ist, als wenn ich behaupten würde, ich hätte mehr Ahnung vom Fliegen als ein Vogel, weil ich ja schon ganz viele Vögel beim Fliegen beobachtet habe.“ Was er tatsächlich von Vögeln hielt, verschwieg er unterdessen lieber, da sich Mirai bestimmt nur lustig darüber gemacht hätte. Und wenn er gewusst hätte, dass Aryth Hunger für eine interessante Erfahrung hielt, hätte er ihn für vollkommen verrückt erklärt, war es doch eine große Sorge eines jeden Tieres, genug zu Fressen zu finden. So aber wunderte er sich nur über dessen anscheinend recht naiven Umgang mit so wichtigen Informationen wie was man fressen könnte. „Wir fressen aber ganz unterschiedliche Dinge. Mirai frisst Weltenenergie, und ich weiß nicht mal, was das wirklich ist. Ich hingegen fresse Beutetiere. Kannst du beides fressen?“

Mirai betrachtete Xaron neutral. "Wieso sprichst du nun von Gefühlen? Wir sprachen doch von Eltern im Allgemeinen. Vom Kümmern und Nichtkümmern und nicht davon, wie es sich anfühlt. Dann sprichst du nur wieder von dir und deinen Eltern, nicht aber von Eltern im Allgemeinen." Aber es hatte wohl keinen Sinn, das Thema weiter zu vertiefen. Xaron widersprach sich die ganze Zeit selbst und fügte immer wieder Elemente ein, die nichts mit dem zu tun hatten, wovon sie eigentlich gesprochen hatten. Sie ließ die beiden Rüden nun also über Beute sprechen.

Aryth erkannte, dass er sich unklar ausgedrückt hatte. "Ich wollte eigentlich sagen", versuchte er sich verständlich zu machen, "dass ich das gleiche wie die Wölfe von Gaia fresse. Mit 'ihr' habe ich also dich und deine Rudelmitglieder gemeint. Ich fresse also auch Beutetiere, so wie du." Er hoffte, das Missverständnis damit geklärt zu haben. Dieses dauernde Hin und Her zwischen Eltern und Beute machte ihn unsicher, er konnte seine Gesprächsregeln nicht mehr souverän anwenden. Sollte er vielleicht nichts mehr sagen, bis das Gespräch sich vereinfacht hatte?

Xaron verstand Mirai immer noch nicht. Er hatte das Gefühl, dass sie die ganze Zeit aneinander vorbei redeten, aber er wusste nicht, warum. „Eltern sein hat aber sehr viel mit Gefühlen zu tun! Eltern kümmern sich um ihren Nachwuchs, weil sie ihn lieben! Und sie werden vom ihm ebenso geliebt.“ Womöglich konnte Mirai das einfach nicht verstehen, weil sie keine Eltern hatte und auch nie Nachwuchs haben würde. Vielleicht hatte sie daher gar nicht die Fähigkeit, solche Gefühle nachzuvollziehen. Arthys Antwort schien ihm dagegen eindeutig. „Ach so, dann sind wir uns vermutlich doch gar nicht so unähnlich.“ Es schien ihm fast schon ungewöhnlich, dass ein anderer Wolf ähnliche Ernährungsgewohnheiten hatte wie sie, statt Pflanzen oder gar Energien zu fressen. Erst mit ein wenig Verspätung kam er dann doch wieder ins zweifeln. „Und du weißt auch, was für Tiere das sind? Es sind nämlich nicht alle essbar.“ Die meisten waren es natürlich, aber ganz sicher nicht alle.

Mirai seufzte schwer und ließ sich platt auf den Boden fallen. "Manche Eltern. Nicht alle. Man kann das nicht allgemeingültig sagen, weil Eltern ganz unterschiedlich sind." Sie schielte auf das Laub direkt vor ihrer Nase und pustete beim zweiten Seufzen hinein. Xaron war ein doofer Spielgefährte. Sollten sich die Rüden miteinander beschäftigen, sie hatte jetzt Pause.

Aryth beschloss, seinen Plan in die Tat umzusetzen. Glücklicherweise sendete Mirai bei ihrem nächsten Konversationsbeitrag eindeutige Signale, die besagten, dass sie fürs erste nicht mehr daran dachte, weiter an dem Gespräch teilzunehmen. Zumindest wertete Aryth ihre Reduktion körperlicher Präsenz, die sich in einer Veränderung ihrer Körperlage ausdrückte, so. Dadurch war es ihm wieder möglich, einen besseren Überblick zu behalten und er erlaubte es sich, auf Xarons Frage zu antworten. "Ich kann sowohl Großwild als auch Kleinwild zu mir nehmen. Ein Beispiel für ersteres wären Rehe, Hirsche oder auch Wildschweine; zur zweiten Kategorie werden beispielsweise Hasen gezählt. Das sind zumindest klassische Tiere, die ich fressen kann. Es kann jedoch auch sein, dass ich weniger gaiatypische Tiere auch fressen kann - so wie du eben auch."

Xaron wurde klar, dass sich das Gespräch im Kreis drehte. So viele Eltern, wie es gab, konnte man unmöglich eine Aussage machen, die wirklich alle betraf, aber man konnte eben doch beschreiben, was Eltern im Normalfall ausmachte. Mirai schien das einfach nicht zu verstehen, und nun auch keine Lust mehr an der Diskussion zu haben. Einerseits fand Xaron das schae, aber andererseits war er auch zu der Ansicht gelangt, dass eine weitere Fortsetzung des Gesprächs rein gar nichts mehr gebracht hätte. Er hatte ja selbst schon das Thema wechseln wollen: Dennoch konnte er sich nicht verkneifen, das letzte Wort zu haben: „Nicht alle, aber bei den meisten ist es so.“ Dann wandte er sich vollends Aryth zu. „Also ist es wirklich wie bei mir.“ Gewisse Restzweifel blieben, denn Aryths Antwort klang irgendwie, als hätte er sie auswendig gelernt, ohne sie wirklich zu verstehen. Aber er wusste nicht, wie er diese Gedanken sinnvoll in Worte hätte fassen können, daher behielt er sie vorerst für sich, und wandte sich dem nächsten Schritt zu. „Und wie man diese Tiere jagt, weißt du auch schon?“ Schließlich half es ja nichts, wenn er wusste, was er fressen könnte, aber nicht genug davon erlegen konnte.

Mirai reagierte nicht mehr auf die Worte von Xaron, der nur seine Eltern kannte und von sich auf die Welt schloss. Mit solchen Denkweisen konnte sie wenig anfangen, dazu hatte sie zu viel gesehen. Sie ließ das Jungvolk Jungvolk sein und dachte eine Weile über das Erlegen von Beute nach. Sie brauchte diese Art der Energiezuführung nicht und konnte ihr nichts abgewinnen. Es kam aber vor, dass Filiaden gezwungen waren, Mäuse zu fressen. Oder ähnlich große Tiere.

Aryth fragte sich kurz, ob er Mirais Zeichen falsch gedeutet hatte, da Xaron schon wieder antwortete. Danach wandte er sich allerdings so demonstrativ Aryth zu, dass dieser hoffen konnte, doch richtig geurteilt zu haben. "Malumir hat mir das Jagen gezeigt. Allerdings bin ich nicht gut darin." Aryth sah das als Selbstverständlichkeit an - Wölfe auf Gaia hatten ihre ganze Jugend, um das Jagen zu erlernen, er hatte nur einen Bruchteil dieser Zeit gehabt. So gesehen war es nur logisch, dass er diese Fähigkeit nur unvollständig beherrschte.

Xaron nickte Aryth zu. Das war eine vernünftige Antwort. Er hatte schon befürchtet, Aryth würde ihm einen theoretischen Vortrag über sämtliche Jagdtechniken halten, ohne dabei zu verstehen, dass ihm das ohne Praxiserfahrung nicht allzu viel nützte. Stattdessen räumte der Rüde aber sogar ein, nicht allzu gut darin zu sein. „Mach dir nichts draus, das ist eine Frage der Übung. Ich bin auch nicht der beste Jäger, aber es reicht, um zu überleben. Und wenn wir eine passende Welt mit viel Beute finden, können wir gerne zusammen üben, wenn du möchtest.“

Mirai befand, dass zumindest das ein sinnvoller Vorschlag war. Zumindest wenn Xaron besser jagen, als denken konnte. Sie lachte in sich hinein, über diese spitzfindige Fiesheit und schämte sich kurz, ehe sie sich wieder amüsierte.

Aryth wusste nicht wirklich, was er mit diesem Angebot anfangen sollte. War es ein Versuch, Aryth nützlicher zu machen, um so die Überlebenschancen der Gruppe zu erhöhen? Oder lag Xaron aus irgendwelchen Gründen was daran, dass Aryth nicht starb? Wie dem auch sei, es war wahrscheinlich nicht schlecht, besser jagen zu lernen, und Aryth war sich bewusst, dass er das in praktischen Übungen erlernen musste, da es ihm hauptsächlich an Reflexen mangelte und weniger an theoretischem Wissen. Was ihn an dem Angebot auch irritierte war dieses wenn du möchtest' am Ende. Aryth wollte nichts. Musste er nun die Wahrheit sagen (nämlich dass er das nicht unbedingt wollte, genauso wie er es nicht nicht wollte), oder konnte er diesen Nachsatz einfach außer Acht lassen? Er entschied sich am Ende für ein diplomatisches "Das wäre wohl recht nützlich". Aus dem Augenwinkel bemerkte er, dass sich Mirai irgendwie seltsam benahm, doch er konnte sich gerade nicht auf zwei Dinge gleichzeitig konzentrieren - nicht, wenn beides eher komplexe Angelegenheiten waren.

Xaron warf einen kurzen Seitenblick auf Mirai, die den Eindruck machte, als fände sie irgendetwas an dem, was er gesagt hatte, äußerst amüsant. Er ging seine Worte noch einmal in Gedanken durch, aber er fand nichts, was witzig oder auch nur fürchterlich dumm gewesen war. Nun ja, er war es gewohnt, das sich andere Wölfe manchmal ohne erkennbaren Grund über ihn lustig machten, also beschloss er, es zu ignorieren. Aryth schien allerdings von seinem Vorschlag weniger begeistert, als erwartet. Xaron hatte angenommen, dass er sich freuen würde, seine Fähigkeiten womöglich bald üben und verbessern zu können, doch anscheinend schien Aryth nicht wirklich daran interessiert, Jagen zu üben. „Wir müssen es auch nicht tun, wenn du nicht willst. Ich denke nur, es wäre für uns beide von Vorteil und würde bestimmt auch Spaß machen.“

Mirai schielte vom Boden, auf dem sie lag, zu den beiden Rüden nach oben und amüsierte sich prächtig. Es war doch irgendwie spannender, einfach nur zuzusehen, wie sich die beiden umeinander und um sich selbst drehten, aber nie miteinander. Lag das nun an Aryth oder an Xaron? Oder lag es an ihnen dreien? Drei Wölfe, alle völlig unterschiedlicher Art und Herkunft. Spannend!





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Lu, Kyro, Josh, Lio



12.05.2018 21:21
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