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Naelura - Die scheinbar leere Welt
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Lavaya und Casael fühlten, bei Yavru und Laelia auf dem Roten Berg verweilend, wie ihr Bewusstsein schwer wurde und ihr Gewicht für einige Augenblicke deutlicher auf ihren Pfoten lastete, ehe sie sich in einer grenzenlosen Leere wiederfanden. Es war nicht dunkel, was die beiden leicht daran merkten, dass sie einander sehen konnten. Alles andere um sie herum war nachtschwarz, nur ganz weit entfernt - gleich einer Sinnestäuschung - konnte man vielleicht, wenn man es glauben wollte, eine Art Baum (Lucerian) sehen. Dazu brauchte es aber ziemlich gute Augen, denn sonst war es eher die Leere, die Trugbilder herauf beschwor, wenn man zulange hineinblickte. Es war außerdem völlig still. Wenn sich Casael und Lavaya eine Weile umgesehen haben und keine Geräusche ausmachen können, außer die, die sie selbst verursachen, wird irgendwo entfernt das Schlagen kleiner Flügel (Merulia) hörbar.

Lucerian schlief. Zugleich wachte es allerdings auch. Es befand sich in einem Zustand, der dem von Trance ähnelte. Bei Gefahr wäre es innerhalb von Sekundebruchteilen hellwach, doch bis dahin verweilte es in dieser schlafesähnlichen Verfassung.

Lavaya hatte sich mittlerweile daran gewöhnt, die Welt zu wechseln, daher war es für sie nicht allzu erschreckend, dass es auf einmal wieder passierte. Sie schaute sich um, doch alles war dunkel. Nein, das stimmte nicht, sie konnte ja Casael sehen. Doch sonst sah sie nichts, außer einem leuchtenden Etwas in weiter ferne. Sie wandte sich an Casael: "Wo sind wir? Besuchen wir jetzt deine Freundin? Aber warum sind die anderen nicht mitgekommen?"

Merulia flatterte nervös, als sich die Welt um sie herum wieder veränderte. Der Weltenbaum schien ihr nicht sonderlich gewogen zu sein - ständig ließ er sie in Gegenden, die äußerst Vogel-untauglich waren. Erst schwarz-weiß, jetzt komplett schwarz. Jedenfalls bis auf einige entfernte "Lichtpunkte", an denen sich die Amsel zu orientieren suchte.

Casael sah sich ein bisschen irritiert um, witterte und versuchte in der Schwärze irgendetwas zu entdecken. Spannend! "Ich habe keinerlei Ahnung, wo wir sind... aber die Welten sind dieser Tage offenbar sehr umtriebig!" Er lachte heiter. "Man könnte meinen ich wäre wieder ein Jungspund und würde wieder auf Reisen gehen!" Was für ein Abenteuer! Aufmerksam sah er sich um, noch nicht sicher, ob er hier als Mentor oder als Schüler gelandet war. Vermutlich war ohnehin beides dasselbe.

Lucerian sah sich um. Es fühlte sich alleine, inmitten dieser Welt, die ihm nicht vertraut war. Es konnte nichts sehen außer Leere, keine bekannten Dinge, keine seiner Gefährtenbäume. Es wusste nichts mehr, außer, dass es auf einem Boden stand, der ihm unbekannt war. Mittlerweile mussten einige Tage vergangen sein, wenn nicht sogar Wochen, seit es hierhergekommen war.

Lavaya schaute Casael erstaunt an. „Du weißt nicht, wo wir sind? Ich dachte, als Wächter würdest du vielleicht alle Welten kennen.“ Sie hörte, wie er fröhlich lachte, also schien zumindest keine unmittelbare Gefahr zu drohen. Und womöglich würde das hier ja auch eine interessante Geschichte abgeben!

Merulia beschloss, das beste aus der Situation herauszuholen. Das Klügste war wohl, sich auf einen dieser Lichtpunkte zuzubewegen. Hoffentlich waren das keine Irrlichter, die sie im Kreis flattern ließen! Mutig stieg sie ein wenig in die Höhe, um sich dann auf den Weg zum nächsten Lichtpunkt (Lucerian) zu machen.

Casael hob die Wolfsbrauen und starrte Lavaya kurz fassungslos an. Eine Weile schien er darauf zu warten, dass sie ihre Worte als Witz abtat, aber dann leuchtete ihm ein, dass sie noch sehr neu auf ihrer Weltenreise war. "Ich glaube nicht, dass jemals jemand alle Welten kennen wird. Weißt du nicht, dass sie zahllos sind? Viel mehr, als du Fell am Körper hast...?" Er dachte darüber nach, was für einen Vergleich er bringen konnte, den Lavaya sicher verstand, da sie aus der komischen, einfachen Welt kam, auf der es keinen Sand und keine Sterne gab... Oder gab es Sterne? Vielleicht hatte sie auch so verstanden? Er bezweifelte es. "Jedenfalls gibt es mehr Welten, als eine Seele erfassen kann... und damit meine ich... jede Seele. Obwohl ich viele Seelen kenne, die schier endlos viele Welten gesehen haben... viel mehr als ich... Aber alle hat nie eine Seele gesehen." Er nickte kurz zu sich selbst und machte einen Hüpfer in die Leere. Nichts geschah. "Ich habe Welten wie diese gesehen... aber nie diese... denke ich..."

Lucerian schloss seine Augen wieder. Es konnte ja doch nichts in dieser Dunkelheit ausmachen. Irgendwann, wenn die Zeit reif war, würde sein Baum ihn schon wieder zu sich rufen, da hatte es Vertrauen. Es schien ihm ganz so, als wären in einiger Entfernung Stimmen. Zwar ebenfalls Stimmen, die ihm unbekannt waren, aber doch schienen es Lebewesen zu sein. War diese Welt doch nicht so unbewohnt, wie es gedacht hatte? Außerdem kam es ihm so vor, als würde er zusätzlich zu den Stimmen leises Flügelgeflatter wahrnehmen. Ein Vogel, wie in seinem Heimatwald?

Lavaya verstand durchaus, was Casael meinte, auch wenn es ihr schwindelte bei der Vorstellung unzähliger Welten, die selbst das langlebigste Wesen nie alle würde erfassen können. „Eine Welt für jeden Stern am Himmel, eine Welt für jedes Haar auf mir, vielleicht sogar für jedes Haar auf Lupmundi …“, murmelte sie mehr für sich selbst als zu Casael. „Also weißt du auch nicht, was uns hier erwartet?“ Sie witterte, doch sie nahm nur den Geruch von Casael wahr. Sie lauschte, doch sie hörte neben ihrem eigenen Atem und dem von Casael nur in weiter Ferne ein leises, seltsam flatterndes Geräusch, das sie nicht zuordnen konnte. Sie schaute sich um, aber sah weiterhin außer Casael nur diesen Lichtfleck. Das seltsame Geräusch schien sich auf den Fleck zuzubewegen. „Was ist das?“, fragte sie, ohne selbst zu wissen, ob sie sich auf das Licht oder das Geräusch bezog. Vermutlich auf beides.

Merulia wurde mit einem Mal bewusst, dass sie durch die schwärzeste Nacht flog, die sie je erlebt hatte. Vor ihr war es dunkel, hinter ihr, über und unter ihr. Einzig und allein direkt um sie herum war es hell genug, dass sie das Braun ihres Federkleids erkennen konnte. Nachdenklich tschilpte sie vor sich hin. Bedeutete das, dass sie selbst auch ein Lichtfleck war? Ein Irrlicht, das andere verleiten könnte, ihr zu folgen? Die Vorstellung war.. interessant! // Gleichzeitig kam der Lichtfleck, auf den sie zuflog, langsam näher. Angestrengt versuchte sie zu erkennen, was sich darin befand.

Über den Köpfen der verschiedenen Seelen durchzuckt ein Blitz die Leere. Kein gleißendes, helles Licht und auch kein Blitz im eigentlichen Sinne, wie man es bei einem Gewitter in Gaia kennt, sondern eher ein Riss, der für ein paar Augenblicke die Leere teilt und die Sicht auf einen wunderschönen Sternenhimmel preis gibt.

Casael blinzelte und starrte nach oben, als sich das Firmament über ihnen veränderte und vertraute Gestalt annahm. Er hatte in vielen Welten den Sternenhimmel gesehen, auch wenn dieser hier herausragend schön war. Nach nur wenigen, viel zu kurzen Momenten war der Sternenhimmel ebenso schnell wieder verschwunden, wie er aufgetaucht war. Ratlos betrachtete Casael den Himmel über ihm noch eine Weile, der sich nun nicht länger als Himmel zu erkennen gab. Danach konzentrierte er sich wieder auf Lavaya und auf das, was sie in der Ferne zu sehen glaubte. "Ich weiß nicht... sehen wir nach...", meinte er und kam nicht umhin, immer wieder den Blick zu heben.

Lavaya blickte überrascht auf, als plötzlich über ihnen ein Sternenhimmel erschien, nur um sofort wieder zu verschwinden und erneut dem Nichts, das sie schon zuvor umgeben hatte, Platz zu machen. Erstaunlich! Ob die Erwähnung der Sterne diese hervorgelockt hatte? Aber Haare waren keine aufgetaucht, obwohl sie sie erwähnt hatte. Nun, es gab nur eine Möglichkeit, es auszuprobieren. „Sterne“, sagte sie sachlich. Als Casael dann vorschlug, sich das leuchtende Etwas vor ihnen genauer anzuschauen, nickte sie nur und setzte sich in Bewegung.

Lucerian das Schauspiel, das in diesem Moment stattfand in den letzten 'Tagen' nie gesehen. Es stärkte seine Hoffnung bald wieder in bekannter Umgebung zu sein. Der Sternenhimmel sah nicht viel anders aus, als der, den es in von seinem Wald aus ebenfalls gesehen hatte. Währenddessen kam das flügelschlagende Wesen immer näher. Da es nicht bedrohlich wirkte, blieb das Lucerian an seiner 'bekannten' Stelle stehen - wie ein leuchtender, unerschütterlicher Feld in der Dunkelheit.

Ein weiteres Mal wurde die Leere über den vier Seelen durchzuckt und als würde jemand einen Pinselstrich ziehen, entstand der Sternenhimmel erneut, nur um dann wieder zu verblassen, bis die Leere zurück war.

Casael hielt kurz inne und musterte das Spektakel. "Sterne.", wiederholte er dann, um herauszufinden ob er auch so ein toller Magier war, wie Lavaya. Es klappte tatsächlich! "Sterne!", rief er begeistert aus und lief etwas schneller auf das Licht in der Ferne zu, während er vor sich hin sang: "Sterne! Sterne! Sterne!"

Merulia erstarrte, als das schwarze Nichts um sie herum plötzlich aufriss und abermillionen von Sternen sichtbar machte. So wunderschön! Plötzlich flatterte sie aufgeregt. Wo kam eigentlich der Boden? Nicht, dass sie gleich eine Bruchlandung hinlegte! // Wieder riss das Nichts auf. Und wieder. Und wieder. Und nochmal. Was, um Himmels willen, ging hier vor sich?! So schön dieses Schauspiel war - sie wollte doch einfach nur diesen Lichtfleck erreichen! Diesen Fleck, in dem ein.. ja, etwas mit Geweih stand, das doch so anders und fremd aussah als alles, was sie kannte. Konnte diese Welt sich nicht erbarmen, und sie ihr Ziel endlich erreichen lassen?

Der Sternenhimmel verweilte über ihnen, während Casael seinen Singsang fortführte.

Lucerian sah gen Himmel. So viel, das es an sein Zuhause erinnerte. So viele Sterne, die gleich waren und doch so viel Unbekanntes um es herum. Nach kurzer Zeit, in der abwechselnd Sterne und Dunkelheit am Himmel zu sehen waren, blieb er schlussendlich gänzlich von Sternen bedeckt. In einiger Entfernung konnte es zwei Wesen ausmachen. Laufende Wesen, die sich ihm näherten.

Lavaya stellte erstaunt fest, dass es tatsächlich funktionierte. Auch Casael schaffte es, die Sterne herbeizurufen. Aber warum klappte es bei Sternen, aber nicht bei Haaren? Vielleicht, weil es bereits Haare in dieser Welt gab, nämlich auf ihr und auf Casael? Und was könnte sie noch herbeirufen? Sie wollte willkürlich weitere Dinge ausprobieren, doch im letzten Moment hielt sie sich zurück. Sterne waren harmlos, aber was, wenn sie versehentlich etwas heraufbeschwor, das ihnen gefährlich werden konnte? Sie musste vorsichtig vorgehen. „Meinst du, es geht auch mit anderen Dingen? Mit einer Sonne zum Beispiel?“ fragte sie Casael.

Am Nachthimmel begann ein Stern heller zu leuchten, bis man meinen konnte, es wäre Tag. Es geschah allerdings nur für einen einzigen Herzschlag eines Wolfes. Danach war der Nachthimmel wieder zu sehen.

Casael verstummte und sah erst Lavaya an und realisierte dann, was diese getan hatte. Er überlegte nicht lange und fügte seinem Lied eine zweite Strophe hinzu: "Sonne, Sonne, Sonne, Sonnenschein." Man hätte ihn für einen albernen Papagei halten können. Inzwischen hatte er neben Lavaya das fremde, leuchtende Wesen in der Leere beinahe erreicht und der Vogel wurde auch sichtbar. Als Casael auffiel, dass um sie herum alles leer geblieben war, hauchte er "Wiese" in die leere Welt. Gras umschmeichelte seine Pfoten für ein paar Momente.

Merulia wurde diese Welt allmählich unheimlich, weshalb sie froh war, dass der Lichtfleck, auf den sie sich zubewegte, immer größer wurde und sie immer deutlicher erkennen konnte, das sich darin ein Wesen befand, das äußerst friedlich wirkte. // Mutig aber ganz sacht ließ sie sich auf dem Geweih nieder. "Gestatte, dass ich mich setze?", grüßte sie dieses Ding, bei dem sie sich nicht einmal sicher war, ob es wirklich lebte. Andererseits: tot würde es wohl kaum so aufrecht stehen, wie es das tat. "Danke!", zwitscherte sie fröhlich, als keine Antwort folgen wollte.

Lucerian lächelte. Ein kleines, zartes Vögelchen hatte den Weg zu ihm gefunden. 'Es ist gestattet.', antwortete es dem Vögelchen auf dessen überaus höfliche Frage. Allerdings sprach es keine direkt hörbaren Worte, sondern die Stimme ertönte direkt im Geist des Besuchers. Wachsam blickte das Lucerian dann wieder auf die sich nähernden Wesen. Waren sie gut? Waren sie böse?

Lavaya hatte zwar schon halb damit gerechnet, dennoch überraschte sie das plötzliche Auftauchen der Sonne. Sie war froh, dass sie sich vorsichtshalber dazu entschlossen hatte, nur nach einer Sonne zu fragen. Normalerweise dachte sie von Sonnen nur im Plural, schließlich hatte Lupmundi zwei davon. Aber womöglich hätte diese Welt ihnen dann so viele Sonnen gezeigt, wie zuvor Sterne. Und das wäre vermutlich etwas zu hell und zu warm geworden. Als Casael dann auch noch für einen kurzen Augenblick eine Wiese erscheinen ließ, fragte sie: „Warum geht es mit Gras, aber nicht mit Haaren? Es ist ja anscheinend nicht auf Himmelserscheinungen beschränkt.“ Für sie waren Haare schließlich weit natürlicher als Gras. Erst jetzt richtete sie die Aufmerksamkeit auf das, was sie vor sich sah. Es war wohl eine Art Tier, dem seltsame Dinge aus dem Kopf wuchsen. Aber mit Tieren kannte sie sich nicht so genau aus, daher fragte sie Casael: „Was ist das? Ein Wolf ist es nicht, auch keine Riesenratte, aber was sonst?“

Merulia registrierte die Worte dankbar. Das hieß, sie konnte sich erst einmal ausruhen. Dann aber hielt sie inne. Horchte. Spürte in sich hinein. Dieses Wesen hatte den Kopf beim Sprechen nicht bewegt - das hieß auch, dass es den Mund nicht geöffnet hatte. Oder nicht weit genug, als dass sie es so klar hätte verstehen können. Das konnte nur bedeuten, dass es nicht gesprochen hatte. Aber wie konnte sie es dann hören? Neugierig trippelte sie auf dem Horn herum. "Was tust du hier?", fragte sie, gewillt, eine neue Erfahrung mit diesem seltsamen Weg des Hörens zu machen.

Casael legte den Kopf schief. "Vielleicht... weil Haare zu Lebewesen gehören und Wiese, Sterne und Sonne... zur Umgebung...?" Er lachte, als für einen weiteren Herzschlag die Sonne am Himmel auftauchte und die Nacht zum Tag machte, ehe all das wieder verschwand und der Sternenhimmel zurückkehrte. Dieser schien zu verweilen. Oder er hatte einfach so lange von Sternen gesungen, dass im Augenblick noch die Magie seiner Worte durch die Leere schwebte. Die Wiese war jedenfalls so schnell wieder verschwunden, wie die Sonne. Auch er musterte nun das Wesen vor ihm. "Lavaya... ganz ehrlich. Es gibt so viele Wesen, wie es Welten gibt... willst du den Rest deines Lebens bei jeder neuen Begegnung aufzählen, was es alles nicht ist?"

Die Wiese breitete sich von Casaels Pfoten aus über den Grund der Leere aus und schien in die Unendlichkeit zu ufern. Kurz streifte das Gras auch die Pfoten von Laelia und Yavru, die gerade die Welt erreicht hatten. Während um Casael alles Gras wieder verschwunden war, konnte man es in der Ferne noch eine Weile erahnen, bis die Leere zurück war. Der Sternenhimmel überwog die Sonne und so blieb es Nacht.

Yavru hatte sich gerade mit Laelia unterhalten, als mal wieder die Welt um ihn herum verschwand und einer neuen Platz machte. Er schaute sich um und stellte erleichtert fest, dass er nicht alleine war. Laelia war mitgekommen. Doch das war auch das einzige Positive, das sich über die Welt sagen ließ. Denn um sie herum war nichts als schwarzer Leere. Es war nicht einmal dunkel, es war einfach überhaupt nicht. Nur über ihnen spannte sich ein Himmel voller Sterne. Doch plötzlich breitete sich Gras um ihn herum aus. Er sah es nicht nur, sondern spürte es auch unter den Pfoten. Doch so schnell, wie es gekommen war, war es auch schon wieder verschwunden. Verwundert schaute er zu Laelia, doch er sagte nichts. Er musste die seltsamen Eindrücke erst einmal verarbeiten.

Lucerian schwieg. Die Wesen vor ihm machten einen komischen Eindruck auf ihn. Immer wieder wurde der Boden unter den Pfoten des einen Wesens grün, ehe er wieder in Dunkelheit verschwand. Der Himmel allerdings blieb von Sternen erhellt. Misstrauen wurde in den Lucerian geweckt. Es kannte solches Verhalten nicht, es war ihm unbekannt und so musste es wachsam sein. Rot leuchteten seine Augen in der von Sternen erhellten Nacht.

Laelia dachte: 'Nicht schon wieeder.' Langsam wollte sie mal für eine Weile in einer Welt bleiben. Gerade war sie da noch bei Yavru gewesen, und jetzt war sie hier und es war dunkel. Sie spürte für einen Moment Gras an den Pfoten, dann war das Gefühl wieder weg. Lae sah nach unten und sah nichts. Dann sah sie sich um und sah Yavru. 'Wenigstes eine Sache, die sich nicht verändert hat', dachte sie dankbar und gleichzeitig etwas verzweifelt. Wo waren sie hier? Sie sah nach unten, und kurz erfasste sie ein Schwindelgefühl. Da war nur schwarz. So wie überall um sie herum, außer oben - dort waren Sterne. Nein, sie konnte doch etwas sehen! Irgendwie in der Ferne glaubte sie Gestalten zu erkennen. "Yavru, siehst du die da vorne? Sollen wir da hingehen? Mir ist alles lieber, als diese komische Schwärze...."

Lavaya widersprach: „Für mich sind Haare sehr wohl Umgebung. Lupmundi hat mindestens so viele Haare wie ein Wolf. Natürlich ist Lupmundi ein Lebewesen, aber trotzdem ist sie eine Welt.“ Tatsächlich waren Haare für sie ene deutlich normalere Umgebung als Gras. Doch das sagte sie nicht, da sie mittlerweile verstanden hatte, das ‚normal‘ im Weltenbaum sehr relativ war. „So viele verschiedene Wesen gibt es? Bei uns gibt es nur Springlinge und Wölfe. Was kein Wolf ist, ist ein Springling, und was kein Springling ist, ist ein Wolf. So einfach ist das. Und jetzt gibt es auf einmal mehr Lebewesen, als man aufzählen kann! Das bin ich einfach nicht gewohnt.“ Nach einer Pause fügte sie hinzu: „Also weißt du auch nicht, was das ist?“

Merulia konzentrierte sich so sehr auf das Wesen, das sie gewähren ließ, dass sie die Wölfe im anderen Lichtkegel erst bemerkte, als sie beinahe bei ihnen waren und sie eine plötzliche Spannung unter ihren empfindlichen Vogelzehen spüren konnte. Aufmerksam betrachtete sie die beiden Wölfe. Sie schienen immerhin nicht so verfressen zu sein wie der, dem sie kürzlich begegnet war. Allerdings zog noch etwas Anderes ihre Aufmerksamkeit auf sich - irgendwo in der leeren Ferne war ein weiterer Lichtfleck aufgetaucht. Diese Welt voller Nichts und Sternen schien sich allmählich mit Dingen oder Lebewesen - oder beidem? - zu füllen.

Yavru schaute sich um, dann nickte er. Tatsächlich waren in der Ferne Gestalten zu erahnen, viel zu weit entfernt, um sie genauer erkennen zu können. „Ja, bisher haben wir in jeder Welt irgendetwas tun oder erleben müssen, bevor wir sie wieder verlassen konnten. Und viel Auswahl gibt es hier ja nicht gerade.“ Mit diesen Worten setzte er sich bereits langsam in Richtung der Gestalten in Bewegung.

Casael wiegte leicht den Kopf hin und her. "Offensichtlich zählen Haare dennoch nicht als Umgebung, für diese Welt.", sinnierte er nachdenklich. "Andererseits können wir vielleicht auch nur das sichtbar machen, was ohnehin da ist..." Allerdings widersprach das der Sternen-Sonnen-Sache. Das hätte nur Sinn gemacht, wenn gerade nur Nacht oder nur Tag herauf beschworen werden konnte. Glaubte er jedenfalls. Lachend blickte er wieder zu Lavaya und schüttelte den Kopf, ehe er sich an das Wesen wandte. "Kannst du mit uns kommunizieren?", fragte er erst einmal und wartete dann ab. Er konnte mit wilden Spekulationen später noch fortfahren. "Oh und hallo Vögelchen!", grüßte er leichthin. Neutral. Weder überheblich, noch unbedingt auf derselben Ebene. Die Amsel saß allerdings auch über seinem Kopf, also war das nicht möglich.

Laelia war dieser Nicht-Boden gar nicht geheuer. Etwas verzagt tapste sie hinter Yavru her. Wo waren sie nur hier wieder gelandet?

Lucerian war schlussendlich der Meinung, dass diese Wesen keine Gefahr darstellten (für was auch immer). Die Frage derer, die vor ihm standen, war jedoch ungewöhnlich. Alle Lebewesen in seinem Wald wussten, dass sich die Lucerian verständlich machen konnten. Die meisten kamen sogar manchmal zu ihnen, um sie um Rat zu fragen. 'Wesen, die nicht kommunizieren können, sind mir fremd', teilte er dem Wesen vor ihm geistig mit. Unabsichtlich richteten sich die Worte nur an Casael.

Lavaya fand es nicht richtig, dass sogar diese Welt eine Vorstellung davon zu haben schien, wie eine Welt auszusehen hatte – und dass Haare in dieser Vorstellung keine Platz zu haben schien, wie auch in der der meisten Wölfe. Aber es lohnte sich vermutlich nicht, sich über eine Welt zu ärgern. Mittlerweile hatten sie das Wesen erreicht, und Casael hatte es auch sogleich angesprochen und es gefragt, ob es mit ihnen kommunizieren konnte. Was eine unsinnige Frage, denn wenn nicht, würde es sie ohnehin nicht beantworten können. Lavaya betrachtete es unterdessen genauer. Es hatte vier Beine, einen Körper und einen Kopf, wie wohl die meisten Tiere. Am Kopf hatte es lange, dünne seltsame Dinger, die für Haare eindeutig zu starr und zu verzweigt waren. Sein Fell wiederum war grün und sah fast wie Gras aus. Es gab keinerlei Antwort, also konnte es offensichtlich nicht kommunizieren. Erst als Casael das andere, kleinere Wesen ansprach, bemerkte sie, dass auf dem Größeren noch eine Gestalt saß und dessen Fell wiederum sehr seltsam war und das erstaunlicherweise nur zwei Beine hatte. ‚Vögelchen‘ hatte Casael es genannt. Erstaunlich, was es im Weltenbaum alles für Lebewesen gab!

Yavru merkte, das Laelia zögerte. „Komm, je schneller wir da sind, desto früher sehen wir etwas anderes als diese Leere!“ Und desto schneller konnten sie diese Welt hoffentlich verlassen, denn insgeheim fand auch er das Nichts um sie herum und insbesondere auch unter ihnen äußerst beunruhigend.

Laelia versuchte, mutig zu wirken. So, als hätte sie alles im Griff, nickte sie energisch mit einem leicht verkrampften Lächeln und beschleunigte ihren Schritt. Nur nicht nach unten sehen, nur nicht nach unten sehen...

Merulia erwiderte den Gruß fröhlich, so, wie sich das Wesen unter ihr entspannte. "Hallo, Wölflein!" Irritiert war sie allerdings, dass der Gehörnte - oder die? - nicht antwortete. Dabei war sie sich so sicher, dass sie vorhin eine angenehme Stimme vernommen und sie sich die Erlaubnis nicht nur eingebildet hatte! Ein wenig unsicher trippelte sie in Richtung Stirn. "Ich weiß nicht, weshalb es nicht antwortet. Vorhin habe ich es ganz deutlich gehört, wenn auch... nicht mit den Ohren. Irgendwie seltsam, aber spannend!", teilte sie den beiden Wölfen mit.

Yavru bemerkte, dass sich Laelia weiterhin unwohl dabei fühlte, auf dem Boden, der weder Farbe noch Struktur noch sonst irgend eine Eigenschaft aufwies, zu laufen, auch wenn sie versuchte, es nicht zu zeigen. Aber er konnte er nicht helfen, denn es ging ihm selbst ja kaum besser. Da half nur, sich auf das Ziel vor ihnen zu konzentrieren. Er glaubte zwei Wölfe zu erkennen und einen Hirsch oder ein ähnliches Horntier. Er witterte angestrengt, doch es gab keinen Wind, ja eigentlich überhaupt keine Bewegung in der Luft, die die Gerüche zu ihnen getragen hätte. Er konnte jedoch eindeutig einen Rüden und eine Fähe ausmachen, die ihm bekannt waren. Von einem Hirsch oder einem sonstigen Beutetier roch er jedoch nichts.

Casael legte den Kopf schief. Offenbar konnte es kommunizieren und war auch intelligent veranlagt. Das freute den jungen wirkenden, erwachsenen Rüden sichtlich, denn seine Rute pendelte hin und her. Als die Amsel antwortete, lachte er heiter. "Ganz schön frech, für so einen kleinen Piepmatz." Auch dieses Mal klang es nicht herablassend, sondern eher anerkennend und neckend zugleich. Er fraß niemals Tiere, die ihm sympathisch waren und deshalb sah er die Amsel auch nicht mehr als Beute. "Du irrst dich aber... Es hat mir geantwortet!" Mit diesen Worten wandte er sich an die pflanzenhafte Tiergestalt - oder die tierhafte Pflanze? "Ich bin tatsächlich auch noch keinen Wesen begegnet, die nicht kommunizieren können... aber ich bin schon vielen begegnet, die nicht mit mir kommunizieren können..." Er überlegte und betrachtete die Gestalt. "Aber du warst in meinem Kopf, oder nicht? Womöglich kannst du also mit jeglichen Wesen kommunizieren und hast mir das einfach voraus..." Sein Blick glitt zurück zu der Amsel, dann wieder zu dem Pflanzentier. "Aber du kannst nur mit einem von uns zugleich sprech- also gut, sprechen kann man es nicht nennen... kommunizieren?"

Lucerian war verwirrt. Was meinte das Vögelchen damit, dass es selbst nicht geantwortet hatte. Es musste seine Antwort doch glasklar vernommen haben? 'Ich kann mich mit so vielen Wesen unterhalten wie ich möchte', teilte es dem Vögelchen mit. ((Es kommt aber diesmal nur bei Merulia an.)) 'Du hast recht, Wesen mit Fell, ich kann mich auch mit Lebewesen unterhalten, zu denen normalerweise niemand Zugang hat. Ich kommuniziere durch Telepathie, die Art wie jeder Baum mit anderen Bäumen spricht.' ((Lucerian hat nicht bemerkt, dass seine Fähigkeit mit allen gleichzeitig zu sprechen gerade nicht vorhanden ist.))

Lavaya wollte gerade anmerken, dass das Wesen wohl tatsächlich nicht kommunizieren konnte, da es ja überhaupt nicht reagiert hatte, als das von Casael so genannte Vögelchen meinte, es vorher gehört zu haben, wenn auch nicht mit den Ohren. Tatsächlich schien das kleine Wesen gar keine Ohren zu haben, aber wie konnte es da hören? Je weniger ein Tier mit einem Wolf zu tun hatte, desto rätselhafter erschien es Lavaya. Casael behauptete dann auch noch, es habe ihm geantwortet! „Das kann nicht sein, ich habe nichts gehört und es hat sich auch überhaupt nicht bewegt.“ Es war in Casaels Kopf? Aber es befand sich doch vor ihnen, wie sollte es da gleichzeitig in Casael drin sein? Die ganze Situation wurde noch verwirrender, als sie ohnehin schon war, und das war Lavaya deutlich anzusehen. Erst Casaels nächste Frage half ihr, zumindest ein Stück weit zu verstehen: Anscheinend konnte immer nur einer bemerken, wenn das Wesen sprach oder, wie Casael es nannte, kommunizierte. Das war seltsam, aber auch nicht seltsamer als eine Welt, die Sterne, Sonnen und Gras erscheinen ließ, wenn man diese Dinge zufällig erwähnte.

Casael dachte darüber nach. Er war einmal ein Baum gewesen und es war... interessant. "Hast du einen Namen? Oder betrachtest du dich weniger als eigenständiges Individuum?", wollte er dann wissen. Sein Blick glitt zu Lavaya, um zu ersehen, ob diese nun verstanden hatte, oder überhaupt nicht auf das Gesagte reagierte. Wenn er die Fähe nicht falsch interpretierte, hatte sie nichts gehört. "Scheint, als würde aber wieder nur ich dich hören?" Er sagte es nur, um das Wesen vorzuwarnen.

Lucerian war noch mehr verwirrt. Wie konnte es sein, dass es sich in diesem Moment nur mit einem der Wesen unterhalten konnte? Um dieser Unannehmlichkeit zu entgehen, begann es von seinen Füßen Wurzeln zu bilden, die sich schlängelnd den beiden Wesen näherten, bis sie sie berührten. Währenddessen wickelte sich eine seiner Haarsträhnen locker um eine Kralle des Vögelchens. 'Ihr solltet meine Stimme nun alle hören. Obwohl ich nicht weiß, warum das zuvor anders gewesen ist.' Hatte die weite Entfernung zu seinem Wald etwas damit zu tun? 'Was meinst du mit Name? Gebt ihr Wesen Bäumen normalerweise Namen?' In seinem Wald waren es immer viele seiner Art gewesen. Viele, die sich alle untereinander ausgetauscht hatten, die alle irgendwie zusammen gehörten. Sogar die Bäume selbst waren ein Teil von ihnen gewesen. Wieso sollten sie da jeweils eine eigene Bezeichnung besitzen? 'Wir bin eigenständig. Wir können alle alleine laufen. Aber sind wir eigenständig, wenn wir alle mit Gedanken miteinander verbunden sind?'

Laelia sah wie Yavru witterte. Sie tat es ihm nach, konnte aber auch nichts richen. War ja eigentlich nicht verwunderlich... Wie sollte der Geruch in dieser substanzlosen Welt auch zu ihnen getragen werden? Also strengte Lae stattdessen ihre Augen an. Die zwei ersten Wesen erkannte sie gleich (Wölfe erkannte man halt auf einige Entfernung wenn man selbst ein Wolf war), aber das andere wollte einfach keinen Sinn ergeben. Es sah aus wie ein Hirsch oder sowas... aber gleichzeitig auch nicht. Da war was grünes...

Lavaya war erschreckt, als sich von dem großen Wesen Wurzeln bis zu ihren Pfoten ausbreiteten. Sie fürchtete, es würde sie festhalten wollen. Unwillkürlich kam ihr der Gedanke an den Baum in den Sinn, der in Dellruin Laelia mit sich in die Höhe gerissen hatte. Der war ähnlich schnell gewachsen. Doch nichts geschah, und die Wurzeln hörten auf sich auszubreiten, sobald sie sie berührten. „Ja, ich höre dich. Obwohl ich immer noch nicht sehe, dass du sprichst, höre ich es.“ Sie glaubte zu verstehen, warum das Wesen anscheinend nicht nur keinen Namen hatte, sondern die Idee, einen Namen zu haben, sogar seltsam zu finden schien. „Viele von uns haben auch keinen Namen. Ich habe mir meinen erst ausgesucht, als ich auf Weltenreise gegangen bin. Wir sehen uns auch eher als Teil des Rudels als als Individuen. Und wenn ihr sogar in Gedanken miteinander verbunden seid, dann ist es bei euch vermutlich erst recht so, dass die Einzelne keinen Namen braucht.“ Sie überlegte kurz, dann fragte sie: „Du bist aber die Einzige deiner Art hier, oder? Fühlst du dich einsam?“ Sie wusste nicht, ob das Wesen männlich oder weiblich war, aber da sie es nicht als „Es“ bezeichnen wollte, entschied sie sich für weiblich, da das für sie immer noch der Normalfall war.

Yavru konzentrierte sich, nachdem seine Nase ihm wohl vorerst alles verraten hatte, was sie zu verraten in der Lage war, nun ebenfalls wieder auf seine Augen. „Zwei Wölfe und ein Tier, dass ein bisschen wie ein Hirsch aussieht. Aber es sieht nicht danach aus, ob sie es jagen würden. Komm, das schauen wir uns genauer an!“ Er beschleunigte etwas, aber insgeheim fühlte er sich nachwievor unsicher. Er konnte nur hoffen, dass die anderen friedlich waren. Doch als sie noch etwas näher kamen, erkannte er zumindest die beiden Wölfe. „Das sind ja Lavaya und Casael!“

Casael ließ die Worte auf sich wirken und durchdachte sie kurz, ehe er - vermutlich zu schnell, wie das seine Art war - irgendetwas aus sich heraussprudeln ließ, was ihm eben gerade dazu einfiel. "Wir geben Bäumen nicht unbedingt Namen, aber für gewöhnlich sprechen wir auch nicht zu ihnen. Und... bei allem Respekt... du hast etwas baumiges an dir, aber so wirklich nach Baum siehst du auch nicht aus. Du siehst aus wie etwas, das einen Namen haben könnte..." Er dachte kurz nach. "Was genau bist du denn?" Sein Blick glitt zu Lavaya. Offenbar schien diese mehr mit dem Pflanzentier verwandt zu sein, als er. Seine Ohren drehten sich nach hinten, als er eine Stimme seinen Namen aussprechen hörte. Äh? Er sah Yavru und Laelia entgegen.

Ein Wald entstand sanft um die Wesen herum, für ein paar kurze Augenblicke, ehe die Bäume wieder verschwanden.

Laelia erkannte die beiden eine Sekunde nach Yavru. Sie blieb ein Stückchen hinter Yavru zurück, weil sie einfach nicht noch schneller laufen wollte. Sie fühlte sich von Minute zu Minute unwohler und wünschte sich beinahe, dass diese Wölfe da vorne Familie waren und nicht einfach irgendwelche Weltenwanderer. Einer der beiden - Casael - hatte Yavru wohl gehört, denn er drehte sich von dem seltsamen Hirsch weg und zu ihnen hin. "Hallo!...", meinte Laelia als sie näher kamen.

Lucerian schickten den dreien eine Welle von Bildern, die sie vermutlich erst einmal überfordern würden, da sie nicht daran gewohnt waren. Es waren Bilder von seinem Wald, von anderen seiner Art - große, kleine. Und außerdem auch solche, die langsam selbst zu Bäumen wurden - übergroß und zu träge um sich noch länger bewegen zu können. Es schickte ihnen Bilder, wie sie alle in ihrem Wald lebten, glücklich eine wichtige Aufgabe erfüllen zu können. Und es schickte ihnen ein Bild vom jetzigen Zustand in der Dunkelheit, ohne all die anderen, ohne ihre Stimmen. Traurigkeit war diesem Bild beigelegt, Traurigkeit und zusätzlich ein Anflug von Panik. Als die Welle geendet hatte, sprach das Lucerian wieder: 'Was sind denn eure Namen? Und was seid ihr?' Die Frage, was es denn war, sollte mittlerweile beantwortet sein.

Yavru fühlte sich im Gegensatz zu Laelia nicht mehr unwohl, sondern erleichtert, als er die beiden Wölfe als Bekannte identifiziert hatte. Sicherlich wäre ein Rudelmitglied oder gar ein Verwandter ihm noch deutlich lieber gewesen, aber immerhin waren Casael und Lavaya keine völlig Fremden. Und so wedelte er freudig mit der Rute, als er auf die beiden zu lief. „Hallo ihr beiden! Ich fürchtete schon, wir wären alleine hier!“ Das Hirsch-Wesen ignorierte er, auch wenn ihm das unhöflich erschien, denn er konnte es nicht einordnen und fürchtete daher, etwas falsches zu sagen. Er hoffte, die beiden würden ihm das Wesen vorstellen, falls ihnen das nötig erschien.

Laelia wedelte auch ein wenig mit der Rute, doch ihr war nicht so ganz nach Freude zumute. Dann waren sie plötzlich in einem Wald, und Lae entspannte sich - für einen Moment. "Wast ist denn das für eine Welt?", platzte sie heraus ohne die anderen wirklich zu begrüßen.

Lavaya war in der Tat überfordert, als eine Welle aus Bildern auf sie herein stürzte. Sie war immer noch in dieser seltsamen, leeren Welt gemeinsam mit Casael, aber gleichzeitig sah sie einen Wald voller Wesen wie dem, das vor ihr stand, vor sich. Es war, als erinnerte sie sich an etwas und ließe es vor ihrem inneren Auge wieder ablaufen – nur, dass es nicht ihre eigene Erinnerung war, sondern anscheinend die des Pflanzentiers. Und mit den Erinnerungen waren auch Emotionen verbunden, die ihre Frage voll und ganz beantworteten. Ja, es fühlte sich schrecklich einsam. Sie selbst vermisste ihr Rudel, obwohl sie Lupmundi freiwillig verlassen hatte. Es war hingegen wohl versehentlich aus seiner Heimatwelt hierher geraten. Sie stellte sich vor, wie es für eine Lupmundi-Wölfin wäre, unfreiwillig plötzlich ganz alleine in einer Welt wie dieser zu landen – und diese Wesen bildeten offensichtlich eine noch deutlich stärkere Gemeinschaft. Dabei bemerkte sie kaum, wie um sie herum ein Wald entstand und wieder verging, sei es, weil Casael das Wort ‚Bäume‘ ausgesprochen hatte, oder weil die Erinnerungen des Wesens die Welt ebenfalls beeinflussten. Doch dann rissen bekannte Stimmen sie aus ihren Gedanken.

Casael wedelte den Jungwölfen entgegen. "Hey ihr beiden! Ihr macht einen alten Wächter wieder jung... ihr scheint die Welten sehr umtriebig zu machen!" Er fand das offensichtlich super. Als plötzlich Bilder einer fremden Welt vor seinem inneren Auge auftauchten, konzentrierte er sich wieder auf das Pflanzentier, überaus interessiert. "Ein genialer Trick... du könntest auf diese Weise ganze Geschichten in meinen Kopf zaubern, die ich nie erlebt habe!" Er schien sehr angetan davon zu sein. "Mein Name ist Casael und ich bin ein Soluvajé. Ein Wolf. Ein Wächter der Pentalpha. Meine Aufgabe ist es, andere Seelen bei ihren ersten Schritten auf ihren Reisen durch die Welten zu helfen und beizustehen." Diese praktische Art des Beistehens gefiel ihm besonders gut. Sein Blick glitt zu Yavru. Niemand von ihnen war allein hier, aber es passte zum Thema, auch wenn Yavru und Laelia das nicht wussten. Er beantwortete die Frage der Jungwölfin: "Wir wissen es noch nicht genau, aber passt auf:" Wie ein Welpe begann er, mit Worten zu zaubern: "Wiese. Wald. Wiese. Wald... Sonne... Regen..."

Um sie herum wurde es grün. Die Wiese breitete sich gleich einer Welle aus und als sie wieder verblassen wollte, hielt Casael sie noch einmal fest, in dem er das Wort wiederholte. Erst einige Herzschläge später war sie wieder verschwunden. Der Wald teilte sich die Leere mit der Wiese. Kurz, für einen flüchtigen Moment wurde es Tag und dann, als die Nacht wieder zurück war, mit dem Sternenhimmel, der eigentlich frei von Wolken war, platzte ein Regenschauer auf Casael hernieder und machte diesen von jetzt auf gleich komplett nass. Danach breitete sich der Regen in feineren Tropfen in die Unendlichkeit der Leere aus. Die Wölfe konnten es hören, wie sich das fallende Wasser immer weiter entfernte und schließlich alles wieder verstummte.

Lucerian war still. Es hatte keinen Grund mehr zu sprechen. Alle Dinge, die es zur Zeit mitteilen konnte, waren mitgeteilt worden. So schnell ging das bei Lucerian. Als die sogenannten Wölfe vor ihm mit zwei neu hinzugekommenen redeten, bildeten sich aus den Wurzeln Abzweigungen, die sich nun nach den zwei Neuankömmlingen streckten. Das Lucerian wollte ja nicht so unhöflich wie zuvor wirken und nur mit den dreien vor ihm sprechen. Als unter ihrer Füße erneut Wiese auftauchte und dann Bäume und ein ganzer Wald folgten, hellte sich seine Stimmung auf. Das Grün verschwand allerdings gleich darauf wieder und mit ihm die hoffnungsvollen Gefühle.

Yavru war irritiert, als ein Wald auftauchte und wieder verschwand, ebenso, wie es vor einer Weile mit der Wiese passiert war. Erst als Caeael mit einigen Worten abwechselnd Wald und Gras heraufbeschwor, gefolgt von Sonnenschein, der für einen Moment den Sternenhimmel ersetzte, und schließlich Regen, der ohne dass Wolken die Sterne bedeckten auf sie herabprasselte und sich dann anscheinend immer weiter in alle Richtungen von ihnen entfernte, glaubte er zu verstehen. „Du kannst die Welt verändern, wenn auch immer nur kurzzeitig, oder? Hast du auch den Wald vorhin gemacht, und die Wiese, als wir hier angekommen sind?“ Als sich von dem hirschartigen Tier, das aber, wie er aus der Nähe bemerkte, überhaupt nicht nach Tier roch, sondern eher nach Wald und Bäumen, plötzlich Wurzeln in seine Richtungen ausbreiteten, erschreckte er. Er erinnerte sich nur allzu gut, wie Atsuko in Dellruin von Wurzeln gepackt und beinahe nicht wieder freigegeben worden war. Doch bevor er beiseite springen konnte, war das Wurzelwachstum schon wieder zum Stillstand gekommen, direkt an seinen Pfoten.

Einmal mehr entstehen Wald und Wiese, für alle sichtbar und sind nach ein paar Momenten wieder verschwunden.

Laelia staunte nicht schlecht, als Casael durch seine Worte Landschaften heraufbeschwor. Plötzlich erschien ihr diese Welt nicht mehr düster, sondern voller Möglichkeiten. Anders als Yavru beobachtete Laelia eher interessiert, wie der Hirsch wuchs - sie hatte ihn schon längst als ungefährlich eingestuft, weil ja Lavaya und Casael kaum so ruhig neben ihm stehen würden wenn von irgendeine Gefahr ausging. "Oh, es hat bei Yavru auch funktioniert!", quietschte sie begeistert, nachdem die Landschaften, die er gesagt hatten aufgetaucht waren. "Ich will auch mal! 'Sandstrand, Wellen...'"

Unter den Wesen entstand ein Sandstrand, an dessen Ufer sanfte Wellen lechzten, die die Stille für ein paar Augenblicke ausfüllten, ehe die Leere zurückkehrte.

Lavaya begrüßte die Neuankömmlinge freundlich: „Hallo ihr beiden!“ Sie wedelte leicht mit der Rute. Laelia und Yavru hatten sie von den traurigen Erinnerungen des Wesens abgelenkt, wofür sie insgeheim dankbar war. Als Casael vorführte, ergänzte sie lächelnd: „Ich bin aber zuerst drauf gekommen. Wir haben auch den Sternenhimmel erschaffen. Naja, hauptsächlich war das wohl wirklich Casael, weil er die ganze Zeit von Sternen gesungen hat, bis sie nicht mehr weggegangen sind.“ Als Laelia dann jedoch kurzzeitig einen Sandstrand samt Meer und Wellen erschuf, ärgerte sie sich doch ein ganz klein wenig, dass diese Welt Laelia einen Strand gönnte, ihr hingegen nicht einmal Haare. Sie schob den Gedanken jedoch beiseite und wandte sich wieder dem Wesen zu. Ich bin eine Lupmundi-Wölfin, und ich heiße Lavaya. Den Namen habe ich mir aber wie gesagt selbst gegeben, früher hatte ich auch keinen.“ Dann wandte sie sich an Casael. „Wir müssen sie hier rausschaffen und zu ihrem Rudel zurückbringen. Sie ist so schrecklich einsam und traurig hier, wir dürfen sie nicht einfach zurück lassen.“ Lavaya wusste natürlich nicht einmal, wie sie selbst diese Welt verlassen konnte, erst recht nicht, wie man das Wesen mitnehmen könnte. Sie konnte nur hoffen, das Casael es wusste. Dennoch trat sie vor, schmiegte sich an das Wesen, das sich so gar nicht nach Wolf anfühlte, sondern eher nach Baum, und sagte leise zu ihm wie um es zu beruhigen: „Wir hohlen dich hier raus!“ Sie war sich nicht sicher, ob ein solches Verhalten angemessen war, aber das Wesen hatte sich so einsam gefühlt, dass sie nicht anders konnte, als zu versuchen, ihm dieses Gefühl zumindest ein wenig zu nehmen.

Casael schnaubte, wobei Wasser, das von seiner Schnauze tropfte, verteilt wurde. Er schüttelte sich und machte damit die anderen nass. Was sollte das denn? Wieso war nur er so nass geworden? Und wieso konnte Laelia das Meer herbei rufen, ohne darin zu landen? Er war beinahe ein bisschen beleidigt, bis ihm eine Idee kam. "Wind. Wind. Wind. Wind. Wind. Wind. Sturm..." Stolz richtete er sich auf und ließ sich vom Wind restlos trocknen. Er bließ ihm um die Nase und trug die Regentropfen die noch aus seinem Fell perlten in die Leere, wo sie vermutlich verschwanden. Mit der kurzen Sturmböe war er dann beinahe gänzlich getrocknet. Er nickte selbstzufrieden, ehe er sich weit weniger gewichtigen Problemen zuwandte. Was machte Lavaya da? Oh, natürlich... Das war ja doch auch wichtig! "Wenn es mir noch mehr Bilder zeigt, könnte ich einen Weltensprung versuchen... aber ich denke, dass es am Anfang einer Reise steht, wenn es hier ist und vielleicht muss es etwas für sich allein lernen, ohne die anderen Pflanzentiere und Tierpflanzen und Bäume und so." So war das meistens. Manche wollten gehen, manche mussten gehen... Er hatte nie durchschaut, wie viel eigener Willen von den Welten geduldet wurde. "Fühlst du dich nun weniger allein? Kannst du die Nähe eines Wolfes annehmen? Oder fühlst du dich dennoch isoliert? Vielleicht sollten wir einfach mehr Wald in die Welt holen..." Ohne lange darüber nachzudenken begann er ein Waldlied zu singen. "Wald. Wald. Wald. Wald. Wald. Wald. Wald. Wald. Wald. Wald." Unschwer zu erkennen, dass er nicht zu den besten Künstlern der Welten gehörte, aber immerhin schien der Wald zu verweilen.





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Lu, Kyro, Josh, Lio



11.03.2018 18:06
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Lijenna
Lillyan Caesar






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Wolfsträumer

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Merulia beobachtete das Schauspiel von ihrem Sicherem Platz im Geweih - oder musste sie nun mit ihrem neuen Wissen über dieses Wesen lieber GeÄST sagen? - aufmerksam. Die Haare, die sich sanft um ihren Fuß gewickelt hatten, fühlten sich nach dem ersten vorsichtigen Trippeln ... in Ordnung an - und als sie verstand, dass ihr Sitzplatz nun mit allen kommunizieren konnte, zuckte sie sacht mit den Vogelschultern. Gespannt beobachtete sie die Veränderung der Welt um sie herum. Worte veränderten sie also. Spannend! "He, jetzt übertreib aber mal nicht!", unterbrach sie den 'singenden' Wolf. "Außerdem solltest du vielleicht lieber mich singen lassen." Das klang dann doch ein wenig eleganter als bei diesem Fellhaufen!

Lucerian genoss den kurzen Moment, in dem Wald den Boden bedeckte, ehe er wieder verschwunden war. Es belächelte die kindliche Freude der neu hinzugekommenen Wölfin, als die sah, dass nach den gesprochenen Worten wirklich Wald auftauchte. Als diese jedoch Strand und Meerwasser herbei rief, machte es einen Satz rückwärts. Auf keinen Fall wollte es im Salzwasser landen. Es begrüßte die Nähe, die der Wolf Lavaya ihr spendete und bedankte sich, indem es ihr ein Gefühl der Dankbarkeit schickte. Und auch die Tatsache, dass Casael nun Wald beschwor machte es glücklich. Das Lucerian nahm Casaels Überlegungen wortwörtlich und begann sofort ihn - und nur ihn - weiter mit Bildern, Gefühlen und Gedanken seiner Heimat zu versorgen. Casael sah nun den Lebensbaum, die Bedeutung dieses Baumes für die Welt und auch die Bedeutung der Lucerian für den Wald. Er konnte sehen, dass es böse Wesen gab, die dem Lebensbaum schaden wollten und dass die Lucerian der letzte Schutz des Baumes waren. Casael sah die Landschaft, die Beziehung zwischen Lucerian und den anderen Tieren und zuletzt sah er noch den Eisling in seiner immerwährenden Kälte.

Yavru war überrascht, dass seine Worte dieselbe Wirkung hatten wie die Casaels. Offensichtlich kam es nur darauf an, dass jemand die entsprechenden Worte aussprach, egal wer sie aussprach und in welchem Zusammenhang sie fielen. Lavayas Gruß erwiderte er: „Hallo!“ Nach dem, was diese ihm erzählte, blieben die herbeigerufenen Dinge also bestehen, wenn man sie nur oft genug aussprach. Und anscheinend versuchte Casael nun genau das mit dem Wald.

Laelia fand diese Welt immer noch sehr erstaunlich. Seitdem sie aber wusste, dass sich die Umgebung so wandeln konnte, fand sie das schwarz um sich herum nicht mehr ganz so bedrohlich. Die Sterne über ihnen erinnerte sie sogar an ihre Heimat und ließen warme Gefühle in ihrer Magengegend entstehen. Eine helle Stimme lenkte Laes Aufmerksamkeit auf einen Vogel im Geweih des komischen Baum-Wesens. Den hatte sie ja zuvor total übersehen!

Lavaya spürte die Dankbarkeit des Wesens, auch wenn es nichts sagte. Es freute sie, dass sie ihm zumindest Gesellschaft leisten konnte. Casaels Erklärung, dass es wahrscheinlich hier war, um etwas zu lernen, gefiel ihr hingegen gar nicht. „Wir sollten es zumindest versuchen!“ Für ein Wesen, dass in einer so enge Gesellschaft lebte, musste Einsamkeit genauso schlimm sein wie Hunger und Durst, und sie bezweifelte, das die von Casael erschaffenen Bäume etwas dagegen ausrichten könnten. Was wiederum zu der Frage führte, ob es hier überhaupt genügend Nahrung und Wasser für einen längeren Aufenthalt gab, sowohl für sie als auch für das Wesen. Doch plötzlich unterbrach eine Stimme ihre sorgenvollen Gedanken. Es war das kleine Wesen mit dem seltsamen Fell, das sie bisher weitestgehend ignoriert hatte, da sie sich auf das große Wesen konzentriert hatten. Nun betrachtete es genauer. Es war wirklich winzig, und die Haare, aus denen sein Fell bestand, waren äußerst seltsam geformt. „Wie heißt du eigentlich? Und was bist du für ein Tier?“, fragte sie neugierig.

Casael blickte zu dem Vögelchen. Er würde doch niemals übertreiben! Man kannte ihn als souveränen Wächter! "Ach, wir wissen doch alle dass ihr Vögelchen immer nur vom Sex singt... ich singe hier aber von Wald und Wiesen!" Ein Kribbeln durchlief seinen Körper, als merkte, wie das Pflanzentier neuerlich nach ihm 'griff' und mit ihm in Kontakt trat. Ohne Worte dieses Mal. Er staunte über das, was ihm offenbart wurde und auch wenn er nicht wusste, wie er all das hätte beschreiben können, blieb es doch irgendwie in ihm. Wie eine fremdvertraute Erinnerung. Fern und doch ganz nah und klar. "Wie nennen sich diese Wesen? Die aus Schnee und Eis?" Natürlich tanzten für einen kurzen Moment Flocken um sie alle herum und ein Hauch Kälte legte sich über die Leere und das, was in dieser entstanden war. Über Wiesen und Wald... Es war aber nur für den Bruchteil einer Sekunde, dann war der Wald wieder von durchschnittlicher Temperatur. Weder warm, noch kalt. "Wald, Wald... Wiese... Wiese. Fluss... Fluss..." Denn Bäume brauchten auch Wasser, oder? Eigentlich nahmen sie das aus dem Boden und da war es... War das auch in einer leeren Welt der Fall?

Kurz beginnt es zu schneien und Kälte legt sich über die leere Welt, aber nur für den Bruchteil einer Sekunde. Wald und Wiesen und Sternenhimmel verweilen noch.

Merulia klapperte bei der Feststellung des Wolfs entrüstet mit dem Schnabel. "Vorurteile!" Als ob dieses Wesen wusste, über was sie so sang! Sie konnte ebenso gut über Wald und Wiese und Flüsse singen, und es würde sich sooooo viel schöner anhören, da war sie sich sicher! - Allerdings wollte sie ein wenig freundlicher sein als dieser ungehobelte Fellsack, und so wandte sie sich an die neugierige Wölfin. "Ich bin ein Vogel. Eine Amsel, um genau zu sein!" Stolz plusterte sie die Brustfedern auf und schlug zwei Mal mit den Flügeln. "Die anderen Vögel nannten mich immer Merulia - das dürft ihr Wölfe gerne auch tun." Kurz blickte sie ein jeden von ihnen an - einzig Casael ließ sie aus.

Lucerian hatte interessiert zugehört was Casael und das Vögelchen Merulia redeten, ehe sich Casael zu ihm wandte und ihn etwas fragte. 'Die Wesen aus Eis sind normale Tiere. Lebewesen wie ihr alle. Sie waren allerdings zur falschen Zeit am falschen Ort und wurden zu Eis verwandelt. Sie haben keinen Namen.' An Merulia gewandt, aber für alle hörbar, meinte das Lucerian. 'Wir kennen auch Vögel, Amseln. Es gibt viele von dir bei uns. Wölfe allerdings gibt es nicht.' Es sah sich noch einmal in dem nun sehr großen Wald um. Es wirkte so ähnlich, aber doch ganz anders. Tot. Bäume und Büsche wuchsen überall, doch das Rascheln und Knistern fehlte, das sonst in seinem Wald ständig zu hören war. Dieser Wald war leblos. 'Stille', meinte es zu allen. 'Lebloser Wald in lebloser Umgebung.'

Yavru hatte die Amsel kaum wahrgenommen, bevor sie sich bemerkbar gemacht hatte. Und auch danach hatte er auf ihr Gezwitscher nicht viel gegeben. Etwas Sinnvolles hatte sie ja anscheinend nicht zu sagen. Sie stritt sich ein wenig mit Casael, aber Vögel nahmen sich gerne mal Frechheiten heraus, wohl wissend, dass man ihnen nichts tun konnte, da sie ja fliegen konnten. Und dass sie sich oftmals etwas auf ihren Gesang einbildeten, war auch nichts Neues. Das Lavaya nicht wusste, was ein Vogel war, erschien ihm seltsam, bis ihm klar wurde, dass es in ihrer Heimatwelt vermutlich einfach keine Vögel ab, so wie es anscheinend in der Heimatwelt des unbekannten Tiers keine Wölfe gab. „Was meinst du mit Wesen aus Eis?“, fragte er. Wie konnte ein Tier aus Eis bestehen? Aber dieses hier schien ja auch aus Holz zu sein, oder zumindest einem ähnlichen Material.

Laelia lächelte den Vogel kurz an. Ihr war danach, auch, wenn sie sich nicht sicher war, ob sich das Federvieh nicht als genauso nervig wie Mimiya herausstellen würde. Man würde ja sehen. Als nächstes konzentrierte sich Lae wieder auf das Hirschding. Sie war immer noch fasziniert von der Art, wie es ihr Informationen zukommen ließ, so wie es ihnen gerade jetzt mitteilte, dass es bei ihnen keine Wölfe gab. Als nächstes schien es ausschließlich mit Casael zu kommunizieren, sodass es etwas seltsam war, ihrer einseitigen 'Konversation'zuzuhören. Zuerst dachte sich Lae, dass sie jetzt nur zuzuhören brauchte, um dann - so wie Yavru, der die Frage gestellt hatte - aufgeklärt zu werden, dann fiel ihr ein, dass das ja wohl kaum so sein würde (weil der das Hirschding seine Gedanken nur mit einer Person teilte). Deshalb meinte sie: "Ich würde die Antwort auch gerne wissen..."

Lavaya hatte noch nie einen Vogel gesehen, jedenfalls nicht bewusst. Um so interessanter war Merulia in ihren Augen. Sie hatte nur zwei Beine, war mit einem sonderbaren Fell bedeckt und ihr Fang war klein und spitz und hart. Wie konnte sie damit fressen? Aber was fraß sie eigentlich? Am liebsten hätte Lavaya Merulia mit Fragen gelöchert, aber wie leider so oft war auch diesmal keine Gelegenheit dafür, denn dem großen Wesen zu helfen hatte jetzt erst einmal Vorrang. Vielleicht ergab sich später noch eine Gelegenheit dazu, ebenso, wie Casael zu fragen, was Sex war. Vermutlich war es ohnehin nichts wichtiges, sonst hätte sie bestimmt schon davon gehört. Auch sie war sich nicht sicher, über was für Eiswesen auf einmal geredet wurde, aber ihre Aufmerksamkeit schenkte sie dem Wald. Er würde dem Wesen vermutlich ein wenig das Gefühl von Heimat vermitteln, aber wahrscheinlich nicht seiner Einsamkeit entgegenwirken. Das wäre ja so, als würde man von ihr erwarten, sich nicht einsam zu fühlen, wenn sie sich ganz alleine in einer Welt befand, nur weil die Welt Haare aufwies. Und die Worte des Wesens, der Wald sei still und leblos, schienen diese Befürchtung zu bestätigen. „Das reicht nicht. Wenn wir sie nicht nach Hause zurück bringen können, müssen wir sie zumindest erst einmal mitnehmen, bis wir ihre Heimatwelt finden. Und bis dahin kann sie bei uns bleiben. Auch in anderen Welten gibt es Bäume, es muss ja nicht unbedingt Dellruin sein. Und solange sie bei uns ist, ist sie wenigstens nicht allein.“

Casael spitzte die Ohren und grinste in sich hinein, als er merkte, dass Merulia ihn mit Nichtachtung abstrafte. Was hatte das kleine Vögelchen bloß gegen ihn? Er sang doch bloß für die pure Freude an der ihm verliehenen Macht und für das Pflanzentier, das sich so sehr darüber freute! Da freute er sich gleich doppelt und dreifach mit! Auch wenn er ein Kindskopf war, war er doch nicht welpisch genug, um sich viel aus dem Vogelverhalten zu machen. Es gab auch gerade Interessanteres und Wichtigeres, als ein überempfindliches Federtier. Er wollte mehr über die Welt des Pflanzentiers wissen und über die fremdartigen Wesen, die er durch es vor seinem geistigen Auge gesehen hatte. Namenlose Wesen... Ob nur das Pflanzentier keinen Namen kannte? Oder hatten diese Wesen auch für sich selbst keinen Namen? Aber er wusste auch immer noch nicht, was für einer Art das Pflanzentier angehörte. Er wusste nicht einmal, ob es sich durch die Bezeichnung 'Pflanzentier' nicht gekränkt fühlen würde. Die letzten Worte stimmten ihn nachdenklich. Lebloser Wald? Er blickte hinein und verstand, was das Wesen meinte. Es gab keine Tiere und die Bäume standen starr. Es gab keinerlei Geräusche. "Windhauch. Windhauch. Windhauch. Windhauch.", flüsterte er vor sich hin, um die Gespräche der anderen nicht zu durchbrechen. "Fluss. Fluss. Windhauch..." Denn das brauchte ein Wald auf jeden Fall zum Leben. Wasser und Wind. Wind war eben eigentlich immer da. Egal wie leicht... Wind schien sehr viel Bewegung in eine Welt zu bringen. Ihm fiel noch etwas anderes auf. "Laub. Laub. Laub." Ein bisschen irritiert blickte er zu Lavaya. "Du denkst, es handelt sich um eine Sie?", erkundigte er sich und wandte sich dann fragend an das Plfanzentier. "Bist du ein weibliches oder ein männliches Geschöpf? Und gibt es für deine Art einen Namen?"

Merulia spürte ein gewisses Glücksgefühl, als das Wesen meinte, es gäbe viele Amseln in einer Welt. Diese Artgenossen würde sie gern sehen! Und je mehr der Wald um sie herum entstand und blieb, wünschte sie sich, diese seltsame Welt einmal mit eigenen Augen sehen zu dürfen. Dieses Glücksgefühl verpuffte allerdings schnell, als sie die Beobachtungen in ihrem Kopf hören konnte. Ja. Dieser Wald war still und leblos. Wenn sie genauer nachdachte, wollte sie ihn vielleicht doch nicht erleben. Allerdings wuchsen Blätter. Und sanfter Wind setzte ein. Leises Murmeln, das sie erst kaum registriert hatte, weil sie sich auf die anderen Wölfe konzentriert hatte. Dieser ungehobelte Wolf - er sorgte tatsächlich dafür, dass Leben herein kam! Leise begann sie, ihm zu helfen und mit ihrer feinen Stimme einen Singsang anzustimmen, in dem sie das Gezwitscher von Amsel, Drossel, Fink, Star, Rotkehlchen und noch vielen anderen Vögeln herbeiwünschte. Da sie sich bisher allerdings nichts selbst gewünscht hatte, war sie sich nicht sicher, ob ihre Wünsche ebenfalls erhört werden würden.

Lucerian wusste nicht recht, wie es erklären sollte, warum es bei ihnen Wesen aus Eis gab. 'Der Ursprung liegt in einem Wesen namens Eisling. Es war der erste, der lebendig war und aus Eis bestand. Aber es verwandelt andere Lebenwesen ebenfalls in Eis. Lebendige Wesen verwandeln sich in Wesen, die sich noch eine gewisse Zeit als Eisform bewegen können, ehe sie erstarren und gänzlich sterben.' Als Lavaya jedoch etwas von weggehen sagte, kam ein ängstliches Gefühl in ihm auf. Wollten sie es etwa hier alleine lassen? Als sie dann allerdings meinte, sie können es mitnehmen, kam ihm eine andere Frage in den Sinn. 'Wie wollt ihr denn wieder wegkommen?' Die Bemühungen von Casael und Merulia machten es glücklich, doch konnten sie die Leblosigkeit nicht wirklich beheben. Es fehlten einfach die Tiere in dem herbeigesungenen Wald. 'Ihr müsst Tiere rufen. Kein Wald ist lebendig ohne Tiere.' Als letztes antwortete das Lucerian noch auf Casaels Fragen. 'Die Tiere nennen uns Lucerian. Meine Art pflanzt sich nicht fort. Aus diesem Grund brauchen wir auch kein Geschlecht. Aber wir unterscheiden zwischen großem und kleinem Geweih. In der Tierwelt bedeutet groß meist männlich und klein meist weiblich. Da mein Geweih im Vergleich zu anderen meiner Art zu den kleineren gehört, entspricht das wohl eurer Definition von weiblich.'

Yavru war erstaunt über die Antwort des Wesens und empfand sie auch ein wenig gruselig. Ein Eiswesen namens Eisling, das andere Lebewesen in Eis verwandelte, wobei sie noch eine Weile am Leben blieben, bevor sie starben und erstarrten? „Das klingt ja schrecklich! Warum tut der Eisling sowas?“ Mittlerweile wusste er, dass es zwar Wesen gab, die einfach böse waren, wie zum Beispiel die Weißen Schatten, dass aber zumeist zumindest ein Grund dahinter steckte, auch wenn der nicht immer offensichtlich war. Ja, wie wollten sie wieder wegkommen? „Gute Frage. Bisher sind wir meistens einfach in eine andere Welt geraten, ohne das zu wollen. Aber erfahrenere Weltenreisende können auch bewusst springen. Casael kann das bestimmt, er ist ja ein Wächter.“ Fragend schaute er den Rüden an in der Hoffnung, dass dieser seine Vermutung bestätigen würde. Tiere? Ja, warum waren sie da nicht gleich drauf gekommen? „Tiere, Tiere, Tiere!“ Gespannt schaute er sich um, was passieren würde.

Laelia fand er zuerst sehr befremdlich, wie Casael vor sich hinmurmelte. Als dann der Vogel auch noch anfing zu singen, fand sie das zwar ganz hübsch, aber eigentlich kontraproduktiv. Sie wollte doch ein sinnvolles Gespräch führen! Als um sie herum aber ein Wald entstand, sehr angenehm, erkannte sie was sie wollten. Aber was fehlte denn noch? Lebewesen. Hm. Zu diesem Schluss kam auch das Hirschvieh. Diese Geschichte von den Eiswesen wirkte auch auf Lae ziemlich schrecklich. Aber warum sollte es nur bei ihr weiße Schrecken geben? Diese Welt, aus der das Hirschding kam, wirkte einfach insgesamt sehr besonders, da war es ja nur logisch, dass die Bösen auch stärker waren.

Merulia hatte den Eindruck, dass weder ihr eigener, schöner Gesang noch das Gemurmel des Wolfs etwas brachte. Allerdings kam ihr dann ein Gedanke und sacht löste sie den Fuß aus den Haaren des Wesens. "Ich weiß, wie zumindest ein Tier in den Wald kommt!", verkündete sie fröhlich, "außerdem habe ich dann vielleicht die Möglichkeit, mal eine Weile in einer vogelfreundlichen Umgebung zu bleiben!" Mit diesen Worten flatterte sie in die Luft, flog zwei Mal im Kreis über der gesamten Gruppe, um sich vorerst zu verabschieden, und verschwand dann zwischen den Baumstämmen. Irgendwann würden sie sich bei diesen vielen Welten vielleicht wieder über den Weg laufen - und wenn nicht, dann wollte sie diese Begegnung zumindest in guter Erinnerung behalten.

Lavaya fand die Sache mit dem Eisling ebenfalls gruselig. Das Wesen gefährlich sein konnten, wie die Springlinge ihrer Heimat, war für sie nichts neues. Aber Springlinge waren nicht bewusst bösartig, sie verhielten sich halt, wie ihre Art sich verhielt. Vermutlich mussten sie es sogar, wenn sie sich ernähren wollten. Aber beim Eisling schien das anders zu sein. Oder vielleicht doch nicht? Vielleicht musste er andere Wesen in Eis verwandeln, um zu überlegen? Sie wartete gespannt auf die Antwort des Wesens. Auf Yavrus indirekte Frage schaute sie ebenfalls Casael an. Nachdem er bereits gesagt hatte, dass es hier vermutlich etwas lernen sollte, befürchtete sie, dass er womöglich nicht dazu in der Lage war, es gegen den Plan der Welten mitzunehmen, egal wohin. Dennoch hoffte sie es, denn die Alternative es hierzulassen erschien ihr einfach zu grausam. „Ich weiß es selbst nicht, aber da ich sie nicht ‚es‘ nennen will, nehme ich erstmal an, dass sie sie weiblich ist. Schließlich hat sie nicht gesagt, dass sie männlich ist, und es ist schließlich normal, weiblich zu sein.“ Als ihr klar wurde, dass die anderen das womöglich nicht alle so sehen würden, fügte sie schnell hinzu: „Für mich zumindest.“ Das Wesen, das, wie es jetzt erzählte, ein Lucerian war, bestätigte ihre Einschätzung, wenn auch aus einem interessanten Grund. „Es geht also nach dem Geweih? Aber Wölfe haben kein Geweih, und unterscheiden sich trotzdem in männlich und weiblich. Also wir nicht, aber die meisten anderen Wolfsarten anscheinend schon.“ Als Yavru versuchte, Tiere herbeizurufen, war sie eher erleichtert, dass es nicht funktionierte. Wer hätte wissen können, was für Tiere es geworden wären. Womöglich Springlinge oder ähnlich gefährliche Kreaturen. Man musste vorsichtig sein, und anscheinend auch genauer. Sie versuchte es ersteinmal mit etwas kleinem, harmlosen: „Eichhörnschen, Eichhörnchen, Eichhörnchen!“ Als das auch nicht klappte, kam ihr eine Idee. „Lucerian!“ Auch das brachte nichts, aber bevor sie sich Gedanken darüber machen konnte, tat der Vogel etwas völlig unmögliches. „Habt ihr das gesehen? Merulia ist weggeflogen! Sowas geht doch gar nicht!“
.
Casael konnte keine anderen Tiere außer ihnen in diesem Wald feststellen. "Wir sind zwar nicht viele Tiere... aber immerhin sind wir auch Tiere in diesem Wald, oder nicht?" Er fand, dass auch die kleinen Dinge zählten. "Vielleicht zieht der Wald mit der Zeit auch Tiere an..." Falls er länger blieb. Der Sternenhimmel war jedenfalls immer noch über ihnen zu sehen. "Kannst du dich denn bewegen, Lucerian? Oder bist du festgewachsen?" Und wenn ja, wie konnte man denn in einer leeren Welt festwachsen? Nun war sie natürlich nicht mehr so leer wie zuvor... Casael blickte nachdenklich in die Runde und hatte kurz weinen wollen, über Lavayas Annahme, dass alle Wesen im Normalfall weiblich waren. Ein bisschen etwas schien die Fähe allerdings bereits gelernt zu haben. Das Merulia dann davon flog, beeindruckte ihn eher weniger. "Das ist es, was Vögel zu tun pflegen... Fliegen... das können sie fast alle. Manche besser als andere. Amseln jedenfalls können für gewöhnlich immer fliegen."

Lucerian wartete gespannt, ob auf den Ruf nach Tieren wirklich welche auftauchten, aber es war nicht der Fall. Es interessierte sich jedoch brennend dafür, wie es wieder zu sich nach Hause gelangen konnte. 'Also könnt ihr einfach so wieder hier weg gehen?' Als Merulia wegflog, wünschte es ihr noch eine schöne Reise. Hoffentlich würde sie sich nicht verfliegen. Auf Casaels Frage hin, ob es sich bewegen könne, erhob es sich auf seine Hinterbeine und ragte nun hoch über die anderen hinweg. 'Auch Pflanzen können sich bewegen, nur meist nicht so, dass ihr anderen es bemerkt. Manchmal jedoch auch auf sichtbare Art.'





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Lu, Kyro, Josh, Lio



13.03.2018 19:55
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Lijenna
Lillyan Caesar






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Wolfsträumer

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Yavru war ein wenig enttäuscht, dass es ihm nicht gelang, Tiere herbeizurufen. Er überlegte sich, ob sein Wunsch nach Tieren nicht vielleicht ein wenig unspezifisch gewesen war, aber als Lavaya es zuerst mit Eichhörnchen und dann auch mit Lucerian versuchte, geschah ebenso nichts. Diese Welt schien zwar verschiedene Landschaften, jedoch keine Tiere hervorbringen zu können. Als Lavaya dann jedoch auf den wegfliegenden Vogel reagierte als sei es wer weiß was für ein Wunder, konnte er sich ein Grinsen nicht verkneifen. Offensichtlich kannte sie nicht nur keine Vögel, sondern überhaupt keine fliegenden Tiere. Dass das Lucerian sich plötzlich auf aufrichtete und sie nun noch mehr überragte, überrascht hingegen auch ihn, und unwillkürlich machte er ein paar Schritte zurück. „Ja, Bäume bewegen sich im Wind. Aber sie laufen nicht umher.“

Laelia starrte das Hirschdings an. Jetzt wirkte es wirklich absurd irgendwie, und so riesig! Lae hatte das Gefühl, dass die Spitzen des Geweihs unendlich weit weg im Himmel waren. Auch sie machte ein paar Schritte zurück, um den Kopf nicht mehr ganz so stark in den Nacken legen zu müssen um in das Gesicht des Wesens zu blicken. Sie überlegte, ob es wohl möglich wäre, dass sie vielleicht irgendwie von dort oben die Welt überblicken könnte. Das Baumwesen wäre ja wahrscheinlich sogar stark genug, um sie zu tragen.

Lavaya schaute Casael irritiert an. Offensichtlich war es für ihn wie auch für die anderen ganz normal, das Tiere fliegen können. „Aber wie kann es sein, dass so ein Tier einfach durch die Luft fliegt? Wölfe können das doch auch nicht!“ Sie schüttelte den Kopf. So etwas konnte doch einfach nicht sein, oder? Andererseits waren in den unterschiedlichen Welten wohl die seltsamsten Dinge möglich. Dass man Sterne oder gar Bäume durch bloße Worte entstehen lassen konnte, wäre ihr vor kurzem ebenso seltsam vorgekommen wie ein fliegendes Tier. Vermutlich musste man einfach hinnehmen, das die meisten Welten so ganz anders waren als Lupmundi und daher auch die seltsamsten Dinge darin passieren konnten. Dass das Lucerian sich auf die Hinterbeine aufrichtete und nun noch größer war als ohnehin schon erstaunte sie ebenfalls, erschreckte sie jedoch nicht, da es immer noch friedlich aussah. „Du sagtest, ihr pflanzt euch nicht fort? Werdet ihr auch von eurer Welt geboren, so wie wir?“

Casael beobachtete Lucerian aufmerksam. Er machte die Art des Wesens nun zu ihrem Namen. Weiblich war sie schließlich auch noch! Fasziniert beobachtete er die für Pflanzen schnellen Bewegungen. Mehr hatte er nicht wissen wollen! "Wunderbar!", rief er aus und lachte. "Also kannst du uns begleiten!" Das war schon einmal gut. "Weißt du, Lavaya... der Vogel hat mit dir vielleicht mehr gemeinsam als mit mir. Vögel schlüpfen nämlich und werden nicht geboren." Vielleicht war Lavaya einfach eine Mischung aus Vogel und Lucerian und vielen anderen Dingen. Er lachte in sich hinein. Sein Blick glitt zu Laelia, die er sacht anstupste. "Fang zu... es zieht!", zog er die Jungwölfin auf.

Lucerian lachte herzhaft - die bisher einzige wirkliche Gefühlsregung. 'Pflanzen bewegen sich aber nicht nur im Wind. Es gibt Blumen, die öffnen und schließen sich je nach Tageszeit und es gibt Blumen, die folgen der Sonne mit ihren Blütenköpfen. Warum sollten wir uns dann nicht so bewegen können, wie Tiere es können?' An Lavaya gewandt meinte es: 'Vögel sind aber auch ganz anders gebaut als ihr. Sie haben auch kein Fell wie ihr. Sie haben Dinge, die nennen sich Federn.' Zwar wusste das Lucerian nichts über die sogenannte Rasse namens 'Wolf', aber sie schienen gleich wie die Tiere in seiner Welt mit Fell bedeckt zu sein. 'Wir werden nicht direkt durch die Welt geboren, sondern vom Baum des Lebens. Wie werdet ihr denn geboren?' Als es sah, dass die jüngere Fähe Laelia ziemlich offentlichtlich starrte, konnte es sich denken, dass sie nicht häufig so große Wesen zu Gesicht bekam. 'Bei uns gibt es viele solch große Lebewesen, junges Wolf. Was bringt dich so zum Staunen?'

Yavru war erstaunt, dass das Lucerian lachte. Bisher war es zwar freundlich gewesen, hatte jedoch keine wirklichen Emotionen gezeigt und Yavru war sich bisher nicht einmal sicher gewesen, ob es dazu überhaupt in der Lage war. Nun fragte er sich hingegen, ob es ihn womöglich auslachte. „Ja, das stimmt natürlich. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich mir über Pflanzen bisher noch nicht so viele Gedanken gemacht habe.“ Sicher, Pflanzen umgaben sie, und ab und zu fand sich eine, an der zum Beispiel leckere Beeren wuchsen, aber gemeinhin ernährten Wölfe sich nun mal von Fleisch. Ob pflanzenfressende Tiere den Pflanzen wohl mehr Aufmerksamkeit schenkten? Vermutlich, denn sie brauchten sie ja, um zu überleben. Auf die Frage des Lucerians nach der Geburt schaute er Casael fragend an, denn das Thema war ihm irgendwie doch unangenehm. Doch dann antwortete er: „Wir werden von einer Fähe geboren, also einem weiblichen Wolf. Bei den meisten Tieren ist es so, soweit ich weiß. Nur bei Lavaya ist es anders, weil sie aus einer anderen Welt stammt als wir.“

Laelia hatte beim Lachen des Hirschdings entgültig entschieden, dass sie das Pflanzenwesen mochte. Sie fand es zwar doch etwas befremndlich, eine Pflanze zu mögen, gleichzeitig hatte es ja auch auf Gaia einige Bäume gegeben, die irgendwie eine sympatische Ausstrahlung gehabt hatten - so alt und weise und so. Erst, als sie von Casael angestupst wurde, wurde ihr bewusst, dass sie die Pflanze mit leicht geöffnetem Fang angestarrt hatte. Etwas beschämt schloss sie ihn und schielte kurz zum Wächter hinüber, der allerdings nur freundlich lächelte. Währenddessen redete das Hirschdings weiter und Laelia brauchte einen Moment, um zu erkennen, dass mit "junges Wolf" sie gemeint war. "Du kannst so groß sein! Ehrlich gesagt habe ich mir gerade vorgestellt, wie es wäre, von deinem Geweih aus die Landschaft zu betrachten. Dir müssen wir ja unglaublich klein vorkommen!", antwortete die junge Wölfin der Pflanze. Lae renkte sich noch einen Moment beinahe den Hals aus bei dem Versuch, der Pflanze ins Gesicht zu sehen, dann ließ sie es blieben und starrte stattdessen die knorrigen Beine an.

Shrkali fühlte trockenen Boden unter ihren Ballen, welche wegen des ungewohnten Gefühles für einen kurzen Moment gefroren. Nachdem sie sich ein paar Sekunden lang geschüttelt hatte und alles um sich herum mit dem Wasser, das wie immer aus ihrem Fell tröpfelte, angespritzt hatte, sah sie sich interessiert um. Sie befand sich auf einer Wiese, am Rande eines Waldes. Über ihr glitzerte ein Sternenband, welches vielfach von den Wassertropfen auf den Grashalmen widergespiegelt wurde. Nachdem sich ihre Pfoten an das ungewohnte Gefühl gewohnt hatten und wieder auftauten, begann sie leise schnurrend loszutrotten. Die Nacht war wirklich wunderschön, doch mit einem leichten Kopfschütteln, welchem widerrum von leise Tropfgeräusche folgten, erinnerte sie sich daran, dass sie nicht wegen der tollen Stimmung hier war. Zugegebenermaßen hatte sie aber auch wenig Ahnung, weswegen sie sonst hier war. Suchend sah sie sich um und streckte ihre Schnaze in die leichte Brise. Sie schnupperte einige Momente lang und meinte nach einem Moment, eine leichte Note von etwas Tierartigem zu erschnuppern. Sie wandte sich in die Richtung, aus der der Geruch herkam, und erkannte nach ein paar Schritten eine Gruppen von Vierpfotern, welche um ein sehr seltsames und großes Gebilde herumstanden. Genauer einordnen konnte sie die Tiere allerdings erst, als diese sie bestimmt schon längst erschnuppert hatten, und das, obwohl ihr Geruch von dem Luftzug weggetragen wurde. Genau einschätzen konnte Shrkali es allerdings nicht, da ihr Geruchsinn um einiges schlechter war als der jeder anderen ihr bekannten Art. Gründlich schüttelte sie ihren Pelz noch einnmal, legte ihn flach an, und trat dann leise platschend in den Bereich, in dem man sie sicher bemerken würde.

Lavaya war im Gegensatz zu den anderen nicht sonderlich erstaunt über das Lachen des Lucerians. Ihr war gar nicht die Idee gekommen, es könnte keine Emotionen haben. Sie selbst konnte Lachen, warum sollten das andere nicht können? Dass das Lucerian es konnte, zeigte für sie nur, dass zumindest manche Dinge immer noch völlig normal waren – wie zum Beispiel Lachen. Und anscheinend war es dann auch doch nicht ganz so ungewöhnlich, nicht geboren worden zu sein, wenn es neben dem Lucerian auch den Vögeln so erging. „Woraus schlüpfen sie denn?“ Das Lucerian war zudem so nett, ihr zu erklären, wie das mit dem Fliegen funktionierte. Wobei es für sie durchaus so ausgesehen hatte, als hätte Merulia Fell, wenn auch seltsames. „Federn? Heißen so die seltsamen Haare der Vögel?“ Auf die Frage des Lucerians und Yavrus Antwort darauf merkte sie an: „Eigentlich werden wir schon geboren, nur nicht von einem anderen Tier, sondern von der Welt selbst.“

Panatan durchfuhr ein Schütteln und als er die Augen schloss, konnte er sehen, wie sich ein Riss durch die Leere zog. Eindringlinge! Jemand hatte die Sterne heraufbeschworen! Er blinzelte und sah sich um. Eigentlich hatte er gedacht, seine Welt gut genug geschützt zu haben, aber dem war wohl nicht so. Mit einem gezielten Sprung schob er sich aus der sicheren Deckung in die leere Welt. Während er auf die Suche nach den Eindringlingen ging, durchzuckte immer wieder irgendein Wort seinen ganzen Körper. Sterne und Sonne und Wald und Wiese und- ihm schwirrte bald der Kopf. Da schien jemand zu glauben, ungestraft davon kommen zu können! Der kleine Panda setzte sich nach einer Weile erschöpft von all den Angriffen auf seine Welt und rieb die Vorderpfoten gegeneinander. "Leere.", hauchte er in die Welt.

Wald, Wiese und Sterne verschwinden und die Leere ist in ihrer Nachtschwärze zurück.

Casael erstarrte, als es plötzlich wieder völlig leer war, um sie herum. Hey! "Sonne!", rief er entrüstet aus, doch es geschah nichts. "Sonne!" Unschlüssig sah er sich um. "Sterne?" Die Magie schien verflogen zu sein.

Yavru wollte gerade das Lucerian fragen, ob es tatsächlich wie eine Frucht am Baum gewachsen war, als plötzlich die Landschaft um sie herum verschwand und der völligen Leere Platz machte, die schon zu Anfang her gewesen war. „Anscheinend ist die Wirkung unserer Worte verflogen. Lass uns wieder Wald schaffen. Wald, Wald, Wald!“ Als weder seine Worte noch die Casaels eine Wirkung zeigten, schaute er diesen fragend an. „Es funktioniert nicht mehr!“ Plötzlich hörte er etwas. Es klang wie Schritte und tropfendes Wasser. Er witterte angestrengt und konnte eindeutig einen fremden Geruch wahrnehmen. Es roch nass und irgendwie nach Katze. „Da kommt jemand!“, flüsterte er, bevor er sich umdrehte und in die Richtung der Geräusche schaute.

Panatan sprang vor die Pfoten des Wolfs und kniff diesem mit seiner linken Vorderpfote in die Nase. Dazu musste er sich sehr lang machen, aber es reichte, als er sich auf die spitzen seiner Krallen stellte. "Was fällt dir ein!", schimpfte er. "Natürlich ist die Wirkung verflogen. Ich habe die Leere zurück geholt! Ich bin der König! Glaubt ihr wirklich, eure Worte hätten dieselbe Macht wie die meinen?" Niemals! "Was wollt ihr Störenfriede in Naelura? Ihr seid alles Schurken! Das erkenne ich sofort! Ihr spielt mit Worten, als hätten sie keine Bedeutung!" Der kleine Panda plusterte sich auf und zuckte mit den Ohren, als er Wasser tropfen hörte. "Wer hat es gewagt, Regen zu bringen!" Wild herumfuchtelnd sah er sich um und bemerkte, dass es ein Wesen war, das offensichtlich von allein tropfte. "Oh. Gut. Ich will euch auch geraten haben, den König nicht in Frage zu stellen." Mit einem entschiedenen Nicken verlieh er seinen Worten Nachdruck.

Lavaya war ebenso erschreckt wie die anderen, als alles, was sie umgab, plötzlich verschwand. Zwar hatte sie selbst erlebt, wie sie die Umwelt allein mit ihren Worten aus dem Nichts erschaffen hatten, doch sie hatten sich erstaunlich schnell daran gewöhnt, und die Leere kam ihr jetzt noch viel leerer vor als am Anfang. Und dass es nicht gelang, sie wieder zu vertreiben und neue Bäume oder auch nur Sterne zu erschaffen, war fast schon unheimlich. Doch bevor sie antworten konnte, machte Yavru darauf aufmerksam, dass sich jemand ihnen näherte. Sie lauscht und witterte. Tatsächlich. Da kam jemand. Doch plötzlich war da noch jemand anderes, baute sich vor Yavru auf und kniff ihm sogar in die Nase. „Wer bist du? Was bist du? Und warum hast du die Leere zurückgeholt? Die Bäume waren doch so schön!“ Dass sie einmal Bäume als schön bezeichnen würde, hätte sie vor nicht allzu langer Zeit sicher auch nicht gedacht. Aber auch wenn ihr Haare nach wie vor lieber gewesen wären, war ein Wald doch viel besser als gar nichts. An den anderen Neuankömmling dachte sie unterdessen gar nicht mehr.

Lucerian beschloss kurzerhand, dass es den Wunsch des jungen Wolfs zu gewähren. Die Wurzeln, die von ihm ausgingen wurden kräftiger und größer und wickelten sich sachte und behutsam um Laelia, ehe sie sie emporhoben und eine Art Thron auf dem Geweih des Lucerian bildeten. Dort auf diesem Thron setzten die Wurzeln Laelia ab - als neue Herrscherin der Höhen. Auf Lavayas Frage hin, sagte es: 'Ja, das Fell der Vögel heißt Federn. Es sind eigentlich eine Art Bündel von Haaren, die ...' Aber weiter kam es nicht, da die Welt wieder dunkel wurde. Und auch die Worte von Casael und Yavru halfen nicht diese Dunkelheit zu vertreiben. Als das Lucerian den Neuankömmlin sah, wollte es diesen schon freundlich grüßen, ehe ihm einfiel, dass es ja nur mithilde der Wurzeln mit mehreren Leuten kommunizieren konnte. Als das neue Wesen Yavru dann aber in die Schnauze kniff, war es froh, dass es nicht freundlich gegrüßt hatte. So ein Benehmen gehörte sich nicht! Wer begrüßte denn Fremde mit einem schmerzhaften Kneifen? Lucerian kam das Verhalten des Neuankömmlings generell sehr besorgniserregend vor und so tat es das, was es in seiner Heimat zu tun gelernt hate - es beschützte. Nur diesmal sorgte es sich nicht um den Wald, sondern um seine neu gewonnenen Bekkannten. So wuchsen aus der Leere unbemerkt Wurzeln, die den Neuankömmling an Ort und Stelle hielten - sollte er böse sein, hatten die anderen eine Chance wegzulaufen und sollte sich doch herausstellen, dass das Wesen gut war, so konnte das Lucerian es immer noch frei geben. 'Wie sprichst du denn mit neuen Bekannten?', sagte es mit tieferer Gedankenstimme als vorhin zu dem Wesen. Die Stimme machte deutlich, dass das Lucerian seine neuen Freunde auf jeden Fall beschützen würde. Dass sich noch ein Wesen näherte, ging in dem Trubel für das Lucerian erst einmal unter.

Shrkali war etwas enttäuscht, als die wunderbare Nacht um sie herum verschwand, doch möglicherwweise war es ja eine Art Zyklus, und es wäre unfair, sich über etwas, von dem sie nichts verstand, aufzuregen. Außerndem hatte dieses Nichts auf seine eigene Art auch etwas künstlerisches, mit den Vierpfotern, die sich in der Mitte etwas verwirrt umsahen. Hatten sie sie schon gewittert? Ja, einer von ihnen drehte sich um und starrte in ihre Richtung. Dann jedoch erschien ein neues Wesen scheinbar aus dem Nichts, und lenkte alle Aufmerksamkeit auf sich. Sie konnte nicht wirklich viel von dem, was dort passierte erkennen, abgesehen davon, dass das seltsame Gebilde, welches offensichtlich lebendig war, einen der Vierpfoter auf seine Spitze hob. Diesem schien das ganze allerdings zu gefallen, also schien kein Problem vorhanden zu sein, also beschloss sie noch kurz abseits zu bleiben. Erst als das Ding seine Arme um den neuesten Vierpfoter schlang, dem dies allerdings gar nicht zu gefallen schien, beschloss sie, einzuschreiten. Sie konnte möglicherweise nichts gegen das Gebilde unternehmen, doch es zu versuchen war immer ncoh besser als nur danebenzustehen. "Was ist hier los?", fragte Shrkali, möglicherweise etwas stranger als beabsichtigt, und unwillkürlich begann ihr Pelz ein wenig zu dampfen.

Casael liebte es, hier zu sein. Er wusste nicht einmal mehr, wieso er je hatte sesshaft werden wollen. Wächter zu sein und immer auf Besucher zu warten war so langweilig gegen das hier! Er brauchte diese Abenteuer! Neue Welten, neue Wesen, neue Erfahrungen! Wie ein Zuschauer und ein gelehriger Schüler übergab er den jungen Seelen das Ruder und ließ sich am Rand nieder, um zu beobachten. Das war großartig!

Yavru konzentrierte sich auf den Neuankömmling, doch bevor dieser in Sichtweite kam, passiere etwas seltsames: Ein kleines, rotes, pelziges Wesen erschien und kniff ihm in die Nase! Zudem erklärte es, die Leere zurückgeholt zu haben und beschimpfte sie als Schurken und Störenfriede, während es sich selbst als König bezeichnete. „Was fällt dir ein, alles, was wir geschaffen haben, zu zerstören und dich dann auch noch so aufzuspielen?“, knurrte Yavru verärgert. Damals in Gaia, vor seiner Reise im Weltenbaum, hätte er ein so kleines Tier, dass sich so aufgeführt hätte und es sogar gewagt hätte, ihn in die Nase zu kneifen, einfach gefressen. Und vielleicht wäre das auch jetzt nicht das Verkehrteste. Immerhin musste er auch im Weltenbaum gelegentlich etwas fressen. Und dieses Viech hatte es eindeutig mehr verdient, als die meisten anderen Beutetiere. Doch bevor er sich entscheiden konnte, ob er diesen Plan in die Tat umsetzen sollte oder ob in einer ihm unbekannten Welt wie dieser das Risiko zu groß war, dadurch etwas ungewolltes auszulösen, wuchsen plötzlich Wurzeln aus dem eigentlich gar nicht vorhandenen Boden und umschlangen das kleine Tier. Das Lucerian war ihnen zur Hilfe gekommen! Zwar bezweifelte er, dass das nötig war, aber er nickte ihm dennoch zu. „Danke.“ Dass das Wesen, dass er zuerst gewittert hatte, mittlerweile näher gekommen war, nahm er zwar war, doch er achtete nicht sonderlich darauf, da seine Aufmerksamkeit dem kleinen, rötlichen Wesen galt.

Panatan wandte sich an die Wölfin, die fragte, wer und was er war. Er strafte seinen Körper und schien dabei überhaupt nicht von der Größe der anderen Wesen beeindruckt zu sein. Auch nicht von deren Alter. "Ich bin Panatan und ich bin der König dieser Welt!", rief er aus. Dass es um die Tierart ging, wusste er nicht. "Ich habe die Leere zurückgeholt, weil ich sie geschaffen habe und niemand außer mir das Recht hat, etwas an ihr zu verändern!" Das nächste was geschah empörte ihn aber dann doch viel mehr als die Spielereien mit seiner leeren Welt. Dieses komische Wesen versuchte ihn zu fangen! Einzufangen! Einzusperren! Ihn! Den König! "Stein.", fauchte er und als die Wurzeln von Steinboden umschlossen wurden, befreite er sich aus dem Griff. "Ich spreche mit Schurken wie es mir beliebt!", gab er zurück. "Schließlich bin ich der König!" Auch der Wolf den er in die Nase gezwickt hatte, hatte sich zu Wort gemeldet und ihn angeknurrt. Das musste sich einer mal vorstellen! Er hatte IHN angeknurrt! Mit einem wütenden Stampfen rief er: "Gebirge! Himmel! Sonnenschein!" Der Boden unter den Pfoten und Wurzeln der Wesen hob sich zu einem majestätischen Gebirge in die Höhe. Immer weiter schien es hinauf zu gehen, während zu ihren Pfoten die Täler weiter und weiter in die Ferne rückten. Sie Sonne strahlte von einem blauen, wolkenlosen Himmel hinab. "Wasserfälle... Insel..." Von den höchsten Höhen der Berge ging es für die verschiedenen Seelen wieder in die Tiefe. Das Gebirge umragte ein einziges, kreisförmiges Tal. Es war eine einzige Ebene in die Wassermassen zu strömen begannen. Nur eine Stelle wurde vom Wasser verschont, eine kleine Insel, auf der Yavru, Lavaya, Lucerian, Shrkali, Casael und Laelia zurück blieben. Panatan selbst hatte sich mit ein paar Sprüngen entfernt und sich auf einem Felsen in Sicherheit gebracht, der aus dem kreisrunden Wasserfall ragte, weit über den Köpfen der anderen. "Ihr werdet den Tag nie vergessen, als ihr den König von Naelura beinahe gefangen hättet!", lachte er und betrachtete die Insassen seines neu errichteten Gefängnisses zufrieden. Offenbar hatte die Umgebung sich genauso geformt, wie er es sich vorgestellt hatte.

Lavaya war mit der Antwort des Tiers nicht wirklich zufrieden. Was war ein König, und wie konnte man Leere schaffen und dann auch noch für sich das Recht beanspruchen, als einziger etwas daran ändern zu dürfen? Nun, immerhin hatte es ihr seinen Namen genannt. „Ich bin Lavaya“, stellte sie sich ihrerseits vor. Yavrus verärgerte Reaktion hatte unterdessen wiederum Panatan verärgert, und dieser veränderte die Welt anscheinend praktisch mühelos, sodass sie sich schließlich auf einer kleinen Insel befanden, die von Wasserfällen, die rundum von Berghängen hinabstürzten, umgeben war. „Warum funktioniert es bei ihm noch, aber bei uns nicht mehr?“, fragte sie die anderen. Angst hatte sie bisher noch keine. Zwar wusste sie nicht, wie sie hier wieder weg kommen könnten, aber solange sie es noch gar nicht ausprobiert hatte, gab es auch noch keinen Grund, sich Sorgen darüber zu machen.

Casael saß weiterhin ruhig bei den anderen. Um ihn herum waren sie in schwindelerregende Höhe gerauscht und dann wieder in die Tiefe gestürzt, ohne dass sie je den Boden unter den Pfoten verloren hatten. "Ich denke, du solltest ihn das selbst fragen! Darüber könnten wir ewig spekulieren!" Er sah schmunzelnd zu dem kleinen Panda hinauf. Dieser thronte über ihren Köpfen. Wie ein König eben...

Yavru erstarrte vor Schreck, als das rötliche Viech nicht nur die Wurzeln abwehrte, sondern die Welt so veränderte, dass sie plötzlich zunächst in die Höhe gehoben und dann in die Tiefe versenkt wurden, bis sie sich auf einer kleinen Insel inmitten von hohen Bergen befanden, von denen Wasserfälle hinunterstürzten, während das Viech oben auf einem Felsen Thronte und sich offensichtlich großartig vorkam. „Ich hätte es wirklich fressen sollen“, grummelte er zu sich selbst. Die Frage, die er stellen wollte, hatte Lavaya schon gestellt und Casael bereits beantwortet. Das komische Viech nach einer Erklärung zu fragen sah Yavru allerdings so gar nicht ein. Stattdessen fragte er Casael: „Wie kommen wir hier raus?“ Er rechnete allerdings nicht mit einer allzu hilfreichen Antwort. Und außerdem wurde ihm klar, dass es in einer ansonsten leeren Welt ohnehin nichts gab, wo sie hätten hingehen können, sodass es wenig Sinn hätte, diesen Ort zu verlassen. Dennoch fühlte er sich gefangen, und das behagte ihm gar nicht.

Panatan beobachtete seinen Fang von seinem Felsen aus. Das hatten sie nun davon! Nun konnten sie dahin verschwinden, wo sie hergekommen waren!

Lavaya tat, was ihm Casael geraten hatte. „Panatan, warum gehorcht die Welt immer noch dir, aber uns nicht mehr?“, rief sie, um das Getose der Wasserfälle zu übertönen. Sie war sich allerdings nicht sicher, ob sie eine sinnvolle Antwort bekäme. Womöglich würde er nur soetwas sagen wie: ‚Weil ich König bin!‘

Panatan war sehr vorhersehbar. "Weil es meine Welt ist und ich ihr König bin!", rief er nach unten. "Und ihr seid Eindringlinge in dieser, meiner Welt. Ihr müsst wieder gehen!" Sein buschiger Schwanz pendelte von einer auf die andere Seite und wischte damit über den Felsboden. Aufmerksam betrachtete er seine Gefangenen. Gingen sie nun?

Lavaya hatte es ja schon befürchtet: Das rote Tier schien entweder nicht fähig oder nicht willens zu sein, ihre Frage zu beantworten. „Das hilft mir auch nicht weiter“, meinte sie, selbst nicht sicher, ob das an Panatan oder an Casael gerichtet war. „Außerdem sind wir ja nicht freiwillig hier.“

Panatan dachte kurz darüber nach. "Leere.", bestimmte er dann und der ganze Zauber des Wasserfalls war vorbei. Die Wassermassen verschwanden, ebenso wie die Insel. Die Berge bildeten sich zurück und die Sonne verschwand mit dem Himmel. "Wie seid ihr dann hier her gekommen?" Er blieb auf Abstand und würde sich nicht noch einmal von den Wurzeln fangen lassen, aber offensichtlich wurde er die Seelen nicht einfach wieder los.

Lavaya bestaunte, wie schnell alles wieder verschwand und die Leere zurückkehrte. Zumindest die Sonne hätte Panatan doch lassen können. „Na, wie das eben so ist. Wir waren in Azali, und schupp, waren wir plötzlich hier. Oder zumindest ging es mir so. Passiert dir sowas nie?“

Panatan schüttelte den Kopf. "Nein.", hielt er knapp fest. "Dies ist meine Welt und ich gehöre in sie und sie gehört mir." Das war seiner Ansicht nach das Naturgesetz von Naelura. "Aber immer wieder kommen Schurken und Störenfriede und spielen mit den Worten... und greifen meine Welt an!"

Lavaya fragte sich, ob dies tatsächlich seine Welt war oder ob er nur zufällig als erster hier hineingeraten war und sich nun etwas darauf einbildete. Konnte man überhaupt seine eigene Welt haben? Sie hatte jedenfalls noch keine. Aber vermutlich wäre es wenig zielführend, das mit Panatan zu diskutieren. Stattdessen fragte sie: „Warst du schon immer hier?“

Panatan plusterte sich wieder auf. "Natürlich! Ich habe diese Welt erschaffen und ich erschaffe sie neu, so oft ich möchte.", gab er zurück. "Und ich verteidige meine Welt gegen jeden Feind! Egal wie groß! Ich kenne keine Furcht!"

Lavaya bezweifelte, dass alles so stimmte, wie Panatan es erzählte. Für sie klang das eher nach Größenwahn. „Dann warst du ja nicht immer hier, wenn du die Welt erst erschaffen hast. Außerdem ist es nicht sehr nett, jeden anderen als Feind zu betrachten. Bist du nicht einsam?“

Panatan hielt kurz inne. Oh. Ja... das... war ihm noch nie aufgefallen. "Keine Ahnung, ob ich irgendwann irgendwo anders war. Und ich bin hier nicht alleine. Ich beschütze meine Untertanen.", erklärte er dann schnell. "Ich bin schließlich ihr König!"

Lavaya kamen immer größere Zweifel am Geisteszustand Panatans. Er musste doch wissen, wie er hierher gekommen war? „Warum haben wir dann außer dir niemanden hier gesehen? Das heißt, Anfangs haben wir ja nicht einmal dich gesehen.“

Panatan schnaubte. "Natürlich habt ihr mich nicht gesehen. Die Welt ist groß und ich musste erst einmal eine kleine Weltreise machen, um hier her zu kommen! Aber ich spüre Eindringlinge bis ins Mark.", erklärte er altklug. "Mein Königreich darf von niemandem betreten werden, den ich nicht höchst persönlich einlade. Und deshalb werdet ihr meine Untertanen niemals sehen!"





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Lu, Kyro, Josh, Lio



18.03.2018 16:26
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Yavru





Art
Wolf

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Er hätte ihn wirklich fressen sollen! Wozu war man denn Raubtier? Aszira hätte sich so etwas keine Sekunde bieten lassen sondern Panatan auf der Stelle in Fetzen gerissen!
Wobei Aszira auch heimlich ein Rudelmitglied getötet hatte. Sie war nicht mehr seine Patin, auch wenn sie es nicht wusste, weil Yavru leider keine Gelegenheit mehr gehabt hatte, es ihr zu sagen. Vorausgesetzt sie lebte immer noch und steckte nicht bereits in den mysteriösen Sternenlanden.
Yavru hatte sich vorgenommen, statt Aszira nur noch seinen Vater als Vorbild anzusehen. Doch wie hätte dieser reagiert? Er hatte immer Respekt vor den Beutetieren gezeigt, doch getötet hatte er sie natürlich trotzdem. Und sicherlich hätte er auch keinen Moment gezögert, wenn ihm ein Tier, das ins Beuteschema passte, nicht nur vor den Fang spaziert war, sondern auch noch in die Nase gekniffen hätte!
Ein schneller Biss in die Kehle als er die Gelegenheit dazu gehabt hatte und die Sache wäre erledigt gewesen. Doch nun war es zu spät dazu.
Yavru war außer sich vor Wut über Panatans Aufgeblasenheit und es kostete ihn einige Mühe, das rote Viech nicht anzuknurren und ihm zu drohen, ihn in Stücke zu zerreißen. Doch so sehr es ihn ärgerte, Panatan hatte momentan anscheinend die Kontrolle über diese Welt und daher war es keine gute Idee, sich mit ihm anzulegen, zumindest nicht solange nicht klar war, wie weit diese Kontrolle reichte. Möglicherweise konnte er sie auf dieser Insel gefangen halten, oder womöglich gar die Insel verschwinden lassen, sodass sie im aufgewirbelten Wasser unter den Wasserfällen ertrinken würden.
Doch als Panatan sie wieder zurück ins Nichts geholt hatte, änderte sich die Situation natürlich etwas. Während das rote Viech durch das Gespräch mit Lavaya abgelenkt war, schlich er sich ganz langsam näher, wobei er sich Mühe gab, auf keinen Fall bedrohlich zu wirken.
Yavru rechnete selbst nicht damit, dass Panatan ihn nahe genug an sich heran lassen würde, um zuzubeißen, ohne diesem eine Gelegenheit zur Gegenwehr zu geben. Aber falls doch würde er diesmal nicht zögern, es zu tun.




Geschlecht


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Xaron, Lavaya



18.03.2018 17:38
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Lijenna
Lillyan Caesar






Art
Wolfsträumer

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Lucerian war überrascht, als der selbst ernannte 'König' die Wurzeln abwehrte. Er war allerdings so schnell außer Reichweite, dass nichts mehr dagegen unternommen werden konnte. Um sie herum rauschte das Wasser und während Lavaya und Panatan sich unterhielten, betrachtete Lucerian die Welt genauer. So schnell wie das alles gekommen war, war es allerdings schon wieder vorbei. Panatan wollte anscheinend, dass sie alle gingen. Warum taten sie das dann nicht einfach? 'Wie also funktioniert es, in eine andere Gegend zu kommen?' Diese Worte konnte Panatan natürlich nicht hören, da er so weit entfernt und nicht mit Lucerians Wurzeln verbunden war.

Casael dachte ein bisschen darüber nach. "Wir können versuchen, zu springen... Ich gestehe aber, dass ich nicht mit so viel Erfahrung dienen kann, wie Lex. Im Springen bin ich weit ungeübter... Vielleicht kann ich dennoch ein Tor für uns öffnen." Er überlegte. "Lasst uns gemeinsam an Lucerians Wald denken... das ist eine Welt, die wir nun alle vor Augen hatten... Eine Welt, die wir durch Lucerian spüren konnten... Das dürfte eine starke Verbindung sein. Schließt die Augen und konzentriert euch auf das, was Lucerian uns gezeigt hat..." Er machte sich daran, den Weg zu ebnen, in dem er voraus ging und sich auf Lucerians Welt konzentrierte. Dann sprang er und hoffte, die anderen würden ihm folgen können, wie sie Lexi gefolgt waren.

Panatans Misstrauen war längst geweckt. Nachdem das Baumwesen ihn einfach so gefangen genommen hatte, traute er Yavru nun ganz sicher auch nicht mehr. Sein Pelz stellte sich auf, als der Wolf näher kam und auch wenn er körperlich nichts gegen den jungen Rüden hätte ausrichten können, so hatte er doch die Möglichkeit, diesen in ein Loch fallen zu lassen. Oder schlimmeres! Die Haltung des kleinen Pandas wurde kampflustig und zeigte Drohgebärden, die vermutlich auch ein Wolf verstehen würde: Komm nicht näher!

Lavaya war mittlerweile zu dem Schluss gekommen, dass Panatan verrückt war. Sie hatte noch nie einen Verrückten gesehen, sondern nur davon gehört. Eine Geschichte, die sie sehr mochte, handelte von einer Wölfin, die verrückt geworden war, nachdem sie ein Blitz getroffen hatte. Sie glaubte danach, ein Springling zu sein, und sprang nur noch durch die Gegend. Ihr Rudel machte sich große Sorgen, dass sie die Welt verletzen würde, aber nicht einmal die Priesterinnen konnten ihr helfen. Schließlich sprang sie versehentlich in ein Schluckloch, und insgeheim waren alle der Ansicht, das sei auch für sie das beste gewesen. Auch wenn Lavaya am Wahrheitsgehalt dieser Geschichte zweifelte, war für sie unstrittig, dass es so etwas wie Wahnsinn gab, und Panatan war eindeutig ein Fall davon. Sie bemitleidete ihn dafür, fand es aber zugleich auch interessant. Womöglich würde er auch in ein Schluckloch springen oder sonst etwas Dummes anstellen, das eine gute Geschichte abgeben würde? Das Problem war nur, dass er momentan die Kontrolle über diese Welt zu haben schien, sodass man befürchten musste, dass er eventuell nicht nur sich selbst, sondern auch ihnen gefährlich werden würde. Panatans Reaktion auf Yavrus Anschleichen entging ihr nicht, und bestätigte sie in ihrer Befürchtung. Dass Casael beschloss, die Welt zu verlassen, kam ihr daher durchaus gelegen, auch wenn es sie beunruhigte, dass der Wächter angeblich längst nicht so gut springen konnte wie Lex. „Mache ich“, stimmte sie ihm zu, dann konzentrierte sie sich auf die Erinnerung an die vom Lucerian gezeigten Bilder und tat ihr Möglichstes, um Casael zu folgen.

Yavru erstarrte sofort, als er sah, dass Panatan ihn bemerkt und eine drohende Haltung angenommen hatte. Normalerweise hätte er sich nicht davon abschrecken lassen, körperlich war er dem Viech schließlich deutlich überlegen. Was hätte Panatan schon tun sollen? Ihm noch einmal in die Nase kneifen? Aber leider änderte sich die Lage dadurch, dass Panatan anscheinend diese Welt unter Kontrolle hatte. So sehr es ihn auch ärgerte, vor einem Tier wegzulaufen, dass ihm normalerweise gut als Beute hätte dienen können, war er doch froh, dass Casael sich entschlossen hatte, die Welt zu verlassen, und entschied sich, es ihm möglichst gleichzutun. Er nickte dem Rüden schweigend zu und konzentrierte sich ebenfalls auf die vom Lucerian gezeigte Welt. Immerhin hatte es ja schon zwei mal funktioniert, und er versuchte, alles genau so zu machen, wie damals.

Lucerian verstand nicht alles von dem, das Casael sagte, doch es freute ihm, dass jetzt anscheinend alle über seine Welt nachdachten. Es machte also genau das, was die anderen taten. Es erinnerte sich an seinen Wald, an die Bewohner, die dort wohnten und an seinesgleichen. Was 'springen' war, wusste es allerdings nicht.

Casael fand sich in dem Wald wieder, den Lucerian ihm gezeigt hatte. Er erblickte die grüne Welt und konnte - ohne ein Fachmann zu sein - erkennen, dass der Wald sich großer Gesundheit erfreute. Hinter ihm erstreckte sich das Eisland. Als er sich auf den Wald konzentriert hatte, war ihm das Bild des Eiswesens in den Sinn gekommen, weshalb er wohl unabsichtlich am Rand des Waldes gelandet war. Fasziniert beobachtete er und wartete, in der Hoffnung, die anderen könnten seinem Pfad durch die Welten folgen.

Panatan wich vor Yavru zurück, jeder Zeit zum Sprung bereit. Natürlich war ihm der Wolf in Sachen Stärke überlegen, aber Geschick und Geschwindigkeit konnten ihm auch helfen. Er brauchte nur gerade so viel Zeit, wie man brauchte, um ein Wort auszusprechen. Der kleine Panda hatte bereits im Sinn, was er mit dem Wolf anstellen würde. Ein Loch mit Wasser. Dass er für verrückt gehalten wurde, entging ihm gänzlich. Für ihn waren diese sechs - jetzt nur noch fünf - Wesen nicht anders, als viele Eindringlinge zuvor. Sie brachten das Schlechte in seine Welt und versuchten, sie zu zerstören. Panatan konnte die Bande also gar nicht früh genug wieder loswerden. Natürlich hätte er 'Feuer' rufen können, aber ein Mörder war er dann doch nicht. Nicht wenn sein Volk nicht unmittelbar in Gefahr war.

Lavaya spürte, wie das Nichts um sie herum verschwand, was sich mindestens genauso seltsam anfühlte, wie es klang. Dann fand sie sich in einer anderen Welt wieder, ganz wie vor Kurzem, als sie Lex nach Azali gefolgt war. Staunend schaute sie sich um. Sie stand am Rande eines dichten Waldes, der sich auf einer Seite in unermessliche Weiten zu erstrecken schien. So viele Bäume auf einmal und kein einziges Haar, das beunruhigte sie dann doch etwas, obwohl sie Bäume ja mittlerweile gewöhnt sein sollte. Die andere Seite war allerdings noch viel erschreckender. Alles war bedeckt mit diesem seltsamen, farblosen Zeug, dass, wenn sie sich richtig erinnerte, Eis hieß. Hier und da ragte ein seltsames Objekt auf, das aussah wie ein Baum, aber gänzlich aus Eis zu bestehen schien. In einiger Entfernung entdeckte sie Casael und lief auf ihn zu, wobei sie darauf achtete, nicht das gruselige Eis-Zeug zu betreten.

Yavru gelang der Weltensprung ebenfalls, und er fand sich ganz in der Nähe von Casael wieder. Er betrachtete die Umwelt, die zu einer Hälfte aus Wald, zur anderen hingegen aus einer Eislandschaft mit einigen offensichtlich ebenfalls vereisten Bäumen bestand. Er ging ein paar Schritte auf Casael zu und sprach diesen an: „Wir sind hier richtig, oder? Hoffen wir nur, dass dieser seltsame Eisling uns nicht findet.“ Mit einem Gefühl der Verunsicherung blickte er auf den vereisten Teil der Landschaft.

Lucerian befand sich auf einmal wieder in seiner bekannten Umgebung. Als es die Augen öffnete, war es einfach wieder hier. Es wusste nicht, was jetzt vor sich gegangen war und es glaubte schon, dass dies alles nur ein komischer Traum gewesen war, doch als es sich umdrehte, sah es die anderen. Laelia, die sich auf seinem Geweih befunden hatte, war allerdings nicht mehr da. 'Ihr seid hier. Wir sind hier. Alle sind da, außer Laelia - sie ist weg', sprach Lucerian die anderen an. Es war zwar verwirrt, die all das hatte geschehen könne, doch vorrangig war erst einmal, wo das junge Wolf hin war.

Casael begrüßte die Nachzügler stürmlich und stupste alle einmal an. In der Reihenfolge, in der sie alle auftauchten. Lavaya, Yavru, Lucerian... Es hatte geklappt! Er kam sich so richtig fähig vor. Ein guter Wächter und Mentor, der sie alle aus der Welt gerettet hatte, in der sie nicht Willkommen waren! Und als Sahnehäubchen oben drauf durfte er jetzt noch diese faszinierende Welt auskundschaften! "Du musst uns alles zeigen, Lucerian! Mach doch eine Waldführung!", bat er begeistert.Er wollte gerade etwas zu Laelia sagen, als der kleine Panda auftauchte und hysterisch herumschrie. Ohje.


Panatan hatte überhaupt nichts dagegen, dass dieses Pack nun wieder dorthin verschwand, wo es hergekommen war. Zufrieden wandte er sich ab, froh, dass er sein Volk einmal mehr gerettet hatte. Er überlegte schon, wie er ihnen erzählen sollte, auf welche Weise er seine Feinde in die Flucht geschlagen hatte, als ihm plötzlich schwindelte und er den Boden unter den Pfoten verlor. "Halt!", rief er aus, als könnte ihn das festhalten. Im nächsten Augenblick befand er sich allerdings in einer Welt wieder, die nicht leer war. Es war grün und waldig - zugegeben, das war Naelura auch - und fremd. "Was habt ihr getan!", schrie er. "Bringt mich sofort zurück!"

Lavaya hatte Casael erreicht und teilte dessen Freude, das sie hier waren. Als er sie astupste, stupste sie zurück und genoss es einfach, nicht alleine zu sein, sondern Wölfe in ihrer Nähe zu haben, mit denen sie sich gut verstand. Freunde nannte man so etwas wohl, auch wenn der Begriff auf Lupmundi ungebräuchlich war, da dort alle wenn nicht immer, so doch zumindest fast immer freundlich miteinander umgingen. Ganz wohl war ihr zwar nicht bei der Sache, schließlich war Casael ein Rüde, und womöglich würde er ja doch noch versuchen, sich mit ihr zu paaren, aber sie schob die Bedenken beiseite. Offensichtlich waren Rüden gar nicht so viel anderes als Fähen. Erst als das Lucerian Laelia erwähnte, schaute sie sich um. Tatsächlich, die junge Fähe war nirgends zu entdecken. „Vielleicht ist sie in einer anderen Welt gelandet? Das passiert manchmal, aber früher oder später findet man anscheinen immer wieder zusammen.“ Zumindest hoffte sie das. Das auch der verrückte Panatan auftauchte, kümmerte sie nicht sonderlich. Wahrscheinlich war seine Macht auf ‚seine‘ Welt beschränkt, sodass er ihr hier nicht gefährlich werden könnte. Und womöglich würde sie hier doch noch zu einer Schluckloch-Geschichte kommen?

Yavru freute sich ebenfalls, die anderen alle wiederzusehen. Nun ja, anscheinend fast alle, denn Laelia war anscheinend nicht mitgekommen. Er schaute sich sicherheitshalber noch mal um, konnte sie jedoch nirgends entdecken. „Ja, die Welten scheinen uns zusammen halten zu wollen“, stimmte er Lavaya zu. Zumindest war es bisher so gewesen. Er hatte mittlerweile gelernt, dass es nichts brachte, sich Gedanken darüber zu machen, ob man die Freunde, die in einer anderen Welt gelandet waren, jemals wieder sah, sondern einfach hoffen musste, dass die Welten ein Einsehen hat, so schwer es ihm anfangs auch gefallen war. Als jedoch Panatan ebenfalls auftauchte, interpretierte Yavru dessen Panik genau richtig. „Ich schätze, deine Macht funktioniert hier nicht?“ Böse grinsend wandte er sich an Casael: „Was meinst du, sollten wir ihn fressen?“ Er hatte keine Ahnung, was Lucerians fraßen, und selbst Lavayas Ernährungsgewohnheiten waren ihm nicht ganz klar, aber Casael schien ein relativ normaler Wolf zu sein, also würde er vermutlich auch Fleisch fressen.

Lucerian war bestürzt, dass dieses seltsame Wesen ebenfalls hier aufgetaucht war. Er stellte zwar anscheinend keine Bedrohung dar, jetzt, da er nicht mehr die Macht seiner Welt benutzen konnte, aber Lucerian wollte gleich am Anfang etwas klarstellen: 'Du bist hier genauso unwillkommen, wie wir in 'deiner' Welt. Und du wirst Probleme bekommen, wenn du dich hier genauso benimmst.' Lavaya und die anderen hatten Lucerian anscheinend gehört. Wie es schien konnte es sich nun - in seiner eigenen Welt - wieder mit jedem unterhalten, mit dem es in Kontakt treten wollte. 'Ihr solltet uns erklären, was es mit 'Welten' und 'springen' auf sich hat', meinte es zu Casael, Yavru und Lavaya.

Casael hob die Wolfsbrauen, bei Yavrus Frage. "Natürlich... wehrlose Kinder fresse ich zum Frühstück..." Sein Tonfall deutete darauf hin, dass er Yavrus Vorschlag für absurd befand. Kleine Pandas gehörten sicherlich nicht in sein Beuteschema. Seine Aufmerksamkeit wurde auf seine Tätigkeit als Wächter zurück gelenkt und er begann zu erklären: "Du lebst hier, in dieser Welt... und meine Heimatwelt ist Azali, die Morgenwelt der drei Farben. Ich bin dort Wächter und Mentor für Seelen, die gerade ihre Reise durch die verschiedenen Welten beginnen. Ich beruhige jene, die das erste Mal ihre Heimat verlassen und erkläre ihnen, dass die Welten sie ausgewählt haben, um eine lehrreiche Reise zu beginnen. Azali ist so etwas wie ein Tor. Sehr viele junge Weltenwanderer beginnen ihre Reise bei mir. Es gibt fünf solcher Torwelten, die jeweils von einem Wächter bevölkert werden, der auf seine Weise eine Art spirituelle Führungsrolle übernimmt. Normalerweise gehe ich nicht selbst auf Reisen, sondern muss in Azali verweilen. Aber ich habe das Gefühl, diese Gaiawölfe scheinen für großen Wirbel zu sorgen. Denn so häufige Weltensprünge habe ich noch nie gesehen. Es ist aufregend und abenteuerlich!" Er hielt kurz inne. "Wenn man viele Weltenwechsel unternimmt, bekommt man ein Gespür dafür, Tore zu finden oder selbst zu schaffen. Gelingt einer Seele der gezielte Sprung in eine gewünschte Welt, oder aus einer Welt heraus... dann spricht man vom Weltenspringen und von Weltenspringern. Der Unterschied besteht darin, dass hier der Weltenwanderer bestimmt, wohin die Reise geht und nicht das Schicksal... oder die Welten... oder der Zufall. Je nachdem, wie man es nennen möchte... Jedenfalls ist das Springen schwierig zu erlernen, aber dass wir deine Welt durch dich sehen konnten, hat sehr geholfen. Dadurch war es, als wären wir schon einmal hier gewesen."

Panatan war nicht taub und er hörte sehr wohl, was der Schurke zu Casael sagte. Das bestätigte ihm einmal mehr, dass es sich bei diesen Wesen um Bösewichte handelte. Er hörte die Worte eines Fremden in seinem Kopf und hatte andere Sorgen, als darauf einzugehen.
 Am liebsten hätte er das Baumwesen nun doch in Brand gesetzt und vermutlich wäre es besser gewesen, er hätte all diese bösen Wesen getötet, als er noch die Gelegenheit dazu gehabt hatte. Jetzt war er hier, in einer völlig fremden Welt, in der er nicht nur den Schurken ausgeliefert war... "Ich muss sofort zurück! Meine Welt ist schutzlos! Ihr habt mich hergebracht, also bringt mich auch wieder zurück!", schrie er verzweifelt, während der erwachsene Rüde vom Weltenwandern prabbelte und den Erklärbär miemte, als wäre gerade keine Katastrophe passiert! Da der Wolf der einzige schien, der hier dieses Weltenspringen beherrschte, zupfte er an dessen Pelz. "Du musst mich sofort zurück bringen!"

Yavru schaute Casael ebenso ungläubig an, wie dieser ihn. War er denn jetzt, wo Laelia auch noch weg war, der einzige normale Wolf hier, der sich von Fleisch ernährte? „Ich weiß nicht, was du frisst, aber ich fresse nun mal kleine Tiere. Und um Panatan scheint es mir deutlich weniger schade, als um so manch anderes Beutetier. Was frisst du denn?“ Ernährten sich womöglich alle anderen Wölfe im Weltenbaum von Pflanzen, so wie Lex und Xanthara? Gespannt lauschte er den Erklärungen Casaels, denn auch wenn er die Grundlagen des Weltenbaumes schon kannte, war es interessant, noch einmal eine Zusammenfassung zu bekommen. Auf das Gejammere seiner zukünftigen Beute ging er gar nicht ein. Ihm war durchaus bewusst, dass es unklug war, vor dessen Nase davon zu reden, ihn zu fressen. Hätte Yavru tatsächlich Hunger gehabt, hätte er auch nicht lange gefackelt sondern das Viech sofort getötet und angefangen, es zu verspeisen. Momentan machte es ihm jedoch mehr Spaß, ihm Angst einzujagen, auch auf die Gefahr hin, dass er ihm dadurch durch die Lappen ging.

Lavaya beantwortete Yavrus Frage, auch wenn sie nicht an sie gerichtet war: „Fische! Er frisst Fische! Das sind so Tiere, die im Wasser leben. Ich habe noch nie einen gesehen, aber sie sollen ganz lecker sein.“ Sie war stolz darauf, was sie schon gelernt hatte. Panatan zu fressen gefiel ihr hingegen auch nicht, immerhin hatte er Fell und sie hatte noch nie ein Tier mit Fell gefressen. Die Vorstellung kam ihr irgendwie falsch vor. Aber sie wusste, dass man in nicht wenigen Welten Tiere mit Fell fraß, darum sagte sie nichts dagegen. Womöglich wäre sie, wenn sie Hunger bekäme, auch darauf angewiesen, ein Tier wie Panatan zu fressen. Sie lauschte ebenfalls Casaels Ausführungen mit Interesse, denn auch wenn sie schon einiges wusste über den Weltenbaum, waren ihr die größeren Zusammenhänge bisher immer noch unklar. Panatans Gejammere ignorierte sie unterdessen. Es täte ‚seiner‘ Welt und seinen ‚Untertanen‘ - falls es die tatsächlich gab – wahrscheinlich gut, wenn er mal eine Weile weg war.

Lucerian wusste jetzt einiges mehr, aber es verstand nicht, warum ausgerechnet es von der Welt 'ausgewählt' worden war, um auf Reisen zu gehen. Pantan ignorierte das Lucerian gekonnt - es wollte sich nicht weiter mit diesem nervigen Wesen beschäftigen. Das Gespräch von Yavru und Casael schien auch ganz interessant zu sein. Es gab also in der Gattung 'Wolf' verschiedene Arten? Manche fraßen Fische und manche andere Tiere? Letztlich entschied es sich dennoch, sich zu entfernen, um Panatan nicht länger ertragen zu müssen.

Casael hob die Wolfsbrauen, auf Yavrus Kommentar hin. "Er riecht wie... Fuchs oder... Mader... oder Bär... ich kenne keine Wolfsart, die solche Tiere frisst. Ist das in Gaia anders?" Er kannte Lexi schon lange, aber eigentlich hatten sie sich nie großartig darüber unterhalten, was alles zu den Beutetieren von Gaiawölfen gehörte. Hasen, Rehe, Mäuse vielleicht... aber Hundeartige? Wohl kaum? Entfernt schienen sie doch immerhin verwandt zu sein und auch wenn Casael die genauen Zusammenhänge der Arten nicht kannte, verrieten ihm seine Nase und sein Instinkt doch, dass kleine Pandas keine Beute waren. Er senkte den Kopf schließlich zu dem Jungtier. "Es wäre gut möglich, dass die Welten vorgesehen haben, dass du auf Reisen gehen sollst, um zu lernen...", gab er zu bedenken. "Sie es als Gelegenheit, neue Welten zu entdecken und andere Wesen kennenzulernen." Auch er schenkte dem Gerede von der schutzlosen Welt keine weitere Beachtung. Die Welten wussten, was sie taten... Er schmunzelte über Lavaya. "Genau... in Azali gibt es hauptsächlich Fische für mich zum Fressen. Fisch ist ein bisschen anders als Fleisch und man muss auch anders jagen... Das Fressen von Fischen ist aber nicht unbedingt typisch für Soluvajé. Ich dachte eigentlich wir würden uns von denselben Tieren ernähren, wie die Wölfe aus Gaia." Womöglich hatte er sich da geirrt?

Panatan fluchte innerlich über die Ignoranz dieser Wesen. Er begann, sie alle still zu verfluchen und wäre am liebsten davon gelaufen, um nicht weiter dieser Boshaftigkeit ausgesetzt zu sein. Aber sein Volk brauchte ihn und hier war vielleicht der einzige, der ihn zurück bringen konnte. "Bitte! Ich flehe dich an! Bring mich zurück! Ihr könnt doch nicht so böse sein, dass euch der Tod meines ganzen Volkes gleichgültig ist! Seid ihr Massenmörder? Wollt ihr das wirklich werden?", jaulte er zunehmend verzweifelt. Er hasste es, sich so hilflos und klein zu fühlen und in seiner Welt hätte er den Teufel getan, sich derart die Blöße zu geben. Aber er musste alles versuchen, um zurück zu kommen. "Ich bin noch niemals.... niemals fort gewesen, seit ich Naelura das erste Mal betreten habe! Das war von den Welten ganz bestimmt so gewollt! Es ist meine Aufgabe, diese Welt vor jeglichen Eindringlingen zu schützen! Die Welten würden niemals so etwas grausames wollen! Es ist eure Schuld, dass ich hier bin, nicht die der Welten! Also bringt mich zurück!"

Yavru beschnupperte Panatan. Jetzt wo sein Zorn ein wenig verraucht war, gab er zögerlich zu: „Du hast recht, allzu lecker riecht er nicht. Ein wenig nach Bär. Füchse fressen wir normalerweise auch nicht, zumindest nicht, wenn es nicht sein muss. Bären ebenfalls nicht, wobei die eh zu wehrhaft wären, um sie zu jagen. Marder habe ich zumindest noch nie probiert, auch wenn ich nicht weiß, ob ich die nicht doch fressen würde, wenn sie mir zu nahe kämen. Aber vermutlich ist er tatsächlich keine gute Beute.“ Wobei das Aszira bestimmt nicht davon abgehalten hätte, ihn zu fressen. Aber er war nicht wie Aszira, und wollte es auch nicht mehr sein. „Ich weiß was ein Fisch ist!“, meinte er zu Lavaya, die sich anscheinend gerade äußerst klug vorkam. Er lächelte jedoch dabei um zu zeigen, dass er es nicht böse meinte. „Wahrscheinlich fressen wir tatsächlich ähnliche Tiere“, meinte er dann wieder zu Casael. Panatan zeigte wenig Angst, begann jetzt aber zu Wimmern aus Angst um seine Welt. Andere hätten das womöglich genossen, Yavru fühlte sich davon jedoch nur genervt. „Ich bin mir sicher, die kommen auch eine Weile ohne dich aus. Und wenn du weiter so jammerst, überlege ich mir das mit der Beute doch noch mal.“

Casael kam nicht mehr dazu, sich auf Lucerian zu konzentriert. Vermutlich war es doch das einfachste, den jungen Panda zurück zu bringen. Sofern er das noch einmal schaffte... Er deutete mit dem Kopf an, dass Panatan ihm folgen sollte. "Hier habe ich die Welt betreten. Das Tor mag sich bereits zum großen Teil wieder geschlossen haben, aber wenn, dann kommen wir von hier aus zurück.", erklärte er gutmütig. "Konzentriere dich auf deine Welt... stell sie dir vor deinem geistigen Auge vor..." Er tat dasselbe und dachte an die Leere und den Sternenhimmel, an die Art, wie alles, was sie herbei gezaubert hatten, erschienen war. Er tat das eine ganze Weile, aber nichts passierte. "Es funktioniert nicht..." Womöglich, weil die Welt sich Naelura veränderte? Was sollte er sich vorstellen, wenn nichts je bestand hatte?

Lavaya war insgeheim erfreut darüber, das Yavru von seinem Ansinnen, Panatan zu fressen, Abstand nahm. Dass er schon wusste, was ein Fisch ist, enttäuschte sie etwas, sie hatte gehofft, etwas besonderes zu wissen. Aber nun gut, dafür hatte er bestimmt noch nie einen Springling gesehen und sie hatte schon mitgeholfen, mehrere davon zu erlegen. „Wovon ernährt ihr euch denn nun eigentlich?“, fragte sie jetzt sowohl Casael als auch Yavru, da es ihr nicht weiterhalf, wenn Gaiawölfe ähnliche Ernährungsgewohnheiten hatten wie Soluvajé, denn sie wusste von beiden nicht, was sie fraßen. Das Gejammere von Panatan machte ihr langsam doch ein klein bisschen Sorgen. Was, wenn er doch recht hatte? Was, wenn das Überleben zahlreicher Wesen von seiner Anwesenheit in seiner Heimatwelt abhing? „Warum braucht dich dein Volk so sehr, dass du nicht mal kurz abwesend sein darfst?“ Das Casael anscheinend bei seinem Versuch eines weiteren Weltensprungs scheiterte, beunruhigte sie hingegen. Zwar freute sie sich insgeheim, dass er sie hier nicht einfach alleine ließ, aber womöglich bedeutete das, dass sie hier nie wieder wegkamen? „Das Lucerian hat es doch auch geschafft, sogar unabsichtlich?“

Panatan folgte Casael augenblicklich, froh, dass endlich jemand bereit war, ihm zu helfen. Bei Yavrus Worten stellte sich sein Pelz jedoch auf. "Dein Herz ist so schwarz wie dein Fell.", fauchte er. "Du findest dich wohl besonders mächtig und witzig, weil du groß genug bist, andere zu töten! Wie erbärmlich bist du eigentlich? Das ist keine wahre Größe, sondern nur ein Zeichen dafür, wie winzig klein du in dir drin bist. Ich hätte dich mit Leichtigkeit töten können... aber große Kraft bedeutet auch, dass man große Verantwortung trägt." Kopfschüttelnd wandte er sich von Yavru ab und trat zu Casael - oder besser: unter Casael - und drehte den Kopf noch einmal kurz zu Lavaya. "Weil ich der Schutzschild von Naelura bin. Ich verberge mein Königreich vor den Augen von Fremden, sodass niemand, der so viel Bosheit in sich trägt, wie Yavru oder Lucerian mein Volk bedrohen kann." Er sah unter Casael hervor und zu diesem nach oben, um den Anweisungen zu lauschen. Danach konzentrierte er sich auf seine Welt und auf sein Königreich. Unschwer zu erahnen, dass sie völlig verschiedene Dinge sahen und als Casael erklärte, dass es nicht funktionierte, wollte Panatan vor Verzweiflung am liebsten schreien! "Du kennst meine Welt ja auch gar nicht! Du hast nur die Leere gesehen... den Schutzschild! Warum kann ich nicht allein springen? Ich muss zurück! Sofort!"

Yavru fühlte sich von Panatans Vorwurf nicht beleidigt. Im Gegenteil, er amüsierte ihn fast. „Ich töte ja nicht aus Spaß, sondern um mich zu ernähren. Wovon ernährst du dich eigentlich? In deiner komischen Welt scheint es ja nicht viel zu geben. Außer dir natürlich. Was vermutlich ohnehin das einzige ist, was dich interessiert.“ Dass Panatan die eigentliche Welt vor den Augen anderer verbarg und die Leere nur Tarnung war, nahm Yavru ihm nicht ab. Ohnehin war er jetzt mehr mit dem missglückten Weltensprung beschäftigt. „Heißt das, die Welten wollen, dass wir hier bleiben? Vielleicht müssen wir wieder etwas lernen? Oder nur ihr beiden?“ Er hatte keine Lust darauf, womöglich wieder etwas lernen zu müssen, aber er wollte auch nicht wie Xanthara enden, die verbittert in ihrer Welt hockte und jammerte, dass sie sie nicht verlassen konnte, weil sie sich in Wahrheit gar nicht ändern wollte.

Casael sah das alles viel lockerer. Wenn man ihn gefragt hätte, zankten Yavru und Panatan wie ungleich alte Brüder und benahmen sich beide wie Welpen. Aber das schien ihm nicht verwerflich zu sein, immerhin waren beide noch sehr jung. Panatan etwas jünger als Yavru. Inzwischen nahm er den kleinen Panda allerdings etwas ernster und überlegte fieberhaft, wie er diesen zurück schicken konnte. Der einzige Ausweg, der ihm einfiel, war Lexi. Ihr würde der Sprung in eine Welt, die sie noch nicht kannte, eher gelingen, als ihm. Er musste also hoffen, dass sie noch in Azali war! "Ich... versuche gleich zurück zu kommen. Es wäre mir sehr lieb, wenn ihr euch derweil nicht an die Gurgel gehen würdet. Ich versuche Lexi zu holen, damit sie versuchen kann, Panatan nach Naelura zurück zu bringen..." Er entfernte sich ein Stück von den anderen und konzentrierte sich dann auf seine gegenwärtige Heimatwelt. Dieser Sprung musste ihm gelingen! Er kannte Azali lange und wusste um jeden Stein und jeden Grashalm. Er verschwand aus der Welt des Lucerian.

Panatan beobachtete Casael noch kurz, dann entschied er sich, unter Lavaya in Deckung zu gehen. Er wusste zwar nicht so genau, ob er ihr trauen konnte, aber sie war weniger böse als Yavru und Lucerian. Unter ihr würde er warten und sich wie ein erbärmlicher Wurm benehmen, wenn er dann nur zu seinem Volk zurück kehren konnte. Wenn er hier starb, würde er vielleicht vergessen, dass sein Volk dem Untergang geweiht war, aber allein die Vorstellung zerriss ihm das Herz und es würde wehtun, solange er noch irgendeine Art von Gedanken in sich trug. "Du drohst mir mit dem Tod, zum Spaß, nur weil du mich nicht leiden kannst!", knurrte er in Richtung Yavru. "Mein Volk besteht aus Flüchtlingen, die vor Wesen wie dir und Lucerian auf der Flucht sind... vor Wesen, die andere bedrohen, nur weil sie nicht so sind, wie sie sie haben wollen."

Lavaya wollte Casael noch zurufen, auf sie zu waren. Sie könnten doch alle nach Azali springen und von dort konnte Casael Panatan immer noch zurück bringen, wenn das denn unbedingt sein musste. Aber zu spät: Casael war schon weg. Sie schaute zu den anderen, wobei sie jedoch Panatan absichtlich ignorierte. „Jetzt ist er weg! Und was machen wir jetzt?“ Langsam war sie sich nicht mehr sicher, ob Panatans Untertanen nicht vielleicht doch real waren. „Wenn ich dir verspreche, sie nicht zu fressen, würdest du mich den Untertanen vorstellen? Ich würde sie gern kennen lernen.“ Nur so ließe sich letztendlich Gewissheit gewinnen. Und eine interessante Geschichte würde es auf jeden Fall abgeben, ohne dass jemand in ein Schluckloch fallen musste.

Yavru war ebenfalls nicht allzu erfreut, als Casael verschwand und sie hier alleine ließ – zusammen mit Panatan. „Du hast dir ja auch große Mühe gegeben, dass ich dich nicht leiden kann. Und wenn ich dich wirklich hätte töten wollen, hätte ich dich gleich totgebissen, als du mich in die Nase gekniffen hast. Ich kenne nicht wenige Wölfe, die genau das getan hätten.“ Das er selbst tatsächlich zumindest darüber nachgedacht hatte, genau das zu tun, verschwieg er allerdings. „Ich will überhaupt keine Wesen irgendwie haben. Ich will einfach, dass sie mich nicht in die Nase kneifen, und mich dann plötzlich auf einer Insel inmitten von Wasserfällen aussetzten.“ Auf Panatans Untertanen, die Lavaya jetzt auf einmal doch sehen wollte, konnte er indessen getrost verzichten.

Panatan blickte unter Lavaya hervor, mit kritischem Blick, der voll war, von Misstrauen. "Ein paar vielleicht, die keine Angst haben.", befand er schließlich. Er konnte Lavaya ein paar seiner tapferen Krieger vorstellen, ohne das Königreich preiszugeben. Und wenn er zurück war, konnte er auch wieder über die Welt bestimmen und jeden schützen, den er schützen wollte. "Es wären ohnehin zu viele Untertanen, um sie alle kennen zu lernen." Er kam nicht auf die Idee, dass Lavaya seine Untertanen nur deshalb kennenlernen wollte, weil sie nach Beweisen suchte. Vielleicht hätte er es besser wissen sollen, mochte aber sein, dass er ein bisschen naiv war. Als Yavru sich dann wieder aufspielte, verzog er das Gesicht. "Ist mir schon klar, dass du viele Wölfe deinesgleichen kennst! Ich kenne zum Glück genug, die ein gutes Herz haben! Und ich habe dir nicht einfach in die Nase gekniffen, ich habe euch Einhalt geboten, meiner Welt keinen Schaden durch eure willkürlichen Schutzschildmanipulationen zuzufügen. Natürlich bringt es jemanden wie dich gleich um, wenn man ihn in die Nase kneift... dafür hat man es natürlich verdient, zu sterben." Die letzten Worte trieften vor Ironie. "Du solltest dir mal über ein angemessenes Maß Gedanken machen! Aber was rede ich... für dich ist es sicher längst zu spät, ein guter und netter Wolf zu werden. Du kennst einfach zu viele, die genauso böse sind, wie du und hältst das für normal." Da konnte man nichts machen!

Lavaya freute sich und wedelte leicht mit der Rute. Na also, Panatan konnte doch nett sein, wenn er es wollte, auch wenn er es anscheinend ungern zugab. „Es würde mich sehr freuen.“ Dann könnte sie sehen, ob es diese Untertanen wirklich gab, und wenn ja, was es für Wesen waren, die sich freiwillig einem so seltsamen ‚König‘ unterordneten. Als sie merkte, dass Panatan seinen Groll nun auf Yavru richtete, versuchte sie, ein gutes Wort für diesen einzulegen: „Er ist nicht böse. Er mag es nur nicht, wenn ihn kleinere Wesen in die Nase kneifen. Und er frisst nun mal Dinge, die kleiner sind als er.“ Sie bezweifelte, dass das die gewünschte Wirkung entfalten würde, aber sie wollte es zumindest versuchen.

Yavru ärgerte sich nun doch über diese Anschuldigungen, auch wenn er wusste, dass es eigentlich unter seiner Würde war, sich mit so einem aufgeblasenen, selbst ernannten König abzugeben. „Nun, ich habe es nicht getan, sonst müsste ich mich hier nicht von dir beschimpfen lassen. Ich könnte es immer noch, aber ich tue es nicht. Trotzdem hältst du mich für böse?“ Auf Lavayas irgendwie verkorkste Zusprache reagierte er nur mit einem Grummeln, denn es gefiel ihm gar nicht, wie sie sich da einmischte. Ansonsten blieb seine Aufmerksamkeit auf Panatan gerichtet. „Was ist denn für dich ein guter und netter Wolf? Einer der vor so einem eingebildeten König wie dir buckelt und sich von ihm in die Nase kneifen lässt?“

Panatan blieb unter Lavaya sitzen und schaute misstrauisch zwischen Lucerian (und vor allem dessen Wurzeln) und Yavru hin und her. Das Baumwesen entfernte sich aber zum Glück. "Jemand, der seine Größe als Entschuldigung missbraucht, um mehrfache Todesdrohungen auszusprechen, ist gewiss kein guter Wolf. Und jemand der ein anderes Leben herabwürdigt, in dem er von grundlosem Zerfleischen redet und offenbar glaubt, dass es angebracht ist, für ein harmloses Nasenkneifen von Mord zu reden, hat sich noch nie besonders viele Gedanken über irgendetwas gemacht.", hielt er fest. Dass Yavru ihn noch nicht getötet hatte, war seiner Ansicht nach Casael zu verdanken. Der schwarze Jungwolf hatte nicht eine Sekunde den Anschein erweckt, dass er es von sich aus tat. Die letzte Frage von Yavru beantwortete er dennoch wahrheitsgemäß und beschrieb dabei einen Freund: "Ein guter Wolf kümmert liebevoll und freundlich um andere. Wölfe nennen ihre Familie 'Rudel' und bezeichnen sich als 'Rudeltiere', die ihr Leben in den Dienst ihrer Lieben stellen. Und dabei ist es unwichtig, ob diese Familie aus Blutsverwandten besteht, oder aus guten Freunden. Gute Wölfe sind mutig und tapfer und stehen für das ein, was sie durch und durch verkörpern. Gemeinschaftsgeist, Zuverlässigkeit, Fürsorglichkeit und..." Er überlegte ein bisschen. "... sie machen, dass sich andere wohl und sicher fühlen."

Lavaya neigte ihren Kopf zu dem Wesen, das unter ihr saß. Mittlerweile wurde Panatan ihr fast sympathisch. Er suchte ihre Nähe (wenn auch nur, weil er sich vermutlich vor Yavru fürchtete) und er wusste deutlich mehr über Wölfe, als sie von ihm erwartet hatte. Womöglich war er eigentlich gar nicht so überheblich, wie er tat, sondern nur ein wenig wirr im Kopf, und er verhielt sich nur, weil er sich mit der sich selbst eingebildeten Rolle als König einer ganzen Welt überfordert war? „du hast Recht, so etwas tun Wölfe. Und Yavru ist auch so, auch wenn du ihn vielleicht von einer anderen Seite kennen gelernt hast. Er ist auf der Suche nach seinem Rudel, das er verloren hat und das er sehr vermisst.“

Yavru ärgerte sich über Lavaya. Er konnte für sich selbst reden! Er warf ihr einen verärgerten Blick zu, den sie aber vermutlich nicht wahrnahm, weil sie sich Panatan zugewandt hatte, der sich unter ihr verkrochen hatte wie ein Welpe unter der Mutter. Zu gerne hätte er ihr die Meinung gesagt, aber er wollte das nicht vor Panatans Ohren tun. Wenn die beiden noch verbliebenen Wölfe vor seinen Augen in Streit gerieten, würde sich das seltsame Viech doch nur darüber amüsieren. „Was würdest du denn tun, wenn du plötzlich in eine seltsame, fremde Welt geraten würdest – was du übrigens gerade bist – und plötzlich ein Wesen auftauchen würde, was viel kleiner ist als du und deine Beute sein könnte, und dir in die Nase kneift, und dann auch noch behauptet, König dieser Welt zu sein und dich daraus vertreiben zu wollen? Wärst du dann etwa nicht verärgert?“ Nachdem er noch einmal – ähnlich wenig erfolgreich – Lavaya angeschaut hatte, fuhr er fort: „Ja, so sind wir Wölfe. Und so bin ich auch. Ich setze mich für mein Rudel ein und ich hoffe, dass ich es wieder finde, nachdem wir getrennt worden sind. Aber du gehörst nicht zu meinem Rudel, nicht mal annähernd. Und darum brauche ich auch nicht dafür zu sorgen, dass du dich wohl und sicher fühlst. Zumal du dich mir gegenüber auch nicht so verhalten hast. Und erst recht brauche ich mir von dir nicht sagen zu lassen, wie ein Wolf zu sein hat!“
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Lex hatte sich von Casael die Welt des Lucerian beschreiben lassen und war über die Geschehnisse ins Bild gesetzt worden. Offenbar war durch die Größe des Tores, das so viele Seelen gemeinsam geschaffen hatten, der kleine König aus Naelura mit aus seiner Welt gezogen worden. Und Casael konnte die junge Seele nicht zurück bringen. Als sie die Welt betrat, befanden sich Yavru und Panatan noch in ihrem Wortgefecht. Casael hatte bereits angedeutet, dass es zum Disput gekommen war. Sie schnappte ein paar Worte auf, ließ sie aber unkommentiert.

Panatan sah Lavaya an, als wäre diese verrückt geworden. Umso misstrauischer betrachtete er danach Yavru, um zu ergründen, ob er irgendetwas von diesem Verhalten, das gute Wölfe ausmachte, in dem Jungwolf finden konnte. Dessen Blicke und Worte argumentierten in die gegenteilige Richtung. "Du betrittst eine fremde Welt... und spielst mit ihr herum, ohne zu wissen, was du tust... und dann weißt dich ein Einheimischer in deine Schranken und stellt sich dir als König vor - ihr Wölfe nennt das 'Alpha' - und du wirfst mit Morddrohungen und Frechheiten um dich. Sag mir doch bitte mal, wie ich mit einem Eindringling wie dir verfahren soll? Zu allem Übel hat mich dieses Lucerian sofort angegriffen, als hätte es jedes Recht dazu, in meiner Welt die Herrschaft zu übernehmen und die Regeln aufzustellen, obwohl ich mich schon als König zu erkennen gegeben habe... Als Wölfe solltet ihr verstehen, dass man so nicht mit dem Alpha umgeht und dass all das definitiv feindselige Handlungen sind! Ich habe euch nichts getan! Ich habe sicheren Abstand zwischen uns geschaffen, ja. Ich habe euch auf eine Insel gepackt, damit ihr kein weiteres Unheil anrichten könnt, ja. Aber hat nur einer von euch einen Kratzer? Nicht einmal deine Nase ist in irgendeiner Weise versehrt." Seine Aufmerksamkeit richtete sich auf Casael und Lex, die dieser geholt hatte, um ihm zu helfen. Mit schnellen Sprüngen wuselte er zu den beiden hinüber und sah die Wölfin sogleich in hoffnungsvoller Erwartung an.

Lavaya erkannte, sein ihre Versuche, den Streit zu schlichten, nichts gebracht hatten, also hörte sie schweigend zu. Und so langsam begann sie, Panatan zu verstehen. Auch wenn es bei ihnen keine Alphas gab und die Reviere der Rudel nicht so ernst genommen wurden wie anscheinend in anderen Welten, gab es doch gewisse Regeln der Höflichkeit, an die man sich zu halten hatte. Man kam nicht einfach angelaufen, wälzte sich genüsslich da im Weltenmildbach, wo die Welpen tranken, und brachte dann noch eine Springlingsjagd durcheinander, indem man zwischen den Jägerinnen umher rannte, weil das gerade Spaß machte. Gewissermaßen hatten sie sich wohl aus Panatans Sicht so verhalten, wenn auch unbeabsichtigt. Dass die Begrüßung da nicht allzu herzlich ausgefallen war, brauchte sie nicht zu wundern. „Es tut mir Leid, wenn wir uns so aufgeführt haben, aber wir wussten ja nicht, dass es dein Revier ist und dein Rudel dort lebt. Die Welt schien für uns leer und unbewohnt zu sein, bis auf uns und das Lucerian.“

Yavru wollte gerade wieder zu einer verärgerten Antwort ansetzen, doch als er darüber nachdachte und Panatan andere, wölfischere Worte gebrauchte (Alpha klang nun mal weit weniger albern und aufgeblasen als König), musste er Lavaya zustimmen und sich eingestehen, dass Panatan nicht unrecht hatte, zumindest aus seiner Sichtweise. Wenn Fremdlinge in ein Revier eindrangen und sich dort dann noch vollkommen unmöglich aufführten, dann war es nicht nur das Recht des Alphas, die Eindringlinge in ihre Schranken zu weisen, sondern sogar dessen Pflicht seinem Rudel gegenüber. Und aus Panatans Sicht hatte es wohl genau so ausgesehen. Zähneknirschend stimmte er Lavaya zu. „Mir tut es auch Leid, wenn wir in dein Revier eingedrungen sind. Aber es war ja nicht als solches zu erkennen, und außerdem wollten wir gar nicht dort sein. Außerdem ist es für einen Wolf nun mal komisch, wenn ein ihm unbekanntens kleines Tier ihm etwas von König und Untertanen erzählt.“ Er wusste nicht, ob diese Mischung aus Entschuldigung und Rechtfertigung etwas bewirkte, aber er hatte es so zumindest versucht, und wenn Panatan dann immer noch patzig war, war das dann nicht mehr seine Schuld.

Casael setzte seine Pfoten wieder auf den Waldboden in Lucerians Welt und lachte leise, als er erfasste, dass sich die Wogen inzwischen geglättet hatten. Offenbar war es zu einer Versöhnung gekommen und schließlich entschuldigte auch er sich: "Tut mir leid, dass wir so gedankenlos mit dem... Schutzschild deiner Welt gespielt haben. So etwas erlebt man nicht alle Tage und da ist es wohl mit uns durchgegangen. Mit mir mehr als mit allen anderen." Er hatte schließlich gesungen... und man hatte ihm zu verstehen gegeben, dass er kein Talent hatte. "Du kannst Lexi jetzt beschreiben, wie deine Welt eigentlich aussieht und dann wird sie versuchen, dich zurück zu bringen. Sie kann das besser als ich." Er tappte zu Yavru und Lavaya und begrüßte die beiden wieder mit einem Stupsen. Auch an Lucerian drückte er grüßend die Nase, auch wenn er diese nicht in so etwas wie Fell vergraben konnte.

Lex nickte allen Anwesenden grüßend zu und würde sich näher mit diesen beschäftigen, sobald sie Panatan nach Hause gebracht hatte. "Genau... erzähl mir von deiner Welt und versuch nicht nur die Umgebung zu Beschreiben, sondern auch... die Atmosphäre... Was macht die Welt aus... wie fühlt sie sich für dich an..." Es war nicht der erste Sprung, den sie machte, mit nichts als einem Namen und einer 'Wegbeschreibung'.

Panatan spitzte die Ohren, als sich, nachdem sich Lavaya entschuldigt hatte, sogar Yavru entschuldigte. Damit hatte er wohl überhaupt nicht gerechnet. Bei all den Diskussionen schienen sie auf einmal halbwegs auf einen Nenner gekommen zu sein. Panatan fühlte sich seltsam dabei. "Ich vergebe euch.", erklärte er dann großzügig und meinte es offenbar ehrlich, auch wenn es gewiss in den Ohren der Wölfe wieder aufgeblasen klang. Aber er war eben ein König. Vielleicht war der feine Unterschied zwischen dem Alpha und dem König der, dass Alphas meist eine überschaubare Anzahl an Rudelmitgliedern leiteten und er ein ganzes Volk hatte, auf das er acht gab. Zumindest mit den Wölfen hatte er sich ausgesöhnt. Welche Höflichkeitsregeln Baumhirsche hatten, wollte er gar nicht wissen. Vielleicht dann wieder, wenn er zurück in seiner Welt war und sich vergewissert hatte, dass alle gesund, wohl auf und lebendig waren. Er konzentrierte sich sofort auf Lexi, damit er nach Hause konnte. "Naelura verändert sich... genau wie der Schutzschild. Ich habe mein Königreich selbst gestaltet... und manchmal verändere ich es. Es gibt einen großen, dichten Wald, durch den niemand durchgehen kann, der viel größer ist als ich. Es gibt in diesem Wald sehr viele Geheimgänge und man muss aufpassen, wohin man geht... es gibt Pilze, deren Geruch die Sinne vernebelt, sodass man anfängt, Dinge zu sehen, die gar nicht da sind. Es gibt in diesem Wald auch viele Fallen, aus denen man sich allein nicht befreien kann, wenn man hinein fällt. Es gibt eine geheime Höhle, die unterirdisch zu verschiedenen Punkten in meinem Königreich führt. Neben dem Wald gibt es auch noch einen Berg, mit guten Aussichtspunkten. Von einer Ebene kann man in einen See darunter springen, wenn man sich traut. Und mein Schloss ist verborgen, unter Felsen. Nur wer weiß, wo der Eingang ist, findet ihn auch..." Er plapperte so vor sich hin, die Welt vor Augen, die er mit seinen Gedanken selbst so geformt hatte. Er erzählte weiter von allerlei abenteuerlichen Gegenden in seinem Königreich und von Gefahren und Abenteuern. Man konnte sich am Ende gut Vorstellen, dass es das war, was Kinder sich ausdachten, um ihr eigenes, kleines Paradies zu schaffen. Und wer glaubte, dass alles im Geist eines Kindes nur aus Zuckerwatte bestand, irrte sich gewaltig.

Lavaya freute sich, dass Panatan ihnen vergeben hatte. „Danke“, sagte sie mit leicht wedelnder Rute. Erst jetzt bemerkte sie, das Casael wieder da war, und Lex mitgebracht hatte. „Hallo Lex! Schön, dich wiederzusehen!“ Sie wusste nicht, ob das übertrieben klang, denn so lange waren sie ja nicht getrennt gewesen. Oder doch? Zeit war im Weltenbaum schwierig abzuschätzen. Während Panatan seine Welt beschrieb, versuchte Lavaya sich, diese auszumalen. Sie kam ihr doch ein wenig übertrieben vor, und sie begann wieder stärker, an Panatans Verstand zu zweifeln. Doch andererseits wären ihr vor nicht allzu langer Zeit alle Welten, die deutlich mehr als Haare und Weltenmilch aufzuweisen hatten, übertrieben vorgekommen, also war sie wohl nicht wirklich fähig, das einzuschätzen.

Yavru war erstaunt, das Panatan seine Entschuldigung tatsächlich annahm, wenn auch in seiner lästig, aufgeblasenen Art. Er hätte nur wieder mit einer überheblichen Antwort gerechnet. Er sagte nichts, sondern nickte nur kurz, unsicher, was nun folgen würde. Als Casael und Lex auftauchten, begrüßte er sie ebenfalls: „Hallo ihr beiden, schön, dass ihr hier seid!“ Er erwiderte auch Casaels Stupser. Als Panatan allerdings von seiner Welt zu erzählen begann, konnte er sich einen genervten Gesichtsausdruck dann doch nicht verkneifen. Was das kleine rote Wesen erzählte, klang eher als sei es der Fantasie eines Welpen entsprungen, als sei es eine tatsächlich existierende Welt. Obwohl man, wie er zugeben musste, im Weltenbaum nie sicher sein konnte, ob etwas nicht doch existierte.

Casael hörte zu und wunderte sich nicht weiter über die Beschreibung der Welt. Panatan erklärte, dass er die Welt geschaffen hatte und so wie es sich anhörte, war das ein Paradies für abenteuerlustige Welpen. Er musste ein bisschen nachdenken, was er sich wohl herbei gezaubert hätte, als er noch klein gewesen war. Geheimverstecke waren natürlich wichtig... aber in seiner Familie relativ überflüssig. Dennoch hätte er sich sicher gerne ein fantastisches Königreich gezaubert. Aber das war nicht jedem vergönnt und er war auch so erwachsen geworden. Seiner Meinung nach war er zwar nicht perfekt, aber doch ein halbwegs anständiger Wolf.

Lex schloss die Augen und ließ sich von Panatan die Welt Naelura beschreiben. Sie konnte dem kleinen Panda gut folgen, auch dann, wenn dieser keine Details beschrieb. Für jemanden, der seine Welt gerne vor den Augen von anderen verbarg war es vermutlich nicht einfach, frei darüber zu sprechen. Letztlich spürte Lex, wie die Welt um sie herum zu flimmern begann und sie setzte innerlich zum Sprung an. Oft stellte sie sich vor, tatsächlich von einer Welt in die andere zu springen, auch wenn sie sich eigentlich nicht bewegte. Als sie die Augen öffnete, sah sie, was Panatan beschrieben hatte. Es war noch ein bisschen strahlender, als sie sich das vorgestellt hatte. Sie stand auf einer Aussichtsplattform auf dem Berg und konnte unter sich das Wasser sehen. Als Panatan neben ihr auftauchte, lächelte sie. "Willkommen Zuhause.", gab sie gutmütig von sich und hob die Wolfsbrauen, als auch Casael, Lavaya, Yavru, Laelia, und eine Wasserkatze auftauchten. So etwas war ihr bei einem Sprung noch nie passiert. Seltsam...

Panatan fühlte wieder diesen unangenehmen Schwindel, doch dieses Mal wollte er sich nicht an der Welt festhalten, sondern wäre am liebsten voller Freude los gestürmt. Als er den Geruch seiner Welt erkannte, blinzelte er kurz und rief: "Leere!", um die Welt sogleich wieder vor den Augen möglicher weiterer Fremder zu verbergen. Danach eilte er mit schnellen Sprüngen davon, verschwand dann aber einfach, als hätte die Leere ihn verschluckt.





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Lu, Kyro, Josh, Lio



19.03.2018 00:18
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Lijenna
Lillyan Caesar






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Wolfsträumer

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Casael erhaschte noch kurz einen Blick auf die Welt, die Panatan beschrieben hatte, dann war sie verschwunden und der Schutzschild war zurück. Woher die Welt wusste, was Panatan mit seinen Worten gestaltete, konnte er nicht ganz nachvollziehen, aber offenbar konnte das Jungtier viel besser bestimmen, was geschah. Casael schnüffelte ein bisschen herum und versuchte, Panatans Fährte zu folgen, doch dieser war einfach irgendwie hinter die Leere verschwunden.

Lex wartete erst einmal, was weiter geschehen würde. Sie kannte leere Welten, aber Naelura kannte sie nicht. Und sie beobachtete gerne das Geschehen, ohne sich großartig einzumischen. Falls sie gebraucht wurde, blieb sie aber hier. Zumal sie eigentlich den neuen Weltenwanderern hatte helfen wollen... Irgendwie war alles ziemlich chaotisch, dieser Tage. Es kam ihr so vor, als würden die Welten verrückt spielen. Womöglich hatte Casael also recht und es lag an den Gaiawölfen.

Lavaya hatte erwartet, dass Lex mit Panatan verschwinden und kurz darauf ohne ihn zurückkehren würde, um sie und die übrigen zurück nach Azali zu bringen. Stattdessen verschwand aber die Welt um sie herum und sie merkte, dass sie selbst ebenfalls schon wieder die Welt wechselte. Sie schaute sich um und sah zu ihrem Erstaunen, dass die Welt, die sie nun umgab, tatsächlich genau der Beschreibung Panatans entsprach. Sie wirkte sogar noch beeindruckender und abenteuerlicher, als sie sich sie vorgestellt hatte. Anscheinend war sie ohne es zu wollen mit Lex und Panatan zurück nach Naelura gelangt, so wie Panatan zuvor mit ihnen und konnte diese Welt nun in ihrer tatsächlichen Form ohne Panatans Tarnung sehen. Dieser Zustand währte allerdings leider nicht lange, denn Panatan rief augenblicklich die Leere zurück. Leise sagte sie vor allem zu sich selbst: „Er hatte also wirklich recht.“

Shrkali strauchelte überrascht, als der Boden unter ihren Füßen verschwand und gleich darauf von neuem ersetzt wurde. Einen Moment lang war sie von einem stahlenden Panorama eines Kunstwerks von Natur umgeben, doch ein paar Herzschläge später war es der Leere gewichen, die sie schon vorher gesehen hatte. Als sie den Blick umherschweifen ließ, erkannte sie die selben Tiere die sie schon vorher von größerer Entfernung gesehen hatte. Da sie fand, dass nun endlich der passende Moment für eine Vorstellung wäre, schnurrte sie mit der tiefen, vibrierenden Stimme, welche ihrer Rasse eigen war: "Seid gegrüßt, Unbekannte."

Yavru war ebenfalls erstaunt, dass er mit den anderen mit zurück nach Naelura gezogen wurde, und noch erstaunter war er, dass Panatan wirklich recht gehabt hatte: Naerula sah tatsächlich genauso aus wie von ihm beschrieben, und auch wenn er sie nur einige Augenblicke sehen konnte, war ihm augenblicklich klar, wie gern er eine solche Welt als Welpe erkundet hätte. Eigentlich hätte er es immer noch gerne getan. Doch dann rief Panatan die Leere zurück und verschwand kurz darauf selbst. Er wollte gerade Lavaya zustimmen, die anscheinend dasselbe dachte wie er, da hörte er eine ihm unbekannte, tiefe Stimme. Er schaute sich um und sah eine Art große Katze auf sie zukommen. Er erinnerte sich, dass dieses Wesen bereits vorhin zusammen mit ihnen in Naerula gewesen war, doch es hatte sich aufgrund der Ereignisse keine Gelegenheit gegeben, mit ihm zu sprechen. „Hallo, ich bin Yavru“, erwiderte er den Gruß. „Wohnst du hier oder bist du auch erst gerade hier gelandet?“ Und als er sah, wie nass das Fell der Katze war, fügte er hinzu: „Hat es hier geregnet, während wir weg waren?“

Panatan schob sich aus der Leere. Zu seiner Linken begleitet von einem Bärenjungen und zu seiner Rechten eine junge Löwin. Er hielt sein Versprechen und hatte vor, Lavaya zwei seiner Untertanen vorzustellen. "Sternschnuppennacht.", wisperte er, um die Leere zu vertreiben. Himmel formte sich über ihnen, mit unzählbar vielen Sternen, Sternennebeln und Sternschnuppen. Um sie herum wurde aus der Leere ein erdig-grasbewachsener Boden. "Natürlich hatte ich Recht. Ich bin der König und der König hat immer Recht." Er grinste frech und trat an Lavaya und Yavru heran. "Hey, Wasserkätzchen! Ich bin Panatan, König dieser Welt... und das hier sind Corvin und Nalani, zwei meiner tapfersten und furchtlosesten Untertanen." Er nickte und setzte sich in die Runde.

Ein atemberaubender Sternenhimmel erstreckt sich über den Köpfen der verschiedenen Tier- und Pflanzenwesen. Um sie herum weicht die Leere einer weiten Grasebene, mit vereinzelten Bäumen.

Nalanis Augen funkelten, als sie die Sterne sah und sie sprang leicht versetzt hinter ihrem König her, wachsam. Sie überragte ihn ein Stück und auch wenn sie sichtlich jünger war, als Panatan, deutete ihre Haltung darauf hin, dass sie sich für seine Beschützerin hielt. "Hallo, ihr Eindringlinge!", grüßte sie mit einem Lachen in der Stimme. "Umzingelt von alten Leuten..." Mit dieser Bemerkung studierte sie jeden einzelnen der Anwesenden. Sie erkannte, dass Yavru und Laelia jünger waren, als die anderen, aber auch sie waren alt, ihrem Empfinden nach.

Corvin wackelte neben seinem König her, auf die Erwachsenen zu. "Und dieser Haufen Schurken hat all den Ärger verursacht?", fragte er kritisch und ein bisschen vor sich hin brummend. Von einem Gaiabären unterschied er sich nur durch eine fremdartige Gesichtszeichnung, die symbolisch für seine Art war. "Eure Majestät, wer von ihnen wollte uns kennenlernen?" Sein Blick wanderte zu Panatan hinüber und folgte dann dessen Kopfbewegung zu der erwachsenen Wölfin. "Wieso willst du uns kennen lernen?", fragte er Lavaya.

Lavaya schaute sich um, als sie eine tiefe stimme hörte und sah erneut das ihr unbekannte Tier mit dem nassen Fell, dass sie schon bei ihrem ersten Besuch hier gesehen hatten, dass sie jedoch nicht weiter beachtet hatte, weil sie sich hauptsächlich mit Panatan auseinandersetzen hatte müssen. „Und ich bin Lavaya“, ergänze sie Yavrus Gruß. „Freut mich, dich kennen zu lernen!“ Bei Yavrus Frage nach dem Regen verdrehte sie kurz die Augen. Anscheinend hatte Yavru das Tier noch weniger beachtet als sie, denn schließlich war es doch schon vorhin nass gewesen. Plötzlich erschien Panatan wieder, und diesmal war er wie sie erstaunt feststellte nicht alleine. Ihn begleiteten zwei weitere Tiere, die sie noch nie gesehen hatte. Das eine sah ein bisschen aus wie Panatan, war aber deutlich größer, das ähnelte ein wenig dem nassen Tier. Beide wirkten noch recht jung, auch wenn es bei unbekannten Tierarten immer schwierig war, das Alter einzuschätzen. Der Kommentar des nasstierähnlichen Tiers, das sie als ‚alte Leute‘ bezeichnete, deutete ebenfalls darauf hin. „Danke Panatan, dass du mich deinen Untertanen vorstellst! Und entschuldige, dass ich dir anfangs nicht geglaubt habe.“ Dann wandte sie sich an die beiden. „Hallo, ich bin Lavaya! Ich habe Panatan gebeten, mich einigen seiner Untertanen vorzustellen, da ich hoffe, dass ihr mir ein wenig über das Leben in Naelura erzählen könnt. Ich sammle nämlich Geschichten.“ Dass sie in erster Linie hatte sehen wollen, ob Panatans Untertanen tatsächlich existierten oder nur ein Produkt seiner Fantasie waren, verschwieg sie natürlich.

Shrkali nickte den beiden Vierpfötern zu, während sie mit Wohlwollen beobachtete, wie sich die Welt um sie herum erneut formte. Auf die Frage nach dem Regen lächelte sie kurz und meinte: "Nein, das ist mein Normalzustand." Als die drei Neuankömmlinge erschienen, musterte sie sie interessiert. Der Anführer schien das Tier zu sein, welches die Gruppe vorhin angegriffen hatte, doch offensichtlich war der Streit nun belegt, denn alle redeten in relativ freundschaftlichem Ton miteinander. Als Shrkali ihren Kopf der anscheinend sehr hohen Stellung ihres Gegenübers angemessen tief neigte, rutschte ihr eine Strähne nassen Felles ins Auge. Reflexartig schüttelte sie sich, ohne überhaupt daran zu denken, dass es für die Anderen möglicherweise kein sehr schönes Erlebnis war. "Mein Name ist Shrkali", schnurrte sie daraufhin.

Yavru verstand nicht so ganz, was das nasse Tier mit Normalzustand meinte. „Heißt das, du bist immer nass, selbst bei trockenem Wetter?“ Er stellte sich das auf Dauer sehr unangenehm vor. Bevor er weitere Fragen stellen konnte, erschien Panatan ebenso plötzlich, wie er verschwunden war, und diesmal war er nicht alleine. Dass nicht nur seine Welt, sondern auch seine Untertanen wirklich existierten, wunderte ihn jetzt nicht mehr allzu sehr. Eines davon war eine Art Katzentier, das noch recht jung war und sich gleich über die ‚alten Leute‘ amüsierte. „He, ich bin noch nicht mal ein Jahr alt!“ Normalerweise war er stolz darauf, wenn er als Erwachsener gesehen wurde, aber alt war er nun doch noch wirklich nicht. Der andere Begleiter Panatans beunruhigte ihn allerdings deutlich mehr. Trotz der ungewöhnlichen Fellzeichnung im Gesicht war es eindeutig ein Bär. Und Bären und Wölfen waren nicht gerade beste Freunde. Zwar handelte es sich noch um ein Jungtier, aber gerade diese bedeuteten Gefahr, da sie in aller Regel von ihren Muttern begleitet wurden, die es wiederum gar nicht mochten, wenn sich irgendjemand, der auch nur entfernt eine Gefahr darstellen könnte, ihren Jungen näherte. Aufmerksam schaute er sich um, aber zumindest noch war keine Bärenmutter in Sichtweite. Dass Shrkali, wie die nasse Katze sich nannte, sich so vor Panatan verneigte, ließ ihn unwillkürlich schmunzeln. Auch wenn er tatsächlich Recht hatte, sein König war er nicht. Und daher zeigte er ihm gegenüber zwar keine dominante, aber eben auch keine unterwürfige Körperhaltung.

Panatan überließ es Corvin und Nalani, mit Lavaya zu sprechen. Immerhin wollte diese die beiden kennenlernen und seine beiden Untertanen konnten gerne erzählen, wie sie so lebten. Er konzentrierte sich derweil auf die Wasserkatze Shrkali, die ihm auf eine Weise begegnete, die ihm gefiel. Er nickte ihr freundlich zu. "Hallo Kali.", grüßte er und nutzte den Teil des Namens, den man mit Leichtigkeit aussprechen konnte. Als die Wasserkatze sich schüttelte, kniff er zwar die Augen zusammen, aber in seinem Königreich war er neben dem Herrscher auch ein großer Abenteurer und sicher kein empfindsames Seelchen, das sich vor Wassertropfen ekelte. Nicht einmal denn, wenn fraglich war, wie diese entstanden. "Du kennst die Wölfe da gar nicht?", erkundigte er sich dann. "Du bist also getrennt von ihnen in diese Welt eingedrungen?" Es lag nicht wirklich etwas Anklagendes in den Worten, nur eine gewisse Nachdenklichkeit. Angst hatte er natürlich nicht, aber es war doch sehr unangenehm zu wissen, dass so viele Seelen ihr Unwesen in seiner Welt trieben, die gar nicht hier her gehörten.

Nalani hatte wieder ein Lachen in der Stimme, als sie auf Lavaya und Yavru reagierte: "Das Leben in Naelura kann man schwer mit ein paar Worten beschreiben... Es ist ein Abenteuer und es wird nie langweilig! Jeder Tag ist anders und keine Nacht gleicht der anderen. Manchmal gehen Geister um und dann ist alles erfüllt von unheimlichen Geräuschen... jeden Tag gibt es Mutproben und Lektionen... manchmal müssen wir jemanden suchen, manchmal werden wir von irgendwem entführt und die anderen müssen uns suchen... Manchmal müssen wir uns vor gefährlichen Monstern verstecken und manchmal müssen wir sie bekämpfen..." Sie überlegte kurz. "Oder wir müssen etwas finden, was wertvoll ist und dazu Rätsel lösen... und mit dem was wir finden können wir dann an neue Orte gelangen oder vermisste Freunde wiederfinden..." Das war eigentlich so das, was meistens geschah.

Corvin hörte Nalani zu, mit ernster Miene. Er prüfte jedes Wort auf seine Richtigkeit und ergänzte schließlich: "Wir müssen immer wieder Prüfungen bestehen, um in unseren Rängen aufzusteigen... oder wir sinken wieder. Manchmal gehören wir zum Königshaus und manchmal müssen wir ganz unten im Dreck kriechen, wenn wir versagen." Er nickte zu sich selbst und blickte ernst zwischen den vielen Erwachsenen umher. "Panatan ist immer der König. Es sei denn er wird entführt oder verschwindet und wir müssen ihn suchen. Dann ist immer jemand anders der König und manchmal gibt es auch mehrere Könige und dann gibt es streit und jeder will Panatan zuerst finden. Wer ihn zuerst findet, gewinnt und steigt im Rang auf."

Lavaya machte ein paar Schritte beiseite, als sich das Nasstier, dass sich kurz daraufhin als Shrkali vorstellte, schüttelte und dabei das Wasser aus seinem Fell in der Umgebung verteilte. Zwar war ein Tier, das anscheinend ständig nass war, interessant, aber momentan gehörte ihre Aufmerksamkeit Nalani und Corvin. Was Nalani erzählte, klang nicht wie eine Geschichte, sondern viel mehr als seien dutzende Geschichten, die man Welpen erzählte oder die sich selbst ausdachten, auf einmal wahr geworden. Zwar hatte sie ihre Welpenzeit in der vergleichsweise eintönigen Haarlandschaft von Lupmundi verbracht und konnte daher nur mutmaßen, wovon Welpen anderer Welten träumten, doch Narlura hörte sich genauso an, als sei es der Fantasie eines Welpen entsprungen. „Das klingt nach jeder Menge Spaß und Abenteuer!“ Doch Corvins Bericht klang deutlich negativer. Er erzählte von ständigen Prüfungen und davon, dass diejenigen, die sie nicht bestanden, als Versager galten und im Dreck kriechen mussten, wobei sie lieber gar nicht wissen wollte, ob das womöglich sogar wörtlich zu verstehen war. Außerdem schien es nicht selten Streit zu geben, wenn es darum ging, zu bestimmen oder in der Rangfolge aufzusteigen. „Dann ist es also doch nicht so schön und friedlich, wie ich gedacht habe.“ Nun, es hatte sich wohl auch zu schön angehört, um tatsächlich existieren zu können.

Shrkali legte auf Yavrus Frage hin nachdenklich den Kopf schief. "Nein, ich bin nicht immer nass. Manchmal dampfe oder gefriere ich auch." An den Anführer der Anderen gewandt meinte sie: "Ich bin in meinem Felsentraum hier, falls du weißt was das ist." Dass er ihren Namen nicht ganz benutzte fiel ihr zwar auf, aber sie fasste es nicht als Beleidigung auf, da sie es gewohnt war, dass viele Tiere ihren Namen nicht richtig aussprechen konnten, und die gekürzte Version war ihr definitiv lieber als irgendeine Verhunzung.

Yavru wurde als Shrkali sich schüttelte von einigen Wassertropfen getroffen, aber es machte ihm nicht viel aus. Zwar mochte er keinen Regen, aber ein paar Tropfen waren nun wirklich kein Problem, selbst dann nicht, wenn sie nicht vom Himmel, sondern vom Körper einer seltsamen großen Katze hervorgebracht wurden. „Du gefrierst manchmal? Wirst du dann zu Eis?“ Das stellte er sich noch unangenehmer vor und erinnerte ihn an die Geschichte von Eisling, die das Lucerian ihnen erzählt oder viel mehr vermittelt hatte. Nalanis Erzählung lauschte er mit Fazination und Interesse. Es klang tatsächlich nach dem Traum eines jeden Welpen, jeden Tag ein neues Abenteuer zu erleben. Er konnte Lavaya da nur zustimmen. Auch deren Einschätzung von Corvins Worten teilte er ein Stück weit, allerdings war es nun mal auch so, dass es zwischen Welpen zu Streitereien kam. Er selbst hatte sich ja auch nicht immer mit seinen Adoptivgeschwistern verstanden. Letztendlich klang es so, als sei Naelura eine Welt, wie sie ein Welpe erschaffen hätte. Oder eher mehrere Welpen. Aber schließlich waren Naelura und Corvin tatsächlich noch Jungtiere, und auch Panatan wirkte bei genauerer Betrachtung nicht unbedingt erwachsen. „Gibt es in Naelura gar keine Erwachsenen?“, fragte er.

Panatan spitzte die Pandaohren. "Dass will ich sehen!", rief er aus und überlegte kurz. "Winterwunderland!" Es wurde augenblicklich deutlich kälter, sodass Shrkali die Gelegenheit hatte, zu gefrieren. Oder deren Fell. Was genau passierte, wollte er lieber mit eigenen Augen sehen, als sich davon erzählen zu lassen. Wofür waren sie denn in Naelura, wo er über die Elemente, das Wetter und die Umwelt bestimmte?! Er fackelte also nicht lange, sondern betrachtete Kali, um herauszufinden, was nun geschehen würde.

Schneeflocken beginnen, vom Himmel zu tanzen, während sich augenblicklich eine dicke Schneeschicht über den Boden legt. Es wird deutlich kälter und der Sternenhimmel weicht dichten Schneewolken, hinter denen sich Tageslicht verbirgt.

Nalani beobachtete die erwachsene Wölfin, samt all ihrer Reaktionen. Zuerst gefiel Lavaya alles, was sie hörte und dann fand sie es nicht mehr so spaßig. Ehe sie mehr dazu sagte, beantwortete sie Yavrus Frage: "Natürlich gibt es bei uns keine Erwachsenen. Erwachsene können sich keine tollen Sachen ausdenken, weil sie schon zu viel gesehen haben und sie bringen immer komische Regeln mit, die machen, dass man sich eingesperrt fühlt. Manchmal bringen sie auch Gewalt mit. Deshalb darf kein Erwachsener jemals wieder in Panatans Königreich. Erwachsene machen immer alles kaputt. Jedes Spiel, jeden Spaß und die ganze Welt hier..." Danach sah sie kurz zu Corvin und dann zu Lavaya. "Man kann im Leben nicht immer nur gewinnen. Wenn man nur gewinnen könnte, wäre es langweilig und wie schummeln. Deshalb kann jeder immer verlieren, Prüfungen oder Mutproben nicht bestehen und danach wieder unten landen. Aber jeder kann irgendwann auch wieder Mut beweisen, oder ein Rätsel lösen... oder jemanden retten. Und dann steigt man wieder. Corvin und ich sind schon lange hoch im Rang. Wir haben vor fast gar nichts Angst!" Sie hätte eigentlich steif und fest behauptet, vor gar nichts Angst zu haben, aber als der Schutzschild verschwunden war, gerade vorhin, hatte sie das doch ziemlich erschreckt. Überhaupt nicht erschreckend fand sie, dass es plötzlich Winter wurde. Sie hatte nur gerade keine Zeit, um im Schnee zu toben.

Corvin nickte zu Nalanis Worten. Er war viel weniger heiter als die Löwin und blieb ernst. Vermutlich hatte Lavaya seine Worte deshalb als viel negativer aufgefasst, als die der Löwin. Aber so war er eben. Es war nicht so, dass er keinen Spaß hatte, in dieser Welt, aber mit der Ausgelassenheit hatte er es einfach nicht so. Es gab Dinge im Leben, die konnte kein Spiel der Welt beiseite drängen und nichts ließ ihn jemals vergessen, woher er stammte. Er war inzwischen aber zu der Erkenntnis gekommen, dass es ihm in allen anderen Welten sicher schlimmer ergehen würde. "In Naelura werden wir zumindest vor Erwachsenen beschützt.", fügte er an. "Damit muss man schon vor sehr vielen Dingen keine Angst mehr haben. Ob man von einem hohen Felsen springt, oder ob man sich zu sehr davor fürchtet, bleibt dann jedem selbst überlassen. Aber sich dieser Frage zu stellen, ist weit weniger gefährlich, als Vorschriften zu befolgen und sich verbiegen zu müssen, damit man irgendeinem kaputt gegangenen, erwachsenen Geist dienlich ist und diesen zufrieden stellt." Er ließ kurz den Blick schweifen, um den Zauber in sich aufzunehmen, den Panatan über die äußere Welt gelegt hatte.

Lavaya verstand nicht, was Nalani gegen Erwachsene hatte. Sicher, Welpen konnten auch ohne Erwachsene aufwachsen, wobei sie sich nicht mehr sicher war, ob das für die Wölfe anderer Welten auch galt, doch es war ohne Zweifel schöner und sicherer, wenn ein Rudel aus Erwachsenen Wölfen auf den Welpen aufpasste und ihm beibrachte, was er wissen musste. „Aber es ist doch schön, wenn man jemanden hat, der auf einen aufpasst und einen alles beibringt, was man wissen muss, statt dass man alles selbst herausfinden muss. Und was passiert überhaupt mit euch, wenn ihr erwachsen werdet? Verlasst ihr dann diese Welt?“ Es stimmte sicherlich, dass ein Spiel keinen Spaß machte, wenn man nur gewinnen konnte, aber verlieren machte auch keinen Spaß, und Nealura schien, wenn sie Corvin glauben konnte, so gestaltet zu sein, dass es besonders wenig Spaß machte. Sie fragte sich langsam, ob Nalani ihre Heimatwelt auch so positiv sehen würde, wenn sie nicht offensichtlich zu denen gehören würde, die zumindest fast immer gewannen. Und Corvins Worte klangen noch einmal deutlich düsterer. „Wieso müsst ihr vor Erwachsenen beschützt werden? Es ist doch deren Aufgabe, Welpen zu beschützen. Und ist es nicht besser, wenn jemand einen davon abhält, von einem Felsen zu springen, bis man selbst verstanden hat, dass das keine gute Idee ist? Das gehört zu den Dingen, die man besser nicht erst ausprobiert, um herauszufinden, dass sie nicht gut sind.“

Nalani betrachtete die Wölfin nachdenklich. Das war schwer zu erklären, für Außenstehende. "Wir haben uns. Wenn ich will, kann ich die Mutter von ganz vielen sein... oder auch das Kind von jemandem.", erklärte sie. "Wir können uns ganz viele Dinge gegenseitig beibringen. Wir passen gegenseitig aufeinander auf und unser König beschützt uns alle, sodass uns nie wieder jemand wehtun kann.", erklärte sie. "Wenn wir nicht mehr in Naelura leben möchten, können wir gehen. Es gibt im Königreich ein schwarzes Loch, in das man nur springen muss, wenn man in eine andere Welt will. Man findet dann schon seinen eigenen Weg." Ihr Blick glitt eine Weile umher, ehe sie etwas leiser flüsterte: "Weil alle Untertanen von Panatan Jungtiere sind, die keine netten Eltern hatten... jeder hat seine eigene Geschichte... manche haben ihre Eltern verloren, andere wurden von ihnen verstoßen... manche sind davon gelaufen oder gar geflüchtet. Manchen wurde wehgetan, von ihren Eltern oder denen, die sich um sie kümmern sollten... deshalb beschützt Panatan uns vor Erwachsenen. Aber vor langer Zeit durften manche Erwachsenen, wenn sie nett waren, ins Königreich... aber Erwachsene wollen uns immer ändert und uns nicht so sein lassen, wie wir sind. Und das hat vielen wieder große Angst gemacht. Deshalb dürfen Erwachsene jetzt gar nicht mehr zu uns..." Sie blickte Lavaya beinahe so ernst an, wie Corvin. "Deshalb sind wir zu euch hier raus gekommen. Damit ihr denen keine Angst macht, die noch nicht so mutig sind wie wir. Und du musst uns jetzt nicht erzählen, dass nicht alle Erwachsenen böse sind... Das wissen die meisten von uns. Aber so wie du gerade redest, ist es mit vielen. Erwachsene glauben einfach, alles besser zu wissen... dabei kannst du durch eine Regel eines Erwachsenen niemals so viel lernen, wie durch dich selbst. Wenn dir jemand sagt, dass du nicht von einem Felsen springen sollst, weil das gefährlich ist, kannst du nie herausfinden, wie mutig du sein kannst und wie viel Spaß es macht, mutig zu sein und zu springen. Bei uns muss niemand springen, aber jeder kann. Und jeder lernt dabei etwas über sich selbst."

Corvin hörte Nalani wieder wachsam zu und verzog keine Miene. Nur einmal stellte sich sein Fell ein bisschen auf, als die Löwin davon redete, aus welchen Gründen sie keine Eltern haben konnten. "Du hast schon recht, Lavaya... viele von uns wären gestorben, wenn Panatan uns nicht aufgenommen hätte... weil wir viel zu jung sind, um allein zu überleben. Und weil wir nicht allein überleben können, glauben Erwachsene oft, dass wir auf sie hören sollen... Und sie zwingen uns dazu, weil sie wissen, dass wir ohne sie nicht überleben können. Natürlich will man nicht sterben, deshalb fügt man sich. Aber das ist ein Akt der Gewalt und Grausamkeit, diese Abhängigkeit auszunutzen. Natürlich kommt es darauf an, welche Persönlichkeit dahinter steht, aber niemals sollte ein Jungtier zu etwas gezwungen werden, bloß weil es allein nicht überleben kann." Das widerstrebte ihm total. "Erwachsene irren sich viel zu oft und hören ihrem Nachwuchs einfach nicht zu... dabei wissen Jungtiere zwar nicht viel über die Welten und das Leben, aber die meisten wissen trotzdem viel mit ihrem Herzen. Dieses Wissen kann viel wertvoller sein, als ein Leben voller Erfahrungen. Kinder haben eine besondere Art von Echtheit und Wahrheit in sich... und die schützen wir in Panatans Königreich."

Shrkali zuckte leicht zusammen, als eine Schneeflocke auf ihr landete. Sofort kniff sie die Augen zusammen, und ein paar Augenblicke später begann ihr Fell zu dampfen. An den Anführer, welcher offensichtlich Urheber des plötzlichen Schneefalls war, erklärte sie: "Es muss nicht kalt werden, damit mein Pelz gefriert. Ich kann es ganz von selbst beeinflussen, auch wenn es meistens eher durch Emotionen als durch bewusste Befehle ausgelöst wird. Nur jetzt wäre es sehr unklug von mir zu gefrieren, da ich es wegen der Kälte möglicherweise nicht schaffen würde wieder aufzutauen. Deswegen bemüht sich unsere Rasse in kälteren Zeiten die meiste Zeit zu dampfen. Nur wenn wir es nicht vermeiden können zu kämpfen oder einen gefährlichen Sprung zu machen riskieren wir es manchmal."

Yavru teilte Lavayas Bedenken. „Ich war immer froh, dass meine Eltern für mich da waren, mich beschützt haben und mir vieles beigebracht haben. Ich war auch froh, dass ich Geschwister hatte – naja, meistens. Aber sie hätten für mich nie die Rolle meiner Eltern ausfüllen können, weil sie ja selbst noch Welpen waren.“ Das es auf Panatans Anweisung kälter wurde und zu schneien begann, bemerkte er unterdessen zwar, aber sein Fell war immer noch dicht genug, um ihn warm zu halten, sodass er sich darüber keine Sorgen machte, zumal Nalanis nächste Worte ihn regelrecht entsetzten. „Das ist ja schrecklich! Wer würde denn einem Jungtier weh tun?“ Es war für ihn kaum vorstellbar. Sicherlich hatten die Weißen Schatten auch Welpen gegenüber nichts außer Bosheit gezeigt, aber das waren zumindest nicht ihre eigenen Welpen gewesen. Es war für ihn eine grundlegende Regel der Natur, dass Eltern sich um ihren Nachwuchs kümmerten, genauso, wie das Regen nach unten fiel und die Sonnte tagsüber schien und nachts nicht. Wobei man sich darüber m Weltenbaum auch nicht mehr sicher sein konnte. Vielleicht also auch nicht über so elementare Dinge wie Mutterliebe? „Nun verstehe ich, warum ihr Erwachsenen nicht traut. Auch wenn es denke ich schöner gewesen wäre, wenn eure Eltern sich um euch gekümmert hätten – oder sonst jemand, der ihre Stelle eingenommen hätte.“ Aber war es womöglich genau das, was Panatan tat? Wobei er noch zu jung für einen Adoptivvater schien, aber Alter hatte in den Welten womöglich auch nicht viel zu sagen. „Aber wenn man von einem hohen Felsen springt und dabei stirbt, kann man gar keinen Spaß mehr haben und auch nichts mehr lernen. Ist es da nicht besser, wenn Erwachsene es einem verbieten?“

Panatan war ziemlich überrascht von der Art, wie der Körper der Wasserkatze reagierte. Umso aufmerksamer hörte er der anschließenden Erklärung zu. Er konnte also gar nicht beeinflussen, wie sich das Wasser auf Shrkali verhielt! "Woher kommt das Wasser? Trocknet dein Fell nie aus? Oder muss es einmal nass gemacht werden, um nass zu sein?" Er war noch nie einem solchen Wesen begegnet, aber das hieß nicht viel. Er wusste, dass es sehr, sehr viele Wesen im Weltenbaum gab. Seine Untertanen waren auch sehr unterschiedlich. "Also bleibt dir durch das Dampfen warm, wenn es kalt ist und du machst es dir kalt, wenn es heiß ist?" Dieses Mal probierte er es nicht aus, in dem er die Leere veränderte. Das Winterwunderland blieb also.

Lavaya war so entsetzt über das, was Nalani erzählte, dass sie sich abwenden musste. Die Vorstellung, dass sich jemand gleichgültig oder gar grausam einem Jungtier gegenüber verhielt, war für sie so schrecklich, dass sie sich das weder vorstellen konnte noch wollte. „Wie … wie kann man so etwas … überhaupt tun?“ Sie stammte aus einer Welt, in der es selbstverständlich war, sich um einen Welpen den man fand zu kümmern. Und wenn man den Welpen selbst zur Welt gebracht hatte – so ekelig das auch war – war man dann nicht noch mehr für ihn verantwortlich? Es kam ihr herzlos vor, aber sie konnte und wollte nicht weiter zuhören. „Entschuldgt mich … ich muss …“ Ihr wurde langsam klar, dass es Geschichten gab, die man besser nie hörte. Sie musste einfach an etwas anderes Denken, zumindest für einen Moment. Ja richtig, die Kälte! Sie war sie so sehr in das Gespräch mit Corvin und Nalani vertieft gewesen, dass sie nicht darauf geachtet hatte, dass Panatan es hatte kalt werden lassen, und dass nun dieses schreckliche weiße Zeug – Schnee, so hieß es – vom Himmel fiel. Jetzt spürte sie es um so deutlicher. Sie fror. Und was würde das erst für Shrkali bedeuten? Würde sie tatsächlich zu Eis gefrieren? Ängstlich drehte sie sich zu dieser um, die nun glücklicherweise erklärte, dass sie selbst entschied, ob sie gefror oder nicht. „Warum gefriert ihr, wenn ihr kämpfen müsst?“

Nalani hatte schon viele Erwachsenen gesehen, aber so seltsam wie Lavaya hatte sich noch nie jemand verhalten. In Naelura gab es so viele Jungtiere, die mehr über die Welt wussten, als diese erwachsene Wölfin. Keiner hier wunderte sich darüber, dass es Böses gab und gleichzeitig verzweifelte niemand daran. Neulinge hatten oft Angst oder stifteten Unruhe, das schon... aber letztlich gewannen sie hier mehr, als sie in ihrem Leben verloren hatten. Ihr Blick glitt zu Yavru. "Weißt du... in dieser Welt altert niemand... deshalb können wir hier so lange bleiben, wie wir wollen. Wenn wir gehen und erwachsen werden, dürfen wir aber nicht zurück. Deshalb bleiben manche. So wie Corvin und ich. Wir sind in uns drin schon etwas älter geworden, aber deshalb sind wir vielen, die noch neu sind so etwas wie ältere Geschwister. Und solange wir jeden Tag Abenteuer leben und die Spiele spielen und gestalten, werden wir auch nicht richtig erwachsen. Wir müssen uns hier nicht den Problemen stellen, die mit dem Erwachsenwerden einher gehen. Wir können natürlich schon ein bisschen darüber nachdenken. Ich möchte irgendwann eine echte Mutter sein und ich will möglichst oft spielen, Kinder zu haben, damit ich meinen Kindern möglichst nie wehtue. Auch wenn ich sie natürlich so oder so lieben werde, auch wenn ich das nicht von meinen Eltern gelernt habe. Aber das ist der beste Beweis dafür, dass wir das meiste aus uns selbst heraus lernen können... Du musst nicht Liebe erfahren, um sie schenken zu können. Du musst nicht wissen, wie es ist, liebevolle Eltern zu haben, um eine liebevolle Mutter zu werden. Das hat mir mal jemand erzählt, dessen weise Worte ich immer sehr geschätzt habe. Aber er hat irgendwann auch entschieden, dass er jetzt bereit ist, erwachsen zu werden. Er hat versprochen, draußen zu warten, um sich um die zu kümmern, die Naelura verlassen. Aber wir wissen nicht, wie viele Tage, Wochen, Monate oder Jahre seit dem dort draußen vergangen sind. Hier zählen wir sie nicht, wir leben einfach nur. Die Zeit sitzt uns nicht im Nacken, niemand verlangt von uns, schnell erwachsen zu werden... Nur wenn wir selbst es wollen, wird es wahr und auch nur, wenn wir in das schwarze Loch springen. Manche haben das als ihre letzte, große Mutprobe und das wahre Abenteuer gesehen. Vielleicht ist da etwas dran." Sie lächelte leicht. "Du hast Glück, dass deine Eltern gut zu dir waren und immer jemand für dich da war. Aber stell dir vor, du hättest deine Eltern verloren und nur noch deine Geschwister gehabt... dann hättet ihr euch trotzdem ganz viel geben können. Halt und Liebe und Wärme und du hättest deine Eltern vielleicht vermisst... aber viele von uns können ihre Eltern nicht vermissen, sondern höchstens die Idee von lieben, netten, verständnisvollen Eltern... denn zu unseren Eltern wollen wir nicht zurück. Außer die, deren Eltern gestorben sind und die deshalb von Panatan in sein Königreich aufgenommen wurden."

Shrkali sah kein Problem darin dem neugiergigen Vierpfoter etwas von sich zu erzählen, also plapperte sie mit einem leisen Schnurren los. "Das Wasser kommt... von meiner Haut, denke ich. Und natürlich kann ich damit mehr machen als nur meine Temperatur zu regulieren." Zu der Vierpföterin gewant erklärte sie: "Ich kann mein Fell so einfrieren, dass es zwar hart ist, ich mich aber trotzdem noch ungehindert bewegen kann. Dann muss man um mir zu schaden erst einmal die Kruste brechen, und ich kann wenn nötig mit etwas Härterem zuschlagen." Durch das Interesse der Anderen gescheichelt fügte sie inzu: "Wenn es etwas wärmer wäre könnte ich es euch zeigen."

Corvin lachte leise in sich hinein, als Lavaya davon lief. "Und das nennt sich dann erwachsen..." Er seufzte und wandte sich dann an Yavru. "Versteh mich nicht falsch... es ist auch für Erwachsene in Ordnung, Angst zu haben... und davon zu laufen... aber wir finden einfach, dass wir uns gegenseitig viel mehr geben könnten, wenn Erwachsene nicht so bestimmend wären. Ich bin ein Toralin. Das heißt ich gehöre zu einem bestimmten Bärenclan. Und wir sind mit den Jokateru verfeindet. Aber ich habe einen Freund dort im anderen Clan gefunden. Wir haben uns heimlich getroffen, aber wir wussten, dass wir viel zu verlieren hatten... und dann hat mein Bruder, Coluba, meinen einzigen Freund, Hirun, getötet, indem er ihn in eine Schlucht stieß. Ich habe versucht, meiner Familie zu erklären, dass Hirun nicht böse war und dass auch seine Familie nicht böse ist... und dass wir Frieden schließen könnten... Aber mein Vater war wütend und hat mich bestraft und mein Bruder wurde geehrt, für seinen Mut. Ich konnte keinen Tag länger dort bleiben, nur um mich durchfüttern zu lassen. Mir wurde schlecht von ihrem Gerede und ihrem Hass und als ich ging, sah ich dem wahrscheinlichen Tod entgegen. Das war besser, als zu bleiben und mein Herz wieder und wieder in tausend Stücke zerreißen zu lassen."

Panatan lachte amüsiert, über den Wink mit dem Zaunpfahl. "Sommertraum...", hauchte er wie ein Magier in die leere Welt und sogleich gestaltete sich alles nach seinen Vorstellungen. Es wurde warm und die Sonne schien von einem wolkenlosen Himmel auf sie herunter. Der Schnee schmolz beinahe augenblicklich unter ihren Pfoten und Panatan ließ das bewusst geschehen, ohne den Schnee mit seinem Sommerbild sofort zu vertreiben. Alles wurde licht und hell und nur flüchtig aus den Augenwinkeln beobachtete er Lavaya, deren Verhalten ihm nicht entgangen war. Er wusste nicht ganz genau, was sie zur Flucht bewegt hatte, aber im Gesamten glaubte er verstanden zu haben, dass sie den Gedanken nicht ertragen konnte, dass seine Untertanen nicht aus heilen Welten stammten.

Der Schnee schmilzt unter der Sommersonne und es wird vor allem den Gaiawölfen ziemlich schnell warm werden.

Yavru hätte Lavaya nicht für so empfindlich gehalten. Ihm war schon klar gewesen, dass sie aus einer recht friedlichen Welt stammen musste, und was Nalani und Corvin berichteten, war wirklich schrecklich. Aber wenn sie sich entschieden hatte, auf Weltenreise zu gehen, und im Gegensatz zu ihm hatte sie es ja freiwillig getan, müsste sie auch zumindest ertragen können, zu hören, wie grausam es in manchen Gegenden des Weltenbaums anscheinend zuging. „Ich bin mir sicher, dass du eine gute Mutter sein wirst, egal wie deine Mutter zu dir auch gewesen sein mag“, meinte er zu Nalani. Ja, es war schön, wenn man Liebe geben konnte, ohne sie selbst erfahren zuhaben. „Ich habe wirklich meine Mutter verloren, und wir dachten, sie wäre tot, obwohl sie es doch nicht war. Und ja, ich habe sie vermisst, bis ich sie endlich wieder gefunden hatte. Und ich vermisse meine Eltern immer noch, nachdem ich sie wieder verloren habe. Aber mein Vater hat sich um mich gekümmert, und wenn er nicht da gewesen wäre, hätte es ein anderer Wolf aus dem Rudel getan. Meine Geschwister waren auch nicht meine richtigen Geschwister, meine Eltern hatten sie auch nur adoptiert, weil ihre Eltern gestorben sind. Wenn wir aber ganz alleine gewesen wären … ich glaube nicht, dass wir das geschafft hätten.“ Sie wären gestorben, auf schreckliche Art und Weise, da machte er sich nichts vor. Corvins Geschichte war traurig, doch er konnte sie nur zu gut nachvollziehen. Die Weißen Schatten hatten ohne zu zögern Xavra getötet, und sie hätten sich sicherlich auch von einem ihrer eigenen Welpen nicht davon abbringen lassen, sondern diesen womöglich noch als Verräter bestraft. Er konnte nur froh sein, dass sein eigenes Rudel da besser war. Obwohl er lieber nicht so genau wissen wollte, ob Aszira einen Welpen der Weißen Schatten akzeptiert hätte. Es war jedenfalls gut, dass sie nicht mehr seine Patin war. „Ich verstehe, warum du weggelaufen bist. Und ich freue mich, dass du hier eine neue Heimat gefunden hast.“ Der chnee verschwand und es wurde wärmer, sehr viel wärmer. So warm wie ein heißer Sommertag, nur dass er immer noch weitestgehend seinen Winterpelz hatte. Er warf einen leicht unzufriedenen Blick in Richtung Panatan, aber er wollte sich nicht bloß wegen des Wetters von den beiden abwenden, wie Lavaya es schon getan hatte. Sie hatten es verdient, dass man ihnen zuhörte.

Lavaya freute sich, dass Panatan es wieder wärmer werden ließ, auch wenn es jetzt fast schon zu warm wurde. Aber warme Tage war sie durchaus gewohnt, ganz im Gegensatz zu Schnee. „Das heißt, du wirst dann gar nicht komplett zu Eis, nur den Fell gefriert um dich zu schützen? Ja, das würde ich gerne sehen“, antwortete sie auf Shrkalis Angebot, jetzt, wo das Wetter dem nicht mehr entgegen stand.

Nalani schmiegte sich katzenhaft an Corvin, weil sie ihren Freund kannte und wusste, dass er sich mit dem Sprechen über Hirun sehr schwer tat. "Du scheint auch schon sehr viel erlebt zu haben, Yavru... und du bist schon erwachsen geworden... jetzt bist du unabhängig und kannst selbst entscheiden, wie du mit anderen umgehst. Ob du ihnen ein Bruder oder ein Freund bist, oder ein Vater..." Sie blickte zu Corvin auf. "Wir sind eigentlich alle Brüder und Schwestern. Panatan sorgt dafür, dass wir alles haben, was wir brauchen. Nahrung und Wasser und Herausforderungen und jeder von uns schenkt den anderen auf seine Weise Liebe. Wir haben natürlich auch oft Probleme. Wir sind alle unterschiedlich, mit unterschiedlichen Geschichten und Ansichten. Das Zanken gehört dazu, aber eigentlich lernt man dabei auch immer viel. Ich denke alles, was wir jeden Tag erleben, wird uns helfen, wenn wir erwachsen sind. Auf die ein oder andere Art."

Corvin zog Nalani ein bisschen am Ohr, weil sie ihn behandelte, als wäre er überempfindlich und zerbrechlich. Das war er nicht. "Ich wünschte, Hirun und ich hätten gemeinsam hier leben können.", hauchte er. Das war die tiefste Wahrheit seines Herzens. "Ich weiß nicht, ob ich je gehen werde. Ich sehne mich nicht danach, ein Vater zu werden, auch wenn ich es mir schön vorstelle. Ich glaube ich werde hier viel mehr gebraucht. Als großer Bruder. Ich hatte in meiner Familie keine jüngeren Geschwister. Ich war der Jüngste. Mein Bruder hat mir gezeigt, wie ein Bruder sein muss. Nicht, weil er ein guter Bruder war... er war eigentlich nie nett zu mir... Aber er hat mich gelehrt, was ich mir für einen großen Bruder wünsche. Und der Bruder, den ich mir gewünscht habe, will ich den vielen Jungtieren hier sein. Jedem. Das fühlt sich viel mehr nach meiner Bestimmung an, als Gedanken daran, dass ich Vater sein könnte."

Yavru glaubte zu verstehen. „Gewissermaßen ist Panatan dann also ein Adoptivvater für euch alle.“ Er hoffte, mit dieser Feststellung weder den König noch dessen Untertanen zu kränken, aber seiner Ansicht nach war das nun mal in etwa das, was ein Vater tat. Dann wandte er sich an Corvin. Der kleine Bär tat ihm Leid. „Ich hätte es ihm auch gewünscht. Aber vielleicht ist er jetzt in den Sternenlanden und beobachtet dich und freut sich, dass es dir gut geht. Und vielleicht siehst du ihn irgendwann in ferner Zukunft wieder.“ Er wusste, dass das klang, wie etwas, was Eltern ihren Welpen sagten, um sie zu trösten, obwohl sie selbst nicht daran glaubten. Doch mittlerweile wusste er, dass es im Weltenbaum durchaus möglich war, dass die Toten über die Lebenden wachten und man sie irgendwann wiedersehen konnte, und sei es erst nach dem eigenen Tod. „Ich bin mir sicher, du bist ein guter großer Bruder, wie du auch ein guter Vater wärst. Und ich bin mir sicher, jeder kann von dir lernen, dass Hass nur Trauer bringt, und noch mehr Hass.“ Auf einmal kam er sich fast ein wenig weise vor – und alt.

Nalani dachte darüber nach. "Ich weiß nicht, ob ich in seiner Majestät einen Vater sehen würde...", sinnierte sie. "Ich denke, auch er ist mehr ein großer Bruder. Jemand, der uns besser versteht, als es ein Vater je könnte und uns dennoch behütet." Sie lächelte. Auch über die Worte von Corvin. Ihr ernster Freund war zwar oft düster, aber es gab sehr viel Liebe in ihm, die man oft spüren durfte. Und ihr gefiel auch, was Yavru über Hirun sagte und welche tröstliche Aussicht sich in den Worten für Corvin verbarg. "Ich glaube, wir müssen jetzt auch langsam zurück zu den anderen. Sie waren sehr unruhig, weil der Schutzschild fort war und viele Angst hatten, dass Naelura kaputt gehen könnte. Dann wären wir alle wieder heimatlos." Sie erhob sich zum Gehen. "Die Wölfe kümmern sich um die Ängstlichsten... aber sie können sicher noch Unterstützung gebrauchen." Mit einem Kopfnicken verabschiedete sie sich. "Viel Glück auf eurem Lebensweg..." Mit ein paar Löwenwelpensprüngen verschwand sie in der Leere. Panatan öffnete ihr das Tor ins Königreich.

Corvin betrachtete Yavru eine Weile und nickte schließlich. "Danke." Es blieb unklar, wofür er sich bedankte. Ob für die Komplimente, oder die tröstenden Worte, oder für den Glauben des Älteren. Er schloss sich Nalani an und wollte auch zu den anderen zurück. Zu seiner Familie. Die Wölfin, die sie hatte kennenlernen wollen, war ohnehin gegangen. Er nahm es ihr nicht übel und es hatte ihn nicht gestört, mit Yavru zu sprechen, auch wenn er sich ungern derart offenbarte. Das waren Mutproben, denen sich die wenigsten Erwachsenen stellten und deshalb nahm er sie manchmal wahr. Es kostete ihn viel mehr Überwindung, als von den höchsten Felsen zu springen. "Vergiss nicht, dass deine Eltern und alle die du liebst immer in deinem Herzen bleiben werden. Egal wo du bist... sie begleiten dich, auch wenn sie nicht an deiner Seite gehen." Die Toten wie die Lebenden. "Lebt wohl..." Er folgte Nalani.

Yavru bedauerte, dass Nalani und Corvin sich entschieden, zu gehen. Corvins Worte hatten für ein Jungtier erstaunlich weise geklungen. Womöglich waren manche Bewohner Naeluras in Wahrheit erwachsener, als sie selbst glaubten – zumindest innerlich. „Euch ebenfalls viel Glück. Und falls ihr euch entscheidet, erwachsen zu werden und Naelura zu verlassen, könnt ihr mich jederzeit besuchen kommen.“ Falls er dann noch im Weltenbaum war. Aber er machte sich ohnehin nichts vor: Er würde die beiden nie wieder sehen. Schade, aber so war das. Schon in Gaia hatte er mehr Wölfe kennen gelernt, als er jemals auch nur ein weiteres mal hätte sehen können, und seit er hier war – und so lange war das nun auch noch nicht her – war die Anzahl noch einmal deutlich gestiegen, wobei es jetzt natürlich nicht nur Wölfe betraf. Langsam schlenderte er zu Lavaya, um zu schauen, wo sie abgeblieben war und wie es ihr jetzt ging.





Geschlecht


Alter


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Status


Charakterbogen


Lu, Kyro, Josh, Lio



24.03.2018 00:45
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Lijenna
Lillyan Caesar






Art
Wolfsträumer

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Panatan war es gewöhnt, viele Wesen auf einmal im Blick zu haben, weshalb er realisierte, dass Nalani und Corvin zu den anderen ins Königreich zurückkehren wollten. Er öffnete den Schleier kurz, damit sie hindurch gehen konnten. Aus den Augenwinkeln nahm er wahr, wie Yavru sich nun auch zu ihnen gesellte. Zunächst richtete sich seine Aufmerksamkeit aber auf Lavaya, während sich Shrkali entschuldigte, weil sie einen Moment Ruhe brauchte, um vom Dampfen auf das Eis umzustellen. "Du wolltest meine Untertanen kennenlernen... aber was du kennenlernen durftest, schien dir nicht zu gefallen?!"

Lavaya senkte schuldbewusst ihren Blick als Panatan sie ansprach. „Entschuldige bitte. Es liegt nicht an deinen Untertanen, die waren wirklich nett und es war lehrreich, ihnen zuzuhören. Aber auf das, was sie erzählt haben, war ich nicht vorbereitet. Ich kann einfach nicht fassen, dass es Wesen geben soll, die so etwas grausames tun.“

Yavru lauschte dem Gespräch. Panatan schien nicht gerade begeistert davon zu sein, das Lavaya seine Untertanen kennen lernen wollte, nur um dann zu flüchten. Und ehrlich gesagt konnte er das verstehen, auch wenn ihm klar war, dass sie es nicht aus Desinteresse, sondern aus Überforderung und Entsetzen getan hatte. Aber mit ihrer Naivität würde Lavaya im Weltenbaum wohl nicht lange durchhalten. Zwar hatte er selbst nur einen kleinen Teil davon gesehen, aber er zweifelte mittlerweile nicht mehr daran, dass sich darin bestimmt auch Schrecken verbargen, denen gegenüber das, was Nalani und Corvin erzählt hatten, Gutenachtgeschichten waren. Schweigend schüttelte er den Kopf.

Laelia dachte immer noch über das Gespräch nach, das sie mitangehört hatte. Sie hatte nicht wirklich das Bedürfnis gehabt, was dazu zu sagen, aber das lag sicher nicht daran, dass sie es uninteressant gefunden hatte. Jetzt lenkte sie ihre Aufmerksamkeit jedoch wieder auf das Geschehen um sie herum - nachdenken konnte sie später auch noch.

Panatan wusste nicht so wirklich, was er zu Lavayas Aussage sagen sollte. Es kam ihm doch ein wenig absurd vor, dass eine erwachsene Wölfin noch nie von Grausamkeiten gehört hatte. Und er war auch nicht sicher, wo diese anfingen und wo sie aufhören. "Alles ist möglich.", hielt er fest. "Und alles was möglich ist, geschieht. Manchmal vor deinen Augen und manchmal weit entfernt. Aber ob du es nun siehst oder nicht... Schlimmes geschieht." Sein Blick glitt kurz zu Yavru, der weniger beeindruckt von Nalanis und Corvins Erzählungen schien. Ein bisschen verstört war er schon, dass Lavaya so... behütet aufgewachsen war, dass sie sich von oberflächlich angekratzten Geschichten derart aus der Fassung bringen ließ.

Lavaya schluckte. „Aber ich wusste nicht, dass es überhaupt möglich ist. Ich will nicht, dass solche Dinge geschehen!“ Es war nicht so, dass sie nicht mittlerweile verstanden hätte, dass es in den Welten schlimmere Dinge gab, als sie sich anfangs hatte vorstellen können. Sie erinnerte sich an das Gespräch mit Lex in Azali, als sie gelernt hatte, das es sogar Wölfe gab, die böse waren. Aber dass sich diese Bosheit sogar gegen Jungtiere richtete, war einfach zu viel für sie. Selbst Springlinge nahmen doch Rücksicht auf ihren eigenen Nachwuchs und achteten darauf, ihn nicht zu verletzen.

Yavru schüttelte wieder den Kopf. „Ich will das auch nicht, aber es geht doch nicht danach, was wir wollen!“ Als wenn alle Schlechtigkeit der Welt verschwinden würde, wenn Lavaya sich nur doll genug wünschte, das es so wäre.

Casael hielt sich mit Lexi am Rand der Gruppe und ließ die jungen Seelen machen. Er lauschte den Gesprächen und hatte sich zwischendurch leise mit seiner Freundin unterhalten. Sie spekulierten eine Weile über die Weltensprünge, die sie absolviert hatten und die Frage, wieso sich mehr Weltenwanderer mit ihnen bewegt hatten, als ursprünglich beabsichtigt war. Offenbar waren sie eine zu große und zu unberechenbare Reisegruppe. Auch Laelia hatte sich im Hintergrund gehalten. Es war Lavaya gewesen, die Panatans Untertanen hatte kennenlernen wollen. Der Wächter Azalis wartete noch, vermutete jedoch, dass sie nun bald neuerlich den Sprung nach Silvarricor wagen konnten.

Laelia brauchte einen Moment, bis sie sich eine Meinung gebildet hatte. Am Ende entschloss sie sich aber, dass sie Yavrus Sicht irgendwie vernünftiger fand - so ein wenig Realismus konnte niemandem schaden. Es gab ja offensichtlich nichts was es nicht gab, und sie hatte schon geahnt, dass es - wie bei allem - immer noch extremer werden konnte. Dass die weißen Schatten also nicht das Schlimmste war, war irgendwie nicht verwunderlich. 'Irgendwie bin ich wohl ... abgehärtet', schlussfolgerte sie bei sich. Hätte Lavaya so etwas erlebt, wie sie selbst, dann wäre sie jetzt sicher nicht so entsetzt.

Panatan sah von Lavaya zu Yavru und konnte aus dessen Reaktion zumindest schließen, dass sich die Worte der erwachsenen Wölfin für den Jungrüden genauso absurd anhörten, wie für ihn. "Selbst wenn diese Welt ist, wie ich sie will, gibt es dennoch immer wieder unvorhersehbare Störungen von außen.", bemerkte er ein bisschen belustigt. "Aber zumindest in Naelura kann ich weitgehend bestimmen, dass meinen Untertanen niemand wehtut!" Er beschwerte sich nicht darüber. "Leider kann ich nicht über alle Welten bestimmen!" Was das für ungeahnte Möglichkeiten eröffnen würde! Er überlegte kurz, was er machen würde und wie er die Welten gestalten würde. Alle Welten wären dann ähnlich wie Naelura, voller Abenteuer und Geheimnisse. Allerdings hätte er nicht gewusst, wie er 'Erwachsene' in dieses Schema hätte eingliedern sollen. Er blieb also doch lieber bei dieser einen Welt, die nur für Jungtiere da war.

Lavaya war klar, wen er mit den 'unvorhersehbaren Störungen von außen‘ meinte, aber sie ging nicht darauf ein. „Ich verstehe jetzt, warum dir diese Welt so viel bedeutet. Aber was nützt es, wenn eine Welt so ist, wenn es doch anscheinend so viele so schreckliche und grausame Welten gibt?“ Sie wusste nicht, wie sie jemals wieder einen Sonnenuntergang genießen oder auch nur in Ruhe schlafen sollte, wenn sie daran denken musste, dass im selben Augenblick in anderen Welten dutzende Jungtiere gequält wurden, teils von ihren eigenen Eltern. Dann stellte sie doch die eine Frage, die ihr schon lange auf der Zuge lag, auf die sie aber eigentlich die Antwort nicht wissen wollte. „Es gibt auch Wölfe, die so etwas tun, oder? Nicht nur so Tiere wie Nalani und Corvin?“

Lucerian hatte sich in seiner Welt etwas abseits bewegt. Es wollte sehen, ob es in seiner Abwesenheit irgendwelche Neuigkeiten gegeben hatte. Gerade hatte es noch Informationen mit den anderen Lucerian ausgetauscht, als es schon wieder aus seiner Welt verschwand. Was war denn nur los in letzter Zeit? Es wollte doch gar nicht weg! Einen kurzen Moment sah es sich um - konnte allerdings nur Leere sehen, ehe die Welt einen frostigen Boden bekam. Dieser verschwand jedoch auch schnell wieder. Als sich das Lucerian weiter umsah, erkannte es in einiger Entfernung, die anderen, die anscheinend auch wieder in Naelura angelangt waren. Es beschloss, sich zu ihnen zu gesellen - auch, wenn das hieß, dass es sich wieder in die Gegenwart von dem kleinen Wesen begeben musste, das anscheinend alle für böse befand, sich selbst aber ebenfalls nicht freundlich benahm.

Yavru würde am liebsten gar nicht mehr aufhören, den Kopf zu schütteln, aber davon tat einem dann irgendwann nur der Nacken weh. „Ja, es ist schrecklich. Aber es wird doch kein bisschen besser dadurch, dass du immerzu darüber nachdenkst und deswegen jammerst!“ Er hatte schon früh lernen müssen dass die Welt grausam sein konnte, und dass es jetzt mehrere Welten gab, änderte auch nichts daran. Wenn er ständig darüber nachdenken würde, bliebe ihm ja gar keine Möglichkeit mehr, das Leben zu genießen und sich über irgend etwas zu freuen. Die Antwort auf ihre zweite Frage schien sie selbst schon zu ahnen, so wie sie sie formulierte. „Ja, die gibt es. Wenn du die Weißen Schatten getroffen hättest, die uns aus unserer Heimat vertrieben haben, wüsstest du es. Die hatten auch keinerlei Skrupel, Welpen zu töten. Und wahrscheinlich fanden sie es auch noch lustig.“

Panatan kam sich vor, als würde er mit einem nahezu Neugeborenen reden. Irgendwie hatte er beinahe ein schlechtes Gewissen, Lavaya eröffnen zu müssen, dass es keine Wesen gab, unter denen man keine Bosheit fand. Zum Glück nahm Yavru ihm die Antwort ab. Nicht dass noch jemand auf die Idee kam, ihm die Schuld zu geben! Nur weil er wusste, wie die Welten waren, hatte er das alles noch lange nicht verursacht! "Ich glaube, ihr müsst ihr noch viel beibringen.", befand er schließlich. "Aber nicht hier. Ich muss zurück zu meinen Untertanen und euch kann ich nicht helfen, bei euren Problemen. Es wäre dennoch gut, wenn ihr nun gehen würdet. Bitte aber ohne mich." Er hoffte, in seinem Königreich war er sicher, vor diesem seltsamen Sog in die andere Welt. Er erhob sich und hatte sich mit den Worten auch an Lexi und Casael gewandt, die vermutlich jene waren, die die anderen hier wegbringen würden. "Falls ihr mal über Jungtiere stolpert, die nirgendwo hin gehören, wisst ihr ja jetzt, wohin ihr sie bringen könnt. Aber sie müssen noch Kinder sein."

Lavaya war klar, dass Yavru recht hatte. Es ging niemandem besser davon, dass es ihr schlecht ging. Nur dieses Wissen nutzte nichts gegen das Entsetzen, dass ich nun in ihrem Bewusstsein festgesetzt hatte und von dem sie fürchtete, dass es nie wieder weggehen würde. Und dass es auch Wölfe gab, die so grausam waren, hatte sie ja schon erwartet, schließlich wäre es doch sehr unwahrscheinlich, würde sie zur einzigen Art gehören, die nicht zu solchen Grausamkeiten fähig war. Dennoch traf es sie sehr. „Vielleicht liegt es an der Sache mit den Eltern“, überlegte sie laut. „Wenn ein Welpe Eltern hat, die sich um ihn kümmern, könnten andere das als Rechtfertigung sehen, grausam zu sein, weil es ja nicht ihre eigenen Welpen sind.“ Aber hatte Nalani nicht auch von Eltern gesprochen, die grausam zu ihrem eigenen Nachwuchs waren? So einfach schien es dann vielleicht doch nicht zu sein.

Laelia befand, dass man Lavaya wirklich noch viel beibringen konnte, aber sie war sich nicht sicher, ob das wirklich notwendig war. War sie denn vorher nicht glücklicher gewesen? Langsam befand Lae, dass sie sich nun doch auch mal wieder zu Wort melden konnte. "Ich weiß nicht, ob das gerade damit zusammenhängt, dass es nicht die eigenen Welpen sind... Ich glaube, manchen Wölfen ist es einfach egal, dass Welpen jung sind. Außerdem gibt es ja auch gemeine Wölfe, die selber gar keine Welpen haben..."

Casael lauschte mit einem Ohr weiter dem Gespräch und nahm dann kurz das herannahende Pflanzentier Lucerian wahr. Er begrüßte es, indem er aufstand und es anstupste. Das Rutewedeln verstand es vermutlich nicht, aber zumindest die meisten Wölfe unter ihnen wussten, was es bedeutete. Er drehte die Ohren wieder in Richtung des Gesprächs. "Die Welt ist nicht nur schwarz und weiß.", bemerkte er. "Kein Wesen ist nur böse und alles ist immer Auslegungssache und eine Frage des Standpunkts." Er schüttelte seinen Pelz zur Auflockerung. "Ich denke, Panatan hat Recht und wir sollten nun gehen. Lucerian wollte uns noch ihre Welt zeigen und ich freue mich schon, sie sehen zu dürfen!" Panatan ließ sie das Abenteuerland nicht betreten oder auch nur betrachten. Casael nahm das widerwillig hin.

Yavru bezweifelte, dass es so einfach war, wie Lavaya sich gerade überlegt hatte. Seine Eltern hatten ja sogar Welpen Adoptiert, die nicht ihre eigenen gewesen waren, und wären nie auf die Idee gekommen, sie zu quälen. Vermutlich hatte Panatan recht, sie würde noch viel lernen müssen, auch wenn er bezweifelte, der richtige Lehrer für diesen Zweck zu sein. Dass das kleine bärenähnliche Wesen jetzt auf einmal wieder darauf drängte, man möge doch ‚seine‘ Welt verlassen, fand er hingegen äußerst unhöflich. Er hatte gehofft, Panatan wäre jetzt, wo er sie kannte, umgänglicher geworden, aber anscheinend fiel er nun in sein altes Verhalten zurück. „Wie ich schon anfangs sagte: Ich wollte nie hier sein.“

Lex musterte das Lucerian, als es zu ihnen trat. Casael hatte von diesem erzählt gehabt, aber als Lex Silvarricor betreten hatte, war es bereits gegangen gewesen. Ein bisschen unsicher, wie genau das mit der Kommunikation funktionierte, blieb sie still und nickte dem Hirschgeschöpf nur freundlich zu. Ob es das verstand? Auch sie erhob sich schließlich. "Panatan... es wäre wohl besser du versuchst, möglichst viel Abstand zwischen dich und uns zubringen, ehe wir springen.", schlug sie vor.

Lucerian nickte den anderen freundlich zu, während es weiterhin ruhig blieb. Es hatte nichts von dem Gespräch mitbekommen, also hatte es auch nichts zu sagen. Die Vorstellung wieder aus dieser Welt zu verscheinden, gefiel ihm aber nicht schlecht.

Panatan war relativ gleichgültig, was Yavru über ihn dachte, hätte aber befunden, dass er sie höflichst darauf hinwies, dass sie hier nicht hergehörten und nicht bleiben konnten. Eigentlich war es ausschließlich darum gegangen, zurück zu kommen, um die Welt zu schützen. Und er hatte Lavayas Bitte nicht vergessen, seine Untertanen kennenlernen zu wollen. Nun da Lavaya aber vor den beiden davon gelaufen war, gab es keinen für ihn ersichtlichen Grund, weiter mit den Erwachsenen abzuhängen. Wenn er jemand gewesen wäre, der sich nach der Geborgenheit einer Mutter gesehnt hätte, hätte er niemals Hüter von Naelura sein können. Es war für ihn relativ langweilig, den Gesprächen der Erwachsenen zuzuhören und er konnte ihnen absolut nicht helfen. Sein Zuständigkeitsbereich hörte da auf, wo Wesen sich selbst versorgen konnten. Da das für alle Anwesenden mehr oder weniger zutraf, konnte er nur darum bitten, dass sie gingen. Da Lexi und Casael die anderen hier wegbringen konnten, war es nicht zu viel verlangt, wie er fand. Er hatte hunderte von Seelen zu betreuen, die noch immer verängstigt waren, weil sie für eine gewisse Zeit schutzlos gewesen waren... Er nickte Lexi zu. "Ich werde Abstand halten. Lebt wohl..." Der kleine, rote Panda machte mit dem Kopf eine verabschiedene Geste, aber die Erwachsenen hatten ohnehin nicht mehr wirklich Augen für ihn. Mit schnellen Sprüngen eilte er davon und schlüpfte hinter den Schutzschild, um erst einmal eine Volkszählung durchzuführen.

Lavaya konnte mit Casaels Erklärung nicht viel anfangen. Sicher, Lex hatte ihr auch schon gesagt, dass es weder nur gute noch nur schlechte Wesen gab. Aber nach dem, was sie jetzt gehört hatte, zweifelte sie daran. „Von welchem Standpunkt aus kann es nicht böse sein, einen Welpen zu quälen? Ich kann mir nichts Böseres vorstellen!“ Dann erst fiel ihr Blick auf das Lucerian, das anscheinend ebenfalls mit ihnen in diese Welt gekommen war und sich ihnen zwischenzeitlich wieder genähert hatte. Sie wandte sich an Lex: „Wir müssen die Lucerian zurückbringen! Sie Warum ist sie überhaupt wieder hier? Sie war doch so einsam hier und vermisste ihr Rudel, und wir hatten sie doch schon einmal zurück gebracht.“ Aus den Augenwinkeln nahm sie wahr, wie Panatan davon lief. „Tschüss, Panatan!“, rief sie ihm hinterher, auch wenn sie nicht wusste, ob er sie noch hörte. In ihren Augen war er gar nicht so unfreundlich, wie er sich manchmal gab, und sie hoffte durchaus, ihn irgendwann wiederzusehen.

Laelia dachte bei sich 'okay, wir gehen ja schon!' Sie hatte doch irgendwie das Gefühl, hinausgeworfen zu werden (was wohl auch so war). Aber Yavru übernahm es für sie, zu antworten. Lae nickte nur zustimmend. Und dann war das flauschige Wesen verschwunden. Lae ärgerte sich noch kurz leicht, dann sagte sie sich, dass es eigentlich nicht wert war, sich über sowas zu ärgern - es war ja egal. "Ich würde auch gerne mal sehen, wo Lucerian lebt...", mischte sie sich wieder ins Gespräch.





Geschlecht


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Charakterbogen


Lu, Kyro, Josh, Lio



31.03.2018 19:39
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